Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 3
Teil: 4/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Teil IV
Altes Hogwarts
Kapitel 3
Kritischer Beginn
Die beiden Jungen kamen während der nächsten Tage sehr gut zurecht und Dumbledore konnte nichts Ungewöhnliches oder Gefährliches an ihnen feststellen. Aber er war trotzdem nicht zufrieden. Denn genau diese Ruhe behagte ihm nicht, er konnte nur nicht verstehen warum nicht.
Wie die schwarzhaarige Vertrauensschülerin schon vermutete hatte bekamen die Jungen den zweiten Schlafsaal für drei Betten mit Sanuel Quilg zusammen. Sanuel sah Lin etwas ähnlich und war fast genauso verrückt wie Lin, nur dass bei ihm etwas mehr Ruhe zum Charakterzug gehörte.
Harry mochte die beiden sofort, versuchte dies allerdings nicht zu zeigen. Dies missglückte leider kläglich, da Lin ihn sofort unter ihre Fittiche nahm. Aber als erstes Problem hatte Harry es mit Draco zu tun bekommen. Sobald die Tür hinter ihnen zugefallen war und sie in ihrem Schlafsaal standen, packte der blonde Junge ihn am Kragen und schüttelte ihn kräftig. Dabei blitzten die hellblauen Augen ihn verachtend an.
„Was beim Namen Slytherins machst Du in diesem Haus?" schrie er Harry ins Gesicht. „Ich habe diese Wette gegen diese verrückte Ravenclaw verloren, nur weil Du auf einmal eine Slytherinseite besitzt? Warum in drei Teufelsnamen kannst Du nicht einmal das machen, was…"
Harry verschloss Draco den Mund mit seiner Hand. Sein Blick war eisig und Draco lockerte unbeabsichtigt seine Finger etwas. Wenn Harry ihn so ansah hatte er unwillkürlich das Bedürfnis auf Abstand zu gehen.
„Mein lieber Drache. Glaub mir, Du bist es mir nicht wert nach Slytherin zu gehen. Ich konnte mich diesmal leider nicht durchsetzen und damit müssen wir beide wohl oder übel leben. Wobei ich darunter sehr viel mehr zu leiden habe als Du, daher wünsche ich Dir jetzt eine gute Nacht!", zischte Harry und befreite sich endgültig aus dem Griff Dracos. Er hatte keine wirkliche Lust auf einen Streit.
Er ließ sich auf das linke Bett nahe dem Fenster fallen und Draco blieb bei dem Rechten stehen, für Sanuel erübrigte sich so die Frage, welches sein Bett sein würde. Harry wollte gar nicht wissen, was in dessen Kopf nun vor sich ging. Er sah schon etwas verstört aus, denn den Sinn der Worte konnte er nicht verstehen.
Harry seufzte und blickte hinauf zum Betthimmel. Er war grün. Nicht rot. Sondern slytheringrün. Alles hier war mehr Grün oder Silber. Harry würde sich damit anfreunden müssen. Müde schloss er kurz die Augen, um sich dann Bettfertig zu machen. Keiner der Jungen sagte auch nur ein Wort.
oooooooooo
Nach einer ruhigen ersten Nacht in Hogwarts wurde Harry von Cosmo geweckt. Die kleine Katze schien sich wirklich zur Aufgabe zu machen Harry pünktlich aus dem Bett zu bekommen. So hatte Harry erstaunlich viel Zeit um in aller Ruhe sogar frühstücken zu können. Vielleicht hätte er sich schon früher eine Katze anschaffen sollen. Aber so viel Zeit hatte Harry dann doch nicht, um darüber genauer nachzudenken.
Draco war alleine in die Große Halle gegangen, aber Harry wurde von Sanuel begleitet, wobei Lin sich ihnen natürlich sofort anschloss. Sie sahen es als ihre Aufgabe an, den neuen Schüler durch das Schloss zu begleiten. Sie fragten sich nur kurz, wo Draco war, aber es gab schließlich noch andere Schüler aus Slytherin die ihm vermutlich helfen würden. Dass Draco keine Hilfe brauchte und auch nicht einfach von irgendwem annehmen würde, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Der schwarzhaarige Schüler zwischen ihnen war schon seltsam genug, als dass man sich auch noch über den anderen süßen Jungen Gedanken machen konnte. Die sicheren Schritte von Harry wurden von Vielen schief beäugt, aber er ignorierte die skeptischen und musternden Blicke gekonnt. Darin hatte er genügend Übung.
