Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 1/9
Teil: 5/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry und Draco sind durch die Zeit gereist und nun haben sie die Chance etwas zu verändern. Harry will diese Möglichkeit nutzen ohne die Menschen, die ihm wichtig sind in Gefahr zu bringen. Wird er es schaffen? Wird er alleine den Weg gehen können? Welche Rolle wird Draco zu Teil? Und halten die Rumtreiber und die anderen Schüler von Harry? Was denkt Dumbledore?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!! Es motiviert immer wahnsinnig... nur diesesmal war ich ein paar Tage nicht zuhause... und damit ihr nicht länger warten müsst, kommt jetzt ganz schnell ein neues Kapitel... VIEL SPASS...
Teil V
Nervenaufreibende Umbrüche
Kapitel 1
Entscheidungskräftige Geheimfächer
Mit einem tiefen Seufzer, gestrafften Schultern und einer großen Portion guten Willen betrat Harry am Montag die Große Halle zum Mittagessen. Das kurze Innehalten vor der Tür war für ihn zur Zeremonie geworden und kaum einer bemerkte das kurze Zögern vor dem Betreten der großen Halle. Für Harry war es von großer Bedeutung.
In der großen Halle saßen fast alle Schüler bereits an ihren Tischen und verspeisten die Köstlichkeiten aus der Küche. Harry war sofort wieder tief in seine Gedanken vertieft und blickte sich, während er zum Slytherintisch hinüber ging, nicht genauer um. Auch als er sich auf dem Platz neben Lin fallen ließ blickte er nicht auf. Lin und Sanuel beobachteten ihn von der Seite argwöhnisch. Die Blicke von Lin und Sanuel bemerkte Harry genauso wenig, wie die nachdenklichen von Dumbledore. Oder besser gesagt, er beachtete sie nicht weiter. Dieser Zustand war so normal, wie die Anspannung, die sich seit einer guten Woche immer weiter angesammelt hatte und ihn bald in die Verzweiflung trieb.
Harry hatte er sich zu sehr an die Blicke gewöhnt, die Dumbledore ihm voller Skepsis und Argwohn schickte, aber die extreme Spannung war schon seltsam. Die Zeit, wo die funkelnden Augen ihn mit Sorge, Interesse und ehrlicher Zuneigung begleiteten, war vorbei. So lange schon vorbei und Harry vermisste sie. Er vermisste seinen Mentor. Er vermisste das Vertrauen. Er vermisste die Zuneigung. Vermisste die Freundschaft und die Gemeinschaft. Er vermisste sein wahres Leben.
Alles um Harry herum waren Lügen. Alles um ihn war Heuchlerei und alles war notwendig. Nur machte dieser Gedanke es ihm nicht leichter. Er wollte schreien. Er wollte heulen. Er wollte zurück. Zurück zu seinem wahren Leben. Zurück zu seinen Freunden.
Aber es gab kein Zurück… und so ging Harry den Weg, den er eingeschlagen hatte unermüdlich weiter, auch wenn es noch so schwer werden würde. Immerhin war er auch ein Gryffindor…
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Albus Dumbledore saß auf seinem Platz am Lehrertisch und wusste genau, dass seine intensiven Beobachtungen nicht unbemerkt blieben und doch war er fasziniert, wie wenig sich die Jungen davon in ihrem Verhalten beeinflussen ließen. Die Jungen bewegten sich sicher und unbekümmert in dem alten Gebäude. Sie verhielten sich wie unschuldige Kinder. Sie störten sich nicht an der immensen Aufmerksamkeit der Lehrer.
Aber genau dies störte den Schulleiter nur noch mehr. Jeden Tag kamen schreckliche Meldungen von Überfällen, Attentaten und Morden. Nicht selten waren die Hauslehrer dazu gezwungen schlechte Nachrichten an die Kinder weiter zu geben. Jedes Mal zerriss es sein Herz ein wenig mehr. Er fühlte sich dann immer so wahnsinnig hilflos. Dumbledore war froh, dass Hogwarts sicher war. Die Kinder waren von äußerer Gefahr geschützt, aber was war mit inneren? Was war mit der indirekten?
Er würde es nicht riskieren, dass auch nur einer seiner Schützlinge in den Krieg gezogen werden würde. Er würde Hogwarts mit all seiner Macht und Autorität und im Zweifelsfalle auch mit seinem Leben verteidigen. Zwanghaft erinnerte sich Dumbledore daran, dass diese Jungen nicht das sein konnten, was sie vorgaben zu sein. Waren aber vielleicht trotzdem unschuldige Kinder. Es bedeutete allerdings dennoch Gefahr, denn zu rätselhaft waren ihr Verhalten und zu fragwürdig ihre Erklärungen. Zu Geheimnisvoll und Rätselhaft war ‚Adrian Jericles' Verhalten.
Ohne Gryzabels Fürsprechung hätte Dumbledore gar nicht daran gedacht die zwei Schüler aufzunehmen. Jedenfalls nicht so einfach. Er hätte bei der ersten Begegnung auf die reine Wahrheit gepocht und eventuell auch Legimentik eingesetzt. So hatte Gryzabel für die beiden Jungen gebürgt und sie schien dabei nicht unter irgendeinem Zauber gestanden zu haben oder noch zu stehen. Jetzt war es für eine genaue Überprüfung zu spät. Er hatte einen Fehler gemacht, den er nicht korrigieren konnte. Das Zauberei-Ministerium würde bei einem Rausschmiss der Jungen nicht mitmachen, sie hatte dafür nichts Falsches gemacht. Allein ein Versuch würde von vielen Angestellten des Ministeriums als Schwäche gesehen werden. Dumbledore würde dann um seine Stelle kämpfen müssen und diese Kraft bräuchte er beim Kampf gegen Voldemort.
Das durfte nicht passieren, aber vielleicht waren gerade diese zwei Jungen die Kraft, die den Untergang der weißen Seite einläutete. Auf die Idee, dass genau das Gegenteil im Interesse von wenigstens einem der Jungen lag, kam Dumbledore nicht. Diesen Traum auf Hilfe und tatkräftige Unterstützung hatte er schon vor langer Zeit aufgegeben. Die Lösung des Krieges konnte nicht so einfach sein… aber von Einfachheit sprach da auch niemand. Besonders kein Harry Potter…
Dumbledore nahm sich etwas zu essen und ließ seinen Blick über die unbeschwerten Schüler gleiten. Noch war Krieg, aber eines Tages würde es einen Sieg geben und er hoffte aus tiefsten Herzen, dass es nicht die dunkle Seite war, die ihn davon trug.
oooooooooo
Als die meisten beim warmen Apfelpudding angelangt waren, beobachtete Dumbledore sehr genau, wie Professor Slughorn sich mühsam aus seinem Lehrersessel erhob und zu seinem Haustisch schlurfte. Er blieb bei den zwei fraglichen Schülern schnaufend stehen. Mühsam beugte er sich zu ihnen runter und überreichte jeweils mit einem breiten Grinsen eine versiegelte Pergamentrolle. Sie wurden mit spitzen Fingern und fragenden Gesichtern angenommen und schließlich vorsichtig geöffnet.
Dumbledore sah das überraschte aber sehr stolze Gesicht des Blonden und genau damit hatte er auch gerechnet. Jeder Slytherin würde vermutlich so reagieren, wenn nicht sogar jeder Schüler.
