Von gelben Ringelblumen und blutroten Margariten, Sammlung XVI

Epistel einundfünfzig

Ronald und seine, noch geistig, anwesenden Familienmitglieder, mussten sich sehr an ihre Besen krallen, denn das Tempo das Charles in seinem Eifer vorlegte war erschreckend.

Inzwischen waren sie über einen See geflogen, Charles war über das Wasser gelaufen, so viel Angst hatte es vor ihm, das es unter ihm erstarrte, Wurzeln von Bäumen vergruben sich tief, oder begannen überhaupt aus dem Boden zu kriechen um Charles aus dem Weg zu gehen.

Lupin und seine Meute hatten sich nach einiger Zeit angeschlossen und liefen, etwas abseits hinter ihnen her.

Und dann, waren sie wohl dort angekommen, wo der Weg zu Ende war.

Es war ein Berg und Charles stand davor und starrte darauf, als würde es genügen um ihn zusammenbrechen zu lassen.

„Vater? Was tut er?" fragte William.

Arthur blickte wie gebannt auf seinen Ältesten.

„Ich weiß es nicht."

Ronald zuckte mit den Schultern.

„Er sucht einen Weg hinein.", sagte er, „Was glaubst du das er sonst hier tun könnte. Lupin!"

Er drehte sich um und blickte in das tief vernarbte Gesicht des Packführers der Werwölfe.

„Du hast mich gehört." erwiderte dieser scheinbar schwer getroffen.

Ronald schmunzelte. „Ich habe dich gerochen. Ihr bringt jeden um der nicht zu mir gehört. Klar."

Lupin nickte.

„Soll es Beweise geben?" fragte er vorsichtig, immer einen Auge auf Charles gerichtet. Seine Nackenhaare waren unter seinem Federnmantel aufgestellt.

„Nein. Esst sie auf, verbrennt sie." Ronald machte eine flüchtige Geste, „Es ist mir egal."

Der Anführer der Werwölfe nickte ein weiteres Mal.

Er verbeugte sich kurz vor Ronald und ging dann zurück zu seinen Wölfen. Einige waren Menschen, einige hatten sich als Wölfe am Boden zusammengerollt, und ein paar.

Ronald verstand nicht viel von der Unterhaltung, aber „Festmahl, wie es uns gebührt!" und „Running Humans." das hörte er.

Inzwischen rannte Charles immer wieder gegen die Felswand.

„Wie lange macht er das jetzt schon?"

„Fünf und- sechsunddreißig Mal." Pack. „siebenunddreißig." Will zuckte mit den Schultern.

„Das ist uneffektiv."

Ronald, legte seinen Mantel auf dem kalten Waldboden ab und ging langsam hin zu Charles.

„Hör mal damit auf." sagte er.

Was Charles natürlich nicht tat.

Wieder rannte er gegen die Wand, prellte davon ab, fiel auf den Boden und sprang auf.

Will und sein Vater sahen voller entsetzen zu, als Ronald seinen ältesten Bruder an seinen Haaren packte und so zum Stehen bleiben motivierte.

Ronald wischte mit seiner linken Hand über den inzwischen, aus Platzwunden, blutenden Charles und legte seine nun in rot geschwenkte Hand auf den kalten Stein.

Von dem Punkt aus, wo er die Wand berührt hatte rann Blut in alle Richtungen und offenbarte nach wenigen Sekunden ein Tor.

Ronald nahm seine Hand wieder von dem Stein und lies im selben Moment Charles los, der mit vollem Karacho auf das Blut zulief und es dann durchbrach.

Es war ein Anblick wie ihn wohl keiner vergessen würde.

Das Blut hatte sich wie ein Netz auf dem harten Stein ausgebreitet.

Als Charles den Stein berührte, schnappte die dünnen Fäden über ihn, bedeckte ihn voll und ganz, im Weiteren sah es so aus als würde Charles in den Stein hineingezogen worden. Und dann zerbrach der Stein und hinterließ ein schwarzes Loch, Charles war im Inneren verschwunden.

Ronald drehte sich um und winkte seine Verwandten zu sich.

„Seit ihr bereit?"

Arthur nickte.

William blickte starr hinein in die Dunkelheit.

„Ist dein Mädchen bereit, William!" grummte der Lord Weasley.

Will senkte seinen Blick. „Ich hoffe es.", sagte er dann.

Ronald lächelte.

„Gut."

Es war ein tiefer Laut der seine Kehle passierte, er wie seine Verwandten wurden bleicher und ihr Haar begann auf zu stehen.

Geht." fauchte er.

Epistel zweiundfünfzig

Die Kälte kriecht in meine KNOCHEN:
Es ist nicht unbedingt kalt, aber der Boden verströmt keine Wärme, das Heu war so alt wie nutzlos und ich kann mich nicht dazu durchringen mich zu den anderen zu setzten.

