Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 4
Teil: 3/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Teil III
Verlorene Zeit
Kapitel 4
Vertrauensvoller Anfang
Vorsichtig blickte Harry sich an dem unbekannten Ort um. Sie waren eindeutig nicht in einem dunklen Kerker oder Gefängnis gelandet. Mit nur wenigen Blicken konnte Harry erkennen, dass sie in einer sehr geräumigen Diele eines großen Hauses standen. Die Wände waren mit einem sehr hellen, aber warmen Gelb gestrichen und die Wärme wurde durch die Vormittagssonne, die durch zwei große Fester hinein schien, gestärkt. Drei einzelne Sonnenblumen standen in einer gläsernen Vase auf einem kleinen Tisch mitten im Raum.
Mehrere Holztüren gingen von diesem Raum ab und auch eine breite Treppe, die offensichtlich zu höheren Stockwerken führte. Gryzabel ging auf die nächste Tür zu und mit einem bestimmte „Kommt mit!" verschwand sie in dem angrenzenden Raum.
Keine fünf Minuten später saßen sie zu dritt in einem gemütlichen Essraum am Tisch und hatten vor sich jeweils eine Tasse heißen und vor allem süßen Tee. Die Schokoladen- und Butterkekse neben der Teekanne hatte noch niemand angerührt, aber dies war nur eine Frage der Zeit. Harry war klar, dass es ein langer Tag werden würde und nahm einen vorsichtigen Schluck vom heißen Tee.
oooooooooo
Als Harry spät abends alleine in einem weichen, warmen und sauberen Bett lag, frisch geduscht und in einem geliehenen blauen Pyjama, fragte er sich, was in den letzten 12 Stunden eigentlich alles geschehen war. Es war eine Frage, die ihm wirklich vor Augen führt, wie viel sich verändert hatte. Auch zwischen ihm und Draco. Sie waren keine Freunde, aber sie waren Verbündete… ob sie wollten oder nicht.
Gryzabel hatte, nachdem sie sich an den Tisch gesetzt und den Tee serviert hatten, die beiden Jungen über ihre Teetasse hinweg ernst angesehen und genau gemustert. Aber sie hatte geschwiegen und auf eine Reaktion seitens der Jungen gewartete.
Harry hatte sich währenddessen vorsichtig im Raum umgesehen. Er gefiel ihm, er war geschmackvoll eingerichtet und nicht voll gestopft mit Möbeln und Gegenständen, aber er wirkte trotzdem wohnlich und gemütlich. Der ganze Raum strahlte eine angenehme Wärme aus und Harry nahm gelassen noch einen Schluck von dem Tee. Das hätte er besser nicht machen sollen, denn prompt erblickte er etwas, das ihn total aus der Bahn warf. Heftig verschluckte er sich an dem Tee und wischte sich mit dem Ärmel über den Mund, während er auf den Kalender auf der anderen Zimmerseite starrte. Er konnte nicht viel erkennen, aber die Jahrszahl war sehr deutlich zu erkennen, und der Rest war gar nicht so wichtig: 1686
Schwer hustete er und beruhigte sich nur langsam. Mühsam versuchte er Luft in seine Lungen zu bekommen, um reden zu können. „Da… das …das ..ist nicht wahr... oder?" haspelte er voller Entsetzen und zeigte wild gestikulierend auf den Wandkalender.
Hatte Draco bisher nur ein müdes Grinsen für Harrys hektische und panische Verhalten erübrigt, so wurde auch er jetzt schneeweiß im Gesicht. Allerdings zeigte er keine weitere Regung. Mit großen Augen starrte er auf die Jahreszahl, während Gryzabel sich umdrehte, um das zu erblicken, was Harry so aus der Bahn warf. Sie runzelte verständnislos die Stirn.
