Disclaimer: Die bekannten Personen und Orte aus HdR gehören nicht mir, sind nur ausgeliehen!
Kapitel 1
Ein Rascheln einige Meter hinter ihr. Eine Elbin schreckte auf und sah sich um, doch konnte sie niemanden im Wald sehen. Gleichgültig zuckte sie mit den Schultern und packte ihre Habseligkeiten in ihre Tasche.
„Vermutlich sind meine Nerven einfach überspannt, und ich bilde es mir nur ein", dachte sie.
Dann ging sie zu ihrer Stute Morgenlicht, die ursprünglich aus Rohan entstammte, und befestigte ihre Tasche, ihren Bogen und ihr Schwert am Sattel, damit sie ihre Waffen immer griffbereit hatte. Nachdem sie sich noch einmal vergewissert hatte, dass die Flammen ihres Lagerfeuers endgültig versiegt waren, schwang sich die Elbin elegant in den Sattel. Dabei warf sie ihr langes blondes Haar schwungvoll hinter sich und strich dann ihrer Stute liebevoll durch die Mähne. Freudig warf einen Blick auf die aufgehende Sonne.
„Auf in einen neuen Tag!", rief sie Morgenlicht zu und ritt los.
Einige Wegstunden von ihr entfernt, saßen Elrond und sein langjähriger Berater Glorfindel auf einer Terrasse Bruchtals und beobachteten ebenfalls den Sonnenaufgang. Schweigend ließen sie ihre Gedanken schweifen und lauschten dem Gesang der Vögel. Schließlich seufzte Glorfindel und durchbrach das Schweigen.
„Jetzt sind es schon beinahe 900 Jahre. Glaubst du, sie wird jemals zurückkommen?"
Elrond sah seinen Berater mit einem traurigen Lächeln an und antwortete bedrückt: „Ich weiß es nicht. Die Suche nach ihr haben wir niemals aufgegeben, und auch wenn wir von ihr kein Lebenszeichen erhalten haben, bin ich mir sicher, dass es Silawen gut geht."
„Ich mache mir doch nur Sorgen um sie! Es vergeht kein Tag, an dem ich das nicht tue. Und glaub mir, wenn ich es könnte, würde ich sofort losziehen und sie zurückholen…" Nach einigen Momenten des Schweigens flüsterte Glorfindel schon mehr als er sprach: „Wenn ich doch nur wüsste, wo sie ist."
„Das weiß ich, alter Freund, doch wir können nichts tun. Sie wird wiederkommen, wenn sie es für richtig erachtet und das wird dann sein, wenn die Trauer und der Schmerz aus ihrem Herzen verschwunden sind."
„Aber wenn ihr nun etwas passiert ist? Ich könnte mir das nie verzeihen! Ich hatte es Lirulin versprochen! Ich hatte versprochen, immer auf sie aufzupassen." Dann sah Glorfindel mit traurigem und zugleich verzweifeltem Blick zum Horizont, als ob er so diejenige finden würde, nach der er schon so lange Zeit auf der Suche war.
„Deine Tochter wird wohlbehalten zurückkehren. Lass ihr nur die Zeit, die sie braucht."
„Vielleicht hast du ja Recht… Wir sollten aber langsam in den Hof gehen und deine Söhne und ihren Besuch aus dem Düsterwald verabschieden, meinst du nicht! Oder hast du vergessen, dass sie heute aufbrechen wollten?"
„Ich werde eben langsam alt", antwortete Elrond mit einem Schmunzeln.
„Und was soll ich dann bitteschön sein?", fragte Glorfindel lachend.
Elrond war froh, seinen Freund von seinen deprimierenden Gedanken losgerissen zu haben. Dann stand er auf und sah Glorfindel erwartungsvoll an.
„Hattest du nicht gesagt, wir sollten losgehen? Nun anscheinend bist du wirklich derjenige von uns beiden, der alt ist."
Daraufhin antwortete Glorfindel nur mit einem Kopfschütteln und folgte Elrond durch das Gebäude in den Hof.
Dort angekommen, konnten die beiden Elladan und Elrohir sehen, die bereits auf ihren Pferden saßen. Daneben standen noch Elronds Tochter, Legolas Grünblatt und dessen engster Berater und Freund Thalion Celebren. Sie kamen gerade rechtzeitig, um selbige zu verabschieden.
