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Kapitel 4

In den Wochen nachdem die blonde Elbin erwacht war, besuchte Arwen sie täglich für einige Stunden, um sich mit ihr zu unterhalten. Die beiden waren sehr schnell gute Freundinnen geworden, doch Arwen hatte dennoch kaum etwas über ihre Vergangenheit heraus bekommen. Währenddessen hatten Legolas und Thalion beschlossen, noch eine Weile in Bruchtal zu bleiben und hatten ihr auch einige Besuche abgestattet. Nachdem ihre Verletzungen vollständig verheilt waren und Elrond ihr endlich erlaubt hatte, das Krankenzimmer zu verlassen, versuchte Arwen ihre blonde Freundin dazu zu überreden, noch in Bruchtal zu bleiben.

Die beiden spazierten kurz nach Sonnenaufgang durch die Gärten Bruchtals und lauschten den Gesängen der Vögel, die den neuen Tag begrüßten. Langsam verdunstete der Tau auf den Grashalmen, über die sie schritten, und die Blumen am Wegesrand öffneten langsam ihre Kelche.

Arwen hob ihr Kleid leicht an und sah erwartungsvoll zu ihrer Begleiterin.

„Komm, wir machen ein Wettrennen bis zum Bach. Wer zuletzt ankommt, ist eine lahme Ente!" Dann fing sie an zu grinsen und lief los.

Die Blonde schüttelte nur leicht den Kopf, bevor sie ihr hinterher lief. Gleichzeitig kamen sie schließlich am Wasser an und setzten sich auf eine Bank. Arwen schaute einige Momente gedankenverloren in den murmelnden und plätschernden Bach, bevor sie sich mit einem etwas ernsteren Ausdruck als zuvor an ihre Freundin wandte.

„Du hast mir immer noch nicht erzählt, wo du eigentlich herkommst."

„Ich... es ist doch nicht so wichtig", sagte die blonde Elbin und wandte ihren Blick ab.

„Doch, es ist wichtig. Oder ist es etwa so ein großes Geheimnis? Du hast mir fast gar nichts über deine Vergangenheit erzählt, aber du weißt alles über mich. Bitte erzähl es mir doch!" Arwen sah die andere mit flehendem Blick an, doch diese sah immer noch nicht zu ihr.

„Wir sollten besser wieder zurückgehen. Hattest du nicht gesagt, dass dein Vater dich sprechen wollte? Du solltest ihn nicht warten lassen." Dann stand ihre Freundin auf und lief zurück zu ihrem Zimmer.

Arwen sah ihr noch eine Weile nach, bevor auch sie sich auf den Weg zurück machte. Während sie langsam durch den Garten ging, ließ sie sich noch einmal alle Gespräche mit ihrer neuen Freundin durch den Kopf gehen. Sie war ihr ständig ausgewichen, wenn Arwen etwas über ihre Herkunft wissen wollte und außerdem schien Dúriel auch ihrem Vater auszuweichen. Kannte er sie etwa? Arwen hatte einige Male gesehen, wie Elrond die blonde Elbin angesehen hatte, doch sie war sich nicht sicher, ob in seinen Augen eine Erinnerung an ihre Freundin zu lesen war. Und als sie einmal zusammen im Garten spazieren waren und ihnen ihr Vater, Glorfindel, Legolas und Thalion entgegen gekommen waren, war sie fast geflüchtet.

„Ich werde schon noch herausfinden, was du mir verheimlichst, Dúriel. Du wirst schon noch sehen..."


Die Sonne hatte sich bereits seit einigen Stunden über die Baumwipfel erhoben, als Edrahil auf seiner Stute aus den Grenzen des Golden Waldes Lothlorien ritt. Er hatte sich gerade erst von seinen Freunden verabschiedet, dennoch fing er bereits an, sie zu vermissen. Vor allem, wenn er daran dachte, seine Verlobte für einige Monate alleine zu lassen, zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen. Aber er freute sich auch seine Heimat endlich wieder zu sehen. Zu lange schon hatte er sie nicht gesehen. Dies machte den Abschied leichter.

Er drehte sich noch einmal um und flüsterte „Ich komme bald zurück!" in den Wind, dann machte er sich lächelnd auf den Weg nach Bruchtal.


