Disclaimer: Mir gehören leider keine der bekannten Orte und Personen...

Das Kapitel kam jetzt hoffentlich schnell genug, das nächste schreibe ich auch schon. Also wird es auch nicht allzu lange dauern, bis ich es hochladen kann. Ich hoffe es gefällt euch!

Viel Spaß beim Lesen.

Und auch vielen Dank an meine Beta!


Kapitel 6

Es dämmerte noch nicht einmal, als die blonde Elbin aus ihren Träumen erwachte. Leise, damit niemand etwas mitbekam, zog sie ihre Lederhose und ihr Leinenhemd über, bevor sie in ihre kniehohen Stiefel schlüpfte. Sie steckte sich noch einen Dolch in den linken Stiefel, band sich ihr Schwert um und nahm danach ihr Gepäck. Abschließend legte sie noch einen Brief für Arwen auf den Schreibtisch, bevor sie sich noch einmal vergewisserte, dass sie auch nichts vergessen hatte.

Dann ging sie zur Tür, öffnete diese leise und versicherte sich, dass niemand auf dem Gang war, bevor sie durch die Tür schlüpfte und sich auf zum Stall machte, in dem ihre Stute Morgenlicht auf sie wartete. In den Gängen begegnete ihr, wie erwartet, niemand und sie hörte auch nichts außer den Vögeln und dem leisen Rauschen des Windes. Als sie den Platz zum Stall überquerte, bemerkte sie allerdings nicht die Person, die sie dabei von einem Balkon aus beobachtete.

Im Stall angekommen, streichelte sie erst einmal Morgenlicht und gab ihr eine Karotte zu fressen. Sie besah sich das Bein, das während des Orkangriffes verletzt worden war, doch es war nur eine Narbe zurückgeblieben, die man kaum sehen konnte.

„Na, meine Schöne, in letzter Zeit habe ich dich ganz schön vernachlässigt, aber jetzt werden wir wieder aufbrechen. Dann hast du mich wieder ganz für dich", sagte sie und ihre Stimme klang dabei leicht traurig.

Die Stute stupste sie leicht mit der Schnauze an. „Ich weiß schon, du wirst den Stall vermissen, vor allem, wenn es wieder anfängt tagelang zu regnen, aber wir müssen wirklich gehen. Du weißt doch, dass ich nicht zu lange an einem Ort bleiben kann. Vor allem nicht hier in Bruchtal! Irgendwann würden sie es herausfinden, und ich kann mich dem nicht stellen."

Dann lief sie zu dem Nebenraum, in dem alles aufbewahrt wurde, und suchte ihren Sattel und ihr Zaumzeug heraus. Nachdem sie beides gefunden hatte, ging sie zurück zu Morgenlicht und legte ihr den Sattel auf den Rücken. Sie war ganz in Gedanken versunken, als sie die einzelnen Schnallen schloss, sodass sie nicht bemerkte, wie jemand in den Stall kam und hinter sie trat. Als sie dann die ihr vertraute Stimme vernahm, zuckte sie vor Schreck zusammen.


Als die Sonne langsam über die Baumwipfel stieg, stand Glorfindel immer noch auf seinem Balkon. Die ganze Nacht hatte er nicht schlafen können und immer nur über den vergangenen Tag nachgedacht und sich gefragt ob es wirklich seine Tochter war. In dieser Zeit waren seine Zweifel immer stärker geworden, doch ganz wollte er die Hoffnung noch nicht aufgeben. Immerhin hatte er noch nicht mit der blonden Elbin gesprochen, sondern sie nur einen kurzen Moment aus der Ferne gesehen. Aber dadurch konnte er sich auch täuschen, vielleicht wünschte er sich nur so sehr Silawen wieder zu sehen, dass er sich alles nur einbildete? Aber das würde er ja herausfinden, sobald er mit ihr geredet hatte.

Hatte er gerade eine Tür ins Schloss fallen hören? So früh war doch normalerweise noch niemand wach. Wenn nicht eine Reisegruppe erwartet wurde oder jemand von Bruchtal aufbrach, begegnete man um diese Tageszeit gewöhnlich noch niemandem. Glorfindel sah sich um und konnte unten auf dem Hof die junge Elbin sehen, die er gestern nicht gesehen hatte. Doch wieso lief sie zu so früher Stunde zum Stall? Wollte sie Ausreiten, das konnte sie doch auch später machen. Und sie hatte auch ihre Satteltaschen dabei, hatte sie etwa vor zu gehen, ohne jemandem Bescheid zu sagen? Er jedenfalls wusste nichts davon, dass sie geplant hatte, weg zu reiten und Elrond hatte am Abend vorher auch nichts erwähnt.