Einige andere Elben, die als Begleitschutz dabei waren, saßen schon auf ihren Pferden. Auch wenn die Vier gute Krieger waren, war es doch zu gefährlich nur zu viert zum Düsterwald zu reiten, da in letzter Zeit immer mehr Orks in Mittelerde gesichtet wurden.
Als Arwen ihren Vater sah, raffte sie ihre Röcke und lief auf ihn und Glorfindel zu.
„Guten Morgen, Vater, Glorfindel!", begrüßte Arwen die beiden, bevor sie sich leicht schmollend an ihren Vater wand. „Wieso darf ich nicht mitreiten? Ich bin bereits erwachsen, und die Zwillinge sind mit ihren 1326 Jahren auch nur knapp 300 Jahre älter als ich."
Elladan, der vom Pferd gesprungen und seiner Schwester gefolgt war, antwortete darauf mit einem Grinsen: „Nun ja, Schwesterchen, das liegt daran, dass Elrohir und ich zusammen 2652 Jahre alt sind und das sind 1615 Jahre mehr als du alt bist. Außerdem wollen wir doch nicht, dass deine Kleider schmutzig werden."
Daraufhin warf Arwen ihrem älteren Bruder einen wütenden Blick zu und ging zurück zu Legolas und Thalion um sich zu verabschieden.
„Das war nicht sehr nett von dir, Elladan", sagte Glorfindel.
„Nun ja, sie hatte es doch so schön herausgefordert", antwortete dieser immer noch grinsend.
„Du solltest dich dafür noch bei ihr entschuldigen, bevor du aufbrichst", sagte Elrond.
„Ja, Vater, das werde ich, ich kann ja nicht mit ansehen, wie ihr Kopf vor Wut anfängt zu rauchen." Dann ging er lachend zurück zu seinem Pferd.
Kopfschüttelnd wandte sich Elrond darauf an seinen blonden Berater: „Was hab ich mir nur dabei gedacht, jemals Kinder in die Welt zu setzen?"
„Das solltest du doch am besten wissen. Aber nun komm, sie sollten langsam aufbrechen, sonst wird Arwen noch versuchen, sich für Elladans Kommentar zu revanchieren."
„Ja, aber sobald die beiden weg sind, wird sie sie vermissen", antwortete ihm der Herr von Bruchtal voraussehend.
„Genau, und dann wird sie dich jeden Tag fragen, wann die beiden zurück sind. Die drei sind eben noch sehr jung und es ist das erste Mal, dass sie für längere Zeit getrennt sind. Jetzt sollten wir sie aber langsam verabschieden, sonst stehen wir hier noch den ganzen Tag und es sieht so aus, als würde es bald anfangen zu regnen."
Dann gingen Elrond und Glorfindel zu den Wartenden und verabschiedeten sie. Arwen umarmte noch einmal ihre Brüder und musste sich zusammennehmen, um nicht anfangen zu weinen. Doch als die Reiter endlich aufgebrochen waren, traten ihr dennoch einige Tränen in die Augen. Doch sie konnte noch nicht ahnen, wie schnell sie sie wieder sehen würden. Genauso wenig wie Elrond und Glorfindel, die sich in Elronds Arbeitszimmer begaben, als es langsam zu regnen begann.
In der Zwischenzeit war die junge Elbin schon sehr viel näher an Bruchtal herangekommen, als sie es ursprünglich geplant hatte. Als sich Bruchtal deutlich und in seiner ganzen Schönheit erhob, hielt sie ihr Pferd an.
„Ich wusste gar nicht, dass ich Bruchtal schon so nahe gekommen bin. Komm, Morgenlicht, drehen wir um, ich bleibe lieber allein, und dort würden wir vermutlich früher oder später jemanden antreffen."
Dann ritt sie wieder in den Wald zurück, aus dem sie gekommen war. Ohne die eben aufgebrochenen Reiter zu bemerken.
„Oh, jetzt fängt es auch noch an zu regnen! Komm, wir stellen uns hier unter, bis es wieder aufgehört hat. Ich mag es nicht sonderlich, im Regen zu reiten."
