Kapitel 3
Mendoukuse
Mit sehr bedachten und leisen Schritten, schlich Sakura den Gang zur Küche entlang. Sie war so sehr darauf bedacht, den Fuß nicht auf eine lockere Diele zu setzen und damit auf sich aufmerksam zu machen, dass sie die Umgebung um sich herum kaum bemerkte.
Sie zuckte
zusammen, als sich ein Schatten vor ihre Füße schob.
Langsam hob das Mädchen den Kopf hoch. Verwundert weiteten sich
ihre grünen Augen und ihr Kinn klappte ein wenig herab. Ihrem
Gegenüber ging es nicht anders. Er war förmlich erstarrt
und sah sie nur fassungslos an.Schließlich
lockerte sich seine Haltung und er fuhr sich mit der Hand durch die
Haare.
"Mendoukuse...
du nicht auch noch."
Sakura
lächelte verlegen. Das hatte jetzt wirklich noch gefehlt. Gab es
etwas peinlicheres, als den Freund der besten Freundin in einem
Freudenhaus anzutreffen?
Shikamaru
runzelte die Stirn und musterte das Mädchen sehr genau. Ihre
Haare waren etwas zerzaust und ein müder Glanz lag in ihren
Augen. Ob sie ihre Tarnung zu genau genommen hatte. Er hüstelte
etwas und blickte verlegen zur Seite.
"Hast
du Sasuke gesehen?"
Sakura
blinzelte. Mit diesem Themenwechsel hatte sie nicht gerechnet, dafür
fühlte sie sich nun umso mehr ertappt. Fast hätte sie laut
losgequiekt, floh dann jedoch in leises Stammeln.
"E-er
ist in m-meinem Zimmer."
Shikamarus
Augen richteten sich auf sie und zeigten deutlich, was er sich
darüber zusammenreimte. Eine heiße Röte schoss dem
Mädchen ins hübsche Gesicht.
"Nicht
so. Er schläft."
Sie
seufzte niedergeschlagen.
"Ich
fürchte, ich habe etwas zuviel von Inos Betäubungsmittel in
den Sake getan. Er wacht nicht mehr auf."
Rosa Haare
wirbelten etwas auf, als sie ihren Kopf heftig schüttelte.
Laut holte
sie Luft und steuerte an dem jungen Mann vorbei. Shikamaru kratzte
sich nachdenklich am Kopf, bevor er sich umdrehte.
"Sakura?"
Die
Angesprochene stand bereits auf der obersten Treppenstufe, als sie
ihren Kopf zu ihm drehte. Etwas flog durch die Luft. Aus Reflex fing
die Kunoichi es auf und musterte es fragend. Es war nicht mehr, als
eine weitere kleine Phiole mit fragwürdigem Inhalt. Fragend
blickte sie zu Shikamaru, der ihr bereits den Rücken zugedreht
hatte und lässig über die Schulter hinwegwinkte.
"Riechsalz
für Uchiha."
Ein
dankbares Lächeln legte sich auf die Lippen des Mädchens,
als sie das Fläschchen in ihren breiten Gürtel steckte. Ino
hatte wirklich Glück mit Shikamaru.
Shikamarus
Hand streckte sich gerade nach der Tür aus, als diese
aufgeschoben wurde, ein Arm herausschnellte und ihn hineinzog.
Blaue
Augen musterten ihn ärgerlich.
"Wo
warst du so lange?"
Der junge
Shinobi stieß leise etwas Luft aus. Es war wirklich mühselig
mit Ino. Ständig war sie schlecht gelaunt, stemmte ihre Hände
in die Hüften, neigte den Oberkörper etwas vor und funkelte
einen gefährlich an. So wie jetzt.
Er zuckte
mit den Schultern, drängte sich an ihr vorbei weiter in den Raum
und küsste sie flüchtig auf die Wange.
"Tut
mir leid. Hab Sakura getroffen."
Vorsichtig
lockerte sich eine blonde Braue, spannte sich aber sofort wieder an.