Gryzabel blickte nachdenklich auf den Kalender und dann wieder zu den beiden panischen Jungen. Sie verstand natürlich nicht, was Harry für ein Problem hatte. Die Jungen waren ein reines Rätsel und das Geheimnis um sie hatte Gryzabel dazu bewogen sie mitzunehmen. Sie liebte Geheimnisse.
„Nein" sagte sie und beobachtete die Jungen ganz genau, „wir haben natürlich nicht das 17. Jahrhundert. Dieser Kalender entspricht nur den gleichen Daten wie dieses Jahr und neben Geologie interessiere ich mich für Kalender." Sie machte eine kurze dramatische Pause, während Harry sich etwas erleichtert zurücksinken ließ. Die Augen krampfhaft geschlossen und versucht sich wieder unter Kontrolle zu bekommen. Draco holte tief Luft und schon saß seine Maske der Selbstkontrolle wieder perfekt. Gryzabel entging dieses Verhalten nicht, sie beugte sich vor und starrte Harry und Draco fragend an: „Aber egal woher Ihr kommt, dieses müsstet Ihr doch ganz genau wissen. Was bedeutet das?"
Die Jungen wichen ihrem Blick unruhig aus und selbst Draco schien etwas überfordert mit dieser Frage zu sein. Er blickte Harry streng an, als wolle er ihn dazubewegen sie aus dieser unangenehmen Situation wieder herauszuholen. Aber Harry schwieg…
„Okay, machen wir es kurz. Ich kenne die Familie Potter sehr gut und auch die Mitglieder der Familie Malfoy sind mir alle bekannt. Aber Euch kenne ich nicht und habe auch nie von einem Harry Potter oder Draco Malfoy gehört… Also WER SEID IHR wirklich?"
Sie blickte die Jungs streng an und wenn dieser Raum nicht so hell und freundlich gewesen wäre, dann hätte Harry sich zurück in den Zaubertrankunterricht von Snape gewünscht, denn mit dessen Blick konnte er nun mal umgehen. Gryzabel kannte er nicht und konnte sie so nicht einschätzen.
Aber trotz eines eisigen Blickes schwiegen die Jungen beharrlich. Zu verrückt war die Geschichte, als dass sie ihr sie so einfach erzählen könnten. Vermutlich würde sie es nicht mal glauben. Selbst Harry wusste nicht, ob er es glauben könnte. Es war vergleichbar mit den Gefahren eines Zeitumkehrers… und dessen Auswirkungen hatte Harry bis zu einem gewissen Grad selbst erlebt.
Es war Ende Juli, das konnte Harry schließlich anhand des Kalenders ableiten, aber noch immer hatten sie nicht den blassesten Schimmer, welches Jahr oder Jahrzehnt war. Die sparsame Aussage von Gryzabel brachte ihm nicht viel und zu schweigen würde auch nichts bringen. Sie würden keine Antworten bekommen und sie würden keinen einzigen Schritt weiter kommen. Entweder glaubte Gryzabel ihnen oder sie würden auf schnellstem Wege ins St. Mungo gebracht. Was für ein Schlamassel!
Sie hatten keine Wahl und im Grunde wusste Gryzabel sowieso schon zu viel.
Harry seufzte und strich sich durch die verwuschelten Haare.
„Ihr wisst nicht welches Jahr wir haben, landet mit einem schlechten Portschlüssel mitten in einem Euch unbekannten Wald. Habt keine Zauberstäbe dabei und tragt Kleidung die nicht mal zu Fasching In wären. Ihr geht nicht nach Hogwarts, obwohl alle Potters und alle Malfoys dort bisher ihren Abschluss gemacht haben oder machen werden. Also wer seid Ihr und wo kommt Ihr her?" zischte Gryzabel und starrte sie nun richtig herausfordernd an.
„Aus der Zukunft" flüsterte Harry sehr leise. „Naja, jedenfalls glaube ich das", fügte er nuschelnd und mit einem Blick auf den Kalender hinzu.
