Alles wie immer, nix mir außer Sprache.
„Findest du mich attraktiv?"
„Auf jeden Fall, ich – wie kann ich -- ? Oh, die Dunkelheit. Komm her." Er ergriff Severus' Handgelenk und führte in näher zum See. „Lumos."
Ein kleiner Ball gelben Lichtes erwachte zum Leben und Severus blinzelte und versuchte das blendende Licht abzublocken. „Was tust du da?"
„Schau dich selbst im See an, Selena."
Schau dich selbst im See an? Das war das Letzte was Severus tun wollte. Er wollte das Monstrum nicht sehen, das Pettigrew aus ihm gemacht hatte.
Er fühlte Sirius' Finger an seinem Kinn, warm -- wie kriegt er diese Wärme hin? -- und wie er seinen Kopf sacht zum Wasser drehte. „Du willst wissen ob ich dich attraktiv finde, Selena. Warum schaust du nicht und ich sage dir was ich sehe."
Ah, anscheinend ist das Teil von Blacks Verführungstaktik. Severus zwang seine Augen auf und starrte auf Blacks Reflektion anstatt auf seine. „Also, dann sag mir was du siehst," forderte Severus und befreite sein Kinn von Blacks Fingern.
„Du schaust nicht auf dich selbst."
„Ich weiß wie ich aussehe."
„Tust du? Dann macht es dir doch nichts aus es jetzt zu tun, oder?"
Es sollte scheinbar nicht enden. Severus straffte sich, biss die Zähne zusammen und starrte in den See. Er sah – sehr verändert aus. Wer hätte gedacht, dass Peter Pettigrews handvoll Pilze so effektiv sein konnte? Bitterkeit brachte einen seiner reflektierten Mundwinkel dazu sich nach oben zu ziehen. Gleiche Farbe, ähnliche Züge -- er sah aus wie seine eigene Schwester. Seine Augen waren so schwarz wie immer, aber größer in Proportion zu seinem Gesicht. Seine Lippen waren voller, seine Wangenknochen nicht so breit. Selbst seine furchtbar hackenförmige Nase, die er von seinem Vater vererbt bekommen hatte, war immer noch da, doch etwas schmaler. Alles in allem war es eine Ansammlung ziemlich subtiler Unterschiede, die das weibliche Geschlecht ausmachten.
Lediglich seine Kleidung und seine Haare waren unverändert. Schwer vorstellbar, was Black daraus sehen kann. „Ich gucke. Fang an."
Was auch immer Black gesagt hatte, Severus konnte sehr deutlich sehen, das sein transformierter Körper nicht attraktiv war.
„Ich sehe ein Mädchen mit dunklem Haar, dunklen Augen und Haut, die etwas mehr Sonne vertragen könnte. Normale Maße -- mit einer Nase, die man als etwas größer als der Durchschnitt beschreiben kann." Black langte hoch und zwackte die Nasenspitze. Severus sprang zurück und Black lachte in sich hinein.
„Du meinst ‚schnabelartig', denke ich."
„Willst du, dass ich sage deine Nase wäre klein? Das ist sie nicht. Ich finde dich trotzdem attraktiv." Black grinste und Licht reflektierte sich an seinen weißen Zähnen. Wo wir gerade bei Attraktivität sind, hier gibt es jemanden, der viel zu attraktiv ist für sein eigenes Wohl. Attraktiv genug, dass er sich nicht mit mir belasten würde, selbst in weiblicher Form.
Severus betrachtete sein Spiegelbild, dass die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen presste. Black war eindeutig daran interessiert „Selena" mit seinem Charme für sich zu gewinnen. Severus würde ihm genug Seil geben, um sich daran aufzuhängen. „Was findest du an mir attraktiv? Ich bin mir sicher, dass es nicht die schnabelartige Nase ist, die dich anlockt. Also, was ist es?"
„Meine Kusine Narcissa bist du nicht, aber ich mag helle Haut und dunkle Haare. Blondinen lassen mich kalt. So misstrauisch wie du bist, würde ich meinen du wärst eine Slytherin, aber vielleicht ist jeder so an seinem schlechten Tag. Du warst trotzdem nett zu mir. Das ist viel mehr wert als eine kleine Nase. Außerdem musst du zugeben, dass jemand den man im Mondlicht trifft schon etwas Mystisches an sich hat -- oder zumindest du. Ich hoffe es läuft gut für mich."
Nett? Wann war ich nett zu ihm? Gesteh ihm ein paar Punkte zu, weil er an Slytherin gedacht hat, auch wenn er Slytherin mit „Misstrauisch" gleichsetzt... „Sirius Black, du würdest wirklich mit allem ins Bett gehen, was sich bewegt, nicht wahr?"
