Titus: Ich danke dir für deine Kritik, schließlich lernt man ja gerade daraus. Ich gebe zu das du Recht hast, mir ist das selbst schon öfter aufgefallen, da ich die Kapitel schon vor einiger Zeit geschrieben habe. Aber andererseits wird es sowieso OOC, da Jack ohnehin sich niemals mit dem Commodore zusammentun würde. Soviel dazu. Ich nehme an da ich jetzt etwas reifer bin, schließlich bin ich ein Jahr älter, jedenfalls werde ich versuchen das weiterhin zu berücksichtigen, hier das neue Kapitel hatte ich schon geschrieben und danach schreibe ich ohnehin wieder neu. Also noch mal vielen Dank und sag Bescheid was dir noch so auffällt.


5. Kapitel - Ein kleines bisschen Hoffnung

Immer wieder wachte Jack in der darauffolgenden Nacht auf, wirre Träume verfolgten ihn und sein Magen war inzwischen so laut am knurren das er befürchtete Norrington konnte es in seinem Schlafgemach schon hören.

Das Essen auf dem Nachttisch hatte er stur ignoriert, schließlich hatte er gesagt er wolle nichts, also würde er es auch nicht anrühren, dazu war sein Stolz zu groß.

Jack hatte es bereits aufgegeben nochmal zu schlafen, er konnte an nichts anderes mehr denken als an seinen leeren Magen gefolgt von dem nagenden Gefühl das ihm keine Ruhe ließ. Er gratulierte sich innerlich für seine grandiose Idee nichts mehr zu Essen, das war wirklich der Reinfall des Jahrhunderts.

"Toll gemacht Jack!" fauchte er sich selbst an.

Auf solche bescheuerten Ideen konnte auch nur er kommen. Und dann hatte dieser völlig verblödete Commodore das Essen auch noch auf seinem Nachttisch abgestellt, so war es noch schwerer zu widerstehen. Er konnte das Essen schon förmlich riechen, obwohl es sich dabei um Brot handelte. Jack hatte eigentlich schon immer einen gesegneten Appetit gehabt, er konnte in Situationen essen in denen den meisten der Appetit vergangen war. Aber während er mit seiner Crew unterwegs war, stellte sich sein Hungergefühl ein. Er war meist zu beschäftigt um daran zu denken, er vergaß es einfach.

Hätte er hier nur etwas zu tun, wäre das ganze schon viel leichter. Aber durch seine Schusswunde war er im wahrsten Sinne des Wortes an sein Bett gefesselt.

Immer wieder wanderte sein Blick zum Nachttisch, das Essen stand nur einen Handgriff entfernt. Nur einen Griff und sein Knurren würde sich reduzieren.

Vielleicht wenn er nur einen Teil essen würde, vielleicht würde es nicht auffallen.

Verzweifelt kniff er die Augen zusammen, das war Blödsinn, natürlich würde es auffallen. Jetzt musste er stark sein und er würde auf keinen Fall aufgeben...

Bei dieser Sache hatte er wieder neue Hoffnung, aber warum konnte er dann nicht die Pearl suchen. Wieso hatte er da keine Hoffnung mehr?

Warum gab er sie auf?

Tatsächlich war dem Commodore seine Frage berechtigt gewesen, niemals hatte er aufgegeben, egal wie hoffnungslos sein Fall war. Andererseits war es aber auch noch nie vorgekommen, das er schwerverletzt im Haus seines Feindes lag und sich nicht rühren konnte.

Wahrscheinlich machte man sich im Bett viel mehr Gedanken als in einer Zelle mit lauter Gefangenen. Er hatte sonst nie darüber nachgedacht wie es weitergeht, aber jetzt stellte er sich ständig diese Frage, vielleicht aus Langeweile, aber vielleicht auch weil er älter geworden war. War er denn tatsächlich so viel älter geworden? Er hatte mal gehört, das man mit dem Alter vernünftiger wurde, aber ob das auch bei ihm zutreffen würde, da war er sich nicht so sicher.

Für seine Art war er vernünftig, er würde doch nicht wirklich freiwillig irgendwann das Gesetz achten.

Wahrscheinlich war es das was ihm die Kraft zum weiterkämpfen nahm, seine Angst vor dem Älter werden.

Er konnte es vielleicht sogar als Glück ansehen, das der Commodore ihn hängen wollte.

"Verdammt nochmal!" fluchte Jack und haute mit der Faust auf die Bettdecke. "Ich kann einfach nicht widerstehen!"

Mit zusammengebissenen Zähnen zog er sich am Bettpfosten hoch und streckte vorsichtig einen Arm nach dem Tablett mit Essen aus. Allerdings fiel ihm auf das der Commodore das Tablett nicht ganz so nah gestellt hatte wie es gut gewesen wäre. Umso mehr er sich nach dem Tablett ausstreckte umso heftiger spürte er den Schmerz in seiner Schulter. Es fehlten genau 5cm zwischen seiner Hand und dem Tablett.

