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Ich bin der Mörder!

London, 14. September 1996,

Geliebtes Tagebuch,

Ich bin gerade wach geworden (oh, ist ja schon 2 Uhr nachmittags) und kann dir nun den Rest der Geschichte erzählen. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja: Jemand hatte mir einen Tritt in den Hintern gegeben und ich hatte mich umgedreht, um zu sehen wer es war und es war...nein, das kann ich noch nicht einmal schreiben! Es war schrecklich! Er war es! Tagebuch, er war es! Ich bin in seine Hinterlassenschaften rein getreten! Wie ekelig! Aber ich werde dir genau erzählen, was passiert ist. Es hat sich alles nämlich für immer in mein Gedächtnis eingraviert. Es lief so ab:

- Was, äh, machst du hier? – fragte ich ihn ängstlich.

- Hallo Voldemort - sagte er

Schweigen. Wir starrten uns nur an.

- Sirius Black? Wie ist das möglich? Du bist tot! – Ich konnte einfach nicht glauben, was meine Augen da sahen.

- Das bin ich, aber da ich dich so sehr mag, habe ich beschlossen, dich zu besuchen. Ich hatte nämlich solche Sehnsucht nach dir, Voldie.

- Hä? Was soll das denn jetzt? – Ich war ziemlich verwirrt über das, was er gesagt hatte.

- Was verstehst du denn daran nicht? Bist du etwa blöd?

- HALT DIE KLAPPE! WIE KANNST DU ES WAGEN, SO MIT MIR SO ZU REDEN, NACH ALLEM WAS PASSIERT IST?

- Was passiert ist? Von was redest du da? Ich habe überhaupt nichts gemacht!

- HAST DU WOHL! SEI KEIN LÜGNER!

- ICH BIN KEIN LÜGNER, DU BLÖDER VOLDEMORT! ICH SAG DIE WAHRHEIT! ICH HAB NIE WAS GEMACHT!

- DAS HAST DU WOHL! DU HAST MIR DEN PARTNER BEIM BALL IN HOGWARTS VOR DER NASE WEGGESCHNAPPT!

- DREHST DU JETZT VÖLLIG DUCH? ICH WAR DOCH NOCH NICHT EINMAL ZU DEINER ZEIT IN HOGWARTS!

- LÜGNER!

- SELBER LÜGNER! DAS IST DIE WAHRHEIT! ALS DU NACH HOGWARTS GEGANGEN BIST; WAR ICH NOCH NICHT EINMAL GEBOREN!

- DU BIST EIN BLÖDMANN! JETZT BIST DU NICHT MEHR MEIN BESTER FREUND!

Und damit habe ich Sirius den Kopf abgerissen und bin nach Hause appariert.

Wenn ich nun über die Sache nachdenke, habe ich mich doch ziemlich dumm benommen. Warum um Himmels willen, bin ich eigentlich gestern zu Fuß zum Tropfenden Kessel gegangen, wenn ich doch hätte apparieren können? Wie dumm ich doch bin! Warum habe ich bloß nicht daran gedacht? Welche Schande! Wie gut, dass NIEMAND DIESES TAGEBUCH LESEN WIRD.

Sobald ich zuhause angekommen war, habe ich ... Du kannst es bestimmt schon erraten, liebes Tagebuch, was ich dann gemacht habe? Genau das! Ich habe erst mal meine Antidepressiva eingenommen. Wenn ich nur daran denke, dass Sirius und ich mal die besten Freunde waren... da dreht sich mir immer noch der Magen um.

Und danach habe ich mich sofort hingesetzt, um dir zu schreiben. Und was ich geschrieben habe, weißt du ja.

Sonst ist heute morgen eigentlich nichts Weiteres passiert. Ich war die ganze Zeit in meinem Zimmer und habe geschlafen... Ach, halt stopp! Da hätte ich doch glatt vergessen, dir was zu erzählen. Aber wie konnte ich bloß vergessen, warum ich heute morgen um 8 Uhr aufgewacht bin?

Ich war gerade so schön am schlafen (ich träumte, ich hätte meine Nase wieder), als es an der Tür läutete.

Ich wollte es eigentlich ignorieren, aber diese Typen sind ja so ausdauernd!

Ich bin dann aufgestanden und habe ihnen noch ganz verschlafen die Tür geöffnet. Stell dir meinen Schreck vor, als ich feststellte, dass das Auroren vom Ministerium waren! Einer von ihnen war ziemlich klein, nur so 90 cm, und der andere erinnerte mich stark an einen Berliner Ballen, noch nie in meinem ganzen Leben habe ich einen so großen Mann gesehen. Entschuldigung, habe ich groß geschrieben? Ich meinte natürlich dick. Tut mir leid, Tagebuch, aber meine automatische Korrekturfeder ist kaputt, und ich hatte noch keine Zeit, mir eine neue zu kaufen.

Ich wollte sie nicht eintreten lassen, aber ich konnte ihnen doch auch schlecht die Tür vor der Nase zu schlagen. Aber was, wenn sie mich töten wollten?

