Disclaimer: Die bekannten Personen und Orte gehören alle Tolkien! Leider nicht mir...

Vielen Dank an meine Beta Narwain. Du bist die Beste!

Und nun, viel Spaß beim Lesen!


Kapitel 10

Die Morgensonne strahlte ihr ins Gesicht und Arwen zog ihre Decke ein Stück höher, um sich darunter zu verkriechen. Wieso musste die Sonne auch so hell scheinen? Und die Vögel erst! Könnten sie nicht wo anders singen als direkt vor dem Fenster, damit sie noch etwas schlafen konnte? War das denn zuviel verlangt?

Doch dann fiel es Arwen wieder ein. Ihre Freundin war weggelaufen und heute wollten sie los, um sie zu suchen! Schnell warf die dunkelhaarige Elbin ihre Decke beiseite, sprang aus ihrem Bett und lief ins Badezimmer. Nachdem sie gewaschen und angezogen war, lief sie hinunter zum Hof, wobei sie noch einen kurzen Halt bei der Küche machte, um sich einen Apfel zum Frühstück zu holen.

Als sie auf dem Hof ankam, standen dort bereits etwa ein Dutzend gesattelter Pferde. Legolas unterhielt sich gerade mit Elrohir, Edrahil und Glorfindel und Elrond gab einigen Elben, die die Truppe ebenfalls begleiteten, Anweisungen. Elladan, der gerade bei seinem Pferd stand und diesem eine Karotte gab, bemerkte seine jüngere Schwester und kam auf sie zu. Wie so oft hatte sie mal wieder ihre Unschuldsmiene aufgesetzt.

„Du hast also doch noch nicht aufgegeben, Arwen."

„Ich weiß nicht, was du damit meinst, Elladan", gab sie zur Antwort und biss danach ein Stück ihres Apfels ab.

„Denkst du etwa ich bin blöd?" Er grinste seine Schwester an, die gerade den Mund öffnen wollte. „Nein, darauf musst du keine Antwort geben! Ich kann mir schon denken, was du sagen willst. Und ich sehe doch genau, dass du Ada immer noch davon überzeugen willst, mitkommen zu dürfen. Abzustreiten brauchst du es gar nicht. Dass es stimmt, kann ich dir vom Gesicht ablesen. Außerdem spricht dafür auch die Tatsache, dass du Hosen trägst. Das machst du doch nur, wenn du reiten gehst oder mit dem Schwert trainierst. Glaub mir, es hat keinen Sinn ihn überzeugen zu wollen, er wird dir nicht erlauben mitzukommen."

„Das kannst du doch gar nicht wissen! Vielleicht hat er ja seine Meinung seit gestern Abend geändert. Und wenn ihr Dúriel suchen geht, dann will ich auch mitkommen, immerhin ist sie meine beste Freundin!"

Elladan seufzte. „Na dann probier es doch, aber sei nicht enttäuscht, wenn Ada es dir wieder verbietet. Und außerdem, willst du nicht lieber hier warten? Was ist, wenn Dúriel doch von selber zurückkommt oder Thalion sie bereits gefunden hat und zurückbringt? Sie würde sich dann sicher freuen, wenn du sie hier empfängst."

„Ich werde nicht hier warten! Und du wirst schon noch sehen, dass ich ihn überzeugen kann!"

Arwen drehte ihrem Bruder schwungvoll den Rücken zu und lief zu Elrond. Daraufhin zuckte Elladan nur mit den Schultern und ging zurück zu seinem Pferd. Einige Zeit später hörte er seine Schwester „Du bist so gemein! Und das ist total ungerecht!" rufen und sah, wie Arwen auf ihn zulief.

„Sag jetzt gar nichts!", zischte sie und warf ihrem Bruder einen wütenden Blick zu, bevor sie hocherhobenen Hauptes wieder ins Innere Bruchtals verschwand.


Sanfte Vogelgesänge holten Silawen am Morgen aus ihren Träumen. Verschlafen kuschelte sie sich noch näher an ihre Wärmequelle und versuchte alle sie schmerzenden Gedanken fernzuhalten. Schließlich fielen ihr die Ereignisse der letzen Nacht wieder ein und sie öffnete die Augen, nur um Thalion direkt ins Gesicht zu sehen. Der blonde Tawarwaith hatte die ganze Nacht über Silawens Schlaf gewacht und hielt sie immer noch sicher in seinen Armen.

Er lächelte sie sanft an, bevor er zum Sprechen ansetzte. „Guten Morgen, Silawen, hast du gut geschlafen?"

