Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 1
Teil: 3/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Cracy-Li Ich danke Dir sehr. Ich habe sie doppelt on gestellt, weil sie auch als eigenständige Geschichte zu lesen ist und dann kein Slash ist. Ich denke mir der Zeit wirst Du vieles noch verstehen. Alles hat einen Grund. Danke!!
Reinadoreen Ich danke Dir total für jedes einzelne Review. Es ist total genial nach jedem Kapitel eine Bemerkung von Dir zu lesen. Ich freue mich sehr, dass es dir gefällt. Hoffentlich wirst du auch in der Zukunft viel Spaß haben. knuddel
Severina35 Danke für dein Review. Es ist toll solches Lob zu erhalten. Ich bin gespannt wie dir die Fortsetzung gefällt. Liebe Grüße.
Saphirath Danke, danke… ich mache doch eigentlich schnell weiter, oder? Ich würde mich freuen weiter etwas von dir zu hören.
Kiki Ich mache so schnell ich kann, aber die letzten Tage war ich nicht Zuhause und konnte daher nichts weiter onstellen. Aber jetzt kommt das nächste Kapitel.
Und mit Dir Marnem habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen, wenn Du nicht bald hier eine kleine Meldung hinterlässt knuddel
Teil III
Verlorene Zeit
Kapitel 1
Wandelndes Schweigen
Vögel zwitscherten, während Harry begann sich zu bewegen und aus seiner Ohnmacht erwachte. Als er seine Augen öffnete, konnte er noch Spuren vom schwarzen Nebel sehen. Dieser verschwand allerdings sehr schnell und Harry blickte sich um.
Sie waren in einem dichten Wald gelandet. Über ihm waren die Gipfel von großen Laubbäumen und unter ihm war ein weicher Moosteppich, aber wenige Zoll rechts von ihm begannen schon die Brennnesseln und Disteln. Er setzte sich langsam auf und blickte sich weiter um.
Keinen Meter neben Harry setzte sich gerade Draco auf und sah sich genauso missmutig um. Schnell stand der Blonde auf und klopfte seine Kleidung ab. Noch immer trugen sie jeweils eine weiße Hose und das weiße Hemd, keine Schuhe oder Strümpfe, kein Gepäck oder irgendetwas anderes, Nichts.
„Wo sind wir?" zischte der junge Malfoy und fixierte Harry mit kaltem Blick.
Harrys Blick war wenigstens genauso kalt. „Warum bist Du mitgekommen Malfoy? Ich habe Dir vorhin schon gesagt, dass ich keine Ahnung habe wo wir landen und mich interessiert im Augenblick viel mehr die Frage, in welchem Jahr wir gelandet sind?!" Harrys Stimme war kalt und schneidend, er hatte keine Lust auf einen Streit, aber er würde sich nicht unter Dracos schlechter Laune ducken. Er stellte sich gelassen auf und mied dabei die Brennnesseln konsequent.
„Wir haben keine Zauberstäbe und nichts zu Essen. Das ist viel wichtiger!" zischte Draco wütend.
„Du wolltest doch ein Abenteuer!" knurrte Harry. „Du bist freiwillig mitgekommen, also maul jetzt nicht rum!"
„Wir haben kein Zelt, kein Wasser... Nichts! Wir werden nicht sehr weit kommen und erst recht nicht in die Winkelgasse. Diese Probleme finde ich gerade viel wichtiger als irgendeine Zeitangabe!" Draco war nicht bereit sich auf Harrys Worte einzulassen. Er würde sich nicht von Harry einschüchtern lassen.
„Wir sollten, wenn wir schon in die Winkelgasse wollen, wissen, ob es sie überhaupt schon gibt!" zischte Harry und blitze Draco mit unermüdlich funkelnden Augen an. Draco erwiderte den Blick genauso wütend, sagte aber nichts mehr. Dieser Gedanke hatte ihn wohl ein wenig eingeschüchtert.
„Wir sollten erstmal aus dem Wald raus!" sagte Draco schließlich und es klang eindeutig nach einem Kompromiss.