Als Kind habe ich gedacht, ich wüsste wie die finsterste Dunkelheit aussieht, wie wenn man in einem lichtleeren Raum die Augen schließt und dann noch die Hände darüber legt, gerade so fest das diese komischen Lichtblitze nicht weiße Lichtkringeln auf meine Augenlider malen.

Wenn Einen diese Finsternis jedoch umschließt, allgegenwärtig ist, selbst bei geöffneten Augen nicht weg geht, dann erkennt man wie naiv man als Kind gewesen war.

Vielleicht ist es aber nicht nur die Finsternis, die mich von außen umgibt, die mich mit Furcht erfüllt, sondern auch die Leere, die sich langsam in mir ausbreitet.

Ich bin nicht fähig zu sagen was davon schlimmer ist, aber ich tendierte zu zweitens.

Ich habe Angst, das ist die klirrende Wahrheit, das Einzige was mir noch zu hoffen gibt.

Es heißt Angst schärft einem die Sinne.

Ich rieche nicht besser, höre nicht besser, nichts scheint mir klarer, dennoch in mir jagen die Gedanken einander wie Raketen in einem Zauberfeuerwerk.

Ich schmiede Pläne, ich weine, ich denke darüber nach was wohl gerade mit Mollandy passiert, was sie mit mir vorhaben, was sie mit uns vorhaben.

Monströse Hirngespinste durchzucken meinen Kopf, die Bilder von Charles Schreibtisch blitzen auf, nur dieses Mal sehe nicht Fleur oder ihr Kind.

Ich sehe mich.

Gebadet in Blut, den Mund zu einer Grimmasse erstarrt, meine Zähne liegen um mich herum, mein Auge das nur noch an einem Nervenstrang hängt, matter Blick.

Ich sehe mein Kind, wie es mit seiner Nabelschnur erhängt aus meinen Bauch….

es fällt mir schwer zu atmen.

Ich weiß was Todesser mit mir machen können, ich weiß…. was Todesser mit mir machen werden.

Ich versuchte diese Bilder zu verdrängen, an schöne Dinge zu denken, ich versuche mich nicht davon gefangen nehmen lasse.

Mühsam besinne ich mich meiner Stärken.

Sicher tausendmal sage ich sie mir vor, wiederhole sie wie ein Mantra, klammere mich an sie wie ein Ertrinkender an den aufgeblähten Leib seiner toten Schwester.

Und dann- dann

Weis ich es plötzlich.

Die Erkenntnis ist wie ein Lichtblitz so hell in meinen Kopf, brennt hinter meinen Augen, durchdringt mein ganzes Bewusstsein wie ein Strom aus Magie.

Es ist als käme ich zurück in meinen Körper, spüre wieder Hunger, spüre Schmerzen, schüre mein schwaches Kind, spüre die Kälte die mich umgibt, höre mein verzweifelte Wimmern, spüre die nassen Tränen auf meinem Gesicht und nehme es doch nicht wahr.

Was ich spüre, was ich will, dass ist das Einzige was zählt.

Der Weg erscheint mir nicht weit, das Sprechen erscheint mir nicht schwer, das Lügen geht ganz leicht über meine Lippen und schon ist mein Ziel erreicht.

Er hinterlässt Spuren auf meinen Körper, mein Ekel auf ihn und mich wächst von Sekunde zu Sekunde, dennoch fahre ich fort, lasse mich nicht beirren.

Sein Atem richt nach faulen Eiern, haucht in meinen Nacken, ICH MUSS ES WOLLEN.

Dann – es ist vorbei.

Er gibt mir Wasser und angeschimmeltes Brot. Ich nehme mir keine Zeit für Gefühle, also nehme ich es und weine vor seinen Augen.

Spiele ihm meine Scham vor und heule, bellte ihn an, es niemals jemanden zu erzählen, es war doch nur für mein Kind.

Er schlägt mich und fragt mich aus, ich lüge ihn nicht an.

Gebe ihm jede Antwort die er haben will.

Er glaubt mir nicht.

Schlägt mich weiter. Ich bin schon ganz taub.

Versuche nicht laut zu schreien.

Und dann, endlich, bringt er mich zurück in meine Zelle, schmeißt mich gegen den harten Boden und wieder umgibt mich die Dunkelheit die mich so formt.

Lange Zeit kann ich mich nicht rühren.

Er hat ein paar meiner Rippen gebrochen. Das Atmen ist schmerzhafter als sonst.

Ich höre besorgte Stimmen. Fleur und Hermine.

Dass die beiden noch leben, zeigt mir dass ich gerade noch schnell genug war.

