Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 3
Teil: 3/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Teil III
Verlorene Zeit
Kapitel 3
Fragwürdige Rettung
Harry tat diese seltsame Beobachtung mit einem kurzen Schulterzucken ab und folgte der Waldfee mit vorsichtigen und bedachten Schritten. Nur leider konnte er den Pflanzen nicht so gut ausweichen wie die seltsame Frau und er spürte die spitzen Dornen sehr deutlich an der bereits verwundeten Haut seiner Beine.
Eine ganze Weile liefen sie ihr leise stöhnend nach, manchmal war es nicht so leicht ihr zu folgen, denn sie glitt durch die Dornenbüsche einfach hindurch, während Harry und Draco sich durchkämpfen mussten. Langsam begann Harry zu zweifeln, ob seine Entscheidung wirklich die beste Wahl war. Seine Beine waren blutverschmiert und die Füße taten ihm höllisch weh. Hunger und Durst brannten in der Kehle und seine Nerven waren zum zerreißen gespannt. Und wenn sich nicht bald etwas ändern würde, dann würde vermutlich erst Draco und dann Harry explodieren. Denn Draco war deutlich anzusehen, dass seine Nerven noch nie so angespannt waren und er jeden Moment den Siedepunkt erreicht hätte. Er hielt aber überraschender Weise noch eine ganze Weile durch.
Mit zusammengebissenen Zähnen traten sie am frühen Abend auf eine kleine Bergkuppe. Nur wenige Bäume standen hier und mitten auf dieser Lichtung stand eine kleine schiefe Holzhütte. Zum großen Leidwesen der Jungen war es wirklich nur eine kleine Holzhütte ohne magische Vergrößerung und Ausstattung. Nicht einmal Gardinen hingen vor den Fenstern und auch der Rest der Hütte war spärlicher ausgestattet als die Hagrids Hütte.
Vor dem Haus stand eine kleine selbst gezimmerte Bank und Harry ließ sich sofort darauf nieder. Erschöpft lehnte er sich an die hölzerne Wand hinter ihm, auch wenn die akute Gefahr bestand, dass die Hütte seinem Gewicht nicht standhalten würde und sofort in sich zusammenkrachen könnte.
Tief atmete er durch. Er hatte sich von dieser Begegnung mehr erhofft, aber irgendwie gab es ihm trotzdem Hoffnung das Haus zu sehen, denn es war ein wirklich menschliches Gebäude und deutete auf menschliches zivilisiertes Leben hin. Auch wenn es ganz offensichtlich hier noch keinen wirklichen Einzug gefunden hatte. Harry seufzte schwer und schloss kurz die Augen, bevor er versuchte seine zerrissene und blutige Haut an den Beinen von den kleinen Dornen, Ästen und Steinen zu befreien. Es war ein nicht sehr angenehmer Vorgang, aber dringend notwendig und so wusch Harry sich das Blut auch an einer kleinen sauberen Wasserquelle ganz in der Nähe der Hütte ab.
Die Waldfee war relativ früh in ihrem Haus verschwunden und so stand Draco etwas unbeholfen auf dem freien Platz vor der Hütte, das änderte sich allerdings schnell und er machte das Selbe wie Harry. Aus dem Haus hörte man die Frau leise singen und wie eine Zwölfjährige kichern. „Kathazyna, Kathazyna was machst du nur? … Kathazyna, Kathazyna du hast zwei Jungen zu dir eingeladen…"
Kurz hielt Harry in seiner Arbeit inne und blickte zu dem kleinen Holzhaus mit dem schiefen Dach. Er zuckte dann nur die Schultern. Seine Verletzungen waren wichtiger, so dass er keine weitere Aufmerksamkeit verschenken konnte. An der Quelle auf einem großen Stein sitzend wusch er sich das Blut mit dem kalten Wasser ab.
Die Sonne stand schon tief am Himmel und das Wasser reflektierte den rot schimmernden Himmel geheimnisvoll. Das verschwindende Blut konnte man nicht weiter erkennen und doch war es für Harry ganz gegenwärtig.
„Die Frau ist doch voll irre!" hörte Harry Draco neben sich leise fluchen.