Jack hatte geglaubt er hätte schon mehr Kraft, aber jetzt musste er einsehen wie schwach er noch war.

Seufzend ließ er sich ins Bett zurückfallen, so kam er einfach nicht daran. Er verschnaufte kurz ein paar Sekunden und zog sich dann ganz hoch, so das er aufrecht im Bett saß. Seine Wunde schmerzte wie Feuer und ließ Tränen in seinen Augen aufsteigen. Solange er gelegen hatte, hatte er die Wunde kaum gespürt, aber jetzt sah das ganz anders aus.

Ganz vorsichtig drehte er sich nach rechts und setzte seine Füße auf dem Boden ab. Er musste nur noch aufstehen und einen Schritt nach vorne gehen und schon war er an seinem Tablett. Oder aber er streckte sich einfach wieder wie eben, diesmal war er näher dran, aber das würde ihm nur noch mehr Schmerzen bereiten, sicherer wäre es aufzustehen.

Schweratmend stützte er sich vom Bettrand auf und taumelte einen Schritt nach vorne. Um ihn herum drehte sich plötzlich alles und er lehnte sich gegen den Nachttisch. Allerdings hatte er nicht berechnet, das er eindeutig schwerer als der Nachttisch war und dieser schon bedrohlich kippte.

Hastig stolperte er zurück und kippte von der Schwerkraft gezogen wieder nach vorne um, wobei er sich versuchte unglücklich am Nachttisch festzuhalten und dieser gleich mit ihm und einem lauten poltern auf den Boden stürzte.

Jack seufzte genervt, seine Wunde brannte mehr denn je und zu seinem entsetzen musste er feststellen dass das Essen um ihn herum auf dem Boden verteilt lag. Der Weg war eindeutig umsonst gewesen.

Erschöpft blieb er auf dem Boden liegen, es war unmöglich jetzt noch einmal aufzustehen, er konnte nur hoffen das der Lärm den Commodore nicht anlocken würde.

Irgendwie würde er schon wieder aufstehen, aber jetzt noch nicht. Er war viel zu Müde um jetzt einen neuen Versuch zu starten.

Krachend ging die Tür in seinem Zimmer auf und jemand ließ Jack mit plötzlichem Licht brutal erblinden.

"Mr. Sparrow was macht Ihr da!" rief eine schockierte Stimme. Jack nahm die verschwommene Gestalt des Commodores wahr, als seine Augen sich langsam an das Licht gewöhnten.

"Ich bin hingefallen!" fauchte Jack.

"Das sehe ich. Meine Frage war eher warum Ihr aufgestanden seid!" Mit diesen Worten kam der Commodore auf ihn zu und sah sich prüfend um. "Ihr hattet wohl Hunger?"

Trotz Jacks momentaner Schwäche war ihm das triumphierende Glitzern in den Augen des Commodores nicht entgangen.

"Quatsch!" zischte Jack "Ich wollte nur aus dem Fenster sehen und bin dann bedauerlicherweise hingefallen!"

Der Commodore hob skeptisch eine Augenbraue.

"Und der Nachttisch ist aus Sympathie mit gefallen?"

"So sieht es wohl aus!"

Äußerst widerwillig ließ Jack sich vom Commodore aufhelfen und zurück ins Bett bringen. Hätte er vorher gewusst das es so enden würde, hätte er ganz sicher nicht seinen Hunger siegen lassen, das hatte er nun davon.

"Soll ich Euch neues Essen bringen?" fragte der Commodore als er an seinem Bett platz nahm.

"Nein!" antwortete Jack prompt, obwohl sein Magen genau das Gegenteil sprach. Der Commodore nickte kurz und sah schließlich zu Boden.

"Ich war bis gerade eben in einer Unterredung mit dem Gouverneur, Ihr könnt Euch mit Sicherheit vorstellen worum es ging, oder nicht?"

"Ich rate nicht gerne, aber ich würde sagen es ging um mich!" schnaubte Jack.

"Richtig! Der Gouverneur war beunruhigt über Euren Aufenthalt hier, aufgrund dessen das Ihr ein Pirat seid und wegen der stark zunehmenden Gerüchten über Euch. Er hält es für klug Euch direkt ins Gefängnis zu überbringen!"

Jack blickte den Commodore gelangweilt an.

"Warum erzählt Ihr mir das?"

"Weil mich interessiert woher die Gerüchte kommen. Ich möchte wissen, wie das zustande kam! Und vielleicht könnte ich Euch dann vor dem Gefängnis bewahren."

Jack gab ein trockenes "Pff" von sich und sah gezielt in eine andere Richtung.

