Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 7
Teil: 4/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Teil IV
Altes Hogwarts
Kapitel 7
Anstrengende Langeweile
Lin und Sanuel blieben an Harrys Seite und dadurch veränderte sich kaum etwas an seinem Tagesablauf. Trotz der neuen Position Harrys war sein dritter Schultag fast normal. Aber nur fast.
Außer einer geladenen Stunde Verteidigung, wo sie 5 ‚neue' Zauber in kleinen Duellen lernten, hatte Harry seine 'erste' Stunde Zaubertränke bei Slughorn. Leider hatte er keinen Zugriff auf das Buch des Halbblutprinzen, welches sich vermutlich im Besitz von Snape befand, und so kämpfte er alleine um eine relativ vernünftige Note. Aber wie schon in seinem siebten Schuljahr war das gar nicht so schwer, wenn Snape nicht ein auf ‚böse Fledermaus' machte und er sich ganz auf den Unterricht konzentrierte. Was ihm als Slytherin sogar einfacher gemacht wurde, als es als Gryffindor jemals gewesen war.
Slughorn interessierte sich nicht wirklich für seine neuen Schüler, denn noch hatten sie keine außergewöhnlichen Sonderleistungen vollbracht und als Slughorn anfing von seinen ehemaligen Schülern, die gute Stellungen hatten, zu schwärmen, musste Harry gegen das befreiende Grinsen ankämpfen. Er blickte zu einer genervten Lin, da Slughorn gerade das Thema auf die anwesenden Besonderheiten wechselte und wieder etwas über deren gute Leistung und ihre Verbindung zum Diplomaten erläuterte. Das Grinsen ließ sich nur sehr schwer unterdrücken.
Aber dadurch, dass Lin und Sanuel im Slug-Club waren schien es für Harry noch sicherer zu sein, denn niemand wollte sich mit ihnen und somit womöglich mit Slughorn anlegen. Jedenfalls keiner der jüngeren Schüler und die älteren waren schlau genug, es nicht direkt vor Slughorns Nase zu machen. So blieb Zaubertränke ruhig und Harry hatte keine großen Probleme sich an die Brauanweisungen zu halten und sein Ergebnis war zufrieden stellend.
Die Woche endete mit einer langweiligen Stunde Runenkunde und schon stand Harry vor dem Wochenende. Irgendwie war ihm nicht ganz klar, was er machen sollte, aber Lin ließ keine Langeweile aufkommen und Sanuel achtete darauf, dass Harry und Lin auch alle Hausaufgaben ordentlich machten. Zu Harrys Leidwesen, denn er legte eigentlich auf die Hausaufgaben wenig wert. Sie spielten in seinen Plänen keine Rolle, aber es diente zur Tarnung.
Harry blieb nicht viel Zeit um über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben nachzudenken, denn die Zeit verging wie im Fluge und Harry hatte nicht mal Zeit gehabt, über sein Vorgehen nachzudenken, Als Cosmo ihn am Montag wieder zuverlässig weckte, fragte er sich wo die zwei freien Tage geblieben waren. Denn eigentlich hatte er nichts von dem geschafft, was er sich noch am Dienstagmorgen bei Gryzabel sitzend vorgenommen hatte. So ähnlich verging die erste Woche. Hausaufgaben und Orientierung in Slytherin bestimmten seine Zeit. Aber seine Planung der weiteren Schritte blieb deutlich auf der Strecke.
Jetzt saß er in einer der vielen Verwandlungsstunden. Es war Montagvormittag und Harry grübelte über seine nächsten Pläne nach. Wirklich weiter war er nicht gekommen. Alles stellte sich schwieriger heraus, als er es sich gedacht hatte.
Die Stunden Wahrsagen war seltsam ruhig verlaufen. Narcissa hatte kaum ein Wort gesagt und Remus hatte ihn zu Beginn nur schief beäugt, aber auch überwiegend geschwiegen. Sie schienen nichts mit ihm anfangen zu können, oder wenigstens konnten sie ihn nicht in eine Schublade einsortieren.