Verärgert blickte sie ihrem Freund nach. Seine lässige,
viel zu entspannte Art, konnte einen manchmal zur Weißglut
bringen. Er nahm alles einfach viel zu leicht und das Schreckliche
daran, er kam damit auch fast immer durch.
Sie
seufzte und glitt sich resignierend mit den Fingern durch ihre
offenen Haare. Shikamaru blickte sie knapp über die Schulter
hinweg an.
"Solltest
du mir nicht noch erklären, was das für eine Mission ist?
Aus Choji war leider nicht viel herauszukriegen."
Das
Mädchen nickte. Ein pochender Schmerz kündigte sich hinter
ihrer Schläfe an. Shikamaru würde sicher hier bleiben
wollen, nur um zu verhindern, dass ihr irgendjemand zu nah kam. Was
bedeutete, dass auch Choji bleiben würde. Sie dachte an die
Küchenrechnung und spürte ein Schwindelgefühl. Kiba
würde auch bleiben, was bedeutete, dass sein Köter nun jede
Nacht im Hinterhof heulen würde, während sein Herrchen
allem nachstieg, was nach Frau roch. Er würde sicher vor Freude
nur noch mit dem Schwanz wackeln.
"Mendoo-kuse",
murmelte sie leise zu sich selbst.
Das würde
nur Chaos geben und Madame Ming hasste Chaos. Wenigstens würde
sie dann wohl nie wieder Konoha-nins aufnehmen. Ihre Mundwinkel
zuckten bei dem Gedanken kurz hoch.
Leise
öffnete Sakura die Fensterläden und ließ helles,
warmes Vormittagslicht und den Lärm der Straße herein.
Sasuke ließ sich davon nicht stören.Mit
ruhigen, tiefen Atemzügen lag er auf der Matte und schlief. Er
wirkte entspannt. Seine blasse Haut wirkte wie Porzellan im Kontrast
zu den rabenschwarzen Haaren. Feines Adergeflecht schimmerte
bläulich. Er war immer noch schön, fast engelsgleich. Neben
dem Bett stand eine Schale mit kaltem Wasser und einem Lappen. Er
würde es sicher brauchen, wenn er aufwacht.Sakura
kniete sich neben ihn und zog Shikamarus Phiole hervor. Es gab ein
kleines Geräusch, als sich der Deckel löste. Mit leicht
schwenkenden Bewegungen hielt sie ihm die Flasche unter die Nase.
Zuerst geschah nichts, dann kräuselten sich die Nasenflügel
und schließlich schreckte Sasuke hoch.
Stumm sah
er sich um und versuchte sich zu orientieren. In seinem Schädel
explodierte der Schmerz. Stöhnend fuhr er sich mit einer Hand
übers Gesicht.
"Ich
dachte schon, du wachst nie auf."
Es war
Sakuras Stimme. Wenigstens etwas, was er erkannte und gleichzeitig
brachte es Erinnerungen an zwei Flaschen Sake im "Madame Ming".
Er hatte
bezahlt gehabt und bekam eine Zimmernummer zugeteilt. Da waren rosa
Haare. Sakura. Er war in dem Zimmer Sakura begegnet. Seit wann
verdiente sie sich ihr Geld so?
Seine
schwarzen Augen linsten durch zwei Finger zu ihr. Wieder stöhnte
er gequält. Sie roch noch immer nach etwas Sake und ihre Haare
fielen zerzaust über ihre Schultern. Sie hatten doch nicht etwa?
"Gestern
Nacht, was war da?"
"Nichts."
Ihre Hände
drückten ihn zurück auf die Matte. Das Licht, die Geräusche
und der Geruch, alles stürzte nun auf Sasuke ein. Hatte er
wirklich soviel getrunken? Erleichtert atmete er auf, als ein kühler
Lappen auf seiner Stirn, zumindest etwas Linderung brachte.
"Bin
ich dir zu nahe gekommen?"
Er schämte
sich etwas. Was, wenn die Antwort ja war? Normalerweise war es ihm
egal, was andere von ihm dachten, aber bei allem was ihm heilig war,
Sakura war eine alte Teamkameradin. Es war das eine, so mit einer
Hure umzuspringen, die danach Geld sah, aber das andere wenn es
jemand war, den man kannte.
