Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 11
Teil: 4/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Dies ist ein langes Kapitel… jedenfalls ein etwas längeres als normal… aber was ist schon normal und eine Definition will ich jetzt auch nicht unbedingt abgeben Viel Spaß beim lesen…
Teil IV
Altes Hogwarts
Kapitel 11
Familiärer Einbruch
Es war eine gute Woche vergangen, seit die Schülerinnen und Schüler aus den verschiedenen Häusern zusammen gelernt hatten. Seitdem kam es häufiger dazu, auch wenn Sal meistens mit einem Fluch akustisch isoliert wurde. Harry hatte nicht viel Zeit gefunden die Recherchen durchzuführen, die er wollte, denn ständig saß eine neugierige Person neben ihm. Ob es Lin, Sanuel, Lily oder Sal war, war dabei sehr irrelevant, denn wenn die sich alle gegen ihn verbünden würden, hätte er keine Chance.
Aber er hatte sein heutiges Unternehmen komplett unter Verschluss gehalten. Sonst hätte Lin oder Lily ihm vermutlich bei dem kleinsten Anzeichen, dass er in der Nacht den Schlafsaal verließ, eine Professorin oder Karina Siebert, die regeltreue Schulsprecherin aus Hufflepuff, auf den Hals gehetzt. Da hatten sie alle irgendwie kein Erbarmen. Sanuel hielt sich dabei etwas mehr zurück. Er schien eher zu beobachten und Harry musste vorsichtig sein, ob dies nicht zu gefährlich für ihn werden könnte. Aber jetzt hatte er eine wichtige Mission, die nicht vorhersehbar war. Harrys Freunde hatten keine Ahnung von den Hintergründen und wussten daher auch nicht, wie man diese Mission verhindern könnte.
Es war tiefste Nacht, als Harry leise und auf Zehenspitzen durch das stille Schloss lief. Dabei war es eigentlich nichts Ungewöhnliches; er war schon oft bei Dunkelheit durch die leeren Gänge geschlichen, aber jetzt hatte er weder einen Tarnumhang, noch die Karte der Rumtreiber bei sich. Es war ein riskantes Unternehmen.
Um jede Ecke linste er vorsichtig, in der Befürchtung Filch oder seine Katze zu sehen, nach jedem dritten Schritt lauschte er angespannt in die Stille hinein. Auch jeder Schatten wurde sehr genau beäugt und Harry rechnete jederzeit mit dem Auftauchen eines Geistes.
Aber es blieb ruhig.
Er hätte nicht gedacht, dass der Weg so weit sein könnte. Plötzlich hörte er etwas.
Blitzartig und völlig lautlos drückte Harry sich in eine Ecke hinter einer schwarzen Ritterrüstung.
War es wieder falscher Alarm? Nur eine Katze? Nur ein ausgebüchstes Haustier?
Langsam glitt ein Lichtschein in den Gang hinein und durchbrach die Schwärze der Nacht. Es war kein falscher Alarm und Harrys Herz legte ein paar Takte zu. Seine Finger verkrampften sich um den Zauberstab und er drückte sich noch weiter an die Wand.
Bewusst sorgfältig hatte er sich eingekleidet. Ganz in Schwarz und selbst sein Gesicht war mit Ruß geschwärzt. Die Kontaktlinsen hatte er raus genommen und seine Brille aufgesetzt. Niemand würde ihn als Adrian Jericle erkennen, aber es würde Fragen und Probleme geben, wenn jemand ihm über den Weg lief. Er könnte sein Erscheinungsbild nur sehr schwer erklären und nichts davon wäre glaubwürdig oder akzeptabel. Er durfte nicht entdeckt werden und nur ungern würde er Magie anwenden. Jedenfalls nicht, wenn er anderen damit Schaden zufügen würde, aber im Zweifelsfalle würde er alles für die Geheimnisbewahrung tun.
Krampfhaft hielt er die Luft an und versuchte zu erkennen, welcher Lehrer hier gerade seinen Kontrollgang absolvierte. Eine hohe Gestalt kam mit großen Schritten um die Ecke.
Harry hatte das Gefühl in Panik geraten zu müssen, denn es war Minerva McGonagall. Oh Merlin! Ausgerechnet die Hauslehrerin von Gryffindor. Ausgerechnet die Lehrerin, die ihn am Wenigstens verstand. Sie würde ihm den Kopf abschlagen, wenn sie wüsste, wohin er auf dem Weg war. Warum sie? Warum ausgerechnet sie? Warum nicht Karina oder Dominik, der kluge Schulsprecher aus Ravenclaw?