McGonagall redete und erklärte den neusten Verwandlungszauber und Harry hielt seine Feder zwischen den Fingern und kritzelte auf dem Pergament vor sich herum. Bis jetzt waren nur seltsame Muster entstanden. Er langweilte sich. Das Zeichnen beruhigte ihn und er konnte seine Gedanken besser ordnen.
„Mr. Jericle!"
Die Feder rutschte Harry aus und machte einen seltsamen Bogen auf dem Papier. Er hatte sich doch ein klein wenig erschrocken. Seine ehemalige Hauslehrerin hatte sich mal wieder direkt vor seinem Platz aufgebaut und blickte ihn wütend an. Mit einem fragenden Blick versuchte Harry sie wieder etwas milder zu stimmen, aber er musste feststellen, dass es ihm als Gryffindor doch noch um einiges leichter gefallen war. So neutral wie er immer gedacht hatte, war McGonagall wohl dann doch nicht, stellte er resignierend fest. Oder lag es an ihm?
„Welche Schwierigkeiten könnten bei diesem Zauber entstehen?" fragte die Lehrerin spitz. Ihre Augen funkelten Harry an, der jetzt versuchte einen Blick auf die Tafel zu werfen. Nur leider stand McGonagall direkt vor seiner Nase und der Blick nach vorne war unterbrochen. Er konnte die Buchstaben nicht sehen und einen Röntgen Blick hatte er nun mal nicht.
Lins gemurmelte Worte zu seiner Linken halfen ihm nicht, da sie zu undeutlich sprach. Natürlich könnte Harry sie direkt fragen, aber dann würde sie Ärger bekommen und das wollte Harry dann doch nicht. Er war halt doch ein Gryffindor. So blieb ihm nichts anderes übrig, als die Flucht nach vorne.
„Tut mir leid, Professor McGonagall, ich weiß leider gerade nicht auf welchen Zauber Sie sich beziehen." Harry versuchte bewusst freundlich und kleinlaut zu klingen, dabei lächelte er so charmant wie möglich. Die Klasse gluckste leise. Jeder schien sich darüber zu amüsieren, dass Harry schon wieder mit McGonagall aneinander geriet. Alle, bis auf Lin und Sanuel, denn die wussten, dass Harry sich langweilte und mit den Gedanken einfach woanders war.
Aber McGonagall war sauer und ließ sich nicht von den strahlendblauen Augen und dem offenen Lächeln einwickeln. „Strafarbeit Mr. Jericle. Heute Abend, 20 Uhr in meinem Büro!" zischte sie und beendete die Stunde mit einem ganzen Stapel Hausaufgaben.
„Du solltest besser aufpassen und Dich auf den Unterricht konzentrieren, Adrian. So geht das nicht… zum Glück, hat sie uns nicht noch mehr Punkte abgezogen…"
Harry musste sich prompt eine Strafpredigt von Sanuel anhören, die sich verdammt mit den von Hermione aus seinem letzten Schuljahr vergleichen ließen. „…Du wirst noch einmal richtig viele Hauspunkte verlieren und dann richtig Ärger mit den Slytherins bekommen…"
„Bitte was soll denn noch passieren? Ich werde doch so schon von allen aus Slytherin ignoriert", fragte Harry. Es machte ihm wirklich nicht sehr viel aus. Die verhassten Blicke vom Gryffindortisch waren da viel anstrengender bzw. hinterließen seelisch tiefere Spuren. Kalte Blicke, besonders von Lucius Malfoy und Severus Snape, waren nun wirklich nichts Weltbewegendes. Und mit Snape auszukommen, wo sie beide auf der gleichen hierarchischen Stufe standen, war auch wirklich gar kein Problem. Meistens genügte nur ein kalter Blick und ein leises ‚Halbblut', um Snape erbleichen zu lassen. Eigentlich hatte Harry nicht vor Snape wirklich ins offene Messer laufen zu lassen, aber um ihn auf Abstand zu halten, war es doch sehr nützlich. Er hatte genug Erfahrungen mit Draco gesammelt, um eventuelle Gewissensbisse ausschließen zu können. Und Draco war eine Sache für sich, denn dieser beachtete ihn kaum.