Langsam blickte er ganz vorsichtig auf und seine grünen Augen trafen auf weit aufgerissene braune Augen. Draco seufzte an seiner Seite schwer. Erst leuchtete in den braunen Augen totaler Unglaube, dann begann Verständnis darin sich zu bewegen. Alles ergab langsam aber sicher einen Sinn…
Gryzabel war plötzlich total aufgeregt und strahlte die Jungen begeistert an. Harry musste erstmal seine Gedanken sortieren, als Gryzabel schon begann zu reden: „Ihr habt also tatsächlich eine Zeitreise gemacht. Wie außergewöhnlich!! Ihr müsst mir unbedingt alles darüber erzählen. Zeitreisen gelten als unmöglich und auch als verboten. Also nicht als Forschungsbereich sinnvoll. Trotzdem gibt es bestimmt wahnsinnig viele Zauberer und Hexen, die dieses Wunderwerk der Magie ermöglichen wollen. Und Ihr habt es geschafft. Ihr seid wirklich durch die Zeit gereist, ohne irgendwelchen Schaden anzurichten? Klasse!"
Total aufgeregt gestikulierte sie wild und war kaum zu stoppen. Die Jungen lauschten still und mit müdem Blick. Selbst Draco hatte dazu keine passende Antwort oder Bemerkung übrig. Nur ein leises genuscheltes: „O Gott Potter, was hast Du wieder angerichtet", ließ Harry die Schulter kurz zucken.
„Was hätte ich denn sonst tun sollen?"
Dieses resignierte Gemurmel schien Gryzabel wieder zurück zu holen und sie registrierte die ganz und gar nicht glücklichen Gesichter der Jungen. Eine gewisse Besorgnis durchströmte sie und mit einem auffordernden Nicken fragte Draco wenigstens nach dem aktuellen Jahr.
1975
Harry seufzte erst erleichtert auf, um dann voller Entsetzen kreidebleich zu werden. Er zitterte am ganzen Körper und er hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Er kannte die wichtigsten Daten aus diesem Jahr: Seine Eltern und deren Freunde waren auf Hogwarts und Voldemort war mehr als aktiv. Er war auf der Höhe seiner Macht. Er tötete wahllos Menschen und Zauberer und niemand konnte ihn aufhalten. Der Krieg lief auf Hochtouren.
Tränen der Wut und Verzweiflung brannten in seinen grünen Augen. „SCHEISSE!", fluchte Harry laut um seiner aggressiven Energie platz zu machen. Er sprang von seinem Stuhl auf, welcher langsam nach hinten fiel, aber erst nach dem Harry die Haustür hinter sich ins Schloss fallen ließ, den Boden berührte.
Draco und Gryzabel blickten überrascht dem davon stürmenden Gryffindor nach. Keiner von ihnen hatte so spontan eine Antwort auf dieses merkwürdige Verhalten parat, aber Harry interessierte sich dafür gar nicht. Er musste raus…
oooooooooo
Harry kam auf den Platz vor der Haustür wieder zum stehen. Mit einem kurzen Blick erkannte er schnell, dass Gryzabels Haus eigentlich ein Gestüt war. Links vom Haus war eine ganze Reihe Pferdeställe und auf den Wiesen trabten und sonnten sich wunderschöne Tiere. Aber Harry hatte dafür kein Auge. Keine Ruhe. Keinen Sinn.
Auch die warme Sonne berührte die Kälte in ihm nicht ausreichend. Er fühlte sich irgendwie total verlassen und überfordert. Was sollte er jetzt tun? Wie sollte es weiter gehen? Was könnte er machen?
Die Tränen rollten ihm langsam über die Wange und Harry wischte sie fahrig mit dem Ärmel weg. Er hatte gar keinen Grund zum weinen. Er war nicht mehr drei Jahre alt. Er durfte sich keine Schwäche erlauben… nicht, wenn Krieg herrschte… besonders dann nicht.