Sie rufen nach mir. Zitternd die eine, resigniert die Zweite.

Sie drehen mich auf den Rücken.

Es ist, glaube ich Hermine die mir, mit panischen Worten, irgendwie hilft besser zu atmen.

Ich--

Ich spüre wieder Leben in meinen Gliedern. Spüre das Blut auf meinen Fingern.

Was haben sie mit dir getan, du hast ihnen doch alles erzählt so wie Mollandy das von uns wollte." Hermine lässt mich los und ich nicke.

Nach einem kurzen Moment, sie kann mich ja nicht sehen, bejahe ich es.

Fleur schweigt.

Ich kann aber spüren dass sie mich anschaut, ob sie mich sehen kann- nun sie ist eine Veela, ich würde es nicht beschwören.

Ihr Seufzen das sie schließlich von sich gibt, durchfährt mich schlimmer als alles am heutigen Tag.

Mon Merlin, qu'est que tu a fait?" flüstert sie – so leise dass ich es kaum vernehmen kann.

Ich stemme mich auf, von dem Boden, und stütze mich mit einem Arme kurz ab, sinke dann aber wieder nieder.

Dass wozu keiner von euch", ich bin überrascht von der Härte meiner Stimme, „keiner von euch das Format gehabt hätte zu tun, Fleur."

Ich huste kurz und muss auf meinen Brustkorb drücken um den stechenden Schmerz ein bisschen zu mildern.

Ich habe getan was ich tun musste."

Fleur zieht scharf die Luft ein und ignoriert wie ich, Hermines fragende Einwürfe.

Du weißt nischt was du getan ast, Rose. Du ´ast ihn nischt eine Male so gese´n, nischt wie isch." predigte sie mir vor. „Wie sic seine Blick verandert, un er sein Säne bleckt. Du glaubst su wissen was auffe disch zucommt, abe nischts wirde disch darauf vorbereit'n konnen. Was ´ast du getan, Rose? Qu'est que tu a fait?"

Ihre Stimme verklingt leise in diesem schrecklichen Raum.

Kurz durchzuckt mich wieder dieses Bild von mir, tot und zerrissen, aber ein weiteres Mal gelingt es mir es abzuschütteln.

Etwas müde wende ich meinen Kopf in ihre Richtung und versuche wenigstens ihre Umrisse in dieser Dunkelheit auszumachen, ich versage auf ganzer Ebene.

Vieleicht zische ich sei deswegen so an, aber vielleicht liegt es auch daran das sie sich mit mir vergleicht.

Dann entgleitet es mir, das selbstzufriedene Lachen das ich schon die ganze Zeit nach getaner Arbeit in mir unterdrücke.

Es bricht lauthals aus mir hervor, schwallartig erstickt es mich fast.

Fleur holt empört Luft.

Sie weiß was ich denke.

Sie weiß dass ich sie tief in meinem Inneren belächle, für ihr Versagen.

Weiß dass ich glaubte dass sie Will niemals verdient hat, ihre Kinder nicht verdient hat.

Weiß dass ich sei auslache ob ihrer Angst, nachts wenn ich schlafe und es nicht besser weiß in meinem Schlummer.

Sie muss es wissen.

Oder vielleicht weiß sie es auch nicht.

Aber eigentlich ist es auch egal. Wichtig bin mein Kind und ich.

Wer immer heute auch sterben wird. Ich werde nicht dabei sein.

Hermine die bis jetzt mehr oder weniger ihren Mund gehalten hatte kann nach diesem Wortabtausch ihr Schweigen nicht mehr halten.

Was hast du getan? Warum ist Fleur so besorgt? Ich will es wissen." Dieses und ähnliches gibt sie von sich.

Einen Moment lang denke ich darüber nach ihr sogar eine Antwort zu geben, doch da höre ich es.

Hastig frage ich sie, ob sie mir beim Aufstehen helfen kann.

Sie bejaht.

Unter einigen Schmerzen, lasse ich mich dann von ihr hoch hieven und wiederhole leise Narcissa so kryptische Worte, die endlich ihren Nutzen habe, denn sie wohl haben sollten.

Und betrüge niemals einen Weasley. Denn egal wo du bist, egal was er gerade macht – er wird dich finden und dich richten."

Ihr erschreckter Fieper berührt mich nicht, dafür haut mich die Druckwelle der explodierten Tür fast von dem Socken.

Mein Gatte steht vor mir, Blut in seien Augen, Haare stehen auf, sie werden im grünlichen Licht der Gänge seltsam akzentiert, seine Fingernägel bohren sich durch das Gestein des Wand zu seiner Seite, Blut tropft an ihm herab.

Ich lächle ihn an.

Wurde aber Zeit das du kommst, Liebster."