Es waren bereits einige Stunden vergangen, seit Legolas Thalion das letzte Mal gesehen hatte. Nachdem er bereits in den Ställen, im Garten, wo ihm Arwen, vollkommen in Gedanken versunken, über den Weg gelaufen war, und auf dem Trainingsplatz nach seinem Berater und Freund gesucht hatte, beschloss er nun zu dessen Zimmer zu gehen. Thalion sah es zwar nicht ähnlich, sich drinnen aufzuhalten, wenn er nicht musste, doch Legolas wusste einfach nicht, wo er sonst noch nachsehen sollte. Als er in einen anderen Gang einbog, passte er nicht auf und lief in eine zierliche Gestalt hinein, die dadurch stolperte und zu Boden fiel.

„Verzeiht mir, ich hatte Euch nicht gesehen, Dúriel", sagte Legolas und half der blonden Elbin beim Aufstehen.

„Das macht nichts, ich vertrage einiges", antwortete diese und schenkte Legolas ein Lächeln. „Wenn ihr mich nun entschuldigen würdet, ich wollte noch in die Bibliothek gehen."

„Dann will ich euch nicht aufhalten. Wir sehen uns doch heute Abend beim Essen, oder?"

Die Elbin sah für einige Momente etwas ängstlich aus, doch sie überspielte es. „Natürlich. Bis heute Abend", sagte sie, bevor sie sich weiter auf den Weg machte.

Legolas sah ihr kurz nach. Sie schien vor etwas Angst zu haben, doch er konnte nicht erkennen, woran es lag. Vielleicht war sie auch einfach noch etwas mitgenommen von dem Angriff vor einigen Wochen. Er schüttelte den Kopf und ging weiter in Richtung von Thalions Zimmer. Dort angekommen, klopfte er einmal, bevor er die Tür öffnete und eintrat. Zuerst konnte Legolas seinen Freund nicht sehen, doch dann warf er einen Blick auf den Balkon. Thalion saß auf der Brüstung und sah in den Garten hinunter.

„Ganz in Gedanken versunken, mein Freund?", fragte Legolas, der sich hinter seinen Berater gestellt hatte. Thalion wäre vor Schreck beinahe vom Balkon gefallen, hätte Legolas ihn nicht am Arm festgehalten. „Sei vorsichtig, ich brauche dich schließlich noch!", meinte er dann lachend.

„Bei Eru, hast du mich erschreckt! Mach das nie wieder!", sagte Thalion gespielt empört und stellte sich neben den Düsterwaldprinz und sah weiter in den Garten hinunter.

„Warst du in Gedanken versunken?"

„Ja, wie hast du das bloß bemerkt?"

Grinsend sah Legolas zu seinem Freund. „Hängen diese Gedanken zufällig mit einer blonden Schönheit zusammen, die du erst seit einigen Wochen kennst?"

Auf Thalions Wangen breitete sich ein leichter Rotschimmer aus. „Wie kommst du den auf den Gedanken? Wieso sollte ich an Dúriel denken?"

„Du gibst es also zu."

„Nein, ich...", resignierend seufzte er auf, „Ach, es hat keinen Sinn es zu leugnen, du kennst mich einfach zu gut."

„Nein, das hat es tatsächlich nicht. Und kannst du mir sagen, wieso du nicht zu mir gekommen bist? Wir wollten doch noch einige Briefe von meinem Vater durchsehen."

„Oh, weißt du, ich wollte ja kommen, aber dann habe ich Dúriel und Arwen im Garten herumlaufen gesehen und habe unser Treffen ganz vergessen...", antwortete der blonde Tawarwaith leicht verlegen.

„Ich verstehe... Aber wir sollten damit jetzt anfangen, sonst werden wir nie fertig oder mein Vater verlangt von uns zurückzukommen, und ich gehe mal davon aus, dass du nicht darauf bestehst, oder!", fragte Legolas leicht lächelnd.

„Im Moment nicht. Komm, wenn wir gleich anfangen, sind wir auch schneller fertig!"

„Und ich denke, ich weiß was du dann vorhast." Legolas sah zu Thalion und ging dann aus dessen Zimmer auf den Gang hinaus. „Sie ist übrigens gerade in die Bibliothek gegangen, vielleicht triffst du sie ja später noch..."


Die blonde Elbin saß an einem Fenster in der Bibliothek und hatte ein aufgeschlagenes Buch auf ihrem Schoß liegen, doch ihre Aufmerksamkeit war in die Ferne gerichtet. Sie war schon viel zu lange in Bruchtal und sie wusste, dass sie bald weiterziehen musste. Jedes Mal, wenn sie einige Zeit an einem Ort verweilte, spürte sie den Drang wegzulaufen, auch wenn es schwer war. Und obwohl die Erinnerungen, die sie mit Bruchtal verband, so sehr schmerzten, fühlte sie sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder zu Hause.