Natürlich wusste Dumbledore genau, um welche Informationen es sich bei den Pergamenten handelte. Jeder Professor wusste es mittlerweile. Unsicher strich Dumbledore sich durch den langen Bart. Er wusste nicht mehr genau, warum er Slughorn gebeten hatte, die Nachricht erst in der Mittagspause zu überreichen, aber vermutlich lag es daran, dass er beim Frühstück oder Abendessen nicht sicher sein konnte, anwesend zu sein. Er war froh, dass er die Jungen beobachten konnte und sich so seinen eigenen Eindruck ihrer Reaktion machen konnte.
Plötzlich fesselte ein unergründliches Augenpaar seine Aufmerksamkeit. ‚Adrian Jericle' blickte ihn voller Entsetzen an, während fast alle Schüler von dieser Begebenheit nichts mitbekamen. Um ‚Mosnay' herum war Gemurmel laut geworden, aber ‚Jericle' blitze ihn noch immer aus dunklen Augen an, bevor er sich wieder komplett verschloss und das Pergament mit zitternden Fingern zusammenrollte. Steif saß er da und starrte auf seinen halbvollen Teller.
Wie unter Trance stocherte der Junge in seinem Pudding herum, ohne auch nur einen weiteren Happen davon zu sich zu nehmen. Er schien voll und ganz mit seinen Gedanken beschäftigt zu sein.
„Mosnay scheint keine Probleme mit Deiner Entscheidung zu haben, Albus."
„Eher im Gegenteil, Minerva, eher im Gegenteil. Er scheint aufs Höchste erfreut zu sein. Wäre er kein Slytherin würde er jetzt vermutlich auf den Tischen tanzen", leise seufzte er und blickte nun auf Jericle. „Das Verhalten von Jericle dagegen…"
„Ja Albus. Wie soll man diesen Jungen nur einordnen?"
„Gar nicht, Minerva. Anscheinend gar nicht."
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Die Lehrer konnten das Verhalten von Harry noch eine Weile weiter beobachteten, auch wenn sich daran nicht viel veränderte. Die Augen lagen auf ihm, bis die große hölzerne Flügeltür hinter dem schmalen Jungen zufiel.
Wie im Schlaf trat Harry den Weg zum Quidditchfeld an. Er brauchte frische Luft. Er brauchte die Freiheit. Er brauchte sie jetzt so dringend, dass er sich keine Gedanken um irgendetwas anderes machte.
Panik, Angst und Verzweiflung erdrückten ihn. Ohne zu überlegen griff er nach dem erstbesten Besen, der dort stand, wo später sein Feuerblitz stehen würde. Schon die Berührung mit dem kühlen Holz ließ ihn vergessen. Sofort strömte neue Lebensenergie durch seine Nerven. Keine Minute später pfiff der kalte Wind durch seine Haare. Der graue Nebel in seinem Kopf lichtete sich langsam und das Leben kehrte zurück. Dies gehörte zu seinem wahren Leben. Hier konnte er Harry Potter sein. Hier brauchte er nicht zu lügen.
Die Nachricht von Slughorn hatte ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, auch wenn er jetzt wusste, dass er die Gewitterwolken schon vor einer Woche hätte sehen müssen, statt sie nur zu spüren.
„Nach reiflicher Überlegung und fachmännischer Überprüfung, ist das Lehrerkollegium und der Schulrat zu der Gewissheit gekommen, dass Ihre Leistung, Wissen und magische Reife einer besseren Förderung bedarf. Aus diesem Grund wurde einstimmig entschieden, Sie und Mr. Mosnay zukünftig am Unterricht des 6. Jahrganges teilnehmen zu lassen…"
Nur langsam sanken Probleme und Sorgen endgültig zu Boden. Nach und nach machten sie Platz für die Freiheit und Unbeschwertheit der Luft. Ein lauter Schrei durchbrach die Stille, als Harry endlich seinem Frust Luft machte. Wild flog er durch die klare Luft, ohne nachzudenken oder abzuwägen.
„Ihnen wurde durch die vorangegangenen Prüfungen folgende Zauberergrade zugestanden… 'Verwandlung'… ‚Zauberkunst'… ‚Zaubertränke'… ‚Kräuterkunde'… ‚Verteidigung gegen die dunklen Künste'…, des weiteren müssen sie ‚Pflege magischer Geschöpfe', ‚Astronomie' und ‚Wahrsagen' weiter belegen… Ihr neuer Stundenplan liegt diesem Schreiben bei und …„
Sofort danach begann er sich in einen noch wilderen Flug zu begeben. Er vergaß Raum und Zeit. Nur die Luft und die Freiheit zählten in diesem Moment, während er von Flugmanöver zu Flugmanöver wechselte.
Senkrecht schoss Harry auf dem Nimbus 05 Richtung Boden, nur um dort rechtzeitig den Winkel zu verändern, so dass er nun parallel zum Horizont weiter flog. Und er flog wie der Blitz.
Im Zickzackkurs zischte er über das Feld.
Ohne Ziel. Ohne Pause.
Er berührte dabei fast den Boden mit den Füßen, und verschreckte einen Maulwurf. Natürlich war sein Feuerblitz mit dem Nimbus 05 nicht zu vergleichen, aber trotz der Umstellungsschwierigkeiten hatte er die Situation gut im Griff. Die Geschwindigkeit war das maximale, was aus dem Besen herauszubekommen war und genau das brauchte Harry jetzt. Harry war ein erstklassiger Flieger, sonst wäre es auch zu einem unbequemen Unfall gekommen, als plötzlich ein unerwartetes Hindernis sich in seinem Weg befand. Schnell zog Harry den Besen hoch und machte einen kleinen Rückwärts-Looping und landete sicher einen Meter vor dem Hindernis. Harry blickte schnell atmend hoch und schluckte.
Vor ihm stand Rubeus Hagrid und blickte ihn mit finsterer Mine an.
Sofort wusste Harry, warum er dem Halbriesen aus dem Weg gegangen war. Der Drang sich an die breite Brust von Hagrid zu werfen und sich bei ihm auszuheulen war unbeschreiblich. Diesen Impuls, Schutz und Zuneigung zu suchen, schob er aber sofort zur Seite. Gefühle zu unterdrücken und zu verbergen war mittlerweile alltäglich geworden. So wie es sich für einen wahren Slytherin gehörte.
Hagrid schien gar nicht glücklich über diese Begegnung zu sein. „Wer bist'n? Hast'n ken Unt'rricht?" Hagrid betrachtete den Jungen mit den verwuschelten schwarzen Haaren, den geröteten Wangen und den aufgerissenen Augen genau und er erkannte das Hauswappen auf dem schwarzen Schulumhang. „Du bist'n Slyth'in. Warum hast'n dann nen Bes'n der Gryff'dors?"
Harry starrte seinen ehemaligen/zukünftigen Freund geschockt an, dann den Besen auf dem ein schmaler goldener Schriftzug deutlich zu erkennen war und schließlich zur großen Turmuhr. „Schitt!!" Schneller als Hagrid gucken konnte, hatte er den Nimbus in seiner großen Hand. Ein schwarzer Umhang und verwuschelte schwarze Haare schossen aufs Schloss zu und verschwanden dort spurlos.
Während des Laufens versuchte Harry einen Blick auf seinen neuen Stundenplan zu werfen und stöhnte auf. Warum musste er jetzt auch prompt zwei Stunden Verwandlung UTZ bei McGonagall haben? War dies womöglich die Strafe für die Zeitreise?
Harry wusste genau, dass er zu spät kam. Etwa 10 Minuten, wenn man es genau nahm und leider tat McGonagall es immer. Besonders bei ihm.
