Draco saß nun wieder am Boden des Raumes und starrte ins Leere.
Er versuchte diese Gedanken abzuschütteln und erhob sich. Abermals begann er auf und ab zu gehen. Er wollte nicht mehr daran denken, wirklich nicht, aber der Gedanke an seine Mutter ließ ihn nicht mehr los. Er überlegte, was wohl geschehen würde, sollten die Todesser seinen Vater finden.
‚Was wird dann mit uns sein? Mir wäre lieber, sie töteten mich, anstatt mich dauernd zu foltern … diese Schmerzen … wie lang wollen sie damit weitermachen?'
Draco blickte erschüttert zu Boden, er wollte sie nicht wieder sehen, Freunde und Verwandte seiner Eltern, die ihnen nichts als den Tod wünschen. Verräter.
Er fuhr sich mit der Hand über die Augen. Die Müdigkeit überwältigte ihn geradezu, doch er konnte nicht schlafen, nicht solange Granger und Weasley wach waren. Er würde keine Schwäche zeigen, er würde durchhalten.
‚So weit bin ich noch nicht gesunken.'
Hermine musterte Malfoy, er schritt immer noch im Raum auf und ab. Ob er wohl über ihre Worte nachgedacht hatte? Nein, bestimmt nicht. Wahrscheinlich erinnerte er sich noch nicht mal, dass sie ihm etwas gesagt hatte.
„Hermine!", Ron stupste sie an, „Hermine!".
„Hast du was gesagt?", sie wandte sich ihm zu.
„Ja, hörst du mir nicht zu?", fragte er sie, wobei er eine beleidigte Miene aufsetzte.
„Das brauchst du mir nicht zu sagen! Du hörst den anderen selbst nie zu!", erwiderte sie aufgebracht.
„Ähm … Hermine?", fragte er sie vorsichtig.
„Was?", fauchte sie ihn an.
„Das war doch nicht ernst gemeint. Hermine, das war ein Scherz! Was ist denn eigentlich los mit dir?"
„Ach … tut mir Leid. Ich weiß auch nicht. Ich glaub das sind die Umstände hier.", meinte sie versöhnlich.
„Schon klar.", erwiderte Ron.
Hermine wandte sich wieder ab. Sie machte sich Sorgen, große Sorgen.
Warum waren sie hier? Wem wollten die Todesser eine Falle stellen? Meinen Eltern? Rons Familie? Harry?
Sie konnte sich keinen Reim darauf machen. Sie verstand den Gedanken hinter der Gefangennahme einfach nicht …
Den Grund, weshalb sie Malfoy gefasst hatten, konnte sie ja begreifen.
‚Aber warum wir? Warum ich? Wieso nur?'
Fragend blickte sie Ron an, als könnte er ihr Antworten geben, Antworten auf Fragen, die sich niemand stellen sollte. Ihr Freund jedoch hatte aus der Tasche seines Umhangs, den er immer noch über seiner Schuluniform trug, einen Stein geholt und warf ihn in die Luft, um ihn dann wieder zu fangen.
Er dachte im Moment wahrscheinlich über gar nichts nach. Es war eben typisch für Ron. Unangenehme Situationen ignorieren, bis sie unabwendbar scheinen und dann durchdrehen. Ja, das klang wahrlich nach Ron. Aber in gewisser Weise bewunderte sie seine Art auch ein bisschen, schließlich hätte sie das nicht gekonnt.
‚Ach, Ron, wie machst du das nur? Wieso kann ich nicht einfach aufhören darüber nachzudenken? Es bringt doch nichts … ich komme ja doch auf keinen grünen Zweig, aber warum nur? Warum?'
Plötzlich hörte Hermine ein Rascheln. Sekunden später betrat Bellatrix Lestrange den Raum, durch die Tür, die kurz zuvor erschienen war. Sie richtete ihren Zauberstab erst auf Hermine dann auf Ron und schließlich auch auf Malfoy.
„Steht auf ihr kleinen Bälger!", befahl sie.