„… und menschliche Zivilisation finden!" fügte Harry an. Er ignorierte den wütenden Draco nun und sah sich vorsichtig im Wald um. Gereizt stellte er allerdings schnell fest, dass nicht der geringste Hauch einer menschlichen Spur zu sehen war. Nicht mal das magische Prickeln im Nacken war zu spüren und so wusste Harry ohne dass er die Pflanzen genauer untersuchte, dass sie nicht in einem magischen Wald waren. Geschweige denn im verbotenen Wald. Nur war Harry sich nicht ganz sicher, ob er darüber erleichtert oder bestürzt sein sollte.
„Dies ist nicht der verbotene Wald oder sonst ein magischer Wald", stellte Draco herablassend fest. Harry reagierte auch darauf nicht. Seine Aufmerksamkeit lag allein bei den Geräuschen des Waldes, aber er konnte nichts Besonderes feststellen. Kein Motorenlärm oder andere menschliche Geräusche waren zu vernehmen. Nur leises Vogelgezwitscher und das rauschen in dem Blattwerk der Bäume.
Weder Harry noch Draco hatten den geringsten Schimmer wo oder wann sie waren. Vielleicht waren sie nicht mal in Europa. Aber daran mochte wenigstens Harry nicht denken. Er hatte zwar in der Grundschule etwas Geographie gehabt, aber dies würde nie ausreichen, um in dieser Lage irgendwie von Nutzen zu sein.
So standen zwei ehemalige Feinde mitten in einem unbekannten Wald, in einem unbekannten Land und hatten keine Ahnung welches Jahr war. Sie hatten nicht die geringste Ahnung, wie es jetzt weiter gehen sollte. Leider konnte Harry nicht mal aus irgendwelchen Abenteuerfilmen Erkenntnisse nutzen, denn so etwas durfte er sich nie ansehen. Und auch Reportagen und Dokumentationen waren nicht unbedingt nach Dudleys Geschmack gewesen. Jetzt könnte wenigstens Harry etwas davon gebrauchen, aber es gab kein Zurück. Draco brauchte er nicht nach irgendwelchen nützlichen Fähigkeiten zu fragen. Harry war sich sicher, dass der Blonde noch nie etwas von Überlebenstraining gehört hatte… er war so verwöhnt…
„Los Potter, oder willst Du alleine hier bleiben?" schnarrte Draco und Harry bemerkte erst jetzt, dass der Blonde schon hinter den ersten Büschen verschwand. Er würde nicht auf Harry warten, das stand fest. Wenigstens konnte Harry so Draco die Schuld geben, wenn sie sich verliefen, also folgte er ihm.
Irgendwie tat es gut nicht ganz allein zu sein, auch wenn er dieses Abenteuer mit Draco durchleben würde. Langsam trottete Harry hinter dem Slytherin hinterher, der im Moment noch ein ziemliches Tempo drauf hatte. Harry glaubte nicht, dass dieses Tempo noch lange anhalten würde…
Es war ein Mischwald, soviel konnten die beiden Jungen nach wenigen Minuten erkennen. Die Sonne stand hoch am Himmel und eine angenehme Wärme umhüllte sie. Wenigstens schien es Sommer zu sein, so dass sie nicht so schnell von einem tödlichen Schneesturm überrascht werden würden. Aber sie hofften trotzdem auf eine baldige Begegnung mit einem menschlichen Wesen. Es war sehr beängstigend, dass sie nicht wussten, was außerhalb des Waldes auf sie wartete.
Mit nackten Füßen liefen sie durch das Unterholz. Schon nach kurzer Zeit taten ihnen die Füße durch diese unbekannte Belastung weh, aber außer einem leisen Zischen war von ihnen Nichts zu vernehmen. Die empfindliche Haut wurde durch Dornen, Steine und kleine Zweige geschnitten und verwundet. Ihre Hosen hingen mittlerweile in Fetzen herab. Harry hatte sie sich hochgekrempelt, sobald er bemerkte, dass sie sowieso keinen Schutz bot.
