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Herbst

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Anmerkungen: Wer sich für die ausführliche Version der Geschichten von Danyel, Jery, Fiona und Tom interessiert, kann diese in „Ein Totentanz" nachlesen. Aber beachtet bitte die Warnungen!

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Kapitel 8

Enthüllungen

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„Benehmt euch, Kinder! Wir haben Besuch!", rief Tom in Severus' Wohnzimmer hinein.

In seiner Fröhlichkeit schwang ein unverkennbar warnender Unterton mit.

Verblüfft sah Draco auf die vier Geister, die es sich auf Severus' Sofa und in seinen Sesseln gemütlich gemacht hatten. Bei Jery konnte man durchaus sagen, dass er buchstäblich im Sessel saß, da sein transparenter Körper teilweise in den Polstern verschwand, als ob jemand Stücke von ihm abgeschnitten hätte.

Draco fragte sich, ob dieses unabsichtliche Verschmelzen mit Gegenständen ein Zeichen mangelnder Konzentration war. Bei Severus zumindest schien das der Fall zu sein, soweit Draco dieses Phänomen bisher an ihm hatte beobachten können. Offenbar forderte es den Geistern eine bewusste Willensanstrengung ab, wenn sie wie gewöhnliche Sterbliche auf Stühlen sitzen oder auch nur schlicht nicht in den Fußboden einsinken wollten.

Den Raum selbst nahm Draco nur flüchtig in sich auf: hohe Bücherregale, ein großer Kamin, mit dunkelgrünem Stoff bezogene Sessel und ein Sofa, dunkle Dielen und Eichenmöbel. Er war schon öfter hier gewesen, aber so oft nun auch wieder nicht. In Hogwarts achteten die Lehrer sorgfältig darauf, Abstand zu ihren Schülern zu wahren. Das war bei Severus nicht anders gewesen, unabhängig davon, dass Draco sein Patensohn war.

Draco sah zu Marcus, der ihm am nächsten saß, und spürte wieder das mittlerweile vertraute Unbehagen in sich aufsteigen. Überrascht stellte er fest, dass in Marcus Augen etwas wie Besorgnis zu schimmern schien – eine Besorgnis, die ganz offensichtlich ihm galt.

Ehe Draco sich weiter mit dieser verwirrenden Tatsache auseinandersetzen konnte, stand Danyel abrupt von seinem Sofaplatz neben Fiona auf.

„Es tut mir leid", sagte der Geist mit unsicherer Stimme. „Ich ... ich möchte mich bei dir entschuldigen, Severus. Und ... bei dir auch, Tom. Das, was ich da vorhin über euch gesagt habe, war idiotisch. Ich weiß nicht" –

„Schon gut", fiel ihm Severus bitter ins Wort. „Ich habe es nicht besser verdient."

„Quatsch!", fuhr Fiona dazwischen. „Das war doch" –

„Kinder – Besuch!", wiederholte Tom mahnend, woraufhin die Auseinandersetzung abrupt abbrach.

Draco sah nervös vom einen zum anderen. In was für einen Konflikt war er da hineingeraten?

Severus bedachte ihn mit einem gezwungenen Lächeln.

„Du weißt, wo der Wein steht. Bedien' dich, bitte."

Als Draco sich kurz darauf mit Weinflasche und Glas am Tisch niederließ, hatte auch jeder der Geister ein transparentes, mit dunkelsilberner Flüssigkeit gefülltes Weinglas vor sich stehen.

„Du kannst immer noch zaubern?", fragte Draco überrascht.

Noch nie hatte er einen der Schlossgeister bei der Ausübung von Magie beobachtet. Allerdings hatte er bisher auch keinen Gedanken an die Frage verschwendet, ob sie zaubern konnten oder nicht.

„Nur in unserer Sphäre", entgegnete Severus, indem er sich vorbeugte und nach seinem Weinglas griff. „Dennoch ... es ist recht nützlich."

Er hob sein Glas und prostete Draco zu.

Tom thronte auf der Armlehne von Severus' Sessel, und als ob das nicht schon irritierend genug gewesen wäre, machte er jetzt auch noch Anstalten, Severus auf den Schoß zu rutschen.

„Tom, wir haben Besuch." Severus imitierte den Tonfall seines jungen Liebhabers ziemlich perfekt.

Zur Antwort bedachte Tom ihn mit einem frechen Grinsen.

