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Kapitel 2
Nachdem die blonde Elbin wieder das Bewusstsein verloren hatte, nahm Thalion sie behutsam auf den Arm, um sie zu seinem Pferd zu tragen. Mit Elladans Hilfe schaffte er es, aufzusitzen und sie vorsichtig vor sich zu positionieren, sodass sie keine weiteren Schmerzen erleiden musste. Auch die anderen Elben kehrten so schnell wie möglich zu ihren Pferden zurück.
„Wir müssen so schnell es geht zurück, aber wir müssen auch darauf achten, dass sich ihre Wunde nicht wieder öffnet. Schaffst du das, Thalion?", fragte Elladan besorgt.
Dieser sah zuerst Elladan an und wandte dann den Blick auf die verletzte Elbin vor ihm: „Ich muss es schaffen, wir können sie nicht einfach sterben lassen."
Die anderen nickten zustimmend und die Gruppe ritt in einem schnellen Tempo zurück nach Bruchtal. Der Regen war unterdessen immer stärker geworden und es schien als ob der Himmel über das Schicksal der blonden Elbin weinen würde.
Ihr Atem wurde immer flacher und auch ihr Herzschlag verlangsamte sich dramatisch. Da Thalion sie dicht an sich gepresst hatte, um sie so vor einem Sturz vom Pferd zu bewahren, entging auch ihm nicht, dass sich ihr Zustand mehr und mehr verschlechterte. In seiner Not wusste er sich nicht besser zu helfen und flüsterte ihr so stetig leise etwas auf Sindarin ins Ohr. In der Hoffnung, dass sie sich noch nicht ganz von ihrem Leben verabschiedet hatte.
Legolas, der nicht auf einen Verletzten Rücksicht nehmen musste und so schneller reiten konnte, war schon nach Bruchtal vorgeritten, um Elrond, einer der besten Heiler Mittelerdes, mitzuteilen, was geschehen war. Auch er machte sich Sorgen über die Verletzung der Elbin und versuchte den Herrn Bruchtals so schnell wie möglich zu informieren.
Jener dunkelhaarige Elb stand unterdessen in seinem Arbeitszimmer und blickte zum wolkenverhangenen Himmel empor. Während er beobachtete wie der Regen sich in Strömen auf die Wälder und Wiesen um Bruchtal ergoss, war Elrond ganz in seinen Gedanken versunken, sodass er das Eintreten seines blonden Beraters nicht bemerkte. Dieser beobachtete seinen Herrn und langjährigen Freund einige Zeit, bevor er ihn ansprach.
„Ich bin anscheinend heute nicht der Einzige, der, versunken in seiner eigenen Welt, in die Landschaft hinaus starrt. Was bedrückt dich, alter Freund?"
Elrond drehte sich nicht um, sondern sah weiter hinaus in den Regen: „Ich weiß es nicht, aber ich habe ein seltsames Gefühl. Als ob etwas passiert wäre. Ich mache mir Sorgen um Elladan und Elrohir. Was ist, wenn sie auf Orks treffen?"
Glorfindel schmunzelte wissend, doch schnell wurde er wieder ernst: „Beruhige dich, die beiden sind exzellente Krieger und sie reisen auch nicht alleine. Dennoch verstehe ich was du meinst. Mir kommt es auch schon eine Weile so vor, als ob etwas passiert wäre. Aber vielleicht bilden wir es uns ja auch nur ein."
„Ich hoffe nur, du hast Recht... Glaubst du sie haben einen Unterschlupf gesucht, als es anfing zu regnen?" Elrond drehte sich zu Glorfindel um und sah ihm in die Augen.
Dieser schüttelte nur lachend den Kopf: „Nein, das denke ich eher nicht. Wie ich die Zwillinge kenne, würden sie auch beim schlimmsten Unwetter noch weiter reiten und schlussendlich ein kleines Picknick machen. Erinnerst du ich noch an ihren kleinen ‚Ausflug' vor etwa zehn Jahren! Also langsam solltest du sie kennen."
„Ich denke, da muss ich dir zustimmen", meinte Elrond nur schmunzelnd und dachte lächelnd an die vielen ‚Abenteuer', die seine Söhne schon bestritten hatten.
Sie redeten noch eine Weile und bemerkten dabei nicht den blonden Elben, der sich Bruchtal rasant näherte. Auch sahen sie nicht, wie er, völlig durchnässt vom Regen, von seinem Pferd sprang und in das Gebäude hineinlief. Kurze Zeit später lief Arwen zum Arbeitszimmer ihres Vaters, klopfte kurz und öffnete die Tür.
