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Herbst

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Kapitel 5

Abschied

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Nach der für alle Beteiligten unangenehmen bis peinlichen Konfrontation in Remus' Büro war Draco klar, dass von seinem Lehrer und von Sirius keine Hilfe kommen würde. Das Maximum an Kooperation, das sie von den beiden erwarten konnten, war, dass diese sie nicht an McGonagall verrieten. Und selbst da war Draco sich nicht sicher.

Im Gegenzug zu seiner gestiegenen Verachtung für Lupin und Black war seine Abneigung gegen Severus ein ganzes Stück gesunken. Immerhin hatte er Draco gegen die beiden unterstützt und war bereit, ein erhebliches Risiko einzugehen, um Dracos Vater zu helfen.

Das änderte allerdings nichts daran, dass Draco nach wie vor unverzeihlich fand, was Severus seinem Vater angetan hatte. Aber dieser bemühte sich wenigstens, etwas davon wiedergutzumachen.

„Mir ist egal, ob Lupin und Black die Sache unterstützen. Ich versuch's trotzdem", verkündete Draco mit belegter Stimme, sobald sich die Tür hinter ihm, Harry und Severus geschlossen hatte. „Allein, wenn's sein muss. Harry, du hast doch diesen Umhang ... Wenn du mir den ausleihen würdest, dann könnte ich in der Verbotenen Abteilung" –

„Das wird nicht nötig sein", fiel ihm Severus ins Wort. „Ich verfüge über ausreichend Wissen und Erfahrung, um eine Beschwörung anzuleiten. Wenn Sie meine Hilfe annehmen würden, Mr Malfoy?"

Severus sah ihn forschend an. In seinen Augen lag ein ungewohnt weicher, bittender Ausdruck.

Draco zögerte. So ungern er Severus einbeziehen wollte, so unwohl er sich bei dem Gedanken fühlte, den Geist seines Vaters durch dessen Peiniger beschwören zu lassen ...

Es geht nicht anders. Alleine schaffe ich das nie. Das Risiko ist viel zu groß ...

„Okay", sagte Draco endlich widerwillig.

Severus schloss kurz die Augen. Als er sie wieder öffnete, wirkte er erleichtert.

„Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Mr Malfoy", erwiderte er leise. „Wenn ich mir einen Rat erlauben darf, dann sollten wir uns sofort an die Vorbereitung machen und die Beschwörung noch heute Nacht vornehmen. Ich bin äußerst skeptisch, was die Frage betrifft, wie lange Lupin und Black ihre Zungen im Zaum halten können."

Rasch sah Draco zu Harry hinüber. Er erwartete Widerspruch.

Doch der Gryffindor nickte zustimmend. „Du hast Recht, Severus. Äh ... Sir. Ich bin dabei."

Harry grinste schief und entschuldigend, als er sich an Draco wandte. „Scheiße, Sirius kann manchmal so ein Arsch sein ... Es tut mir echt leid, Draco."

Erleichtert grinste Draco zurück. „Mann, das ist doch nicht deine Schuld ... Wir kriegen das auch ohne die beiden Idioten hin. Ups, sorry, Harry ..."

„Idioten ist die Untertreibung des Jahrhunderts", entgegnete Harry grimmig.

Severus lächelte spöttisch. „Wie ich sehe, Mr Potter, hat Mr Malfoys Gesellschaft eine heilsame Wirkung auf gewisse ... realitätsverzerrende Momente gehabt?"

Einen Moment lang sah es aus, als ob Harry allein schon aus Gewohnheit widersprechen wollte. Doch dann zuckte er wegwerfend die Achseln. „Scheint so", gab er wie beiläufig zu.

„Schön", kommentierte Severus, offenkundig befriedigt. „Und jetzt sollten wir keine Zeit mehr verlieren. Kommen Sie mit in meine Räume. Ich werde Ihnen alles erklären."

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„Ihr müsst den Kreis aufbauen", instruierte Severus sie leise. „Sieben Schritte im Durchmesser."

Draco maß den Abstand ab, markierte zwei Punkte und setzte die Kreide an, um den Kreis zu zeichnen.

„Gegen den Uhrzeigersinn."