Glorfindel drehte sich um und ging auf den Gang hinaus. Das konnte er nicht zulassen, er musste mit ihr sprechen und sich sicher sein, ob sie es war oder nicht! Schnell lief er die Gänge entlang und als er schließlich die Ställe erreichte, blieb er erst einmal atemlos stehen. Sie stand mit dem Rücken zu ihm, und unterhielt sich mit jemandem, den er nicht sehen konnte. Die Unterhaltung konnte er nicht verstehen, da die beiden zu weit von ihm entfernt waren, und sie schienen ihn auch nicht zu bemerken. Er stand eine Weile einfach nur da, ohne sich bemerkbar zu machen, doch als die Tür hinter ihm zuschlug, drehte sich die blonde Elbin erschrocken um. Als Glorfindel in ihr Gesicht sah, war er sich sicher: Sie konnte niemand anderes sein!

Er stand wie gelähmt an der Tür und ein geflüstertes „Silawen" war das Einzige, was seine Lippen verließ.


Endlich war Bruchtal in Sichtweite! Edrahil hatte immer das Gefühl nach Hause zu kommen, wenn er den von Bäumen gesäumten Weg nach Bruchtal entlang ritt, auch wenn er jetzt in Lorien zu Hause war. Es war noch sehr früh und er bezweifelte, dass schon jemand auf war. Vielleicht waren die Zwillinge noch wach, wenn sie gestern noch gefeiert hatten, aber dann wären sie jetzt nicht mehr ansprechbar. Er musste schmunzeln, als er an einige dieser Feiern zurückdachte, die er zusammen mit den beiden hatte stattfinden lassen.

Als er schließlich an den Ställen ankam, stieg er von seiner Stute ab und führte sie am Zügel in den Stall. Doch als er durch die Tür trat, sah er einen bekannten Blondschopf ihr Pferd satteln. Das konnte doch nicht wahr sein! Was machte sie denn hier? Sie hatte sich doch vorgenommen, niemals wieder nach Bruchtal zu gehen.

Er führte seine Stute in eine der Boxen, lehnte sich an die Wand und fragte sie gelassen: „Treffen wir uns eigentlich immer nur, wenn du gerade mal wieder davonläufst?"

Sie zuckte zusammen und drehte sich dann zu dem Elben um. „Was machst du denn hier? Ich dachte, du bleibst in Lothlorien?"

„Ich wollte mal wieder alle besuchen, aber die Frage sollte doch eher lauten, was du hier machst. Immerhin wolltest du nicht mehr zurückkommen. Das hattest du mir sehr deutlich gesagt, als wir uns in Lorien das letzte Mal gesehen haben."

„Nun, ich hatte keine andere Wahl, ich wurde in einem Kampf schwer verletzt, und Thalion, Legolas, Elladan, Elrohir und einige andere haben mich gefunden und hierher gebracht, damit sich Elrond um meine Wunden kümmern kann. Jetzt bin ich aber wieder gesund und muss weiter."

Edrahil seufzte. „Ich vermute mal, dass du niemandem Bescheid gesagt hast und jetzt wieder alleine los willst. Du brauchst nicht zu antworten, ich kann es an deinem schuldbewussten Blick erkennen."

„Aber ich habe doch keine andere Möglichkeit!", verteidigte sich die blonde Elbin.

„Natürlich hast du die!" Edrahil schüttelte resignierend den Kopf. „Aber du warst schon immer viel zu stur, um das einzusehen. Wieso bleibst du nicht einfach hier? Es geht dir hier doch gut."

Daraufhin schüttelte sie nur den Kopf.

„Ich habe dir ja auch schon angeboten, bei mir in Lothlorien zu bleiben, aber das willst du ja auch nicht. Du solltest aber langsam einsehen, dass du nicht weiterhin alleine durch Mittelerde ziehen kannst. Das ist einfach zu gefährlich! Wenn man dich jetzt nicht gefunden hätte, wärst du gestorben, oder hättest du deine Wunden selber heilen können?"

„Das hätte ich schon irgendwie geschafft! Nun, vielleicht auch nicht, aber das ist nicht der Punkt. Und wenn schon, dann ist es eben manchmal gefährlich, aber hier in Bruchtal oder in Lorien kann ich genauso gut irgendwo eine Treppe herunterfallen und mir den Hals brechen. Ich sehe da keinen Unterschied!"

„Ich will doch nur, dass es dir gut geht und ich sorge mich doch um dich, wenn du ganz alleine unterwegs bist", sagte Edrahil resignierend. „Vermutlich werde ich dir das hier auch nicht ausreden können, oder?"