Es war Mittwochmorgen und Harry fragte sich wieso er ausgerechnet Verwandlung in der ersten Stunde haben musste. Ausgerechnet bei McGonagall die erste Unterrichtsstunde seit sehr langer Zeit. Das letzte woran Harry sich erinnern konnte, war dass er eine Strafarbeit bei ihr bekommen hatte, weil er mal wieder mitten in einer ihrer Unterrichtsstunden eingeschlafen war. Er war ‚damals' nicht hingegangen. Er hätte jetzt sogar lieber Zaubertränke gehabt, statt bei seiner ehemaligen Hauslehrerin Verwandlung, aber er konnte leider nichts an dem Stundenplan ändern.
Ohne groß zu überlegen setzte Harry sich auf seinen ehemaligen Stammplatz: In der ersten Reihe in die Mitte eines dreier Tisches sehr weit vorne am Pult. Die Tische waren leicht U-förmig angeordnet und Bestand aus zwei hintereinander stehenden Tischreihen. Ein paar dreier Tische und einige zweier.
Lin und Sanuel folgten zögerlich. „Ähm… Adrian? Du weißt schon, dass McGonagall die Hauslehrerin von Gryffindor ist, oder? Und ähm…?!", begann Lin vorsichtig.
Sanuel sprach weiter: „Es ist nicht unbedingt so, dass sie ihr eigenes Haus bevorzugt, aber es ist trotzdem eine schweigende Regel, dass nur Gryffindors hier vorne sitzen dürfen!"
Harry sah sie kurz an, dann zuckte er mit den Schultern. „Ich halte nichts von solchen Regeln. Ich zwinge Euch ja auch nicht, sich neben mir niederlassen zu müssen. Wenn ihr Schiss habt, dann setzt Euch woanders hin."
Lin zog eine Schnute und lies sich mit erhobener Nase rechts von Harry nieder. Sie zog provokativ das Verwandlungsbuch aus ihrer Tasche. Es sah reichlich zerfledert aus.
„Was um Gottes Willen hast Du mit deinem Buch gemacht, Lin?", stöhnte Sanuel leise. Er setzte sich auf den anderen freien Platz. Harry grinste bei diesem Gesichtsausdruck und dem leichten Rot auf Lins Wangen. Sie versuchte gerade wieder die zerknitterten Blätter etwas zu glätten.
„Öhm… wir hatten…. Ähm… eine Kissenschlacht.. und öhm…na ja… irgendwie ist es zwischen die Wurfgeschosse gekommen…", nuschelte Lin. Aber Sanuel hatte sie ganz genau verstanden und sah sie nur entgeistert an. „Ihr seid nur zwei Mädchen! Wie kann da so etwas zwischen die Fronten kommen?"
Lin sah sehr schuldbewusst aus, aber Harry hatte trotz allem dass Gefühl, dass sie es für diesen Spaß immer wieder opfern würde. Er erlaubte sich ein leises Glucksen und schüttelte dann den Kopf. Er mochte dieses Mädchen einfach. Es hatte etwas von den Weasleys.
Inzwischen hatten auch die restlichen Schüler ihre Plätze eingenommen und beäugten den neuen Schüler im Bereich der Gryffindors sehr argwöhnisch. Warum konnte er sich nicht auch einfach so anpassen, wie der Blonde in ihren Reihen. Denn Draco saß ganz korrekt in den hinteren Bänken neben zwei anderen Jungen aus Slytherin. Mit kalten Augen beobachtete er, wie Harry sich mal wieder in den Mittelpunkt der Diskussionen beförderte.
Würden Lin und Sanuel keine Vertrauensschüler sein, würde Harry sofort den Spott und Hohn der Gryffindors spüren können. Die Meinung der Slytherins würde vermutlich ein wenig später im verborgenem ausbrechen. So wie gestern Abend bei Draco.
McGonagall betrat das Klassenzimmer und ihr Blick glitt abschätzend über die anwesenden Schüler. An Harry blieb er kurz hängen und auch Draco erhielt einen Blick mehr als üblich.
Als McGonagall zu sprechen begann, fühlte Harry sich wieder in seine Zeit versetzt. Trotz des Zeitunterschieds hatte die Stimme von der Verwandlungslehrerin sich nicht verändert.