Arwen war ihr gegenüber so herzlich und vertrauensvoll und auch sie hatte das Gefühl eine wahre Freundin gefunden zu haben. Und es fühlte sich gut an, mit jemandem sprechen zu können, der auch antworten konnte. Morgenlicht war keine sehr gute Gesprächspartnerin.

Die Erinnerungen konnte sie jedoch nicht mit ihr teilen, das konnte sie mit niemandem. Sie fühlte sich besser, wenn sie allen Schmerz tief in ihrem Herzen einschloss und ihn einfach nicht mehr beachtete.

Wie lange war es eigentlich her, dass sie so lange Zeit an einem Ort geblieben war? Einige Jahrzehnte mit Sicherheit. Damals war sie für einen Monat in Lothlorien gewesen, bevor... Nein, darüber wollte sie nicht nachdenken. Es war ihr damals schon schwer genug gefallen, zu gehen.

Vielleicht sollte sie mal wieder diese kleine elbische Siedlung in Gondor besuchen gehen, dort war sie schon seit einigen Jahrhunderten nicht mehr gewesen und vermutlich würde sie dort niemand erkennen. Sie wusste, dass Elrond sich vermutlich bald wieder erinnern würde, doch bevor dies geschah, müsste sie schon wieder weg sein. Arwen würde dies zwar traurig stimmen, doch es war besser so. Die Vergangenheit sollte man ruhen lassen.

Es war bis jetzt erst einmal vorgekommen, dass jemand die blonde Elbin erkannt hatte. Dies war in Lothlorien geschehen, doch Lady Galadriel hatte ihr versprochen, es niemandem zu sagen. Sie hatte ihre Gründe verstanden.

Die ansteigende Sonne strahlte ihr mittlerweile in die Augen und die Elbin musste blinzeln. Wie lange saß sie nun schon hier und grübelte? Schon viel zu lange! Sie sollte sich besser darauf vorbereiten bald aus Bruchtal zu verschwinden.


Die Sonne begann bereits wieder zu sinken, doch Edrahil wollte keine Rast einlegen. Wenn er dieses Tempo beibehalten würde, wäre er am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang in Bruchtal. Er hatte das Gefühl es wäre wichtig, möglichst schnell dort anzukommen und so hatte er nur einige kurze Pausen eingelegt, um sein Pferd nicht zu überanstrengen.

Bald schon würde er seine alten Freunde wieder sehen und das spornte ihn zusätzlich an. Seit er nach Lorien gegangen war und seine Verlobte Anarya kennen gelernt hatte, war er nicht mehr in Bruchtal gewesen. Zwar war er ein wenig betrübt deswegen, doch jede Minute, die er dafür mit seiner Geliebten verbringen konnte, entschädigte ihn dafür. Doch es war mal wieder an der Zeit zurück zu kehren und er musste auch allen von seiner Verlobung berichten. So etwas wollte er lieber persönlich und nicht durch Briefe machen.

Der dunkelhaarige Elb grinste kurz. Wie würden wohl alle reagieren, wenn er plötzlich auftauchen würde? Er hatte ‚vergessen' in seinem letzten Brief seine Rückkehr zu erwähnen. Arwen wäre vermutlich zuerst froh, ihn zu sehen, dann sauer, weil er sie so lange nicht besucht hatte, und wenn sie erst von seiner Verlobung erfahren würde... Nun, er hoffte, dass sie ihm bei ihrer Umarmung keine Rippen brechen würde.


Arwen war langweilig. Seit dem Gespräch am Morgen hatte sie ihre Freundin nicht mehr gesehen und ihre Brüder waren trainieren und sie durfte nicht mitmachen. Sie war sich sicher, dass es daran lag, dass die beiden nicht von ihrer jüngeren Schwester im Bogenschießen besiegt werden wollten. Seit sie es einmal geschafft hatte, ließen sie sie nicht mehr mittrainieren. Die dunkelhaarige Elbin schüttelte den Kopf. Männer! Nur weil sie einmal aus Zufall besser gewesen war.

Vielleicht sollte sie Dúriel suchen gehen und Elladan und Elrohir einen Besuch abstatten. Sie hatte einmal mit ihr trainiert und ihre blonde Freundin hatte jedes Mal in die Mitte der Zielscheibe getroffen. Arwen grinste, so konnte sie es ihren Brüdern heimzahlen, dass sie nicht mehr mit ihr üben wollten. Jetzt musste sie Dúriel nur noch finden...


