Verständnislos blickte Ron Hermine an.

Sie sah ihm ins Gesicht und sie wusste, wie schwer es für ihn sein musste, dies nach alledem von ihr zu hören, doch sie musste es ihm sagen, es aussprechen. Denn das Gefühl von Unmut stieg in ihr auf, so stark, wie lange nicht mehr.

Wie sehr sie doch fürchtete nur benutzt zu werden. Selbst wenn Ron bereits so oft bewiesen hatte, wie sehr ihm an ihr lag. Zu tief hatte sich die Enttäuschung in ihr Gedächtnis eingebrannt. Er hatte ebenso oft gezeigt, wie wenig er sie mochte. Nie wusste sie, was sie von ihm denken oder halten sollte.

So wie, in ihrem vierten Jahr, als Harry und Ron verzweifelt nach einer Begleitung für den Weihnachtsball suchten.

Zum schreiben ihrer Hausarbeiten war sie ihnen gut genug gewesen, nur zu gut erinnerte sie sich, wie sie Stunden, oder sogar tage an Aufsätzen, Skizzen und Zeichnungen gesessen war, welche ihre Freunde, dann ihn nur wenigen Minuten von ihr kopierten. Jedes Mal beschwor sie ihnen aufs Neue, dass dies eine Ausnahme wäre, auch wenn sie schon längst selbst wusste, dass es für die beiden zur Gewohnheit geworden war.

Doch keiner von beiden hatte auch nur in Betracht gezogen, Hermine einzuladen. Niemand konnte ewig geben, ohne dafür etwas zu nehmen. Auch sie nicht.

Erst als ihre Freunde merkten, dass es schwer sein würde noch jemanden zu finden, fiel sie ihnen auf.

Noch immer klangen ihr Rons Worte in den Ohren:

Hermine, Neville hat Recht – du bist tatsächlich ein Mädchen"

Nun ja – du kannst ja mit einem von uns gehen! … wie stehen wir denn da, wenn wir keine haben, alle anderen haben welche"

Schon gut, schon gut, wir wissen, dass du ein Mädchen bist. Ist es jetzt gut? Kommst du nun mit, oder nicht?"

Natürlich war sie fortgelaufen, sie wollte ihm nicht zeigen, wie sehr er sie gekränkt hatte. Wie sehr hatte sich Hermine gewünscht, dass er sie gefragt hätte …

Aber nicht auf eine solche Art. Einmal wollte sie sich auch, wie ein ganz gewöhnliches Mädchen fühlen. Für ihn war es ganz selbstverständlich, gewesen, dass sie keinen Tanzpartner hatte, dass sie sich freute, wenn jemand sich ihr auch nur zuwandte.

Die Stille, die sich im Raum ausbreitete, schien erdrückend, ebenso wie die abgestandene Luft, oder die morschen beengenden Wände, von denen jenes trostlose Zimmer gesäumt wurde.

Durch das laute Rascheln des Stoffes, wurde Hermine unsanft aus ihren Gedanken gerissen. Als sie sich besorgt umblickte fiel ihr auf, dass mitten im Raum auf den Boden gesunken war, sie sah die dunkelroten Flecken, die bereits auf den Steinplatten getrocknet waren. Sie wollte nicht wissen, wie viele Menschen hier ihr Leben gelassen hatte und wie sehr sie hatten leiden müssen.

Schwerfällig erhob sich die Gryffindor. Einen Moment lang, wollte sie auf Ron zu gehen, sich entschuldigen, um Verzeihung bitten, doch sie konnte es nicht.

Hermine stand lange da und sah ihn nur an, jedoch wagte sie nicht näher zu kommen, denn sie wusste nicht, ob sie ertragen könnte jetzt mit ihm zu sprechen.

Denn sie wollte nicht streiten, nicht hier und nicht jetzt und nicht mit ihm, dem einzigen Menschen, der sie an diesem Ort unterstützen würde.

Abermals hörte Hermine jenes Geräusch von Stoff, der gegen den Boden scheuerte, welches sie augenblicklich herumfahren ließ.

Ihr Blick fiel auf den Slytherin, noch immer schien ihn das Fieber, welches durch die Entzündung verursacht wurde zu plagen. Die rechte Hand hielt er schützend über den Kopf, während die linke schlaff auf dem kalten Boden lag. Seine Beine waren abgewinkelt, es wirkte, als würde er sich unbedingt wegducken wollen, doch er könne es nicht.