„Ihr fünftes Schuljahr beginnt und ich sage Ihnen sicherlich nichts Neues, wenn Sie von mir erfahren, dass dieses Jahr auf Grund der ZAG anstrengender und anspruchsvoller…"
Harry hatte bei den ersten Worten schon seine Augen verdreht und lies nun seinen Kopf geräuschvoll auf die Tischplatte vor ihm fallen.
–RUMS–
Alle sahen ihn schockiert an. Und McGonagall presste ihre Lippen missbilligend zusammen. Sie trat auf ihn zu und blickte ihn durch ihre viereckige Brille erbost an.
„Haben Sie etwas anzumerken Mr. Jericle? Oder gar etwas daran auszusetzen?"
Harry hatte wenigstens den Anstand (vielleicht waren es aber auch nur die Ellenbogen von Lin und Sanuel in seinen Seiten), etwas rötliche Wangen zu bekommen und aufzublicken.
„Entschuldigen Sie, Professor McGonagall. Ich wollte sicherlich nicht Ihre Kompetenz oder Worte anzweifeln. Mir graut es nur vor den vielen Vorträgen über die ZAG-Ankündigungen bei allen Lehrern. Ich hatte bis jetzt nicht daran gedacht, dass ich ZAG schreiben muss. Ich dachte die hätte ich schon hinter mir. Fahren Sie ruhig mit Ihrem Vortrag fort, Professor."
Harry winkte kurz mit seiner Hand und ließ dann seinen Kopf in seine Handinnenfläche sinken. Das schiefe Lächeln auf seinen Lippen ließ McGonagall allerdings böse funkeln.
Lin lief etwas blau an, da sie sich das Lachen verkneifen musste und so keine Luft holen konnte und Sanuel hielt sich seine Hand vor den Mund, um das verräterische Zucken in den Mundwinkeln zu verstecken.
McGonagall schien dieser Situation allerdings gar nichts Amüsantes entnehmen zu können: „5 Punkte von Slytherin, wegen Unhöflichkeit gegenüber einer Lehrkraft."
Harry verkniff sich ein Kommentar und döste irgendwann weg.
Nur mit Mühe konnte er sich auf dem Sitz halten, als Sanuel ihn in die Seite boxte. Harry wusste erstmal nicht, was denn los war, aber da hörte er schon die schneidende Stimme seiner ehemaligen Hauslehrerin.
„Mr. Jericle, sie scheinen es nicht nötig zu haben Ihre Aufgabe zu erfüllen, daher 10 Punkte Abzug von Slytherin, wenn Sie es nicht schaffen sollten diese Murmel sofort in eine Spieluhr zu verwandeln."
Erst jetzt nahm Harrys Augen die kleine blaue Murmel vor ihm wahr. Sie lag so still und unauffällig vor seiner Nase, dass Harry sie sogar die ganze Zeit angestarrt hatte, aber nicht im Traum auf die Idee kam, dass er sie verwandeln sollte.
Ein Blick durch die Klasse sagte Harry, dass fast alle daran arbeiteten. Nur bei wenigen konnte man leise Töne oder Farbveränderungen entnehmen. Die Murmel war noch immer sehr rund und glatt. Nur bei Draco konnte er schon erkennen, dass es langsam eine andere Form annahm.
Aber Harry sollte nicht spotten, wenn er selbst die Verwandlung nicht schaffte. Er blickte kurz zur Tafel und las kurz die Zauberformel durch. Kurz überlegte er, ob sie diesen Spruch auch schon mal gehabt hatten, aber das leise Schnauben von McGonagall ließ ihn wieder auf die Murmel blicken.
Und plötzlich erinnerte er sich wieder. Damals hatte Hermione diesen Zauber geschafft und er hatte einfach nur gehofft, dass er in der Prüfung nicht dran kommen würde. Jetzt hatte er den Salat. Damals hatte er wirklich Glück gehabt, aber heute dafür nicht mehr. Okay, die Zeitangaben stimmten nicht so wirklich, aber dass war nun wirklich nebensächlich.
Harry zog seinen Zauberstab hervor und konzentrierte sich. Kurz dachte er an die alten Murmeln von Dudley, und wie der nie etwas damit anfangen konnte. Und an die alte Spieluhr von Mrs. Figg. Harry grinste und festigte den Griff um seinen Zauberstab. Er murmelte die Formel und zog konzentriert die Stirn in Falten.