Wenn dieser jetzt schon dieser Meinung war, wie würde es dann noch werden?
oooooooooo
Am nächsten Morgen wusste Harry es genau.
Draco hatte nach dem Aufstehen so rumgemeckert und rumgezischt, dass Harry fast instinktiv auf Parsel geantwortet hätte. Es hat einige Minuten gedauert, bis Draco sich wenigstens ein wenig beruhigt hatte und ein ganz klein wenig konnte Harry Draco aber auch verstehen.
Ihr Nachtlager war kein weiches warmes Bett gewesen, sondern der überdachte Heuschober hinter dem Haus. Pieksiges Heu unter ihnen und eine kratzige Decke waren aber sehr viel besser als der harte Waldboden der letzten Nächte.
Trockenes Brot, ein wenig Ziegenkäse und schwarzer ungesüßter Tee waren ihr Abendbrot gewesen. Aber für Harry kam es wie ein Festessen vor, endlich konnte er sich wieder satt essen, auch wenn Ziegenkäse nie sein Favorit sein würde. Er hatte schon früh gelernt dankbar für das zu sein, was man bekam.
„Ach Malfoy, sei doch einfach zufrieden mit dem, was Du hast. Es könnte auch ne wässrige Brühe mit angeschimmeltem Brot sein."
„Oh, Entschuldigung, eure Hochwohlgeborenheit, ich habe ganz vergessen, dass selbst das für EUCH ein Festessen gewesen wäre", zischte Draco sarkastisch und mit einem garstigen Blick auf Harry. Harrys Augen verdunkelten sich dramatisch und fixierte Draco kalt. Eine heftige Spannung entstand und das wütende Blickduell endete gezwungenermaßen erst als Kathazyna plötzlich wieder erschien. Zum Glück hatte die Waldfee eine Heilsalbe für die Jungen, aber zu Dracos Schrecken sah sie doch sehr nach einer Muggelsalbe in einer Tube aus. Kurz danach wurden sie in ihre „Betten" geschickt.
oooooooooo
Während die Sonne immer weiter hinter den Bergen verschwand, keifte Draco herum, dass dies doch keine Betten seien und er etwas mehr erwarten könnte. Aber eine spitze Bemerkung von Harry über den harten Waldboden, rief die Erinnerung an ihr letztes Nachtlager wach und brachte Draco für diesen Abend zum verstummen. Harry war noch nie so dankbar für die Stille gewesen und so fand er schnell den Zugang zu seiner trüben Traumwelt.
Am nächsten Morgen war Harry doch ganz froh, dass sie ein überdachtes Nachtlager hatten, denn es regnete in Strömen und die Sonne kam erst gegen Mittag zum Vorschein.
Kathazyna war schon weg, als Harry und Draco sich aus ihrem Bett kämpften. Nur etwas zu Essen stand auf dem kleinen Tisch in der Hütte bereit. Der Tag verging und die Jungen langweilten sich fast zu Tode. Natürlich hatten sie die Hütte gründlich untersucht, aber weder ein Kalender, eine Zeitung, eine Uhr noch ein magischen Gegenstand konnten sie finden. Und somit wussten sie genauso viel wie vorher.
Harrys Laune senkte sich durch diesen Misserfolg drastisch und als am Mittag die Sonne endlich herauskam, erkundete er die nähere Umgebung. Der Blick ins Tal war bemerkenswert, aber auch von hier konnte er keine weiteren Hinweise für das existieren von Menschen finden. Die großen Berge um sie herum ließ ihn frösteln und sich klein fühlen. Es war eine sehr deprimierende Erfahrung und so schlenderte Harry missmutig am Abhang entlang und sucht nach einer Lösung für diese doch sehr verkorkste Situation.