„Und warum meinst du, dass ich das jetzt tun werde? Nur weil du es sagst?", erwiderte Malfoy herablassend.
„Nein, nicht weil ich es sage, sondern weil der Dunkle Lord es so will.", erwiderte sie, während sie ihn überlegen anlächelte, „Und jetzt bewegt euch raus!", rief sie ihnen zu.
Ron und Hermine standen auf und gingen zögernd auf die Tür zu.
„Du auch!", sagte sie, an Malfoy gewandt.
Langsam erhob sich dieser ebenfalls und schritt selbstsicher in Richtung Tür. Die Todesserin stieß die drei in den anderen Raum.
„Und was soll ich hier?", fragte Draco Bellatrix.
Die Vier standen im Dunkeln. Doch plötzlich ging das Licht an.
„Ich dachte das hier wird dich vielleicht interessieren.", antwortete Voldemort ihm, anstatt seiner Untergebenen.
Erschrocken sah Hermine in die Richtung, aus der sie die Stimme vernommen hatte.
Dort stand Er, Lord Voldemort, umringt von seinen Todessern.
Sie keuchte leise.
Er war ungewöhnlich groß und dürr. Sie bekam es mit der Angst zu tun.
Schließlich blickte sie ihm in die roten Augen, die kaum größer als Schlitze waren, sein Gesicht war eingefallen und seine Haut grau. Hermine bemerkte ebenfalls den Umhang. Er war nicht schwarz, so wie die seiner Diener. Nein, er war dunkelgrün und reichte bis zum Boden.
Sie bemerkte den Zauberstab, den er in seiner mageren Hand hielt, bei der sie alle Sehnen und Knochen sehen konnte.
Sie warf ihm angsterfüllte Blicke zu.
Sie sah hinüber zu Ron und Malfoy und bemerkte, dass seine Hände zitterten, sie versuchte herauszufinden, wo er hinsah und folgte seinen Blicken.
Da sah Hermine sie, seine Eltern, wie sie zwischen ihren Freunden standen, die sie alle verraten hatten. Sie konnte sich denken, was passieren würde. Sie presste ihre Hand vor den Mund und schluchzte leise, sie wollte es nicht sehen, sie wollte nicht dabei sein …
„Nun, Draco, bist du überrascht?", seine Stimme klang so schlangenhaft, Hermine wollte sie nicht hören.
Malfoy erwiderte nichts. Er sah ihn nur an, aber nicht etwa bittend, nein eher überheblich. Doch zwischendurch blickte er zu seiner Mutter, und dabei wirkte er so erschüttert …
„Du bist also nicht überrascht?", wiederholte Lord Voldemort seine Frage leise.
„Nein.", erwiderte Malfoy.
„Bist du jetzt enttäuscht?"
„Nein.", antwortete er noch ein Mal.
„Du hättest wenigstens Narcissa retten können.", dieser sprach weiter, seine Stimme klang immer noch ruhig.
„Glaubst du etwa, das hätte ihn glücklich gemacht?", das erste Mal erhob Mrs Malfoy das Wort, verzweifelt sah sie den Dunklen Lord an.
„Nun, Draco, du hast deine Mutter gehört. Willst du ihre Frage nicht beantworten?", dabei verzog sich sein Mund, zu so etwas ähnlichem, wie einem Lächeln.
Draco schwieg beharrlich, er mied die fragenden Blicke seines Vaters. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er es gekonnt hätte. Er hätte seine Mutter gerettet und die verlorene Zeit wieder aufgeholt, oder es zumindest versucht.
Aber er hatte keine Wahl, er hatte den Aufenthaltsort seines Vaters nicht gekannt.
Seine Mutter hatte noch nicht mal eine Chance gehabt.
Und warum nicht? Weil sein Vater ihm nicht vertraut hatte. Oder vielleicht wollte er sie auch nicht zurücklassen, vielleicht wollte er einfach sichergehen, dass sie im Falle seines Todes mit ihm gehen würde.
„Nun anscheinend hat er keine Antwort auf diese Frage. Oder vielleicht hätte euch die Antwort einfach nicht gefallen. Gibst du mir Recht Lucius?", er blickte zu ihm hin.