„Ich weiß", kommentierte er unbeeindruckt – und machte es sich auf Severus' Schoß bequem.

Draco starrte.

„Stört dich das?", erkundigte Severus sich leise. Draco glaubte, etwas wie ein jungenhaft scheues Lächeln über seine schmalen Lippen huschen zu sehen. Einen Augenblick später war es verschwunden. Doch ein winziges, fast unsichtbares Zucken der Mundwinkel blieb. „Falls ja, schmeiße ich ihn runter."

„Äh ...", machte Draco irritiert und starrte das Paar weiter an.

Er hätte nie gedacht, dass Severus es irgendjemandem erlauben würde, auf seinem Schoß zu sitzen, und die Situation verunsicherte ihn ziemlich.

„Du wirst dich dran gewöhnen", verkündete Fiona grinsend. „Wir haben uns alle dran gewöhnt. Na ja, fast alle", setzte sie mit einem missbilligenden Seitenblick auf Danyel hinzu.

„Es tut mir leid, okay?!", zischte der junge Mann sie an. „Wirklich. Ich war wütend. Ich wollte Severus verletzen. Es tut mir leid."

Severus schüttelte abwehrend den Kopf. „Themenwechsel, bitte", mahnte er leise.

„Vielleicht sollten wir besser bei diesem Thema bleiben", schlug Jery vor. Er hatte bis jetzt schweigend in seinem Sessel gesessen und ab und zu einen Schluck Wein getrunken, die Auseinandersetzung aber offenkundig interessiert verfolgt. „Ich glaube, es würde nicht schaden, wenn wir uns einmal aussprechen würden. Immerhin müssen wir irgendwie miteinander klar kommen, und das vermutlich für eine ziemlich lange Zeit."

Unwirsch schüttelte Tom den Kopf. Der vergnügte Gesichtsausdruck, den er fast permanent zur Schau trug, war verschwunden. „Wir haben" –

„Ich weiß, dass wir Besuch haben, Tom", unterbrach Jery ihn ruhig, „aber ich halte das für kein Hindernis. Im Gegenteil. Vielleicht könnte uns Draco als gewissermaßen neutraler Beobachter sogar weiterhelfen."

Mit einem Mal richteten sich alle Blicke auf Draco – traurige, silbrige Augen, durchdringend wie kalter Stahl.

Er schluckte.

Severus sagte leise: „Nur wenn du wirklich willst, Draco, hörst du? Es sind keine schönen Geschichten, die wir zu erzählen haben."

Dracos Hals wurde eng.

„Ich weiß", flüsterte er.

Er dachte an seinen Vater, an die scheußlichen Wunden, die Jery unter seinem Leichentuch verbarg.

„Ich weiß", wiederholte er rau. „Ich ... ich will sie trotzdem hören."

Einen Moment lang sah Severus ihn sorgsam prüfend an, ehe er schließlich nickte. „Gut. Wie du willst. – Seid ihr einverstanden, wenn ich anfange?"

Die anderen Geister signalisierten ihre Zustimmung.

Severus begann zu erzählen.

„Es war im Sommer 1995, nur wenige Wochen nach der Wiedergeburt des Dunklen Lords. Albus Dumbledore glaubte, ich wäre als Spion des Phönixordens zu den Todessern zurückgekehrt – doch ich stand nie auf der sogenannten guten Seite. Mein Herr war nicht erfreut über meine verspätete Rückkehr, doch er las in meinem Geist, dass ich ihn nicht verraten hatte, und setzte mich wieder in meine alte Rolle als Doppelspion ein. Aber er war voll Zorn auf jene, die ihn jahrelang im Stich gelassen hatten, und er war nicht geneigt, Milde walten zu lassen, wenn er neue Treulosigkeiten vermutete. Ich hatte Sorge, dass es einige der jungen, neu eingetretenen Todesser treffen könnte. Daher bat ich den Dunklen Lord nach einer Zusammenkunft des Ordens um ein vertrauliches Gespräch. In einem Anfall von Großmut gewährte er mir meine Bitte ..."

Draco wurde fortgetragen von Severus' Stimme, weit fort durch Raum und Zeit, bis er sich an einem Sommertag vor mehr als zwei Jahren wiederfand. Er stand im düsteren Thronsaal des Dunklen Lords. Er sah die hagere, so falsch und fremd wirkende Gestalt ihres Herrn hoheitsvoll in ihrem ornamentverzierten Ebenholzsessel sitzen, roch den Rauch der blakenden Fackeln, das Wachs der tropfenden Kerzen ...