Mit ihrem feinen Gespür würde McGonagall vermutlich schnell die Angst und Gefahr ihres Hauses spüren. Harry hatte zischend die Luft aus seiner Lunge entlassen und hielt nun den Atem wieder an, um jedes Geräusch zu vermeiden. McGonagall kam immer näher und sie schien nicht besonders guter Laune zu sein. Ihr Lippen waren zusammengepresst und ihre Schritte energisch. Harry wusste nicht genau, wie er sich verhalten sollte, wenn sie ihn erwischte, dann konnte er seine Sachen packen. Er spürte seinen Herzschlag am Hals und sein Atem ging hektisch, auch wenn er krampfhaft versucht ihn so flach wie möglich zu halten. Er wagte es noch immer nicht weiter zu atmen und presste die Lippen fest aufeinander.
Gleich würde sie vor ihm stehen und der Lichtkegel ihres Lumos ihn erwischen. Sie war kaum drei Meter entfernt. Noch wenige Schritte und sie hätte ihn. Zwei Meter entfernt, Harrys Füße waren im Licht, aber noch hatte McGonagall ihn nicht gesehen. Kalter Schweiß brach auf seiner Stirn aus und Harrys Finger wurde eiskalt. Harry setzte schon an, seinen Zauberstab zu erheben, als aus der Richtung der Großen Halle ein zerberstendes Scheppern einer jetzt kaputten Vase kam.
Kurz stockte McGonagall in ihrem Schritt und senkte leicht den Zauberstab. Das Lumos-Licht reichte jetzt nur noch knapp zu Harrys Füßen. Wenn sie sich nur leicht zur Seite wenden würde, dann würde sie ihn sehen und er hätte keine Möglichkeit auszuweichen. Seine Finger verkrampften sich noch weiter um seinen Zauberstab.
McGonagalls Gesicht verhärtete sich. „Peeves!", zischte sie leise. Sie hob den Zauberstab wieder an und lief mit großen Schritten an Harrys Versteck vorbei. Nicht einen Blick in seine Richtung schenkte sie ihm und er war mehr als froh darüber.
Harry schloss seine Augen und entließ möglichst leise die angehaltene Luft aus seinen Lungen. Kurz lehnte er sich an die kalte Mauer hinter ihm und ließ sich hinab gleiten. Er war so erleichtert. Einen Moment entspannte er sich und schob seine Brille wieder zurück auf die Nase.
Er zuckte zusammen, als er McGonagalls Gekeife aus der Eingangshalle hörte. Schnell stand er wieder auf. Mit leisen und vorsichtigen Schritten folgte er ihrer Stimme und konnte schon bald ihre harschen Worte verstehen.
Anscheinend war es wirklich Peeves gewesen, der eine große Vase zertrümmert hatte. Das gackernde Lachen hallte von den Wänden wieder und Harry war zum ersten Mal dem Poltergeist dankbar. Jedenfalls in diesem Moment.
Harry schob seine Brille wieder richtig auf die Nase. Es war schon fast ungewohnt sie zu tragen, aber auch sehr schön. Es erinnerte ihn an seine wahre Identität. Es erinnerte ihn an Harry Potters Kampf… an seinen Kampf… an seine Mission… Schnell huschte er im Schatten der Dunkelheit die Treppe empor, McGonagall und Peeves und vermutlich viele Porzellanscherben in Untergeschoss zurücklassend.
Der Weg zum Portrait war nicht besonders schwer zu finden, dafür war er diesen Weg nun schon viel zu oft gegangen, auch bei Nacht und Dunkelheit. Aber auch der Mond zeichnete Muster auf den Boden und so konnte Harry sich ohne Probleme zurechtfinden. Selbst die Portraits schienen alle zu schlafen und sich von der dunklen Gestalt nicht stören zu lassen.
Nun stand Harry vor dem Bild der fetten Dame und ein Gefühl des Heimwehs kam in ihm empor. So sehr er Hogwarts als sein Zuhause sah, so war eigentlich der Gryffindorturm der Ort, der ihm Ruhe und Geborgenheit gab. Zu seinem Glück war die fette Dame nicht bei irgendeinem nächtlichen Stelldichein, sondern schlief friedlich in ihrem Bilderrahmen und schnarchte.
Natürlich kannte Harry das Passwort nicht. Er wusste zwar, dass es ein Tiername war, aber welches genau würde er erraten müssen. Lily und Esmare waren ihm nicht aufgeschlossen genug gewesen, um es ihm zu offenbaren. Er konnte es natürlich verstehen, aber ärgern tat es ihn trotzdem. Aber sein Interesse an dem Passwort vom Gryffindorturm durfte ja auch nicht auffallen. Es war schon riskant genug, dass er Lily überhaupt danach gefragt hatte. Unauffällig natürlich, aber trotzdem riskant.