Die Kreide hinterließ eine breite weiße Spur auf den Dielen von Severus' Wohnzimmer. Sämtliche Möbel waren ringsum an die Wände geschoben. Der Raum wurde nur schwach durch ein fast herabgebranntes Kaminfeuer erhellt.

„Harry, das Pentagramm."

In seinen Räumen war Severus, wieder dazu übergegangen, sie mit Vornamen anzureden.

Erst nach einem deutlich sichtbaren Zögern überschritt Harry die weiße Linie und begann, das verlangte Symbol auf den Holzboden zu zeichnen.

„Gut", kommentierte Severus schließlich. „Jetzt das Räucherwerk."

Draco arrangierte an jeder Stelle, wo sich Kreis und Pentagramm berührten, ein Bündel aus magischen Hölzern und Gräsern. Seine Finger zitterten vor Nervosität.

Nichts falsch machen jetzt ...

Er entzündete das Räucherwerk mit einem gemurmelten Incendio.

„Gut", wiederholte Severus ruhig. „Jetzt tretet ihr beide genau gleichzeitig in den Kreis."

Harry lächelte Draco an. Es sollte wohl aufmunternd sein, entgleiste jedoch zu einem ziemlich kläglichen und schiefen Grinsen. Als sie sich an den Händen fassten, spürte Draco, dass Harry mindestens so sehr schwitzte wie er selbst.

„Vergesst nicht, was ich euch die letzten beiden Stunden beizubringen versucht habe", warnte Severus mit einer Spur seines alten Sarkasmus, was Draco sekundenlang zwischen Wehmut und Ärger schwanken ließ. „Jedes Wort, jede Silbe, jeder Buchstabe ist wichtig. Achtet unbedingt auf die richtige Betonung. Und auch, wenn die Beschwörungsformel lateinisch ist: Denkt bei jedem Wort, das ihr aussprecht, gleichzeitig an seinen Sinn. Wenn ihr den Zauber hirnlos herunterplappert, dann werdet ihr auch nur ein hirnloses Wesen in den Kreis ziehen – oder Schlimmeres."

Danke für die ermutigenden Worte, dachte Draco, während er erfolglos versuchte, das Zittern seiner Hände zu unterdrücken.

„Bereit?", flüsterte Harry rau.

Nein, dachte Draco.

„Ja", sagte er.

Sie begannen, den lateinischen Wechselgesang zu intonieren, den Severus ihnen im Verlauf der letzten zwei Stunden mühsam beigebracht hatte. Sie sprachen sehr langsam, achteten sorgfältig auf die korrekte Betonung, und Draco versuchte angestrengt, sich bei jedem einzelnen Wort den Sinn zu vergegenwärtigen, während er es formte.

Lass es funktionieren, huschte es immer wieder durch seinen Geist. Lass es bitte funktionieren.

Schließlich endete die Beschwörungsformel. Immer noch hielten sie sich fest an den Händen.

Sie warteten. Eine ganze Weile geschah gar nichts, und Draco fürchtete schon, dass ihr Versuch nicht gelingen würde.

Bitte, dachte er verzweifelt. Bitte ...

Plötzlich zeichnete sich ein dunkles Glimmen auf der Kreidespur ab. Ein kleines schwarzes Feuer fraß sich durch die Kreislinie.

„Die Formel!", zischte Severus von jenseits der Linie. „Noch einmal!"

Sie gehorchten. Die schwarzen Flammen wuchsen, loderten hoch und schlossen sie ein. Aber es wurde nicht wärmer, sondern kälter. Es war ein magisches Feuer, und seine Temperatur lag irgendwo unter dem Gefrierpunkt. Doch nach wie vor schwitzte Draco vor Aufregung und Anspannung.

„Auseinander!", befahl Severus mit bebender Stimme.

Rasch ließ Draco Harrys Hände. Beide traten drei Schritte zurück, bis dicht an die kalte Flammenwand.

Wieder warteten sie.

Dann, endlich, begann der erhoffte Dunst aufzusteigen, blutrot und wabernd.

„Vater?!"

Atemlos starrte Draco auf die grausilberne Gestalt, die sich langsam aus dem zähen Nebel schälte.

„Ja", kam es leise zurück.

Er ist es ... Er ist es wirklich!