Und dann war er plötzlich nicht mehr er selbst. Er war Severus, und er stand vor seinem Herrn, Nervosität und Furcht sorgsam verschlossen in seinem kalten und unnatürlich ruhig schlagenden Herzen. Er selbst war es, der dem Dunklen Lord eine wagemutige und ungewöhnliche Bitte vortrug: die Bitte, zum Henker ernannt zu werden.

Nur für einige wenige Personen strebte er dieses blutige Amt an. Es ging ihm ausschließlich um ehemalige Schüler von ihm, die dem Dunklen Lord auf die eine oder andere Weise in die Quere geraten waren. Alles, was er wollte, war, einige junge Menschen, für die er sich verantwortlich fühlte, vor den abartigen Grausamkeiten von Leuten wie Greyback oder Macnair zu bewahren.

Obwohl er wusste, dass er mit dem Feuer spielte, und obwohl er wenig Hoffnung auf Erfüllung seines Ersuchens hatte, ließ er sich weder Angst noch Unruhe anmerken.

Wie leicht konnte der Dunkle Lord ihn zurückweisen, mit unkalkulierbaren Folgen für seine Position im Orden ... Wie rasch war sein Herr mit einem Cruciatus bei der Hand ...

Natürlich hoffte Severus, sonst hätte er gar nicht erst gefragt. Doch im Grunde erwartete er nicht, dass seinem Wunsch stattgegeben werden würde. Umso mehr überraschte es ihn, als der Dunkle Lord nach einigen bohrenden Fragen und klirrend kaltem Spott einwilligte.

Severus war so überwältigt, dass ihm sekundenlang die Worte fehlten. Dann verneigte er sich respektvoll und bedankte sich aufrichtig.

„Gedankt habe ich ihm dafür. Gedankt!", sagte Severus bitter.

Seine plötzlich veränderte Stimme zerstörte die Illusion und holte Draco in die Gegenwart zurück.

„Ich Idiot! Er wusste es besser als ich. Er wusste, dass ihr mich nie wieder loslassen würdet."

Die anderen Geister lächelten ihn an, bittersüß und melancholisch. Obwohl keiner von ihnen ein Wort gesprochen hatte, schien plötzlich eine Aufforderung im Raum zu hängen. ‚Erinnere dich!', lautete ihr stummer Befehl.

„Aber das tue ich ja", sagte Severus müde. „An jedem einzelnen Tag meines ‚Lebens'."

‚Erinnere dich!'

Plötzlich begriff Draco, was es für Severus bedeuten musste, seine ruhelosen Tage und schlaflosen Nächte mit den Schatten seiner Opfer zu verbringen, rund um die Uhr, ohne Aussicht auf Erlösung von ihrem Bitten und Drängen, von ihren Vorwürfen.

Rasch, fast furchtsam sah er zu Marcus hinüber, der nach seinem Empfinden eigentlich ihn hätte verfolgen müssen und nicht Severus.

Marcus lächelte ihm zu, traurig und resigniert, und zog die Decke enger um seine Schultern, als ob er fröre.

„Ich habe es für euch getan. Für euch!" Severus klang erschöpft und hoffnungslos, als hätte er diesen Satz schon unzählige Male gesprochen, ohne damit Gehör zu finden. „Ich wollte euch schützen. Aber das versteht hier ja keiner ..."

„Doch, Severus, doch", erwiderte Fiona ruhig. „Aber wenn du ehrlich wärst mit uns, und, besonders, mit dir selbst, dann wüsstest du, dass das nicht dein einziger Grund war – und bei Weitem nicht dein wichtigster."

„Ich wollte euch schützen", wiederholte Severus stur.

Schweigen.

Dann eine Abfolge dumpfer Töne. Die Standuhr schlug Drei.

„Drei Uhr! Merlin, Draco, du hast morgen Unterricht! Du musst ins Bett!", entschied Tom kategorisch.

He, ich bin doch kein Kleinkind mehr!

Draco fühlte sich überhaupt nicht müde. „Aber was ist mit euren Geschichten?", protestierte er vorwurfsvoll.

„Komm morgen Abend wieder. Morgen um acht", bat Severus leise.

Er sah erschöpft aus.