- Kommen Sie rein – nuschelte ich.

- Guten Morgen, Herr...äh...

- Wie bitte? Erzählen Sie mir nicht, dass Sie meinen Namen nicht kennen! Zuerst die Muggel und jetzt auch noch die Auroren? Leben Sie denn total isoliert? Schauen sie denn kein Fernsehen?

- Ehrlich gesagt, bin ich kein Freund von Telenovelas – antwortete der große, ich meine natürlich dicke Mann.

- Telenovelas? Ich rede nicht von Telenovelas! Ich rede von der Tagesschau!

- Tagesschau? Aber sind Sie denn nicht der aus Verliebt in Berlin?

- Nein, der bin ich nicht. Mein Name ist Lord Voldemort!

- Nun ja, der Name klingt sehr ähnlich – rechtfertigte sich der 90 cm kleine Auror.

- Oh Gipsy! – sagte der große Auror. Habe ich groß geschrieben? – Er ist es! Du-weißt-schon-wer!

Gipsy (ich denke mal, dass das der Name von dem kleinen Auror war) blickte ziemlich dumm aus der Wäsche.

- Wer?

- Du-weißt-schon-wer! Er-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf! Er!

- Versteh ich nicht, Markus.

- Oh Gipsy, erzähl mir nicht, dass du nicht weißt, wer das ist! Er ist es, der Harry Potter töten will!

- Harry wer?

- Ich bitte um Entschuldigung – sagte Markus – Er ist momentan mit den Gedanken ein wenig in den Wolken.

- Ein wenig? – fragte ich sarkastisch.

- Ich will jetzt aber wissen, wer Sie sind! Sind Sie denn nun Du-scheißt-nie-mehr oder Er-dessen-Nase-nicht-gesehen-werden-darf?

- Ich bin Voldemort!

Markus griff ein, weil diese Diskussion sonst noch eine Ewigkeit weiter gegangen wäre.

- Nun, lassen Sie uns über den Grund reden, warum wir hier sind, Herr... – er machte ein gequältes Gesicht – Voldemort.

- Genau – rief Gipsy aus – Wir sind hier wegen des Terrors in der Winkelgasse. Niemand redet von etwas anderem. Gestern starben im Tropfenden Kessel 36 Personen.

- Ach ja, ich weiß, wer es war.

- Gut, unsere Aufgabe ist es, den Schuldigen festzustellen.

- Ja, das bin ich.

- Aber – Markus fuhr fort, als ob er nicht gehört hätte, was ich gesagt hatte – Sie müssen sich keine Sorgen machen, Herr... – er machte ein gequältes Gesicht - ... Voldemort, Sie stehen nicht auf unserer Liste der Verdächtigen.

- Aber ich war das!

- Es mag sein, – zum zweiten Mal wurden meine Worte ignoriert – aber Sie zählen nicht zu den Verdächtigen.

- Aber ich bin der Mörder!

Wie zu erwarten war, reagierten sie darauf nicht.

- Ihr Strafregister ist komplett leer.

- Was? Aber ich habe so viele Personen ermordet! Wie kann da mein Strafregister leer sein?

- Ermordet? Nun dann, mein Freund, dann sind sie wohl ein Glückspilz. Niemand verfolgt Sie. - sagte Markus mit entspannter Stimme.

- Niemand verfolgt mich! – Ich war schon etwas irritiert über den Verlauf dieses Gesprächs – Ist ja klar, dass mich niemand verfolgt! Wieso sollte man auch Voldemort verfolgen?

- Hören Sie uns zu, – begann Gipsy – Sie müssen uns nicht verarschen, wir haben das schon verstanden.

Wie du dir bestimmt vorstellen kannst, stand ich ziemlich perplex da. Ich konnte nicht glauben, dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die so bekloppt sind.

- Ich weiß sehr gut – fuhr er fort – dass sie testen wollen, ob wir Sie mit nach Askaban nehmen. Das ist es doch, was Sie wollen! Frei essen und schlafen, nicht war? Aber wir lassen uns auf Ihr Spiel nicht ein. Wir sind nämlich cleverer als Sie.

Ich konnte nicht glauben, was ich da hörte!

- Aber was wollen Sie dann von mir, abgesehen davon, dass Sie mich aus dem Bett geschmissen haben?

Der große... dicke Typ antwortete:

- Die Sache ist so, Herr... – er machte ein gequältes Gesicht – Voldemort. Niemand misstraut Ihnen hier, aber wir wurden beauftragt, dieses Viertel zu befragen. Und da Sie, Herr... – er machte ein gequältes Gesicht – Voldemort, in diesem Viertel leben, sind wir verpflichtet, auch Sie zu befragen. Ich bitte Sie, sich kurz zu fassen und uns nicht ein Kotelette an die Wange zu labern, sondern direkt auf den Punkt zu kommen.

- Wie Sie wollen.

- Dann beginnen wir jetzt mit der Befragung, Herr... – er machte das, was schon jetzt anfing mich zu nerven – Voldemort. Wo waren Sie gestern morgen so gegen 10 Uhr?