Irgendwie hatte sich ihr Umgang in der kurzen Zeit auf das Nötigste reduziert. Draco ging ihm aus dem Weg, nur Harry verstand nicht warum, andererseits hätte ihn es sehr gewundert, wenn es nicht so wäre. Was hatten sie sich schon zu sagen? Es gab gar keine Chance auf eine Freundschaft, dafür war ihre Feindschaft viel zu tief.
Was Harry und auch Draco dabei vergaßen war, dass sie mehr miteinander geteilt hatten, als möglich war. Die Ereignisse der letzten Monate und das Ritual hatten sie aneinander gebunden. Sie würden zusammenbleiben, auf die eine oder die andere Art und Weise. Beide Jungen ignorierten diese Tatsache aber geflissentlich und taten teilweise so, als würde sie sich nicht kennen.
Harry verbrachte den Nachmittag nach dieser Verwandlungsstunde damit seine Hausaufgaben schnellstmöglich zu machen. Sanuel redete so lange auf ihn ein, bis er nachgab. Lin blieb aus Gefühlen der Solidarität bei ihm und leistete ihnen Gesellschaft. Im Nachhinein war Harry Sanuel sehr dankbar, denn er hätte sonst keine Zeit für die Hausaufgaben gefunden und damit McGonagall nur noch mehr Nahrung für Strafarbeiten oder Punktabzüge gegebn.
Er stand pünktlich um acht Uhr vor der Bürotür von McGonagall und klopfte dreimal.
„Kommen Sie herein, Mr. Jericle", ertönte die Stimme von der Lehrerin hinter der Tür. Harry öffnete selbstsicher die Tür und trat ein. Sie saß an ihrem Schreibtisch und korrigierte Hausaufgaben. Ein großer Stapel Pergamente lag neben ihr. Sie blickte nicht auf.
„Setzen Sie sich!"
Harry kam dieser Aufforderung nach und machte es sich auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch bequem. Er wartete. Nach einigen Minuten legte sie ihre Feder zur Seite und blickte ihn streng an. Harry wusste, dass er wirklich zu weit gegangen war, aber Verwandlung war nun mal ein Fach, welches Hermione und er bis zum Abwinken geübt hatten. Alles was ihm eventuell hätte helfen können, sollte er auch aus dem ff können. Nur leider half es ihm jetzt nicht gegen seine Lehrerin.
„Mr. Jericle-", unsanft wurde Harry mal wieder aus seinen Gedanken gerissen „- ich kann und will Ihr Benehmen in meinem Unterricht nicht länger dulden. Ich erwarte von meinen Schülern ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit. Ich versuche Ihnen etwas Neues beizubringen. Sie dagegen vermitteln mir den Eindruck, dass Sie davon überzeugt sind, dass sie den Lernstoff bereits beherrschen. (Harry hätte ihr jetzt gerne gesagt, dass das überwiegend auch der Fall war, aber er schwieg.) Ihre Arroganz stört meinen Unterricht auf extremste Weise. Ich hoffe, dass diese Strafarbeit Sie eines besseren belehrt."
Sie stand auf und ging zu einem großen Bücherregal hinüber, der unter der schweren Last bald zusammenbrechen drohte, aber vermutlich durch Magie gesichert war. McGonagall zog zielstrebig einige dicke Bücher hervor und legte sie zu einem Stapel auf dem Tisch zusammen.