Und…
… ein leises „plopp" …
... und vor Harry stand eine wunderschöne dunkelblaue Spieluhr. Sie zeigte einen dunklen fast schwarzen Wald am See und als Lin sie mit ihrem Stab anstupste spielte sie eine leise traurige Melodie: Den Gesang von Fawks.
Nur Draco, der einige Tische weiter saß, konnte diese Töne einem Geschöpf zuordnen und starrte wie alle anderen den Jungen mit den schwarzen Haaren gebannt an.
Alle schwiegen und auch McGonagall verschlug dieser Anblick die Sprache. Sie kannte zwar Fawks, aber auch sie hatte bisher nie diesen Vogel so singen gehört. Daher kam sie nicht auf die Idee, diesen Gesang mit einem bekannten Wesen in Verbindung zu setzen. Sonst wäre sie womöglich unter den vielen neuenstehenden Fragen zusammen gebrochen.
Harry war mehr als zufrieden mit seiner Leistung und lächelte McGonagall nett und freundlich an. Nach einer stillen Minute bekam sein Blick einen fragenden Ausdruck. Die Professorin kniff nun die Lippen noch mehr zusammen und schien alles andere als glücklich. Er hatte mehr geschafft, als alle Gryffindors zusammen.
„10 Punkte für Ihre Leistung", presste sie mürrisch hervor und trat an den nächsten Tisch.
„Sie hat Dich auf dem Kicker", flüsterte Sanuel Harry leise ins Ohr. Lin strich währenddessen total gebannt über die Spieluhr und fragte Harry, ob sie sie behalten dürfte. Harry war etwas erstaunt, aber genehmigte es ihr gerne. Immer wieder erhielt er einen bösen Seitenblick von der Lehrerin. Er musste Sanuel wohl oder übel zustimmen.
Nach einer ruhigen und einfachen Stunde Zauberkunst bei Flitwick mit den Hufflepuffs, wo Draco Punkte einkassieren konnte, waren sie auf dem Weg nach draußen. Schon von weitem sah Harry den Lehrer für ‚Pflege magischer Geschöpfe', der die Gruppe Slytherins sehr missbilligend beäugte. „Das ist Kemir Sandor. Er mag Slytherins nicht. Du hast keine Chance an Punkte oder gute Noten heran zukommen. Aber wenigstens zieht er sie Dir nicht sofort ab", flüsterte Sanuel Harry zu.
„Oh, bei seinem Charme würde er es vielleicht doch schaffen…", lachte Lin und hüpfte ein paar Schritte voran. Sie liefen gerade über die Länderreihen von Hogwarts. Kemir Sandor war ein wirklich merkwürdiger Lehrer. Seine grünen krausen Haare sahen aus wie Moosbewachsen und der lange braune Umhang hatte schon Ansätze von Gras und Flechten. Professor Sandor wirkte sehr kalt und unnachgiebig, obwohl er ein gutes Händchen für Tiere aller Art hatte. Um seine Füße krochen alle möglichen Käfer und Insekten. Und mehr als einmal musste er eine Fliege von seiner spitzen Nase verjagen.
Harry konnte nur schmunzeln, aber das Lachen wurde durch einen Rippenstoß abgebrochen. Wenn das so weiterging, würde Harry am Abend einen dunkelblauen Fleck an seiner Seite haben. Mit einem leisen knurren strich er über die schmerzende Stelle an seiner Seite.
Sandor machte sofort klar, dass er die Schüler aus Slytherin für Tierquäler hielt und sie daher nicht zu nah an seine Lieblinge lassen wollen würde. Und die Hälfte der Doppelstunde verbrachte er damit ihnen über die Anforderungen bei den ZAG-Prüfungen aufzuklären.
Sanuel sorgte dafür, dass Harry nicht auf der Stelle einschlief. Sie standen am Baum angelehnt und Harrys Augen wanderten über die Bäume und Pflanzen. Es war sooo langweilig. Dann erzählte Sandor etwas über pferdeartige Tiere: Hippogreife, Einhörner, Pegasus'… Harry hörte nicht mehr hin…
Nach dem Mittagessen stand seine erste Stunde ‚alte Runen' an und Harry merkte schnell, dass er nichts verpasst hatte. Die reinste Übersetzungsarbeit anhand von Büchern, Tabellen und Grafiken. Todlangweilig und total Zwecklos. Das einzige gute daran war, dass er nicht allzu große Probleme bekam und Sanuel half ihm auch fleißig aus. Im Grunde ließ er Harry bei sich abschreiben. Und Harry war ihm sehr dankbar.