Warum musste auch ausgerechnet Draco Malfoy mit ihm reisen? Es wäre ihm viel lieber gewesen, wenn Ron oder Hermione, Ginny, Neville oder Fred und George dabei gewesen wären, aber NEIN, es musste ja ausgerechnet Draco Malfoy sein. Der selbsternannte blonde Schönling aus dem Hause Slytherin, Junior-Todesser und sein persönlicher Schulfeind seit der ersten Zugfahrt. Gut Draco hatte sich gegen Voldemort und die anderen Todesser gestellt, aber als Freund würde er Draco nie bezeichnen, NIE. Nie und nimmer…
Am Abend erschien Kathazyna sehr spät. Die Sonne war schon fast hinter den Bergen verschwunden und sie schien überrascht zu sein, dass die Jungen nach wie vor anwesend waren. Vielleicht hatte sie gehofft, dass sich dieses Problem von selbst löst, aber da lag sie wohl falsch.
Draco und Harry versuchten jeder auf seine Art etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Jahreszahl oder den Stand des Krieges herauszubekommen, aber beide hatten keinen Erfolg. Kathazyna schien ihnen gar nicht richtig zuzuhören und ließen die Jungen in ihrer Verzweiflung schlicht alleine. Sie war kein Wesen, das mit Menschen gut kommunizieren kann. Es lag ihr einfach nicht, sonst würde sie wohl auch nicht hier in der Einöde leben.
Harry lag nicht mehr lange wach, aber ein Entschluss hatte er noch fällen können, denn hier zu bleiben würde ihm nichts bringen, also lieber schlafen und den nächsten Tag wieder marschieren und wandern, in der Hoffnung ganz bald ein Dorf zu finden.
oooooooooo
Am frühen Morgen wurde Draco von der Sonne geweckt und hatte diesmal das Vergnügen einen schlafenden Gryffindor vorzufinden. Allerdings war diese Beobachtung weniger spektakulär als erhofft, denn der Junge war fest in die Decke eingemummelt und nur ein paar der schwarzen Haarsträhnen lugten hervor. Er wirkte so friedlich und schutzbedürftig, aber Draco wusste genau, dass Harry Potter sich sehr gut alleine verteidigen konnte. Es war schon seltsam, ausgerechnet mit Harry Potter, seinem Schulfeind, durch eine unbekannte Welt zu wandern und dabei noch nicht den Todesfluch ausgesprochen zu haben.
Langsam stand Draco auf und berührte dabei Harry, der sich murrend umdrehte und das Gesicht jetzt auch in die Sonne streckte. Er zwinkerte und sah sich vorsichtig um.
„Guten Morgen", nuschelte er, während er sich streckte und die Augen rieb. Draco sagte nichts, bisher hatten sie sich nie eine gute Nacht oder einen guten Morgen gewünscht. Harry grinste Draco an und stand nun allerdings auch zügig auf.
„Ein sprachloser Draco Malfoy, so früh am Morgen kann ja nur ein gutes Omen für diesen bezaubernden Tag sein", trällerte Harry und erhielt sofort einen Blick der soviel hieß wie „Du musst total verrückt sein!"
Harry grinste nur und machte sich fertig. Er frühstückte reichlich und nahm sich etwas Proviant, welches er sorgsam in das Tuch wickelte. Es passte zwar nicht viel hinein, aber immer noch besser als gar nichts. Zu trinken würde er hoffentlich unterwegs genug finden, so hoffte Harry jedenfalls inständig, denn er hatte nichts, wo er Wasser hineinfüllen könnte.
Kathazyna war schon wieder verschwunden, nur ein Eichhörnchen saß auf dem schiefen Dach und beobachtete Harry und sein Handeln argwöhnisch. „Grüß Kathazyna von mir und sag ihr tausend Dank für ihre Hilfe", sprach Harry zu dem Tier, welches sofort aufgeregt im Wald verschwand. Eine merkwürdige Gesellschaft. Hoffentlich waren sie nicht ausversehen in einer ganz anderen Dimension gelandet. Aber eigentlich glaubte Harry nicht an ein Paralleluniversum. Aber er hatte auch nie an die Existenz von Magie geglaubt, bevor Hagrid zu ihm gekommen war.
Als Harry sich dann umdrehte um wieder im Wald den Weg aufzunehmen, den sie gegangen waren, bevor sie auf die Waldfee gestoßen waren, schien Draco sich endlich durchzuringen und Harry anzusprechen.
