23.
Einige
Tage später, an einem Sonntagmorgen, erwachte Hermine von den
Geräuschen, die nur ein Mensch machen konnte, wenn er Frühstück
bereitete. Schnuppernd streckte sie ihre kleine Nase in die Luft und
der angenehme Kaffeeduft stieg ihr in die Nase, weckte ihre müden
Lebensgeister und ließ ihre ansonsten morgendliche schlechte
Laune im Keim ersticken. Diese weniger gute Charaktereigenschaft
hatte sie mit Severus gemeinsam. Beide waren morgens, vor der ersten
Tasse Kaffee, nur unter Lebensgefahr ansprechbar und erst allmählich
in der Lage eine normale Konversation zu führen.
Wie eine
Katze streckte und reckte Hermine ihre Glieder, nirgends schlief sie
so gut wie in Snapes Bett bzw. in seiner Nähe. Unwillkürlich
zuckte sie zusammen, als ihre Beine ihre Morgenakrobatik mit einem
schmerzhaften Stich belohnten. Es war eine lange und anstrengende,
wenn gleich auch schöne Nacht gewesen. Langsam stand Hermine
auf, wickelte das Betttuch um ihren nackten Körper und tapste
barfuss Richtung Küche. Der dicke Teppich schluckte ihre
Schritte und das weiche Material streichelte ihre Fußsohlen.In
zwei Tagen würde das neue Schuljahr beginnen und damit die
geruhsame Zeit vorbei sein. Ihren Lehrplan hatte sie sorgfältig
vorbereitet, ihre neuen Räume hatte sie in der Zwischenzeit auch
bezogen, nichts stand also ihrem neuen Lebensabschnitt im Wege. Er
war noch gar nicht in meinen Räumen, stellte Hermine mit leisen
Bedauern fest, schob aber die betrüblichen Gedanken beiseite,
als sie im Türrahmen der Küche stehen blieb, sich dagegen
lehnte und den Mann beobachtete, der eine Tasse aus einem Schrank
nahm und sich Kaffee einschenkte. Er stand mit dem Rücken zu ihr
und hatte offenbar schon geduscht. Seine Haare glitzerten
feucht
und er trug eine schwarze Stoffhose und einen schwarzen
Rollkragenpullover, selbst im Spätsommer schien er nicht auf
diese verzichten zu wollen. Wieder eine Eigenheit des Severus
Snape, die Hermine gedanklich ihrer bereits langen Liste hinzufügte.
Völlig
versonnen betrachtete sie seine Kehrseite, ihre Augen streichelten
über seinen Rücken, wanderten bis zu seinem Po und
verweilten für einen kurzen Moment. Ohne es zu wollen war ihr
ein leises Seufzen entwichen. Ein schöner Rücken kann auch
entzücken, wie wahr das doch ist, dachte sich Hermine verträumt.
Severus drehte sich um, hob die Tasse an die Lippen und lehnte mit
der Hüfte an der Küchenzeile. Genüsslich trank er
einen Schluck und mustere über den Rand der Tasse Hermine. Und
was er sah, gefiel ihm. Ihre Haare fielen locker
über ihre
Schultern, das Laken ließ ihre Rundungen erahnen und fiel wie
eine Schleppe ihren Rücken hinab, ihre Lippen waren leicht
geschwollen und gerötet von den vielen leidenschaftlichen
Küssen, die sie in der Nacht getauscht hatten, ihre Augen
glänzten und ihre Ausstrahlung war die eines Menschen, der
glücklich war und eine leidenschaftliche Nacht verbracht
hatte.
"Guten Morgen", wisperte Hermine und trat näher,
nahm ihm die Tasse aus der Hand und trank.
"Morgen. Das ist
mein Kaffee", murmelte Severus etwas brummelig und strich ihr
scheinbar geistesabwesend eine Haarsträhne aus dem Gesicht,
dabei streifte er ihre Wange und für einen kurzen Moment schien
die Zeit still zu stehen, als Hermine ihre Wange in seine Hand
schmiegte und einen kleinen Kuss auf seine Handinnenfläche
hauchte.
"Was hast du vor?", fragte Severus mit
misstrauischem Blick.