„Ihre Strafarbeit besteht darin, dass sie die Verwandlungen aus den vergangenen Schuljahren raus schreiben, wiederholen und in der Mittwochstunde vorführen werden. Hier sind die Schulbücher." Damit reichte sie ihm den Stapel Bücher und sah mit Genugtuung, dass Harrys Augen sich schockiert geweitet hatten.
„Sie fangen jetzt damit an, bis 22 Uhr erledigen sie ihre Arbeit hier in diesem Büro. Pergament und Feder liegen bereit. Bei Fragen oder Problemen stehe ich Ihnen natürlich gerne zur Seite."
Harry nahm die Bücher und setzte sich an den kleinen zugewiesenen Tisch. Eine Kerze spendete flackerndes Licht und Harry hoffte, dass sich diese Bücher nicht zu sehr von seinen alten Schulbüchern unterscheiden würden, denn er wusste genau, dass er McGonagall garantiert nicht um Hilfe bitten würde. Da würde er wohl eher zu Lucius Malfoy oder Severus Snape gehen. Seufzend fing Harry an und schlug das erste Buch auf.
Er musste schnell feststellen, dass es einige Zauber gab, von denen er bisher nichts gehört hatte. Dies konnte daran liegen, dass sie in 20 Jahren nicht mehr zum Lehrstoff gehörten, oder weil sie nicht im Kampf hilfreich sein konnten. Was würde es Harry helfen, wenn er eine singende Zuckerdose erschaffen konnte?!
So schrieb Harry nun alle Zauber auf ein Pergament auf und auf ein zweites alle, die er nicht kannte oder nicht sicher beherrschte. Von den etwa 250 Verwandlungssprüchen kannte er 19 gar nicht und 10 waren ihm nicht sicher.
Er musste also an einem Tag 19 unbekannte Flüche lernen. Dies war wirklich eine harte Arbeit! Selbst für Hermione wäre es kein Zuckerschlecken geworden, aber Harry hatte einen starken Willen. Er wollte sich nicht blamieren und leider konnte er sich nicht auf sein Glück verlassen, denn das war ihm nicht immer so zuverlässig, wie manche dachten.
So saß Harry am Dienstag total übermüdet im Unterricht. In Zaubertränke hatte er nicht wirklich ein Problem, da er sich noch sehr gut an die Zubereitung des Trankes erinnern konnte. Außerdem saßen Lin und Sanuel neben ihm und halfen wenn nötig.
In der Doppelstunde Geschichte der Zauberei übte er in der hintersten Ecke heimlich die Verwandlung von einem Haar in eine Schildkröte. Während des Frühstückes hatte er es mit einem seiner Haare versucht, aber dann war ihm der Gedanke gekommen, dass womöglich die Magie, die auf seinen Haaren wirkte, den Zauber behindern könnte. So hatte er ein Haar von Sal erhalten, die ihn gerade begrüßen wollte.
Das rosane Haar, welches auf Muggelart gefärbt war, lag vor ihm und Harry hoffte nur, dass die Schildkröte nicht auch rosa werden würde. Tief in Gedanken hörte Harry nichts von dem, was Binns über die Elfennächte 1328 erzählte. Sein Zauberstab war auf das Haar gerichtet und konzentriert schloss er die Augen.
Vor seinem inneren Auge sah er die Schildkröte schon und nun der Zauberspruch.
Ein Krachen und ein lauter Aufschrei, ließen Harry die Augen erschrocken aufreißen.
Er hatte es offensichtlich etwas übertrieben!
Sein Tisch war unter dem Gewicht einer Riesenschildkröte, die rosafarbene Augen hatte, zusammengebrochen und Lin sah ihn aus großen Augen entsetzt an. Alle blickten zu ihm, mehr oder weniger verschlafen und verschreckt, und Harry spürte seine Ohren brennen. Binns schwebte auf ihn zu, denn auch er konnte so eine Unterbrechung nicht übersehen.
