.

SSSSSSS

Herbst

Kapitel 18

SSSSSSS

Nähe

SSSSSSS

Remus stand am Fenster seines Büros im vierten Stockwerk des Schlosses und blickte auf die Ländereien von Hogwarts hinaus. Der Himmel war grau und wolkenverhangen. Ein feiner Nieselregen fiel lautlos auf die novemberkahlen Bäume und verwischte die Silhouette der Berge jenseits des Sees.

Ein kalter Hauch in Remus' Rücken kündete von Sirius' Gegenwart.

„Wie lange noch?", fragte der Geist gedämpft.

„Zwei Stunden", erwiderte Remus ebenso leise.

„Meinst du, sie stehen's durch?"

„Was bleibt den Jungs anderes übrig?"

Remus sah weiter aus dem Fenster hinaus. Der Regenschleier wurde dichter, legte sich wie ein halb transparentes Tuch über die Welt außerhalb des Schlosses.

„Ich weiß einfach nicht, wie ich ihnen helfen soll", sagte Remus bedrückt. „Theo wird wohl kaum mit mir reden wollen, und Draco ... dito."

Stumm strich er mit den Fingerspitzen über das Fensterbrett, fuhr die feine Maserung des polierten Eichenholzes nach. Minuten verstrichen.

„Aber irgendetwas musste ich tun", fuhr er endlich fort. „Vor allem, nachdem Horace ... Nun, ich denke, die Angelegenheit übersteigt, was er als Hausvorstand leisten will und kann. Draco und Theo sind nicht gerade Club-Kandidaten ..." Er lachte bitter. „Ich ... es ist albern, ich weiß, aber ich habe die Hauselfen gebeten, den Schlafsaal der Jungs zu putzen, die Betten neu zu beziehen, Blumen hinzustellen und so ..." Er geriet ins Stocken. „Und ... und Sandwiches und Kakao für nachher, wenn sie wiederkommen", flüsterte er unglücklich. „Vermutlich werden sie zwar nichts runterbringen, aber ..." Hilflos zuckte er mit den Schultern. „Nur, dass sie sich nicht vergessen fühlen ..."

„Ich finde das gar nicht albern", erwiderte Sirius bestimmt. In seiner kalten und klanglosen Geisterstimme schwang eine ungewohnt weiche Note mit. „Du tust dein Bestes, Moony. Aber du bist nicht ihr Hausvorstand. Und Slughorn ... Er ist nicht Snape. Die Slytherins ... na ja, sie vermissen ihn. Besonders Draco und Theo, und besonders in dieser Situation." Der Animagus zog eine Grimasse. „Obwohl ich das nicht wirklich nachvollziehen kann. Er muss sie mit ziemlich harter Hand geführt haben, und trotzdem ... sie vermissen ihn."

Nicht nur die Slytherins. Mir fehlt er auch, dachte Remus melancholisch.

„Es ist eigenartig", sagte er nachdenklich und mehr zu sich selbst, „aber ich habe mich fast gefreut, dass er als Geist ..." Remus verstummte unschlüssig.

Langsam drehte er sich zu Sirius um, sah forschend in die starren Geisteraugen, die ihn aufmerksam musterten.

„Ich weiß, dass es egoistisch ist", fuhr Remus verlegen fort, „aber irgendwie habe ich mich gefreut. Ich kann mir Hogwarts ohne ihn nicht vorstellen. Und wo sollte er sonst hingehen, abgesehen von ... na ja, über die Schwelle. Endgültig."

Ich hoffe, dass er nicht so bald geht, dachte Remus, und kam sich schon wieder furchtbar selbstsüchtig vor.

„Weißt du was?", erwiderte Sirius nach einer ziemlich langen Pause. „Ich glaube," – er zog die Silben in die Länge wie Kaugummi – „mir würde er auch fehlen. Er ... na ja, er hat mich zurückgeholt, immerhin. Und jetzt sind wir beide Geister. Ich schätze, das verbindet irgendwie. Und hier ist es bei weitem netter als ... drüben. Hinter dem Vorhang."

Für einen Augenblick fühlte Remus wieder die schneidende Leere, die er nach Sirius' Tod empfunden hatte, die Einsamkeit, die Verlorenheit.

„Ich bin froh, dass du wieder da bist, Pads", hauchte er. „Verdammt froh. Das bringt die alten Zeiten zurück, die Rumtreiber-Zeiten ... ein bisschen zumindest, oder?"

„Ja", erwiderte Sirius leise. „Die Rumtreiber-Zeiten, und James ... und Peter."

Eine Weile schwiegen sie beide. Der Regen war mittlerweile zu Hagel geworden, der prasselnd gegen das Fensterglas fiel und ihnen die Sicht nach draußen fast vollständig nahm.