"Gar nichts", antwortete Hermine
leise, strich jetzt, statt mit den Lippen, mit der Zungenspitze über
seine weiche Haut. Unerträglich langsam glitt ihre Zunge bis zu
seinem Zeigefinger, leckte ihn mit federleichten Berührungen ab
und als sie mit ihren Lippen über seine Fingerkuppe strich,
hörte sie ihn nach Luft schnappen. Sie knabberte ihn mit ihren
Zähnen an und als sie seinen Finger in den Mund nahm und leicht
daran saugte, blickte sie ihm
dabei fest in die Augen, damit er
das Feuer, welches in ihr brannte, erkannte.
"Du bist wohl
unersättlich", sagte Severus leise und seine dunkle Stimme
jagte einen Lustschauer nach dem anderen durch Hermines Körper.
"Ich
bin süchtig nach dir", antworte Hermine, gab seine Hand
frei, ließ das Laken los und stand nackt inmitten seiner
Küche.Ohne etwas zu sagen betrachtete Snape sie von oben bis
unten. Mittlerweile kannte er jeden Zentimeter ihres Körpers,
aber er wurde es nicht müde, ihn immer wieder aufs Neue zu
erforschen. Er blieb stehen wo er war, streckte die Hand aus und
legte sie auf ihren Bauch, streichelte ihn sanft und beobachtete ganz
genau ihre Reaktion. Seufzend schloss Hermine die Augen, die Lust
sammelte sich in ihrem Schoß, pochte und pulsierte. Seine Hand
schob sich langsam nach unten, erreichte ihre Scham und strich mit
sanften Bewegungen über ihre Lustperle. Der Laut der Lust kam
nie aus Hermines Mund,
Severus fing ihre Lippen zu einem heißen
Kuss ein, lockte ihre Zunge in seinen Mund, spielte mir ihr und
steigerte damit noch ihr Verlangen. Wie durch einen Schleier nahm
Hermine war, wie er sie hochhob und auf dem Küchentisch
absetzte. Seine Zunge strich über ihren Puls, sein heißer
Atem strich über ihr Ohr und seine Zähne knabberten an
ihrem Ohrläppchen. Als er zu biss schoss der süße
kleine Schmerz direkt ihn ihren Schoß. Nicht im Stande klar zu
denken, schob Hermine ihre Hände in seine Haare, streichelte
seinen Nacken und schlang ihre Beine um seine Hüften. Endlich
erreichte er ihre Brustwarze und als er sie in den Mund nahm und
leicht daran saugte, drang er mit einem Finger in sie sein,
streichelte sie wie sie es mochte, bewegte sich vor und zurück,
zog ihn wieder hinaus um ihre Lustperle zu reiben und zu necken. Mit
der freien Hand machte er den Tisch frei, jetzt war es zu spät,
er wollte sie, jetzt hier auf dem Tisch.
In der Zwischenzeit waren
Hermines Hände auf Wanderschaft gegangen, hatten sich an seiner
Hose zu schaffen gemacht und die Knöpfe gelöst. Seine
Erregnung war mehr als deutlich zu erkennen und als sie mit langsamen
Bewegungen sein Glied zu streicheln begann, stöhnte Severus ihr
leise ins Ohr und drückte sie mit der Hand flach auf den Tisch.
Nun lag sie völlig
schutzlos vor ihm. Fordernd hob ihm
Hermine ihr Becken entgegen und als sie ihre Beine fest um ihn
schlang, brauchte er keine weiter Aufforderung mehr, er drang in sie
ein und war froh, dass über seine Räume ein Schallzauber
hing, denn Hermine schrie sich die Lust aus dem Körper. Ihr
Hohlkreuz präsentierte ihre Brüste mehr als appetitlich und
seine Hand fuhr ihr
Brustbein hoch und runter, streifte ihre
Brüste, knetete sie, zwirbelte ihre Warzen zwischen seinen
Finger, während er sich quälend langsam in ihr bewegte.
Über Hermines Körper zog sich eine Gänsehaut und als
er ihre Perle zusätzlich mit dem Finger stimulierte, dauerte es
nicht lange und Hermine und Severus wurden von einem gewaltigen
Höhepunkt überrollt.