„Was wird das eigentlich, wenn's fertig ist, Potter?" fragte der Blonde spitz und beißend. Es war offensichtlich, dass er an Harrys Verstand zweifelte.
„Ich gehe", sagte Harry ruhig und gefasst. Was sollte er auch weiteres sagen? Die Antwort war knapp und präzise, aber anscheinend nicht ausreichend für einen Draco Malfoy.
„Und, bitte, wohin willst Du gehen, Potter? Oder hat der Herr auf einmal die Fähigkeit eine Karte heraufzubeschwören erlangt? Oder siehst Du in den Sternen wohin es geht?"
Das hämische Grinsen ließ Harry kochen vor Wut, allerdings versuchte er sich wieder zu beruhigen.
„Wo ich hin will? Malfoy, vielleicht ist es Dir noch nicht aufgefallen, kann ja gut möglich sein, aber wir sind noch immer keinen Schritt weiter gekommen. Noch immer stecken wir mitten in einem uns unbekannten Wald, in einer unbekannten Zeit, in einem unbekannten Land. Hier..", damit zeigte Harry auf die kleine Hütte und die Lichtung, „werden wir nichts Neues erfahren. Nichts was uns weiterhelfen wird. Nichts was uns interessiert oder uns weiter bringt. Rein gar nichts.
„Und daher gehe ich. Es ist mir scheißegal was DU machst, aber ich werde nicht weiter in dieser Ungewissheit leben wollen. Ich kann das nicht. Wenn mir etwas passiert, okay, aber hier werde ich nicht länger bleiben."
Harrys Augen blitzten Draco an. Und dieser fragte sich, wie grün eigentlich Augen sein konnten? In diesen Augen lag nichts, was einem Angst machen würde, aber trotzdem konnte Draco die Macht von Harry spüren und er erschauderte leicht.
In Dracos Kopf arbeitete es heftig. Natürlich hatte Harry irgendwie Recht, denn auch ihm war natürlich schon dieser Gedanke gekommen. Aber wie es schien, fehlte ihm der Mut um die logische Konsequenz daraus zu ziehen und durchzuführen. Dies wurmte Draco mächtig.
Und Draco hatte Angst. Angst die ihm sogar den Luxus vergessen ließ. Angst vor dem, was ihnen womöglich begegnen würde. Angst vor der Welt, die er nicht kannte. Angst vor einer Zeit die ihm Entscheidungen abverlangte, zu denen er sich nicht bereit fühlte. Angst vor den Konsequenzen seines Handelns. Denn er war nicht mehr Draco Malfoy, das Kind, welches nach Hogwarts ging um die magische Welt und Harry Potter neu zu entdecken. Er war hier niemand und nichts.
Sollte er hier bleiben, oder Harry folgen? Alleine bleiben oder mit dem Goldjungen gehen? Beides hatte Vor- und Nachteile. Wie sollte er sich entscheiden, ohne sein Gesicht zu verlieren?
„Kommst Du mit, Malfoy?" fragte Harry etwas ungeduldig, aber kein Hohn oder Spott war darin enthalten. Er wollte Draco wenigstens die faire Chance geben ohne sich vollständig erniedrigen zu müssen.
„Ach, hat der Goldjunge aus Gryffindor etwa Angst alleine durch den Wald zu gehen? Oder findest Du ohne mich den Weg nicht weiter, was? Muss der böse Slytherin etwa den schwachen Gryffindor beschützen?"
Okay, soweit reichte Harrys Verständnis dann doch nicht. Wütend sah er Draco an und hätte ihm am liebsten den Berg hinunter geschubst. Hatte er wirklich darüber nachgedacht, dass es nett wäre nicht ganz alleine durch den Wald zu gehen? Er hatte sich getäuscht. Auf dieses Verhalten konnte Harry sehr gut verzichten, sollte Draco doch zusehen wie es mit ihm weiter geht.