„Severus ... er gehört auch zu den alten Zeiten ...", bemerkte Remus schließlich zögernd.

Sirius verzog das Gesicht, halb abgestoßen, halb amüsiert. „Unbedingt", bestätigte er, wobei er die Natur dieser Zugehörigkeit allerdings wohl etwas anders definierte als Remus – zumindest, wenn man sein gemeines Grinsen als Indikator nahm.

Tadelnd schüttelte Remus den Kopf, konnte sich ein Lächeln aber nicht verkneifen.

„Ich meine das vollkommen ernst, Sirius. Severus fehlt mir. Ich hoffe, er kommt bald wieder aus seinem Loch heraus ... Seinem Haus würde es bestimmt gut tun, wenn er sich öfter blicken ließe. Die Kinder hängen an ihm, da hast du sicher Recht. Vielleicht könnte er ihnen ein bisschen unter die Arme greifen – bildlich gesprochen. Denn Hilfe haben sie verdammt nötig ... Alle. Gerade jetzt. Die Zeiten sind hart für Slytherin."

Sirius zog die Augenbrauen hoch. „Du wirst uns doch nicht etwa abspenstig, Moony?", fragte er, nur halb im Scherz.

Remus sah wirkliche Unruhe in seinen hellen Augen.

Rasch schüttelte er den Kopf. „Einmal Gryffindor, immer Gryffindor", versicherte er nachdrücklich. „Was mich allerdings nicht daran hindert, mich für alle meine Schüler verantwortlich zu fühlen."

Sirius nickte langsam. „Bei Draco zumindest hat er's ganz gut hinbekommen. Snape, meine ich. Mit dem Helfen."

„Ja." Remus dachte mit Dankbarkeit daran, wie gut der Slytherin-Hausgeist den labilen Jungen während der letzten Tage aufgefangen und gestützt hatte. „Ohne Severus ... Harry und die anderen geben sich sicher viel Mühe, aber im Moment scheint Severus derjenige zu sein, der am ehesten zu Draco durchdringen kann – trotz allem, was war."

„Scheint so", bestätigte Sirius etwas widerwillig. Nach einer längeren Pause, in der sie beide dem Prasseln der Hagelkörner lauschten, setzte der Geist leise hinzu: „Ich hoffe wirklich, dass die beiden das durchstehen."

„Ja", sagte Remus bedrückt. „Das hoffe ich auch."

SSSSSSS

„Entspann' dich, Severus", flüsterte Tom, während er ihm behutsam den Rücken massierte.

Severus legte den Kopf zurück und lehnte sich in die Berührung hinein. Sein Partner hatte außerordentlich geschickte Hände – und diese Hände machten sich jetzt an den Knöpfen seiner Robe zu schaffen.

Nicht jetzt! Nicht heute ...

Hastig entzog sich Severus der Berührung.

„Tom", protestierte er leise. „Nicht ... Hör' auf. Nicht heute."

„Das Leben, nicht der Tod, Severus", erwiderte Tom schlicht. „Oder das, was man an Stelle des Lebens hat." Er zwinkerte Severus kurz zu. „Existenz, von mir aus. Und man sollte sie feiern, solange man kann. Ich finde, es gibt keinen falschen Zeitpunkt für die Liebe."

Abwartend hielt Tom die Hände in der Schwebe.

„Na?", fragte er leise, nachdem einige Sekunden verstrichen waren. „Wie sieht's aus? Willst du, oder willst du nicht?"

Severus zögerte noch immer.

Es ist falsch, teilte ihm eine Stimme in seinem Kopf mit. Pietätlos. Während Remigius in Askaban auf den Tod wartet, während Theodore und Draco jede Minute zählen, sollen wir ...

„Ach, Severus."

Tom beugte sich vor und strich ihm mit einem traurigen Lächeln durchs Haar.

„Du bist nicht verantwortlich für das Leid der Welt ... Und meinst du nicht, dass dein alter ... Kamerad es zu schätzen wüsste, wenn er vor seiner Hinrichtung noch mal ...? Hm?"

Severus schüttelte, plötzlich amüsiert, den Kopf.

Remigius? Merlin, ja ... Und es wäre ihm völlig egal, wen oder was er da besteigt ...

Tom war sein Stimmungswechsel offenbar nicht entgangen. Er lachte leise und weich, auf eine ganz spezielle, liebevolle und sehr erotische Weise, die er sich für ... besondere Gelegenheiten aufsparte. Dieses verheißungsvolle Geräusch jagte prickelnde Schauer über Severus' Haut und verursachte ein angenehmes Brennen in seinem Unterleib.

Hast du nicht mal gesagt, du wolltest am liebsten auf einer Orgie sterben, Remigius? Nun, ganz so drastisch wird es zwar nicht werden, aber ...

