Die Tür erschien wieder und Crabbe kam mit Malfoy wieder hinein. Er stieß ihn zu Boden, verschwand, und mit ihm die Tür.
Draco konnte nicht verstehen, wie es geschehen konnte, dass alle sich von ihm und seiner Familie abgewandt hatten, sie waren alle Freunde der Familie. Warum musste ihm das geschehen? Warum lag an ihm eine solche Entscheidung? Hatte er denn Schuld? War ein Fehler Grund genug, um Menschen das Leben zu nehmen? Oder sein Leben auf diese Weise zu zerstören?
Er ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, er blieb schließlich an Weasley hängen. Wie konnte er es wagen dieses Brot zu essen, wo es doch ihm vielmehr zu stand, er, der zwei Tage lang nichts gegessen hatte, er, der von den Todessern gefoltert wurde …
Sein Magen zog sich krampfhaft zusammen, aber Draco konnte sich nicht dazu aufraffen, aufzustehen, zu ihnen zu gehen und sich ebenfalls etwas zu nehmen. Er wollte keine Schwäche zeigen, nicht hier, nicht vor ihnen und vor allem nicht jetzt, er hatte schon zu lange durchgehalten, um jetzt aufzugeben.
Draco sah wieder weg.
Er fragte sich, ob sie seine Mutter auch töten würden, sollte er den Aufenthaltsort seines Vaters nicht verraten ‚Aber wie könnte ich denn? Wie kann ich ihnen denn sagen wo er sich versteckt, wenn ich es doch selber nicht weiß?'.
Draco war enttäuscht, enttäuscht darüber, dass er keine Wahl hatte, dass seine Mutter keine Chance gehabt hatte, dass sie würde leiden müssen, obwohl sie es doch am wenigsten von allen verdient hatte.
‚Vater, warum hast du mir nicht einfach vertraut? Wieso hast du nicht geglaubt, dass ich auch zu etwas tauge? Warum machst du mich für all dein Unglück verantwortlich, wo ich doch nichts dafür kann? Wieso hast du mich mit all der Verantwortung allein gelassen?
Du denkst ich habe versagt, dabei hast du versagt, in allem, du konntest deine Familie nicht beschützen und du wirst meine Mutter nicht vor der Trauer bewahren können, die sie empfinden wird, sobald sie erfährt, dass du umgebracht wurdest, da du auch bei der Erfüllung deiner Pflichten versagt hast … Auch wenn ich nicht viel anders bin, so weiß doch, dass ich nicht hätte so skrupellos sein können, du hattest die Wahl, dich Voldemort anzuschließen, oder es nicht zu tun. Ich hatte keine Wahl, mein Leben war schon vor meiner Geburt geplant, ich musste nur noch, den mir zugeteilten Part spielen'
Er blickte zu Boden und lehnte sich dabei an die Wand, während er versuchte gleichmäßig zu atmen. Die Flüche setzten ihm ganz schön zu. Er würde das alles nicht ewig aushalten.
Aber er hatte eine Chance, eine einzige …
Schnellen Schrittes kam ein Todesser durch die soeben erschienene Tür zu ihnen hinein.
Draco hatte sich bereits vor dem Eintreten des Mannes neben die Tür gesetzt und beobachtete ihn. Stück für Stück rutschte er zur Tür, während der Todesser in die Mitte des Raumes ging, um ihnen etwas zu verkünden.
„Hört zu!", befahl der soeben Eingetretene, „Ich habe Anweisungen! Und ihr genauso und ihr werdet sie befolgen-", gerade wollte er ihnen sagen, welche Verpflichtungen sie hatten, als Hermine den Blick Malfoy zuwandte. Er erhob sich lautlos und huschte schnell durch die offene Tür. Die Schülerin staunte, so leicht war dieser Todesser also zu überlisten.
Sie hörte Malfoys schnelle Schritte, bevor der Mann sein Verschwinden auch nur bemerkte. Schnell wandte Hermine sich Ron zu, der sie fassungslos anstarrte.
„Verdammt", der Todesser, stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden. Er war ihm entwischt.
Gerade krabbelte Ron zur Tür, da bemerkte er ihn und zückte seinen Zauberstab. Mit einem Schnippen, ließ er den Griffindor durch die Luft fliegen und an die Wand klatschen.
„Ron! Nein!", Hermine fasste seine Hand.