Die Schildkröte schien sich als erster beruhigt zu haben, denn sie begann in Lins Tasche zu wühlen und dann zu kauen. Zum Glück stellte sich heraus, dass es nur der Apfel vom Frühstück war. Trotzdem brachte Lin ihre Tasche schnell in Sicherheit.
„Mr. Jockel, ich bitte Sie dieses Tier wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuverwandeln und sich dann dem Unterricht wieder zu widmen. Falls es Ihnen entgangen sein sollte, wir haben jetzt Geschichte der Zauberei" Binns schwebte wieder nach vorne und sprach da weiter, wo er aufgehört hatte.
Erleichtert atmete Harry auf und ließ das arme Tier wieder verschwinden. Lin reparierte den Tisch und Harry hakte den Zauber auf seiner Liste ab. Jetzt konnte er sich den nächsten Zauberspruch vornehmen.
„War ja klar, dass Du alles übertreiben musst. Bekommst hier wohl nicht genug Aufmerksamkeit, was Jericle?" spottete Draco und Harry schenkte ihm nur ein strahlendes Lächeln.
„Ich kann die Zauber wenigstens."
„Das sieht man ja", schnarrte Draco und wusste dabei leider ganz genau, dass Harry auf den Unterricht anspielte, wo der ehemalige Gryffindor doch viel sicherer bei den Sprüchen war, als er selbst.
Aber Harry wandte sich wieder ab und nahm sich den nächsten Zauber vor. Er musste nur noch 14 von den insgesamt 29 schaffen. Leider war die Doppelstunde Geschichte schneller vorbei, als es hätte sein müssen und nach dem Mittagessen hatten sie Verteidigung mit den Gryffindors. Und hier versuchte er nicht einmal sich Zeit für seine Strafarbeit zu nehmen. Es hätte vermutlich nur in einer nächsten Strafarbeit gemündet.
Die kleinen Duelle in Verteidigung gegen die dunklen Künste waren sehr interessant, aber Harry hatte kein Glück, denn das Gryffindormädchen ging ihm auf die Nerven. Harry hatte keine Angst davor das Duell zu verlieren, dass wäre eine wirkliche Schande gewesen, sondern er hatte Angst den Kopf zu verlieren und ihr dann weh zu tun. Er konzentrierte sich also wieder mal darauf, dass er nur sehr kontrollierte Flüche verwendete. Seine ruhige und konzentrierte Art, machte das Mädchen wütend. Sie wollte nicht einsehen, dass sie keine Chance gegen ihn hatte und Harry wollte nicht zu arrogant wirken.
Der Unterricht war leider nicht nur interessant und spaßig, sondern auch anstrengend und Harry war wirklich froh, als die Stunde vorbei war. Sofort widmete er sich seiner Strafarbeit. Fünf Zauber hatte er noch in Laufe des Tages geschafft, nun blieben noch 9 übrig. Böse blickte er auf die fünf dicken Wälzer, die vor ihm auf dem Bett lagen. Das größte Defizit hatte er im vierten Jahr, da wo er eigentlich auch unfreiwillig eine Sonderstellung bekommen hatte. Jetzt hatte er den Salat. Er würde auch noch die letzten schaffen und so McGonagall den Erfolg über ihn nicht liefern. Fest entschlossen nahm er sich den nächsten Zauber vor.
Sanuel und Lin halfen ihm, indem er die Hausaufgaben von ihnen abschreiben durfte, jedenfalls die für den nächsten Tag. Das was Harry brauchte, war Ruhe und so zog er den Vorhang seines Bettes zu und übte den Abend lang, bis er aufschreckte. Jemand schüttelte ihn an der Schulter. Er war vorhin noch mit Sanuel zu Astronomie gegangen und hatte danach weiter gelernt.