Auch wenn es nicht viel half, so rannte Harry so schnell er konnte durch die leeren Korridore und die Treppen hinauf. Vor der Tür zum Klassenzimmer von Verwandlung blieb er kurz stehen und atmete tief durch um seinen Herzschlag wieder etwas zu beruhigen. Mit einem schweren Seufzer strich er sich noch einmal durch die Haare, bevor er vorsichtig die Tür öffnete. Selbst wenn er ein Gryffindor gewesen wäre, müsste er mit einem großen Donnerwetter rechnen, aber so, war es wohl noch etwas hitziger.
Die Klasse war mucksmäuschenstill geworden und die gesamte Aufmerksamkeit lag auf Harry. McGonagall stutzte den verspäteten Schüler zurecht und Harry zog demütig den Kopf ein.
„Entschuldigung, Professor McGonagall", nuschelte er und suchte nach einem Sitzplatz. Aber er konnte keinen freien akzeptablen Platz sehen. An einem der Zweiertische saß Emely Emser. Ein Slytherin Mädchen, welches ein Gesicht wie ein Karpfen hatte und ziemlich fett war. Dahin würde Harry sich nicht freiwillig setzen, zumal auch kein wirklicher Platz neben ihr war.
„Nun setzen sie sich schon, bei Mr. Potter ist noch ein Platzt frei", sagte McGonagall kalt und zeigte ungeduldig auf den Tisch des schwarzhaarigen Gryffindors. Harry wusste nicht, ob er dankbar sein oder es als Strafe sehen sollte. Er presste die Lippen zusammen, um wirklich keinen Ton des Missfallens von sich zu geben. Missmutig glitt er durch den Raum und ließ sich auf den freien Platz fallen. Wäre es nicht vielleicht doch besser bei Emely zu sitzen?! Sie war immerhin auch eine Slytherin. Aber bei ihrem schmachtenden Blick wurde Harry übel. Eine Gänsehaut überzog seine Arme und er schüttelte sich leicht. Bei James konnte er sich wenigstens sicher sein, nicht ständig angeschmachtet und angemacht zu werden. Mit James Potter würde er schon fertig werden.
Besagter Gryffindor blickte Harry kalt an. „Na Jericle, in welchem Bett hast Du Dich rumgetrieben?! Musstest Dich wohl noch bei den Lehrern einschleimen und die Schuhe lecken. Wie konnte Dumbledore nur so einen Fehler machen und zwei Todesser nach Hogwarts lassen?!"
Harrys Augen hatten sich verfinstert und wütend biss er die Zähne zusammen. Er wollte eigentlich nicht mit seinem Vater streiten, aber wie sollte er sonst darauf reagieren? James ging zu weit und so sehr es Harry auch missfiel, so hatte James eine Abreibung dringend notwendig.
„Oh Merlin, Potter!", stöhnte Harry abfällig. „Nur weil Du so ein arroganter Mistkerl bist, der nur von Vorurteilen lebt, heißt es nicht, dass Du von Dir auf andere Menschen schließen darfst. Sonst wirst Du früher sterben, als Dir lieb ist."
„Du bist kein Mensch, Jericle, sondern eine widerliche Giftschlange", erwiderte James zischend.
„Mistkerl! Du bist so ein aufgeblasener Gockel, dass man denkt, dass die Erdanziehung für Dich nicht reichen kann. Du hast keine Ahnung von der Welt da draußen. Ich bin nur froh, dass mir Deine Meinung und Sichtweise scheißegal ist, Potter."
„Wow, was für ein echter Slytherin, der wie eine echte Schlange zischen kann. Und auch mehr als zwei Sätze bringst Du zustande…", spottete James.
Harry zuckte kurz zusammen. Hatte er wirklich kurz Parsel gesprochen? Gut das es nicht weiter zu unterscheiden war, ob es nur ein freies Zischen war, oder echtes Parsel. Jedenfalls nicht bei dem kurzen Wort. Er hoffte es jedenfalls.
„Du solltest besser aufpassen, was Du sagst. In manchen Dingen hast Du vielleicht sogar Recht."
„Oh, ich habe ja so eine Angst. Siehst Du wie ich zittere? Hast Du keinen Schiss ohne Deine zwei Betthäschen Dein Maul so weit aufzureißen? Vielleicht fallen der guten Giftschlange ja noch die Zähne aus. Oder hat Deine dreckige Mami Dir eine Bedienungsanleitung für schlechtes Benehmen geschickt?", James spottete kalt und seine Augen waren gleichgültig auf die Professorin gerichtet. McGonagall stand vorne an der Tafel und referierte gerade über den neuen UTZ-Zauber. Es schien, als ob sie noch nichts von dem Gespräch mitbekommen hatte oder sie ignorierte es.
Aber James konnte so das gefährliche Glitzern in den Augen Harrys nicht sehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, aber nun war es zu spät. „Ich sage es Dir nur noch einmal, James: Pass bloß auf, was Du sagst. Du kennst mich nicht und Du wirst mich voraussichtlich auch nie kennen lernen. Aber eines Tages wirst Du oder Deine Kinder an Deinem Ego ersticken und dann können weder Lily noch Remus Dir irgendwie helfen."
Harry zeigte nicht, wie sehr die Worte von James ihm weh taten oder wie sehr seine eigenen Worte in sein eigenes Fleisch schnitten. Jede Silbe sendete spitze Pfeile zu seinem Herzen und ließen ihn erzittern. Aber Harry zeigte es nicht. Vielleicht hätten Ron und Hermione die Anzeichen erkannt, aber in dieser Zeit stand niemand Harry nah genug, um das dunkle Flackern in den Augen als Schmerz identifizieren zu können. Ein Schmerz der schnell in blanke Wut umschlagen konnte und damit Konsequenzen hervorrufen könnten, die weitreichender waren, als der ahnungslose Gryffindor glaubte.
Ein kaltes Lächeln zierte Harrys Lippen, als er weiter redete: „Wobei ich Lily und Remus eigentlich mehr Verstand zutrauen würde. Dass Sirius und Peter Dich anhimmeln, lässt sich ja fast noch verstehen. Sirius geilt sich an Deinem unmoralischen Verhalten auf und fühlt sich wie ein König. Er denkt wohl, nur weil er ein Black ist und sich von seiner Familie getrennt hat, dürfte er nun alles und jeden nieder machen. Peter dagegen spielt kleine Ratte und lässt sich von Euch beschützen. Ihm wird eines Tages das Rückrat brechen und dann wirst Du sehen, was für miese Anhänger Du hast. Die arme Lily! Das sie sich mit Euch und besonders mit Dir abgibt, kann nur damit zusammen hängen, dass sie ne Gryffindor ist. Alle Löwen haben eine Schwäche für hoffnungslose Fälle."
Schon die ganze Zeit hatte James wütend gegrummelt und spie Harry jetzt ins Gesicht: „Lass Lily aus dem Spiel!" Es interessierte ihn nicht mehr, was McGonagall zu sagen hatte.
Wenn es denn möglich war, so wurde Harrys Stimme noch ein wenig ernster und eindringlicher. „Ist es Dir noch nicht aufgefallen, James?! Es ist kein Spiel, sondern Krieg. Jede Entscheidung oder jedes Wort wird seine Konsequenzen haben. Nur zwei Wörter können über Leben und Tot entscheiden. Eine einzelne Reaktion kann Hass oder Freundschaft bedeuten. Alles kann wichtig für den Kampf sein. Und auch Du bist ein Teil von diesem Drama!"