Lin hatte dieses Fach nicht belegt und Harry verstand jetzt auch warum. Sanuel war ein wenig wie Hermione, beide liebten Bücher und Wissen. Harry amüsierte sich in der Zwischenzeit über die Begeisterung von Sanuel.
Harry war schon wieder fast am wegdösen, als die Stunde zu Ende war und alle aus dem Raum stürmten. Sanuel hinterher. Er zerrte Harry konsequent mit und achtete nicht darauf, dass Harry fast auf die Nase fiel. Während Harry die Gänge entlang stolperte, umklammerte er seine Tasche mit festem Griff und versuchte zu begreifen, was hier gerade los war.
Er hatte nicht die geringste Ahnung, welchen Unterricht sie jetzt hatten, aber Sanuel schien es genau zu wissen. Sie überholten Draco, der relativ ruhig den Gang zu ihrem nächsten Unterricht betrat.
Ein „Beeil dich, Dorian!" von Kelissa, dem zweiten Mädchen aus Slytherin, lies ihn etwas schneller gehen, aber auch das Gesicht unwillig verziehen. Harry war schon von Sanuel in das Verteidigungsklassenzimmer manövriert worden. Mit einem leichten Schubs fiel Harry auf den freien Platz neben Lin. Sie hatte Plätze in der letzten Reihe freigehalten und Harry war ihr sehr dankbar, denn die meisten Schüler waren schon anwesend und belagerten die wenigen Plätze. Sanuel setzte sich auf die andere Seite von Lin und legte Pergament und Feder zurecht.
Harry versuchte erstmal wieder zu Atem zu kommen. „Was bitte war denn das?" fragte Harry schließlich. Mürrisch strich er sich die Haare wieder glatt nach hinten. Der Zauber von Gryzabel funktionierte tadellos, wenn er sich nicht mit einem Wirbelsturm anlegte.
„Professor Milerudis ist etwas…", weiter kam Lin nicht, denn eine hoch gewachsene Frau betrat mit schnellen Schritten den Raum und schloss energisch die Tür hinter sich, während sie Draco einen Schubs gab und er neben einer rotblonden Gryffindor zum sitzen kam. Er wollte sofort sich wo anders hinsetzen, als der scharfe Blick der Lehrerin ihn traf. Er ließ sich zurück auf den Stuhl gleiten.
Während Harry die Frau bestaunte, klappte Lin ihm den Mund zu und lächelte ihn verzeihend an. Aber auch den anderen Jungen erging es nicht besser, denn nachdem Draco sich beruhigt hatte, starrte selbst er die blonde Schönheit verzückt an.
Die zerschmelzenden Blicke der Schüler ignorierend schritt sie nach vorne. Ihre weißblonden Haare waren zu einem festen Knoten geflochten und ihr hellblauer Umhang betonte die verzehrende Farbe ihrer Augen. Sie sah einfach nur perfekt aus. Ihr scharfer Blick glitt über die Schüler hinweg und sie wirkte strenger als McGonagall zu ihrer besten Zeit.
Harry hob seine Augenbraue und betrachtete sie plötzlich sehr skeptisch. Nach dem ersten Schock war er ihrem Charme nicht mehr erlegen, warum das so war, konnte er nicht sagen, aber er war sehr dankbar. Diese Frau machte aus jedem jungen Mann hier ein hechelndes um Aufmerksamkeit lechzendes Nervenbündel.
Mit einem fiesen Grinsen blickte er zu Draco, der noch immer total verzückt seine Lehrerin anstarrte, aber wenigstens sabberte er nicht so, wie Justin Comney, ein kleiner magerer Gryffindor.
„Guten Tag!", sprach Milerudis und sie hatte nicht diesen betörenden Klang in der Stimme wie Fleur. Trotzdem war es ganz eindeutig: Milerudis war eine Teilveela. Harry seufzte.
Es gab plötzlich einen lauten Knall und alle zuckten erschrocken zusammen. Harry hatte aus reinem Reflex seinen Zauberstab gezogen und blickte sich angriffslustig um. Er war bereit sich zu verteidigen. Lin blinzelte überrascht und legte dann unauffällig ihre Hand beruhigend auf Harrys Arm, während auf der anderen Seite des Raumes jemand wieder auf den Stuhl kletterte. Lin hatte nicht mal bemerkt, dass Harry seinen Zauberstab griffbereit liegen gehabt hatte.