Die blutigen Striemen wurden ignoriert, denn es hatte keinen Sinn sich darüber zu beklagen. Sie versuchten schon den wirklich spitzen Dornen auszuweichen, aber viele Möglichkeiten hatten sie nicht. Der Wald war einfach zu dicht.
Nach einer guten Stunde waren die Jungen total erschöpft. Das Problem war allerdings, dass keiner seine Schwäche zugeben wollte. Nach einer weitern halben Stunde eisigen Schweigens und Aufrechterhaltung durch Stolz, gaben allerdings Dracos Knie einfach nach und er sackte auf einen freien Platz am Boden. Auch Harry ließ sich jetzt einfach fallen und lehnte sich an einen dicken Baumstamm. Keiner sagte ein Wort.
Draco blickte etwas erstaunt zu Harry, der mit geschlossenen Augen und zerkratzter Haut am Baum saß. Er machte sich nicht mit einer Silbe über ihn lustig. Aber vielleicht ging es dem Schwarzhaarigen genauso wie ihm, denn genau danach sah es im Moment aus. Oder Harry war einfach der brave Gryffindor…
Draco entspannte sich etwas und genoss die letzten Sonnenstrahlen in seinem Gesicht. Schweigend lauschten sie den Vögeln, Bienen und dem Wind. Schweigend genossen sie die einzelnen Sonnenstrahlen, die ihren Weg durch das Blattwerk auf ihre Gesichter fanden. Schweigend genossen sie die Ruhe und entspannten sich.
Erst nach einer ganzen Weile blinzelte Harry etwas irritiert und sah dann zu Draco hinüber. Die Zeit war wohl schneller vergangen, als sie bemerkt hatten, denn es war schon ziemlich dämmerig. Harry schloss nicht aus, dass sie beide eingenickt waren. Noch zwitscherten die Vögel, aber bald würden andere Tiere umherstreifen. Wohl fühlte Harry sich bei diesem Gedanken nicht und er brauchte Draco nicht zu Fragen, um zu wissen, dass es bei ihm die Angst noch intensiver war. Aber Harry schwieg. Beide Jungen wussten, dass wenn sie etwas sagen würden, dann würden sie wieder streiten und ihre Kraft brauchten sie für etwas anderes im Moment viel dringender.
Vorsichtig stand Harry auf. Seine Beine waren etwas wackelig und er hielt sich am Baum fest. Die Wunden brannten und er verzog leicht das Gesicht. Eigentlich müsste er sich mit Schmerzen auskennen, aber jedes Mal wieder war er über ihre Intensität überrascht und erstaunt.
Ein leichtes schmerzhaftes Stöhnen ließ ihn aufsehen. Anhand Dracos Gesichtes konnte er erkennen, dass dieser eigentlich einen spöttischen Kommentar abgeben wollte, aber der eigene Schmerz ließ es wohl nicht so ganz zu.
Schweigend nahmen sie wieder den Weg auf. Aber weit kamen sie nicht, denn es wurde relativ schnell dunkel und sie konnten kaum die Hand vor Augen sehen. Aber eine Lichtung auf der sie übernachten könnten war auch nicht zu entdecken. Zu den Schmerzen der Schrammen und Schnitte kam jetzt noch das Brennen der Brennnesseln, denn diese konnten sie bei dem schwachen Licht nicht rechtzeitig erkennen um ihnen auszuweichen. Insgeheim wartete Harry auf einen Wutausbruch von Draco, aber vermutlich war der Blonde dafür einfach viel zu erledigt und müde.
Der silberne Mond spendete etwas Licht und zeichnete merkwürdige Muster auf ihre Haut. Bei jedem ist der Punkt erreicht, wo er nicht mehr will oder kann und bei Harry war dieser Punkt genau jetzt. Sie standen auf einer sehr kleinen Lichtung, die von Farnen und Brennnesseln umzäunt war. Sie war nicht wirklich einladend, aber für Harry reichte es nun endgültig.