Harry seufzte leise. Er musste es versuchen, seine Aufgabe war zu wichtig. Und es ging hierbei ja nicht nur um ihn. Er zog zerknitterte Pergamente aus seiner Innentasche und entfaltete sie. Nebenbei blickte er sich aufmerksam um und horchte in die Stille hinein.
Er wünschte sich einen Schüler wie Neville herbei, der das Passwort auf einen Zettel notiert und zufällig ihm in die Hände spielte. Leider gab es so einen Schüler wohl nicht und er konnte auf keine Hilfe hoffen. Neville war wohl einzigartig.
Harry wusste, dass er einen Erstklässler so lange in die Mangel hätte nehmen können, bis er das Passwort ausgespuckt hätte, aber dies ging gegen Harrys Natur, daher versuchte er es auf eine andere Art und Weise. Natürlich wäre es auch zu auffällig geworden, denn der Schüler hätte sich natürlich auch bei McGonagall beschweren können. So war es schon besser, wenn auch nicht einfacher.
Harry blickte auf das erste dicht beschriebene Pergament und begann die Namen und Notizen darauf herunter zu beten.
„Was wird das?" fragte die fette Dame verschlafen und gähnte undamenhaft. Harry blickte sie nur kurz an und las weiter vor.
„Ich suche… ‚Pegasus', ‚Thestral', … das… ‚Tintenfisch' … Passwort … ‚Marienkäfer' ‚Boa Constrictor' ‚Glühwürmchen' ‚Salamander' ‚Fledermaus' …"
„Ich lass dich nicht rein…", zischte sie mit hoher panischer Stimme.
Harry sah sie an und hob seine rechte Augenbraue. „Wenn ich das richtige Passwort habe, musst du mich rein lassen", sagte er und las weiter vor.
„Das wollen wir ja sehen."
Harry lies sich nicht beirren. Mittlerweile war er bei seinem dritten Pergament angekommen. Er hatte viele Unterrichtsstunden damit verbracht seine Ideen auf Pergament zu bringen. Und nun sah er seine Chancen langsam dahin schwinden. Die Fette Dame saß mit miesem Gesicht da und schien ihn zu ignorieren. Harry hoffte, dass sie wirklich den Durchgang öffnen musste, wenn er das richtige Passwort hatte, sonst hätte er keine Chance. Stur und die Hoffnung nicht aufgeben, las er weiter die möglichsten und unmöglichsten Tiere vor…
Plötzlich bewegte sich der Bilderrahmen.
Harry starrte die Fette Dame an und sie starrte erschrocken zurück. In ihren Augen stand deutlich die Überraschung geschrieben.
Das etwas überhebliche Lächeln von Harry löste sich gleich wieder auf, als er einen kleinen Jungen im Eingang stehen sah. Mit großen Augen blickte er zu Harry empor.
Harry sah ihn mit noch immer geschwärztem Gesicht verwundert an und der rothaarige Junge wurde blass. „Ähm… ich wollte…öhm…" Der Junge blicke etwas sprachlos Harry genau an. „Du bist kein Gryffindor und auch kein Vertrauensschüler… Wer bist DU?!"
Nach seinem eigenen Gestammel hatte sich der Rotschopf wieder gefangen. Er war wohl gerade in der dritten Klasse. Jason Micof zog die Stirn kraus und entschloss sich einfach für einen schnellen Rückzug. Er glitt wieder in den Gemeinschaftsraum und das Portrait war fast zugefallen, bis endlich Bewegung in Harry kam. Gerade noch konnte er den Bilderrahmen fassen. Harrys Finger waren das einzige Hindernis zwischen dem Bild und der Wand. Kurz seufzte er und zog das widerspenstige Gemälde auf, welches er nun schon so oft getan hatte und noch nie war er so unwillkommen in Gryffindor wie jetzt. Das Bild der Fetten Dame gab ein entrüstetes Geräusch von sich, welches Harry notgedrungen ignorierte.
Der Drittklässler allerdings zog seinen Zauberstab. Er würde den seltsamen Eindringling nicht kampflos reinlassen. Aber Harry war viel erfahrener und daher schneller. Jason hatte keine Chance. Mit einem Schwenker ließ Harry den Jungen erstarren, aber bevor er auf dem harten Boden aufschlug, ließ Harry ihn in die Luft erheben und schließlich auf eins der roten Sofas gleiten.