Einen Atemzug später beugte Tom sich zu ihm herab und küsste ihn auf die Stirn. Dann ließ er seine Lippen Zentimeter um Zentimeter tiefer wandern. Severus schloss die Augen. Tom küsste seine Lider, seine Wangen, seine Nasenspitze. Endlich fanden die vertrauten Lippen seinen Mund. Er erwiderte den Kuss leidenschaftlich.

Ohne sich von ihm zu lösen, ließ Tom seine Hände über Severus' Brust gleiten, öffnete die letzten Knöpfe der Robe, und machte anschließend gleich mit der nächsten Schicht Kleidung weiter.

Auf dich, Remigius, dachte Severus zwischen Wehmut und leisem Amüsement, als er begann, Tom hastig die Kleider herunterzuzerren, immer wieder unterbrochen von dessen gierigen Küssen.

Endlich waren alle störenden Hüllen entfernt. Tom kniete sich zwischen Severus' Beine und pustete über seine Haut. Severus stöhnte leise. Schlanke Finger strichen über seinen Bauch, die Innenseite seiner Oberschenkel, wanderten weiter in Richtung ...

Mit einem Knurren sprang er auf, angelte mit der einen Hand seinen Zauberstab aus der achtlos zu Boden geworfenen Robe, packte mit der anderen Toms Schulter, zog ihn auf die Füße und drängte ihn in Richtung Schlafzimmer. Beim Bett angekommen, warf er den lachenden jungen Mann mit Schwung rücklings auf die Matratze, fasste ihn fast schon grob an den Hüften und rollte ihn auf den Bauch.

Tom kicherte albern und ein bisschen verschämt. Severus verdrehte halb genervt, halb belustigt die Augen. Zärtlich ließ er seine Hände über Toms Rücken und Hintern gleiten.

Sein Geliebter stöhnte leise, drückte sich tiefer in die Matratze – und sackte prompt durch sie hindurch. Auf Severus' gereiztes Zischen hin stieg Tom lachend in die Höhe und ließ sich, mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen, rücklings durch das Zimmer treiben.

Toter Mann, dachte Severus flüchtig und scheute sekundenlang vor der Doppeldeutigkeit des Begriffes zurück.

Endlich gab er den Versuch, sich wie ein Lebender zu verhalten, seufzend auf und lockerte die auf seinen Körper gerichtete Konzentration. Sogleich verlor er den Boden unter den Füßen, schwebte durch den Raum wie eine Seifenblase, bis er auf einer Höhe mit Tom angekommen war und sich mit minimaler Willensanstrengung an dessen Seite lagerte.

Tom sah ihn aus wachen und leuchtenden Augen an.

Severus küsste ihn – seine Lippen, seine Wangen, seinen Hals. Tastend und streichelnd erforschte er den erst halb vertrauten Körper.

Tom wand sich seufzend und kichernd unter seinen Händen. Er war ziemlich kitzelig, und Severus konnte erstaunliche Reaktionen erzielen, wenn er ihn nur ganz leicht mit den Fingerspitzen berührte. Tom quiekte wie ein übermütiges Ferkel und rollte sich prustend hin und her.

„Sex mit dir ist so ziemlich das Albernste, was ich je erlebt habe", brummte Severus liebevoll.

Tom gluckste und rieb sich verlangend an seinem Oberschenkel. „Gib mir einen Kuss!", bettelte er begeistert.

Severus beugte sich vor und drückte seine Lippen leicht auf die von Tom. Das Feuer in seinen Lenden loderte hell auf. Er beschloss, dass sie für diesmal genug Vorspiel gehabt hatten. Fahrig angelte er nach seinem Zauberstab, der, transparent und substanzlos wie er selbst, zwei Meter über dem Bett schwebte.

Accio Wundsalbe!" Ein kleiner, geisterhafter Tiegel kam aus Richtung Wohnzimmer durch die Wand geschossen und landete sicher in seiner Hand. Zum Glück für sie beide hatte Severus es sich zur Gewohnheit gemacht, einige wichtige Tränke, Salben und Kräuter in geringer Menge stets bei sich zu tragen, und alles, was er im Moment seines Todes am Leib gehabt hatte, war mit ihm nach Hogwarts gegangen.

Severus tauchte einen Finger in die glitschige Salbe.

Genau die richtige Konsistenz, dachte er grinsend. Vielleicht sollte ich Madame Pomfrey auf die vielseitige Verwendbarkeit meiner Kreationen hinweisen ...

„Sei vorsichtig, ja?", bat Tom leise.

Severus küsste ihn auf die Schulter. „Immer", versprach er lächelnd. „Ich liebe dich", fügte er dann flüsternd hinzu.

„Ich dich auch, Severus", erwiderte Tom voll Wärme. „Sehr sogar."

SSSSSSS