Hermine ging langsam auf ihn zu. Sie wusste, sie hatte sich geschworen, ihm nicht zu helfen, ihn einfach zu lassen und doch war es leidvoller zu sehen, wie sehr er sich quälte und auf dem Boden hin und her wand.

Sie beugte sich zu ihm herab und kniete sich neben ihm nieder. Das Mädchen packte ihn an den Schultern und begann ihn sanft zu schütteln.

„Malfoy.", flüsterte sie, „Malfoy. – Wach auf! – Wach auf, Draco!"

Malfoy Manor, 1992

Wach auf, Draco.", Narcissa saß an dem Bett ihres Sohnes und rüttelte diesen sanft wach.

Aber Mutti, ich bin doch noch müde.", flüsterte der kleine Junge ihr zu.

Ich weiß Liebling, aber dein Großvater kommt bald und du bist noch nicht fertig."

Aber Mutti!"

Nein, nicht jetzt. Ich muss jetzt hinunter zu deinem Vater in den Salon und sehen, ob er noch etwas braucht. Also bleib bitte hier und warte bis Anna kommt und dir beim anziehen hilft.", sie wollte gerade aufstehen, als Draco sich in dem großen Bett aufsetzte und ihre Hand festhielt.

Narcissa wandte sich zu noch ein letztes Mal zu ihm um, „Und vergiss deine Handschuhe nicht. Du weißt dieses Treffen mit deinem Großvater, ist für Lucius sehr wichtig, also bitte Liebling, zeig ihnen, was für ein gut erzogener Junge du bist.", sie umarmte ihren kleinen Sohn kurz und verließ das Zimmer.

Lucius saß bereits auf einem der vielen dunkelgrünen Fauteuils der Empfangshalle und wartete, als Narcissa diese betrat. Hinter ihr das Kindermädchen mit Draco auf dem Arm.

Bist du endlich fertig?", fragte ihr Mann sie barsch.

Sie antwortete ihm nicht, stattdessen blickte die junge Frau zur Seite. Sie wollte nicht, dass es ihre Tränen sah.

Was ist nur los mit dir, Narcissa? Abraxas könnte jeden Augenblick hier sein!"

Es tut mir Leid.", flüsterte sie ihm zu.

Deine Entschuldigungen kannst du dir-", er wurde von der Klingel unterbrochen, die in jenem Augenblick losging.

Lucius sprang auf und ging schnellen Schrittes zur Tür, während seine Frau ihm kaum hinterher kam. Als eben diese von einem Dienstmädchen geöffnet wurde, blieben die beide stehen.

Als Abraxas den Türbogen durchschritt, streifte er sich den Mantel ab und nahm den Hut vom Kopf, beides drückte er dem Dienstmädchen, beim Vorbeigehen in die Hände.

Einen wunderschönen Abend, Narcissa.", er hob ihre Hand an seine Lippen, welche diese leicht streiften.

Lucius stand neben seiner Frau und sah Abraxas an, nicht wie einen Vater, viel mehr, wie einen Feind, jegliche Zuwendung in seinen Augen fehlte gänzlich, so als wäre er mit dem Mann, der soeben sein Haus betreten hatte, nicht bekannt.

Ihnen auch einen guten Abend, Mr Malfoy.", erwiderte Narcissa seinen Gruß, während sie ihm ihre Hand sanft entzog.

Du kannst ruhig Abraxas zu mir sagen, mein Kind.", meinte er lächelnd, „Hast du dich inzwischen hier, in Malfoy Manor eingelebt?"

Ich bin doch schon so lange hier. Sie haben uns nur nie die Ehre ihres Besuches geschenkt."

Das beantwortet nicht meine Frage.", entgegnete er immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen.

Wenn ich eine antwort geben müsste, denke ich, dass sie „ja" wäre."

Nun denn. Also mein Sohn, jetzt hast du endlich selbst einen Erben, nicht wahr?"

Natürlich.", antwortete Lucius barsch, während er Anna heranwinkte.

Lass gut sein, Lucius. Ich werde ihn dann beim Dinner sehen.", sprach er, an seinen Sohn gewandt, während dessen, reichte er Narcissa den Arm, „Darf ich bitten?".

Sie doch immer.", antwortete sie, und wieder rannten ihr Tränen die Wangen hinab, denn sie wusste, dass sie sich nicht verweigern dürfte.

Langsam schritt sein sie voran. Narcissa konnte ihm Rücken, die stechenden Blicke ihres Mannes spüren, doch woher sollte sie wissen, dass sie nicht voller Eifersucht, sondern Neid waren. Für Lucius schien es nicht so, als hätte man ihm seine Frau genommen, sondern ihm viel eher einen Gegenstand, von größerem Wert gestohlen.