„Ich bringe dich in deinen Schlafsaal", verkündete Tom mit einem Lächeln, das Draco unangenehm zweideutig vorkam. „Ich möchte ganz sicher gehen, dass du den Rest der Nacht ordnungsgemäß in den Kerkern verbringst, statt in luftiger Höhe auf den Zinnen herumzukraxeln."

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Schweigend gingen Draco und Tom durch die unterirdischen Korridore in Richtung der Slytherin-Räume. Der Erste ging und der Zweite glitt, um genau zu sein.

Sie waren bereits in Sichtweite der Tür, als Draco den Geist mit einem scheuen Seitenblick musterte.

Nicht zum ersten Mal fragte er sich, was Severus an dem jungen Gryffindor fand. Toms Äußeres war vollkommen durchschnittlich: mittelgroß, weder dick noch dünn, mit einem etwas hageren und leicht pickeligen Gesicht, kurzen hellen Haaren und dunklen Augen. Es gab nichts Ungewöhnliches oder Herausragendes an ihm.

Nun, nichts was man sehen konnte, zumindest.

Vielleicht hat er ja andere herausragende Qualitäten, dachte der Teil von Draco, der immer noch hauptsächlich ein hormongesteuerter männlicher Teenager war.

Draco wurde rot.

Natürlich wählte Tom genau diesen Augenblick, um sich zu ihm umzudrehen.

„Hast du eigentlich – he, du bist ja rot wie eine Christbaumkugel! An was hast du gerade gedacht, hm?"

„An gar nichts", nuschelte Draco und nahm eine noch dunklere Schattierung an.

So ein Mist ...

Tom grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Na los, frag mich!"

„Was?"

„Na, was du wissen willst, natürlich."

Draco stellte sich unschuldig. „Wie kommst du auf die Idee" –

Aber Tom ließ ihn nicht einmal ausreden. „Ach komm, Draco, hör auf! Ich merke doch, dass wir dich beschäftigen, Severus und ich. Und ich bin weder verklemmt noch prüde – nicht mehr." Falls das überhaupt möglich war, wurde Toms Grinsen noch etwas breiter. „Also frag' einfach, bevor du dran erstickst."

Draco fühlte, dass seine Ohren immer noch brannten.

Konnte er wirklich ...? Aber das ging doch nicht! Immerhin war Severus sein Lehrer gewesen ...

Doch seine Zunge hatte sich zum Handeln entschlossen, ehe sein Gehirn mit dem Denken fertig war. „Habt ihr gev – miteinander geschlafen?"

Wo war ein Mauseloch, wenn man eins brauchte? Ein Tarnumhang wäre jetzt auch nicht schlecht gewesen ... Wenigstens hatte er das böse Wort im letzten Moment herunterschlucken können, aber sicher hatte Tom genau gemerkt, was ihm da beinah entschlüpft wäre. Und überhaupt – was hatte er da gerade gefragt? Ob sie ...?

Ich sterbe ...

„Ja", antwortete Tom, als ob Draco die selbstverständlichste Frage der Welt gestellt hätte.

„Es hat ein paar Wochen gedauert, bis er mich an sich herangelassen hat, und ich habe ungefähr genauso lange gebraucht, um meine eigene Unsicherheit zu überwinden – für mich war die Situation nämlich auch neu. Ich schätze, mir ist ungefähr zwei Stunden, bevor Severus mich getötet hat, klar geworden, dass ich schwul bin – und danach hatte ich anderthalb Jahre im luftleeren Raum, um über diese Erkenntnis nachzudenken. Darüber, und über die Frage, ob ich Severus wirklich liebe. Ich hätte gehen können, jederzeit. Ich könnte es noch immer. Im Gegensatz zu den anderen bin ich tatsächlich freiwillig hier – obwohl ich glaube, dass jeder von ihnen die Wahl hatte. Sogar Severus, auch wenn er meist vom Gegenteil überzeugt ist. Aber ich bin sicher, wenn er genügend Mut aufbrächte, sich seinen Ängsten und Schuldgefühlen zu stellen, und sich vor allen Dingen ein paar Fragen zu seinem eigenen Charakter ehrlich zu beantworten, dann könnte auch er gehen. Niemand würde ihn aufhalten. Es gibt keine Hölle und kein Gericht – es gibt nur die Hölle und das Gericht, die wir uns selbst bereiten. Aber bis er das begriffen hat, werde ich mit ihm in Hogwarts bleiben."