- Ich war im Tropfenden Kessel.

- Und was machten Sie da?

- Ich wollte eine Rede halten.

- Sie wollten?

- Ja, ich wollte. Ich habe sie dann aber doch nicht gehalten.

- Darf man erfahren warum nicht?

- Weil...

- Ja, sehr interessant. Ich glaube, ich habe mich sehr klar und deutlich ausgedrückt, dass ich möchte, dass Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren und nicht von anderen Dingen reden? Haben Sie mich verstanden?

- Ja, aber Sie haben doch gefragt...

- Haben Sie mich verstanden?

- Ja.

- Nun dann, Herr – ich sag schon nichts mehr dazu – Voldemort, Sie wollten eine Rede im Tropfenden Kessel halten?

- Genau – bestätigte ich.

- Nun gut, ich weiß nicht, ob Sie es wissen, aber der Angriff geschah um 10 Uhr morgens.

- Ich weiß es.

- Sie wissen es? Woher?

- Sie haben es mir gesagt.

- Ich habe es gesagt? Ich habe gar nichts gesagt! Wann soll ich das denn gesagt haben?

- Am Anfang der Befragung. Nun gut, Sie haben nicht sagen gesagt, - schmeichelte ich mich ein.

- Ah! Das ist nicht das Gleiche!

- Nein, aber es ist auch nicht...

- Aber schließlich sind wir ja hier, um über das Massaker zu reden, nicht wahr? – Das sagte jetzt der kleine Auror. Seit Beginn der Befragung war es das erste Mal, dass er den Mund aufmachte. Er hatte die ganze Zeit nur dagestanden und in sein Notizbuch geschrieben.

Ich und Markus blickten uns an.

- Nein! – antworteten wir gleichzeitig.

Markus fing sich als erster wieder.

- Ich möchte sagen, wir sind ja hier um über den Terror in der Winkelgasse zu reden, Herr..., ganz ruhig, ganz ruhig – Voldemort, haben Sie einen Verdacht, wer dieses Verbrechen begangen haben könnte?

- Das habe ich.

- Wen haben Sie in Verdacht? – fragte Gipsy.

- Mich.

Während Gipsy dies in seinem Notizbuch notierte, sagte Markus:

- Noch jemanden?

- Nein, ich glaube, Sie verstehen das nicht ganz – sagte ich, während ich versuchte, so ruhig wie möglich zu bleiben – ich verdächtige nicht mich, ich weiß, dass ich es war.

Aber die Auroren kümmerten sich gar nicht darum, was ich gesagt hatte. Sie blickten sich nur an und verdrehten die Augen. Ich glaube, sie dachten, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte.

- Sehr gut, Herr...

- Voldemort – ergänzte ich – Lord Voldemort, der dunkle Lord.

- Ja, dann. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit. Sie konnten uns zwar keine relevanten Informationen geben, aber wir danken Ihnen dafür, dass Sie Ihre Zeit an uns verschwendet haben.

- Ich habe keine relevanten Informationen gegeben? Ich habe gesagt, dass ich es war, der diese ganzen Menschen umgebracht hat und Sie sagen mir, das ich keine relevanten Informationen gegeben hätte?

- Der Typ ist verrückt – flüsterte der Große, ich meine der Dicke dem Kleinen zu.

- Was haben Sie gesagt? – fragte ich.

- Nichts, nichts. Hören Sie mir zu, Herr – ich sag nichts mehr dazu – Voldemort. Seien wir ehrlich, Sie glauben, dass Sie das Zeug zum Mörder haben?

Ich war sprachlos.

- Wie bitte? Ich habe Millionen von magischen und nicht-magischen Personen umgebracht! Ich bin der meist gesuchteste Zauberer auf dieser Erde. Ich will Harry Potter zerstören und die Welt regieren!

- Ja, aber davon abgesehen, erscheinen Sie nicht wie ein Mörder.

Ich konnte nicht fassen, was ich da hörte.

- Na, dann wünschen wir Ihnen noch einen schönen Tag, Herr... Voldemort.

- Auf Wiedersehen. Fall es nötig sein wird, treten wir mit Ihnen in Kontakt – sagte der andere Auror.

Und so zogen sie dann einfach ab. Sie ließen mich total verdutzt zurück. Ich wollte nicht glauben, was da gerade geschehen war.

- Wie? Was? Unmöglich! – murmelte ich – Ich kann das nicht glauben! Ich habe das Fest von Dumbledore vergessen! Mama Mia, ich muss doch noch einkaufen gehen!

Das stimmt. Ich muss noch einkaufen gehen. Ich habe nämlich gar keinen Schlafanzug, den ich bei dem Fest tragen kann!

Ich wollte dir dies nur kurz erzählen. Nachher gehe ich zu Albus und morgen erzähle ich dir dann wie die Pyjama-Party war. Tschüß!

Dicke Küsse

Voldie

P.S. Wie gut, dass NIEMAND DIESES TAGEBUCH LESEN WIRD.