Die Stute schnaubte als Antwort und ließ sich von der Elbin unter einen Felsvorsprung führen, der sie vor dem Regen schützen würde. Sie begann damit, kleinere Äste und Zweige zusammen zu sammeln und aufzuschichten, um diese dann anschließend anzuzünden.
„Wenn wir jetzt schon rasten, können wir auch gleich etwas essen. Heute Morgen sind wir ja sehr schnell aufgebrochen, nicht wahr, meine Schöne!", sagte die Elbin und strich der Stute zärtlich durch die graue Mähne, bevor sie ihr einen Apfel hinhielt. Dann holte sie Lembas und noch ein paar Äpfel aus der Satteltasche hervor und setzte sich auf einen Stein beim Feuer und begann zu essen. Nachdem die Stute ihren Apfel gefressen hatte, ging sie auf die Elbin zu, um sich noch einen zu holen, doch als sie ihren Kopf heruntergebeugt hatte, erstarrte sie plötzlich in ihrer Bewegung. Die Elbin bemerkte dies und sah sich beunruhigt um.
„Was hast du denn? Ist hier irgendwas?", flüsterte sie und sah sich um. Als sie ein Rascheln hörte, sprang sie in einer fließenden Bewegung auf und nahm ihren Bogen und ihr Schwert vom Sattel. Dann legte sie einen Pfeil auf die Sehne, zielte in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war und wartete.
Einige Momente später hörte sie ein bedrohliches Surren und sah, wie ihr Pferd von einem Pfeil in den Hinterlauf getroffen wurde. Diese wieherte schrill und die Elbin schoss ihren Pfeil in die Richtung, in der sie den Angreifer vermutete. Kaum eine Sekunde später fiel ein Ork mit einem gurgelnden Geräusch und einem grün-gefederten Pfeil durch den Hals auf den vom Regen durchweichten Boden. Dieser hatte sich zuvor hinter einigen Büschen versteckt gehabt, aus denen nur ein paar Augenblicke später noch zwei Dutzend weitere Orks heraustraten.
„Schaut mal, ein Leckerbissen läuft hier ganz alleine herum… Schnappt sie euch, und lasst sie nicht am Leben", rief der größte Ork der Gruppe und die anderen liefen los.
Im Bruchteil einer Sekunde schien die blonde Elbin ihre Lage zu überblicken.
„Verdammt! Morgenlicht kann mich auch nicht hier wegbringen, sie ist verletzt und könnte mich niemals tragen. Aber gegen so viele habe ich alleine keine Chance! Ich muss es einfach versuchen, aber Morgenlicht kann entkommen", dachte sie, bevor sie ihrer Stute ein „Lauf!" zurief, und zeitgleich einen weiteren Pfeil abschoss.
Das Pferd galoppierte mir einem ängstlichen Wiehern davon. Fast hilflos war die Elbin nun von den Orks und der Felswand eingeschlossen.
Die Gruppe aus Bruchtal ritt auf ihrem Weg nach Düsterwald durch denselben Wald, in dem auch die Elbin momentan um ihr Leben bangte. Ihnen machte der Regen nichts aus und die Zwillinge hatten sogar Spaß daran, einige Verse über den Regen zusammen zu reimen.
„Und wenn die Tropfen lauthals plätschern…" fing Elrohir gerade an, als er von einem Wiehern unterbrochen wurde, „Habt ihr das auch gehört?"
Legolas nickte. „Ja, und es kam aus dieser Richtung", sagte er und deutete nach Süden, „Wir sollten vielleicht nachsehen, was da los ist."
Doch Thalion hielt ihn noch zurück: „Aber wir sollten nicht alle gehen. Vielleicht ist es eine Falle der Orks."
„Wenn es so ist, sollten wir uns aber auch nicht trennen", gab Elladan zu bedenken.
Bevor sie sich jedoch weiter darüber Gedanken machen konnten, hörten sie Hufgetrappel und sahen auch nur Momente später, wie ein völlig verängstigtes Pferd auf sie zukam. Es zitterte und lahmte auf einem Bein. Dann sahen sie den Pfeil, und das Blut, das nun langsam eine Pfütze am Boden bildete, nachdem es stehen geblieben war.
„Ein Orkpfeil! Wir müssen sofort dem Besitzer des Pferdes helfen, bevor es zu spät ist!", rief Thalion, und galoppierte in die Richtung, aus der das Pferd kam. Die anderen Elben folgten ihm und sobald sie die ersten Orks zu Gesicht bekamen, schossen sie ihre Pfeile ab.