"Ja."
Kurz hielt
Sasuke die Luft an. Wenn er sich doch nur noch an alles erinnern
konnte.
"Was
machst du hier?" fragte er schließlich.
Vielleicht
hatte er doch nicht ganz so falsch gehandelt.
Sakura
nahm den Lappen von seiner Stirn und tauchte ihn ins Wasser.
"Ein
Auftrag. Wir sollen einen Serienmörder fangen."
Der junge
Mann runzelte die Stirn. Ein Fehler, sofort explodierte es wieder in
seinem Kopf.
"Nur
ihr zwei?"
Der Ton
seiner Stimme verdeutlichte, dass er es ihnen nicht zutraute.
Die
Chu-nin kniff verärgert ihre Augen zusammen und klatschte den
Lappen lieblos auf seine Stirn. Sie war nun wirklich nicht mehr davon
abhängig, dass er oder Naruto sie beschützten.
"Wir
können auf uns allein aufpassen" zischte sie und erntete
dafür ein Murren.
Das war zu
viel. Wütend erhob sich die Kunoichi und verließ das
Zimmer.
Es war
unmöglich mit diesem Kerl zu reden. Jahrelang bemängelte er
ihre Schwäche, aber selbst wenn sie es nicht mehr war, erkannte
er es trotzdem nicht an.
Die Küche
war um diese Tageszeit noch geschlossen und somit der ideale Platz
für ein gediegenes Frühstück. Der Tisch nahe der
Eingangstür bog sich unter der Last des vielen Essens. Erfreut
strahlte Choji und schob sich unter den missbilligenden Blicken Inos,
ein Schokocroissant nach dem anderen in den Mund. Kopfschüttelnd
resignierte das Mädchen. Sollte er eben noch dicker werden.
Die Tür
ging auf und Sakura kam herein. Stumm setzte sie sich auf die Bank
neben Choji. Ihr Verhalten zog sämtliche Blicke auf sich.
"Wie
es aussieht, hast du Uchiha wach gekriegt", bemerkte Shikamaru.
Die
Angesprochene nickte knapp.
"Du
hast doch heute deinen freien Tag- nicht?" fragte Ino mit einem
gezwungenen Lächeln.
Wieder
nickte Sakura knapp und ließ Inos Geduldsfaden noch dünner
werden.
"Und
was wirst du machen? Ein wenig einkaufen?" fragte die Blondine
mit erzwungener Geduld.
Die
Rosahaarige zuckte mit den Schultern, dachte dann nach und erhob sich
wieder.
"Ich
werde ein paar Erkundungen anstellen."
"Nicht
allein", mischte sich nun auch Shikamaru ein. "Uchiha wird
mit dir gehen."
Ihren
wütenden Blick hielt er mühelos aus. Er verschränkte
die Arme vor der Brust und lehnte sich im Stuhl zurück.
"Sei
nicht dumm und widersetz dich dem Willen eines Ranghöheren!"
Sakura
knirschte mit den Zähnen. Musste ihr jetzt etwa jeder in den
Rücken fallen?
"Dann
schick ihn zum Badehaus. Ich habe gehört, die letzte Leiche wird
dort aufbewahrt."
Lediglich
ein paar Kerzen spendeten dem kühlen Raum etwas Licht. In der
Mitte stand eine Barre, auf der die Leiche lag. Sakura blickte noch
kurz nach links und rechts, bevor sie aus dem winzigen Fenster sprang
und auf dem Fliesenboden landete. Wie gut, dass der Badehausbesitzer
abergläubisch war und eine Totenwache abhielt, um den Geist der
Ermordeten etwas zu beruhigen.
Die
Kunoichi richtete sich auf und näherte sich der Barre.
Mit einer
schnellen Bewegung riss sie das Leichentuch vom toten Körper und
faltete es sorgsam zusammen. Prüfend umkreiste sie die Frau
einmal und griff schließlich zu einer Kerze, um sich Licht zu
verschaffen. Der Lichtschein wanderte den Körper hoch und
runter.