Die blonde Elbin lächelte. „Nein, das weißt du doch. Wann konntest du mir schon einmal etwas ausreden? Aber bitte sag niemandem, dass du mich hier gesehen hast. Sie werden dann alle vermuten, dass ich schon viel früher weg geritten bin."

„Natürlich verrate ich dich nicht. Aber du weißt was ich davon halte, dass du andauernd wegläufst."

„Ja, das weiß ich und..." doch sie wurde von der zufallenden Tür unterbrochen. Erschrocken drehte sie sich um und konnte am Eingang Glorfindel stehen sehen. Dann vernahm sie ein geflüstertes „Silawen".


Arwen konnte nicht länger Schlafen. Es war ungewöhnlich für sie, schon um diese Tageszeit aufzuwachen, doch etwas ließ ihr einfach keine Ruhe. Sie wollte unbedingt wissen, was passiert war, nachdem ihre blonde Freundin am Vortag mit Thalion in den Gärten verschwunden war. Leider hatte sie Dúriel am Abend nicht mehr angetroffen und deswegen wollte sie gleich in der Früh mit ihr darüber reden.

Deswegen sprang sie beinahe aus dem Bett und begann sich gut gelaunt für den Tag fertig zu machen. Sie hoffte nur, dass ihre Freundin nicht allzu sauer sein würde, wenn sie sie um diese Zeit wecken würde. Aber Arwen war einfach zu neugierig, um noch länger zu warten. Nachdem sie schließlich die letzten Bänder an ihrem Kleid äußerst aufwendig geschlossen hatte (heute verfluchte sie die Tatsache, dass sie niemals Hasen und Hemden trug, da es wesentlich länger dauerte Kleider anzuziehen) lief sie aus ihrem Zimmer, rannte den Gang entlang und blieb vor dem Zimmer der blonden Elbin stehen. Dann lauschte sie kurz, doch sie konnte kein Geräusch aus dem Zimmer wahrnehmen.

„Bitte, bitte, sei nicht sauer auf mich und erzähl mir alles", sagte sie leise zu sich selbst, als sie an die Tür klopfte. Als jedoch niemand aufmachte, klopfte sie noch einmal, dieses Mal aber etwas lauter.

„Dúriel? Dúriel, bitte mach auf, ich bin es, Arwen. Ich muss unbedingt mit dir reden! Schlafen kannst du auch nachher noch!" Doch als sie auch dieses Mal keine Reaktion erhielt, machte sie einfach die Tür auf und betrat das Zimmer.

„Komm schon, steh auf und..." Arwen bemerkte, dass ihre Freundin nicht im Bett lag, und auch im angrenzenden Badezimmer konnte sie Dúriel nicht finden. Als sie sich jedoch noch einmal im Zimmer umsah, fiel ihr Blick auf einen Briefumschlag, der auf dem Schreibtisch lag.

Neugierig wie sie war, ging sie zum Schreibtisch und bemerkte zu ihrem Erstaunen, dass der Brief an sie adressiert war. Sie öffnete den Umschlag, holte den Bogen heraus und las den Brief.

Meine liebe Freundin,

wenn du diesen Brief erhältst, bin ich schon nicht mehr in Bruchtal. Ich habe dir nicht früher gesagt, dass ich fort gehen werde, weil ich wusste, du würdest versuchen, mich daran zu hindern. Oder du hättest mich versucht, dazu zu überreden, dich auf meine Reise mitzunehmen. Das hätte aber dein Vater niemals erlaubt und auch ich hätte dich dieser Gefahr niemals ausgesetzt. Ich kann jedoch nicht anders als fort zu gehen, und vielleicht kann ich dir auch irgendwann sagen wieso.

Ich möchte dir auch versichern, dass die Zeit, die ich hier verbracht habe, wundervoll war und eine schöne Abwechslung dazu, immer nur durch die Wildnis zu streifen. Endlich hatte ich mal wieder jemanden, mit dem ich mich wirklich unterhalten und richtig lachen konnte. Auf meiner Reise werde ich dich vermissen und vielleicht komme ich irgendwann einmal vorbei, um dich zu besuchen, also üb schon fleißig das Zielschießen, dann kannst du mich irgendwann besiegen. Und ärgere deine Brüder nicht zu sehr, auch wenn sie es manchmal verdient haben. Aber gegen dich haben sie doch sowieso keine Chance, also schon sie mal ein wenig.