Ihr Gesicht war blass und ihre Hände zitterten leicht, als sie sich an ihren Vater wand.
„Vater, komm schnell, es ist etwas passiert! Gerade kam Legolas angelaufen, er hat nur gemeint sie wären von Orks angegriffen worden und, dass jemand in Lebensgefahr schwebt! Ich... ich habe solche Angst, dass meinen Brüdern etwas passiert ist."
Sie hielt sich mit einer Hand krampfhaft am Türrahmen fest, sodass ihre Knöchel schon weiß hervortraten. Doch auch dies konnte ihr Zittern nicht unterbinden. Während sie erzählte was sie wusste, glitzerte es verdächtig in ihren Augen, bis sich die erste Träne ihren Weg über Arwens Wange suchte.
„Wo ist er jetzt, Arwen?", fragte Elrond. Obwohl die Sorge um seine Söhne überwog, versuchte er es sich nicht anmerken zu lassen, um seine Tochter nicht zusätzlich zu beunruhigen.
„Im Kaminzimmer, damit er sich aufwärmen kann."
„Gut, ich werde sofort hingehen und mich um alles kümmern. Und du beruhigst dich erst mal." Dann nickte er Glorfindel zu, um ihm deutlich zu machen, dass er sich um Arwen kümmern solle, bevor er sich eilig auf den Weg zum jungen Düsterwaldprinzen machte.
Die Gruppe mit der verletzten Elbin war inzwischen in Sichtweite Bruchtals angekommen, doch keiner schien sich dadurch wirklich zu beruhigen. Der Zustand der unbekannten Elbin verschlechterte sich zusehends. Elrohirs Hoffnung, dass sie überleben würde schwand mit jeder Minuten, die verstrich und in der sie ihr einfach nicht helfen konnten. Er warf einen kurzen Blick zu Thalion, doch der schüttelte nur den Kopf, um ihm zu signalisieren, dass sie noch nicht aus ihrer Bewusstlosigkeit erwacht war. Sie versuchten, trotz des mittlerweile sehr starken Regens und den vollkommen aufgeweichten Straßen, noch schneller vorwärts zu kommen. Denn jede Minute, die sie später in Bruchtal ankommen würden, könnte den Tod der Verletzten zur Folge haben.
Thalion, der immer noch nicht aufgegeben hatte und weiterhin versuchte sie davon abzuhalten dem Leben zu entsagen, konnte spüren wie die Elbin unweigerlich an Kraft verlor. Ihre Lippen begannen sich bläulich zu färben und ihre Haut hatte eine unnatürliche Blässe angenommen. Zudem blieb ihm auch nicht verborgen, dass ihr Körper immer kälter wurde.
„Wie lange brauchen wir noch?", fragte Thalion und warf Elrohir einen sorgenvollen Blick zu.
„Nicht mehr lange, Bruchtal ist ja schon in Sichtweite. Und ich denke, dass mein Vater schon alles vorbereitet. Legolas müsste inzwischen schon angekommen sein", antwortete dieser und setzte noch ein geflüstertes „Ich hoffe nur, dass es dann nicht schon zu spät ist." hinzu, was Thalion dennoch hören konnte.
Er warf einen kurzen besorgten Blick auf die leblose Frau vor ihm und schüttelte leicht den Kopf und flüsterte „Hoffentlich irrst du dich da. Es darf einfach nicht zu spät sein."
Als Elrond das Kaminzimmer betrat, sah er sofort den blonden Prinzen am Feuer stehen. Seine nassen Haare klebten an seinem Gewand und es lösten sich immer wieder kleine Wassertropfen und fielen zu Boden. Auch seine, in grün und braun gehaltene, Reisekleidung war vollkommen durchnässt, doch zeigte er kein Anzeichen darauf, dass es ihn stören würde.
Legolas schien sein Eintreten nicht bemerkt zu haben, denn als Elrond sich kurz räusperte, um den Sindar auf sich aufmerksam zu machen, zuckte er leicht zusammen, bevor er sich zu den schwarzhaarigen Elben umdrehte.
„Meine Tochter hat mich darüber informiert, dass ihr überfallen worden seid und dass jemand schwer verletzt wurde. Ich nehme an, ihr wurdet voraus geschickt um mich über alles in Kenntnis zu setzten", begann Elrond.
„Ja, ich bin vorausgeritten, doch wir wurden nicht überfallen. Ein Pferd kam vor uns auf den Weg galoppiert und es schien panisch zu sein. Als wir sahen, dass es von einem Orkpfeil verletzt wurde, sind wir in die Richtung, aus der es kam. Auf einer Lichtung konnten wir dann sehen, wie eine Horde Orks eine Elbin angriff, die gerade zusammenbrach. Nachdem wir die Orks getötet hatten, hat sich euer Sohn um sie gekümmert, doch die Verletzungen waren sehr schwer und wir beschlossen deshalb, sie hier her zu bringen."