„Ich sehe doch, wie du die Blicke deines Sohnes suchst. Aber fragst du dich nicht warum er sie nicht erwidert?"
„Er tut es nicht, aus dem schlichten Grund, dass er ein Malfoy ist. Er ist mein Sohn. Jedes Anzeichen von Schwäche, in jeglicher Situation, würde seine Familie und ihn nur herabsetzten.", erwiderte dieser, jedoch klang es so, als zweifelte er selbst daran, obwohl er versuchte es niemanden merken zu lassen.
„Draco, du hattest deine Möglichkeit mit uns zusammen zu arbeiten. Doch anscheinend bist du doch nur einer von den Dummköpfen, die sich von ihren Gefühlen leiten lassen. Man hat immer die Wahl, mit uns, oder gegen uns. Und du hast dich entschieden, also steh dazu.", er lachte laut auf, kaum hatte er diese Worte ausgesprochen.
Hermine rannen Tränen die Wangen hinunter, er tat ihr so Leid. Sie fragte sich, was sie in dieser Situation tun würde und je länger sie darüber nachdachte, desto mehr wurde ihr bewusst, dass sie wahrscheinlich an dem ganzen Leid zu Grunde gegangen wäre.
„Bella, gib ihm seinen Zauberstab!", befahl der Dunkle Lord, während sein Blick immer noch auf Malfoy ruhte.
„Aber … Meister"
„Gib ihn ihm Bella, ich will, dass er wenigstens eine kleine Möglichkeit hat, einen von beiden zu retten.", unterbrach er ihr Gestotter.
Bellatrix wandte sich erstaunt Malfoy zu, während sie ihm den Zauberstab reichte, den sie durch ein Schnippen erscheinen lassen hatte.
„Danke, Bella.", bedankte sich er bei ihr, wobei Hermine einen kleinen Hauch Ungeduld heraushörte. Wahrscheinlich wollte er so schnell wie möglich zur Sache kommen. Sie verstand einfach nicht, weshalb er beschlossen hatte Malfoy den Zauberstab wiederzugeben.
Doch plötzlich kam ihr ein Gedanke, so schrecklich, dass sie ihn nicht zu Ende denken wollte …
„Draco, ich hoffe du weißt jetzt, was das Beste für dich ist … sag mir, warum hast du das Versteck nicht preisgegeben. Nenn mir einen Grund, nur einen, weshalb du es nicht getan hast. Sag mir die Wahrheit Draco."
„Ich bin kein Verräter.", erwiderte Malfoy.
„Nun, Draco, denkst wirklich ich durchschaue deine Lügen nicht? Denkst du ich wüsste es nicht schon längst? Denkst du ich hätte keine Mittel, um es heraus zu finden."
Malfoy schwieg beharrlich, jedoch bemerkte Hermine, wie seine Züge, bei diesen Worten erstarrten.
„Du dummer Junge, deine Gedanken sind für mich, wie ein offenes Buch. Doch dein Horizont ist zu beschränkt. Du lebst in dem Glauben, alles zu wissen und zu kennen, ein großer Zauberer zu sein. Aber im Grunde bist du ein einfacher Junge, ohne bemerkenswerte Fähigkeiten.", Lord Voldemort blickte seine Anhänger an, einen nach dem anderen.
„Soll ich ihnen den Grund für dein Schweigen verraten? Jeder einzelne von ihnen brennt darauf es zu erfahren. Auch wenn nicht ein einziger den Mumm hat es auszusprechen. Nicht war Bella?", er sah die Frau dabei spöttisch an.
Man merkte ihr an, dass sie sich ertappt fühlte. Beschämt blickte sie zu Boden, sie wagte nicht Narcissa in die Augen zu sehen.
„Das können Sie nicht.", Malfoys wollte gefasst klingen, jedoch merkte man ihm an, dass er an seinen eigenen Worten zweifelte.
„So, das denkst du also, und was hindert mich daran?", fragte er ihn.
