Schnellen Schrittes betrat Snape wieder den Raum. Sein wehender Umhang, blieb schlaff hängen, als er abrupt und völlig außer Atem vor Hermine zu stehen kam.

So unsanft aus ihren Gedanken gerissen, blickte diese auf.

Ihre Augen weiteten sich für einen Augenblick vor Überraschung, jedoch dauerte dieser Moment nur wenige Sekunden an.

Kaum waren jene verstrichen, senkte sie den Blick zu Boden. Sie wollte nicht mit ihm sprechen, nicht mehr darüber nachdenken. Zu ausweglos schien die Situation, zu endgültig.

Ron hingegen sah den Todesser direkt an, ohne jede Scheu.

Snape wirkte nicht so gefasst, wie zuvor. Unruhig blickte er sich im Raum um, anscheinend nach etwas suchend, was nur von ihm gesehen werden konnte.

„Steh auf!", sagte er dann so plötzlich, dass Hermine, wie ertappt zusammenzuckte und ihn an anblickte.

„Sir, ich-"

„Sei still.", unterbrach er sie, noch immer versuchte der Tränkemeister verzweifelt etwas zu finden, doch es schien, als hätte er keinen Erfolg.

„Steh auf!", forderte er sie abermals auf, während er immer noch im Raum umherblickte.

Hermine warf Ron einen flehenden Blick zu, doch dieser sah nur zur Seite, gerade so, als ginge es ihn nicht an, als wäre er hierbei nur ein Außenstehender, der nichts zum Geschehen beitragen könnte.

„Granger!", donnerte ihr ehemaliger Professor.

Erschrocken blickte die Gryffindor ihn an und mit einem Mal kam ihr die Situation so vertraut vor, so wie in der Schule, als er sie anblickte, wütend darüber, dass sie, schon wieder die Antwort wusste.

Ja, wie oft hatte sie ihm gegenübergestanden?

Doch nun waren die Rollen anders verteilt worden ….

„Mädchen, warum lächelst du?", fragte der Todesser, wobei er kurz die Fassung verlor, für einen kurzen Moment, war Überraschung in seinen Zügen zu lesen.

Doch jener Augenblick verstrich so schnell, dass Hermine sich nicht sicher war, das es wirklich passierte.

Denn nun wirkte er so gefasst, wie zuvor, so als wäre es nie anders gewesen.

„Es ist nur, das alles hier hat mich gerade ein wenig an Hogwarts erinnert.", antwortete sie ihm wahrheitsgetreu.

„Du hast keinen Grund dazu, Mädchen, du am aller wenigsten.", kurz hielt er ein, um sich zu sammeln, danach fuhr er langsam fort, so zögerlich, dass man glauben könnte, dass er es nicht wollte: „Komm jetzt, steh auf. Ich kann dir das nicht erklären, dazu habe ich kein Recht."

„Sie hatten auch nicht die Erlaubnis, ihm zu helfen!", rief sie erzürnt aus, während sie auf Malfoy deutete, „Aber sie haben es trotzdem getan, nicht wahr?"

„Wenn ich es für ihn tat, heißt es nicht, dass ich es für dich genauso tun würde.", antwortete er mit klarer Stimme, sich der Wirkung dieser Worte vollkommen bewusst, „Erzähl mir nicht, dass du es nicht gewusst hättest, sag das nicht."

„Aber weshalb soll ich Ihnen folgen?"

„Du, Miss Granger, wirst mir nicht folgen, du wirst voraus gehen."

„Ich-"

„Jetzt steh endlich auf!", unterbrach er das Mädchen, während er es am packte und auf die Beine zerrte.

Kurz dachte Hermine, ihre Beine würden ihr nachgeben, doch es geschah nicht, sie bleib stehen.

Langsam schritt sie durch die Tür, bemüht darauf zu achten, ihre Hände ruhig zu halten, niemand sollte ihre Furcht sehen, nicht Ron und auch nicht Snape.