Im Kamin glühte noch die Asche vom erloschenen Feuer und durch die großen Fenster konnte man die dunkle und friedliche Umgebung von Hogwarts sehen. Ein Anblick, der so gewohnt war, wie das ganze Schloss. Die Erinnerungen überrollten Harry so plötzlich, dass es ihm vorkam, als ob er nie weg gewesen wäre. Es hatte sich nichts verändert. Voller Wehmut strich er über den roten Stoff seines Lieblingslehnstuhles. Gegenüber davon stand ein kleines Sofa, auf welchem besonders Hermione ständig ihre Lektüre ausgebreitet hatte. Oft hatte Ron sich dann einfach dazwischen gemogelt oder er nahm in dem anderen Lehnstuhl nahe am Kamin platz. Die Sehnsucht nach seinen Freunden war unbeschreiblich groß.
Sein Blick glitt zu Jason. Die Panik in den braunen Augen war deutlich zu erkennen und Harry schmerzte es. Er vermutetet, dass Jason sich Vorwürfe machte und sein schlechtes Gewissen ihn noch lange plagen würde. Ohne diesen Jungen hätte Harry es womöglich nicht geschafft in den Gryffindor-Turm einzudringen. Das wusste Harry und das wusste Jason.
Harry trat zu ihm ans Sofa und die Panik war nun noch deutlicher zu erkennen. „Keine Angst! Ich tue Dir nichts", versuchte Harry den Jungen wenigstens etwas zu beruhigen, während er ihm den Zauberstab abnahm und auf den Kaminsims legte. Aber wie sollte man sich entspannen, wenn man gebannt auf einem Sofa lag und ein Unbekannter einem den Zauberstab abnahm.
Die Angst blieb in den Augen stehen. „Niemand wird zu Schaden kommen, dass verspreche ich Dir", flüsterte Harry und schickte den Gryffindor in einen ruhigen Schlaf, bevor er die Treppe empor zu den Schlafräumen der Jungen schlich.
Einen letzten ehrlichen und wehmütigen Blick ließ er durch den Gemeinschaftsraum der Gryffindors gleiten, dann bog er um die Ecke. Harry fand schnell die richtige Tür, denn von außen stand deutlich der Jahrgang geschrieben. Zum ersten Mal war Harry über diese gryffindorische Tradition richtig dankbar und froh. Im Schein seines schwachen ‚Lumos' stand Harry vor der braunen Holztür zum Schlafraum der Sechstklässler.
Sein Herz raste und seine Hand zitterte leicht, als er nach der Klinke griff. Kurz zuckte er zurück, aber dann öffnete er leise die Tür. Was würde ihn erwarten?
Im ersten Moment war er nur erleichtert: Es blieb ruhig und still. Der Raum war dunkel und nur das gleichmäßige Atmen von vier Jungen war zu hören. Der Schlafsaal war nicht der gleiche, welchen Harry, Ron, Dean, Seamus und Neville bekommen würden, aber er war fast identisch aufgebaut.
Nur standen hier vier Betten statt fünf drin. Zwei rechts und zwei links.
Schnell und genauso leise schloss Harry die Tür hinter sich. Er hatte das Gefühl, dass sein Herz wahnsinnig laut schlug und eigentlich jeder bei diesem Krach sofort aufwachen müsste – aber es blieb still. Nur leise Schnarch- und Schnaufgeräusche kamen aus einem der rechten Betten.
Harry hatte nun ein Problem: Er hatte nicht die geringste Ahnung, in welchem Bett wer schlief. Vermutlich war die unvollendete Karte bei James oder Sirius, aber im Grunde könnte sie auch bei Remus oder Peter unterm Kopfkissen liegen. Daran wollte Harry aber nicht denken.
Natürlich hatte er überlegt, es mal mit einem einfachen Accio zu versuchen, aber er konnte sich nicht vorstellen, dass es ihm gelingen würde. Die Gefahr, dass bei dem Zauber laute Geräusche entstanden und einer dabei aufwachte, war ihm einfach zu groß und er wüsste dann nicht, wo die Karte gewesen war und könnte sie daher dann auch nicht zurücklegen… wenn er seine Zauber darüber ausgesprochne hätte. Accio kam leider nicht in Frage.
Hektisch atmete er ein. Es war ein Horror für ihn. Sein Herz schlug laut und kräftig in seiner Brust. Ein sanftes Licht durch das Fenster erhellte den Raum. Ohne das Mondlicht hätte Harry wohl keine Chance gehabt sich zu orientieren.