Sie sah Thalion einen Moment überrascht an und erwiderte schließlich sein Lächeln. „Dir auch einen guten Morgen, ich habe wunderbar geschlafen. Hast du mich etwa die ganze Nacht über im Arm gehalten?", fragte Silawen und sah ihm in die Augen.

Der blonde Elb drehte seinen kopf zur Seite und seine Wangen färbten sich leicht rot. „Also weißt du, ich hatte dich ja im Arm und du sahst so verletzlich aus. Da dachte ich, du würdest so vielleicht besser schlafen können. Und außerdem wollte ich dich auch nicht wieder aufwecken, nachdem du eingeschlafen warst. Deswegen habe ich dann einfach die Decke über uns beide gelegt... Aber wenn es dir unangenehm ist, dann tut es mir wirklich leid und..."

Silawen unterbrach Thalions Redefluss, indem sie ihm ihren Zeigefinger auf den Mund legte, ihm ein leises „Danke" zuflüsterte und sanft seine Lippen mit den ihren verschloss. Als sich die blonde Elbin sich wieder von ihm lösen wollte, zog Thalion sie nur noch fester an sich heran. Nachdem die beiden sich voneinander getrennt hatten, lehnte sich Silawen wieder an die Schulter des blonden Tawarwaith.

Er strich ihr mit einer Hand sanft über die Haare, mit der anderen hielt er die Hand der blonden Elbin und flüsterte ihr leise zu: „Ich dachte schon, ich hätte dich verloren... Und dich jetzt im Arm zu halten, erscheint mir schon fast unwirklich." Thalion vergrub sein Gesicht in ihren langen, blonden Haaren und schloss gequält die Augen. „Du kannst mich jetzt nicht wieder allein lassen, bitte, Silawen, komm wieder mit mir zurück nach Bruchtal. Es suchen sicher schon alle nach dir!"

Als die blonde Elbin nicht antwortete, sondern sich nur bei seinen Worten etwas versteifte, drehte er ihren Kopf zu sich und sah ihr tief in die Augen. Sie biss sich leicht auf die Unterlippe und ihre Augen schwammen in Tränen.

„Ich kann nicht, Thalion! Und ich habe dir doch schon erzählt, wieso ich nicht zurück kann. Bitte, versuch nicht mich wieder umzustimmen!"

Dann stand sie ruckartig auf, wobei die Decke, die den beiden die Nacht über Schutz vor der Kälte geliefert hatte, achtlos zu Boden fiel. Doch bevor sie weglaufen konnte, hatte der blonde Elb bereits nach ihrem Handgelenk gegriffen und hielt sie fest.

„Nein, bitte bleib! Ich..." Ich liebe dich! Verlass mich bitte nie wieder und bleib für immer an meiner Seite! Ich kann dich doch jetzt nicht verlieren! „Du bedeutest mir so viel, lauf bitte nicht vor mir davon."

Silawen schüttelte leicht den Kopf und die Tränen, die ihr über die Wangen liefen und zu Boden tropften, blieben ungesehen. „Ich muss weiter! Und du hast sicher Recht, die anderen suchen sicher schon nach mir und ich möchte nicht gefunden werden. Deswegen bleibt mir keine andere Möglichkeit als aufzubrechen, und dazu bleibt mir nicht mehr viel Zeit."

„Sie werden es verstehen, Silawen! Komm wieder zurück und wenn nicht, dann sieh mich wenigstens an. Bitte!", sagte Thalion flehend. Er spürte, dass er dabei war sie schon wieder zu verlieren, und das wollte er einfach nicht zulassen.

„Nein, sie werden es nicht verstehen! Das weiß ich, deswegen bin ich damals überhaupt erst weggegangen. Und..." Und wenn ich mich jetzt umdrehe und dir in die Augen sehe, dann werde ich es nicht mehr schaffen. Ich habe jetzt schon kaum mehr genug Kraft, um mich davon abzuhalten mich in deine Arme zu werfen und nie wieder loszulassen! Es ist so schwer wieder von Bruchtal und von dir fortzugehen...

Thalion war inzwischen hinter sie getreten und zog Silawen mit seiner freien Hand ganz dicht an seinen Körper heran. „Versprichst du mir wenigstens, dass wir uns wieder sehen werden? Denn wenn du nun fortgehst und ich dich nicht davon abhalten kann mich zu verlassen, dann möchte ich wenigstens die Hoffnung im Herzen tragen können, dich eines Tages wieder in meinen Armen halten zu können. Bitte versprich es mir, Silawen!"

