Kapitel 11 – Forever yours

Es war mitten in der Nacht, Jack lag mit geöffneten Augen im Bett und starrte vor sich in die Dunkelheit. Neben ihm in seinem Arm, hörte er den ruhigen und gleichmäßigen Atem des Commodores, welcher friedlich schlief.

Jack hatte ihn absichtlich bis an den Rand der Erschöpfung getrieben, auch wenn es ihm gleichzeitig auch viel Vergnügen bereitet hatte. Ein Lächeln trat in sein Gesicht, als er an ihre Vereinigung dachte, doch im nächsten Moment wurde er schon wieder ernst.

Dies war der perfekte Zeitpunkt um seinen Plan durchzusetzen. Die Pearl war noch da, das spürte er.

„Commodore," zischte Jack und setzte sich vorsichtig auf, James gab keine Regung von sich „Commodore James Norrington" wiederholte er etwas lauter und James gab ein gurgelndes Geräusch von sich. Das war ausgezeichnet, anscheinend hatte der werte Commodore einen sehr festen Schlaf.

„Die nächsten paar Minuten, werden ein wenig ruckeln, aber lass dich davon nicht beirren!" sagte Jack grinsend, legte sich den Arm von James um die Schulter und zog ihn in den Stand. Sein Kopf sank kraftlos an seine Brust und er schnarchte kurz.

Umständlich schleifte er James zur Tür und öffnete sie. Er hoffte dass alles genau so klappte wie er es sich erhofft hatte.

Dieser Plan war absolut verrückt und nur ein „Captain Jack Sparrow" konnte mit so etwas erfolg haben, soviel stand fest.

„Commodore," rief ein verschlafener Gilette und fuhr vom Stuhl, vor der Tür hoch „ich dachte schon Ihr wäret eingeschlafen…"

Irritiert wanderte sein Blick von seinem Commodore zu dem Piraten und er hob eine Augenbraue.

„Was habt Ihr mit ihm gemacht, Pirat?" fragte er schroff und Jack bemühte sich unschuldig zu klingen.

„Nichts, darauf gebe ich mein Piratenehrenwort. Er war nur etwas müde und möchte das ich ihn zur Swann Villa bringe."

Ungläubig blickte Gilette ihn an.

„Das ist ein wirklich kläglicher versuch, Sparrow. Warum sollte er um zwei Uhr morgens zur Villa wollen? Und wieso sollte er einen zum Tode verurteilten Piraten dorthin mitnehmen?!"

Jack zuckte umständlich mit den Schultern.

„Weiß ich nicht. Die müssen irgendwas vereinbart haben. Anscheinend soll ich diese Nacht noch gehängt werden, aber vorher soll er mit mir beim Governor vorbeischauen. Soll eine streng geheime Sache sein. Die wollen wohl so eine Szene wie beim letzten Mal vermeiden" sagte Jack und versuchte ein schlecht gelauntes Gesicht aufzusetzen um nicht allzu locker von seinem zukünftigen Tod zu sprechen.

Gilette war von seiner Geschichte jedoch gar nicht überzeugt, natürlich klang das alles ein wenig lahm, aber einen Versuch war es immerhin wert gewesen. An den bevorstehenden Streit mit James, wollte er gar nicht erst denken. Er würde sicher nicht begeistert sein, wenn er erfuhr, was Jack vorgehabt hatte.

„Commodore Norrington, seit Ihr ansprechbar?" fragte Gilette unnötigerweise, denn selbst ein blinder konnte hören, dass der Commodore tief und fest schlief. Doch zu Jacks Überraschung antwortete er tatsächlich.

„Sicher…" grunzte er und sein Kopf hing noch immer kraftlos auf seiner Schulter.

Gilette hielt irritiert inne und wandte sich dann noch mal an seinen Commodore.

„Ist es wahr, was der Pirat da erzählt?"

„Ich hab auch einen Namen!" protestierte Jack und mimte die beleidigte Leberwurst.

„Ist es wahr, was Sparrow erzählt?" verbesserte er sich ungeduldig und blickte zu James. Dieser schien seine Worte gar nicht mitbekommen zu haben, wie auch, er schlief doch eigentlich.

Als Gilette gerade Luft holte um noch einmal zu fragen, hob der Commodore kurz den Kopf.

„Ich bin völlig seiner Meinung…" sagte er schlaftrunken und seufzte noch ein „Jack" hinterher, dann ließ er den Kopf wieder sinken.