„Vergesst es gleich wieder! Euch lass ich nicht entkommen!" und mit diesen Worten rannte er aus dem Raum und ließ die Tür verschwinden.
„Komm, ich helfe dir!", Hermine reichte Ron die Hand damit er sich aufrichten konnte, während er sich an den Kopf griff und sein Gesicht vor Schmerz verzerrte.
„Glaubst du er schafft es zu entkommen?" fragte das Mädchen ihn.
„Das ist mir egal, denn selbst wenn er es irgendwie hinbekommen hätte … er würde uns doch eh nicht helfen!"
„Na ja, vielleicht doch! Wir … wir hätten eine größere Chance, als wenn er's nicht schafft. Oder?"
„Da wäre ich mir nicht so sicher, wenn er es tatsächlich schafft, dann werden die höllisch aufpassen!"
„Du hast ja Recht, aber-"
„Ist es nicht egal Hermine?", meinte Ron entnervt, während er sie kummervoll ansah.
Plötzlich vernahm sie laute Rufe, dann Schritte, plötzlich erschien die Tür wieder und Hermine fiel rückwärts hin, so schnell, wie möglich krabbelte sie weg von ihr und lehnte sich erleichtert an eine Wand.
Durch die Tür kam Crabbe, den sie schon von vorher kannten. Er hatte Malfoy am Arm gepackt. Schließlich stieß er ihn mit solcher Wucht in den Raum, dass er am Boden aufschlug.
Hermine versuchte eine Veränderung in Malfoys Gesichtsausdruck auszumachen, doch es gelang ihr nicht. Selbst, als er so am Boden lag, wirkte er auf sie noch immer unverändert.
Kaum hatte sie den Blick von ihm abgewandt, bemerkte sie, dass der Todesser schon wieder gegangen war.
„Malfoy?", fragte Hermine ihn vorsichtig.
„Was willst du Granger?", entgegnete er ihr voller Zorn, während er sich aufrichtete und im Raum langsam auf und ab zu gehen begann.
„Ist alles in Ordnung?"
„Was interessiert es dich, wie es mir geht?", fragte er sie in ebendiesem überheblichen Tonfall.
„Stimmt! Es geht mich wirklich nichts an, aber ich denke das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht reinblütig bin. Überleg doch, wie weit hat dich dein reines Blut schon gebracht? Du sitzt auch hier eingesperrt in einer Zelle, genauso, wie ich. Also denk einmal darüber nach, was es dir gebracht hat."
Aber er gab ihr keine Antwort, er lief einfach weiterhin auf und ab, als ob sie nichts gesagt hätte.
„Hat es eigentlich einen besonderen Grund, warum du Muggelstämmige nicht magst?", als sie abermals keine Antwort erhielt, fügte sie wütend hinzu: „Aber ich denke ja, du tust es einfach so, nur um zu zeigen, wie gut du bist und wie schlecht die anderen. Aber ich verstehe nicht, wie man sich besser fühlen kann, nachdem man einem kleinen Schüler im ersten Jahrgang sagt, wie wenig er wert ist, oder wie unerfahren er ist."
Natürlich erhielt sie wieder keine Antwort, sie wusste jedoch trotzdem, dass er jedes Wort verstanden hatte.
Er dachte nach, darüber was sie gesagt hatte. Warum hasste er Schlammblüter eigentlich so?
Er hatte es nicht anders gelernt, nicht von seinem Vater und auch nicht von seiner Mutter. Doch man kann sich gegen seine Grundprinzipien stellen, es sei denn, man will es nicht …
Sommer 1995,London
Ein schwarzer Wagen hält vor einem Hochhaus im Zentrum Londons. Eine elegant gekleidete, hochgewachsene, blonde Frau mit feinen Zügen steigt aus. „Komm mein Liebling, wach auf, wenn wir deinen Vater heute begleiten wollen, sollten wir uns beeilen.", während sie leise sprach, beugte sie sich über einen kleinen Jungen, der im Wagen schlief, sanft strich sie ihm durch die Haare. Langsam öffnete er die Augen und richtete sich auf. „Wo bleibt ihr denn? Ich bin mit meinen Terminen jetzt schon in Verzug!", die Stimme des Mannes klang zwar gefasst, aber dennoch blickte er seine Frau wütend an.
Der Junge stieg aus dem Wagen und die Frau fasste seine Hand. „Komm Draco, wir haben heute noch viel vor.", flüsterte seine Mutter ihm zu. Der Kleine blickte überwältigt auf das Haus. Es war so viel größer, als er selbst.