Ziellos lief er weiter, bis er vor einem Holzgatter zum Stehen kam. Er kletterte ungeschickt auf das breite Gatter und blickte trübe in die Ferne. Was würde ihn erwarten? Was würde kommen? Wie würde es weitergehen? Er wusste es nicht…
Nur sehr langsam beruhigte er sich und nach fast einer Stunde konnte er die warme Sonne auf seiner Haut und den sanften Wind in seinen Haaren spüren und genießen. Das große mächtige Gutshaus lag ein ganzes Stück hinter ihm, aber seine Gedanken waren viel weiter weg.
Sie waren bei Voldemort. Bei den Todessern. Bei den Geschehnissen vor 1975. Und den Geschehnissen nach 1980. Bei den Opfern und den Tätern, bei den Folgen und Konsequenzen…
Draco und er würden erst in 5 Jahren geboren werden. Und in sechs Jahren würde Harry von Voldemort angegriffen werden. In sechs Jahren würden seine Eltern sterben und Sirius Black unschuldig für 12 Jahre nach Askaban kommen. Wurmschwanz als Ratte zu den Weasleys gehen. Und er würde zu den Dursleys kommen. Bis er in 16 Jahren erfahren würde, dass er ein Zauberer ist.
Hatte Harry nicht eigentlich vorgehabt Voldemort zu töten, bevor er zu viel Unheil über die Welt bringen könnte? Hatte er nicht vor, die Katastrophe zu stoppen so früh es ging? Warum konnten sie nicht 1960 oder noch früher landen? Warum in einer Zeit, wo Voldemort mächtig und stark war? Warum in einer Zeit wo Harry keine Chance hatte das Leben von vielen Menschen zu retten? Warum nicht in einer Zeit, wo es noch keine Horcruxe gab?
Harry blickte zum Horizont, wo ein dunkler Wald sich erstreckte, der Harry stark an den verbotenen Wald erinnerte. Er fühlte sich so hilflos. So allein und verlassen.
oooooooooo
Der Wind blies ihm die Haare ins Gesicht und trotzdem reagierte Harry nicht. Er saß starr da und blickte in die Ferne. Eine ganze Weile verging, eine ganze Weile der Stille und Ruhe, bis Gryzabel zu ihm an das Gatter trat. Sie sprach mit sanfter Stimme. Die Aufregung und Euphorie waren aus ihrem Verhalten gänzlich verschwunden. Jetzt machte sie sich nur noch Sorgen um diese Jungen. Besonders Harrys heftige Reaktion konnte sie sich nicht erklären. „Was ist los?" flüsterte sie und gab sich viel Mühe, Harry mit ihrer Anwesendheit nicht zu erschrecken. „Draco konnte oder wollte mir nichts weiter erzählen. Was hat Dich so aus der Bahn geworfen?"
Insgeheim schüttelte sie über sich selbst den Kopf. Erstens verstand sie nicht, warum sie diesen zwei Jungen in so einer schrecklichen Zeit vertraute, wo ständig vor Verrat und Missbrauch gewarnt wurde, und sie verstand auch nicht ihr dringendes Bedürfnis, ihnen so gut sie konnte zu helfen. Sie war kein naiver Mensch… und doch musste sie hier - trotz besserem Wissen - helfen.
Sie konnte deutliche Tränenspuren im Gesicht des Schwarzhaarigen sehen, und es schnitt ihr tief ins Herz. Irgendetwas muss diesen Jungen sehr nahe gegangen sein. Sie hatte schon vorhin etwas in diesem Blick gesehen, was sie nicht einstufen konnte. Sie war sich sicher, dass auch in Dracos Blick dieses Etwas zu finden wäre, wenn der Blonde nicht so eine gute Maske tragen würde. Jetzt war er auf sein zugewiesenes Zimmer gegangen und duschte vermutlich gerade ausgiebig. Stolz und unnahbar war er die Treppe hoch stolziert. Ja, er war ein typischer Malfoy.