Erschöpft lag er auf ihr
und seine Haare lagen wie ein Vorhang auf ihrem Dekoltee, die sie
beiseite schob, um ihm über das Gesicht zu streicheln.
"Gott,
das war heftig!", sagte Hermine mit einem Schmunzeln.
Zur
Antwort küsste Severus sie auf die Stirn, half ihr auf und
schickte sie mit einem Klaps auf dem Po in die Dusche.
"Die
Frau macht mich fertig", dachte er, als er Hermine in sein
Badezimmer verschwinden sah. "Aber ich würde lügen,
wenn ich behaupten würde, es würde mir nicht gefallen",
ergänzte er gedanklich, setzte sich an einen Ohrensessel am
Kamin und lauschte den schiefen Klängen, die Hermine unter der
Dusche von sich gab.
Eine kleine Eule holte in aus der
gedanklichen Versunkenheit. Stirnrunzelnd betrachtete er den
Steinkauz, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Der Kauz klopfte mit
dem Schnabel beharrlich an das Fenster und so blieb Snape nichts
anderes übrig, als das Vieh herein zu lassen. Irgendwie kam ihm
der Vogel doch bekannt vor, auch wenn er nicht wusste, woher. Da er
keine Post von irgend jemanden annahm, lugt er auf die Pergamentrolle
und erstarrte. Dort prangte sie, die Schrift von Ronald Waschlab!
Diese Schrift würde er unter tausenden wieder erkennen,
schließlich war er jahrelang gezwungen gewesen sie zu lesen.
Verstimmt setzte er sich wieder hin, seine gute Laune, wenn man das
so nennen konnte, hatte sich im Nu verflüchtigt.
Vor sich hin
pfeifend kam Hermine aus dem Bad und rubbelte sich die Haare trocken
als sie Snapes Gesichtsausdruck sah. "Was für eine Laus ist
ihm denn nun schon wieder über die Leber gelaufen?", fragte
sie sich und als sie die Eule auf dem Fenstersims sah, war ihr alles
klar. Was Ron nur von ihr wollte? Schnell nahm sie der Eule den Brief
ab und überflog die wenigen Zeilen.
Liebe Hermine,
es
gibt einige Dinge, über die ich mit dir reden muss und ich wäre
dankbar,
wenn du heute gegen 20.00 Uhr bei mir sein könntest.
Es ist wirklich
wichtig.
Danke, Ron
Was konnte das
nur bedeuten? Ratlos las Hermine den Brief ein zweites Mal. Daraus
wurde sie nicht schlau, aber sie würde zu ihm gehen. Irgendwie
klang er ernst und auch wenn sie kein Paar waren, so verstand es sich
unter Freunden wie von selbst, füreinander da zu sein, wenn man
sich brauchte.
"Ich darf schon wieder Kummerkastentante
spielen", sagte sie laut und warf einen Blick zu Snape, der
ungerührt in die Flammen starrte. Hermine schubste seine Füße
vom Schemel, setzte sich ihm gegenüber und wrang ihre Hände
in einer hilflosen Geste.
"Severus?"
"Hmmm..."
"Kann
ich dich etwas fragen?"
"Tust du doch schon."
"Es
ist wichtig für mich", betonte Hermine mit Nachdruck und
Snape verdrehte die Augen.
"Dann schieß los",
antwortete er gelangweilt.
"Ich... also, da ich sowieso die
meiste Zeit bei dir bin, habe ich mir überlegt, nun also, ob du
was dagegen hast, wenn ich eine zweite Zahnbürste bei dir
deponiere", endete Hermine mit angespannter Haltung.
Wie sie
erwartet hatte, zog er eine Augenbraue in die Höhe und musterte
sie.
"Wozu soll das gut sein?", fragte er
aalglatt.
"Naja, ich hab keine Lust mir ständig eine zu
zaubern und eine Zahnbürste wird dein Badezimmer wohl nicht
verunstalten", erklärte Hermine und drückte sich
selbst die Daumen.
"Solange es bei einer Zahnbürste
bleibt, von mir aus, aber komm bloß nicht auf die Idee, deinen
Wassermalkasten, bei Frauen auch als Make-up bekannt, bei mir
unterzubringen, wenn ich die Schränke aufmache und mir dein Zeug
entgegenfliegt, landet es im Müll."
