So, meine Lieben, das nächste Kapitel. Ich würde mich über ein paar Reviews freuen. :D
Wie immer der Verweis auf die Originalgeschichte von Avocado, die ebenfalls hier auf zu finden ist.
Mittwoch, 20 Oktober 1976
Noch ein Tag in der Bibliothek nach dem Unterricht, noch ein weiterer Tag voller Nachforschungen. Er verlief so unergiebig wie beim ersten Mal. Alle Verweise, die Severus zu Rate zog, sagten dasselbe: auch wenn die Wirkungen eines Trankes fatal waren, so waren sie nicht anhaltend. Sie verschwanden, wenn eine der folgenden Dinge eintrat, aber nur solange bis zum ersten davon: wenn die innewohnende Magie der geringsten magischen Zutat eingenommen war, oder der Zaubertrank seinen Weg durch die Blutbahn oder den Verdauungstrakt der betroffenen Person beendet hatte.
Akute Lösungen (med.) neigten dazu schwächer zu sein, hielten aber länger. Eingenommene Zaubertränke waren stärker, aber kurzlebiger. Sich direkt nach der örtlichen Einnahme eines Trankes zu waschen, könnte seine Auswirkungen manchmal verhindern oder abschwächen; direkt nach der Einnahme zu kotzen hätte denselben Effekt.
Egal, was er las, nichts wies darauf hin, dass die Dauer irgendeines Zaubertrank-Effektes länger als eine Woche anhielt.
Was blieb ihm – Wo? Wenn er nicht Pettigrew die Schuld an seiner Sirius Black Besessenheit zuschreiben konnte. Ich dachte ich könnte ihn sicherlich für eine Menge weiterer Sünden verantwortlich machen.
Heißt das, dass ich Sirius Black tatsächlich will? Es war ein Sachverhalt, der seine Schrecklichkeit aufgrund seiner bereits vorhandenen Gewohnheit verlor.
Mit einem frustrierten Ächzen, das von einem sofortigen „Shhh!" von Madam Pince quittiert wurde, lehnte sich Severus auf seinem Stuhl zurück und schloss die Augen. Da ließ sich dann wohl nichts machen. Er seufzte, schloss seine Bücher und erhob sich, um die Bibliothek zu verlassen.
Auf dem halben Weg zur Tür fiel ihm etwas anderes ein, das er nachschlagen wollte, aber er hatte keine Ahnung, wo er die Suche beginnen sollte.
Nach einer geflüsterten Unterhaltung mit Madam Pince, die ihm, wohl Aufgrund seines reinen Interesses an Nachforschungen, sein Geächze vergeben hatte, machte er sich auf dem Weg zu den Regalen mit Muggelgedichten.
Madam Pince war vertraut mit den Gedichten, die häufig in Muggelkunde durchgenommen wurden, und konnte ihm eine überschaubare Anzahl an möglichen Werken nennen. Mit der weiteren Einschränkung, dass das Gedicht wahrscheinlich eines der bekannteren Gedichte war, empfahl sie ihm Sammelbände durchzuschauen.
Nach zwanzig Minuten hatte er es gefunden.
Er schnaubte schwach, leise genug, um Madam Pinces Rüge zu entgehen. Seltsame Wahl. Wäre Severus wirklich eine Ravenclaw Fünftklässlerin mit dem Namen Selena gewesen, wäre er sehr beleidigt gewesen. Doch da er nichts davon war -- vielleicht zutreffender, als er selbst wusste – und der letzte Absatz am wenigsten.
Er schloss das Buch und nickte zum Dank zu Madam Pince, als er die Bibliothek verließ.
Freitag, 22 Oktober 1976.
Es war nun zwei Wochen nach Severus' unerwarteter Verwandlung und Severus beobachtete Black, der am Gryffindortisch in der Großen Halle saß. Es war ihm schon fast zur Gewohnheit geworden. Er hatte nachts immer noch dieselben erschreckenden Träume, aber auch an die hatte er sich schon fast gewöhnt. Trotz allem waren sie nur Fantasien. Es war nichts Reales an ihnen. Sicherlich, es war eine Kuriosität, nichts mehr – nichts Reales, nichts Gefährliches.
Black lehnte sich zu Potter; Severus sah, wie sich seine Lippen bewegten. Black richtete sich in seinem Sitz auf, dann erhob er sich und ging um das Ende des Tisches herum. Hat er gesehen, dass ich geguckt habe?
Black lief weiter, am Fuß des Hufflepufftisches vorbei, zum Tisch der Ravenclaws.