„Ich kann meinen Geist verschließen … das heißt ich habe ihn verschlossen.", erwiderte dieser mit zittriger Stimme, während er den Zauberstab etwas höher hoch hob.
„Nimm ihn runter."
„Woher …?"
„Nun, denkst du immer noch, es wäre ein Problem für mich die Gedanken, eines Siebzehnjährigen zu lesen?"
Hermine sah, wie einige der Todesser die Gesichter verzogen, anscheinend war Malfoys Alter unter ihnen nicht bekannt gewesen.
„Es macht dir doch nichts aus, dass deine Freunde nun dein Alter kennen? Ich denke es wurde langsam Zeit."
Hermines Blick fiel auf Malfoy, der nur dastand ohne irgendjemanden im Raum anzusehen.
Auch seine Mutter nicht mehr.
Seine Welt war in den letzten fünf Minuten zusammengestürzt, oder vielleicht auch schon während der letzten zwei Tage.
„Nun, ich wollte euch ja eigentlich den Grund erzählen, weshalb ich mich mehr als eigentlich notwendig anstrengen musste, um herauszufinden, warum mir Draco den Aufenthaltsort nicht verraten hatte. Kommt näher Freunde."
Einige Todesser schritten tatsächlich ein paar Schritte nach vorne, während andere nur die Hälse reckten, um einen besseren Überblick zu bekommen.
Angewidert musterte Hermine sie alle, wie konnten sie sich nur so am Leid jemandes anderen erfreuen? Noch dazu, an dem eines zu ihnen Gehörigen. Sie hatte tatsächlich Mitgefühl für Draco Malfoy. Wenn auch seine Situation nicht viel schlimmer war, als ihre, so hatte sie dennoch die Hoffnung, ihre Eltern lebend wieder zu sehen.
Sie blickte zu Ron, der immer noch, wie angewurzelt dort stand, wo er sich hingestellt hatte, als sie hereingekommen waren. Auch er reckte fast unmerklich den Hals, um mehr zu sehen. Wahrscheinlich war er ganz begierig darauf zu erfahren, was gleich als nächstes passieren würde, so lang es nur nicht ihn selbst betrifft.
„Nun, der Grund ist schlicht und einfach, Unwissenheit. Draco kannte den Aufenthaltsort nicht.", bei diesen Worten blickte der Dunkle Lord Narcissa direkt in die Augen, diese erwiderte den Blick.
Ihre Lider waren schlaff, ihre sonst so ordentlichen, silberblonden Haare zerzaust, und doch strahlte sie immer noch Eleganz aus.
Bei diesen Worten wirkte Malfoy, wie versteinert und er sah zum ersten Mal diesen Abend, seinen Vater direkt an, doch nun wandte sich dieser ab und mied seinen Blick.
Es war wie ein Spiel, ein Spiel, das niemand gewinnen konnte, alle Beteiligten waren von einander abhängig und jeder würde versuchen seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
„Nun ist also alles gesagt?"
Doch am Enden würden sie alle fallen.
„Jetzt ist es aus. Lucius, Narcissa eure Zeit ist vorbei. Vergesst was war, denkt nur daran, was euch erwarten wird.", die Worte waren wunderschön, doch, als sie über diese Lippen kamen, hörten sie sich schrecklich an.
Ohne Chance auf Besserung, ohne Chancen wieder zurückzukehren.
Hermine sah, wie Lucius seine Frau an der Hand fasste, wahrscheinlich das letzte Mal.
Weil sie nicht anders können.
„Nun, Narcissa, hast du vielleicht noch einen letzten Wunsch?"
Diese stand nur da und sah ihn stumm an, sie wunderte sich, warum der Dunkle Lord mit ihr sprach, wo ihr Mann doch hier war...
Er hielt ihre Hand immer noch fest, sie konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal ihre Hand gehalten hatte, oder ihr auf andere Weise gezeigt hatte, dass sie für ihn etwas bedeutete.
Sie war glücklich, auch wenn sie wusste, ihr Sohn würde zurückbleiben, ohne Familie, ohne Freunde.