Fassungslos sah Draco auf das transparente Gesicht seines Vaters, in die hellen, quecksilbrigen Augen.

Er ist es.

Draco war so überwältigt, dass er kaum sprechen konnte. Seine Worte drängelten durcheinander, überstürzten sich und verschluckten einander. „Vater, wir, wir sind gekommen, um dich rauszuholen. Wir nehmen dich, nehmen dich mit auf die, die andere Seite!"

„Nein", antwortete sein Vater sanft.

Nein?!

„Was?", fragte Draco verständnislos.

„Nein, Draco. Ich möchte das nicht."

Auf den Zügen seines Vaters mischten sich Trauer und Entschlossenheit.

„Was?!", wiederholte Draco ungläubig, während ihn eine Welle kalter Panik durchspülte.

Nein ... Das kann nicht sein ...

„Ich möchte nicht zurück. Ich fühle mich ausgesprochen wohl hier." Ein leises Lächeln trat in die Augen seines Vaters. Trotz der lauernden Panik fühlte Draco, wie ihm wärmer wurde. „Und ich habe keine Aufgabe mehr auf eurer Seite."

„Aber ... Vater ...", flüsterte Draco mit belegter Stimme.

Das durfte doch nicht wahr sein! Sie hatten ein solches Risiko auf sich genommen, um seinen Vater zu finden, ihn zu retten, und jetzt wollte er nicht mitkommen?

„Vater ...", presste er mühsam hervor. „Aber ich ... ich brauche dich doch ..."

Sein Vater lächelte, nicht mehr nur mit den Augen oder dem Mund, sondern mit ... Draco kam sich etwas albern vor, aber er fand keinen besseren Ausdruck als „mit seiner Seele". Dieses Lächeln war das offenste und freundlichste, das er je bei seinem Vater gesehen hatte.

„Ich werde ja nicht unerreichbar für dich sein, Draco."

Nun wandte sein Vater sich Harry zu. „Harry hat nur ein Jahr mit seinen Eltern verbringen können, ehe der Dunkle Lord sie tötete. Dennoch haben sie ihn nie wirklich verlassen, oder?"

Harry schüttelte den Kopf. „Sie sind immer noch da", sagte er rau. „Ich kann sie spüren, in mir selbst, um mich herum ... Vor allem, wenn es mir schlecht geht, aber auch, wenn ich glücklich bin."

„Hörst du", wandte sein Vater sich wieder an Draco. „Wir sind nicht fort, auch wenn ihr uns nicht mehr sehen könnt. Ich werde für dich da sein, Draco, wann immer du mich brauchst. Ich werde in deinem Herzen sein."

Der Geist richtete seinen Blick plötzlich auf die schwarzflammende Feuerwand, die den magischen Zirkel umgab.

„Severus?", fragte er gedämpft. „Ich weiß, dass du da draußen bist. Ich bitte dich, komm' in den Kreis. Dir droht keine Gefahr, weder von mir, noch von sonst jemandem oder etwas."

Fast eine Minute lang rührte sich nichts. Draco starrte, ebenso wie Harry und sein Vater, gespannt auf die Flammenwand.

Dann begann es an einer Stelle zu knistern. Das schwarze Feuer sprühte purpurne Funken. Die Flammen teilten sich, und hindurch trat Severus in seiner silbrig fließenden Geistergestalt.

Sein Gesicht hatte nichts von der üblichen starren und undurchdringlichen Maskenhaftigkeit. Er sah so aufgewühlt und unsicher aus, wie Draco ihn selten gesehen hatte.

„Lucius", sagte Severus mit zitternder Stimme, indem er den Kopf neigte – eine Geste, die ebenso sehr Gruß wie Demutsbezeugung war.

„Du wolltest wissen, ob ich ihm vergeben habe." Sein Vater sah Draco ernst an. „Du hast ihm nicht geglaubt. Aber es liegt nicht in deinem Interesse, Severus als Feind zu sehen. Er hat Schreckliches getan, ebenso wie ich. Wir beide bereuen es. Ich habe für meine Taten bezahlt und bin jetzt frei. Er ist noch dabei, seine Schuld abzutragen. Mach' es ihm nicht noch schwerer, als er es ohnehin schon hat."

