Seine Finger schwebten über die Tasten. Schon allein diese Bewegung war ein Lied für sich, doch das Klavier spielte noch ein anderes. Seine Spezialität war es völlig zusammenhangslos Lieder und Kompositionen miteinander zu verknüpfen, egal ob Klassik, Jazz oder Rock. Dann wurde aus Beethoven Ravel, aus Ravel Miles Davis, aus Miles Davis Elvis Costello.
Das Spielen hatte er von seiner Mutter gelernt. Als Kind eher weniger davon begeistert, lernte er es als Jugendlicher zu schätzen und verliebte sich als junger Mann in die Musik. House sah sie überall; im Schichtwechsel auf der Schwesternstation, in Wilsons Gang den er seinem angepasst hatte, dem Zahlenwirrwarr in Patientenakten, Cuddys Hüftschwung unter ihren engsten Röcken, den Wolken an Sommertagen, den vorbeieilenden Menschen vor seiner Bürotür, Foremans Krawattenmuster, in den regelmäßigen Bewegungen des Herzmonitors am Patientenbett. Nur sein Rhythmus war schon so oft aus dem Takt geraten und wechselte von Dur zu Moll schneller als ihm lieb war. Sein Gang war das beste Beispiel dafür. Schritt—Plopp—anderes Bein, Schritt—Plopp—anderes Bein. Es klang so gleichmäßig und war es doch nicht.
Doch wenn er am Klavier saß, dann gab es nichts anderes. Dann war nichts aus dem Takt geraten, sondern alles so wie es sein sollte. Und doch überraschend und geheimnisvoll. Es war das positivste Fallen, dass House sich vorstellen konnte. Aus Bach wurden allmählich die Rolling Stones und der große Philosoph sang in Houses Kopf leise vor sich hin: "You can't always get what you want". Der Hall des eingestrichenen C war das letzte was an diesem Tage erklang und House schloss die Augen.
Morgen ist ein neuer Tag.
"Falle sieben Mal, stehe acht Mal auf." – japanisches Sprichwort