Legolas war während seiner Erzählung immer wieder unruhig auf und ab geschritten. Elrond hingegen überlegte kurz und sah dem Jüngeren dann in die Augen.
„Könnt ihr mir genau sagen, was für Verletzungen sie hat? Dann kann ich mich besser darauf vorbereiten, sie zu behandeln."
Nach kurzem Überlegen antwortete Legolas: „Sie hat eine Stichwunde im Rücken und einen hohen Blutverlust erlitten. Ich weiß allerdings nicht wie schwer die inneren Verletzungen sind, die sie von dem Stich davongetragen hat oder ob die Schwertklinge vergiftet war, aber ich hoffe nicht. Sie war auch nur einen kurzen Moment bei Bewusstsein und ich bezweifle, dass sie während des Ritts wieder aufgewacht ist."
„Das sind keine guten Neuigkeiten. Ich werde mich sofort zu den anderen Heilern begeben und mich auf ihr Eintreffen vorbereiten. Wisst ihr, wo die Kranken und Verletzten untergebracht sind?", fragte Elrond und auf ein Nicken Legolas fuhr er fort. „Gut, veranlasst bitte, dass sie umgehend dort hingebracht wird, sobald sie eintrifft."
Dann verließ Elrond das Kaminzimmer. Er eilte durch die Gänge Bruchtals und informierte noch einen anderen Heiler über die bevorstehende Patientin. Als alles vorbereitet war, dachte er kurz darüber nach, dass er schon den ganzen Tag ein komisches Gefühl hatte und, dass nun eine verletzte Elbin nach Bruchtal kam. Aber er beschloss, dass zwischen seinen Gedanken und der Realität kein Zusammenhang bestand und verdrängte es wieder.
Unterdessen musste Glorfindel in einem anderen Teil Bruchtals eine aufgelöste dunkelhaarige Elbin beruhigen. Er nahm sie in den Arm und bald spürte er wie ihre Tränen sein Hemd durchnässten.
„Was ist, wenn es einer meiner Brüder ist? Ich habe mich noch heute Morgen mit Elladan gestritten und wenn ihm nun etwas passiert ist? Dann..." Weiter kam sie nicht, denn ein weiterer verzweifelter Schluchzer entfloh ihrer Kehle.
Glorfindel strich ihr sanft durch die Haare: „Beruhige dich doch, Arwen. Ich bin mir sicher, Elladan und Elrohir geht es gut. Und selbst wenn einer von beiden verletzt wurde, dann kann dein Vater ihnen gewiss helfen. Er ist nicht umsonst einer der besten Heiler."
„Glaubst du?", fragte sie und blickte ihn aus ihren geröteten Augen an. Dann wischte sie sich die restlichen Tränen aus dem Gesicht und drehte sich zum Fenster um, um hinaus in den Regen schauen zu können. „Ich mache mir dennoch Sorgen um sie." Auch wenn sie versuchte ruhig zu wirken, verriet ihre zitternde Stimme, wie aufgewühlt sie war.
„Daran erkennt man wie viel die beiden dir bedeuten, Arwen." Glorfindel legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Wenn du willst, können wir hinunter gehen und auf ihre Ankunft warten. Dann kannst du den beiden auch gleich um den Hals fallen und sie dafür schimpfen, dass du dich wegen ihnen sorgen musstest."
Arwen sah ihn wieder an und ein kleines Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Dann nickte sie und ging in Richtung Tür. Als Glorfindel einen Blick aus dem Fenster warf, konnte er sehen, wie sich eine Gruppe von Reitern Bruchtal näherte.
„Sie sind also schon fast hier", sagte er leise und beeilte, sich, um Arwen einzuholen.
Thalion atmete erleichtert auf, als die Gruppe Bruchtal erreichte. Jetzt musste sie nur noch kurz durchhalten, dann konnte man ihr helfen. Elladan und Elrohir waren bereits abgestiegen und nahmen ihm die Bewusstlose aus den Armen. Einige Momente später kam auch schon Legolas angelaufen, der ihnen mitteilte, das Elrond bereits alles vorbereitet hatte und sagte ihnen, wo er zu finden war. Elladan, der die blonde Elbin in den Armen hielt, brachte sie schnell zu seinem Vater.
Inzwischen war auch Arwen bei der Gruppe angekommen und sie ließ sich erleichtert in Elrohirs Arme fallen. Tränen der Erleichterung flossen ihr über die Wangen.