Leise
fluchte Sakura, als heißes Wachs auf ihre Finger tropfte.
Jemand war herein gekommen und hastig hatte sie sich hinter der Barre
versteckt. Es würde nur dummen Fragen geben, wenn sie jemand
hier erwischte.
"Du
kannst wieder vorkommen!"
Das
Mädchen verdrehte die Augen. Es war Sasukes Stimme. Mit einem
genervten Blick, der noch mehr Wirkung zeigte, seit der Anbu das
Licht eingeschaltet hatte, stemmte sie sich an dem Podest wieder
hoch.
"Kannst
du mir mal verraten, was du hier im Dunkeln treibst?"
Ihr
genervter Blick verschärfte sich zu einem bitterbösen.
Warum war sie noch mal in ihn verliebt? Die lange Zeit, in der sie
ihn gar nicht oder kaum gesehen hatte, hatte ihre Sicht der Dinge
doch sehr verändert. Sie war reifer geworden und verlangte nicht
mehr so sehr nach seiner Aufmerksamkeit.
"Was
glaubst du passiert, wenn jemand mich hier sieht? Dann kann ich meine
Tarnung auch gleich aufgeben."
Sie ließ
sich von ihm nicht weiter stören und wandte sich wieder der
Leiche zu. Neugierig kam der Schwarzhaarige näher. Etwas
skeptisch glitt sein Blick über Sakuras Hände, die
geschickt die gewaschene Wunde untersuchten. Er war beeindruckt von
der Entwicklung, welche die Kunoichi hinter sich hatte.
Nun konnte
er auch endlich mit eigenen Augen sehen, von welcher medizinischen
Ausbildung Naruto immer so geschwärmt hatte.
Seine
schwarzen Augen blieben am Gesicht der Toten hängen. Es wirkte
schon recht alt und verbraucht.
"Wie
alt war sie?"
Nur knapp
blickte Sakura hoch.
"Soweit
ich weiß 29. Die Mädchen in der Küche haben sich
gestern über sie unterhalten."
Sasuke
nickte verstehend. Die tote Frau sah bedeutend älter aus. Sie
musste ein sehr hartes Leben gehabt haben. Falten bildeten sich um
Mund und Augen, die Haut war welk und bildete erste Flecken.
Irgendwann
warf Sakura die Decke wieder über den Leichnam und seufzte
niedergeschlagen. Sehr viel mehr als beim ersten Mal hatte sie auch
nicht erfahren. Es war ein Stich in die Leber, sofort tödlich.
"Lass
uns gehen! Eines von Mings Mädchen hat mir gestern etwas über
die Tote erzählt."
Sie zog
einen kleinen Notizblock aus ihrem breiten Stoffgürtel hervor
und reichte ihn dem Anbu. Schnell überflog dieser das
Geschriebene und blickte die Chu-nin verwundert an.
"Sie
hat eine Tochter?"
Schweiß
stand Ino auf der Stirn. Geschäftig flitzte sie mit Tellern und
Sakeflaschen von Küche in Schankraum und wieder zurück. Das
Haus war voll, die meisten Mädchen ausgebucht und ausgerechnet
heute hatte Sakura frei.
Ganz
sicher hatte sich eine höhere Macht gegen Ino verschworen.
Erschöpft
lehnte sie schließlich an der Wand und schnappte nach Luft.
Wenigstens ein bisschen Zeit hatte sie jetzt für sich. Doch dann
hörte sie Gekicher. Fragend hob sie eine Braue. War vielleicht
doch eines der Mädchen frei und konnte ihr helfen?
Sie
schlich an der Wand entlang, immer näher zum Hofausgang. Links
führte es ins Bordell und rechts nach draußen, wo das
Kühllager war. Das Gekicher wurde lauter. Vorsichtig spähte
sie um die Ecke und riss die Augen auf. Sie erkannte das Mädchen
sofort. Es war Megumi, eine von den Mings blutjungen Huren. Ihr
braunes, langes Haar fiel über ihren nackten Rücken.