Auf dem Weg zum Speisesaal, durchquerten sie einige kaum beleuchtete Korridore. Ihre Schritte halten wieder und jedes Aufkommen auf dem Steinboden, hörte man sofort.

Nach wenigen Minuten der Stille erreichten sie eine massive, aus Kirschholz gefertigte Tür, deren Flügel weit offen standen und somit den Blick auf die große Tafel freigaben.

Beim Betreten des Saales löste Narcissa sich vorsichtig von Abraxas und ging leichtfüßig zum anderen Ende des Tisches, wo bereits ein Diener wartete.

Nur kurz, bevor sie ankam, zog er den Stuhl mit einem sanften Ruck nach hinten, so dass sie Platz nehmen konnte.

Der fließende Stoff ihres weißen Kleides, breitete sich auf dem dunkelgrünen Samtüberzug des Stuhles aus, sie strich den Rock glatt und legte ihre Hände ihre Hände in den Schoss, darauf bedacht mit den Handschuhen nicht abzurutschen.

Währenddessen war der Diener um den Tisch herumgegangen und stellte schon den anderen Stuhl bereit.

Zielsicher steuerte Abraxas auf eben diesen zu und nahm ebenfalls Platz, immer noch ein leichtes Lächeln auf den Lippen.

Einen Augenblick lang, spiegelte sich Überraschung in Lucius Zügen wieder, doch anstatt etwas zu sagen, steuerte er schließlich auf einen Sessel, in der Mitte der Tafel zu und ließ drauf nieder, noch ehe der Diener bei ihm war.

Dieser verließ nun mit einem leichten Nicken in seine Richtung, den Saal.

Was ist denn jetzt mit meinem Enkelsohn?", fragte Abraxas auffordernd.

Daraufhin setzte das Kindermädchen ihn ab. Der kleine Junge lief zu seinem Großvater hin, stellte sich vor ihn und reichte ihm die Hand.

Guten Abend.", sagte Abraxas überrascht.

Guten Abend, Sir.", antwortete er, wobei er das „Sir" besonders betonte.

Wie ist dein Name, Junge?"

Ich heiße Draco.", entgegnete dieser, erstaunt darüber, dass jemand seinen Namen nicht kannte.

Nun denn Draco, geh auf deinen Platz. Wir wollen beginnen."

Mit einem leichten Nicken lief er zu dem Stuhl neben seiner Mutter, die am Ende der Tafel saß. Dort angekommen, ließ er sich von seinem Kindermädchen helfen.

Abraxas warf einen Blick auf die weißen Tischtücher, die Gedecke, die Teller, sie waren wunderschön, es musste sehr lange gedauert haben, alles auszusuchen und zusammen zu stellen.

Dann lasst uns anstoßen.", sprach er, während er sich zum Tost erhob, „Lasst uns die Gläser darauf erheben, dass wir endlich zusammengekommen sind."

Wie überrascht sah er Lucius an. „Aber mein Sohn. Wo sind denn die Gläser?", in seiner Stimme schwang so viel Sarkasmus mit.

Wütend blickte Lucius zu seiner Frau, die den Blick sofort abwandte.

Ich werde Dora, sofort sagen, dass sie-", begann er zu sprechen.

Nein das ist nicht nötig.", unterbrach ihn Abraxas, „Draco kann das doch tun."

Aber, er ist doch erst vier Jahre alt.", entgegnete Narcissa.

Er kann es doch, oder. Zaubern, meine ich.", sprach er weiter.

Natürlich kann er das. Schließlich ist er ein Malfoy."

Nun mein Sohn, du bist auch einer."

Aber er wird es können!", donnerte Lucius, „Narcissa, gib ihm deinen Zauberstab. Sofort."

Narcissa öffnete ein weißes Etui und nahm ihren Zauberstab heraus, während sie sich zu Draco hinabbeugte und ihn ihm reichte.

Du kannst das.", flüsterte sie ihm zu, „Denk daran, was dein Vater dir beigebracht hat. Und jetzt tu es, Liebling."

Mami, wir haben doch gar nie-"

Er hat dir davon erzählt", sagte sie, immer noch flüsternd, „Du musst deine ganze Willenskraft aufbringen. Ich weiß, dass du das kannst."

Langsam glitt Draco vom Stuhl und stand auf, während er den Sessel zurückschob.