Milerudis kommentierte das Geschehen nach ihrer Aktion nicht. Es war wohl immer wieder das Gleiche und ein lauter Knall durch den Zauberstab sorgte wenigstens für etwas Ruhe und Normalität.
Ihr Gesicht wirkte sehr kalt und streng. Sie blickte jeden kurz in die Augen und keine Gemütsregung konnte man an ihr erkennen.
„Ihre erste Stunde Verteidigung gegen die dunklen Künste hat soeben begonnen. Sie sind jetzt im 5. Schuljahr und somit bereit für harte Arbeit. Am Ende dieses Jahres werden Sie geprüft und es ist alleine Ihre Entscheidung was Sie daraus machen."
Ihr Ton war nicht wirklich so kalt, wie Harry es erwartet hatte, aber trotzdem zeigte er Wirkung. Ihre Stimme signalisierte eine Schärfe, die niemand im Unklaren lies, dass mit dieser Lehrerin nicht zu spaßen war. Sie ließ unnötige Höflichkeiten aus und sagte ziemlich direkt, was sie dachte und wollte.
„Für die neuen Schüler: Ich bin Professor Ofisia Milerudis und unterrichte hier seit fünf Jahren. Ich dulde keinen Schabernack oder Streiche. Pünktlichkeit, Fleiß und Ehrlichkeit setze ich voraus."
Der Unterricht begann so plötzlich, dass Harry erstmal sich irritiert umsah. Milerudis stellte Fragen und rief dann Schüler bei Namen auf. Die Antworten kamen schnell und ohne zögern. Wenn es niemand wusste, dann kam ein blitzschnelles „Ich weiß es nicht, Professor".
Harry erhielt eine Frage zu Werwölfen und er versuchte dabei nicht zu sehr an Remus zu denken. Die Fragen testeten ihr Wissen aus den letzten Schuljahren und Harry war froh, dass er alle beantworten konnte. Die Fragen kamen immer sehr schnell hintereinander weg und die Antworten waren kurz und knapp.
Es war eine Art Quiz und Milerudis behielt die ganze Zeit ihre kalte harsche Stimme bei. Es war wie beim Militär. Zack, Zack, ohne Verschnaufpause.
Nachdem die Stunde endlich vorbei war, fühlte Harry sich total ausgelaugt. Es war wie ein Marathonlauf und dabei war es nur eine kurze Wiederholung der letzten Jahre gewesen.
Als Hausaufgabe bekamen sie natürlich auf, alle mündlichen Fragen schriftlich zu beantworten. Ein Horror für Harry, denn er konnte sich gerade so an ein duzend Fragen erinnern und die nächste Stunde hatten sie am Freitag. Also in zwei Tagen.
„Die spinnt doch völlig!" fluchte Harry als sie das Klassenzimmer verließen.
„Ach so schlimm ist das nicht", sagte Sanuel und kassierte von Harry einen entrüsteten Blick.
„Bitte was daran ist ‚nicht so' schlimm?"
„Freitag haben wir eine Doppelstunde und da machen wir dann immer Praxis, nur in den Einzelstunden bekommen wir Hausaufgaben auf, bis zur nächsten Einzelstunde. Also haben wir jetzt eine Woche Zeit. Der Unterricht ist echt hart, aber dafür lernt man viel…"
Sanuel ließ sich noch weiter über Milerudis aus und Lin verdrehte die Augen.
„Er steht auf blonde Schönheiten!" flüsterte sie und erhielt prompt einen Schlag in die Seite.
„Was erzählst Du da wieder für einen Schwachsinn? Ich finde, sie ist nur eine gute Lehrerin."
Lin lief lachend voraus und drehte sich dabei zu den beiden Jungen um. „Jaja, Sanuel, wer's glaubt… Du würdest natürlich nicht die kleine blonde Schönheit aus Hufflepuff näher kennen lernen wollen…. NEEEE-IIIINN…" Lin lachte hell auf und lief dann schnell weiter. Sanuel drückte Harry seine Tasche in den Arm und lief dem kichernden Mädchen nach.