Innerlich
triumphierte Hermine. Es war ein kleiner Sieg, aber es war definitiv
ein Fortschritt. Endlich ließ er sie ein Stück weit in
sein Leben vordringen.
"Natürlich", erwiderte
Hermine und versuchte ihre Stimme so neutral wie möglich klingen
zu lassen.
"Ich werde dich jetzt alleine lassen. Ich habe
noch etliches zu tun", sagte sie, stand auf, drückte ihm
einen Kuss auf die Lippen und verschwand. Snape sah ihr hinterher und
sein Gesicht verdüsterte sich. Der Kauz war schon längst
wieder abgeflogen und als sein Blick auf die Pergamentrolle fiel, war
er für einen kurzen Moment versucht darin zu lesen, doch er
unterdrückte den Drang.
"Was ist nur los mit mir? Warum
reagiere ich überreizt nur weil so ein kleiner grüner Wicht
auf der Bildfläche erscheint?", fragte sich Snape und
versuchte das kleine Chaos, welches in seinem Inneren tobte zu
ordnen.
Wie so oft in den letzten Monaten zog er Hermines Tagebuch
zu Rate, welches ihm half ruhiger zu werden und seine Gedanken besser
zu ordnen.
Es ist doch zum Kotzen. Normalerweise
bediene ich mich nicht dieser Sprache, aber eine andere Bezeichnung
fällt mir leider nicht ein. Harry, Ron und ich sind nirgends
ungestört, ständig schwirrt jemand vom Orden um uns herum,
als ob wir nicht selbst auf uns aufpassen könnten. Verdammte
Axt. Wie sollen wir besprechen wie es weiter geht, wenn wir nie unter
uns sein können? Ich werde jetzt die Lage auskundschaften
gehen.
Man oh man, ich dreh am Rad! Die Zeit läuft
uns davon und wir sitzen hier untätig rum! Ich krieg die Krise!
Ich habe mich jetzt in den Garten verzogen, hinter dem Schuppen, dort
ist man wenigstens etwas unbeobachtet...Hier hörte der Text
abrupt auf, nur ein dicker Tintenfleck ließ erahnen, dass etwas
passiert sein musste.
Das war noch mal knapp. Fawkes ist mit
einem Knall erschienen, mit einer Pergamentrolle an seinem Bein. Ich
bin total erschrocken und dachte die Todesser wären los (heute
habe ich wirklich Galgenhumor). Warum er ausgerechnet mir erschienen
ist? Ich nahm ihm die Rolle ab und erkannte die Handschrift von
Dumbledore. Ich war verwirrt, genauso wie beim letzten Mal, was
konnte nun darin stehen? Vorsichtig entrollte ich sie und was dort zu
lesen war, kam einem Lottogewinn gleich. Harry hatte mir von den
Vermutungen Dumbledores erzählt, die besagten, ein weiterer
Horkrux sei vermutlich etwas von Ravenclaw. Hier hatten wir den
Beweis, wie richtig er lag. Dumbledore erklärte, wo der nächste
Horkrux vermutlich zu finden war, mit Erklärungen dazu, was ihn
zu dieser Annahme veranlasste. Das Waisenhaus kam nicht in Frage, es
lag mitten in Muggellondon und war immer noch ein Zufluchtsort für
heimatlose Kinder, die den Horkrux sicher schnell ausfindig
gemacht hätten, das Haus der Riddles konnte es auch nicht sein,
das war zu offensichtlich, Askaban auch nicht, den dort hätte er
sich seinen Horkrux schon längst beschaffen können,
dasselbe galt für Gringotts. Also musst er logischerweise den
Horkrux jemanden anvertraut haben und wer würde ihn besser
schützen, als Bellatrix Lestrange? Niemand! Laut Dumbledore gab
es eine Brosche von
Ravenclaw, die aus Platin war, in der Mitte
einen silbernen Adler trug und von herrlich funkelnden blauen
Smaragden eingefasst war. Was könnte leichter sein, als
Bellatrix, dieser fanatischen Zimzicke ein Geschenk ihres Meisters
abzuluchsen? Das wird ein Spaziergang. Sie weiß sicher nicht,
was sie da ihn ihrer Obhut hat.