Männerhände massierten ihren Po und drückten ihre
Hüften gleichmäßig gegen einen Körper, den Ino
nicht erkennen konnte. Megumi warf den Kopf in den Nacken und keuchte
laut auf. Das war für die Konoha-Kunoichi das Signal, sich mit
hochrotem Kopf zurückzuziehen.
Madame
Mings lasziver Blick verflüchtigte sich und machte Zornesfunkeln
Platz. Was bildeten sich diese Kerle ein?
Shikamarus
Mundwinkel zuckte zu einem selbstgefälligen Grinsen hoch.
"Seht
es doch von der praktischen Seite! Ihr bekommt ausgebildete Ninja zum
Schutz eurer Mädchen und das zum Spottpreis."
Die
Schwarzhaarige knirschte mit den Zähnen. Im Prinzip hatte er
Recht. Niemand bei Verstand würde es wagen ihren wertvollen
Mädchen etwas anzutun, solange diese Leute in ihrem Haus ein und
ausgingen. Allerdings.
Ihr Blick
wanderte zu dem jungen Mann neben dem mit dem buschigen Zopf. Beide
Männer waren jung, gutgebaut und verhältnismäßig
attraktiv und genau das, war das Problem. Was, wenn eine ihrer
Mädchen mehr, als nur finanzielles Interesse an ihnen fand? Das
könnte eine Katastrophe werden. Solche Mädchen neigten zu
Rebellionen und dem Irrglauben, nur noch von einem Mann berührt
werden zu dürfen.
Angestrengt
dachte sie über diesen Vorschlag nach und wiegte immer wieder
das für und wider ab. Schließlich griff sie nach ihren
Zigaretten und setzte sich bequem hin. Ihr Kimono rutschte zur Seite
und ließ einen guten Blick auf ihre langen, gepflegten Beine.
Mit einem Blick ins Leere, zündete sie eine Zigarette an und
nahm einen tiefen Zug. Kiba schluckte, als blauer Dunst zwischen
ihren sinnlichen Lippen hervorquoll. Ihr lasziver, einladender Blick
heftete sich kurz auf ihn. Sie war zufrieden. Noch immer hatte sie
diese besondere Wirkung auf Männer.
Ihr Blick
glitt weiter zu Shikamaru, der ihre Euphorie jäh zerstörte.
Völlig unbeeindruckt blickte er sie an und schüttelte den
Kopf.
"Mendoukuse",
murmelte er.
Verärgert
zog sie ihre Stirn in Falten und rückte die kaum gerauchte
Zigarette, mit mehr Kraft als nötig, im Aschenbecher auf dem
Tisch aus.
"Also
gut. Ihr bekommt euer Zimmer und Verpflegung, aber..."
Scharf
nahmen ihre dunklen Augen besonders Kiba ins Visier.
"Für
meine Mädchen müsst ihr bezahlen. Klar?"
Zufrieden
nickte Shikamaru. Manchmal war es doch ganz einfach, mit Frauen
umzugehen. Warum konnte das nicht auch bei Ino so einfach sein?
Menschen
schoben sich die Straße entlang. Straßenhuren und
Verkäufer gingen ihren Geschäften nach. Ein rosa Schopf
schob sich durch das, größtenteils männliche,
Publikum und erntete viele Blicke. An die junge Frau mit dem
Engelsgesicht heran traute sich allerdings niemand.
Schwarze
Augen wanderten über die Gesichter und warfen jedem, der das
Mädchen im roten Kimono zu lange ansah, einen messerscharfen
Blick zu. Nichts an seiner Haltung und seiner Mimik ließ
Zweifel daran, dass er jedem ein Kunai in den Leib rammen würde,
der sich dem Mädchen vor sich mit eindeutiger Absicht näherte.
Schließlich
blieb Sakura stehen und Sasuke konnte gerade noch rechtzeitig
stoppen, um nicht gegen sie zu laufen. Sie standen vor einer kleinen,
schäbigen Hütte, deren Konstruktion allen Naturgesetzen
trotzte.