Mit eiligem Schritt, war der Mann schon vorausgegangen, als er sich nach seiner Familie umwandte bemerkte er, dass sie ihm nicht gefolgt waren.
„Narcissa, ich dachte wir wollten das gemeinsam erledigen!", rief er ihr zu.
„Natürlich Lucius! Warte einen Augenblick!", die junge Frau ging eilig auf ihren Mann zu, während ihr Sohn beinahe laufen musste um mit ihr Schritt zu halten. Bald hatten sie ihn eingeholt und betraten gemeinsam das Gebäude. Langsam ging er neben seiner Mutter her, während er ihre Hand immer noch fest umklammert hielt.
„Mama?"
„Ja, Draco?", ihre Stimme klang weich und ungezwungen.
„Mama, wer wohnt denn in dem großen Haus?", fragte der Junge schüchtern.
„Oh Liebling, hier wohnt niemand, das ist ein Bürogebäude.", sie lächelte und strich ihm über das blonde Haar.
„Mama?"
„Ja …"
„Wem gehört denn das Haus dann, wenn doch niemand da wohnen will?"
„Bald wird es deinem Vater gehören, er möchte es heute kaufen.", Narcissa beschleunigte ihren Schritt um ihren Mann wieder einzuholen, der Mutter und Sohn abermals hinter sch gelassen hatte.
„Warte doch Lucius! Wenn ich dir kaum noch nachkomme, wie soll Draco es dann schaffen?", rief sie ihm nach. Er wandte sich um und ging schnell zu seiner Frau. Er hatte so ein ungutes Gefühl bei dem ganzen. Er wollte es so schnell, wie möglich hinter sich bringen. Er nahm seinen kleinen Sohn auf den Arm und schritt, so schnell, wie möglich weiter. Narcissa hielt ihr bodenlanges Kleid hoch und lief hinter ihrem Mann her, denn selbst mit dem kleinen Jungen auf dem Arm, war er noch um einiges schneller, als sie.
Doch schließlich hielt er und setzte seinen Sohn auf den Boden ab. Narcissa hatte die beiden eingeholt und fasste wieder die Hand des Jungen. Gemeinsam schritten die Drei auf einen großen Aufzug zu. Lucius hob gerade die Hand, um ihn zu betätigen. „Papa?"
Er zuckte zusammen, er wurde nicht sehr oft von seinem Sohn so angesprochen.
„Ja, Draco?", fragte er ihn ungeduldig.
„Darf ich das machen?"
„Wenn du glaubst."
Der Kleine stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte den Knopf zu erreichen, er kam nicht heran.
„Jetzt reicht es!", stieß sein Vater aus und drückte den Knopf.
Traurig sah Draco zu seiner Mutter auf, „Nicht traurig sein.", flüsterte Narcissa im so leise zu, dass Lucius es nicht hören konnte.
Als der Aufzug erschien stiegen sie alle ein. Sie fuhren bis zum sechzehnten Stockwerk hinauf.
„Kommt jetzt, wir sind schon viel zu spät.", drängte Lucius.
Bald erreichten sie eine Tür, auf der 'Geschäftsleitung' stand, daraufhin zog er den Sohn nach vorne, weg von seiner Mutter und fasste seine Hand. Er klopfte. Jemand sagte dann: „Herein!".
Die Malfoys traten in das Zimmer ein, ein kleiner, dicker Mann wartete bereits auf sie.
„Guten Morgen! Nehmen Sie doch hier vorne Platz!", der Mann deutete auf zwei Stühle vor gegenüber von seinem Schreibtisch.
Zögernd nahm Narcissa ihren Sohn auf den Arm und ließ sich auf einem der Stühle nieder. Schließlich nahm auch Lucius Platz.
„Nun ja … Mister Malfoy, wir hatten ja schon alles geklärt, Sie brauchen nur noch hier zu unterschreiben.", er hielt ihm ein Dokument und einen Stift hin, dieser nahm die Papiere und zog jedoch seinen eigenen, smaragdgrünen Stift aus der Tasche seines Anzugs und wollte gerade ansetzten, um zu unterschreiben.
Er warf noch einen letzten Blick auf die Dokumente. „Nehmen sie sich ruhig so viel Zeit, wie Sie brauchen!", nuschelte der Geschäftsleiter, während er zu einem Schrank ging und die Tür öffnete.