Er wollte es schaffen, er musste.

Er hob den Zauberstab ein wenig höher.

Was ist, Sohn? Warum zögerst du?", fragte Lucius drängend.

Draco antwortete nicht, stattdessen konzentrierte er sich vollkommen, auf den Aufrufezauber.

Accio, Gläser!", rief der Junge laut, während er vor Konzentration, die Augen zusammenkniff.

Narcissa sah ihren Sohn, wie er dastand und vor Angst zitterte, wie es ihn plagte zu wissen, wie hart die Strafe bei seinem Versagen sein würde.

Draco hielt die Hand ausgestreckt, bereit das Tablett aufzufangen. Doch es kam und kam nicht, bis sie plötzlich ein Geräusch vernahmen.

Es war das Zerspringen von Glas.

Immer noch zitternd ließ er den Zauberstab sinken.

Was hast du dazu zu sagen, Sohn?", Lucius Ton klang endgültig, selbst in den Ohren seines Vaters.

Es tut mir Leid.", entgegnete Draco unsicher.

Es tut dir Leid?", donnerte er, „Ein Malfoy entschuldigt sich nie! Niemals! Hast du das verstanden?"

Ja."

Wie?", stieß Lucius aus.

Ich habe es verstanden, Vater.", wiederholte Draco seine Antwort noch ein Mal.

Dann steh auf, Sohn. Und geh auf die Terrasse."

Mit diesen Worten erhob Lucius sich, warf seine Serviette auf den Tisch und ging schnellen Schrittes voraus, bis er abrupt stehen blieb und sich nochmals umwandte.

Und du auch Abraxas, ich will, dass du siehst, was mein Sohn wirklich kann."

Er stieß die Tür auf, die zur Terrasse führte und schritt hinaus, ins Freie.

Narcissa sprang auf und lief ihrem Mann und ihrem Sohn nach, während Abraxas sich langsam erhob und hinaus schritt.

Also los, Draco, zeig deinem Großvater, wie gut du den Aufrufezauber beherrschst!", schrie Lucius völlig außer sich.

Aber, Vater, du hast ihn mir doch gar nicht beigebracht. Nur davon erzählt."

Narcissa wusste, dass dies ein Fehler gewesen war. Sie stellte sich schützend neben ihren Sohn und legte ihm die Hand um die Schultern.

Einige wenige Sekunden lang, schien alles vollkommen still, allein der Wind brauste über das Anwesen und wehte die vertrockneten Blätter von den Bäumen.

Reicht es nicht von einem Zauber zu lesen? Muss ich ihn dir vorführen und dann solange mit dir üben, bis du ihn kannst?", fragte Lucius, seine Stimme klang merkwürdig gefasst.

Nein, Vater."

Warum bist du dann nicht schon längst dabei, ihn deinem Großvater zu zeigen?"

Abermals hob Draco den Zauberstab, den er die ganze Zeit über, fest umklammert hatte. Er hob ihn ein wenig an, bis er ihn schließlich wieder sinken ließ. Er konnte es einfach nicht. Er wollte nicht schon wieder etwas kaputt machen.

Was ist mit dir, zaubere endlich!", donnerte Lucius.

Ich kann es nicht, Vater.", erwiderte er ängstlich.

Du kannst es nicht? Du kannst es nicht?", sein Vater ging auf ihn und zu und wollte ihn packen.

Lucius, er ist doch noch ein Kind!", rief Narcissa.

Sei still, Frau!", schrie er und stieß sie beiseite.

Er stürmte an ihr vorbei, packte Draco an den Schultern und presste ihn gegen die Terrassenmauer.

Willst du es nun tun?"

Aber Vater, ich kann es doch nicht.", rief er verzweifelt.

Dann-"

Lucius, bitte lass ihn doch.", flüsterte Narcissa, während sie vorsichtig die Schulter ihres Mannes berührte.

Dieser drehte sich so abrupt um, dass sie zurückwich, er fasste sie an den Händen.

Warum?", flüsterte er.

Doch Narcissa antwortete nicht sie riss sich von ihm los und lief in Richtung Terrassenmauer.

Sie sah Draco, wie er sich erleichtert zurücklehnte, während er auf ihr saß.

Sie war nur noch wenige Schritte von ihm entfernt, sie streckte die Hand aus und wollte ihren Sohn halte. Sie spürte, wie ihren Fingern seine Hand entglitt, wie sie seinen Umhang fasste, doch er fiel.

Weinend hielt die junge Mutter Dracos Umhang in Händen.