„Ich verspreche es dir!", antwortete ihre Stimme tränenerstickt und Thalion ließ sie los. Dann wandte er sich ab, denn er wollte nicht zusehen müssen, wie sie aus seinem Leben verschwand. Die blonde Elbin packte schnell ihre Besitztümer in einen Beutel und befestigte ihn an ihrem Sattel. Schließlich stieg sie auf ihre Stute und sah ein letztes Mal zu Thalion. Ihre Augen waren von stummen Tränen gerötet, und in ihren Tiefen standen Schmerz und Trauer. Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, zog sie leicht am Zügel und ritt von der Lichtung.

Als er sie schließlich nicht mehr hören könnte, sah der blonde Tawarwaith auf und blickte mit traurigen Augen in die Richtung, in der Silawen verschwunden war. Er fühlte sich leer und gleichzeitig wurde er von so vielen Gefühlen gleichzeitig fast erschlagen. Eines Tages würde er sie wieder sehen, und bis dahin konnte er nichts tun als warten.

„Gib auf dich Acht, Silawen, und komm irgendwann zurück zu mir. Ich werde auf dich warten. Wenn es nötig, ist die gesamte Ewigkeit lang. Und mögen die Valar auf deiner Reise schützend ihre Hand über dich halten."


In Bruchtal war die Gruppe, die sich auf die Suche nach der blonden Elbin machen wollte, inzwischen aufbruchbereit. Die mitreitenden Elben hatten ihre Waffen und Vorräte an den Satteln befestigt und waren auf ihre Pferde aufgesessen. Der Herr Bruchtals richtete noch ein paar letzte Worte an seine Söhne, bevor diese endgültig losritten.

„Seid vorsichtig, es sind immer noch überall in Mittelerde kleinere Gruppen von Orks unterwegs. Es könnte zwar sein, dass die Orks, denen ihr letztens begegnet seid, die einzigen hier in der Umgebung waren, aber sicher kann man sich nie sein. Und es ziehen immer mehr Wolken auf, es wird vermutlich bald ein Gewitter geben. Wenn das Unwetter zu stark wird, stellt euch irgendwo unter und versucht nicht weiter nach Spuren zu suchen, das wäre zu gefährlich! Außerdem wird der Regen sowieso alle Spuren fortwischen. Ihr solltet euch also beeilen, wenn ihr Dúriel noch finden wollt. Wenn ihr in das Unwetter geratet und sie noch nicht gefunden haben solltet, kehrt ihr danach ohne sie zurück. Es hat dann keinen Sinn mehr nach ihr zu suchen, sie wird sich vermutlich nicht an die Wege durch den Wald gehalten haben, da sie sicher nicht gefunden werden will."

„Ja, Ada, das wissen wir doch", sagte Elladan. „Und vergiss nicht nach Arwen zu sehen, nicht, dass sie noch auf die Idee kommt alleine loszureiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie das machen würde, du weißt ja wie sie ist, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat."

Elrond lächelte leicht. „In dieser Hinsicht ist sie Celebrian sehr ähnlich, sie wollte auch immer ihren Willen durchsetzen und meist hat sie es auch geschafft. Aber nun solltet ihr aufbrechen, bevor das Unwetter zu nahe ist."

Die Zwillinge nickten, wendeten ihre Pferde und entfernten sich mit den restlichen Reitern schnell von Bruchtal. Der dunkelhaarige Elb sah ihnen nach, bis sie von Bruchtal aus zwischen den Bäumen nicht mehr zu erkennen waren. Dann wandte er sich an Glorfindel.

„Glaubst du, dass sie Dúriel finden werden?"

„Ich bezweifle es, und ich vermute du stimmst mit mir darin überein. Sie wollte von hier weg, wie Arwen erzählt hat, und sie wusste sicher, dass man ihr folgen würde. Und dann ist da noch das Gewitter, das auch noch die Spuren verwischen wird, die sie hinterlassen hat. Und ich denke, sie hat darauf geachtet keine zu hinterlassen... Der einzige, der Dúriel vielleicht einholen könnte, ist Thalion. Ich hoffe nur, er findet sie und kann sie zur Umkehr bewegen." Denn dann kann ich mich noch einmal mit ihr unterhalten. Ich weiß einfach, dass sie Silawen ist, so sehr sie auch versucht es zu leugnen! Aber wieso will sie dann von hier fort? Ich verstehe das einfach nicht...

