Kapitel 9 - Eine Schwäche

James sah verwundert wie Jack schwankte und schon wenige Sekunden später ohnmächtig zu Boden ging.

Ein paar Sekundenlang starrte er ihn einfach nur an, ohne irgendetwas zu tun.

Er war viel zu geschockt um sich bewegen zu können.

Erst ein Klopfen an der Tür löste seine Erstarrung. Die Tür öffnete sich und Gilette kam herein.

„Commodore, ich habe..." er brach ab und erblickte Jack auf dem Boden „Oh mein Gott was ist passiert! Was habt Ihr getan?"

Mit einem schnellen Schritt, kniete er direkt neben Jack und fühlte seinen Puls.

James schüttelte hastig den Kopf und trat näher heran.

„Ich habe nicht..." stammelte er musste jedoch abbrechen, weil ihm nichts einfiel was er sagen könnte.

„Ja ja... wir brauchen jetzt einen Doktor!" rief Gilette ohne den Commodore anzusehen „Schnell!" rief er noch einmal und James fuhr erschrocken zusammen. Dieser Befehl galt ihm!

Ohne weiter darüber nachzudenken lief er los um Hilfe zu holen.

Gilette war mehr als wütend über Jacks Zustand, er hatte den Piraten eigentlich immer gemocht, obwohl er das gegenüber dem Commodore niemals zugegeben hätte.

Natürlich, er hatte gesehen wie wütend er gewesen war, er hätte die beiden niemals alleine lassen sollen.

Er konnte doch Jack als Gefangenen nicht schlagen, besonders wo er doch wusste das er noch nicht ganz gesund war.

Aber woher sollte er wissen, was er Jack antun würde.

Schnell öffnete er Jacks Hemd und suchte nach irgendwelchen Wunden.

Es war nichts von einem Schlag zu sehen.

War Jack vielleicht ganz ohne das zutun des Commodores zusammengebrochen?

Aber ihm ging es doch schon viel besser, er hatte sich doch von der Schusswunde fast schon wieder erholt.

Es half nichts, er konnte absolut nichts tun.

Knapp 10 Minuten später kam auch schon der Commodore zurück mit dem Arzt im Schlepptau.

„Hebt Ihn aufs Bett!" meinte der Arzt sofort und James und Gilette hievten ihn gemeinsam so gut sie konnten aufs Bett.

Jack war wirklich nicht schwer, aber doch sehr unhandlich.

Schnell machten die beiden Platz um den Doktor durchzulassen. James lehnte sich erschöpft gegen die Fensterbank und starrte geradeaus ins Leere.

„Was habt ihr getan?" zischte Gilette ihm ins Ohr. James wandte den Kopf und sah das Gilette sich neben ihm an die Fensterbank lehnte.

Er zuckte mit den Schultern und starrte wieder geradeaus.

„Eigentlich... nichts!"

Eine weiterer Moment des Schweigens ging vorüber in dem sie zusahen wie der Arzt, Jack untersuchte.

„Er... er ist zusammengebrochen..." stammelte James plötzlich und sah gar nicht mehr gut aus „Ganz einfach so!"

Gilette betrachtete seinen Commodore besorgt, er hoffte das er nicht auch noch zusammenbrach, irgendetwas machte ihm wohl ganz besonders zu schaffen.

Das es das Wohl des Piraten war, bezweifelte er, James konnte Jack doch nicht ausstehen.

Sicherheitshalber rückte Gilette einen Stuhl rüber und blickte den Commodore prüfend an. Er hatte wahrscheinlich nur einen kleinen Schock, wovon auch immer...

„Setzt euch, Commodore! Ihr seht gar nicht gut aus!"

James nickte monoton und ließ sich auf dem Stuhl niedersinken.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis der Arzt sich endlich zu ihnen umdrehte und seine Instrumente einpackte.

„Er hat nichts ernsthaftes. Ein kleiner Schwächeanfall würde ich sagen. Ansonsten ist alles in Ordnung bei ihm. Die Wunde ist wunderbar verheilt und er hat kein Fieber. Wahrscheinlich hat er sich überanstrengt, wenn man so lange nur im Bett liegt, hat man nicht von heute auf morgen seine Kräfte zurück, man muss sich vorsichtig bewegen!" meinte der Doktor und blickte James vielsagend an.

„Wartet einfach bis er wieder aufwacht, dann solltet ihr es mal mit einem kurzen Spaziergang angehen und sofort abrechen wenn er nicht mehr kann!"

James nickte, stand auf und schüttelte dem Arzt die Hand.

„Ich Danke Euch!" sagte er und der Doktor nickte ihm zu und verließ anschließend den Raum.

Gilette stand hinter dem Commodore und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Soll ich ausrichten, dass der Galgen noch warten muss?" fragte er scheinheilig und James drehte sich wütend zu ihm um.

Erst hatte er vor ihm eine Standpauke zu halten, aber dann besann er sich eines besseren.

„Nun geht schon!" sagte er stattdessen und eiligst verließ auch Gilette den Raum.

Seufzend schob James den Stuhl an Jacks Bett heran und ließ sich darauf nieder.

Er war so wütend gewesen, er hatte Jack einfach zu viel abverlangt.

Aber er hatte schon wieder so fitt ausgesehen!

Wie hätte er ahnen können, das er noch so schwach war?

Das ist alles dieses verdammte Weib Schuld!

Dachte er wütend und seine Hand ballte sich zur Faust. Warum hatte sie hier nur auftauchen müssen!

Er sah verwundert auf als Jack sich bewegte und irgendwelche Worte stöhnte, die er nicht verstand.

„Was?" flüsterte James und blickte Jack forsch an. Eigentlich war es schwachsinnig ihn etwas zu fragen, er war am schlafen und würde ohnehin nicht hören, was er sagte.