Mit einem: „Ich bleib hier, Malfoy! Mach Du doch was Du willst, aber ich gehe keinen Schritt weiter. Die wilden Tiere werden uns schon so oder so bekommen, warum also nicht hier?!" ließ er sich einfach auf einem moosbewachsenen Baumstumpf nieder.
Draco war hin und her gerissen. Entweder er könnte den Versuch starten alleine noch fünf oder sechs Schritte zu gehen - zu mehr war auch er nicht in der Lage - oder er ließ sich einfach hier und jetzt nieder und konnte Harry allerdings nicht mehr auslachen oder verspotten. Am Ende siegte die Erschöpfung und er machte es sich in einem trockenen Laubhaufen bequem. Eigentlich hatte nur noch sein Stolz ihn auf den Beinen gehalten, er war nicht minder Erschöpft als Harry.
Jetzt konnte ihn allerdings nicht mal mehr die kleine Schlange aufschrecken, die sich aus dem Laub zischend befreite.
„Stell Dich nicht so an", zischte Harry ohne zu überlegen. Er hatte sich auf den Moosteppich vor dem abgesägten Baum gesetzt und sein Kopf lag auf dem Baumstumpf, seine Augen waren geschlossen, so konnte er nicht das entsetzte Gesicht von Draco sehen.
Das Zischen machte Draco Angst, auch wenn er es nie jemanden erzählen würde, besonders nicht Harry Potter. Die kleine Schlange verschwand in der Dunkelheit. Nachdem das Rascheln der Blätter verstummt war, war nur entferntes Wolfsgeheul und andere Geräusche der Nacht zu vernehmen.
Ein leises Knurren ließ sie nicht zusammen fahren, denn es war nur ein hungriger Magen. Die wenigen Waldbeeren, die sie gefunden hatten, hatten nicht wirklich ausgereicht. Aber kein böser Kommentar fiel. Sie schwiegen, wie schon fast den ganzen Tag. Schweigen war das einzige, was für Frieden sorgen würde, und für Ruhe…
Weder Harry noch Draco hatten gedacht so schnell Schlaf zu finden, aber die beiden Jungen schliefen die ganze Nacht friedlich durch. Draco wurde erst am nächsten Morgen durch die Sonnenstrahlen geweckt. Er öffnete die Augen und sah sich um. Er sah zwar jetzt bei Tageslicht viel mehr, aber es brachte ihm nicht viel. Denn im Grunde sah er nur Bäume, Bäume und Büsche. Jede Menge braun und grün, vielleicht sogar etwas blau, weiß und rot von Blüten oder Beeren. Aber keinen kleinsten Hinweis auf einen Menschen.
Eigentlich hatte er erstaunlich gut geschlafen, womit er nun wirklich nicht gerechnet hatte. Seine Muskeln schmerzten und die Wunden brannten. Er sehnte sich nach einer Dusche, Heilsalben, einem bequemen Bett und nach einem leckeren Frühstück. Es war doch zum Heulen. Nicht zum ersten Mal und vermutlich auch nicht zum letzten Mal verfluchte Draco sich, dass er Harry gefolgt war. Noch konnte Draco seine Maske aufrecht halten, aber wohl gar nicht mehr so lange. So elend hatte er sich noch nie gefühlt; schmutzig, hungrig, orientierungslos, verletzt, allein, ohne Zauberstab, barfuss, ungekämmt, ungestylt, …. Moment! … allein?
Draco sah sich noch mal genau um. Der Platzt wo Harry geschlafen hatte war platt gedrückt, aber leer. Keine Spur vom Gryffindor. Leichte Panik jagte durch Draco, als er sich aufrichtete und weiter suchte. Die Angst war nicht ganz so intensiv, wie am Tag der Vernichtung Voldemorts. Aber warum machte er sich eigentlich Sorgen, war es nicht vielleicht sogar gut, wenn Harry von den wilden Tieren zerfleischt wurde? Besser, als wenn sie ihn nahmen.