Erst war Gryzabel ziemlich geschockt von Harrys plötzlichem Abgang, aber dann erschütterte sie der gelassene Ausdruck auf Dracos Gesicht stark. Wie konnte Draco so ruhig bleiben, wenn sein Mitleidensgenosse so aufgewühlt war, dass er alles um sich herum vergaß? Draco hatte geschwiegen, kein beißender Kommentar war ihm über die Lippen gekommen. Auch wenn es ihm sichtlich schwer gefallen war. Gryzabel wusste nicht, dass alleine das Schweigen schon ein hohes Maß an Anteilnahme und Verständnis zeigte. Sie wusste es nun mal nicht.
Gryzabel hatte eine ganze Weile Harry aus der Ferne aus beobachtet. Sie konnte ihm ansehen, wie weit weg er mit seinen Gedanken war. Aber was konnte ihn so fesseln und gleichzeitig so schocken?
„Harry, glaubst Du nicht, dass ich schon zu viel weiß, als dass mich noch irgendetwas überraschen könnte?" Gryzabel sah, dass ihre Worte lange brauchten um bei Harry anzukommen und noch länger um verarbeitet zu werden.
Harry seufzte schwer und schüttelte nur sacht den Kopf. Es erinnerte Gryzabel daran, dass Harry ein Potter war, denn die Ähnlichkeit war unverkennbar im Profil und in den Bewegungen des Jungen zu sehen.
„Du siehst Deinem Vater wohl sehr ähnlich, was? Wenn man Dich so von der Seite aus ansieht, könntest Du James sein. James Potter ist …"
„16 Jahre alt und geht am 1. September in sein 6. Jahr nach Hogwarts", beendete Harry den Satz leise ohne sich anderweitig irgendwie bewegt zu haben.
Gryzabel war etwas überrascht, aber nicht wirklich sehr. Und Harry erklärte es ihr schließlich auch. „James Potter ist mein Vater, bzw. wird es in 5 Jahren sein. Draco und ich sind 23 Jahre in die Vergangenheit gereist."
Beide schwiegen betroffen. Ihre Blicke waren in die Ferne gerichtet, wo sich die aufkommenden dunklen Wolken kaum noch vom Wald abzeichneten. Gryzabel brauchte etwas Zeit um diese Neuigkeiten zu ordnen und zu verkraften. Klar, Harry war ein Potter, aber in seinem Wesen war er doch so grundlegend anders als James. Die Lebensfreude und Unbeschwertheit fehlten irgendwie. Harry Potter hatte so einen ernsten Zug an sich, dass Gryzabel nur erahnen konnte, dass in Harrys Leben bisher kaum etwas nach Plan gelaufen war.
Harry hatte stark mit sich gerungen, war aber schließlich zu dem Entschluss gekommen, Gryzabel etwas von seiner Geschichte zu erzählen, denn sie würden ihre Hilfe dringend brauchen. Sie würde ihnen nicht helfen, wenn sie keine Informationen erhalten würde. Also holte Harry tief Luft und blickte zum Himmel empor.
„Ich bin der Sohn von James Potter und Lily Evans. Am 31. Juli 1980 wurde... ähm… werde ich geboren. Es herrschte Krieg und ich trat relativ früh in den Kampf ein. Ich und auch Draco waren dabei als Vol...äh... der Dunkle Lord endlich endgültig vernichtet wurde. Leider gehörten Draco und ich nicht wirklich zu den wenigen Überlebenden dieses Krieges. … Wir kamen in den Vorhimmel und sind dort rein zufällig zusammen gestoßen und haben eine Zeitreiseuhr in Gang gesetzt. Bevor wir wirklich wussten, was mit uns geschieht, sind wir in Kathazynas Wald gelandet."