Langsam und vorsichtig schritt Harry zum ersten Bett, welches links von ihm stand. Er hatte eigentlich beschlossen bei James mit der Suche anzufangen, aber dafür müsste er erstmal wissen, in welchem Bett sein zukünftiger Vater schlief.
Die Vorhänge der Betten waren nur teilweise zugezogen und Harry erkannte nun einen schwarzen Haarschopf in der roten Bettwäsche. Harrys Herz begann zu rasen und seine Hände wurden feucht. Er hatte das Gefühl von der eigenen Panik plötzlich überrollt zu werden. Der Griff um seinen Zauberstab verfestigte sich, damit er ihm nicht durch die plötzlich klammen Finger rutschte.
Mühsam zog Harry Luft in seine Lungen. Das Bedürfnis nach Flucht war noch nie so groß gewesen, wie in diesem Moment.
Und genau das konnte Harry sich nicht erklären, aber im nächsten Moment hatte er schon die Türklinke in der Hand und wollte das Zimmer schnellstmöglich verlassen. Er drückte sie aber nicht runter. Sein ganzer Körper zitterte und kalter Schweiß floss ihm über den Rücken. Er legte für einen Moment seine Stirn an die kühle Tür und ließ seinem Herzen Zeit sich wieder zu beruhigen. Leise seufzte er. Was ging hier gerade vor?
Langsam drehte er sich um und beäugte das betroffene Bett genau. Es musste ein Zauber sein. Anders konnte Harry sich seine eigene Reaktion nicht erklären. Aber egal woher diese Panik kam, er MUSSTE diese Karte finden. Es würde sonst mehr als einen Menschen ins Unglück stürzen und in große Gefahr bringen.
Harry wollte sich nicht ausmahlen, was passieren würde, wenn ihre wahre Identität herauskommen würde. Vermutlich würden sie sofort nach Askaban kommen, weil niemand ihnen Glauben schenken könnte und dann… dann würde es nur noch mehr Verderben und Schmerz geben. Noch mehr Menschen würden sterben und leiden. Umso wichtiger war es, dass Harry die Karte fand. Er MUSSTE einfach, um sein Ziel erreichen zu können.
Wie ein Mantra geisterte dieser Gedanke durch Harrys Kopf. Es gab ihm Kraft, während er wieder näher zum besagten Bett ging. Es war Sirius Black, der ruhig in den Kissen lag. Ein kleiner gequälter Seufzer konnte Harry nicht unterdrücken. Es war noch immer nicht besonders leicht den Rumtreibern so nahe zu sein. Außer vielleicht bei Remus. Einzig beim Werwolf spielten seine Gefühle nicht sofort verrückt. Merlin sei dank, denn sonst hätte er mindestens im Wahrsageunterricht ein ernstes Problem. In diesem Moment war er wirklich zufrieden über die Einteilung der Arbeitsgruppen.
Harry zwang sich, sich wieder auf seinen Auftrag zu konzentrieren. Die aufkommende Panik drängte er rigoros zurück. Schnell schoss Harry einen Schlafzauber auf Sirius, der nur kurz Etwas in sein Kissen murmelte und seelenruhig weiter schlief.
Dann würde Harry halt bei Sirius mit der Suche beginnen.
Es war nicht leicht die Panik zu bekämpfen, aber wenigstens wusste Harry jetzt genau, dass es sich hierbei um einen Zauber handelte und mit dem Wissen fiel es ihm etwas leichter sich dagegen zu wehren. Er konnte den Imperius abschütteln, dann würde dieser Fluch ihn bestimmt nicht in die Knie zwingen.
Er öffnete mit rasendem Herzen und zusammengebissenen Zähnen die Nachttischschublade. Außer einem der Zwei-Weg-Spiegel (den Harry am liebsten an sich genommen hätte) fand er nichts. Naja, jedenfalls nicht das, was er suchte. Harry zweifelte nicht daran, dass auch der Bindfaden, die Münzen, die Streichhölzer oder das Taschentuch irgendeine besondere Bedeutung zu teil wurde oder werden könnte. Vermutlich in Verbindung mit einem raffinierten Streich der Rumtreiber. Aber um diese Dinge ging es jetzt nicht.
Er sah keine Tasche oder Umhang von Sirius, die waren wohl ordentlich im Kleiderschrank verstaut und um die Schränke wollte Harry sich zuletzt kümmern. Daher blickte er sich weiter im Raum um. Ein Bett weiter lag Remus. Auf der anderen Seite am Fenster musste James liegen, dessen war Harry sich plötzlich sicher, denn dann hatte er wohl diese Liebe von James geerbt, denn der schwarzhaarige Gryffindor lag seelenruhig im sachten Mondlicht und schlief tief und fest.
