loonie: Sorry, ich kann dir leider nicht so auf deinen Kommentar antworten, wie ich gerne würde, weil du mir keine Antwortaddy da lässt, aber es freut mich, dass dir mein Kap gefallen hat. Ich verrate dir soviel...davon kommt mehr. sfg
19.
Hermine schlug die Augen auf und betrachtete das Schattenspiel an den Wänden des Zimmers. Es war stockfinster und selbst durch das geschlossene Fenster konnte man das leise Schuuen der Eulen aus dem Verbotenen Wald hören. Das Feuer prasselte immer noch im Kamin und verbreitete eine wohlige Wärme. Ein breites Lächeln umspielte ihre Lippen und sie kuschelte sich noch tiefer in das weiche Kissen. Sie war glücklich. Diese Nacht übertraf all ihre Vorstellungen von Leidenschaft und Begehren, welche sie in den Armen von Severus Snape erfahren hatte.
Um ihn nicht zu wecken drehte sie sich langsam und vorsichtig um und betrachtete ihn. Er lag auf der Seite und das lange schwarze Haar fiel ihm ins Gesicht. Mit einer zärtlichen Geste strich sie es ihm aus dem Gesicht und berührte dabei ganz zart mit den Fingerspitzen seine Wange. Ein kleines Seufzen stahl sich von seinen Lippen, doch er wachte nicht auf. Wie friedlich er aussah. Die Gesichtszüge entspannt und glatt, die langen seidigschwarzen Wimpern, die wie ein Fächer aussahen. Der harte Zug um seinen Mund war verschwunden und brachte seine sinnlichen Lippen erst richtig zur Geltung. Severus hatte im Schlaf seinen Arm um Hermine geschlungen und seine Wärme hüllte sie in einen schützenden Kokon. Nie wieder wollte sie den Fuß aus diesem Bett setzen, doch sie wusste, bald würde der Morgen kommen und wenn sie ihren Plan umsetzen wollte, musste sie nun gehen, so sehr es ihr auch widerstrebte. Sanft schob sie seinen Arm von ihrer Hüfte und stand auf. Ihre nackten Füße versanken in dem dicken Teppich und verschluckten jedes Geräusch.
Schnell suchte sie ihre Klamotten zusammen, die wild verstreut auf dem Boden lagen und zog sich an. Sollte sie eine Nachricht hinterlassen? Oder wäre das zuviel des Guten? Nein, entschied Hermine und griff sich ein Stück Pergament, welches sie auf dem Kaminsims entdeckt hatte, tauchte die Feder in die Tinte und schreib:
Die Nacht war wunderschön. Wir sehen uns morgen. Hermine
Ja, das war gut, nicht zu kitschig, nicht zu verliebt. Auf Zehenspitzen schlich sie zurück zum Bett und legte die Nachricht auf ihr Kopfkissen, warf dem schlafenden Severus eine letzte Kusshand zu und stahl sich davon.
Als ein paar Stunden später die ersten Sonnenstrahlen über die Erde huschten und so das Schlafzimmer von Snape Stück für Stück in ein helles Licht tauchten, erwachte dieser langsam aus dem Jenseits. Mit noch geschlossen Augen streckte er sich genüsslich, zog das nächst beste Kopfkissen zu sich heran und legte es sich über den Kopf. Als er den Geruch von Vanille in die Nase bekam, erwachten auch seine letzten Gehirnzellen und er richtete sich auf. Hermine. Er hatte mir ihr geschlafen und danach waren sie zusammen ins Land der Träume gegangen. Wo war sie? Vielleicht im Badezimmer? Eigentlich war es ihm nicht recht, ihr schon am frühen Morgen zu begegnen. Als typischer Morgenmuffel brauchte er seine Zeit um einigermaßen human zu werden und Gesellschaft trug nicht gerade dazu bei, seine Laune zu steigern. Etwas missmutig ließ er sich wieder in die Kissen sinken. Das fing ja gut an. Wie sollte er ihr klarmachen, dass er morgens alleine sein wollte, ohne dass sie es in den falschen Hals bekam? Normalerweise wählte er den direkten Weg, aber ausnahmsweise wollte er es ihr schonend beibringen. Noch immer hörte er kein Geräusch und so langsam fragte er sich was zum Teufel Hermine so lange in seinem Bad trieb. Mit einem genervten Seufzen drehte er sich auf die Seite, und da sah er den Zettel. Mit einem Stirnrunzeln nahm er ihn und las. Verblüffung machte sich auf seinem Gesicht breit. Damit hatte er nicht gerechnet. Keine Frau hatte bis jetzt nachts sein Bett verlassen und war in ihr eigenes zurückgekehrt, was wieder mal bewies, wie wenig ihn die meisten Menschen kannten. Erleichtert schloss er die Augen und dankte dem Himmel, mit Hermine mal eine Geliebte erwischt zu haben, die ihren Kopf benutzte und sich nicht in einer Liebeshymne nach der anderen erging. Er stand auf und bestellte einen doppelten Espresso bei einem Hauselfen. Ohne eine Portion Koffein konnte er seine Räume nicht verlassen.