Snape hielt inne. In der
Tat war es so gewesen, dass nicht Dumbledore zu dem Schluss kam, wo
der nächste Horkrux war, sondern er. Er hatte viel
nachgeforscht, überlegt und beobachtet. Eine andere
Schlussfolgerung gab es nicht und er lag richtig, das sagte ihm sein
Instinkt.
Also das Schicksal geht wirklich komische Wege.
Heute traf noch eine Eule von Neville ein und er schrieb uns
Belanglosigkeiten, zwischen den Zeilen konnte man erkennen, wie sehr
Neville ein Mitteilungsbedürfnis hatte und er den Kontakt
suchte. Wir hätten ihn gut gebrauchen können. Der Brief von
Neville lieferte uns einen Vorwand, um mal alleine zu sein und ich
erzählte den Jungs, was in der Zwischenzeit, ohne ihr Wissen,
passiert war.
"Bellatrix, das passt", war Harrys
einziger Kommentar dazu. Ich weiß nicht wie, aber auf jeden
Fall kamen wir auf die Idee, Neville mit einzuspannen, er sollte die
Gelegenheit dazubekommen Rache für seine Eltern zu nehmen, wenn
er das immer noch wollte. Also schrieben wir ihm zurück,
verzauberten den Brief als Portschlüssel (ich weiß, es war
leichtsinnig) und verschlüsselten unsere Botschaft so, dass er
sie auf den ersten Blick nicht
würde verstehen können,
aber beim zweiten Lesen er einen Code erkennen und entziffern konnte.
Wir hofften, er würde sich entschließen zu kommen. Solange
hieß es abwarten.
Stunde
um Stunde verging, ohne besondere Vorkommnisse. Es wurde Nacht und um
Punkt Mitternacht sollte sich der Portschlüssel aktivieren,
Ginny hatten wir eingeweiht und gespannt sahen wir aus dem Fenster um
Nevilles Ankunft nicht zu verpassen.
Da war er. Zwar
konnte man im Mondlicht sehen wie ängstlich er war, doch alles
an ihm schrie nach einem Kampf. Laut Dumbledore war das Haus der
Riddles das Hauptquartier von Voldemort und Konsorten. Wir schlichen
uns aus dem Haus und gingen, geschützt durch die Schatten zu
Neville. Einen wirklichen Plan hatten wir nicht, aber wir
beschlossen, erstmal zu dem Familiensitz der Malfoys zu apparieren,
Bella würde sicher bei ihrer Schwester leben, bevor wir uns auf
in die Höhle des Löwen machten. Wo die Malfoys residierten
war schließlich kein Geheimnis. Als wir uns in dunkle Umhänge
gehüllt hatten, war es soweit. Wir apparierten und konnten von
einer kleinen Anhöhe aus die Lichter durch die Fenster
schimmern sehen. Vorsichtig näherten wir uns Schritt für
Schritt. Es schien ruhig zu sein, der Wind stand still und von
weiteren Wachposten war nichts zu sehen. Neville und Ginny wurden zum
Schmiere stehen unter den Tarnumhang gesteckt und am Rande des
Grundstückes postiert. Harry, Ron und ich gingen weiter.
Plötzlich tat Harry etwas absolut unvorhergesehenes. Erhobenen
Hauptes schritt er zu der Eingangstür und ließ den
Türklopfer, das Wappen der Malfoys, gegen das massive Holz
krachen. Es dröhnte durch das ganze Haus
und sofort schoss
mir "Die Glocke, die deine letzte Stunde einleitet" durch
den Kopf. Schritte waren zu hören und als sich die Türe
öffnete, konnte man die schmale Gestalt von Narzissa Malfoy
erkennen. Ihr Gesichtsausdruck wechselte innerhalb weniger
Nanosekunden von ungläubig zu wütend. Bevor sie auch nur
ein Wort sagen konnte, hob Harry beide Hände, wie um ihr zu
zeigen, dass er nicht angreifen würde und sprach mit ruhiger
Stimme.
"Wir sind nicht hier um Flüche durch die Gegend
zu schicken, wir wollen reden."