Als Black am Tisch der Ravenclaws entlang ging, wusste Severus, dass er ihn nicht länger beobachten konnte, ohne dass es auffallen würde. Deshalb starrte er stattdessen auf seinen Teller.
Er konnte schwach Blacks Stimme hören, und die Antwort von jemandem am Ravenclawtisch, aber in der Großen Halle war es zu laut, um ein Wort des Gesprochenen zu verstehen. Ein paar Minuten unhörbare Konversation, dann Stille. Er schaute auf, zu Sirius, der eilig am Tisch der Slytherin vorbei und durch die großen Flügeltüren der Großen Halle hinaus lief.
Ganz plötzlich fühlte er sich schlecht. Nein. Ich liege falsch. Das muss gar nichts bedeuten. Seinen Darm überzeugte er nicht. Sein Appetit war verschwunden: er schob den Teller von sich. Er legte seinen Handballen flach auf den Tisch, bereit aufzustehen.
Etwas berührte seine Schulter, verhinderte sein Aufstehen, bevor er es beginnen konnte. Er sah auf, und sah Rabastan Lestrange auf ihn hinunterschauen, eine Hand auf Severus' Schulter. „Snape, ich will mit dir reden."
„Okay."
Lestrange nahm seine Hand weg. „Nach dir."
Severus erhob sich von der Bank, drehte sich um und lief zwischen den Tischen zur Tür und hinaus aus der Halle. Er hielt an und drehte sich um. Lestrange hatte einen oder zwei Schritte hinter ihm gestoppt.
„Was gibt es, Lestrange?"
„Triff mich Morgen um Acht im Gemeinschaftsraum."
Severus schluckte. „Wieso?"
Lestrange lächelte. „Du wirst schon sehen. Wirst du da sein?"
Severus hatte wohl kaum eine andere Wahl. Er hatte Jahre darauf gewartet, bemerkt zu werden. „Ich werde da sein."
Lestrange nickte. „Gut." Dann drehte er sich um und verschwand.
Severus ging langsam zur steinernen Wand und lehnte sich dagegen. Morgen werde ich es wissen.
Der Triumph, den er fühlte, wandelte sich einen Moment später in Übelkeit. Ellen Banks, eine der Sechstklässler Ravenclaw-Vertrauensschüler verließ zusammen mit einer Freundin die Große Halle, ein Mädchen, das Severus nie wichtig genug erschienen war, um sich ihren Namen zu merken. „Ich sage es dir, Mary", sagte sie, als sie an Severus vorbei liefen, „Ich habe nicht sie blasseste Ahnung, wer ‚Selena' ist. Das hab ich ihm auch gesagt."
„Es scheint", erwiderte Mary, „dass Sirius Black endlich Interesse an einem Mädchen aus unserem Haus zeigt, und keiner eine Ahnung hat, wer sie ist."
Die Unterhaltung ging weiter, während die beiden Mädchen liefen, aber Severus konnte nicht verstehen, was sie sagten.
Samstag, 23 Oktober 1976.
Severus entschied, dass im Gemeinschaftsraum auf Lestrange zu warten, zu erbärmlich wäre. Alles in allem, war es eine gute Entscheidung, aber sich dazu zu entschließen, hieß nicht, dass er nicht zwanzig Minuten vorher im gemeinsamen Schlafraum wartete. Er überprüfte die Uhrzeit, erhob sich, um im Zimmer auf und ab zu laufen, setzte sich, und überprüfte erneut die Zeit – 19:43 – dann wiederholte er den Ablauf wieder und wieder.
Schließlich, um fünf vor Acht, machte er sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum, und hatte noch genau drei Minuten Zeit als er ankam. Er ließ sich in einem der hohen Lehnstühle vor dem Kaminfeuer nieder. Wie immer ignorierten ihn die anderen Slytherins. Er starrte intensiv auf die rauen Steinwände.
Lestrange war genau zehn Minuten zu spät.
Severus hatte die Genugtuung, zu wissen, dass er nicht einfach dreißig Minuten im Gemeinschaftsraum gesessen hatte, obwohl er eine halbe Stunde gewartet hatte. Das Wissen, dass er sehnsüchtig auf ein Ereignis gewartet hatte, bei dem der andere Junge es nicht mal für nötig hielt, rechtzeitig zu kommen, tat weh. Es zeigte deutlich – als ob es dazu Bedarf gegeben hätte – wer wichtig war und wer nicht.
Lestrange hielt einen Moment im Gemeinschaftsraum inne, drehte sich zu Severus und schaute ihn an. Dann brach er Blickkontackt, schaute zur Steinwand, die zum Korridor hinausführte, blickte Severus erneut an und verschwand dann durch die Wand in den Korridor.