Während dieser Zeit war Hermine schon lange in der großen Halle und warf alle paar Minuten einen hektischen Blick auf die Uhr. Wie lange brauchte er denn noch? Oder hatte er gar nicht vor seine Räume zu verlassen? Ging er ihr aus dem Weg? Unsicherheit überflutete sie. Auch wenn sie ein paar Dinge über das andere Geschlecht wusste, konnte man dieses Wissen freilich nicht bei Snape 1:1 umsetzen. Er war anders, was einer der Gründe war, warum Hermine so vernarrt ihn war. Um sich abzulenken stocherte sie in ihrem Rührei und trank kleine Schlucke grünen Tee um ihre flatternden Nerven zu beruhigen.
Gerade als sie aufgeben und zurück in die Bibliothek gehen wollte, öffneten sich die Flügeltüren und Snape kam herein. Das Gesicht wie üblich grimmig verzogen und komplett in schwarz gekleidet. Wie auf Knopfdruck knickten Hermine die Beine ein und zum Glück plumpste sie nur auf ihren Stuhl. Ein kurzes Nicken war der einzige Morgengruß, den Severus für seine Kollegen übrig hatte und zu Hermines Entsetzen zog er sich einen Stuhl heran und setzte sich neben sie. Wie sollte sie nun mit ihm umgehen? Musste er es ihr immer so schwer machen?
Snape wusste, er brachte sie in Bedrängnis und ihrem gehetzten Blick zu folgen fühlte sie sich gerade alles andere als wohl, aber er wollte testen, wie sie sich jetzt verhielt. Ob sie es schaffen würde sich normal zu verhalten, ohne dass die anderen Verdacht schöpften. Wie auch bei den Kollegen nickte er ihr lediglich zu und schenkte sich eine Tasse Kaffee ein, belud seinen Teller mit Rührei und Schinken und aß beherzt.
Wie unter Schock beobachtete Hermine ihn unter halb geschlossenen Augenlidern. Das durfte doch nicht wahr sein. Er aß seelenruhig und würdigte sie keines Blickes, während sie hier auf glühenden Kohlen saß?!
Doch damit nicht genug. Severus saß so nahe bei ihr, das sie seinen zimtigen Geruch riechen konnte, und als würde das nicht schon ausreichen, um ihre Sinne Karussell fahren zu lassen, presste er unvermittelt sein Bein an ihres, ohne dabei seine Mahlzeit zu unterbrechen, geschweige denn sie anzusehen. Hermine, die sich an ihrer Tasse festhielt, wie an einem rettenden Anker, fing das Zittern an und der Tee schwappte gefährlich nahe am Rand. Lasziv und ohne Hektik rieb er leicht seinen Oberschenkel an ihren und Hermine glaubte ein leises, tiefes Lachen zu hören. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, abrupt setzte sie die Tasse ab.
„Ich muss dringend etwas nachlesen", sagte sie hastig, mit roten Flecken im Gesicht und stürzte hinaus.
„Sag mal Severus, hast du Miss Granger irgendwelche Gemeinheiten an den Kopf geworfen? Das arme Mädchen sieht ganz verstört aus", mutmaßte Minerva und sah ihren Kollegen mit scharfen Blick an.
„Warum wird eigentlich immer vermutet, ich wäre die Ursache wenn jemand fluchtartig den Raum verlässt?", fragte Snape gelangweilt.
„Weil du ungefähr so harmlos und zuckersüß wie Schwefelsäure bist, mein Lieber", erwiderte Minerva eine Spur schärfer. Sie hatte Hermine schon immer gemocht und der Gedanke, dieser alte Zyniker könnte ihrem Gryffindorbaby etwas zu leide tun, erweckte die Löwin in ihr.