Ein trauriges Gefühl bemächtigte Harrys Inneres und es machte ihm fast mehr Angst, als die magische Panik von Sirius. Ihm war klar, dass er hier ein gefährliches Spiel spielte und er tat es ganz bewusst. Egal wie viel Schmerz er dafür noch erdulden müsste. Er würde nicht aufgeben.
Und genau deshalb trat er jetzt leise an den Nachttisch von James. Auch diesen Jungen versetzte er in einem magischen Tiefschlaf. Dieser Zauber verhinderte zwar nicht komplett das eventuelle Aufwachen, aber wenigstens würden sie viel tiefer schlafen, als normal.
Als Harry allerdings sich dem Nachttisch von James direkt zuwandte, erstarrte er. Ein Bild stand darauf. Ein hellbrauner Holzrahmen beinhaltete eine magische Fotografie, welches weder Lily noch die Rumtreiber abbildete. Es war James selbst, mit seiner Familie.
Seine Eltern standen hinter ihrem Sohn und waren sichtlich stolz auf ihn. Lächelnd strich die dunkelhaarige Frau ihrem etwa elfjährigen Sohn durch die schwarzen Haare, der daraufhin etwas genervt die braunen Augen verdrehte. Der schwarzhaarige Mann stand neben seiner Frau und hatte seinen Arm um ihre Schultern gelegt. Auch er lächelte glücklich und stolz in die Kamera.
Harry spürte die plötzliche Sehnsucht nach Geborgenheit und Wärme. Sehnsucht nach seiner Familie, die so nah war und doch so fern. Weder Familie noch Wärme würde er hier bekommen können. Mühsam unterdrückte Harry das Zittern seiner Hände, als er nach dem Foto griff.
Er würde nie seine Großeltern kennen lernen. Er würde nie bei seiner Familie aufwachsen können. Nie von ihnen ein ähnliches Bild auf seinem Nachttisch stehen haben können.
Mit plötzlichem Grausen warf er das Bild zurück und zog die Schublade auf. Auch hier lag ein Spiegel. Vermutlich laberten die zwei Jungen noch bis spät in die Nacht hinein ohne ihre Bettnachbarn groß zu stören. Etwas wirklich Interessantes fand er allerdings auch hier nicht. Nur leere und sinnlos bekritzelte Pergamente, ein Jojo und ein Fläschchen Ersatztinte.
Etwas frustriert war es schon und er wandte sich zu James' Schrankkoffer um. Er stand direkt am Fußende und Harry schob vorsichtig einen Stuhl etwas zur Seite, um besser an den Koffer heran treten zu können. Als er mit der Hand leicht über die Verzierung des Kofferdeckels strich, zuckte er zusammen. Er konnte das zischend Geräusch eines Kontrollzaubers auf sich spürte. Kalte Schauer schüttelten ihn.
Remus grummelte im Schlaf. Als Werwolf verfügte er über etwas sensiblere Sinne, aber der Schlafzauber wirkte bei ihm nicht sonderlich zuverlässig. Jedenfalls hatte das Molly Weasley ihm mal erzählt, als sie sich alle so viele Sorgen um Remus gemacht hatten.
Harry wollte seine Hand sofort zurückziehen, aber es ging nicht. Wieder flackerte kalte Panik in ihm auf und diesmal war es seine eigene. Hart biss er sich auf die Unterlippe, um kein Geräusch zu machen. Der Zauber kitzelte furchtbar.
Unruhig blickte er sich um und wartete auf das Ende des Zaubers. Remus dreht sich auf die andere Seite und Peter schnarchte laut auf, ein Schlafzauber traf auch ihn aus reiner Sicherheit. Ein kleines Taschen-Sneakoscope auf Remus' Nachttisch säuselte leise auf. Harrys Augen wurden groß. Warum hatte er es vorher noch nicht gesehen? Warum begann es jetzt erst mit Geräuschen? Galt er als Feind?
Er betete zu Gott, dass dies nicht der Fall war. Und es schien als ob sich dieses kleine Gerät der magischen Alarmanlage beruhigte. Ein leichtes Grinsen erschien auf Harrys Gesicht, als auch der Koffer nur ein leises Klicken von sich gab.
Wie es schien hatte er hier so etwas wie Narrenfreiheit. Mit einem viel leichteren Gefühl ums Herz öffnete er jetzt den großen Koffer. Es gab nur wenige Momente, wo er in dieser Zeit wirklich froh war ein ‚Potter' zu sein. Der magische Zugriffsschutz berücksichtigte offensichtlich auch zeitreisende Familienmitglieder.