Abermals fand sie sich in jenem großen Raum, der mehr einer Halle ähnelte wieder, in welchem sie bereits vorhin gewesen waren.

Er war vollkommen ausgestorben, die Wände wirkten morsch und alt, der Steinboden schien so, als wäre er schon die längste Zeit schön gewesen, nun waren die Marmorplatten von Rissen gespalten, auch dieser Raum hatte keine Fenster, so dass er nur von Fackeln beleuchtet wurde.

Das alles schien ihr, so alt und verkommen, niemand hatte sich darum geschert.

Doch dann sah sie diesen Thron, der an Schönheit und Pracht geradezu heraus stach, Aus grauem Stein gehauen stand er am Ende einer Treppe, verziert durch hunderte von smaragdenen Schlagen, die sich um ihn wanden. Der grüne Schein, der von ihnen ausging, ließ sie so lebendig wirken, dass es schien, als würden sie sich bewegen.

Langsam glitt ihr Blick von den Schlangen, auf die Sessellehnen über, auf denen zwei dürre Arme ruhten. Sie musterte die Hände, die so bleich schienen, als würden sie nicht mehr zu einem lebenden Menschen gehören.

Die Adern traten überdeutlich hervor, genauso wie die Knochen. Ihr fiel das tiefblaue Mal, am Ringfinger auf, das die Form eines Ringes aufwies, es war ein Streifen, der rund herum ging.

Hermine wagte es nicht den Blick weiter hoch schweifen zu lassen, da sie fürchtete, das Gesehene nicht ertragen zu können. Obwohl sie wusste, was sie bereits wusste, wie es sein würde, sie konnte es nicht. Nicht nachdem sie sah, wie auf seinen Befehl hin Menschen, auf solch grausame Weise starben.

Langsam schritt sie nach vorne, den Blick immer noch starr af die Lehnen des Throns gerichtet und darauf bedacht, ihn nicht davon abzuwenden.

Hermine setzte automatisch einen Fuß vor den anderen, ohne darauf zu achten, was sie eigentlich tat. Bis zu dem Augenblick, als sie zurückgehalten wurde, von einer Hand, die auf ihrer Schulter lag.

„Das ist nah genug.", meinte Snape, beinahe mit einem Hauch Mitleid in der Stimme an sie gewandt.

„Verneige dich vor dem Dunklen Lord!", befahl er dann.

Ungläubig blickte sie den Tränkemeister an, doch als jener sie auffordernd ansah begriff sie erstmals, dass das keine Bitte war, sondern ein Befehl.

Die Gryffindor kniete sich nieder, während sie den Blick auf den Boden richtete.

Die Sekunden verstrichen langsam, so langsam, dass sie Hermine, wie Stunden erschienen. Ihre Knie begannen zu schmerzen, sie wollte aufspringen und schreien, doch sie wagte es nicht. Stattdessen wartete das Mädchen.

Du darfst aufstehen.", während er diese Worte aussprach, verzog sich sein Schlitzartiger Mund, zu einer Grimasse, die einem Lächeln glich.

Langsam erhob Hermine sich, den Blick immer noch stur zu Boden gerichtet.

Nun mein Kind, möchtest du den Grund, für deine Anwesenheit hier erfahren?"

„Ich möchte es.", antwortete sie leise.

So, du möchtest also? Dann sprich doch etwas lauter, ich hätte dich beinahe nicht verstanden.", als er merkte, dass sie nichts erwiderte, sprach er weiter: „Nun, was ist denn, Mädchen? Das war eine Aufforderung.", und mit einem Mal klang seine Stimme todernst.

„Ich will es!", antwortete sie etwas lauter, als zu vor.

Ich wusste doch, dass ich es dir entlocken kann, ein Einfaches 'ich will'", sagte er mehr zu sich selbst, als zu Hermine, Aber ich werde über dein schlechten Manieren hinwegsehen, denn schließlich bin ich nicht davon ausgegangen, dass du sie hättest.", er machte eine kurze Kunstpause und sprach dann weiter: „weiltest du bereits unter den Toten".