Wahrscheinlich murmelte er nur belangloses Zeug, Dinge die einfach keinen Sinn ergaben. Wie es schlafende manchmal taten.

„Ich hab... keine Angst .. zu... zu sterben..." stöhnte Jack und warf seinen Kopf nach links.

„Ihr werdet nicht sterben!" sagte James hart. Noch nicht, setzte er wehmütig in Gedanken hinzu.

Jack seufzte kurz, dann wiederholte er seine Worte nocheinmal.

„Ich hab keine Angst zu sterben..." rief er, doch seine Augen bleiben weiter geschlossen. James erstarrte als Jack weitersprach.

„Solange du bei mir bist!"

James keuchte kurz und starrte Jacks schlafenden Köper an. Hatte er das gerade geträumt?

„Was redet Ihr da!" fragte er irritiert und schüttelte den Kopf, aber Jack gab keine Antwort mehr.

Er schien tief und fest zu schlafen.

Jack erwachte früh am Morgen in seinem Bett. Es war noch dämmerig und er konnte kaum etwas im Zimmer erkennen, aber er fühlte sich fitter denn je.

Er musste sich nicht einmal den Schlaf aus den Augen reiben, so wach war er.

Glücklich setzte er sich auf um etwas zu trinken, doch als er nach rechts blickte hielt er in seinem Vorhaben inne.

Wenn er sich nicht täuschte, saß dort auf einem Stuhl, direkt neben ihm, der Commodore und schlief.

Verwundert zog er eine Augenbraue hoch und griff dann vorsichtig nach dem Glas auf seinem Nachttisch. Da es noch immer recht dunkel war musste er das Glas ertasten und mit einem lauten Klirren schmiss er die Kerze samt Teller vom Nachttisch.

Jack verdrehte genervt die Augen.

Das war so typisch für ihn, wenn er einmal leise sein wollte, machte er einen Lärm der eine ganze Horde Elefanten aufwecken würde.

Der Commodore regte sich leicht in seinem Stuhl, dann war Ruhe.

Jack atmete erleichtert auf, anscheinend hatte er einen festen Schlaf.

„Was tut Ihr da?" ertönte eine Stimme plötzlich und Jack fuhr erschrocken zusammen.

Er war doch aufgewacht.

„Ich wollte etwas trinken" murmelte Jack und ließ sich wieder in die Kissen fallen. Er hatte irgendwie keine Lust mit dem Commodore zu reden. Aus irgendeinem Grund war ihm nicht wohl dabei.

Er hörte wie die Kerze aufgehoben wurde und schließlich den ganzen Raum erhellte. Leicht geblendet kniff Jack die Augen zusammen, als er sie langsam wieder öffnete hielt ihm der Commodore sein Glas vor die Nase.

Ruppig nahm er es entgegen und trank zwei Schlücke, dann umklammerte er es und starrte stur geradeaus.

„Kann es sein das Ihr beleidigt seid?"

Jack erwürgte ihn kurz in Gedanke, atmete tief ein und antwortete nicht.

„Hättet ihr vielleicht die Güte mir zu erklären warum?"

Jetzt spielte er wieder das Unschuldslamm, vor ein paar Stunden wollte er ihn noch hängen!

Wütend wandte er seinen Kopf und blickte ihn an.

„Ich finde es nicht so toll, aus einer Laune heraus gehängt zu werden!"

James lächelte kurz.

„Und ich mag es nicht wenn meine Gefangenen versuchen zu fliehen!"

Jack schnaubte kurz und starrte dann wieder geradeaus.

Es hatte wirklich keinen Sinn mit einem Commodore zu diskutieren, obwohl er heute schon viel besser gelaunt war als gestern.

„Darf ich dann erfahren wann ich nun gehängt werde?"

Norrington überlegte kurz, dann blickte er Jack und grinste.

„Kommt darauf an, ob Ihr mir mit Eurem Vorsprung entkommt"

Interessiert legte Jack den Kopf schräg.

„Ich bekomme noch mal einen Vorsprung?" fragte er und machte ein erstauntes Gesicht. Norrington nickte.

„Natürlich, er wurde schließlich nicht genutzt und ich muss fair bleiben."

Jetzt plötzlich sprach er wieder von fair, aber was gestern gelaufen war, war alles andere als fair gewesen.

„Wann?"

„Wann Ihr wollt!"

Jack nickte und stand dann auf. Verwundert verfolgte der Commodore die Bewegungen des Piraten.

„Ihr wollt doch nicht etwa jetzt, oder?"

Jack blickte ihm fest in die Augen und verzog seine Lippen zu einem Grinsen.

„Okay" meinte Norrington und sah zu ihm rüber.

einundzwanzig..." wieder blickte er irritiert, denn Jack bewegte sich genau wie das letzte Mal nicht, aber diesmal sah er wesentlich gefasster aus „zweiundzwaaaaaaanzig..." Noch immer stand der Pirat wartend vor ihm.

Hatte er nicht mitbekommen das er zählte?

„Warum lauft Ihr nicht?" fragte James nun leicht genervt.

Jack lächelte, kam auf ihn zu und fasste ihn bei den Schultern.

Dann beugte er sich vor und flüsterte in sein Ohr.

Ich möchte nicht ohne dich gehen, James" hauchte er und James bekam eine Gänsehaut. Das war das erste Mal das Jack ihn beim Vornamen nannte.

Wieder blickte er ihm erst in die Augen und beugte sich dann wieder vor, diesmal zu seinen Lippen.

Sanft und fordernd trafen ihre Lippen aufeinander und zum ersten Mal ließ James sich völlig fallen.