Keiner der beiden Jungen nahm noch wahr, was im Unterricht passierte. James Augen hingen an dem blassen Gesicht des Slytherins mit den dunkel glitzernden Augen Wütend sahen sie sich mit starrem Gesicht an, während sie sich weiter Beleidigungen entgegenzischten.
„Jericle, pass Du bloß auf, was Du sagst…"
„Was James? Willst Du mir drohen? Eins kannst Du mir glauben, dass haben schon ganz andere versucht und sind jämmerlich daran gescheitert…"
oooooooooo
Irgendetwas an dieser Situation, die er nun schon eine ganze Weile beobachtete, ließ ihn grübeln. Die zwei schwarzhaarigen Jungen zischten sich regelrecht an und das seit sie nebeneinander saßen. Er hatte nicht wirklich etwas anderes erwartet, aber die Intensität war schon ein wenig erschreckend. Adrians und auch James' Augen hatten sich merklich verdunkelt, was ein deutliches Indiz für ihre Wut war. Warum McGonagall Adrian ausgerechnet neben James Potter hingesetzt hatte, war ihm ein Rätsel, aber es gab nun auch keine attraktive Alternative. Eigentlich konnte Adrian sogar froh sein, dass er nicht neben Emely sitzen musste. Aber Adrian verstand sich mit James nun nicht wirklich gut, aber vielleicht war das auch die Intention von McGonagall. Als Strafe für das Zuspätkommen und das unangemessene Verhalten einer Lehrkraft gegenüber. Sie hatte wirklich einen Narren an Adrian gefressen, so überraschend es auch schien.
Offensichtlich hatten die beiden streitenden Jungen Alles und Jeden um sich herum vergessen und konzentrierten sich nur noch auf ihre heftige Streiterei. Am liebsten würde er jetzt eingreifen, um eine Schlägerei zu vermeiden, aber dann würde McGonagall ihre Aufmerksamkeit auf die beiden Schüler richten und das wollte er doch gerne vermeiden. Noch lagen die Zauberstäbe brav auf dem Tisch, aber schon bald würden sie sich damit gegenseitig Flüche auf den Hals jagen. Im Gegensatz zu allen anderen Schülern arbeiteten sie nicht an dem neuen Zauber, der aus einer kleinen Porzellan-Schildkröte einen Papageien machte bzw. machen sollte.
Natürlich hatte McGonagall es doch mitbekommen, dass es zwei Schüler gab, die ihre Aufgabe nicht ordnungsgemäß nachkamen. Allein die spürbare Wut und dass Ansammeln der Magie um die zwei schwarzhaarigen Jungen sagte deutlich, dass es kein Spaß mehr war. McGonagall würde aber selbst bei Spaß nicht hinwegsehen, nicht umsonst war sie eine strenge Lehrerin und bei Adrian Jericle gab es sowieso kein entkommen.
„Potter! Jericle!", bellte sie einmal durch den Klassenraum und nicht nur die zwei Angesprochenen zuckten heftig zusammen. Sie unterbrachen ihr Blickduell aber nicht.
„Wären die Herren so überausfreundlich, wenn es Ihnen nicht zu viele Umstände macht, sich ihrer Aufgabe zu widmen?" McGonagalls Stimme war zuckersüß, aber die unterschwellige Wut blieb niemandem verborgen. Weder Harry noch James trauten sich darauf etwas zu erwidern. „10 Punkte Abzug, für jeden von Ihnen."
Braune Augen verfolgten jede einzelne Bewegung sorgfältig. Irgendetwas an diesem Bild störte ihn und es hatte nichts mit Lilys mürrischem Schnauben am Tisch hinter ihm zu tun.
Die Reaktion auf McGonagalls Worte kam sofort. Ein böser Blick zur Lehrerin … ein Griff zum Zauberstab … ein Blick zur Tafel … ein konzentriertes Blinzeln und dann ein Visieren der Schildkröte vor ihnen auf dem Tisch … ein aufmerksamer Schwenker mit dem Zauberstab und ein verkrampftes Stirnrunzeln … eine Zauberformel wurde nicht gemurmelt, dafür beherrschten beide schon zu gut die non-verbale Anwendung, auch bei neuen und unbekannten Zaubersprüchen.
Roter Rauch stieg kurz auf und zwei scharlachrote Aras saßen auf dem Tisch. Kurz putzten sie ihr Gefieder und dann erhoben sie sich in die Lüfte und kreisten einmal um McGonagalls Kopf herum.
Dies alles war eine beeindruckende Reaktion gewesen und McGonagall gab ihnen missmutig jeweils 15 Punkte. (Ihr Standard, beim gelingen von neuen Zaubersprüchen.) Ihre Lippen waren dabei zu einem schmalen Strich zusammen gepresst und zeigten deutlich, dass es ihr nicht gefiel.
Aber dies alles war nicht unbedingt das, was Remus nachdenken ließ. Das Seltsame war, dass der ganze Ablauf bei beiden Jungen völlig synchron ablief und selbst die beiden Vögel, die sich mittlerweile auf der Tafel niedergelassen hatten und ihr Gefieder mit ihren fast goldenen Schnäbeln gründlich putzten, glichen sich wie ein Ei dem anderen.
Aber wie konnten zwei so verschiedene Jungen ohne Absprache – was sie 100 nicht gemacht hatten – so synchron einen neuen Zauberspruch perfekt ausführen? Dies schafften die meisten Zauberer nicht mal mit viel Übung. James hatte schon oft überraschende magische Fähigkeiten gezeigt, aber dies war neu. Es war anders. Es war fremd. Es war im Zusammenhang mit ‚Jericle' beängstigend.
Remus schüttelte den Kopf und blickte zu seinem Sitznachbar Holger, der genug damit zu tun hatte, seiner Schildkröte Federn zu geben. Remus seufzte. Sirius schien allerdings zufrieden mit der Leistung von James zu sein. Remus sah zu Lily und stockte. Esmare, die neben Lily saß und direkt hinter Remus, blickte sehr nachdenklich zu James und Adrian hinüber. Als sich ihre Blicke trafen, hauchte sie ein: „Seltsam" und Remus nickte nur bestätigend.
oooooooooo
Panisch erwachte Harry aus einem alles andere als ruhigen Schlaf. Kerzengerade saß er in seinem Bett, die Augen weit aufgerissen und am ganzen Körper zitternd. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn und der Mund war zu einem Schrei geöffnet - aber kein Ton kam über seine Lippen. Es war totenstill im Schlafsaal, es war ja auch etwa drei Uhr nachts.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Harry seinen Körper wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte. Das Zittern ließ nur langsam nach und er brauchte sehr lange, bis ihm wirklich klar war, dass es sich bei den Bildern vor seinem geistigen Auge nur um einen Albtraum handelte. Ein grausamer Albtraum von Voldemort. Von Voldemorts grausamen und mörderischen Taten.
Leise kämpfte er sich aus seiner verschwitzten Decke und stand vorsichtig auf. Er schlich auf Zehenspitzen in das angrenzende Badezimmer. Ein blasser Junge blickte ihm mit großen unterlaufenen Augen aus dem Spiegel entgegen. Noch immer glänzte seine Haut vom Schweiß und sein Pyjama klebte unangenehm an seiner Haut. Das Grauen war ihm ins Gesicht geschrieben.