Ich lenke ihn noch so lange mit meinen Worten ab, bis Fleur und Hermine aus dem Raum sind, dann schließt sich die Tür.

Und in der Dunkelheit leuchten seine roten Augen und sein heißer Atem berührt mein Gesicht.

Ich renne nicht davon.

Ich schreie nicht.

Ich bete nicht.

Ich bitte nicht.

Ich vertraue auf die einzige Person die mir noch helfen kann, die mich erlösen kann.

Ich vertraue auf mich.

Epistel einundfünfzig

Als der schwarze Kokon, Stunden später verpuffte setzte sich Tray nach einer Weile langsam auf und rieb sich seine schmerzenden Knochen.

China hatte in einem Anflug von Wut mehrere Minuten auf seinen hilflosen Körper eingeschlagen und sah jetzt schon wesentlicher entspannter zu ihrem Mann, die Schmerzen in ihrem Kopf waren jetzt auch endlich abgeklungen.

Sie wollte gerade ihre Stimme erheben, da war er schon bei ihr und küsste sie widerstandslos.

Wie immer wenn er das tat, vergaß sie alles was sie sagen wollte.

Die nächste dreiviertel Stunde verbrachten sie ohne sinnvolle zusammenhängende Sätze von sich zu geben in seinem Armen und als sie sich nach vollbrachter Glückseligkeit an ihn lehnen wollte hielt er sie davon ab.

Seine ansonsten immer so verklärten Augen klirrten vor Kälte als er ihre Verwunderung darüber erkannte.

„Was ist los, Tray?"

„Ich bin nicht schwach, China." sagte er.

China sah überrascht zu ihm.

„Das weiß ich."

Er lächelte sie kurz an, ein kaltes Lachen.

„Nein, das weißt du nicht." Er runzelte seine Stirn. „Ich habe es dir niemals gezeigt, dass ich nicht schwach bin."

Er presste seine Stirn gegen die ihre und lies sie immer noch nicht aus den Augen.

„Ich bin…", er lies wieder ab von ihr und er hob sich, griff nach seiner Hose, „der Masterlord, China. Ich habe tausende Menschen, die von meinem Urteil abhängig sind. Ich habe tausende von Feinden, die mich alle tot sehen wollen. Das ist niemals leicht und es verlangt viel von mir ab, weißt du das?"

„Ja?", sie erhob sich nun ihrerseits und suchte ihre Kleidung zusammen.

„Und dass ich das nur mache weil du es von mir willst, das weißt du auch. Ich töte Menschen China, und manchmal bin ich sogar so grausam und töte sie nicht. Ich verhandle, ich kämpfe, ich will meistens einfach nur in Bett gehen und heulen und schreien und die Augen vor meinem Leben verschließen, aber ich tue es nicht, weil du es von mir willst."

Sie nickte. „Worauf willst du hinaus, Tray."

„Ich habe dich geheiratet und weißt dass es nur wegen unserem Blut war. Dass es dir dabei gleich geht wie mir. Dass wir beide wissen, das es eigentlich nicht echt ist, dass es uns zwei niemals ohne diese schreckliche Zerren das unser Blut auf einander ausübt geben würde."

„Ja, und?" Sie zuckte mit den Schultern.

„Und das stört dich nicht?"

China blinzelte und zog sich ihren Pullover über den Kopf.

„Am Anfang, ja. Jetzt…", sie seufzte. „Tray, ob es jetzt mein Blut ist, das mein Leben fast unerträglich macht wenn du nicht da bist, oder ob es mein Herz ist, meine freie Entscheidung, das ist beides das gleiche. Mein Blut ist ein Teil von mir und deines ist ein Teil von dir. Warum kommst du immer wieder darauf zurück?"

„Weil du es mir immer wieder antust, China. Du machst Dinge die tu nicht tun solltest.

Du versuchst mich zu töten", - „Das ist jetzt fast drei Monate her!", - „du machst nicht das was ich von dir will, du bist gegen mich." Er hatte sich inzwischen wieder vollständig angekleidet und griff mit seinen Händen fast schon zu fest nach ihren Oberarmen.

„Jeden anderen", er sah ihr traurig ins Gesicht, „hätte ich dafür schon getötet. Ich habe Menschen schon wegen anderer Verstöße getötet. China, das war wirklich sehr dumm."

„Du willst mich also töten."

„Ja und nein." Er ließ sie los. „China. Ich bin kein Dummkopf, ich weiß das ich dich brauche um meine Magie zu wirken, aber ob da noch eine Seele ist, oder nicht, das ist vollkommen egal. Ich brauche nur deinen Körper, glaube ich weiß inzwischen wie man das macht."