„Glaub ja nicht, dass ich Dich darum anflehen würde! Ich brauche DICH nicht. Ich komme ohne Dich sowieso viel besser zurecht. DU bist wirklich ein kleines dreckiges Ar…" Harrys Augen blitzten wütend und Draco wusste sofort, dass er mal wieder zu weit gegangen war. Er war nun aber froh, dass Harry keinen Zauberstab hatte, sonst wäre dieser Streit schmerzhaft für ihn geworden. Warum hatte er eigentlich so reagiert. Erst war der Streit so ruhig und ernst gewesen, fast eine Diskussion, dann eskalierte es einfach wieder. Sie würden wohl nie in der Lage sein ein normales Gespräch zu führen ohne sich an die Kehle zu gehen.
„Unglaublich! Ein Malfoy und ein Potter im Streit. Ein verdammt seltenes Bild", stellte eine unbekannte Stimme amüsiert und mit deutlicher Ironie in der Stimme fest. Beide Jungen sahen sofort zu der Person, die gerade mitten auf der Lichtung erschienen war und einen Zauberstab fest in der rechten Hand hielt.
Die Halswirbel der Jungen knackten leise und schon standen sie dicht neben einander um sich bei einem Kampf gegenseitig zu unterstützen. Ohne Zauberstäbe hatten sie allerdings keine wirkliche reale Chance. Aber auf einen Versuch würden sie es schon ankommen lassen.
Dieses Verhalten hatte allerdings nur ein helles Auflachen zur Folge und der Zauberstab wurde in den Rocksaum gesteckt.
„Keine Angst, ich habe nicht vor Euch anzugreifen. Dafür gibt es keinen Grund. Noch nicht."
Die Person war sehr zierlich und jetzt, wo Harry genauer hinsah, konnte er eindeutige Ähnlichkeiten zu Kathazyna erkennen. Die Frau vor ihm war wohl etwas größer als die Waldfee, aber genauso zierlich, hatte allerdings ein doch sehr stolzes Erscheinungsbild und versprühte eine gewisse Autorität.
Draco fand als erster seine Stimme wieder: „Wer sind Sie und was soll diese Bemerkung über Potter und mich?" schnarrte er nach bester Malfoy-Tradition. Draco hatte sich zu seiner gesamten Größe aufgerichtet und versuchte die fremde Person einzuschüchtern.
Es gelang ihm wohl nur wenig, denn sie lachte wieder hell auf. Die Frau trat langsam näher und beäugte die zwei Jungen genauer, während sie ungezwungen sprach: „Kathazyna hat mich gerufen, weil sie zwei nervige junge Männer in ihrem Wald aufgefunden hat und nun nicht mehr los wird." Ihre bernsteinfarbigen Augen wanderten über die Jungen und verweilten dann an der Blitznarbe auf Harrys Stirn. Sie schien damit nichts anfangen zu können, allerdings wirkte sie ein wenig irritiert.
Harry strich sich schnell seine Haare in die Stirn, allerdings konnte er jetzt weniger sehen, da die Haare zu lang waren und ihm in die Augen fielen. Leicht grummelnd schob er sie etwas zur Seite und beschloss schnell zu einem Friseur zu kommen, sobald sein Zeitplan dies zuließ.
Die Frau schien sehr freundlich und Harry mochte sie irgendwie. Auch war an ihr eindeutig zu erkennen, dass sie wirklich nicht im Mittelalter oder sonst wo gelandet waren. Erleichtert seufzte er auf, denn auf die Hexenverfolgung hatte er keine rechte Lust gehabt. Und wer konnte ihm das verdenken? Naja, mittlerweile hatte er auch auf dieses Abenteuer keine Lust mehr. Aber eigentlich ging es auch nie um Lust oder Spaß, oder?
Harry räusperte sich und straffte seine Schultern, als er einen Schritt vortrat und sprach: „Hallo! Meine Name ist Harry Potter und dies ist Draco Malfoy." Es hatte schließlich keinen Sinn ihre Namen zu verheimlichen, da diese ihr ja schon bekannt waren und Draco sie indirekt auch bestätigt hatte. „Wir sind hier durch einen unglücklichen Zwischenfall gelandet und wüssten ganz gerne, wo genau wir sind."