So sehr seinem Gesicht die Farbe fehlte, so sehr brannte seine Narbe. Harry war froh, dass dies äußerlich nicht zu erkennen war. Niemand würde dann noch an eine normale Unfallnarbe glauben. Sanuel und Lin machten sich schon genug Sorgen um ihn. Dass sie ihm jetzt nicht mehr so zur Seite stehen konnten, wie sie gerne wollten, belastete die beiden Japaner doch sehr. Harry war im Grunde sehr froh darüber, allerdings beaufsichtigten sie ihn jetzt in der unterrichtsfreien Zeit nur noch intensiver. Harry hatte jetzt vermehrt Probleme sich von ihnen loszureißen.
Harry seufzte schwer und hoffte, dass niemand aus seinem Schlafsaal von diesem nächtlichen Zwischenfall aufgewacht war. Es war das letzte, was er jetzt gebrauchen könnte, dass womöglich Sanuel von seinen unruhigen Schlafverhalten erfuhr und sich Sorgen machte, oder dass Draco sich darüber in aller Öffentlichkeit lustig machte.
Draco und er hatten ihren Schlafsaal behalten und nach ein paar einschleimenden Worten bei Slughorn, durfte auch Sanuel bei ihnen im Zimmer bleiben. Dies gefiel Draco zwar nicht wirklich, aber so schlimm war es dann doch wieder nicht, als dass sich ein großer Aufstand nach Malfoy Manier gelohnt hätte. Sanuel konzentrierte sich ja ohnehin eher auf Harry und beachtete Draco nicht weiter, so glaubte Draco jedenfalls.
Harry blickte noch einmal in den Spiegel und erschauderte. Er hatte nicht wirklich wieder Farbe bekommen, zu tief saß der Schreck in seinen Knochen fest. Dann wusch er sich das Gesicht mit kaltem Wasser in der Hoffnung ein wenig zur Ruhe zu kommen. Halb blind tastete er nach dem Handtuch, welches ihm sofort gereicht wurde.
„Was ist passiert?", fragte Sanuel leise. Er stand in seinem schwarzen Schlafanzug da und blickte seinen jungen Freund fragend und besorgt an. Er wirkte noch sehr verschlafen und müde.
Harry blickte nicht auf. Sein Gesicht in das weiche Handtuch vergraben, nuschelte er ein: „Hatte nur ´nen Albtraum… nichts Aufregendes."
„Ach komm, Adrian. Albträume hast Du mehr als oft. Mal mehr oder wenige heftig, aber für mein Verständnis eindeutig ZU oft. Aber Du stehst dann nie auf. Es muss schon ziemlich heftig sein, wenn Du für fast ne halbe Stunde ins Badezimmer verschwindest. Verdammt Adrian!! WAS ist los? WAS ist passiert? Du kannst doch mit mir reden! Vielleicht solltest Du mal mit der Medi Hexe reden?!"
„Sorry, Sanuel. Es ist nichts, wobei Du mir helfen kannst und zu Madam Pomfrey will ich auch nicht", sagte Harry bestimmt und legte das Handtuch bemüht gelassen weg. Er war nicht mehr ganz so blass, aber Sanuel erkannte trotzdem, dass Harry bis ins Knochenmark erschüttert war. Es war eindeutig nicht wie sonst. Dafür unterschied sich diese Nacht viel zu sehr von den anderen.
Sanuel hatte einen relativ schwachen Schlaf. Sein Gehör reagierte auf jedes Geräusch und so bekam Sanuel jedes nächtliche Geschehen im Schlafsaal mit, auch wenn er es nicht immer kommentierte. Ein Beispiel dafür war die Nacht, wo die beiden Jungen etwas sehr Wichtiges zu besprechen hatten und dabei sich näher gekommen waren, als sie selbst für möglich erachtet hatten. Sanuel hatte nicht wirklich verstanden, um was es ging, aber er war nicht dumm und das darauf folgende Verhalten der Lehrer, besonders von Gryzabel Camiz, war schon sehr seltsam gewesen. Sanuel hatte damals nichts verstanden und auch jetzt erhielt er von Harry keine weiteren Informationen.
Harry ging wieder zu Bett und schickte auch Sanuel zurück in die Federn. Sanuel kam diesem Wunsch nur grummelnd nach. Er hoffte, dass er am Morgen oder an den folgenden Tagen ein paar Informationen erhielt, aber er wurde enttäuscht. Die folgenden Tage verliefen ruhig und Harry ließ über dieses Thema nicht mit sich reden. Er blockte jede Unterhaltung über Albträume und Schlafstörungen rigoros ab.
Auch merkte Sanuel schnell, dass Harry gewisse Konsequenzen aus dieser nächtlichen Begegnung gezogen hatte. Er hörte nichts mehr, sobald er in seinem Bett lag. Die Nächte waren so ruhig, wie lange nicht mehr und erst nach einigen solcher Nächte, bekam Sanuel Zweifel. Er entdeckte schließlich den Zauber, der auf seinem Bett lag und garantiert von Harry ausgesprochen war. Sein Bett war vor nächtlichen Geräuschen geschützt und Sanuel schaffte es nicht diesen Fluch zu neutralisieren oder Harry dazuzubewegen. Es war frustrierend und einen Lehrer konnte und wollte er nicht hinzuziehen.
Die Konsequenz des Schutzzaubers war, dass Sanuel nicht mehr mitbekam, wenn Harry Albträume hatte, aber er wusste genau, dass er welche hatte. Die dunklen Schatten unter Harrys Augen waren auch kaum zu übersehen. Jedenfalls bevor Harry am Morgen im Bad verschwand. Es schien, als habe er einen nützlichen Zauber im Repertoire. Sanuel hatte das Gefühl, als ob dies ganz normal für den schmalen Jungen war, aber mittlerweile wunderte Sanuel sich über gar nichts mehr. Jedenfalls nichts, was irgendwie mit der magischen Leistung von Harry in Verbindung gebracht werden konnte.
Eins wurde den Lehrern und Schülern nämlich schnell klar: Adrian Jericle und Dorian Mosnay hatten auch im 6. Jahrgang keine wirklichen Schwierigkeiten dem Unterricht zu folgen und viel Zeit für die Hausaufgaben nahm wenigstens Adrian sich nicht.
Ständig konnten Sanuel und Lin die neusten Gerüchte und Spekulationen der anderen Schüler aufschnappen. Ein Gerücht war eindrucksvoller als das andere. Kaum ein Schüler der unteren Jahrgänge konnte zu diesen seltsamen Zauberern Vertrauen fassen, auch wenn keine offensichtliche Gefahr von ihnen ausging.
Das Widersprüchliche daran war, wie Sanuel und Lin sich lachend eingestehen mussten, dass es trotz allem genug Mädchen gab, die stolz darauf wären Adrian Jericle einen Kuss zu stehlen. Aber der schwarzhaarige Junge zeigte nicht das geringste Interesse an diesem romantischen Gehabe. Umso begeisterter war der Wettkampf.
Lin erinnerte sich und andere immer wieder gern an Chantal. Sie war eine dunkelhaarige Hufflepuff-Schülerin und hatte sich in den Kopf gesetzt bei Harry zu landen. Regelmäßig hatte sie den Slytherin in den Gängen oder beim gemeinsamen Unterricht in Zauberkunst abgefangen und angesprochen. Ihre Gespräche verliefen immer ähnlich. Sie stellte sich in Positur und setzte einen Schlafzimmerblick auf, - der Harry etwas Farbe ins Gesicht jagte - dann fragte sie indirekt nach einem Date. Harry lehnte freundlich stammelnd ab und sie zog einen Schmollmund.