Harrys Stimme war nicht besonders traurig oder wehmütig. Die Sachlichkeit und Ruhe ließen aber Gryzabel viel mehr von dem wirklichen Schmerz des Jungen erahnen.
Wäre Gryzabel nicht schon ein wenig vorbereitet gewesen, dann hätte sie jetzt wohl der totale Schlag getroffen. Hart schluckte sie, während sie versuchte die neuen Informationen zu ordnen und ihrer Bedeutung für die Jungen und für die Zaubererwelt zu analysieren.
Mit einer schnellen und fast brutalen Bewegung zog sie Harry vom Gatter runter und blickte ihm jetzt fest in die grünen Augen. „Du-weißt-schon-wer wird erst in 23 Jahren vernichtet? Er wird noch weitere Jahrzehnte Tod und Schrecken über uns bringen?" stammelte sie fassungslos. Ihr Gesicht war voller Entsetzen und Angst geprägt. Ihre braunen Augen waren weit aufgerissen und bettelten Harry regelrecht an, dass er diese Aussage wieder zurücknahm.
Dies konnte Harry natürlich nicht machen, aber er konnte sie trotzdem etwas beruhigen. „Nein", beschwichtigte Harry sie leise, vermied dabei allerdings immer noch den Augenkontakt. „14 Jahre davon wird er… hm… gebannt sein. Viele Zauberer dachten er sei tot, aber er kam zurück."
Harry starrte auf seine Hände. Sie durfte ihm jetzt nicht in die Augen blicken, denn Harry wusste genau, was dort zu sehen war. Schmerz, Trauer, Wut, Verzweiflung, Einsamkeit und grenzenloser Hass. Er war hier mit einer Mission, und dafür durfte er diese Gefühle nicht vergessen. Er würde den Krieg beenden. Nicht erst in 23 Jahren, sondern so bald wie möglich. Er wusste schließlich, was zu tun war. Egal warum er in diesem Jahr gelandet war, egal welche Probleme auf ihn zukommen würden, egal was zu tun wäre… er wusste wie er den Krieg beendet könnte und genau daher würde er den Kampf wieder aufnehmen… deshalb war er hier.
Plötzlich fühlte Harry wieder eine gewisse Standfestigkeit und er blickte Gryzabel fest an. Von seinen Gedanken oder Gefühlen war jetzt nichts mehr in seinem Blick zu sehen. Er wusste wieder wer er war und warum er hier war. Er kannte sein Ziel.
Die Frage war nur, ob Gryzabel ihn unterstützen würde oder gar versuchen würde ihn aufzuhalten. Er könnte ihre Hilfe sehr gut gebrauchen.
Gryzabel hatte sich wieder etwas gefangen und hatte sofort die Veränderung in Harry gespürt und als er den Blick hob, war sie sehr erstaunt, dass er so verschlossen war. „Warum bist Du hier, Harry? Was hast Du nun vor, jetzt wo Ihr schon mal hier seid?"
Harry wusste, dass er die erste Frage nicht beantworten würde. Er durfte nicht. Er blickte zu den Pferden hinüber und lehnte sich seitlich an das Gatter. „Es war ein Zufall. Wir hatten keine Ahnung was passiert. Naja, ich habe halt das Glück oder Talent immer wieder in Abenteuer hineinzustolpern. Ich bin halt James' Sohn. Jetzt bin ich hier… jetzt sind wir hier…"
Harry versuchte so unbeschwert wie möglich zu klingen, und dass es ihm nicht ganz gelang machte auch nichts, denn wer würde denn schon in so einer Situation völlig frei und unbeschwert reden?
Er log nicht, ließ aber die wesentlichsten Bestandteile und Überlegungen aus. Er würde Gryzabel nicht sagen, dass er Voldemort vernichtete und es sich jetzt wieder zur Aufgabe gemacht hat. Gryzabel würde es nicht verstehen. Sie kannte seine Geschichte nicht und Harry wollte auch nicht, dass sie sie erfuhr.
