Rain Kapitel 12
Schon nach kurzer Zeit kam Neji wieder durch das Haupttor. Diesmal jedoch ordentlich angezogen und damit fertig zum Training. Jedoch, wirklich Lust hatte er nicht, wenn er ehrlich war. Hinata war gerade eben noch, vor seinen Augen mit diesem Hundejungen abspatziert. Zu allem Überfluss sah es auch noch so aus, dass Neji selber keine eigene Mission bekommen würde. Tja, dann musste er sich halt anders ablenken.
Der junge Hyuga stapfte also seinen üblichen Weg zum Trainingsplatz. "Es wird bestimmt nur Tenten da sein", dachte er sich, denn es war bei seinem Team schon fast gang und gebe, dass Lee und sein Sense erst einmal ihre Runden um Konoha drehten.
Neji erreichte die Waldlichtung und warf mit einem Ruck seine schwarzen Haare nach hinten um besser sehen zu können. Mit einem Blick stellte er nüchtern fest, dass er mit seiner Vermutung recht hatte.
Tenten stand mutterseelenallein da und übte mit ihren neuen Shuriken.
"Hey Tenten!", rief er. Sie drehte sich um und bewarf ihn mit Shuriken und noch einigen anderen Waffen, die sie aus ihren Taschen zauberte. 'Nette Begrüßung', Neji holte ein Kunai aus seiner Tasche und blockte die Shuriken mit Leichtigkeit ab. Der Rest, der noch hinterher kam wurde mit einem sauberen Kaiten auf ihre Besitzerin zurückgeschleudert. Tenten meckerte kurz irgendetwas und sammelte ihr Waffenarsenal wieder ein. "Wollen wir anfangen Neji? Lee und Gai wollen Konoha auf einer Hand umrunden, kann also noch ein wenig dauert bis die Beiden zurückkommen", sagte sie zu ihm, als sie ihre Waffen wieder verstaut hatte. "Die haben doch echt ne'n Hackenschuss", gab er Kopfschüttelnd zurück.
Sie brachte sich in Position und Neji nahm die klassische Hyuga Kampfstellung ein.
Eine kurze Stille, in der man nur den Wind hörte, dann griff Tenten blitzschnell nach ihrer Schriftrolle und Neji stürmte auf sie zu. Ungewöhnlich für den jungen Hyuga, aber es kam durchaus mal vor, dass er den ersten Schritt machte. Neji aktivierte seine Byakugan und Tenten hatte sich aus ihrem Waffensammelsorium für einen Speer entschieden, um Neji möglichst auf Distanz zu halten.
Es nütze ihr aber relativ wenig, wie sie schnell feststellte, denn Neji schlug ungewöhnlich hart zu. Tenten landete im hohen Bogen am nächsten Baum. "Hey du Idiot ", schrie sie "Wir wollten trainieren, TRAINIEREN! und das heißt nicht, dass du deine schlechte Laune an mir auslassen sollst!"
Sie stemmte sich wieder hoch und sah ihn giftig an. Neji sah geknittert zur Seite und verschränkte die Arme vor der Brust. Tenten seufzte und klopfte sich den Dreck von der Schulter. "Also was ist los", sie setzte sich auf einem Baumstamm und bat ihn sich neben ihr niederzulassen. Nach kurzem Überlegen und einigen giftigen Blicken später, setzte sich Neji schließlich missmutig gelaunt neben Tenten. "Also Neji erzähl mal. Was bedrückt dich?", sie lächelte ihn lieb an und Neji starrte nur endgeistert zurück. Also erzähl doch mal...'ALS WENN DAS SO EINFACH WÄRE!!'
Neji war ja auch der Typ der gerne über sein Gefühlsleben plaudert. Allerdings es ist auch angenehm eine Vertrauensperson zu haben. Er kannte Tenten jetzt schon lange und er wusste, dass sie seine Geheimnisse nicht sofort ausplaudern würde.
Der schwarzhaarige Junge holte tief Luft und und stützte sein Gesicht in beide Hände. "Naja... es geht um Hinata", er warf Tenten einen Seitenblick zu um zu schauen, ob es irgendeine Reaktion hervorrief. Sie sah ihn jedoch weiter mit neutralem Blick an und gab ihn ein Zeichen, dass er weiterreden sollte.
So saßen die Beiden fast den ganzen Vormittag da und Neji erzählte von der Gewitternacht, dem Einkauf, von Kiba, von Naruto, dem gemeinsamen Abendessen und heute Morgen dann den Kuss auf die Wange. Tenten unterbrach Neji nicht. Sie wusste, dass es ihm nicht einfach viel zu Reden. Als er geendet hatte sah er sie an. "Und was soll ich nun machen?", er sah in den Himmel und stellte fest, dass inzwischen wieder Regenwolken aufgetaucht waren.
"Naja schwer zu sagen, aber...warum erzählst du ihr nicht einfach, dass du in sie verliebt bist?", fragte sie ihn. Neji schnaupte kurz. "Ok, ok," sie hob die Arme, um ihn zu beschwichtigen und mögliche Schläge abzufangen. "Ich weiß das klingt leichter als es ist Neji. Es ist nicht einfach jemanden zu sagen, dass man ihn liebt", sie sah ihn erst an. Er, das Gesicht immer noch in seine Hände gestützt, blickte Tenten wieder in ihre Haselnussbraunen Augen und nickte langsam. "Versuch es einfach, wenn du denkst 'Jetzt oder Nie', den richtigen Zeitpunkt für eine Liebeserklärung gibt es sowieso nicht", meinte Tenten und grinste ihn an.
Neji lächelte schwach zurück "Ich werds probieren aber...". Er sah wieder auf den Boden. "Ich stamme aus der Zweigfamilie Tenten. Normalerweise ist es mir nicht erlaubt Hinata zu lieben oder auch nur daran zu denken. Für die Hauptfamilie bin ich nichts weiter als ein Bediensteter oder ihr Bodyguard. Mehr bin ich nicht." Es fing an zu regnen.
Neji blieb still und Tenten wusste nicht was sie sagen sollte. Sie wusste auch nicht genau, was innerhalb der Familie genau vorgefallen war. Neji hatte nur beiläufig mal erwähnt, dass die Sache mit seinem Vater nicht der einzige Grund für die Familienfehde der Hyugas war. "Neji ich glaube nicht, dass Hinata genauso denkt. Sie mag diesen Haup- und Zweigfamilien Kram doch auch nicht. Sie leidet doch auch darunter."
Neji sah zu ihr, schloss dann aber die Augen.
"Genug für heute, sonst werd ich noch Depressiv", er nahm wieder seine Kampfstellung ein. Tenten machte erst mal ein perplexes Gesicht. Neji war gut darin schnell das Thema zu wechseln, wenn er der Meinung war, dass genug gesagt worden war. Der junge Hyuga war noch nie ein Mann der vielen Worte gewesen. Es ist sowieso erstaunlich, dass er sich so lange mit ihr über sein Gefühlsleben unterhalten hat.
So kam es das Tenten und Neji noch den Tag über im strömenden Regen trainierten. Nach einen Stunden gesellten sich auch Lee und Gai zu den beiden.
Es regnete immer noch. Nur war die Zeit vorangeschritten und so kam es, dass sich die vier Shinobi trennten und jeder seiner eigenen Wege ging. Neji verabschiedete sich von Tenten. "Sollte noch etwas sein Neji, dann kannst du jederzeit anrufen oder zu mir kommen. Hast du verstanden?"
Er nickte ihr zu und machte sich auf den Weg nach Hause. Alleine im Regen.