Sie war hübsch, keine Frage und sie zeigte mehr Ausdauer, als die anderen Mädchen, die nach der dritten Absage meist aufgegeben hatten. Irgendwann wäre auch Chantals Geduld zu Ende.
Seit sie nicht mehr gemeinsamen Unterricht hatte, konnte sie ihn auch nicht mehr ganz so oft abfangen und ansprechen. Aber leider schaffte sie es nach Harrys Meinung noch viel zu oft. Wieso verstand das Mädchen nicht, dass Harry nichts von ihr wollte? Warum brachte sie ihn immer wieder in solch peinliche Situationen? Auch wenn Harry schon ein wenig Erfahrungen mit Mädchen gesammelt hatte, wirklich ein geduldiges und ruhiges Händchen hatte er dabei nicht entwickelt. Auch wenn es seinem Ego schmeichelte, so war ihm diese Art der Begegnungen unangenehm und peinlich. Er war zu höflich und vermutlich auch zu schüchtern, als dass er ihr eine klare und direkte Absage erteilen konnte.
Harry sagte ihr gerade wieder mal, dass er keine Zeit für einen romantischen Spaziergang um den See hatte, als sie richtig sauer wurde. Sanuel musste Lins Lachen mit seiner Hand ersticken und selbst das Grinsen unterdrücken, als sie Harrys Gesicht sahen.
Dem Jungen war die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben. „Chantal… ich…"
Sie sah ihn jetzt richtig verletzt an. Sie klimperte mit ihren Wimpern und drückte eine Träne aus dem Augenwinkel heraus: „Wieso hast Du mir nicht gesagt, dass Du mich nicht attraktiv findest?" jammerte sie kläglich und erhoffte wohl doch noch eine Date-Zusage. Es schien ihre letzte Waffe zu sein.
Leicht schüttelte Harry seinen Kopf und hob den Blick wieder. Er musste seine Gedanken ordnen und sich dann wieder mit diesem pubertierenden Mädchen befassen.
„Chantal, ich habe Dir nie gesagt, dass Du unattraktiv bist, weil es auch nicht stimmt. Aber ich … ich… ich habe Dir jedes Mal aufs Neue gesagt, dass ich nicht mit Dir … ähm… ausgehen will. Wenn Du Dir trotzdem Hoffnung machst, dann ist es Deine eigene Schuld. Ich habe Dich nie angelogen."
Sie straffte sich. „Du…Du .. bist ein … falsches Arschloch. Keine Ahnung, warum alle etwas von Dir wollen. Typischer Slytherin bist Du. Ihr könnt nichts anders als Lügen … ihr falschen Schlangen…", heulte sie los und lief den Gang entlang. Aus ihren Augen quollen jetzt große Krokodilstränen.
Lin und Sanuel gingen vorsichtig auf Harry zu. „Du hast ihr Herz gebrochen", kicherte Lin und erhielt prompt einen Rippenstoß von Sanuel, um sie zur Ruhe zu bringen. Er wusste nicht, in welcher Stimmung Harry sein würde und ein falsches Wort könnte fatale Folgen haben.
„Mach Dir nichts draus. Sie wird es überleben und sich einen neuen Schwarm aussuchen. Wenigstens bist Du jetzt auch sie los." Sanuel legte Harry mitfühlend und Trost spendend eine Hand auf die Schulter, um ihn zu beruhigen, aber das war gar nicht nötig. Harry zuckte nur mit den Schultern und strich sich durch die Haare. Er atmete tief durch und blickte Sanuel an. Er war weder tief betroffen, noch unglücklich. Diese blauen Augen zeigten deutlich, dass Harry nur etwas überrascht und überfordert mit dem ganzen romantischen Getue war, es sich aber nicht lange zu Herzen nahm. Eigentlich etwas ungewöhnliches bei einem 15-jährigen Jungen.
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Manchmal hatte Lin das Gefühl, dass ‚Adrian' einfach nur genervt war. Von allem und jedem. Er zeigte kein Interesse an einer romantischen oder auch nur erotischen Beziehung. Aber von dieser offensichtlichen Einstellung ließen sich nur wenige einschüchtern. Viele Mädchen und auch ein paar Jungen dachten sich dies ändern zu können. Sie alle stießen auf Granit. Und doch versuchten sie es nach einiger Zeit meistens wieder, auch wenn das Resultat das gleiche war. Nur Chantal hatte sich nicht wieder blicken lassen.
Anders lief es bei ‚Dorian'. Zwar sah man ihn nicht ständig in den Gängen knutschen, aber die Flirtattacken nahm er gerne wahr und erwiderte sie auch. Aber auch bei ihm konnte sich kein Mädchen als seine Freundin bezeichnen.
Die beiden Jungen waren so unterschiedlich und doch konnten sie sich nicht wirklich ignorieren. Ständig kamen Anspielungen und Kommentare von ‚Dorian', sobald wieder mal ein Mädchen ‚Adrian' ansprach.
Lin wurde das Gefühl nicht los, dass die beiden Jungen etwas verband. Etwas Tiefes und Geheimnisvolles. Etwas, was nicht mit Familie oder Schule im Zusammenhang stand. Mit jeder Antwort von ‚Adrian' wurde die Situation verworrener und ‚Dorian' schien langsam nicht mehr zu verstehen, was ‚Adrian' ihm sagen wollte. Lin und Sanuel hatten es schon lange aufgegeben den Worten einen verständlichen Sinn zu geben.
Die Jungen hatten sich entfremdet und verfolgten unterschiedliche Ziele. Wobei ‚Adrian' ganz offensichtlich nicht an seiner schulischen Leistung arbeitete. Er hatte etwas anderes im Sinn und Lin wüsste nur zu gern, was.
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Harry saß alleine im Slytherinschlafsaal. Er hatte es geschafft nicht nur Lin und Sanuel, sondern auch Levidia und Remera abzuschütteln. Nach Chantal waren es die neusten Kletten, mit denen er zu kämpfen hatte. Sie wurden langsam wirklich zu einem Problem, über welches sich Lin köstlich zu amüsieren schien. Harry war wirklich froh, dass wenigstens sie sich nicht für ihn interessierte. Jedenfalls nicht im romantischen oder erotischen Sinne.
Seine Bettvorhänge waren fest zugezogen, auch wenn er ganz alleine im dunklen Schlafsaal war. Eine Kerze schwebte vor ihm in der Luft und erhellte sein Bett in einem sanften matten Licht.
Müde saß er im Schneidersitz mitten auf der Matratze und blickte auf das grüne Kissen hinab, welches direkt vor ihm lag. Es sah in dem sanften Licht aus, wie ein Samtkissen beim Juwelier. Unterstützt wurde dies auch noch dadurch, dass ein großer goldener Ring darauf lag.
Der schwarze Stein des Ringes reflektierte das Kerzenlicht leicht und es sah aus, als ob dunkler Nebel im Stein gefangen war. Vermutlich war es auch so, nur das der Nebel alles andere als Wohl gesonnen und harmlos war.
Harry spürte die dunkle Magie, die davon ausging, jetzt wo er so nah davor saß, sehr deutlich. Sie bereitete ihm Unbehagen, denn er wusste was er tun musste, nur hatte Dumbledore bei seinem Versuch seine Hand verkrüppelt. Darauf wollte Harry gerne verzichten.
Er musste den Ring von Slytherin zerstören, aber bloß wie?