Jack konnte sein Glück kaum fassen, so einfach hatte er es sich wirklich nicht vorgestellt. Wenn Gilette ihn jetzt gehen ließ war er frei… fast zumindest. Er musste dann immer noch aus diesem Gebäude hinaus kommen.

„Ähm.." machte Gilette „Ich weiß ja nicht ob das ein so gute…"

„Du bist entlassen!" keifte James hart, ohne aufzublicken. Jack wusste nicht genau, ob James alles mitbekommen hatte, wahrscheinlich nicht. Er musste das alles wohl für einen Traum halten, oder er sprach öfter im Schlaf und befand sich in einem Traum, indem seine Antworten zufällig auf den Vorfall hier passten.

Jack blickte zu Gilette, welcher vollkommen blass geworden war und erschrocken schluckte. Unfähig ein Wort zu sagen starrte er den schlafenden Commodore an.

„Er meint es nicht so hart," flüsterte Jack ihm zu „Wenn du mir den unauffälligsten Weg hier raus zeigst, werde ich ein gutes Wort für dich einlegen"

Jack zwinkerte ihm grinsend zu und Gilette betrachtete ihn mit einem hoffnungsvollen Blick.

„Das würdet Ihr tun?"

Jack nickte überzeugend und fragte sich gleichzeitig, wie ein Mensch nur so blöd sein konnte. Diese ganze Sache stinkte doch gewaltig. Ein normaler Mensch musste doch sehen, dass die Geschichte von vorne bis hinten nicht stimmte.

Aber gut, was sollte er schon tun. Er konnte einen Befehl seines Commodores nicht verweigern, nur weil er ihn nicht für zurechnungsfähig empfand. Das würde ihm eine Menge Ärger einbringen. Doch wenn er den Befehl befolgte, würde er wahrscheinlich genauso Ärger bekommen.

Jack unterdrückte den Mitleid, den er plötzlich für diesen Kerl empfand.

„Okay," meinte er entschlossen „aber er sollte besser seine Perücke aufziehen."

Wieder nickte Jack, die hatte er völlig vergessen. Ohne Perücke erkannte man gar nicht seinen Stand. Der konnte ihm eventuell noch von Nutzem sein, oder auch nicht.

„Sie liegt auf dem Bett" sagte Jack knapp und wartete als Gilette ins Zimmer lief und kurz darauf mit der Perücke wieder heraus kam. Ohne große Sorgfalt setzten sie ihm das Kunsthaar auf und marschierten los.

Er hatte wirklich mehr Glück als Verstand. Begleitet von Gilette, würde ihn garantiert keiner mehr hier drinnen aufhalten. Und wenn Gilette ihm wirklich den unauffälligsten Weg zeigte, konnte ihm erst recht nichts passieren.

Jack keuchte verschwitzt, als sie endlich den Ausgang erreichten. Sie waren keinem Menschen begegnet, auf dem Weg nach draußen. Aber so langsam wurde ihm der Commodore schwer in den Armen, besonders seine linke Seite wurde sehr belastet, doch Jack war entschlossen sich möglichst nichts anmerken zu lassen.

„Jetzt nur noch die Strasse vorne runter und dann rechts. Dort ist die Villa" erklärte ihm Gilette und blieb an der Tür stehen. „Bringt ihn heil dorthin und vergesst nicht ein Wort für mich einzulegen."

„Daran werde ich natürlich denken, vielen Dank." , sagte er dankbar, drehte sich um und machte sich auf den Weg die Straße hinunter. Um diese Uhrzeit, war nicht viel los auf den Straßen, um genau zu sein, gar nichts. Das war sein Glück.

Ohne sich umzudrehen lief er weiter die Straße hinunter, als er schließlich an die Abbiegung kam, an der es runter zu Swann Villa ging, drehte er sich zum ersten mal um.

Die Tür des Gebäudes hatte sich geschlossen und Gilette war nicht mehr zu sehen. Allerdings war es möglich, dass er irgendwo aus dem Fenster blickte und ihn beobachtete. Das konnte er jedoch nicht erkennen.

Zum Hafen ging es nach links.