„Dann bring es hinter dich. Saug mir meine Seele aus." Das Einzige was in ihrem Gesicht offensichtlich eine Kampfansage war, war ihr leicht vorgerücktes Kinn.

Ansonsten hätte sie gerade aus einem Potionbuch lesen können, so gefestigt monoton war ihre Stimme.

Er lachte.

„China. Solange sie noch am Leben ist, töte ich dich nicht.", er fuhr ihr über die schwarzen Haare und überall dort wo er ankam mit seinen Fingern kam ihre natürliche Farbe zum Vorschein.

„Wenn er sie aber wirklich tötet, und ich sehe ich deinen Augen, das du nicht wirklich glaubst das es gut gehen könnte, dann töte ich dich immer noch nicht. Ich werde ein Exempel statuieren an deiner Familie."

Sie blickte starr in seine Augen.

„China, hübsche China. Ich werde jeden einzelnen vor deinen Augen töten, so schrecklich und so grausam dass ich am Ende keinen Zauber mehr brauche um deine Seele aus deinen Körper zu vertreiben. Und selbst wenn sie noch da wäre, diese Schreie und ihre Gesichter wenn ich ihr Leben ende, werden dich gefangen halten. Du wirst sie immer vor deinen Augen halben. Jede Sekunde, jeden Atemzug."

Einen langen Moment lang sahen sich beide nur in die Augen, schließlich nickte sie.

„Ich werde kämpfen, Tray. Ich werde dich das nicht machen lassen. Du hast keine Macht über meine Familie."

„Ihr habt geschworen meinen Wünschen zu entsprechen, das habt ihr nicht getan."

„Du brauchst uns."

„Ja, ich weiß."

„Warum willst du das dann machen! Es ist dumm, du wirst den Krieg verlieren, du wirst alles verlieren an dem dir jemals etwas gelegen ist."

Er sah sie an, zu ihrer Überraschung rollte eine Träne über seine Wange.

„Das hab ich doch schon."

„Geht es hier wirklich um deine dumme Schwester?", rief sie aus, „Du kannst mir nicht sagen, dass es hier um deine Schwester geht. Um was dreht sich dieses Gespräch. Tray?"

„Tray?"

„Ich habe es versucht" flüsterte er leise, „immer und immer wieder. Ich habe es mir vorgesagt, ich habe so viel vergeben und so viel gehofft und immer und immer wieder von neuen begonnen, China. Jeden Tag, seitdem wir uns das erste Mal geküsst haben. Am Anfang war ich so glücklich. Bis ich verstanden hatte das ich damit nicht zu tun hatte, dass ich dich noch nicht mal leiden kann. Das mein Leben ohne dich schrecklich ist, fast schon grausam und leer, das ich dich körperlich brauche, wie andere die Luft zum Atmen und das bei all den Gefühlen die mich deinetwegen täglich überrennen ich mit dir nichts anfangen kann. Schau mich an, China, was du aus mir gemacht hast, ist so schrecklich, so absolut grauenhaft, das ich mir selbst nicht mehr in die Augen sehen kann."

Er wischte sich seine nassen Augen trocken.

„Und trotzdem habe ich es geschafft. Ich habe dich immer noch gebraucht und gewollt und geliebt. Das tue ich auch jetzt noch."

„Was willst du sagen. Ich kenne diese Selbstzweifel schon, die plagen dich seit Jahren, Tray. Das nicht neu. Warum, dann heute."

Er begann zu lachen.

„China, weil es heute schweigt. Mein Blut schweigt. Und endlich kann es sehen, so wie es ist. Was uns wirklich verbindet, was uns vereinigt. Und China. Da ist nichts. Noch nicht einmal der einzige Hoffnungsschimmer, den ich hatte, als ich aus dem Kokon kam ist noch der Rede wert. Du bist wie ein Stück Blech."

„Du bist mein Mann."

„Ich bin ein Malfoy. Wenn ich wirklich, in meiner Seele dein Mann wäre, müsste ich dir doch vertrauen. Ohne mein Blut, traue ich dir nicht mal so weit wie du spucken kannst."

„Komm mir nicht mehr zu nahe, bitte. Du bist schuld an dem Leben das ich führe und ich kann es kann es kaum erwarten."

„Was?" sie sah ihn entsetzt an. Er war so anders.

„Das er sie tötet und ich euch alle auslöschen kann, natürlich. Was hast du gedacht?"

Er lächelte sie nur an und apparierte davon.

China stand eine Minute oder etwas länger da und setze sich dann auf einen der Stühle des Esszimmers. Obwohl sie fast bewegungslos auf dem hohen Stuhl saß, sah man ihr doch an, dass es in ihrem Kopf rumorte.