„Glorfindel?" Elrond holte seinen blonden Berater aus seinen Gedanken. „Ich werde am Besten einmal nach Arwen sehen. Elladan hat Recht, sie versucht sonst vielleicht noch etwas Unvernünftiges zu machen."

„Ja, mach das nur", antwortete Glorfindel mit einem Nicken, „Ich werde noch kurz hier bleiben."

Er zögerte kurz und es schien, als ob Elrond noch etwas sagen wollte, doch dann schüttelte er den Kopf, drehte sich um und ging, um nach seiner Tochter zu suchen. Einige Zeit später stand Glorfindel immer noch auf dem Hof und betrachtete gedankenverloren den Weg, der von Bruchtal fortführte. Schließlich konnte er etwas Helles zwischen den Bäumen erkennen, und einige Momente später, sah er einen Reiter auf Bruchtal zureiten. Glorfindel lächelte. Der Elb, der langsam näher kam, war ihm nur allzu bekannt.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du heute schon kommst."


Arwen lief schon einige Zeit wütend durch die vielen Gänge Bruchtals und kam schließlich zu einem kleinen Garten, in dem sie früher oft mit ihrer Mutter war. Dutzende verschiedene Blumenarten reckten ihre bunten Blüten und Knospen zum Himmel und verströmten einen süßen Duft, der die Umgebung erfüllte. Die dunkelhaarige Elbin ging mit leichten Schritten über die Wiese auf eine marmorne Bank zu, überlegte sich es dann doch anders und ließ sich ins Gras fallen. Auf dem Rücken liegend beobachtete sie eine Weile die vorbeiziehenden Wolken und zupfte ein paar Grashalme aus. Schließlich seufzte sie leise, drehte sich auf den Bauch, legte den Kopf auf ihre Arme und schloss die Augen. Als sie einige Zeit später Schritte vernahm, stützte sie sich auf die Arme und sah zur Tür, durch die gerade ihr Vater den Garten betrat.

„Du bist so gemein! Nie darf ich irgendwo mitmachen, immer nur Elladan und Elrohir. Und jetzt darf ich auch nicht mitkommen, um nach Dúriel zu suchen. Du weißt, dass ich genauso gut reiten kann wie die Zwillinge und fast genauso geschickt mit dem Schwert und dem Bogen umgehen kann. Und trotzdem verbietest du es mir!" Arwen legte den Kopf wieder auf ihre Arme und sah Elrond vorwurfsvoll an.

Der Herr Bruchtals seufzte und setzte sich neben seine Tochter in die Wiese. „Arwen, es ist doch nur zu deinem Besten! Du bist immerhin jünger als deine Brüder und in deinem Alter hätte ich es ihnen auch nicht erlaubt mitzureiten. Und mit den Waffen hast du viel weniger Übung als die beiden und auch keinerlei Kampferfahrung. Ich möchte doch nicht, dass du verletzt wirst."

Arwen schob trotzig ihre Unterlippe vor. „Die beiden lassen mich ja auch nie mitmachen, wenn sie trainieren, weil sie finden, ich wäre noch ein kleines Kind. Dabei bin ich schon erwachsen!"

„Du musst zugeben, im Moment verhältst du dich auch nicht gerade erwachsen", sagte Elrond schmunzelnd.

„Ada! Ich will doch nur helfen nach Dúriel zu suchen und wenn ich hier bleibe, dann bin ich doch zu gar nichts nutze."

„Das verstehe ich doch, aber du weist genauso gut wie ich, dass deine Brüder und die anderen, die mitgeritten sind, besser geeignet sind als du."

Die dunkelhaarige Elbin nickte widerstrebend. „Aber das bedeutet noch lange nicht, dass ich damit zufrieden sein muss..."

„Nein, das bedeutet es nicht." Elrond zupfte Arwen einige Grashalme aus den Haaren, die sich in ihren langen schwarzen Strähnen verfangen hatten. „Und nun komm bitte mit hinein, es fängt schon an zu regnen, und du willst sicher nicht nass werden."

Arwen nickte und die beiden Elben verließen den Garten, während die ersten Tropfen vom wolkenverhangenen Himmel auf die Erde fielen.

Ende Kapitel 10


anu: Vielen Dank für dein Kommi! Ich hoffe, das Kapitel hat dir auch wieder gefallen...

Also, bekomme ich für dieses Kapitel wieder ein paar Kommis? Wenn nicht, werde ich echt traurig, und dann komme ich vielleicht auf ein paar wirklich dumme Ideen, wenn ich das nächste Kapitel schreibe... Das wollte ich nur mal gesagt haben.