Harry wurde von Draco unterbrochen, der sich neben ihn stellte: „ … und wir wüssten ganz gerne, wie wir in eine Stadt kommen. Am besten nach London. Und ganz nebenbei würden wir gerne wissen, welches Datum wir haben", schnarrte Draco kühl und schien die Frau allerdings damit überhaupt nicht zu beeindrucken.
Sie musterte die Jungen jetzt sehr argwöhnisch und Harry verdrehte die Augen. War die Bemerkung von Draco zu offensichtlich gewesen? Konnten sie ihr die ganze Geschichte anvertrauen? Oder würden sie sofort nach St. Mungo gebracht werden?
Harry fühlte sich unter dem musternden Blick unwohl und musste sich zwingen ruhig stehen zu bleiben. Es fiel ihm ganz und gar nicht leicht. Oh Gott, seit wann war er sich eigentlich wieder so unsicher? Hatte er nicht selbstsicher vor dem mächtigsten Schwarzmagier aller Zeiten gestanden und nun wollte er am liebsten vor einer zierlichen Hexe Reißaus nehmen. Unwillig schüttelte Harry den Kopf und blickte wieder hoch. Er wich zwar noch immer dem direkten Blick aus, aber war es ihm zu verdenken? Er hatte keine richtigen Angaben über diese Zeit und er wusste nichts, was in der Welt der Zauberer gerade geschah.
Harry grübelte gerade darüber nach, ob er dieser Frau vertrauen konnte. Konnte sie sich womöglich schon etwas zusammen reimen? Wusste sie womöglich schon zu viel? Und wie weit konnte Harry Draco vertrauen? Harry seufzte schwer und wurde prompt von grauen Augen interessiert und skeptisch gemustert.
Nur zögernd sprach die Hexe die beiden jungen Zauberer an. „Ich heiße Gryzabel und bin Kathazynas jüngere Schwester. Sie hat zwar irgendetwas von seltsam und spektakulär gesagt, aber sie ist nicht immer ganz einfach zu verstehen. Und ich habe natürlich nicht im Traum daran gedacht, dass ich auf einen jungen Potter...", sie blickte auf Harry „und einen jungen Malfoy treffen würde. Zumal diese Zusammenstellung doch sehr Ungewöhnlich ist."
Draco hatte seine Maske des Unnahbaren aufgesetzt und Harry holte tief Luft. Wie sollte das alles nur enden?
„Nehmt Eure Sachen, wir reden wo anders weiter."
Harry legte etwas zögernd seinen Proviantbeutel auf den Tisch, er würde ihn ganz offensichtlich nicht brauchen und Kathazyna wäre sowieso nicht sehr erfreut gewesen, dass Harry einfach etwas von ihrem Vorräten mitgenommen hätte. So konnte wenigstens Harrys Gewissen sich in dieser Hinsicht beruhigen. Er wusste, dass sie dieses Angebot von Gryzabel annehmen mussten, es war ihre Rettung und ganz offensichtlich wollte Gryzabel ihnen nichts Böses… und Harry wollte wissen, woher sie die Potters und die Malfoys kannte.
Harry war mehr als nervös. Am liebsten hätte er jetzt Dracos Hand genommen, nur um etwas Vertrautes neben sich zu haben, aber dieser würde ihn nur in das nächste Jahrhundert hexen. Zum Glück hatte er keinen Zauberstab bei sich.
Total cool und selbstbewusst griff Draco nach der Zeitung, die Gryzabel ihnen hinhielt. Harry zögerte kurz, dann griff auch er danach und keine zwei Sekunden später begann die Reise. Harry hasste diese Art von Reisen noch mehr als apparieren. Aber was blieb ihm anderes übrig?
Das Gefühl am Bauchnabel gerissen zu werden nahm plötzlich wieder ab und Harrys Füße berührten festen Boden. Er schaffte es sogar auf beiden Füßen stehen zu bleiben, aber auch nur, weil direkt neben ihm ein hellgelbe Wand war an der er sich abstützen konnte. Er sah wie Draco elegant landete und keinerlei Hilfestellung bedurfte. Schnell ließ Harry die Wand wieder los. Diese Blöße wollte er sich vor Draco nicht geben.
Tbc.