Da hatte das Gespräch doch eine fast unverfängliche Wendung genommen ...

Draco suchte nach den passenden Worten, um das Gespräch am Laufen zu halten und Tom von seinem peinlichen Patzer abzulenken.

„Für einen Gryffindor klingst du ziemlich ... öh, na ja, irgendwie weise."

„Für einen Slytherin klingst du ziemlich ... öh ... naiv?"

„Danke", fauchte Draco beleidigt. „Das sollte ein Kompliment sein, falls du es nicht gemerkt hast."

„Na, ‚naiv' doch auch", blinzelte Tom ihm zu.

„Ich bin nicht naiv! Bloß weil ich noch nie ..."

Ups, da war das blöde Thema schon wieder.

„... mit einem Mann geschlafen habe?", half Tom aus.

„Nein, verdammt! Ich bin nicht schwul! Weil ich überhaupt noch nie ..."

„Dazu muss man doch nicht schwul sein."

Dracos Verwirrung war auf ihrem Höhepunkt angekommen. „Was?! Hörst du mir überhaupt zu?!"

„Klar hör' ich dir zu. Ich höre jedes Wort laut und deutlich, und wenn du weiter so brüllst, weiß es bald die ganze Schule, dass du noch nie mit jemandem ...", spottete Tom.

Das fehlt mir gerade noch ...

„Scheiße ...", brummte Draco beschämt.

„Ach was ... Du musst die Porträts bloß mit einem Obliviate belegen ... Ich schätze, im gesamten Schloß hängen nicht mehr als fünfhundert Stück ..."

Kann der Typ nicht einfach mal die Klappe halten?

„Nun hör schon auf", knurrte Draco unwirsch.

„'Tschuldige. Ich wollte dich eigentlich nicht ärgern. Aber manchmal geht mein Temperament mit mir durch."

Trotz seiner versöhnlichen Worte wirkte Tom nicht gerade schuldbewusst – ganz im Gegenteil.

So eine freche Ratte ...

Draco verschränkte die Arme vor der Brust und bemühte sich, sein altes arrogantes Selbst hervorzukehren.

„Jetzt weiß ich endlich, was Severus an dir findet", bemerkte er mit überlegenem Spott in der Stimme.

„Und das wäre?" Tom legte neugierig den Kopf schief.

„Ihr könnt euch bestimmt stundenlang streiten, ohne dass euch die Themen ausgehen", erwiderte Draco mit halb freundlichem, halb frechem Triumph.

Tom grinste. „Korrekt."

Doch dann wurde er plötzlich ernst. „Tut mir echt leid. Ich weiß, das kann ein kitzliges Thema sein. Falls es dich beruhigt, ich bin auch erst achtzehn, und vor Severus gab's da niemanden ... Wobei ich mir bei meinem Alter etwas unsicher bin. Ich meine, ich bin jetzt seit anderthalb Jahren tot ... Also, eigentlich hat's bei mir zwanzig Jahre gedauert. Falls dich das irgendwie tröstet."

Wie beruhigend ...

„Danke. Wahnsinnig aufbauend", knurrte Draco.

„Tja, ich würde deinem kleinen Problem ja gerne abhelfen, aber" –

Genervt schüttelte Draco den Kopf. „Wie oft soll ich's noch sagen" –

„Ja ja, du bist nicht schwul, ich weiß. Aber das ist nicht wirklich ein Hinderungsgrund. Vielleicht bist du ja bisexuell, oder du willst einfach mal ein bisschen experimentieren, oder" –

Draco unterbrach ihn mit einer unwirschen Handbewegung. „Tom. Du bist ein Geist, okay? Es ist völlig egal, was ich will oder nicht will, aber selbst wenn ich wollte, mit dir ginge es auf gar keinen Fall."

„Aha!", triumphierte Tom. „So kategorisch würdest du" –

Oh Mann, hört das denn nie auf?!

„Tom. Ich. Bin. Müde. Ich gehe jetzt ins Bett. Gute Nacht. – Solanum dulcamara", teilte Draco der Wache stehenden Rüstung mit. Sie hob eine eisenbehandschuhte Hand, und die Tür schwang lautlos auf.

„Grüß den süßen Theo von mir!", trällerte Tom, ehe die Tür hinter Draco ins Schloss fiel.

Entkommen! Endlich entkommen, dachte Draco müde und floh augenblicklich in seinen Schlafsaal.

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