Hin und wieder waren Wort- beziehungsweise Wortfetzen von ihr zu vernehmen, von einem entrüsteten „Blech! Ich… BLECH!" über das leise, „Blut, Blut, Blut, Blut--- immer die gleiche Leier" bis zu dem am Ende recht kleinlaut ausgesprochenen „So war das nicht geplant. Verdammt!"

Sie schüttelte den Kopf und klatschte energisch in die Hände.

Elfwine erschien und zog, nachdem er ihre unruhige Gestalt erblickt hatte, eine seiner fast nicht erkenntlichen Augenbrauen in die Höhe.

„Dame Malfoy? Womit vermag ich euch zu dienen?"

China sah auf und lächelte ihn an.

„Zwei Dinge. Erstens, bring mir das Buch über Kokonflüche, denn es scheint ich habe wieder mal etwas Überlebenswichtiges überlesen, und zweitens, richte eine Totenzeremonie für die ganze Familie Weasley aus. Wir dürften sie höchstwahrscheinlich in drei Tagen brauchen."

Elfwine nickte poppte aber noch nicht davon.

„Darf ich fragen, Dame Malfoy, ob dies mit dem Blutwahn des Herrn Weasley zusammenhängt und seinem unverminderten Aufbruch, seine Frau zu töten in seinem Ärger ob ihres schändliches Verrates an ihrer Ehe, oder…?"

China lachte. „Nein, nur fadenscheinig, eigentlich liegt es an mir."

Elfwine sah sie mit strengen Augen an.

„Ihr habt den Masterlord wieder verärgert? Habt ihr wieder versucht herauszufinden wie weit ihr euch vorwagen dürft bei ihm?"

Sie nickte leise. Elfwine seufzte leise aus und schlug dann mit seiner kleinen Hand einmal über ihren Kopf.

„Das war in dieser angespannten Situation, werte Dame, ein wirklich, wirklich dummer Schachzug. Dessen seit ihr euch doch bewusst."

China nickte ein weiteres Mal.

„Was hat es mit dem Kokonfluch auf sich?" sagte Elfwine streng.

„Ich sprach den schwarzen Kaja auf ihn aus."

Elfwine zog ein weiteres Mal seine Augenbraue in die Höhe.

„Dobberius."

Dieser poppte wie auf Befehl herein.

„Ich weiß es schon, ich weiß es schon, die Dame Malfoy hat den werten Masterlord verärgert, verärgert, verärgert. Sie ist ein dummes, dummes Kind."

Er schnippte und ein altes Buch, das ihn wohl erschlagen hätte, wenn es nicht in der Luft schwebte, erschien vor ihnen.

„Es heißt dass der schwarze Kaja die Emotionen beruhigt." sagte er dann, nachdem er einige Momente in dem Buch gelesen hatte. Er blätterte um und schüttelte dann seinen kaum behaarten Kopf.

„Wie die werte Dame Malfoy in ihrem jugendlichen Eifer überlas, lässt es nach bestimmter Zeit, aber den Geist verwirrt und dennoch klarer zurück als zuvor." Dobberius schnippte und das Buch verschwand wieder.

„Sein Zustand wird noch einige Tage anhalten, dann wird sein Blut ihm wieder den Verstand einflössen, den er so nötig braucht. Und etwas später wird er wieder der Dame Malfoy verfallen sein."

Fast schon enttäuscht runzelte der die Stirn.

„Hoffen wir für alle dass in der Zwischenzeit folgende Mirakel über uns einstürzen werden:"

Er sah China ins Gesicht. „Das die Dame Malfoy endlich ihre Neugier zügelt und zum zweiten, das die blonde Herrin Weasley uns alle überrascht. Es würde mich und meine QuEena nämlich schwer treffen gegen den Masterlord zu Felde ziehen zu müssen."

Er blickte noch einmal böse zu China, verpasste ihre eine magische Kopfnuss und puffte wieder davon.

China saß da und rieb sich fluchend die Stelle hinter ihrem Ohr.

„Das hätte schlechter laufen können."

Eine weitere Kopfnuss später saß sie alleine am Esstisch und rieb sich auch noch die andere Seite.

„Oder hätte auch besser laufen können. Das ist nicht meine Schuld. AUUU!"

Epistel dreiundfünfzig

Liebes Tagebuch.

Ich habe schlimme Dinge getan.

Ich kann noch nicht einmal darüber sprechen, denke ich.

Es ist… schrecklich, jetzt da ich weiß was für ein Mensch ich bin und ein Teil von mir versteht die Verachtung die man mir entgegenbringt. Hochachtung, Verachtung, Misstrauen,… die Mischung an unterschiedlichen Emotionen, die mir entgegenschlagen von den verschiedensten Personen.

Ich habe mit der Wache geschlafen.

Ich hätte es nicht tun müssen, das gebe ich zu.