Und doch hatte er ihr immer nur seine Abneigung dargebracht, doch jetzt nicht mehr …
Malfoy Manor, 1988
„Lucius?", Narcissa betrat die Bibliothek des Hauses. Sie ging durch Reihen von Bücherregalen aus wunderschönem, dunklem Holz hindurch. Sie suchte ihren Mann.
„Lucius?", sie rief abermals nach ihrem Mann, doch niemand antwortete ihr. Sie ging immer schneller. Die den düsteren Gängen in diesem Haus jagten ihr immer noch Angst ein, obwohl sie bereits ein Jahr dort lebte.
Narcissa schritt auf eine erleuchtete Ecke, mit zwei dunkelgrünen Fauteuils zu.
Dort saß ihr Mann, vertieft in ein Buch, ohne sie zu hören. Sie blieb einen Augenblick lang stehen und beobachtete ihn. Doch schließlich ging sie auf ihn zu, dann machte sie einige zögerliche Schritte und setzte sich auf die Armlehne, des Sessels, während sie ihrem Mann über den Arm strich.
„Lucius?", flüsterte sie.
Er wandte sich ihr zu, „Was willst du? Du siehst doch, ich bin beschäftigt!", stieß er aus.
„Ich, ich muss dir etwas sagen."
„Dann beeil dich! Und hör auf dich immer da drauf zu setzten! Dort steht ein Stuhl.", murmelte er ihr zu und stieß sie unsanft vom Sessel.
Narcissa glitt auf den Boden, richtete sich auf und setzte sich auf den anderen Stuhl.
„Nun, ich werde ein Kind bekommen.", verkündete sie ihm stolz.
„Von mir?", fragte sie Lucius spöttisch.
„Natürlich von dir.", man hörte ihr an der Stimme an, wie verletzt sie sich fühlte.
„Du hast gemeint, du musst mir etwas sagen. Da habe ich angenommen, es wäre etwas wichtiges, aber anscheinend-", er kam nicht dazu fertig zu sprechen, denn Narcissa hatte sich erhoben und war gegangen.
Die Tränen rannten ihr die Wangen hinunter.
Narcissa konnte sich noch daran erinnern, als wäre es erst gestern gewesen, sie wusste noch genau, wie ihr Mann damals auf die bevorstehende Geburt seines Sohnes reagiert hatte.
„Hast du meine Frage nicht gehört?"
„Natürlich habe ich sie gehört.", erwiderte Narcissa ruhig.
„Nun denn, was ist dein letzter Wunsch?"
„Ich möchte, nein, ich will, dass mein Sohn nach meinem Tod weiterlebt. Er hat ein solches Schicksal nicht verdient."
„Nun, wenn es denn dein Wunsch ist, Narcissa, ich hoffe du hast es dir gut überlegt."
„Da gab es nichts zu überlegen.", erwiderte sie ihm.
Hermine sah zu Malfoy hinüber, sie bemerkte wie starr seine Züge waren, wie blass er ihr schien und wie seine Augen glänzten. Schließlich fiel ihr Blick auch auf Ron, der sich noch immer nicht von der Stelle gerührt hatte, er sah erschrocken zu den Malfoys hinüber.
„Es tut mir Leid, Lucius, aber du hast einen gravierenden Fehler gemacht.", er machte eine kurze Pause „ Tötet sie!", die Stimme war kaum lauter, als ein Windhauch, trotzdem konnte jeder hören, was er gesagt hatte, denn alle sahen nun ihn an.
Bellatrix zückte ihren Zauberstab, plötzlich löste sich Narcissa von ihrem Mann und ging auf sie zu.
„Töte mich doch Bella. Töte deine Cousine, töte den einzigen Menschen in diesem Raum, dem du etwas bedeutest!", sie wandte sich von ihr ab.
„Das ist nicht wahr!", schrie sie diese an, „Hör auf zu lügen!".
„Du weißt genau, dass es stimmt Bella!"
„Nein.", flüsterte sie, „Nein.".
„Bella, ich habe dich gemocht. Du bist und bleibst meine Cousine, meine Freundin. Auch wenn wir bald verschiedene Wege gehen werden."