Draco schluckte. Er sah erst seinen Vater an, dann Severus.

Der Slytherin-Hausgeist stand mit gesenktem Kopf da und wagte offensichtlich nicht, irgendjemandem im Kreis in die Augen zu sehen.

So elend und verloren wie er aussah, tat er Draco fast leid.

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„Severus?", fragte Lucius leise.

Langsam hob Severus den Kopf. Unsicher suchte er Lucius' Blick. Perlmuttern schimmernde Augen sahen ihn aufmerksam an.

„Komm her."

Zögernd setzte Severus sich in Bewegung und blieb etwa einen Meter vor Lucius stehen.

Er wusste, er sollte irgendetwas sagen, aber er konnte kein Wort hervorbringen.

„Noch näher", verlangte Lucius.

Severus blickte rasch auf und sah, dass Lucius lächelte.

Verwirrt gehorchte Severus. Etwa dreißig Zentimeter vor seinem Gegenüber verharrte er erneut. Sein Geist war wie leergefegt, fühlte sich so transparent und schwerelos an wie sein ätherischer Körper.

Lucius streckte beide Hände nach ihm aus. Severus zuckte zurück, blieb aber stehen. Die Hände legten sich auf seine bebenden Schultern. Mit einer fließenden Bewegung zog Lucius ihn zu sich heran und nahm ihn in die Arme. Stocksteif und ohne zu atmen ließ Severus den Körperkontakt über sich ergehen.

„Merlin, Lucius ... Es ... es tut mir leid. Es tut mir ... so schrecklich leid", flüsterte er schließlich rau.

Lucius zog ihn noch enger an sich. „Severus", sagte er fest. „Ich vergebe dir. Hast du das begriffen? Ich vergebe dir."

Vergebung ...

Severus atmete in Lucius' Armen tief durch. Einen Moment lang hatte er tatsächlich das Gefühl, sich aufzulösen wie Nebel in der Morgensonne. Seine Schultern zuckten.

Dann begann er, zu weinen. Erst stumm und halb unterdrückt, endlich laut und wild und verzweifelt.

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Draco starrte seinen Vater und Severus sprachlos an.

Draco tauschte einen raschen Blick mit Harry, der genauso schockiert aussah, wie er selbst sich fühlte. Vielleicht wäre es höflicher von ihnen gewesen, sich abzuwenden und Severus nicht bei seinem Gefühlsausbruch zu beobachten, aber Draco konnte nicht anders, als ihn und seinen Vater gebannt anzustarren.

Er sah mit Entsetzen, wie sein Vater sich zu Severus neigte, ihm das Haar aus dem tränennassen Gesicht strich und ihn küsste, erst auf die Stirn, dann auf den Mund. Severus hielt ganz still, als hätte er Angst, der Kuss sei aus Glas und würde zersplittern, sobald er sich bewegte.

Schließlich löste sein Vater sich von ihm. Die beiden sahen sich lange in die Augen.

Dann nickte Severus. Dracos Vater öffnete seine Arme und Severus trat zurück an den Rand des Kreises.

„Draco?", fragte sein Vater amüsiert.

Er zuckte zusammen und stellte das Starren beschämt ein.

„Ich bin nicht schwul, keine Sorge", blinzelte sein Vater ihm zu. „Aber ich denke, diesen Kuss hat Severus sich verdient, dafür, dass er uns noch einmal zusammengebracht hat, oder? – Und jetzt komm her und lass dich umarmen." Als er Dracos irritierten Blick bemerkte, sagte er leise: „Für diese eine Umarmung kann ich genug Substanz gewinnen, glaube ich."

Tatsächlich verdichtete sich seine ätherische Gestalt deutlich. Draco trat zögernd auf ihn zu. Er war es nicht gewohnt, dass sein Vater ihn in die Arme nahm oder seine Zuneigung durch Küsse ausdrückte. Außerdem wusste er aus Begegnungen mit den anderen Geistern, wie unangenehm ihre Berührungen für einen Lebenden waren.

Doch als er vorsichtig die ausgestreckte Hand seines Vaters berührte, fühlte sie sich fast menschlich an. Kühl zwar, aber nicht von der eisigen Kälte, die die Geister normalerweise ausstrahlten. Sein Vater legte den Arm um ihn und zog ihn fest an sich.