Mit einem Stich im Magen von beidem, Aufregung und Selbstekel, stand Severus auf und folgte ihm.
Lestrange wartete im Korridor auf ihn. „Du bist gekommen. Lass uns gehen."
Severus nickte. Er brachte kein Wort heraus. Er fuhr sich mit der Zunge über seine trockenen Lippen. „Kommt noch irgendwer?"
„Nein."
Lestranges knappe Antwort zerschnitt Severus' kurze sprachliche Offensive. Sie setzten ihren Weg durch die Korridore und draußen am See vorbei fort, ohne ein weiteres Wort zu wechseln. Gefallene Blätter knisterten unter ihren Füßen. Oktobernächte waren von jeher dunkel und kalt, aber heute, mit dem neuen Mond, war es noch ein bisschen dunkler. Severus erwischte sich dabei, wie er zum See hinüber blinzelte. Er erkannte, dass er – schon wieder, verdammt – nach Sirius Black Ausschau hielt. Es war dunkel genug, dass Severus ihn nicht gesehen haben könnte, selbst wenn er da gewesen wäre.
Lestrange führte ihn in den Verbotenen Wald. Als sie ein paar Schritte hinein gegangen waren, holte er seinen Zauberstab heraus. „Lumos." Sie konnten einen Pfad im schwachen Lichtschein erkennen.
Severus' Herzfrequenz stieg. Früh genug.
Sie liefen einen gewundenen Pfad hinunter, bis sie eine Art Lichtung erreichten, die in einer Kombination aus Zauberstab- und Mondlicht lag.
Lestrange stoppte. Severus versuchte und versagte, seine Frage hinunter zu schlucken. „Was jetzt?"
„Wir warten."
Ein paar Minuten später gab es einen lauten Knall, den Severus als Apparation identifizierte. Er konnte nichts außer einer schemenhaften Gestalt erkennen, bis diese in den Lichtkegel von Lestranges Zauberstab trat.
Hellblondes Haar, scharfe Konturen und ein Ausdruck von Verachtung – sehr vertraut. Severus mühte sich mit seiner Erinnerung ab. Lucius Malfoy; Kopf der Slytherins in seinem ersten Jahr.
Der Mann sprach mit einer Stimme, die vor Arroganz nur so troff. „Guten Abend, Rabastan. Und du musst Severus Snape sein."
Severus nickte. Kein Wunder, dass er sich nicht an mich erinnert. Dass Malfoy sich nicht vorgestellt hatte, entging Severus nicht. Ich frage mich, ob er denkt, dass ich mich an ihn erinnere?
„Einige deiner Schulkameraden haben verlauten lassen, dass du vielleicht an dem interessiert sein könntest, was wir dir anzubieten haben."
„Und das wäre?"
„Respekt. Macht."
Severus schloss seine Augen. Respekt. Macht. Er war kein Narr, dass er dachte, auch nur eines davon bekäme er, ohne einen Preis zu zahlen. Fünf volle Jahre in Slytherin hatten ihn gelehrt, dass niemand ihm je etwas umsonst anbieten würde. Dass Lestrange sichtlich von der Idee begeistert war, zeigte, dass es eine Aussicht auf Erfolg gab, irgendwie. Lestrange war viel zu sehr von seiner eigenen Wichtigkeit überzeugt. Und Malfoy – soweit sich Severus erinnerte – Malfoy strebte noch verzweifelter nach Größe. Und, zu guter letzt, was machte es schon, was der Preis dafür war, wenn er endlich die Chance hatte dazu zu gehören?
„Wie? Und was muss ich tun?"
Malfoy grinste.
Sonntag, 24 Oktober 1976.
Am nächsten Nachmittag lief Severus eilig durch den Gemeinschaftsraum und in den Korridor. Er grübelte immer noch über sein Gespräch mit Malfoy nach. Schlammblüter überall; tun so, als wären sie richtige Zauberer. Eine Gelegenheit, sie in ihre Schranken zu weisen. Eine Chance, zu zeigen, was ich drauf habe.
Er hörte Stimmen im Gang; die Identität einer von ihnen riss ihn aus seinem Nachsinnen: Sirius Black.
„Warum gehst du mir aus dem Weg?"
Die Stimme war mürrisch. „Ich dachte, du hättest klar gemacht, dass du nichts mehr mit uns zu tun haben willst, als du ausgezogen bist, Sirius."
„Du warst damit nicht gemeint, nur unsere Eltern. Das weißt du!"