Im Grunde war Harry schon mal froh den Ring überhaupt gefunden zu haben. ‚Damals' waren Dumbledore und er ja nur in der Erinnerung von Bob Ogden zum Haus der Gaunts gekommen. Diesmal war Harry ganz alleine und auf sich gestellt. Er musste auf normale Art und Weise das Dorf suchen und finden. Zum Glück konnte Harry sich an den Dorfnamen erinnern und so hatte er viele Landkarten nach „Groß und Klein Hangleton" abgesucht.
Leider musste Harry feststellen, dass es mehr als zwei Dörfer in Großbritannien gab, die diesen Namen trugen. In Hogwarts gab es nicht wirklich viele Landkarten von England und so war Harry froh, dass er schon bei Gryzabel angefangen hatte zu suchen. Er hatte die in Frage kommenden Pläne mit nach Hogwarts genommen und hier weiter untersucht.
Er war den Weg den er und Dumbledore gegangen sind, immer und immer wieder im Geiste gefolgt und hatte versucht alles auszuschließen, was nicht passte. So konnte er alle Ortschaften, die am Meer und im flachen Land lagen ausschließen, denn das Haus der Gaunts lag eindeutig im bewaldeten Gebirge. Am Ende waren 3 Möglichkeiten übrig geblieben und Harry hatte alle drei Orte schon aufgesucht gehabt.
Im Grunde war es gar nicht so schwer Hogwarts zu verlassen. Es war nur eine große Herausforderung dies unauffällig zu machen, denn Dumbledore und die anderen Lehrer hielten ihn im Auge und so durfte Harry nie allzu lange weg bleiben oder Unterrichtsstunden versäumen. Er durfte nicht vermisst werden, jedenfalls nicht für eine längere Zeit.
Harry verfluchte es zum Wiederholten mal, dass er nicht einfach zum Haus der Gaunts apparieren konnte. Er hatte es schon bei Gryzabel versucht, aber es wäre auch so schön einfach gewesen. Aber nein … aus irgendeinem Grund konnte Harry das Haus nicht ausreichend orten.
Also musste er auf fast normale Art das Haus der letzten Nachfahren von Salazars Slytherin finden. Er seufzte allein bei dem Gedanken an die Suche schwer auf. Er hatte schon im Sommer angefangen zu suchen bzw. sich genau überlegt, wo er mit seiner Suche beginnen würde. Hier auf Hogwarts hatte er auf den richtigen Moment gewartet und hoffte nun, dass es wirklich der richtige war.
Harry war durch den Geheimgang hinter der buckeligen Hexe nach Hogsmead geschlichen und dabei ist ihm eigentlich nie jemand begegnet, nur ein einziges Mal vor fast zwei Wochen. Natürlich mussten ihm mitten im Geheimgang Sirius und James entgegen kommen. Vermutlich hatten sie etwas heimlich in dem kleinen Zaubererdorf besorgt. Aber das war Harry im Grunde egal, er durfte ihnen nur nicht begegnen. Nicht hier. Nicht jetzt. Warum ausgerechnet Sirius und James? Wie sollte er es erklären?
Im ersten Moment war Harry total paralysiert. Er sah das schwache Lumos-Licht, dann hörte er die beiden Jungen und wusste nicht, was er nun tun sollte. Er musste sich verstecken, aber in einem leeren Gang war dies gar nicht so einfach, aber Harry verschlief nicht ohne Grund die Verwandlungsstunden und so verwandelte er sich selbst schnell in einen mittelgroßen Stein. Seine Animagi-Gestalt wäre eine gute Alternative, aber er dachte nicht daran und im Nachhinein war die Gefahr ausversehen zertreten zu werden auch zu groß. Denn keine fünf Sekunden später liefen die beiden Gryffindorjungen ausgelassen auf ihn zu.
Diese Verwandlungszauber in tote Gegenstände waren gemein und unangenehm, aber sie taten ihre Wirkung. Natürlich musste er mitten im Weg liegen und prompt stolperte James über den magischen Steinbrocken. Nur durch schnelle Reflexe hatte der Sucher von Gryffindor seinen Fall mit den Händen bremsen können, sonst würde er jetzt mit blutig aufgeschlagener Nase auf dem Boden kauern. So fluchte er nur laut und undeutlich vor sich hin. Und Sirius lachte sich kringelig.
„Oh Merlin… ein einsamer Kieselstein … bringt unseren göttlichen James zu fall… wie bei David und Goliath…."
Sirius lachte laut und es klang verbunden mit dem Echo des Ganges noch stärker wie ein Bellen. Harry fühlte sich in diesem Moment so einsam, wie schon lange nicht mehr.
„Vielleicht sollte ich ihn mitnehmen und Lily geben, … damit sie weiß … wie sie Dich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück bekommt…" Sirius lachte und hielt sich an der Wand fest, damit er nicht umkippte.
James rappelte sich schnell hoch und klopfte sich kurz den Schmutz von seinem Unhang, bevor er auf Sirius zustürmte. Dieser lief lachend und glucksend den Gang Richtung Hogwarts entlang und wich James Attacken geschickt aus.
Zum Glück kamen die Jungen nicht auf die Idee diesen Stein irgendwie zu bestrafen, denn das hätte so ziemlich ins Auge gehen können. Auch kamen sie nicht zurück um den Stein als Erinnerung mitzunehmen, wie Sirius angedeutet hatte. Und bei ihrem nächsten Besuch, würde dort kein Stein mehr liegen. Jedenfalls nicht dieser bestimmte Stein.
Harry verwandelte sich mit einem nonverbalen Zauber fix zurück und hielt sich die Seite. Es tat höllisch weh, dort wo James über ihn gefallen war. Es war schon sehr seltsam, dass man selbst als Stein noch Schmerzen empfinden kann. Irgendwie bezweifelte Harry, dass dies in Ordnung war, denn Hermione hatte davon nichts erzählt.
Die Erinnerung an Hermione und Ron rief die Traurigkeit in ihm empor und machte ihn noch deutlicher, wie einsam er in dieser Zeit wirklich war. Der Schmerz seiner Rippen trat wieder in den Hintergrund, er war in keiner Form vergleichbar mit dem Schmerz in seinem Herzen und seiner Seele. Schnell lief Harry weiter. Er hatte eine Mission und über den Zauber nachgrübeln oder nachlesen könnte er auch später noch machen, wenn er wieder in Hogwarts war. Und die Einsamkeit würde auch nicht vom Warten vergehen…
Sobald er unter dem Honigtopf war, apparierte er nach ‚Klein Hangleton'. Zum Glück musste er den Geheimgang nicht verlassen, um apparieren zu können. Und zum Glück half eine genaue Landkarte der Orientierung aus um richtig apparieren zu können, besonders wenn man den Ort vor einigen Tagen das letzte Mal besucht hatte. Da war die Apparation viel schwieriger gewesen und nur mit viel Glück fehlerfrei gelungen. Mit Zug oder Besen hätte er vermutlich Tage für diese Reise gebraucht.
Etwas außerhalb des Dorfes kam Harry in einer geschützten Ecke an. Er brauchte nicht lange um sich zu orientieren und so lief er den steilen Weg rasch empor, ohne von irgendwelchen Dorfbewohnern gesehen zu werden. Auf der Suche nach dem richtigen Dorf hatte Harry sich nur bis hierher gewagt, da eine kleine Gruppe Kinder auf dem Feldweg gespielt hatte. Jetzt aber war der Feldweg leer und Harry lief ihn entlang, bis er schließlich zum versteckten Weg hinter den Tannen kam.
Viel Zeit hatte er nicht. Er durfte nicht sehr viel mehr als eine halbe Stunde wegbleiben und so kämpfte Harry sich den steilen Weg empor und fand diesmal zum Glück schnell den Eingang zum Grundstück vom Haus der Gaunts.