Ich war gelinde gesagt
entsetzt. Was faselte er da? Später erzählte Harry mir, er
habe nicht vergessen, wie Draco gezögert hatte, Dumbledore zu
töten und er habe gehofft, durch ein Gespräch mehr
erreichen zu können, als mit Taten. Wie sehr er mich in diesem
Moment an Dumbledore erinnert hat.
Zu meinem Erstaunen trat
Narzissa tatsächlich zur Seite und wir huschten hinein. Die
Eingangshalle wirkte düster, es war herrlich warm durch die
vielen offenen Kamine, in denen hohe Flammen loderten.
"Wo
ist Draco?", fragte Harry.
Ein Schatten überflog
Narzissas Gesicht und wir wussten, Lord Voldemort hatte ihn für
seinen Ungehorsam bestraft, Ron sah betroffen drein, ebenso wie Harry
und ich wahrscheinlich auch. Klar, wir mochten Malfoy nicht, aber das
wünschte ihm keiner von uns. Es schien niemand anderes im Haus
zu sein, Malfoy senior war wohl noch bei seinem Meister um zu
katzbuckeln.
"Was wollt ihr?", fragte Narzissa
misstrauisch.
Harry setzte sich an den langen Tisch im
angrenzenden Raum und sah sie abschätzend an.
"Hören
Sie mir zu, ich weiß, Sie bzw. Draco haben Angst Ihnen oder
Ihrem verehrten Gemahl könnte etwas zustoßen, das ist der
einzige Grund, warum er sich auf die Sache mit Voldemort eingelassen
hat", Narzissa schnappte nach Luft, als Harry den Namen
aussprach, was außer ihm nur Dumbledore gewagt hatte, doch er
zog nur die Augenbraue hoch und erinnerte mich in diesem Moment sehr
an Snape.
"Deswegen bitte ich Ihnen folgendes an. Ich bin der
Auserwählte, ich werde Voldemort vernichten, koste es was es
wolle. Entweder Ihre Familie entscheidet sich für die falsche
Seite und wird genauso enden wie Voldemort, oder aber Sie halten sich
raus und kommen ungeschoren davon. Ich habe Draco auf dem Turm
gesehen, als Dumbledore starb, auch wenn ich ihn nicht leiden kann,
keiner hat so ein Schicksal verdient und er liebt seine Eltern.
Wollen Sie ihm wirklich den Wölfen zum Fraß vorwerfen,
können Sie das verantworten,
wollen Sie ihm seine Zukunft
berauben? Und da wir schon gerade von ihm reden, wo ist er, er sollte
dabei sein", vollendete Harry und sah Narzissa abwartend ab. Ich
war platt und Rons Mine nach zu urteilen ging es ihm
genauso.
Narzissa rief mit lauter Stimme nach Draco und als er
hereinkam, verwandelte sich mein Magen in ein Klumpen Eis. Sein
Gesicht war grün und blau geschlagen, seine Augen trugen
Veilchen, seine Nase sah aus, als wäre sie gebrochen wurden und
an seinem Kinn sah man Narben, vermutlich von einer offenen Wunde.
Seine Hände sahen zerschnitten aus und er war so mager geworden,
es war erschreckend. Die ganze Körperhaltung entsprach der eines
gebrochenen alten Mannes.
"Was willst du Potter?",
seine Stimme klang müde, keine Spur von Trotz.
"Malfoy,
tu das Richtige, komm auf unsere Seite, oder willst du sterben?
Willst als ein Nichts enden, geopfert für einen
durchgedrehten machtgeilen Soziopathen? Wir waren nie Freunde und
werden es auch nie werden aber ich werde dir helfen, wenn du mich
lässt", sagte Harry ernst und streckte ihm die Hand hin, so
wie Malfoy es im ersten Jahr bei ihm getan hatte.
Sie schwiegen
und starrten sich an. Wie zur Salzsäule erstarrt stand Narzissa
daneben, bewegte sich nicht, sagte nichts, ihr Gesicht absolut
ausdrucklos.
Stunden schienen vergangen zu sein, als Malfoy die
Hand hob und zögerlich einschlug.