Die Antwort war gefüllt mit dem bekannten Tonfall von verletzter Würde. „Vielleicht will ich ja nicht mit dir reden."
„Regulus, du bist mein Bruder!" Severus hatte vergessen, dass Sirius Black einen Bruder in Slytherin hatte. Er hatte nie viel Grund dazu gehabt, den unteren Klassen seine Aufmerksamkeit zu widmen. Regulus Black war – was? – im vierten Jahr? Oder im fünften?
„Nicht mehr. Das bin ich nicht. Du bist weggegangen." – Oh, ja, eindeutig verletzte Würde—„Du sagst du willst nichts mehr mit uns zu tun haben, du ignorierst mich für den Rest des Sommers, und jetzt willst du mit mir reden? Vergiss es!" Ein dumpfes Geräusch. „Und lass mich los, Sirius!"
„Hör zu, Regulus, ich will dich nur etwas fragen. Über-- "
„Ist mir egal. Ich werde dir gar nichts sagen. Lass los."
Severus erkannte seine Chance. Er ergriff sie mit beiden Händen. Er trat um die Ecke und zu den Streitenden. „Gibt es hier ein Problem?"
Blacks Hand war fest um das Handgelenk eines kleineren Jungen geschlossen, offensichtlich sein Bruder Regulus. Regulus verdrehte seinen Arm, versuchte Blacks Griff zu lösen. Severus musterte Regulus zum allerersten Mal und sah sogleich die familiären Ähnlichkeiten – schwarzes Haar, graue Augen, schmale aristokratische Nase.
Regulus war eine leicht gröbere Kopie von Black – ein Junge, denn man als attraktiv beschreiben würde, vermutete Severus, wäre er nicht der Bruder von Sirius Black.
Severus nahm seine Augen von Regulus, um Black anzusehen. Blacks Gesicht hatte den wütenden Ausdruck, den Severus von ihm gewohnt war. „Niemand hat dich gefragt, Snape."
„Wie wahr, Black. Aber es scheint, als währest du damit beschäftigt einen Slytherin zu belästigen – hältst ihn davon ab in den Gemeinschaftsraum zu kommen."
„Ich versuche mit meinem Bruder zu sprechen, Snape."
Severus richtete seinen Blick auf Blacks Griff um Regulus' Arm.
„Und offensichtlich hältst du es für nötig ihn dafür festzuhalten. Wie rührend."
„Lass uns allein, Snape."
„Seltsam", Severus kam näher, dämpfte seine Stimme, "dein Bruder hat nichts dergleichen gesagt. Vielleicht ist er ja gar nicht so scharf auf ein Gespräch mit dir. Lass ihn gehen."
Blacks Augen verengten sich, aber er lockerte seinen Griff. „Das geht dich nichts an." Aus den Augenwinkeln konnte Severus Regulus sehen, der sich sein Handgelenk rieb. Er nahm die Bewegung wahr, aber, wie immer, war er viel zu sehr auf Sirius Black fixiert.
„Sicher." Severus besann sich wieder auf sein Ziel. „Regulus Black, möchtest du mit deinem Bruder sprechen?"
Regulus rieb sich weiterhin sein Handgelenk. Er hob sein Kinn in die Höhe. Im selben Ton von verletzter Würde sagte er: „Wohl kaum. Er ist nicht mein Bruder." Regulus drehte sich um und verschwand hastig durch den Korridor, grob in die Richtung, in der der Slytheringemeinschaftsraum lag.
Sein Verschwinden ließ Severus alleine mit Sirius Black zurück. „Es scheint mir, dein Bruder hatte kein Interesse, Black."
„Du hattest kein Recht dazwischen zu gehen, Schniefelus!"
„Hatte ich nicht? Mein Fehler." Selbst erfüllt mit Spannung und steigender Wut war die Nähe zu Black erregend, genau wie die Erkenntnis, dass Black und er überhaupt einmal miteinander sprachen – nicht so, wie sie es am See getan hatten, aber sie sprachen.
„Vielleicht kannst du mir helfen." Blacks Beleidigungen wandelten sich abrupt in Schmeichelei.
„Und du denkst, mich Schniefelus zu nennen, ist ein guter Weg, um meine Hilfe zu bekommen?"
„Okay, gut. Tut mir Leid."
„Na sieh einer an! Benachrichtigt den Tagespropheten. Sirius Black hat sich entschuldigt." Er hielt einen Moment inne. „Also, was willst du?"
