Kapitel 12 - Gefangen auf der Pearl

Es war früh am Morgen als James erwachte, er brauchte einen Moment ehe er wusste wer der Mann war, der ihn fest umklammert hielt und noch tief schlief.

„Jack" rief er erschrocken und rüttelte an der Schulter des Piraten, doch dieser machte keine Anstalten aufzuwachen „Jack, wach auf! Das Zimmer schaukelt!"

„Schon klar…" nuschelte er, seufzte kurz und drehte sich mit dem Rücken zu ihm.

Der Commodore schnaubte verärgert, stand auf und wankte barfuß zum Fenster. Wenn ihn nicht alles täuschte befand er sich hier auf einem Schiff. Dies war jedenfalls nicht das Zimmer, in dem er letzte Nacht eingeschlafen war und das es schaukelte bestärkte seinen Verdacht nur noch. Hier das war ein enger Raum, mit einem kleinen Holzbett, einem Schreibtisch, vor dem ein Stuhl stand, auf dem Jacks Mantel hing. Höhepunkt des Zimmers war das riesige Fenster durch das er momentan blickte.

Die Aussicht machte klar das er Recht gehabt hatte.

Um ihn herum befand sich nichts als das weite und endlose Meer. Keine Insel, kein Strand und kein Blick auf seine Villa, in der er noch vor kurzem gewesen war.

So weit das Auge reichte, war nur Wasser zu sehen.

„Jack!", rief er wieder, eilte zurück zum Bett und zog dem Piraten die Decke weg „Jack, wir wurden entführt!"

Als Antwort bekam er nicht mehr als ein lautes Schnarchen. So langsam wurde er wirklich wütend. Sie befanden sich hier in einer ernsten Lage und der Pirat schlief wie ein Stein.

„Oh nein!! Der gute Rum!!" rief er schließlich laut und die Worte erzielten endlich die gewünschte Wirkung. Sofort saß Jack aufrecht im Bett und blickte James entsetzt an.

„Was ist mit dem Rum?"

„Nichts. Aber es freut mich das du erwacht bist" sagte der Commodore trocken, während Jack ihn zuerst schockiert und dann wütend anstarrte.

„Tu das nie wieder!" brachte er wütend hervor, während er sich umständlich aus dem Bett erhob.

„Jack wir sind auf einem Schiff, sie haben uns entführt. Ich trage keine Perücke, vermutlich wissen diese Irren gar nicht mit wem sie es zu tun haben.", aufgeregt schritt James im Zimmer auf und ab. Er hatte keine Ahnung in wessen Fängen er sich momentan befand und noch weniger wusste er was sie mit ihnen vorhatten.

Vielleicht waren es Kannibalen und sie wollte sie verspeisen?

Oder sie wussten das er Commodore war und versuchten nun Lösegeld zu fordern… Es gab so viele Möglichkeiten.

Entgegen James Vermutung blieb Jack vollkommen ruhig, er schien sich von seiner Panik überhaupt nicht beeinflussen zu lassen, sondern griff seelenruhig nach seinen Stiefeln und zog sie an.

„Im Schreibtisch, die unterste Schublade.." murmelte er bloß.

Irritiert blieb James stehen und blinzelte. Langsam ging er zum Schreibtisch und öffnete besagte Schublade.

Da war sie.

Seine Perücke.

Woher wusste Jack das?

Fragend blickte er zu dem Piraten, der sich leicht unbehaglich am Bart zupfte.

„Hmm… entführt, also?" wiederholte er James Worte.

Konnte es sein, dass Jack mehr wusste als er vorgab?

„Jack, bitte sag mir, das du hiermit nichts zu tun hast!" James schloss die Augen und versuchte in Gedanken bis drei zu zählen, um sich zu beruhigen.

„Also im Grunde…"

„Jack Sparrow!" zischte James wütend und verengte die Augen zu Schlitzen „Hast du mich hierher gebracht?"

Der Pirat kratzte sich kurz am Kopf und machte eine ausholende Geste. Verzweifelt öffnete er den Mund und schloss ihn wieder. Es schien, als suchte er nach den richtigen Worten.

„Reg dich bitte nicht auf, okay? Das hat mich viel Kraft gekostet, du bist nicht gerade ein Fliegengewicht!"

James konnte das nicht fassen. Er hatte doch klar gemacht, dass er dieses Leben nicht wollte und Jack hatte ihn trotzdem hierher verschleppt. Und er sah nicht einmal ein, dass er einen Fehler gemacht hatte.

Das konnte doch alles nicht wahr sein.

„Du bringst mich auf der Stelle zurück! Gilette kann was erleben, er hatte den Auftrag Wache zu halten!"

Kopfschüttelnd stand Jack auf, nahm seinen Mantel vom Stuhl und zog ihn an.

„Ich kann dich nicht zurück bringen. Die würden mich sofort hängen…"

„Das hättest du auch verdient!"

„… und dich gleich dazu. Gilette hat nur deine Befehle befolgt, du hast ihm gedroht, ihn zu entlassen. Das hat ihm ganz schön Angst gemeint. Er tat mir ehrlich ein bisschen Leid. Der arme Kerl, im Grunde ist er ja gar kein übler…"

„Was hab ich?" unterbrach James den Redeschwall seines Gegenübers.

„Na ja, ich war positiv überrascht, als ich erfuhr das du im Schlaf redest. Das kam mir in dem Moment ganz gelegen, denn Gilette wollte mich so nicht gehen lassen. Wirklich ein netter Kerl."

Jack zuckte kurz mit den Schultern, nahm seinen Hut vom Schreibtisch und setzte ihn auf.

Fassungslos starrte er Jack an. Das konnte doch einfach nicht wahr sein, er saß in der Falle. Wenn das alles so stimmte, dann hatte Jack Recht. Er würde sofort an den Galgen kommen, wenn sie wussten, dass er mit einem Piraten gemeinsame Sache machte.