„Mach Dir keine Hoffnung, Malfoy! Ich lebe noch", hörte Draco Harrys belustigte Stimme hinter sich. Anscheinend hatte Harry Dracos Gedankengänge gelesen, oder einfach nur gut interpretiert. Schnell verschloss Draco sein Gesicht gänzlich. Er blickte Harry herablassend an, irgendetwas war anders an dem Gryffindor.
„Da unten ist ein kleiner Bach, dort kannst Du Dich frisch machen, Dein Blut abspülen und die Wunden reinigen. Das Wasser sieht sehr sauber aus, daher denke ich, dass man es auch trinken kann", sagte Harry total gelassen. Im Grunde war es ihm egal, ob Draco diesen Tipp befolgen würde.
Er hatte auch gut geschlafen und sah jetzt hinter Draco her, der vorsichtig den leichte Hang hinab stieg. Die morgendliche Erfrischung hatte verdammt gut getan und der Anblick von einem schlafenden Draco Malfoy ließ ihn leicht grinsen. Aber noch besser als ein schlafender Draco war ein gerade erwachter Draco, denn das Laub hing ihm noch in den zerzausten Haaren und das Gesicht wirkte trotz Maske zerknautscht. Es war ein Bild für die Götter.
Harry blickte sich jetzt auf der Suche nach Nahrung um. Er hatte Hunger und er wusste genau, dass es Draco genauso erging. Nur kannte Harry das Gefühl schon zu gut. Noch in guter Erinnerung hatte er die Abende oder Nächte, die er hungrig in seinem Schrank gelegen hatte. Draco hatte diese Erfahrung bestimmt nie machen müssen. Und irgendwie wollte er nicht, dass irgendjemand diese Erfahrung machen musste, außer vielleicht Dudley.
Aber Harry fand nichts, was man auch nur im Entferntesten als Frühstück umfunktionieren konnte. Als Draco wieder gestriegelt zurückkam, verstand Harry seine Sorge um ihn gar nicht. Draco war alt genug um auf sich selbst aufzupassen.
Kalt blickten sie sich an, keine Spur war von den Gefühlen oder Gedanken zu spüren. Sie schwiegen und gingen einfach weiter. Harry folgte Draco, dabei hielt er die Augen offen und sammelte die wenigen Waldbeeren, die er finden konnte, in einem Fetzen Stoff, den er von seiner Hose abgerissen hatte. Viele fand er nicht, aber er sammelte und verstaute sie vorsichtig.
Draco marschierte stur weiter und bekam nichts vom Sammelfieber des anderen Jungen mit. Er versuchte sich an der Sonne wenigsten ein klein bisschen zu orientieren, aber die Bäume und stacheligen Büsche machten es ihm nicht gerade leicht. Ständig musste er versuchen Hindernissen auszuweichen. Sie kletterten über Baumstämme, liefen steile Hänge hinab, sprangen über Bäche und wateten durch Flüsse. Aber die ganze Zeit kämpften sie gegen Erschöpfung und Hunger. Dass sie ihre Füße nicht mehr spürten, war nichts Neues. Schon am Vortag waren die Empfindungen aus diesem Teil ihrer Körper drastisch abgestumpft.
Nach einer Weile konnten sie etwas aufatmen, denn die Dornenbüsche nahmen etwas ab und die Haut an ihren Beinen und Füßen wurde ein wenig verschont. Gegen Mittag machten sie auf einer kleinen Lichtung Rast und Harry wickelte sein Bündel aus. Ein ehrliches Lächeln zierte seine Lippen, als er die großen Augen von Draco sah. „Iss, sonst kippst Du noch um!"
Aber Draco zögerte erst, war es ihm doch verdammt unangenehm, aber der Hunger war stärker und so aßen sie in stiller Eintracht. Die Beeren waren schnell weg, aber wenigstens der größte Hunger war gestillt.
Der Nachmittag verlief fast genauso wie der Vormittag, nur diesmal sammelte Draco mit. Abends fanden sie eine nette Stelle an einem kleinen Bach, wo sie sich niederließen. Sie aßen schweigend.