„Ich bin sechzehn, was erwartest du?"
Und plötzlich wurde Severus des Spieles müde. Es war es nicht mehr wert. Er fühlte sich nicht länger zum lachen. „Ich will nicht spielen. Ich hab genug für heute. Ich muss mich nicht auch noch mit dir auseinandersetzen." Er stieß ihn weg, aber Black kriegte sein Handgelenk zu fassen.
Black löschte das Licht. „Was ich nicht erwähnt habe sind deine traurigen Augen. Okay, du bist nicht an mir interessiert, unfassbar wie es ist. Aber wie wäre es einfach mit Sitzen und Reden? Vielleicht hat es nichts zu bedeuten, jemanden im Mondlicht am See zu finden, aber ich möchte dich trotzdem kennen lernen.
Severus zog gegen Blacks Griff an; er löste sich nicht. Er hatte schon den Mund geöffnet, um zu verlangen, dass er loslassen solle, als -- Warte... „Warum bist du überhaupt hier draußen?"
„Meine Freunde und Ich, manchmal..." Blacks Stimme verlor sich.
Severus verspannte sich. Wie dämlich. Er war so darauf versessen gewesen Sirius Black zu demütigen, dass er die Tatsache ganz übersehen hatte, dass Black nachts draußen unterwegs war, um weiß der Teufel was zu tun. Er hatte nun die Möglichkeit weit größeres Unheil anzurichten als bloße Demütigung. „Dann solltest du jetzt besser zu ihnen gehen, oder etwa nicht?"
„Na ja, vielleicht. Aber heute Abend würde ich viel lieber mit dir reden."
„Ich dachte wir hätten schon geklärt, dass ich nicht mit dir reden will." Warum ist er hier draußen?
„Warum nicht? Was werde ich mit dem machen, was du mir erzählst?"
Black mochte ein Vertrauen mit einem anderen ersetzen. Severus schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht..."
Black nahm seine Hand und zog ihn zurück, um auf einer Bank zu sitzen. „Dann kannst du auch reden."
In der Absicht mit einer ergreifenden Lüge aufzuwarten, brach die Wahrheit in einem Schwall aus ihm heraus. Severus hatte Glück, dass er noch daran dachte den Hausnamen zu ändern, während er erzählte. „Selbst in Ravenclaw zahlt es sich nicht aus in dem gut zu sein was man tut. Die anderen zu übertreffen ist okay und die Leute erwarten es von dir, aber die Leute aus den anderen Häusern nehmen es einem krumm. Selbst in deinem eigenen Haus endest du bei den Leuten, die denken, dass du nützlich bist, die dich aber nicht richtig mögen. Du hängst mit ihnen rum, weil du einfach nur froh bist, das jemand seine Zeit mit dir verbringt. Gleichzeitig weißt du aber, dass sie die ganze Zeit hinter deinem Rücken über dich Lästern – ekelhaft, fettige Haare... dann passiert etwas schlimmes und du merkst, dass du keine richtigen Freunde hast, weil du nicht willst, dass dich irgendjemand sieht." Langsam wurde ihm klar, dass jedes Wort, das er sagte, der Wahrheit entsprach. Ebenfalls wurde ihm klar, dass er zitterte.
Etwas Warmes drückte sich an seine Rücken; Blacks Arm, wie er feststellte. „Schau mal, Selena. Ich kenne dich nicht. Vielleicht bist du heute Abend anders als sonst, aber du bist so misstrauisch. Du vertraust keinem Menschen— mir vertraust du nicht. Du bist bereit das schlimmste von mir zu glauben. Wenn du jeden so behandelst ist es kein Wunder, dass du Schwierigkeiten hast Freunde zu finden."
Und du weißt rein gar nichts darüber wie es ist in Slytherin zu leben, Black. „Also was? Soll ich jedem meine Seele offenbaren den ich treffe?"
Blacks anderer Arm schlich sich über Severus' Brustkorb; drückte leicht. „Du könntest versuchen mehr zu lächeln."
„Du meinst mehr zu Lächeln wird meine Probleme lösen?" Tränen traten ihm in die Augen. Er verfluchte seinen veränderten Körper.
„Ich würde es mögen," flüsterte Black.