„Komm mal wieder runter Minerva. Miss Know-it-all wird Panik schieben, weil das neue Schuljahr bald beginnt, wahrscheinlich hatte sie in der Nacht einen Alptraum nach dem anderen oder hat kein Auge zugebracht." Snape war durch seine langjährige Arbeit als Spion ein Meister im Erzählen von Halbwahrheiten und so hatte er auch hier gelogen, aber am Schluss dennoch zum Teil die Wahrheit erzählt, geschlafen hatte Hermine wirklich nicht viel. Allein die Vorstellung wie Minerva reagieren würde, wenn sie erfahren würde, was er mit ihrem Liebling tatsächlich veranstaltet hatte, ließ ihn grinsen. Wahrscheinlich würde sie sofort zu Filch laufen, ihm die Peitschen abnehmen, um ihn damit quer durch das Schloss zu jagen.
Mit leichtem Unbehagen beobachtete McGonagall Snape. Er schien ihr irgendwie zu selbstzufrieden. Sicher, er war immer die Arroganz in Person und sehr von sich eingenommen, aber heute war irgendetwas anders. Sie konnte nicht sagen was es war, was sie störte, doch alleine dieses kleine Schmunzeln ließ sie nichts Gutes ahnen. Noch zu gut konnte sie sich daran erinnern, wie wenig begeistert er war, als er erfahren hatte, dass Miss Granger den Posten von Lupin übernehmen sollte. Die vielen Jahre der Zusammenarbeit hatten Minerva gelehrt, Severus mit Vorsicht zu genießen und der Gedanke, er könnte sich Hermine als sein neuestes Opfer ausgesucht haben, ließ sie schaudern. Das arme Lamm hatte doch überhaupt keine Chance gegen diese Ausgeburt der Hölle.
„Reich mir doch noch die Platte mit den Babys Minerva."
„Wie bitte?", fragte McGonagall verdutzt. Babys? Was zum Teufel meinte er damit?
„Ich habe Hunger, und da ich zum Frühstück am liebsten kleine Kinder esse, habe ich dich gebeten mir die Platte vor deiner Nase zu reichen", antwortete Snape mit ernsthafter Stimme.
Die Brauen zusammengezogen, reichte ihm Minerva die Platte Schinken und nahm sich fest vor ihren Kollegen genau auf die Finger zu sehen, wenn er versuchen sollte Hermine Steine in den Weg zu legen.
„Lass deine Witze Snape. Humor steht dir nicht", zischte sie leise.
„Und du pass auf was du hier sagst. Miss Granger ist sehr wohl alleine in der Lage sich zu verteidigen, sie ist kein kleines Kind mehr und selbst wenn ich sie dazu auserkoren hätte, mein Opfer zu werden, ginge dich das gar nichts an, oder möchtest du selbst in den Genuss meiner Bosheiten kommen? Ob das dein altes Herz verträgt mag ich aber bezweifeln", schloss Snape und war sich sicher, Miss Schottenrock vorerst einen Maulkorb verpasst zu haben.
Pikiert stand Minerva auf, würdigte niemanden eines Blickes, verzog sich in ihr Büro und nahm sich fest vor, sich von Snape nicht in die Ecke treiben zu lassen, obwohl der Gedanke an das, was er alleine durch Worte anrichten konnte, ihr den Angstschweiß auf die Stirn trieb.
Unentwegt lief Hermine durch die Regale in der Bibliothek ohne dabei wirklich nach links oder rechts zu sehen. Einerseits war sich noch aufgewühlt von der Nacht, andererseits war sie von seinem Verhalten in der Großen Halle schockiert. Mit Nichtbeachtung hatte sie gerechnet und nicht damit, dass er sie quälte, sie berührte, ohne das sie darauf reagieren konnte. Aber war das nicht typisch für ihn? Das Spiel mit dem Feuer lag in seinem Naturell und sie hatte es von Anfang an gewusst. Auch wenn sie es sich nur widerwillig eingestand, es gefiel ihr, wobei sie noch nicht recht wusste, wie sie damit umgehen sollte. Was sie schon wieder zu der Frage führte, ob sie ihm heute Abend einen Besuch abstatten sollte, oder nicht. Er hatte ganz klar gesagt, er wolle seine Ruhe, doch wann begann diese Ruhe und wo hörte sie auf? Da Hermine lieber auf Nummer sicher gehen wollte, entschied sie, ihn nicht aufzusuchen, es war klüger ihm nicht schon jetzt auf die Pelle zu rücken, sondern abzuwarten, bis er ein Zeichen gab. Etwas ruhiger setzte sich wieder an den Tisch und las weiter in den Büchern, die ihr Remus empfohlen hatte, machte sich Notizen und schon bald rückte Snape in den Hintergrund.