Die Elbin hatte schon ein paar Orks tödlich verwundet, doch hatte sie die Hoffnung bereits aufgegeben. Zu viele waren es, gegen die sie sich behaupte musste.
Sie duckte sich gerade unter einem Schwertstoß hinweg, als sie einen brennenden Schmerz in ihrem Rücken spürte. Blitzschnell drehte sich in einer geschmeidigen Bewegung um und enthauptete den Ork, der mit einem blutigen Schwert hinter ihr stand. Das Blut, das dabei ihren Rücken hinunter lief, bemerkte sie gar nicht. Doch spürte sie, dass sie mit ihren Kräften bald am Ende war und nicht mehr lange würde standhalten können.
Doch die Gedanken an Schmerz oder ihr bevorstehendes Ende verdrängend, drehte sie sich noch im gleichen Moment schlagartig um und parierte gerade noch so einen Schwerthieb, der für sie beinahe endgültig tödlich geendet hätte. Mit einer weiteren Drehung und ihrem erhobenen Schwert wollte sie einen weiteren Ork töten, als sie plötzlich stolperte und hart auf dem Boden aufschlug.
Einer der Orks erhob sein Schwert und war drauf und dran es in ihr Herz zu bohren, doch sie hatte keine Möglichkeit sich zu verteidigen, da ihr Schwert einige Zentimeter außerhalb ihrer Reichweite lag.
Die Elbin schloss resignierend ihre Augen und erwartete den tödlichen Stoß, als sie hörte, wie der Ork neben ihr auf dem Boden aufschlug. Sie öffnete die Augen und sah ihn, von einem Pfeil durchbohrt, neben sich liegen. Dann konnte sie eine Gruppe Elben ausmachen, die sich gerade in einen verbitterten Kampf mit den Orks stürzten. Nachdem sie zu ihrem Schwert gekrochen war, versuchte sie aufzustehen, doch der Blutverlust, den sie erlitten hatte, ließ sie taumeln und wieder auf den Boden fallen. Um sie herum drehte sich alles und langsam wurde alles dunkel um sie herum.
Elrohir und Elladan sprangen von ihren Pferden und begannen die Orks mit ihren Schwertern anzugreifen. Thalion, der eine Elbin sehen konnte, die drohte, von einem Ork getötet zu werden, schoss einen Pfeil ab, der selbige Kreatur sofort tötete, nur, um gleich darauf einige weitere Pfeile abzuschießen.
In der Zwischenzeit tötete Legolas einen Ork mit seinen Kurzschwertern. Die anderen Elben, die ein Stück hinter den Vier waren, schossen Pfeile auf die Orks. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie die gesamte Gruppe vernichtet.
Als sämtliche Orks getötet worden waren, lief Thalion schnell zu der Elbin, die leblos am Boden lag, und kniete sich besorgt zu ihr hinunter.
„Hallo, könnt Ihr mich hören?", fragte er, während er nach dem Puls suchte. Schließlich fand er ihn, doch er war sehr schwach.
„Elladan, komm schnell, sie ist sehr schwach!", rief er, während er immer noch versuchte, sie zu wecken. Dieser kam auch sofort und hatte bereits Verbandsmaterial in den Händen. Nachdem Elladan sie kurz untersucht hatte, reinigte er die Wunde und verband sie. Dann blickte er beunruhigt zu den anderen.
„Wir müssen sie so schnell wie möglich nach Bruchtal bringen, sonst stirbt sie! Und es ist wichtig, dass sie das Bewusstsein zurückerlangt. Ich hoffe nur, der Blutverlust war nicht zu hoch, da die Wunde stark geblutet hat."
Noch einmal versuchte Thalion sie zu wecken: „Könnt Ihr mich hören? Wenn ja, sagt mir bitte wie Ihr heißt."
Und tatsächlich schien er Erfolg zu haben. Kurz öffnete die fremde Elbin die Augen und sah ihn an.
„Dúriel… mein Name ist Dúriel", flüsterte sie, bevor sie wieder bewusstlos wurde.
Ende Kapitel 1
Liest das hier irgendwer? Wenn nicht, brauch ich ja nicht weiter updaten...