Harry stand nun alleine im Gang und schüttelte nur seinen Kopf. An was für verrückte Slytherins war er bloß da geraten. Er blieb aber nicht lange allein.
„Hey Adrian! Na, Deinen ersten Tag gut überstanden?" Das rothaarige Mädchen trat auf ihn zu und umarmte ihn kurz freundlich. Harry konnte sich mit den zwei Taschen nicht wirklich wehren, wenn er es denn gewollt hätte. Sein Herz sehnte sich einfach viel zu sehr nach den sozialen Kontakten zu seiner Familie. Sein Kopf konnte sich dagegen nicht durchsetzen. Lily lächelte glücklich, als Harry nickte und ihr kurz erzählte, wie er sich den Respekt von McGonagall verspielt hatte. Esmare kicherte leise.
„Oh man, Adrian. Schon am ersten Tag bekommst Du Probleme. Wie war es bei Sandor?"
Harry stöhnte leise auf und die Mädchen begannen wieder zu lachen. Es schien ihnen nichts auszumachen, dass er in Slytherin war und dies erstaunte Harry doch sehr. Aber es tat auch wahnsinnig gut, dass er Lily kennen lernen konnte, auch wenn er die bösen Blicke der anderen Gryffindors in seinem Rücken spürte. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die Bibliothek. Harry hoffte sehr, dass er dort Sanuel seine Tasche zurückgeben konnte.
Harry wurde stark an die Zeit des goldenen Trios erinnert. An Ron und Hermione. Er vermisste sie hier auf Hogwarts noch viel mehr, als bei Gryzabel. Er hatte fast das Gefühl, dass sie jeden Moment um die Ecke schlittern würden, um ihn zu Fragen, ob er mit in die Bibliothek kommen würde. Aber sie kamen nicht und würden auch nicht kommen. Nie. Nie wieder...
Harry seufzte leise und konzentrierte sich auf sein aktuelles Problem: Die Aufzeichnung der Fragen aus dem Verteidigungskurs von Sanuel zu bekommen. Harry hatte die Beiden wirklich in der Bibliothek gefunden und Lin half fleißig bei der Beschaffung der Unterrichtsnotizen mit und so konnten sie schon die Fragen nach Sachgebiet und Schuljahren ordnen. Diese Aufzeichnungen erleichterten die Hausaufgaben dann doch drastisch.
Sanuel erinnerte sie dann allerdings an die Hausaufgaben bei McGonagall für den nächsten Tag und sie konzentrierten sich auf die Verwandlung von musikalischen und technischen Gegenständen.
oooooooooo
Wie schon beim Mittagessen musste Harry höllisch aufpassen, dass er sich nicht an den Gryffindortisch niederließ. Aber zum Glück passten Lin und Sanuel unbewusst gut auf. Spätestens wenn er dem giftigen Blick von James und Sirius zu nahe käme, wüsste er wieder, dass er zum falschen Tisch unterwegs war. Aber so weit kam es nicht.
Harry spürte jedes Mal aufs Neue von der ersten Sekunde an, wenn er die Halle betrat, dass Dumbledore ihn wieder im Blick hatte. „Dumbledore scheint Dir gegenüber misstrauischer zu sein als Mosnay. Er lässt Dich ja gar nicht aus dem Blick", flüstere Sanuel und Harry wusste genau, dass es auch das gute Recht von Dumbledore war. Aber er grinste nur überheblich und zuckte mit den Schultern.
Er sah kurz aber sehr direkt und scharf in die hellblauen Augen des Schulleiters und wandte sich dann wieder desinteressiert seinem Essen zu. Er würde sich so uninteressant und unauffällig wie möglich geben müssen, aber dies war ihm nun einmal gar nicht eigen. Als Sohn von James Potter war es vermutlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber Harry tat ja gerne aussichtslose Sachen.
Als sie zu dritt zum Slytheringemeinschaftsraum liefen, fragte sich Harry, ob er immer in eine Dreier-Konstellation rutschen würde?! Irgendwie war es seltsam gewohnt und mit Lin und Sanuel befreundet zu sein, brachte ihm einige Vorteile. Die anderen Slytherins trauten sich nicht an ihn heran und auch die Gryffindors hielten sich zurück.
TBC.
Ist den zwei japanischen Slytherins zu trauen? Wird Harrys Verhalten seine Identität schützen können? Wird Draco mit Harry Schritt halten können oder wie wird er sich entscheiden?