Es war schon nach 21 Uhr als Hermine endlich die letzten Bücher in das Regal stopfte und sich müde über die Augen strich. Ihr Nacken und ihre Schultern waren verspannt und nichts wollte sie jetzt mehr als ein heißes Bad. Etwas steif in den Gliedern ging sie zurück in ihr Zimmer, pfefferte ihre Tasche in die Ecke und warf sich rücklings aufs Bett. Ein leises Miauen ließ sie stöhnend wieder aufsetzen. Krummbein strich ihr um die Beine und verlangte nach Streicheleinheiten. Mit der Hand hob Hermine ihren Kater auf den Schoß und streichelte sein langes, dichtes Feld. „Was ist denn das?", fragte sie sich, als ihr ein Halsband mit einer kleinen Rolle Pergament auffiel. Neugierig nahm sie der Katze das Band ab, zog die Rolle heraus und las die Botschaft.
22 Uhr
Was war das denn bitte für eine Botschaft? 22 Uhr! Er bestellte sie zu sich, als hätte sie Nachsitzen oder einen offiziellen Termin. 22 Uhr! Pah sie war doch keine Ware, die man einfach so mit einer Uhrzeitangabe zu sich bestellen konnte. Mit jeder Sekunde wuchs Hermines Zorn. Niemand schaffte es sie mit zwei Worten so auf die Palme zu bringen. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass ihr nur noch 30 Minuten Zeit blieb um sich zu recht zu machen und die Standpauke vorzubereiten, die sie ihm halten wollte.
„Und du bist auch ein Verräter", schimpfte sie mit Krummbein, der sich sonst nicht von Fremden anfassen ließ und Snape es anscheinend geschafft hatte, einen Verbündeten auf seiner Seite zu haben und wenn es nur ihr Kater war.
22 Uhr. Darauf bedacht, nicht gesehen zu werden, schlich sich Hermine in den Kerker und klopfte leise an die Tür zu seinen Privaträumen. Die Tür schwang wie von Geisterhand auf und Hermine trat ein. Sofort strömten die Erinnerungen an die vergangene Nacht auf sie ein und sie spürte wie sich Hitze in ihr breit machte. Ihre Hände wurden feucht, und sich die Haare aus dem Gesicht schüttelnd ging sie Richtung Wohnzimmer. Erstaunt blieb sie im Türrahmen stehen. Snape saß am prasselnden Kaminfeuer, vor sich ein Muggelschachbrett und schien tief in ein Spiel mit sich selbst versunken zu sein. Die andere, freie Hälfte des Tisches war eingedeckt und ein Teller mit frischem Lachs und Toast stand bereit.
„Setz dich", forderte Snape sie mit einer Handbewegung, ohne vom Brett aufzusehen, auf.
Hermine war gerührt, erst jetzt bemerkte sie ihren Hunger, sie hatte das Mittagessen und Abendessen ausfallen lassen und das Frühstück war auch äußerst mickrig ausgefallen.
„Danke", antwortete sie und ließ sich ihm gegenüber nieder, schenkte sich ein Glas Wasser ein und trank gierig. Ihr Mund war ganz trocken. Sollte sie ihm wirklich noch eine Predigt halten, über die Art und Weise wie er sie zu sich zitiert hatte, oder sollte sie es lassen, wo er dochdi anscheinend an sie gedacht hatte.
„Ich liebe Lachs und ich habe gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging, ich habe Bärenhunger", plapperte Hermine vor sich hin, entrollte das Besteck und spießte den ersten Happen Lachs auf.
Die Gabel schwebte in der Luft als Hermine inne hielt. Snape musterte sie kalt mit zusammengekniffnen Augen, ließ seinen Blick zum Teller schweifen und dann zu ihrer Hand, die die Gabel hielt.
„Wie kommst du darauf, das Gedeck sei für dich?", fragte er emotionslos und zog die Augenbraue nach oben.
TBC