"Ihr wisst das jemand behauptet, Ihr seid homosexuell oder gar Eunuch!"

"Ist mir bekannt!"

"Ihr habt also ein Alkoholproblem, und Ihr habt im Auftrag von Barbossa gehandelt..."

"WAS!" erschrocken sprang Jack auf und ließ sich direkt wieder ins Bett zurückfallen als ein scharfer Schmerz ihn durchfuhr. "Das ist nicht wahr!"

Der Commodore sah ihn stirnrunzelnd an.

"Ich weiß nicht, vielleicht stimmt es ja doch!"

"Natürlich nicht. Wer sollte das denn glauben. Es hat sich doch rumgesprochen, dass ich ihn getötet hab. Jeder kennt die Geschichte."

"Genauso wie sich die andere Geschichte rumgesprochen hat. Mr. Sparrow, Sie wissen wer das erzählt nicht wahr?"

"Und wenn was macht das für einen Unterschied?"

"Vielleicht könntet Ihr was dagegen tun. Ich meine, das was über Euch erzählt wird, klingt alles andere als schön."

Jack stöhnte genervt auf.

"Meint Ihr wirklich ich hätte noch nichts unternommen!"

Betroffen schwieg der Commodore, obwohl Jack tatsächlich noch nichts unternommen hatte, aber woher sollte er das schon wissen, außerdem ging ihn das ohnehin nichts an. Er sollte sich gefälligst um seine eigenen Angelegenheiten kümmern.

Diese Gerüchte gingen nur ihn was an, und von wem sie kamen, ging erst recht keinen was an.

Schon allein die Tatsache das er erfahren könnte das seine ehemalige Verlobte so etwas erzählte, ließ ihn noch unglaubwürdiger dastehen. Wer konnte es schließlich besser wissen als eine Verlobte? Abgesehen davon hatte er es gar nicht nötig durch den Commodore vor dem Gefängnis gerettet zu werden.

"Was kümmert Euch eigentlich mein Ruf? Ihr verabscheut Piraten, wieso macht Ihr Euch dann Gedanken um schlechte Gerüchte die über mich verbreitet werden? Bin ich für Euch nicht ohnehin schlecht?"

Jack bemerkte das der Commodore während seines Sprechens leicht rot geworden war und den Blick hastig gesenkt hatte.

"Ich ... es war einfach so unglaubwürdig, diese Gerüchte... also ich meine ich kann mir nicht vorstellen das Ihr... das Ihr..."

"Das ich schwul bin? Anscheinend seid Ihr doch ziemlich verunsichert!" Jack schüttelte verwundert den Kopf, es war unglaublich, das man dachte er stehe tatsächlich auf Männer.

"Nein... ich meine nur... ich frage mich nur warum man das erzählt!"

"Ihr glaubt wirklich ich stehe auf Männer! Ich würde einen Mann einem schön geformten Frauenkörper vorziehen? Wieso sollte ich so etwas tun?"

Verzweifelt sah sich dar Commodore nach einem Fluchtweg um, Jack hatte sich inzwichen wirklich in die Sache reingesteigert und der Commodore fand weiterhin keine passenden Wörter mehr.

"Ich dachte nur... sowas soll es ja schließlich geben... unter Piraten ist das doch nicht so schlimm, wie als ehrenwerter Bürger..."

"Natürlich! So denkt ihr anscheinend alle. Ja, die verdammten schwulen Piraten. Oh, der ist Pirat, dann ist er auch schwul!"

Jack konnte sich selber nicht erklären warum er sich plötzlich so aufregte. Er galt doch dafür das er alles immer gelassen nahm, aber seit einiger Zeit geriet er immer wieder außer Kontrolle. Das schlimme war, das es ihm auffiel und er trotzdem nichts dagegen tun konnte. Es war einfach ganz untypisch für ihn.

Wütend stand der Commodore auf. "Von mir aus könnt Ihr gerne noch etwas weiter spekulieren. Ich werde wiederkommen wenn Ihr Euch beruhigt habt" Mit diesen Worten verließ er das Zimmer und es wurde wieder dunkel.

Wieso benahm er sich aufeinmal so seltsam? Was brachte ihn plötzlich dazu nicht mehr die Ruhe selbst zu sein? Und vor allen Dingen: Warum hatte er dem Commodore so viel von sich erzählt?

Das tat er doch sonst nie. Normalerweise wäre der Commodore der letzte dem er etwas erzählen sollte. Vielleicht hatten sie ihm etwas ins Getränk getan um bereitwillig Auskunft von ihm zu erhalten.

Jack seufzte, er konnte sich einfach nicht klarmachen warum, aber inzwichen tat es ihm leid. Müde und mit leerem Magen schloß er die Augen, er hoffte das er bald einschlafen würde und das der Hunger ihn nun schlafen ließ.