„Hey Jericle. Schon fertig mit Deiner Strafarbeit oder kann ich mich auf Deine Blamage nachher im Unterricht freuen?" schnarrte Draco und blickte in die verschlafenen blauen Augen von Harry. Dieser gähnte und sah auf die Uhr. Es war halb zwei. Vermutlich war er über den Büchern eingeschlafen, denn sein Kissen stellte sich als sehr hart und unbequem heraus. Müde strich er sich die Haare aus dem Gesicht und sah Draco kurz dankbar an. „Danke, Drache. Mir fehlen noch drei." Er wedelte kurz mit dem Zauberstab und überreichte Draco eine einzelne Blume. Eine blaue Rose.
Draco nahm die Rose mit spitzen Fingern, dann wandte er sich wieder kalt ab und meinte dann hochnäsig: „Als ob Du noch etwas zustande bringen würdest, so fertig wie Du aussiehst."
„Ach mach Dir um mich keine Sorgen, Du willst doch nur, dass Slytherin nicht noch mehr Punkte verliert. Noch habe ich mehr Punkte gebracht, als verloren. Also halt Deine Klappe."
Draco schnaubte abfällig und legte sich in sein Bett. „Ich kann jetzt wenigstens in aller Ruhe schlafen."
Harry antwortete darauf nicht, denn Draco hatte leider Recht.
oooooooooo
Am Mittwochmorgen schaffte selbst Cosmo es erst kurz vor Unterrichtsbeginn Harry wirklich wach zu bekommen, der dafür jetzt auch ein paar blutige Striemen am Rücken hatte. Mit verschlafenen Augen, aber gerade noch pünktlich stand Harry im Verwandlungsunterricht und blickte McGonagall scharf an. Sie verteilte schnell eine Stillarbeit und rief ihn nach vorne. Natürlich achtete niemand auf die gestellte Leseaufgabe, sondern jeder beobachtete sehr genau, was für eine Strafarbeit der Neue leisten musste. Die Slytherins wussten nicht so recht, ob sie auf einen Erfolg oder eine Blamage hoffen sollten. Den Gryffindors fiel diese Entscheidung nun wirklich nicht schwer.
Harry stand vor dem großen Eichenschreibtisch und war unsagbar müde. Er hatte wohl gerade mal 3 Stunden schlafen können. Eindeutig zu wenig.
„Und Mr. Jericle, können Sie jetzt alle Zaubersprüche aus den Schulbüchern, die ich Ihnen gegeben habe?" Ein Aufkeuchen glitt durch den Raum, kaum einer würde sich so eine Aufgabe zutrauen. Es war vergleichbar mit einer unangekündigten ZAG-Prüfung. Draco beobachtete Harry genau, wie er McGonagall ihre Bücher wieder gab und dann seinen Zauberstab zückte. Ob er wirklich die Aufgabe meistern würde? Natürlich hatte Draco mitbekommen, wie konzentriert Harry der Aufgabe nachgekommen war, aber dies war eine extreme Prüfungssituation und keiner hätte in so kurzer Zeit das alles auffrischen können. Auch nicht Hermione Granger.
„Sie zeigen mir jetzt 10 Verwandlungen Ihrer Wahl, dann nenne ich 10-15 weitere. Sind Sie bereit?" fragte sie spitz und erhielt wieder nur ein knappes Nicken. Er wandte sich dem Schreibtisch zu und verwandelte alle möglichen Gegenstände darauf, dann ließ er Lins Tasche ein Pfeifkonzert vortragen und beendete es nach kurzer Zeit. Er überreichte ihr einen Strauß rosaner Rosen, die mal einfache Streichhölzer waren, als Entschuldigung.
Lin lächelte ihn stolz an und McGonagall war schockiert. Sie zeigte diese Regung allerdings nicht und nannte Harry nun 11 Zauber, welche er umgehend anwandte. Nur bei einem stockte er und blickte die Lehrerin erschrocken an. Es verwirrte sie noch mehr.
Aber Harry zögerte nicht weiter und sagte kein Wort. Er schloss die Augen und richtete seinen Zauberstab auf den Regenwurm. Das Tier verwandelte sich ohne Umschweife in eine ausgewachsene Königskobra.