Harry beugte sich über die Truhe und spähte hinein. Im Koffer waren die üblichen Sachen. Schulbücher, leere Pergamente, Süßigkeiten und Umhänge. Der Tarnumhang lag sorgfältig zusammen gefaltet in einer Ecke. Es war wie eine Reise in seine Erinnerungen. Eine schmerzhafte Reise, denn fast jede glückliche Erinnerung hing mit Ron und Hermione zusammen. Sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen.
Wie sollte er das nur alleine schaffen?! Mit schweren Herzen ließ er den Umhang zurück in den Koffer gleiten. Kurz suchte Harry zwischen den Pergamenten und Büchern, aber auch hier fand er nichts. Frustriert und ziemlich erschöpft ließ er den Deckel fast zufallen. Zum Glück sorgte die Magie für ein sanftes und vor allem leises Schließen des Kofferdeckels.
Wo konnte die Karte nur sein? Wo sollte er jetzt suchen?
Während Harry sich umblickte, blieb sein Blick an dem umgeworfenen Bild der Potters hängen. Ohne groß zu überlegen nahm er es wieder in die Hand und schwang seinen Zauberstab. Der Verdopplungszauber wurde von den drei Personen auf der Fotografie sehr schief beäugt. Der Foto-James sah ziemlich angriffslustig aus und dessen Vater war nicht minder ärgerlich. Nur die Frau lächelte Harry schließlich herzlich an. Sie nickte Harry aufmunternd zu und strich James beruhigend über Kopf und Schulter. Es schien als ob sie genau wüsste, wer da vor ihr stand. Vermutlich ist der mütterliche Instinkt über alles erhaben, sogar über die Zeit.
Harry steckte die Kopie sorgfältig ein und drehte sich wieder dem Zimmer zu.
Er erstarrte.
Ein Augenpaar war auf ihn gerichtet. Braune Augen, die wie wild blinzelten, um die Erscheinung als Traum zu enttarnen. Aber es war kein Traum. Remus saß kerzengerade in seinem Bett und starrte ihn an. So schwer Harry auch in der Dunkelheit zu sehen war, so deutlich zeichnete das Mondlicht doch seine Umrisse nach. Remus konnte ihn also nicht übersehen.
Schnell blickte Harry sich um. Er brauchte eine möglichst einfache und schnelle Lösung. Warum hatte er auch den Tarnumhang von James nicht angezogen?! Jetzt war es zu spät und auch ein normaler Umhang, welcher auf dem Stuhl lag, würde ihm nicht helfen.
Remus währenddessen ließ seinen Blick hektisch zu den Betten seiner tiefschlafenden Freunde und dann ziemlich schnell zum Sneakoscope gleiten. Er schien noch nicht wirklich zu begreifen, was sich hier gerade abspielte.
Aber Harry hätte vermutlich auch nicht gewusst, wie er sich verhalten sollte, wenn plötzlich ein Unbekannter im Schlafsaal stand. Er beschloss schließlich die Flucht zu ergreifen. In vollkommener Hektik drehte Harry sich um und krachte mit dem Stuhl zusammen. Er lag auf dem Boden, aber nicht lange, schnell befreite er sich von James' Umhang, der auf dem Stuhl gelegen hatte, und sprang auf die Füße.
Dann sah er es. Ein helles Pergament! Es lag ganz unschuldig auf dem Fußboden, keinen Meter von ihm entfernt. Zusammengefaltet und vom Mondlicht beschienen. Es hatte mit auf dem Stuhl gelegen. Er war sich sicher, dass dies die Karte sein musste. Zu gut kannte er ihre Form. Zu vertraut war ihr Erscheinungsbild.
Aber er hatte keine Zeit. Remus stand schon auf seinen Füßen und suchte seinen Zauberstab, welcher auf den Boden gerollt war. Harry wartete gar nicht länger, sondern schoss einen ‚Verdunklungszauber' auf das Fenster und jegliches Licht ging verloren. Es war stockfinster und auch Remus würde sich erst wieder orientieren müssen.
„James! Sirius! Peter! WACHT AUF! Eindringlinge!", endlich hatte Remus seine Stimme wieder gefunden. Aus Peters Bett war nur ein Quieken zu hören, während die anderen etwas Unverständliches in ihre Kissen murmelten. Die Schlafzauber verloren nur langsam ihre Wirkung.