Es hat mir auch keinen Spass gemacht, es war auch nicht besonders erbaulich, aber ich habe mit ihm geschlafen.

Für ein Stückchen Brot und frisches Wasser.

Ich habe es getan weil ich wusste was dann passiert.

Weil ich wusste – er – würde dann kommen.

Dass gab mir Kraft.

Iin dieser Zelle, da habe ich mich schrecklich verhalten, habe Fleur keinen Respekt entgegengebracht, oder Hermine, habe nur für mich selbst alles getan, jeder einzelne Handgriff den ich getätigt hatte, zielte darauf ab nur mich und mein Kind aus dieser Lage zu befreien.

Ich hatte die Beiden schlicht und ergreifend einfach vergessen. Nein ich hatte die beiden schlicht und ergreifend aus meiner Rechnung, mit vollem Gewissen ausgeschlossen.

Das ist schrecklich, ich weiß.

Aber es scheint das zu sein was ich bin.

Es heißt immer „in vino veritas".

Eine Zeit lang habe ich daran geglaubt.

Aber jetzt glaube ich dass es Extremsituationen sind, die einem zeigen was für ein Mensch man ist.

Die einem zeigen, was man wert ist und wo man noch versagt.

Ich habe auf menschlicher Ebene versagt.

Ich hätte anderes reagieren sollen, aber ich konnte und wollte nicht. Meine Prioritäten hatten sich geändert, weil ich einfach jetzt so bin.

Ich bin noch immer schwach, missversteh mich nicht.

Ich weiß noch immer nicht wie ich mir helfen soll. ich komme mir immer noch unnütz vor.

Aber es scheint so, das ich mich wirklich in einem ganz anderen Licht sehe wie all die anderen.

Als er vor mir stand, so grauenhaft und schreckenerregend, so ungestüm und wild und böse und grausam und wütend, voller Hass auf mich, auf unser Kind, auf jeden und allen, wie das Blut seiner Gegner von ihm runtertropfte und er mich mit diesen fremden Augen ansah, die so absolut nichts mehr von ihm enthielten… ich hatte keine Angst.

Ich verstand es nur nicht.

Wie sich Fleur von so einem Wesen hatte töten lassen?

Es wirkte so lächerlich in meinen Augen. So unbedeutend und schwach. Sicher war da diese körperliche was atemberaubende Ausstrahlung, die einem seine eigene Schwäche vor Augen führte aber, schwach zu sein, war für mich nichts Neues. Charles war schon immer stärker gewesen als ich.

Aber ansonsten wartete er nur darauf. Auf irgendetwas. Sein Blick war auf mich konzentriert, er starrte mich an, Hass triefte aus seinen Augen. Und… und nach einer Weile konnte ich nicht anderes als lachen.

Das ist alles?", sagte ich. „Das ist wovor sich alle fürchten."

Sein heißer Atem hauchte in mein Gesicht, aber es machte mir noch immer keine Angst.

Ich griff mit meinen Beiden Hände nach oben wo ich seinen Kopf vermutete, er bebte vor Wut als ich sein Gesicht mit meinen Fingern abtastete und langsam bis zu seinen armen vorarbeitete.

Das ist wirklich alles?" Ich lies in los und schüttelte den Kopf. „Nein, so was tötet mich nicht."

Es war als wäre das das einfachste der Welt.

ich sagte es, ich glaubte es und so war es.

So was tötet mich nicht.

Niemals.

Dann begann er zu knurren. Er schrie, er fauchte, er bellte sogar, er sprang mich an, er pinnte mich unter sich auf den Boden, er tat vieles aber er tat nicht weh.

Es war ein komisches Gefühl, aber ich wusste es einfach.

Das er mir nichts tun würde. Das egal was er tat, egal wie schrecklich es wohl aussah, er mir nichts tat.

Etwas anders kam mir gar nicht in den Sinn.

Und als es mir zu bunt wurde, erkannte ich das er tat was ich wollte, widerwillig zwar, immer noch mit diesem Hintergedanken mich zu töten, nicht mir Schmerzen zu zufügen, sondern einfach nur zu töten, und nun ja, --- ich nutze es aus.

Ich verließ mit dem Schutz meines aufgebrachten Gatten das dunkle Verlies und ignorierte mehr oder weniger die verwunderten Aufrufe seiner Verwandten, die draußen noch immer auf ihn warteten.

Sie hatten nicht erwartet mich zu sehen.

Ich blickte kurz zu Fleur.

Überheblich war ich und mit einem verächtlichen Grinsen auf dem Gesicht.

Von so was lässt du dich töten?" fragte ich sie und schüttelte amüsiert darüber meinen Kopf. „Wieso?"

Es war, wirklich, eine absolut ernst gemeinte Frage.