Das Tier lag in aller Ruhe auf ihrem Tisch und in der Klasse war es sehr still geworden. Die meisten Zauberer konnten die Schlangenart bei diesem Zauber nicht bestimmen, aber in der Regel waren es Nattern oder kleinere Schlangen, höchstens 1 Meter lang. Aber dieses Tier maß mindestens 5 Meter und McGonagall war froh, als Harry auch diesen Zauber wieder aufhob.
Was hatte dies zu bedeuten? War Jericle etwa gefährlicher als gedacht oder hatte er sich nur sehr mit seinem Haus verbunden? Die Schuppen der Schlange waren fast schwarz und glänzten im Licht grün. Es war ein sehr schönes Tier, aber ein Schüler der fünften Klasse sollte so etwas nicht können.
Schnell beendeten sie die Strafarbeit und Harry nahm wieder auf seinem Stuhl platz.
„Nicht schlecht, Jericle. Nicht schlecht", hörte Harry leises Geflüster. Natürlich wusste Harry sofort, wer es sagte, nur war die Frage, worauf Draco sich bezog. Auf seine gute Leistung oder auf eine zerknirscht wirkende Professorin. Aber Draco wusste es selbst nicht so genau. Das Einzige, was er sich im Gegensatz zu den anderen Schülern erklären konnte, war, warum Harry bei der Kobra die Augen geschlossen hatte und nicht erfreut war, diese Aufgabe zu erfüllen. Die Erinnerung an Nagini und die Möglichkeit Parsel zu sprechen war in diesem Moment greifbar nah gewesen.
Für Harry und Draco war sonnenklar, dass ein Parselmund sofort Hogwarts verlassen müsste und vermutlich in Askaban seine neue Heimat finden würde. Niemand würde Harry glauben, dass er keine Verbindung zum Unnennbaren hatte. Niemand. Wie sollte er seine Verbindung zu Voldemort auch glaubhaft erklären?! Dies war ein weiterer Grund, warum Harry nicht wollte, dass Dumbledore die Geschichte erfuhr.
Als sich ihre Augen trafen, konnte Draco ein leichtes zucken der Mundwinkel nicht unterdrücken und wurde prompt von Harry mit einem ehrlichen aber schiefen Grinsen beantwortet. Sie sprachen kein Wort und ließen ihren Blick wieder nach vorne wandern. Dies war ein seltener Moment, wo sich die beiden Jungen wirklich verstanden
Der Rest der Stunde verlief normal. Hatte McGonagall allerdings damit gerechnet, dass Harry jetzt konzentrierter bei der Arbeit war, so hatte sie sich getäuscht. Das einzige, worauf Harry, Lin und Sanuel achteten, war, dass er immer wusste, von welchem Zauber sie sprach. Sanuel ließ seine Unterrichtsnotizen jetzt einfach für Harry lesbar auf dem Tisch liegen, aber McGonagall würde es ihm nicht so leicht machen.
Harry war schon wieder mit seinen Gedanken weit weg, genauer gesagt war er bei Dumbledore und seinen Berichten über die Horcruxe. McGonagall beendete die Stunde und während die Schüler den Raum zielstrebig und munter schwatzend verließen, zog sie den Stapel Bücher, die sie Harry für die Strafarbeit überlassen hatte, zu sich. Es waren fünf. Fünf dicke Bücher. Für jedes Schuljahr eins. Der geschockte Blick von der Lehrerin folgte dem schwarzhaarigen Jungen bis die Tür hinter ihm zufiel.
Sie musste mit Dumbledore reden.
TBC.
Was wird das Gespräch zwischen Dumbledore und McGonagall bringen? War es falsch von Harry die Strafarbeit erfolgreich durchzuführen? Hätte er sich dumm stellen sollen? Dann wäre er aber wohl nicht in Slytherin gelandet. Was hat die blaue Blume für Draco zu bedeuten? Wann geht es endlich weiter?