Die blonde Elbin kam gerade aus der Küche und hatte einige Vorräte eingepackt. Nach einigem Überlegen hatte sie beschlossen, am nächsten Morgen kurz nach Sonnenaufgang wegzureiten. Es durfte nur niemand bemerken was sie vorhatte, das wäre zu verdächtig. Und sie würde einen Brief für Arwen zurücklassen, in dem stehen würde, sie müsse zurück zu ihrer Familie, damit niemand nach ihr suchen würde.

Nachdem sie in ihrem Zimmer angekommen war, verstaute sie das Essen und die Wasserschläuche in ihrer Satteltasche, die neben ihrem Bett lag. Dann legte sie noch eine Decke darüber, damit niemand, der zufällig in ihr Zimmer kommen sollte, etwas bemerken würde. Kaum war sie damit fertig und hatte sich in einen Sessel gesetzt, klopfte es an der Tür.

„Herein!", rief die blonde Elbin und sah dann, wie Arwen in ihr Zimmer kam.

„Hier hast du dich also verkrochen, ich hab schon überall nach dir gesucht!"

„Wirklich?"

„Nein, aber es hätte ja sein können", antwortete Arwen grinsend. „Kommst du mit zum Trainingsplatz? Elladan und Elrohir wollen mich mal wieder nicht mitmachen lassen."

„Und da hast du dir gedacht, ich soll ihnen zeigen was ich kann."

„Woher wusstest du das bloß? Ich dachte, ich wäre diskret vorgegangen!", sagte Arwen mit einem gespielten Seufzen.

„Nun, ich habe dich in den letzten Wochen gut genug kennen gelernt, um zu wissen wie du denkst. Hmm, dann sollte ich wohl meinen Bogen mitnehmen, oder?"

Arwen nickte zur Antwort begeistert mit dem Kopf, bevor sie ihre Freundin an der Hand nahm und sie aus dem Zimmer schleifte. Die Blonde hatte gerade noch genug Zeit sich ihren Bogen und ihren Köcher mit den Pfeilen zu nehmen. Einige Minuten später kamen die beiden am Trainingsplatz an, wo sich auch schon Arwens Brüder, Legolas und Thalion befanden.


Elrond und Glorfindel saßen in Elronds Büro und unterhielten sich, während die Arwen die Schießkünste ihrer Freundin nutzte, um sich an ihren Brüdern zu rächen. Das Fenster in seinem Büro lag so, dass man den Trainingsplatz sehen konnte, doch die beiden schauten nicht heraus.

„Ich bin froh, dass es Dúriel wieder besser geht. Und sie hat sich auch mit Arwen angefreundet, was meine Tochter davon abhält, Unsinn zu machen", sagte Elrond bevor er sich eine Tasse Tee einschenkte.

„Das denke ich nicht. Sie wird nur immer besser darin, nicht erwischt zu werden", gab Glorfindel zurück.

„Denkst du? Bei Eru, ich hoffe nicht! Das würde ich nicht aushalten. Die Zwillinge waren früher schon schlimm genug."

„Aber du musst bedenken, dass Arwen sich zum Teil auch viel erwachsener verhält als die beiden, also mach dir deswegen keine Sorgen. Deine Tochter würde nie auf die Idee kommen, die Getränke beim Abendessen mit einigen Zusätzen zu versehen."

„Bitte erinnere mich nicht daran! Zum Glück haben wir es rechtzeitig bemerkt, ich frage mich immer noch wie die beiden an diese Pilze gekommen sind." Elrond schüttelte bei dieser Erinnerung leicht den Kopf.

„Das werden wir wohl nie herausbekommen, mein Freund..." Glorfindel sah aus dem Fenster und musste bei der Erinnerung schmunzeln. Als die Zwillinge jünger waren, hatten sie eines Abends zerriebene halluzinogene Pilze in die Getränke getan, und das hatten sie nur zufällig herausbekommen. Glücklicherweise hatte noch niemand etwas von den präparierten Getränken genommen. Die beiden hatten danach einen Monat lang Zimmerarrest bekommen.

Glorfindels Blick fiel auf die sechs Personen, die sich gerade auf dem Trainingsplatz befanden, und er verschluckte sich an seinem Tee. Das konnte doch nicht sein...

Ende Kapitel 4


Bibi: Du glaubst es nicht? Vielleicht haben dich die Hinweise diesesmal ja vom Gegenteil überzeugt... Naja, irgendwann wird es ja herauskommen. ;) Und es freut mich, dass dir mein Stil so gut gefällt. Du kannst mich ruhig auch weiterhin zulabern, das macht mir überhaupt nichts aus.

Ich hoffe ich bekomme jetzt fleißig Reviews! Das steigert immer meine Fähigkeit zu schreiben... :) Das nächste Kapitel ist übrigens schon halb geschreiben...