Blacks Sympathie laugte die Grundlagen fünf hassgefüllter Jahre aus. Black schien es wirklich zu kümmern. Die Wärme von Blacks Körper durchzog ihn bis in die Knochen; tropfte durch seine Venen. Severus hatte das schon sein ganzes Leben lang herbeigesehnt – jemanden, der ihm zuhörte, jemanden, der ihn hielt. Von allen Leuten auf der Welt war es nun Sirius Black, der ihm diese Dinge gab. Mehr als das, brachte die unerhörte Berührung ein Kribbeln in den Nippeln und zwischen seinen Beinen. Es ist ein Nebeneffekt!, sagte er sich, wissend, dass es das Gefühl nicht zerstören würde.
Blacks Hand hob sich, um durch sein Haar zu streicheln. Severus versteifte sich. Gleich wird er es wissen, er muss. „Scheint mir sauber genug zu sein," murmelte Black.
Severus sog tief die Luft ein. Sein Herz pochte schneller. „Sirius, ich--"
„Selena, lass mich... ach, zum Teufel damit." Blacks Finger strichen, dann glitten sie durch Severus' Haar und zogen seinen Kopf zurück. Blacks Lippen senkten sich auf Severus' Geteilte, die feuchte Zunge bewegte sich versuchsweise zwischen sie. Severus hörte Black stöhnen und Blacks Zunge drängte tiefer.
Severus hielt ganz still, seine Gedanken wirbelten. Blacks Zunge glitt langsam gegen seine' und Severus fühlte die Hitze, die sich von dessen Lippen ausbreitete. ...Gott, wenn es etwas Schlimmeres gibt als die Hormone eines Sechzehnjährigen, dann sind es die des falschen Sechzehnjährigen. Dann bewegte sich Blacks Mund gegen seinen und nahm ihm jegliche Vernunft.
Black wimmerte erneut, nestelte am Kragen von Severus' Robe herum und zog den Verschluss auf. Severus spürte den Drang der Begierde. Oh, ja! Fass mich an – bitte.
Severus sprang innerlich auf, als Blacks Zeigefinger um seinen Nippel kreiste.
„Hmm, kein BH," flüsterte er. Die warme Hand wanderte tiefer, um seine Brust zu umfassen und Black zog sich weit genug zurück, so dass er den hemdbedeckten Nippel zwischen seine Lippen nehmen konnte. Severus war unfähig mehr als ein Keuchen zu erwidern und dann ein Stöhnen, als Blacks Zunge anfing zu kreisen.
Blacks Hand, nicht untätig, glitt an Severus' Brustkorb hinab und stoppte am Bund seiner Hose.
Blacks Lippen bewegten sich weiterhin auf seinem Nippel. Ja, ja, bitte! Er konnte es sich vorstellen. Gott! Berühr mich. Niemand berührt mich. Dann würde Black seine Hand in Severus' Unterwäsche gleiten lassen und – schierer Horror zerstörte die Fantasie. Was zum Teufel tu ich hier?
Er presste gegen Blacks Brust und stieß seinen Mund weg. „Nein."
„Selena, Ich bin kein... Ich will mich dir nur näher fühlen."
„Vergiss es, Black. Ist mir egal, was du gewohnt bist. Ich spiele nicht." Severus zog sich zurück, stand auf und lief einige taube Schritte die Seeseite entlang. Die Entfernung und das gewohnte Geräusch des Matsches unter den Schuhen brachten ihn wieder zu Verstand. Er atmete noch immer schwer.
„Es ist kein Spiel. Ich mag dich. Ich wollte dich nicht erschrecken. Geh nicht."
Severus umklammerte den Kragen seiner Robe und zog ihn zu. „Ich hatte einen schlechten Tag. Das ist nicht — ich kann nicht. Bis dann." Sein Hemd weiterhin zusammenhaltend, rannte er über den Rasen. Es war ihm mittlerweile egal, ob ihn jemand sah. Er musste den Krankenflügel erreichen – sofort.
Er konnte Black seinen erdachten Namen hinter ihm herrufen hören. Es wirkte als Abmahnung an seine schiere Dummheit.
Später, im Krankenflügel, arbeitete Professor Slughorn daran die durch den Trank bedingte Transformation rückgängig zu machen, wobei er Severus ausschimpfte, weil dieser aus dem Klassenzimmer gerannt war. Er ließ es über sich ergehen, zitternd, bis Slughorn schließlich alles abgewickelt hatte und ihm auf die Schulter klopfte. Severus bemerkte die Sympathie ebenso vage wie die Predigt. Die ganze Zeit über kreisten die immer selben Gedanken durch seinem Kopf. Mein Gott. Ich wollte Sex mit Sirius Black. Was zum Teufel hat Pettigrew mir nur angetan?