"Aber das eines klar
ist Potter, wir halten uns lediglich raus, Vater werdet ihr nicht
beeinflussen können, aber Mutter muss in Sicherheit gebracht
werden und ich kann sie nicht beschützen, ich bin zu schwach,
habe keine Freunde, die mir so zur Seite stehen. Wir werden dir nicht
helfen oder sonst in das Geschehen eingreifen, du sorgst für
unsere sichere Unterkunft, klar?"
Harry nickte und sie
schüttelten sich mit verschlossenen Gesichtern die Hände."
Ich werde packen", sagte er und verschwand durch dieselbe Tür,
durch die er gekommen war.
"Ich halte das nicht für klug
und ich bin auch nicht damit einverstanden, aber ich werde alles tun
um Draco zu schützen und wenn es heißt die Füße
stillhalten zu müssen, werde ich das tun. Aber lass dir eines
gesagt sein, wenn du versagst Potter, werde ich behaupten von dir
gefangen gehalten worden zu sein, und ich werde helfen dich zu töten
wenn der dunkle Lord
nicht stürzt. Bella wird bald hier sein
um Wachdienst zu schieben, bis dahin werden wir verschwunden sein"
Das war das erste längere Statement von Dracos Mutter.
Aus
der Tasche zog Harry eine alte Flasche Butterbier und reichte sie
Narzissa.
"Das ist ein Portschlüssel, er wird euch an
einen sicheren Ort bringen, dessen Lage ihr nicht verraten könnt,
dort seid ihr sicher und werdet alles finden, was ihr braucht. Ich
werde mich täglich melden, Eulen können den Ort weder
aufspüren noch können Nachrichten von dort versandt werden.
Alles klar?", fragte Harry.
Nickend nahm sie den
Portschlüssel entgegen und als Draco mit zwei Koffern erschein,
fassten sich Mutter und Sohn an den Händen und verschwanden mit
einem Plopp.
"Wo sind sie?", wollte Ron wissen, doch
nach einem Schubs meinerseits schwieg er. Nichts war logischer als
der Grimmauldplatz.
"Wir werden Bellatrix überraschen
und ihr die Brosche abnehmen", sagte Harry und begann die Räume
abzugehen, um einen möglichst guten Überraschungsmoment zu
erzielen.
Wir verteilten uns schlussendlich in der Eingangshalle,
kreisten somit Bella ein und warteten auf ihre Ankunft. Lange sollten
wir nicht warten, leise Schritte kündigten sich an und als sich
die Türe öffnete konnten wir die schmale Gestalt als die
von Bellatrix erkennen.
"Narzissa?", rief sie und
schloss die Tür. Ein ungesagter Zauber von mir verriegelte die
Tür magisch. Langsam schritt sie durch die Halle, zog sich die
Kapuze vom Kopf und
schritt Richtung Speisezimmer, als Harry ins
Licht trat. Sofort fuhr Bellas Hand zu ihrem Zauberstab, sie war
erschrocken, ihre Augen waren weit aufgerissen.
"Du. Du
elendiger Bastard, was hast du mit meiner Schwester gemacht?",
kreischte sie und die Brosche funkelte ihm Schein der Flammen an
ihrem Umhang.
"Sie sind da, wo sie hingehören",
antworte Harry ruhig.
Bella war verwirrt, geschockt, dachte wohl,
wir hätten sie beide getötet und gerade als sie Luft holte
und mit dem Zauberstab auf Harry zielte, rief er "Accio Brosche"
und wir schickten Bella zeitgleich zwei Schockzauber auf den Hals.
Wir griffen sie von hinten an und sie kippte wie ein Sack Kartoffeln
um, sie hatte keine Chance, die Türe öffnete sich erneut
und als wir uns kampfbereit umblickten sahen wir Neville und
Ginny
"Wir haben die Lichtblitze gesehen", erklärte
Ginny und Neville starrte Bella, die zu seinen Füßen lag,
mit Abscheu an.
"Was machen wir mit ihr?", fragte er und
ruckte mit dem Kopf auf die Gestalt auf dem Boden.
"Was
schlägst du vor?", sagte Harry leise.
Zur Antwort bückte
sich Neville, hob den Zauberstaub von Bella auf und zerbrach ihn
direkt vor ihren Augen.