Darauf wusste sie nichts zu erwidern, sie blickte Narcissa an und Tränen liefen ihr über die Wangen.
„Tu du es MacNair, sie kann es nicht!", die Stimme des Dunklen Lords klang nicht länger gefasst, sondern eher schrill, sein Plan drohte zu scheitern.
Gerade hob dieser den Zauberstab und öffnete den Mund.
Hermine presste ihre Hände vors Gesicht und drehte sich weg. Sie wollte es nicht mit ansehen. Eher wollte sie selbst sterben.
„Avada Kedavra!"
Narcissa fiel, sie fiel und noch ehe sie auf dem Boden aufkam war sie tot.
MacNair blickte verwirrt in alle Richtungen, bis er Bellatrix bemerkte, wie sie dastand und den Zauberstab noch in der Hand hielt. Sie war schneller gewesen.
Weinend brach sie auf dem Boden zusammen.
„Schafft sie raus, sie widert mich an!", seine Stimme klang wie immer, unverändert.
MacNair packte sie und schleppte sie aus dem Raum, während sie haltlos schluchzte, schluchzte darüber, dass sie ihre Cousine getötet hatte.
Hermine nahm ihre Hände weg, sie blickte zu Malfoy hinüber, sein Gesichtsausdruck war unverändert geblieben, kalt und unergründlich.
Sie wunderte sich, wie unbeteiligt er wirkte, als gingen ihn diese Menschen nichts an.
„Jetzt ist er an der Reihe.", befahl der Dunkle Lord, immer noch in unveränderter Stimmlage.
Lucius blickte nicht auf, als er sprach, er reagierte noch nicht mal. Psychisch war er schon tot und auch physisch würde er seiner Frau bald nachfolgen.
„Tu es endlich!", befahl Lord Voldemord.
Crabbe hob langsam den Zauberstab und richtete ihn auf Lucius. Seine Hand zitterte, er wollte seinen Freund nicht töten.
„Wenn du dich nicht beeilst Crabbe, dann werde ich es selbst tun müssen und du weißt, wie ungern ich mich überanstrenge.", warnte er ihn mit drängender Stimme.
Plötzlich fiel Hermine der Zauberstab in Malfoys Hand ein, seine Mutter war schon tot, aber sein Vater hatte noch eine Chance.
‚Verdammt, warum greifst du nicht ein? Tu doch was!'
Sie verstand es nicht. Warum setzte er ihn nicht ein, er war doch sein Vater.
Doch da hatte Crabbe schon den Zauberstab erhoben. Er richtete ihn auf ihn und sprach den Fluch aus.
Auch Lucius fiel zu Boden, doch es niemand schien es zu bemerken.
„Bringt die beiden anderen weg. Sie sind hier überflüssig."
Auf diesen Befehl hin packte Crabbe Hermine und Ron und brachte sie in den Raum zurück.
Das wäre ihre Chance gewesen, fort zu laufen, zu fliehen. Niemand hätte es bemerkt, sie wären jetzt, in diesem Moment frei. Aber sie hatten nicht den Mut gehabt.
„Nun Draco, ich denke, jetzt, wo deine verehrten Eltern nicht mehr sind, hast du keinen Grund mehr noch zu uns gehören zu wollen."
„Sie können mich nicht töten. Nicht das ich Angst zu sterben hätte, aber Sie haben meiner Mutter ein Versprechen gegeben.", seine Stimme klang selbstsicher, nur bei der Erwähnung seiner Mutter, hörte man ein kurzes Zittern.
„Du hast Recht, ich kann dich nicht töten. Aber das verändert die Tatsache nicht."
„Welche Tatsache?", er versuchte furchtlos zu klingen, aber es gelang ihm nur teilweise.
„MacNair!", der Dunkle Lord stieß seinen Namen aus und kurz darauf erschien dieser im Raum.
„Welche Tatsache?", fragte Draco wieder, diesmal lauter.
„Die Tatsache, dass du es nicht länger wert bist zu uns zu gehören."