Sie beäugte Harry etwas argwöhnisch, sie spürte da etwas aufwallen, was sie nicht zuordnen konnte, aber Harry hatte nicht gelogen. Oder war er so gut in Okklumentik? Das konnte Gryzabel sich nicht vorstellen. Also nickte sie langsam, sie würde Harry glauben. Und ihm helfen.
Sie wünschte sich jetzt im Moment nichts sehnlicher, als dass Harry kein Potter war, denn eins hatte sie schon lange erfahren, dass nicht nur die wilden schwarzen Haare und das markante Gesicht zu den Potters gehörte, sondern auch ein wahnsinniger Dickkopf. Daher sah sie keine sinnvolle Möglichkeit Harry weiter auszuquetschen. Sie legte ihm die Hand auf die Schulter und blickte ihn von der Seite an. Diese Gestik war ein Versprechen der Hilfe und der Unterstützung und Harry lächelte sie dankbar an.
Noch lange standen sie schweigend am Gatter, aber Harry genoss die warme Sonne im Gesicht und hatte seine Augen geschlossen. Er vertraute Gryzabel. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, auf was sie sich da einließ, so wusste Harry doch, dass er verhindern würde, dass Gryzabel zu tief in seine Machenschaften hineingezogen werden würde.
Er würde diese Mission alleine durchstehen. Er würde nicht noch mehr Menschen in diesen Krieg hineinziehen. Er würde es nicht verkraften. Er würde es nicht zulassen.
oooooooooo
Der nächste Morgen kam für Harry viel zu schnell. Viel zu lange hatte er noch wachgelegen und sich ernsthafte Gedanken gemacht, wie es jetzt weiter gehen sollte. Am Abend hatte er Draco noch kurz mitgeteilt, welche Informationen Gryzabel jetzt hatte. Der ehemalige Todesser hatte nur mürrisch geschnaubt und nichts dazu gesagt. Harry hatte ein anderes Verhalten auch nicht erwartet.
Jetzt saß Harry allerdings etwas übermüdet am Frühstückstisch und stocherte lustlos in seinem Rührei herum, während Draco mit tadellosem Benehmen seinen Tee trank. Sie tauschten spitze Bemerkungen aus und Gryzabel beobachtete sie grinsend. Die Jungen waren so verschieden wie Feuer und Eis. Und Freunde waren sie garantiert auch nicht. Wie konnten zwei so unterschiedliche Jungen nur gemeinsam in so ein Abenteuer stolpern? Sie schüttelte ihren Kopf und ihr Pferdeschwanz schlug dabei munter hin und her.
Nach einer Weile fragte sie: „Was wollt Ihr aus Euerm Abenteuer eigentlich machen? Wo wollt Ihr hin? Wo wollt Ihr beginnen?"
Die Frage schien Draco nicht sonderlich zu interessieren, denn er trank in aller Ruhe weiter seinen Tee. Aber dies war nur äußerlich, vermutlich hatte er nicht die geringste Ahnung wie es weitergehen soll. Harry hatte diese schauspielerische Gleichgültigkeit schon bei einigen Slytherins beobachtet und maß ihr keine allzu große Bedeutung zu. Harry seufzte und legte seine Gabel zur Seite. Er achtete nicht auf Draco, sondern sah Gryzabel grübelnd an.
„Ich denke, wir werden nach Hogwarts gehen, um wenigstens einen Schulabschluss in der Tasche zu haben." Ein Schulterzucken von ihm machte klar, dass dies im Moment seine einzige Vorstellung der nahen Zukunft war. Es schien ihm nicht existenziell wichtig zu sein. Jedenfalls war das der Eindruck, der bei Gryzabel und Draco ankam, wie es wirklich war, sahen die beiden nicht. Dafür kannten sie Harry Potter nicht gut genug.
Tbc.