„Schau, ich hab da ein Mädchen getroffen. Sie sagte, sie sei in Ravenclaw. Ist sie aber nicht. Fünftes Jahr, sagte sie. Blass, mit langem dunklem Haar. Selena. Ist sie in Slytherin?"
Severus gefror an Ort und Stelle. „Ich kenne nicht alle Namen der Fünftklässler", sagte er wahrheitsgemäß genug. „Soweit ich weiß, gibt es hier keine, die Selena heißt." Du musst dem eine Ende setzen, dachte er, konnte sich aber nicht dazu durchringen. „Warum willst du das wissen?"
Black zuckte mit den Schultern. „Nettes Mädchen, sah ein wenig traurig aus. Wollte nur sehen, ob es ihr wieder besser geht."
„Ah. Der noble Gryffindor in Aktion. Sie hat gelogen, und du fühlst dich verpflichtet den Ritter in der goldenen Rüstung zu spielen. Es soll mir fern liegen kleinlich zu sein."
Black zuckte erneut mit den Schultern. Er drehte sich um und ging weg. „Danke, Snape."
Die zweite zivilisierte Unterhaltung, die ich jemals mit ihm hatte. Er wartete solange, bis Black die Treppe erreicht hatte, das folgte er demselben Weg.
Montag, 25 Oktober 1976.
Als er am nächsten Tag aus der Bibliothek zurückkam, bemerkte Severus Regulus Black, der alleine in dieselbe Richtung lief.
Er beschleunigte seine Schritte und holte den jüngeren ein.
„Black."
Regulus schoss einen Blick zu ihm hoch. „Ja."
Severus konnte den Widerwillen in seinem Blick lesen. Arrogant, genau wie sein Bruder. Zu schade, er schuldet mir etwas. Severus setzte seinen besten Ausdruck von Sympathie auf. „Ich habe bemerkt, das du und dein Bruder eine Meinungsverschiedenheit hattet, neulich."
Severus sah, wie sich der Adamsapfel in Regulus Hals bewegte, als dieser schluckte. Die Antwort war zittrig. „Ja, na ja, danke."
Severus hatte nicht viel Übung mit Sympathie. „Warum?"
Regulus' Robe zog sich hoch und zeigte die Anspannung in seinen Schultern. „Ich will einfach nicht mit ihm reden."
Sympathie vorzutäuschen war es wert, zu erfahren, weshalb. „Er gehört zur Familie, oder nicht?"
„Nicht mehr." Severus sah, dass Regulus kein Interesse daran hatte, die Unterhaltung mit ihm weiterzuführen, sah aber auch keinen anderen Weg sich aus der Affäre zu ziehen.
Severus suchte nach einem Weg, die Unterhaltung aufrecht zu erhalten und vielleicht noch ein paar Informationen aus Regulus herauslocken zu können. Er fand ihn, an einer unwahrscheinlichen Stelle „Er ist wohl auch kaum mein Freund. Tatsächlich ist es seltsam. Er hat mich nach einem Mädchen gefragt – ob sie in Slytherin ist."
Regulus schnaubte. „Ein Mädchen? Du machst Witze."
„Nein. Er sagte, sie hat gelogen in welchem haus sie ist und nun sucht er nach ihr."
Regulus schüttelte den Kopf. „Ich habe absolut keine Ahnung, was er vorhatte. Sirius hat keine Verwendung für Mädchen."
Severus zog scharf die Luft ein, dann zwang er sich dazu gleichmäßig und ruhig zu atmen.
„Wie meinst du das?"
„Oh, nur – er bemerkt sie kaum. Mutter sagte, dass er – aber Vater sagte sie liege falsch." Regulus zuckte die Schultern. Sein gewohnter Ton von verletzter Würde kehrte zurück. „Ist doch egal. Er ist weggegangen – bevorzugt Potter und Potters Familie der unsrigen. Soweit es mich betrifft, ist er nicht mehr mein Bruder."
Den Rest des Weges zum Gemeinschaftsraum verbrachten sie schweigend. Dort angekommen, machte sich Regulus hastig aus dem Staub. Severus bemerkte es kaum, er war immer noch in Gedanken.
„Sirius hat keine Verwendung für Mädchen."
Es war widerlich, dass er tatsächlich Hoffnung bei diesem Gedanken verspürte. Aber trotz allem hieß das noch lange nicht, dass Sirius Black auch nur irgendein Interesse an Severus Snape hätte. Ein paar Minuten später hatte er erkannte, dass er die Sache garantiert falsch gedeutet hatte – oder Blacks Familie hatte sie falsch gedeutet. Für jemanden, der kein Interesse an Mädchen zeigte, war Black sehr an „Selena" interessiert.