Die junge
Kunoichi wischte sich ihre feuchten Hände an ihrer Kleidung ab,
bevor sie anklopfte. Schleppende Schritte näherten sich von
innen der Tür. Kurz darauf ging sie auf und müde Augen
musterten die beiden Konoha-nins. Sasuke hob knapp eine Braue. Das
Mädchen vor ihnen war sicher 14 oder 15. Ihr schwarzes Haar
hatte einen zerzausten Kurzhaarschnitt und Tränenspuren waren
auf ihren Wangen sichtbar.
"Was
wollt ihr?" fragte sie mit heiserer, verweinter Stimme.
Mit
mulmigem Gefühl saß Sakura auf ihren Beinen und blickte
sich in der winzigen Hütte um. Ein wenig erinnerte es sie, an
Narutos Wohnung. Sehr primitiv und alles wirkte mehr oder weniger
improvisiert, aber dennoch war es um Welten sauberer. Nirgends war
ein Krümel Staub zu sehen.
Das
Mädchen mit dem Namen Minekura Ayumi, saß beiden Shinobi
gegenüber und goss Tee in zwei Tassen auf dem niedrigen Tisch.
"Sie
wollen also wirklich den Tod meiner Mutter aufklären?"
Etwas
Hoffnung schwang in ihrer Stimme mit und ihr Blick heftete sich auf
Sasuke, der nur stumm nickte. Sakura nahm sie kaum war. Ein Zustand,
der in Sasukes Nähe nicht ungewöhnlich war. Trotzdem wagte
die Rosahaarige es, dem Mädchen einige Fragen zu stellen.
"Hatte
ihre Mutter irgendwelche Feinde?"
Ayumi
zuckte mit den Schultern.
"Sie
wissen doch sicher, was sie von Beruf war. Huren sind nicht gerade
die angesehensten Leute."
Sakura
schwieg einen Moment und biss sich auf die Unterlippe. Erst als Ayumi
ihr die Teetasse hinschob, blickte sie auf und lächelte dankbar.
Vorsichtig nahm sie die Tasse hoch und nippte nachdenklich an der
heißen Flüssigkeit.
Es
schmeckte bitter und billig.
"Seit
wann hatte ihre Mutter diesen Beruf?" fragte sie schließlich.
Das
Schwarzhaarige Mädchen seufzte, während ihre Blicke scheu
über Sasuke wanderten.
"Seit
sie 14 war. Nach meiner Geburt wusste sie einfach nicht, wie sie mich
versorgen wollte."
Einen
Moment schwieg sie und ließ die Erinnerungen auf sich
einwirken.
"Sie
wollte nie, dass ich auch mal dieses Leben führen muss."
Kleine
Tränen bildeten sich in den Augenwinkeln und beschämt
wischte Ayumi sich mit der Hand über die Nase. Ein schlichter
Ring reflektierte etwas Licht.
"Sie
hatte doch nie jemandem etwas getan. Wirklich nicht. Wer tut nur so
etwas gemeines?"
Hilflos
warf Sakura ihrem Begleiter einen Blick zu. Diesen schien das alles
jedoch nicht zu interessieren. Die Rosahaarige stellte die Teetasse
ab und seufzte.
"War
ihre Mutter mit irgendjemandem liiert?"
Der Blick
des traurigen Mädchens gegenüber, sagte alles. Sie hatte
einen Volltreffer gelandet.
"Mama
hatte tatsächlich immer öfter von einem Mann gesprochen,
aber sie hat ihn mir nicht vorgestellt."
Ayumi
wischte sich die letzten Tränen weg.
"Im
nächsten Jahr soll ich heiraten, wissen sie. Sie hat mir
versprochen, dass ich dann einen Brautführer hätte. Sie
sagte immer, es gäbe da jemanden, und sie würde ihn mir
bald vorstellen."
Ihre Augen
weiteten sich, als die Erkenntnis kam.
"Sie
glauben doch nicht, dass er...?"
Weder
Sasuke, noch Sakura sagten etwas. Zwar gab es jetzt eine Spur, aber
was nützte das schon, wenn niemand wusste, wie der
Tatverdächtige aussah?
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Danke für die bisherigen reviews