Es war nicht mehr weit bis dorthin, wenn er sich beeilte, konnte er die Pearl noch rechtzeitig erreichen, selbst wenn Gilette seinen Plan durchschaute und ihm hinterher rannte. Doch Jack war sich nicht sicher, ob seine Kondition noch solange durchhielt. Er war jetzt schon am Keuchen, da er sich noch immer nicht ganz erholt hatte und auch die meiste Zeit nur im Bett gelegen hatte. Dieser Weg hätte ihn schon ohne das Gewicht von James zum Schwitzen gebracht, aber er hatte keine andere Wahl als es zu versuchen.

Schwer atmend stapfte er den Weg hinunter zum Hafen, er ging so schnell er konnte und drehte sich immer wieder kurz um, um zu sehen ob jemand hinter ihm her war. Doch selbst als er den Hafen erreicht hatte, war noch niemand zu sehen.

Anscheinend hatte ihn niemand gesehen.

Sein Herz, welches ohnehin schon schneller schlug als sonst, schlug noch einen Takt schneller als er die Pearl vor sich erkannte. Er spürte einen starken Schmerz in seiner Magengegend als ihm bewusst wurde wie sehr er sie vermisst hatte.

Seufzend ließ er James langsam auf den Boden sinken und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Seine, eigentlich verheilte, Wunde begann langsam wieder zu schmerzen und er stützte sich auf seine Knie und rang nach Luft.

Er hoffte wirklich, dass er die fehlende Kondition auf seine Wunde schieben konnte und dass es nicht an seinem fortschreitenden Alter lag.

„Gibbs," rief er leise und blickte hoch zum Schiff „Ist irgendjemand da? Hier ist euer Captain."

Er sah Cottons bärtiges Gesicht über die Rehling blicken und war erleichtert das man ihn sofort gehört hatte.

„Cotton, schick mir jemanden runter, der uns hoch holt. Alleine schaffe ich es nicht."

Er sah das erstaunte Gesicht von Cotton, der sich jedoch sofort umdrehte um seinem Befehl nachzukommen.

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„Mein Gott, Jack. Du weißt gar nicht wie du uns erschreckt hast. Wir dachten Bobby hätte dich umgebracht. Er hat in Tortuga so seltsame Andeutungen gemacht. Wir konnten es nicht glauben!" rief Gibbs und trat in Jacks Kajüte.

Jack hatte den Commodore in sein Bett gelegt und war gerade dabei ihn zuzudecken als Gibbs ins Zimmer kam.

„Er hat auf mich geschossen und ist wohl geflohen als der Commodore kam" meinte Jack knapp und blickte kurz zu Gibbs rüber.

„Der Commodore? Hat er dich geschnappt? Jack, lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen. Erzähl mir was passiert ist!" forderte Gibbs ungeduldig und Jack runzelte die Stirn.

„Er hat mich geschnappt und er hat mich von einem Arzt behandeln lassen," murmelte er unsicher und war einen kurzen Blick zu James, der immer noch friedlich schlief. Anscheinend hatte Gibbs ihn noch gar nicht erkannt und selbst wenn hatte er keine Ahnung wie er es ihm erklären sollte.

Immerhin war er Commodore und ihn mitzunehmen, stellte ein großes Risiko dar.

„Captain," ertönte eine panische Stimme an der Tür und als Jack sich umwandte entdeckte er Ragetti. „Die Soldaten schießen wieder auf uns. Aber nicht so lustlos, wie die ganzen letzten Tage, es sind doppelt so viele und sie sehen sehr wütend aus!"

„Hab ich nicht gesagt, dass ihr los segeln sollt?!" fauchte Jack wütend und schritt zur Tür. Der dünne blonde Mann, wirkte augenblicklich ein wenig eingeschüchtert.

„Wir dachten wir hätten noch Zeit…" begann er, aber Jack schnitt ihm mit einer Geste das Wort ab.

„Wir verlassen jetzt augenblicklich diesen Hafen und wenn ihr euch nicht beeilt, werfe ich die ganze Mannschaft, den Haien vor!"

Hastig stolperte Ragetti aus seinem Blickfeld und Jack drehte sich wütend um. Sie hatten anscheinend endlich seinen Plan durchschaut.

Nachdenklich schritt er zu James herüber und betrachtete ihn.

„Forever yours," sagte er lächelnd.

Die Stimme von Gibbs, dessen Anwesenheit er völlig vergessen hatte, riss ihn aus seiner Trance.

„Jack," keuchte er entsetzt „Bei allen Göttern… Was hast du getan?!"