Bitte versuche auch nicht, mir nachzureiten oder mich zu suchen, du würdest mich nicht finden, damit habe ich schon sehr viel Erfahrung, glaub mir. Ich habe seit über 800 Jahren niemals viel Zeit an einem Ort verbracht und bin sehr gut darin, meine Spuren zu verwischen. Aber das hast du ja bei unseren Waldspaziergängen gemerkt. Erinnerst du dich daran, wie du dich einmal so sehr erschreckt hast, als ich plötzlich hinter dir stand, dass du in den See gefallen bist? Dein Gesicht hättest du sehen sollen, das war so komisch. Seit ich diesen Brief angefangen habe, muss ich immer wieder daran denken, aber ich fange an, abzuschweifen. Wie ich eben schon gesagt habe, suche nicht nach mir, es würde sowieso nichts bringen.

Bitte sag auch allen, dass es mir leid tut, gegangen zu sein ohne mich zu verabschieden, aber es ging nicht anders. Ich werde die Zeit hier nie vergessen und ich hoffe, dass du mir mein Verschwinden verzeihen kannst.

Liebe Grüße

Dúriel

Nachdem sie den Brief zu Ende gelesen hatte, ließ Arwen ihn erschrocken fallen. Ihre Freundin war ohne ein Wort zu sagen einfach von Bruchtal aufgebrochen und hatte nur einen Brief hinterlassen? Was sollte sie denn jetzt nur machen? Sie musste sie auf jeden Fall suchen gehen, doch ganz alleine konnte sie das nicht tun. Dann hob sie den Brief wieder auf und lief schnell zu den Zimmern ihrer Brüder. Dort angekommen, klopfte sie kräftig gegen beide Türen, damit die beiden aufwachten.

„Elladan, Elrohir, schnell ihr müsst aufwachen! Bitte! Es ist was passiert!"

Nur kurze Zeit später öffnete sich eine der Türen und Elladan sah seine kleine Schwester verschlafen an. Er hatte ganz verstrubbelte Haare und sah so aus, als wäre er erst vor ein paar Stunden ins Bett gegangen.

„Was ist denn los, dass du um diese Zeit schon so einen Radau machst, Schwesterlein?", fragte er, während er ein Gähnen unterdrückte. „Wenn du so früh schon auf den Beinen bist, muss es ja etwas Wichtiges sein." Elrohir, der auch aus seinem Zimmer gekommen war, nickte nur und sah seine Schwester erwartend an.

„Also, ich war in meinem Zimmer und wollte mit Dúriel sprechen. Ich hab mich dann angezogen und das Kleid hat mich mit seinen vielen Bändern mal wieder genervt, wie jedes Mal, wenn ich es eilig hab. Irgendwann zieh ich mal eine Hose und ein Hemd an, das ist sowieso viel praktischer! Aber egal, ich bin dann zu ihrem Zimmer gelaufen und hab erstmal gehorcht, ob sie wach ist, war sie aber nicht. Deswegen hab ich dann geklopft und..."

„Erzähl uns am besten die Kurzfassung, sonst sind wir heute Abend noch nicht fertig!", fiel ihr Elrohir ins Wort. Die Zwillinge kannten die Angewohnheit ihrer Schwester, alles bis ins kleinste Detail zu erzählen. Damit ging sie ihnen, oft absichtlich, ziemlich auf die Nerven.

Arwen schaute ihn kurz böse an, doch dann erwiderte sie nur: „Dúriel ist weg und hat mir nur diesen Brief dagelassen!"

Sie zeigte den Brief ihren Brüdern, die ihn sich kurz durchlasen und dann in ihre Zimmer zurückliefen, um sich anzuziehen. Als die beiden nach kurzer Zeit wieder bei ihrer Schwester waren, sagte Elladan: „Hast du schon bei den Ställen nachgeschaut, ob sie bereits weg ist? Vielleicht hast du sie ja nur knapp verpasst und sie ist noch gar nicht fort. Ich glaube nämlich nicht, dass sie mitten in der Nacht los geritten ist und gestern Abend war sie noch hier."

„Wieso hast du das nicht schon früher gesagt? Dann hätte ich das schon machen können!", warf Arwen ihrem Bruder vor, bevor sie losrannte. Die Zwillinge schüttelten nur den Kopf und folgten ihr.

Ende Kapitel 6


Liderphin: Ich habe dich verwirrt? Ich hoffe, ich verwirre dich nicht zu sehr... Und deine Vermutung, hast du nun mehr erfahren? Ich hoffe das Kapitel hat dir gefallen.

Narwain-01: Also du kennst es ja eh schon, aber falls du wieder vorbeischauen solltest, wollte ich dir nur kurz sagen, dass ich das 7. Kapitel grad schreibe...

Bekomme ich ein paar Kommis von euch? Das hilft mir immer beim Schreiben...