„Komm wir gehen frühstücken!" rief Jack fröhlich und war schon auf dem Weg zur Tür.

„Warte Jack!" sagte der Commodore scharf und Jack blieb stehen „Du denkst ans Frühstück, nachdem ich erfahren habe, dass du mein Leben ruiniert hast?! Jack, ich werde nie wieder zurück können, dass war mein Lebensinhalt, es hatte einen Sinn, dass ich Commodore bin. Ich mag meinen Status und ich will garantiert nicht auf einem stinkenden Schiff mit einem Haufen betrunkener Piraten rumhocken!"

Jack hob kurz eine Augenbraue und seufzte dann. Sollten ihn seine Worte getroffen haben, so zeigte er es nicht.

„Vielleicht passt du doch besser zu Lizzy, als wir dachten. Na ja.." er zuckte mit den Schultern „Du bist wirklich wahnsinnig süß wenn du dich aufregst. Gehen wir jetzt frühstücken, oder was?"

Wieder einmal hatte Jack sich umgedreht und war schon dabei die Tür zu öffnen.

„Warte Jack!"

Nocheinmal seufzte er und drehte sich langsam wieder um.

„Ja ich habs kapiert, ich hab dein Leben ruiniert, du bist kreuz-unglücklich und kannst mich nicht leiden!" Jack machte eine gelangweilte Geste und James runzelte die Stirn.

„Nein…" meinte er verwirrt und deutete auf seine Füße „Ich habe keine Schuhe!"

Verblüfft blickte Jack auf seine Füße und einen Moment später nickte er wissend.

„Ja richtig, die hab ich vergessen mitzunehmen!"

Mit neuen Schuhen, die mehr alt als neu aussahen, kamen sie vom Frühstück hoch ans Deck und James genoss für einen Moment die raue Seeluft. Zwar hatte er sich mit seinem Schicksal noch nicht angefreundet, aber dennoch würde er versuchen das beste daraus zu machen. Was nicht hieß, das er Jack einfach so verzeihen würde.

Dieser jedoch hatte sich schleunigst an sein Ruder begeben und schien nichts außer sich und das weite Meer zu sehen.

James bezweifelte in diesem Moment stark, dass Jack jemals jemanden mehr lieben würde als die See.

„Morgen Commodore," begrüßte ihn ein Mann, den er wage als Mr. Gibbs erkannte „Gut geschlafen?"

James warf ihm einen bösen Blick zu, der ihn sofort verstummen ließ. Diese Kerle brauchten nicht zu denken, dass er nun Piraten weniger verachtenswert fand, nur weil er auf diesem Schiff festsaß.

„Hör mal, du kannst nicht ewig auf uns alle sauer sein. Es ist nun einmal passiert und durch deine schlechte Laune wird es sich auch nicht wieder rückgängig machen. Du kannst Jack nicht immer aus dem Weg gehen. Wir sind hier auf einem Schiff und müssen nun mal miteinander klar kommen, egal ob es uns passt oder nicht!" schimpfte Gibbs und verschwand sofort, nachdem er geendet hatte.

Es stimmte.

Er hatte Recht und das wusste James auch. Er konnte nicht ewig trübsal blasen, egal wie sehr er Jack auch momentan hasste. Im Grunde hatte er keine Wahl und damit musste er klar kommen.

Seufzend schritt er zu Jack rüber und stellte sich neben ihn. Nicht weit von der Pearl entfernt befand sich ein zweitest Piratenschiff, dass ihm wage bekannt vorkam.

„Was ist das für ein Schiff?" fragte er Jack und dieser verzog das Gesicht.

„Die Thunderstruck" meinte er knapp und gab zu verstehen, dass er nicht weiter auf dieses Schiff eingehen wollte.

„Das sind die, die Port Royale überfallen haben nicht wahr? Das ist der Pirat der dich angeschossen hat!" meinte James und ignorierte Jacks unwillen.

„Schon möglich.", murrte er schlecht gelaunt.

„Schon möglich?!" keuchte James, er packte Jack hart am Arm und zerrte ihn zu der Rehling. „Das ist das Schiff, das weißt du ganz genau. Dieser Kerl dort wollte dich umbringen. Wenn du noch ein wenig Vernunft in deinem versoffenen Hirn hast, dann segelst du da rüber und greifst an!"

Jack blickte einen Moment nachdenklich zu dem Schiff rüber, dann wandte er sich ab und seufzte.

Kopfschüttelnd ging er zu seinem Steuer zurück.

„Gegen die haben wir keine Chance, die sind stärker geworden und ehrlich gesagt sehe ich da auch keinen Sinn drin."

James blickte den braunhaarigen Piraten irritiert an. War das noch der selbe Pirat, den er durch die halbe Karibik gejagt hatte?

„Du bist Captain Jack Sparrow! Du bist einer der gefürchtesten Piraten. Jeder der dich ansatzweise kennt, würde sagen, dass Jack Sparrow sich so was nicht gefallen lässt, selbst wenn er bei seiner Racheaktion stirbt!"

Jack knirschte hörbar mit den Zähnen und blickte den Commodore an.

„Das klingt aber gar nicht nach dir.", murmelte er kurz.

„Dann kennst du mich nicht richtig. Ich würde mir so etwas nicht gefallen lassen."

„Eigentlich hast du Recht.." meinte Jack knapp, noch einmal blickte er schweigend auf sein Steuerrad, ehe er es dann mit einer Wucht herumriss. „In Ordnung, schnappen wir ihn!"

James lächelte und blickte mit Vorfreude und gleichzeitiger Unruhe, der immer näher kommenden Thunderstruck entgegen.