Wie hatte sie sich von Will in dieser Form auch nur irgendwie anrühren lassen! Ich verstand es nicht.

Ich konnte es wohl nicht verstehen.

Schlussendlich löste ich meinen Blick von ihr und ich wandte mich wieder Charles zu.

Such den Mann der mit mir geschlafen hat, Charles. Und bitte, suche ihn langsam."

Er sah mich kurz an, dann ging er los. Ich ging langsam hinterher.

Es dauerte nur wenige Minuten bis er ihn gefunden hatte.

Ich blickte dem langen Todesser ins Gesicht.

Ich dachte, du solltest die Früchte deiner Arbeit sehen, Todesser."

Er sah zu Charles. Dann wieder zu mir.

Und ich dachte, du solltest die Früchte deiner Arbeit genießen."

Ich lehnte mich an die Wand und sah dabei zu wie Charles den Todesser langsam tötete.

Ich hätte ihn wohl schreien hören sollen, und vielleicht habe ich das ja auch, aber ich kann mich nicht daran erinnern.

Ich erinnere mich daran dass Charles gründlich war und das ich im letzten Moment, bevor das Leben aus des Todessers Augen verschwand, auflachte, aber ansonsten ist alles sehr verschwommen und unklar.

Woran ich mich erinnere, ist, als Charles sich von dem noch zuckenden Körper wegdrehte und wieder zu mir her sah, dass das Rot, da aus seinen Augen verschwunden war.

Und dass ich jetzt, wo ich wieder Verstand erblickte, und Hass und Wut und Fassungslosigkeit, Angst verspürte.

Sein normalerweise so ruhiges Gesicht zuckte vor lauter Wut.

Sein dann ausgestreckter Arm zeigte zur Tür hinaus, er vibrierte fast schon. Ich konnte seine angespannten Muskeln unter seinem Gewand sehen.

Es war dieser Augenblick in dem mir persönlich Angst und Bang wurde.

Und es war dieser Augenblick, in dem ich verstand, dass das was ich getan hatte schrecklich gewesen war und dass ich dafür zahlen würde. Höchstwahrscheinlich mit meinem Leben.

Ich fühlte mich ganz klein und unbedeutend, nickte leise mit dem Kopf und ging durch die Gänge zurück ins Freie.

Er folgte mir, ich hörte ein stetes Schurren hinter mir.

Dann war ich endlich wieder an der frischen Luft, es war angehender Abend, er kam heraus aus dem, wie es aussah, Felsvorsprung und ich sah dass er den toten Leichnam des Todessers mitgezerrt hatte.

Er lies ihn liegen und von überall her, ich schwöre es, kamen Werwölfe angerannt und fraßen den Todesser auf.

Und dass war kein schöner Anblick.

Als ich meinen Blick wieder abwenden konnte, hatte Charles einen Blutkreis gemacht, einige Phrasen intoniert, ein Portal geöffnet und dann stieß er mich dort durch.

Ich fiel auf den harten Steinboden des Empfangsraumes im Wealseymanor.

Charles landete wesentlich sanfter als ich.

Es waren alle da, bis auf Mollandy und Arthur, und sie alle starrten mich an.

Mein Bruder kam auf mich zugelaufen und half mir auf, ich dankte ihm, er zauberte eine Bank für mich und lies mich erst einmal hinsetzen.

Es war für mich erschreckend zu sehen wie er sich mit Charles unterhielt und dabei meines Gatten Gesicht wieder so war wie immer, doch als er zu mir her sah, da war es wieder diese Fratze.

Ich weiß nicht warum Tray es sagte oder genau wie, denn zu diesem Zeitpunkt begann ich wieder die Schmerzen zu fühlen und das Atmen viel mir schwer, aber es war wohl ein Auftrag oder so.

Er sagte: „Und bitte, hör auf sie so anzuschauen. Kontrollier dich ein bisschen besser, Charles."

Mein Mann, mein Charles, begann zu lachen.

Richtig zu lachen.

Laut und …tief und herzhaft.

Er lachte eine lange Weile lang.

Dann verstummte er so plötzlich wie er begonnen hatte und blickte an Tray zu mir vorbei, direkt in meine Augen.

Glaubst du, mein Masterlord, deine unnütze Schwester würde noch leben, wenn ich mich nicht unter Kontrolle hätte. So dumm kannst noch nicht ein Mal du sein.", sagte er.

Er lächelte mir böse ins Gesicht, eines dieser Grinser, die Augen erreichten.

Ich bekam von den folgenden Gesprächen nicht mehr viel mit, mir klang nur seine Stimme in meinen Ohren, verfolgte mich und verbannte mich in die schon längst überfällige Ohnmacht, die ich mir eingentlich schon viel früher gewünscht hätte.