Nach dem Essen ließ Harry sich nach hinten fallen und sah zum Himmel empor. Das Symbol für Weite und Freiheit. So blau war der Himmel, dass Harry das Gefühl hatte, dort oben müsste einfach alles perfekt sein, aber er wusste es besser. Nichts war perfekt. Auch nicht der Himmel.
In ihm nahm die Angst vor der ungewissen Zukunft zu. Noch immer hatten sie kein Anzeichen gefunden, dass überhaupt irgendwo Menschen lebten. Irgendwie hatte Harry das Gefühl, dass sie weit vor ihrer Zeit gelandet waren. Aber wie weit? Weit genug, um die Welt vor dem Schlimmsten zu retten? Oder zu weit?
Harry wollte nur noch irgendjemanden treffen. Irgendwen, damit er nicht mehr in dieser Ungewissheit war. Er suchte den Himmel ab. Er liebte es den Himmel zu beobachten, wenn langsam die Nacht einbrach und die Sterne zum Glühen brachte. Langsam erschienen die silbernen Punkte am Firmament. Erleuchteten die Dunkelheit der Nacht.
Es erinnerte ihn an die Nächte auf dem Astronomieturm. Viele hatten erwartet, dass er diesen Turm meiden würde, aber genau das Gegenteil war eingetreten. Dieser Ort hat ihn das ganze siebte Schuljahr magisch angezogen und er hatte Kraft bekommen. Dieser Ort gab ihm Kraft und Mut weiter zu machen. Es erinnerte ihn immer wieder daran, dass dieser Krieg noch nicht entschieden war.
Wie oft sah er Draco vor sich, wie sich sein Zauberstab langsam senkte… und dann… Snape… wie er den Todesfluch aussprach. Diese Erinnerung gab ihm Kraft, weil er wusste, dass nicht nur die Weiß-Magier litten, sondern auch viele der Todesser. Mit Niemandem hatte er darüber gesprochen. Wer hätte dies auch verstehen können? Es war niemand sonst dabei gewesen.
Und er hatte Hogwarts leise und heimlich verlassen. Weder Ron noch Hermione haben es mitbekommen. Sie hätten es nicht verstanden und doch wussten sie, dass er dies machen würde. Sie sind ihm ja auch schließlich gefolgt.
Jetzt lag Harry auf dem weichen Moos und dachte an damals. Solange war es eigentlich nicht her, aber es war verwirrend. Die ganze Situation war verwirrend. Seufzend schloss er die Augen. Ihm war es egal, ob Draco ihn womöglich beobachten könnte.
Als Harry die Augen wieder öffnete, war der Wald in ein tiefes Schwarz getaucht. Nur der silberne Mond schenkte etwas Licht und malte gespenstische Schatten in die Dunkelheit.
Das ferne Knacken und Ächzen hallte in der Finsternis wieder. Leise Tiergeräusche jagten eine leichte Gänsehaut auf die Haut der Jungen.
Es war unheimlicher als in der Nacht zuvor, aber vielleicht bekamen sie jetzt nur mehr mit?! Die Dunkelheit war erdrückend und ein naher Schrei ließ Draco wieder hochfahren. Aber auch Harry sah sich skeptisch und vorsichtig um. Es war äußerst seltsam, denn er fühlte sich beobachtet. Draco würde dieses Gefühl aber garantiert nicht ernst nehmen, also schweig Harry erst mal.
Die Erschöpfung ließ sie wie in der letzten Nacht auch in einen ruhigen Schlaf fallen. Die braunen Augen, die sie schon den ganzen Tag beobachten ließ, bemerkten sie nicht weiter. Eine Wolke schob sich vor den Mond und die Dunkelheit breitete sich weiter aus und legte sich wie eine Decke über die zwei schlafenden Jungen. Kein wildes Tier würde es wagen sich ihnen zu nähern, dafür würde gesorgt sein. Und nur die Zeitreisenden wussten davon nichts.
Tbc.