„Ich hatte solche Angst um dich und Elladan!", flüsterte sie gerade so laut, dass ihr Bruder es verstehen konnte.
Dieser strich ihr beruhigend über den Rücken. „Jetzt hast du ja gesehen, dass es uns gut geht, Kleine."
„Ich bin nicht klein!", protestierte sie, schmiegte sich aber noch enger in die Umarmung ihres Bruders.
„Das weiß ich doch. Wir sollten jetzt aber reingehen, es reicht, dass ich ganz nass bin, ich will nicht, dass du dich auch noch erkältest", sagte er schließlich und die beiden folgten den anderen, die bereits ins Trockene gegangen waren.
Thalion stand in der Eingangshalle und betrachtete mit sorgenvollem Blick die Blutflecken auf seinem Hemd. Während des Ritts hatte er gar nicht bemerkt, dass die Wunde der blonde Elbin immer noch so stark blutete. Viel zu tief war er in seine Gedanken versunken gewesen.
Als Elladan mit der Verletzten schließlich bei seinem Vater ankam, legte er sie sofort auf das Bett, das mit weißem Leinen bezogen war. Elrond beugte sich über sie und begann damit, sie zu untersuchen, während der andere Heiler Elladan aus dem Zimmer schob. Sie brauchten nun Ruhe, um der Elbin zu helfen.
Nach einer ersten Untersuchung und nachdem er die Wunde angeschaut hatte, atmete Elrond erleichtert auf. An der Klinge war kein Gift gewesen, was die Heilung wesentlich einfacher machte. Es waren auch keine starken Verletzungen der inneren Organe vorhanden.
Doch die Elbin hatte, wie Legolas schon erwähnt hatte, bereits viel Blut verloren und die Wunde blutete immer noch stark. Das bereitete ihm Sorgen, denn wenn sie sich nicht bald schließen würde, würde die Elbin vermutlich sterben, da der Blutverlust einfach zu hoch wäre.
Er bereitete einen Verband vor und legte einige Heilkräuter auf die Wunde. Dann wickelte er den Verband um den zierlichen Körper und versuchte sie zum Trinken zu animieren. Die Patientin musste so schnell wie möglich den Verlust des Blutes ausgleichen. Unter das Wasser, dass er ihr in einem Becher an die Lippen hielt, hatte er zusätzlich einige Kräuter gemischt, die das leichte Fieber stoppen sollten und die helfen sollten, dass der Körper wieder Blut produzierte.
Obwohl sie aus ihrer Bewusstlosigkeit nicht erwachte, trank sie einige Schlucke, bevor Elrond den Becher wieder auf den Tisch neben ihrem Bett stellte. Dann wandte er sich zu dem anderen Heiler um.
„Sie ist im Moment stabil, aber wenn sich an ihrem Zustand etwas ändern sollte, holt mich bitte umgehend. Und versucht ihr bitte immer wieder etwas zu trinken zu geben, das ist für die Heilung wichtig."
Dieser nickte nur und Elrond verließ das Krankenzimmer. Als er aus dem Zimmer heraustrat, sah er sich seinen Kindern, Glorfindel, Legolas und Thalion gegenüber.
„Ihr geht es den Umständen entsprechend, aber ich denke sie wird es schaffen. Alles, was sie braucht, ist Ruhe und viel Flüssigkeit", antwortete er auf die ungestellte Frage, die stumm in den Augen der Elben stand.
Die Anwesenden atmeten erleichtert auf. Doch noch war es nicht ausgestanden. Elrond hatte ihnen verschwiegen, dass ihre Wunde noch nicht aufgehört hatte zu bluten, und auch wenn dies passieren würde, so war er sich dennoch nicht sicher, ob die blonde Elbin wieder aufwachen würde. Alles was sie jetzt tun konnten, war abwarten und hoffen.
Ende Kapitel 2
Und, wie fandet ihr es? Ich weis ich bin gemein, dass ich noch nicht verrate ob sie es schafft... Da müsst ihr schon auf das nächste Kapitel warten.
Bibi: Danke! Mein erstes Review zu der Story! Wieso sie geflohen ist, erfährt man in den nächsten Kapiteln und was sie gemacht hat... lass dich mal überraschen!
Sandra-nasic: Noch jemand dem die Story gefällt :) Und das mit der Trennung... ich sag einfach mal, dass Arwen noch nicht bei Galadriel gelebt hat. Ich hab ja nie eine genaue Zeitangabe gemacht...
Ich würde mich über Reviews wirklich freuen! Und sie motivieren auch immer zum Schreiben...