„Na Kleiner, möchtest du etwas Süßes?"
Bittend sah Draco zu seiner Mutter hoch, unentschlossen blickte sie zu dem Mann und dann wieder zu ihrem Sohn, er sah sie so flehend an.
„Na schön, Ausnahmsweise. Geh schon mein Schatz!"
Verärgert wandte sich ihr Mann, seiner Frau kurz zu, doch schließlich beschäftigte sie sich weiter mit seinen Dokumenten.
„Ist das dein Haus?", fragte Draco den Geschäftsinhaber.
Überrascht wandte der sich dem kleinen Jungen zu.
„Ja, noch ist es meines.", antwortete er ihm.
„Hier! Ich hab sie gefunden, hier sind die Süßigkeiten! Nimm dir so viele du magst mein Junge. Nur keine Scheu!"
„Ich will sie alle!", verkündete ihm Draco.
„Na dann, komm!", der Mann lächelte.
Schnell lief der Junge auf ihn zu und nahm ihm die Süßigkeiten aus den Händen.
„Mama!", die Stimme des Keinen klang verzweifelt.
Narcissa blickte sofort auf „Lucius!", stieß sie aus und umklammerte seinen Arm.
Der hob den Kopf und sah dem Mann direkt in die Augen.
„Na los! Unterschreib!", brüllte der Fette ihn an.
„Mama, hilf mir!", rief ihr Sohn ihr zu, der Mann hielt ihn am Oberarm fest. Er hielt Draco ein Messer an den Hals.
„Sei still! Und jetzt unterschreib schon! Oder willst du etwa, dass ich dem lieben Jungen hier die Kehle durchschneide?", er lachte krankhaft.
Narcissa vergrub das Gesicht in ihren Händen und schluchzte leise.
Langsam setzte Lucius an und unterschrieb.
„So! Jetzt hol den Scheck raus! Hol ihn raus sofort!"
Ihr Mann sah Narcissa so hasserfüllt an, wie er es noch nie zuvor getan hatte.
Langsam steckte er die Hand in die Tasche und zog den Scheck hervor, er legte ihn auf den Tisch.
„So und jetzt geht zur Tür! Aber alle beide!"
Und die beiden gingen langsam zur Tür und hielten dort an.
„So! Dann hätten wir ja alles geklärt!", mit diesen Worten stieß er den Jungen von sich weg.
Draco fiel zu Boden und richtete sich dann aber sofort wieder auf und lief auf seine Mutter zu.
„Komm her mein Schatz!", sie schloss ihn in ihre Arme und weinte immer noch.
Lucius verschwand währenddessen auf den Gang.
„Komm mit wir gehen jetzt!", sie nahm ihn in ihre Arme und lief ihrem Mann nach.
„So und jetzt gib ihn mir!", befahl Lucius seiner Frau, während er sie immer noch hasserfüllt anstarrte.
„Was … aber warum denn?", fragte sie ihn bestürzt.
„Jetzt sofort!"
„Aber … das kannst du doch nicht machen! Es war nicht meine Schuld!"
Indessen hatte sie ihren kleinen Sohn abgesetzt und sah ihren Mann verständnislos an.
„Komm jetzt!", er nahm den Kleinen bei der Hand und ging eilig weiter.
„Und du bleibst hier!", rief er ihr zu.
Ein letztes Mal wandte er sich ihr zu „Und du hältst dich zu Hause von meinem Sohn fern! Hast du das verstanden Frau?", hasserfüllt blickte er sie an, bevor er davonschritt.
„Aber was ist denn mit Mama?", fragte ihn der Junge ihn mit Tränen in den Augen.
„Kümmer dich nicht um sie Sohn, ich hohle sie dann später!", erwiderte er und ging dabei so schnell, dass sein kleiner Sohn ihm kaum noch nachkam.
Narcissa sank weinend zu Boden. Schluchzend sah sie ihrem Sohn nach.
Seitdem war ihm seine Mutter nicht nur in Malfoy Manor sondern auch auf ihrem Anwesen in Wiltshire aus dem Weg gegangen. Er konnte sich kaum noch an die Zeit davor erinnern. Ab und zu war Draco mit seiner Mutter spazieren gegangen, doch ansonsten war kaum einmal mit ihr allein gewesen. Jetzt wusste er es, er hasste diese verdammten Schlammblüter aus einem einzigen Grund. Damals hatte ihn einer um die Zuwendung seiner Mutter gebracht …