„Ich liebe dich, Draco. Ich fürchte, ich habe dir das nie gesagt, aber du warst immer sehr wichtig für mich. Und ich schätze, du bist das Beste, was ich in meinem Leben zu Stande gebracht habe", fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Draco musste grinsen, obwohl seine Augen feucht waren und er die Tränen nur mühsam zurückhalten konnte. „Schätze, da hast du Recht", murmelte er beklommen.

Sein Vater lachte leise und fuhr ihm durch die Haare. „Vergiss nie, dass ich dich liebe. Ich habe vieles falsch gemacht in meinem Leben, auch was dich betrifft, aber ich habe dich immer geliebt. Dich und deine Mutter. Sag' ihr das, wenn du sie wiedersiehst, ja?"

Verkrampft nickte Draco. Er hatte einen dicken Kloß im Hals.

„Und vergiss nicht: Ich werde immer bei dir sein, wenn du mich brauchst. Immer."

Draco spürte, wie sein Vater in seinen Armen an Substanz verlor.

„Geh nicht!", rief er erschrocken.

„Ich muss. Es wird Zeit."

Sein Vater befreite sich behutsam aus seinem Klammergriff und wandte sich noch einmal Harry zu.

„Ich bin dir aufrichtig dankbar dafür, dass du Draco geholfen hast. Viel Glück für dich und deine Freundin, und viel Spaß mit dem Hu... – mit Black, meine ich."

„Danke", sagte Harry grinsend. „Gute Reise, Lucius."

Sein Vater nickte und drehte sich zu Severus um. „Severus. Mach dir keine Vorwürfe mehr meinetwegen, verstanden?"

Severus nickte und wischte sich mit einer unsicheren Geste eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Und pass für mich auf Draco auf, ja?"

Draco verzog das Gesicht, als Severus erneut nickte.

Ich bin siebzehn, verdammt. Ich brauche doch keinen Babysitter mehr.

Draco konnte den Blick nicht von seinem Vater wenden. Er hatte das Gefühl, ihn nie zuvor wirklich gesehen zu haben.

Eine kalte Faust krampfte sich um sein Herz. Er spürte, wie ihm Tränen die Wangen hinunterrannen. Ärgerlich wischte er sie mit dem Handrücken weg.

„Draco." Sein Vater sah ihm gerade in die Augen. „Du wirst deinen Weg finden, davon bin ich überzeugt. Du bist ein intelligenter junger Mann. Wirf dein Leben nicht weg, verkauf' deine Seele nicht an Macht, Reichtum oder irgendeinen Guru, verstanden? Ich bin sicher, du schaffst es."

Beklommen nickte Draco, während er gebannt auf die immer blasser werdenden Umrisse seines Vaters starrte.

„Ich ... ich hab' dich lieb ... Papa", flüsterte er rau.

„Ich dich auch, Draco", antwortete die nunmehr körperlose Stimme seines Vaters. „Wir sehen uns wieder. Irgendwann."

Dann war Lucius Malfoy verschwunden.

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Kaum dass Lucius' Gestalt verblasst war, sank Draco zu Boden und begann, hemmungslos zu weinen.

Hastig kniete Harry sich neben ihn und nahm ihn tröstend in die Arme.

Er sagte nichts. Es gab nichts zu sagen. Niemand wusste besser als er selbst, wie weh es tat, einen geliebten Menschen zu verlieren.

Rasch sah er zu Severus hinüber. Der Geist stand mit abwesendem Gesichtsausdruck am äußersten Rand des nun fast völlig zusammengefallenen Flammenkreises und schien seine Umgebung kaum wahrzunehmen.

„Severus? Alles in Ordnung mit dir?", fragte Harry behutsam, während er Draco beruhigend über den Rücken strich.

Severus zuckte überrascht zusammen. Dann wanderte ein leises Lächeln über sein Gesicht. Er nickte.

Einen Moment zögerte der Geist, doch dann glitt er zu ihnen hinüber und sank neben Draco auf die Knie.

„Wir schaffen das", sagte Severus leise. „Gemeinsam."

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