„Ich verstehe das nicht ganz."

Das hatte ich zwar erwartet und doch enttäuschst du mich Granger. Aber, nun gut, ich werde es, selbst für dich verständlich machen.

Wie du bestimmt weißt, bin ich davon unterrichtet, dass du nicht einen Tropfen reinen Blutes in dir trägst. Und dennoch bin ich bereit, dich, in meiner unendlichen Güte und Milde in meinen Kreis aufzunehmen. Denn wisse, ich kann das in dir sehen, was alle anderen übersehen."

„Aber, ich kann doch nicht-", wollte sie erwidern.

Deine Freunde verraten? Ihnen in den Rücken fallen?

Weshalb nicht? Hat Weasley dir denn geholfen, als du Hilfe brauchtest? Oder Potter? Wann haben sie dir deine Hilfe je gedankt? Haben sie je, einfach „Danke" gesagt?"

„Ich-"

Nun?"

„Nein."

Siehst du. Aber ich würde dir deine Hilfe danken Hermine. Denn ich erkenne, im Gegensatz zu ihnen, deine Fähigkeiten. Ich weiß sie zu schätzen. Und ich bin mir sicher, du wirst da auch anerkennen."

„Aber ich-"

Entschließe dich."

„Das hier wäre eine folgenschwere Entscheidung, die mein ganzes weiteres Leben beeinflussen würde. Ich muss mir über alles im Klaren sein, bevor ich mich endgültig entschließen könnte."

Ich habe heute bereits meine guten Absichten bewiesen, also werde ich es noch ein Mal können. So gebe ich dir einen ganzen Tag Zeit, mit allem ins 'Klare' zu kommen", er stand auf und ging auf Hermine zu, „Aber junge Hexe, wisse, dass du es nur meiner Großmütigkeit zu verdanken hast und dass du es nicht vermagst, mich hinters Licht zu führen, zu keiner Zeit und ich an deiner Stelle, würde ich auch nur den kleinsten Gedanken daran unterdrücken."

Sorgenvoll blickte das Mädchen zum ersten Mal in die schlitzförmigen Augen Voldemorts.

Da darfst jetzt gehen.", mit einem Wink deutete er Snape, Hermine zurückzubringen, während er selbst die restlichen Stufen langsam hinab stieg und den Raum verließ.

Stumm ging sie neben dem Todesser her, wissend, dass sie eine Entscheidung treffen musste, eine Entscheidung die ihr Leben beeinflussen würde, egal, ob sie es wollte, oder nicht.

Snape blieb stehen und Hermine tat es ihm nach, sie sah wie er mit einem Schlenker seines Zauberstabes die Tür zum Erscheinen brachte, wie er sie in den Raum stieß und schließlich ging, so als würde nicht sie selbst, sondern jemand anders das alles durchleben. Diese ganze Situation kam ihr so irreal vor, sie wusste einfach nicht weshalb.

„Hermine, was ist mit dir? Ist dir nicht gut?", Ron war kaum, dass er sie gesehen hatte, aufgesprungen und zu ihr hingelaufen.

Als sie ihm nicht antwortete packte er sie an den Schulten, „Was haben die mit dir gemacht?"

„Gar nichts.", vor Überraschung ließ er sie los.

„Aber warum schaust du dann so verschreckt?"

„Ich … ich-"

„Komm schon Hermine, sprich mit mir!"

„Nein.", antwortete sie knapp.

„Aber was haben sie denn mit dir gemacht?"

„Nichts."

„Wieso bist du so abweisend, Hermine? Bitte hör auf damit."

„Wenn du denkst, dass du dir alles erlauben kannst, um dann zu mir zu kommen und mich um Hilfe zu bitten, hast du dich getäuscht. Ich bin auch nur ein Mensch, Ronald Weasley und ja, ich habe Gefühle und wie gerne hätte ich, dass du mir einmal gedankt hättest, dafür dass ich immer für dich da war.", ihre Stimme wurde immer leiser, so dass Ron den letzten Teil nicht hören konnte.