Harry wusste genau, dass er keine Zeit mehr hatte. Er musste hier weg. Sofort.
Ehe jemand zum Zauberstab griff und den Raum erhellte. Ehe jemand ihn aufhielt oder erkannte. Ohne groß nachzudenken, schoss Harry verschiedene Zauber durch den Raum. Er hörte, wie Remus in Deckung vor den hellen Lichtblitzen ging. Während er so den Jungen ablenkte, tastete er blind nach dem Pergament. Er musste es hier lassen, nicht nur, weil sie das Fehlen sofort bemerken würden, sondern weil sie schnell einen Ersatz kreieren würden. Aber wenigstens kannte Harry den Zauber, der Dracos und seine Identität und Persönlichkeit auf der Karte falsch anzeigen würde. Nicht umsonst hatte er viel Zeit in der Bücherei verbracht.
Anscheinend waren jetzt auch Peter und James relativ wach. Ein panischer Wink und die Vorhänge zogen sich zu und hielten die zwei Jungen wie Arme umfangen. Die Jungen waren erst einmal eingesperrt. Alles in Harry sträubte sich, sie direkt anzugreifen. Ihnen womöglich irgendeine Art von Schaden zuzufügen. Ihnen weh zu tun.
Zauber und Flüche schossen umher und die Jungen hatten sich endlich befreit. Keiner der vier Gryffindors bemerkte, dass Harry den Raum schon längst verlassen hatte. Das unscheinbare Pergament lag auf dem Boden, unbedacht und ohne Aufmerksamkeit.
Als James endlich wieder Licht machte, standen die vier Gryffindorsreichlich verwirrt vor ihren Betten und sahen sich um. Ihr Schlafsaal sah sehr seltsam aus.
An den Wänden hingen hellgelbe Tapeten mit roten Blümchen und auf den Bettvorhängen sah man Filmszenen aus romantischen Muggelfilmen. Das Holz hatte die Optik von fließendem Wasser angenommen und der Boden war wie goldener Nebel.
Etwas ratlos sahen sich die vier Jungen an. Was war hier geschehen?
oooooooooo
Harry derweilen eilte durch die Gänge und verschwand ohne weitere Probleme in seinem Bett. Es war bei weitem nicht so verlaufen, wie er es geplant hatte. Ein müdes: „Wo kommst Du her?", ließ ihn kurz innehalten.
„Aus der Küche. Ich hatte Hunger."
Sanuel grummelte, schlief aber schnell weiter.
Harry brauchte noch eine ganze Weile, bis er sich soweit beruhigte, dass er in einen unruhigen Schlaf fallen konnte. Er träumte von einer McGonagall, die ihm vor der ganzen Schule die Zerstörung des Gryffindorturms anlastete. Er träumte von den Rumtreibern, die Kleinkinder beschimpften und sich dann in Todesser verwandelten. Kurz gesagt: Harry schlief so schlecht wie lange nicht mehr. Und als er am nächsten Morgen in der großen Halle saß, hielt er sich krampfhaft an seinem Kaffeebecher fest.
Etwas überrascht war Harry schon, wie schnell sich Gerüchte in Hogwarts verbreiteten. Denn jeder schien zu wissen, dass es in der Nacht einen Eindringling im Gryffindorturm gegeben hatte.
Keiner wusste, was er dort wollte, denn es war nichts gestohlen oder ernsthaft beschädigt worden. Auch Jason konnte keine Angaben machen, dafür hatte Harry noch schnell gesorgt. Es gab keine Beweise oder Indizien, die auf einen eventuellen Tatverdächtigen hindeuten konnte und es fehlte das Motiv. Keiner verstand den Sinn und den Zweck dieses Eingriffes. Nur Viele freuten sich darüber, dass die Rumtreiber mal auf der Seite der Opfer waren. Und doch machte es vielen Schülern Angst.
Ein kurzer schiefer Blick von Sanuel beantwortete Harry mit einer gehobenen Augenbraue. Er würde dazu keine Stellung nehmen. Genauso wenig wie zu seinem komplett rußverschmierten Kopfkissen am morgen. Und Sanuel war klug genug, nicht zu fragen.
TBC.
Harry im GryffindorTurm…. Der böse Junge aber auch! Wird Sanuel die Fakten sammeln und zum richtigen Schluss kommen? Werden die Rumtreiber rausbekommen, wer ihren Schlafraum umgestaltet hat und warum? Dumbledore muss Handeln, bevor das Problem „Jericel" ein zu großes Ausmaß einnimmt… und wie viele Abmahnungen wird er in der gesamten Geschichte gegen Harry aussprechen?