Jetzt wusste er auch, warum er nicht direkt zum Haus apparieren konnte. Es war noch heruntergekommener und zerfallener als in seiner Erinnerung. Im Grunde hatte dieses Haus nichts mehr mit dem aus seinen Erinnerungen gemein. Wie sollte er in dieser Bruchbude etwas finden?
Die Haustür hing schief in der Angel und von der Schlange, die einst dort gehangen hat, war nichts mehr außer dem Nagel, der noch immer im dunklen Holz steckte, zu erkennen. Mit einem mulmigen Gefühl betrat Harry vorsichtig das Haus von Voldemorts Verwandten. Es war noch immer das kleine Haus mit nur drei Zimmern, aber die Fensterläden waren geschlossen und nur Harrys ‚Lumos' brachte ein wenig Licht. Er war dankbar dafür, dass er hier zaubern konnte. Der Ort war voller Magie und würde seine ganz private Signatur verschleiern und verstecken. Und ohne Magie würde er sich in diese Ruine nicht hineinwagen. Die Lebensgefahr war dafür eindeutig zu groß.
Das Dach war teilweise eingestürzt und ein Balken hing schräg in der Luft, aber kein Licht drang von oben in den Raum. Die herabgefallenen Querbalken behinderten so den Zugang zur Küche und nur durch den Kaminvorsprung fiel nicht das ganze Haus sofort zusammen. Harry hoffte, dass die Wände und Balken innerhalb der nächsten 30 Minuten nicht komplett nachgeben würden. Was für eine Schlagzeile! „Held der Zaubererwelt vom Dach erschlagen" Nur gut, dass er hier nicht der Held war. Auf die Schlagzeile könnte er trotzdem verzichten.
Harry kannte aber keinen Zauber, der dieses marode Gemäuer halten könnte. Außerdem würde es ihm seine Arbeit unter Umständen erschweren. Es würde alte magische Signaturen überdecken.
Harry überlegte, wo er jetzt anfangen sollte mit dem Suchen. Leider hatte Dumbledore ihm nie erzählt, wo er den Ring genau gefunden hatte. Er versuchte sich zu erinnern, was Dumbledore ihn je über dieses Haus und diesen Horcrux erzählt hatte, aber viel war das nicht. Er war ja auch nicht mehr wichtig gewesen, da er zu dem Zeitpunkt schon zerstört war.
‚Magie hinterlässt immer Spuren, Harry', hörte er seinen Mentor leise reden, aber leider war Harry nie besonders gut darin gewesen die Spuren der Magie von anderen Personen zu lokalisieren oder genauer zu bestimmen. Hermione und auch Ron waren darin um einiges Besser, aber Harry hatte jetzt keine Zeit um sich in der schmerzhaften Erinnerung zu verlieren. Er wusste, dass er im Verhältnis dazu magisch komplexe Zauber besser einsetzen konnte, weil er seine eigene Magie besser spüren und lokalisieren konnte. Hermione war immer wieder überrascht, was er dann doch alles zustande brachte.
Harry schloss die Augen und konzentrierte sich auf die verschiedenen Magieströmungen in diesem Haus und versuchte sie zu unterscheiden. Zwar war das Haus nicht groß, aber der gesuchte Gegenstand umso kleiner. Und der Ring würde vermutlich sehr gut geschützt sein.
Die Zeit lief ihm davon. Er hatte wohl noch gut 20 Minuten.
Im ganzen Haus spürte er noch die Rückstände von vergangenen Zaubern. Zauber und Flüche. Überall war Magie. Ohne Magie wäre hier nur noch Staub und Asche, überwuchert von Efeu und Farn.
Aber ein starker magischer Impuls kam aus dem Schlafzimmer. Auch wenn Harry nicht daran glaubte, dass sich dort etwas wirklich Wichtiges befand, musste er sich diese magische Ansammlung ansehen. Harry ging langsam zur maroden Tür und öffnete sie vorsichtig. Ein penetranter Verwesungsgestank ließ ihn erstarren und sofort die Flucht ergreifen. Erst einige Meter vor dem Haus an der frischen Ludt kam er zum stehen. Mit Mühe und Not schaffte er es nach einigen weiteren Minuten seinen Magen wieder unter Kontrolle zu bringen. Harry war kreidebleich im Gesicht. Wenn er etwas nicht ausstehen konnte, dann war es so ein bestialischer Gestank. Allein bei dem Gedanken daran, drehte sich sein Magen wieder um.
Das begann ja toll. Mürrisch ließ Harry den widerlichen Geruch mit einem kleinen nützlichen Zauber verschwinden und er öffnete das kleine Fenster vom Schlafzimmer, um doch ein wenig Licht herein zu lassen. Viel brachte es nicht. Nur sehr spärlich wurde der Raum beleuchtet und alles wirkte nun noch schummriger und undeutlicher.
Harry betrat das Zimmer nur mit äußerster Skepsis und Vorsicht. Warum stank es in diesem Zimmer so? Überall lag Zentimeter dicker Staub und Harry zweifelte nicht daran, dass hier schon seit Jahren keiner mehr gewesen war.
Mit dem Licht an seinem Zauberstab konnte Harry schließlich den Kadaver erkennen, der diesen Gestank hervorrief. Man konnte noch Überbleibsel von hellen Hufen erkennen und Harry dachte sofort an ein Einhorn. Panik durchschoss ihn, aber im nächsten Moment sah er, dass es kein Einhorn war, aber dass besserte seine Laune auch nicht auf. Vor ihm lag der tote und verwesende Körper eines ausgewachsenen Zentauren.
Wie und warum der hier lag, wusste Harry nicht, aber er hatte Firenze vor seinem inneren Auge und die Übelkeit kam sofort zurück. Er würgte und versuchte gleichzeitig sich zu beruhigen. Kalter Schweiß brach auf seiner Stirn aus und er zitterte, während er sich Luft zufächelte.
Etwas bewegte sich unter den Knochen und Harry schrak zurück. Er fürchtete einen Aasfresser, aber es war nur eine kleine rote Schlange, die die Käfer und Maden verspeiste. Kurz beäugte Harry die Schlange skeptisch, dann ignorierte er sie.
Harry erinnerte sich, dass Fred und George mal von einem Zauber erzählt hatten, der die Verwesung lange hinauszögern konnte. Sie hatten überlegt ihn auf eine Ratte auszusprechen und die Ratte dann in den Slytheringemeinschaftsraum zu schmuggeln. Sie hatten es dann aber schließlich doch nicht gemacht.
Vermutlich war genau dieser Verwesungs-Hinauszöger-Zauber Ursprung der Magie, die Harry im Schlafzimmer gefühlt hatte. Aber warum lag hier in Haus der Gaunts ein toter Zentaur? Egal wie lange er schon hier lag?! Wie war der hierher gekommen? Und warum?
„Mist, verdammter!", kam es leise über Harrys Lippen, nicht nur um die erdrückende Stille zu durchbrechen. Ein Blick auf seine Uhr sagte ihm, dass die Zeit keine Rücksicht auf ihn nahm. Er musste Handeln. Er musste suchen und finden. Und zwar jetzt.
Ein ‚Accio' brachte wie zu erwarten nichts. Aber Harry wollte den Ring heute finden. Das Haus lag ruhig und still da. Er versuchte sich wieder auf die Magie zu konzentrieren, dabei musste er allerdings den Zentaur übergehen und dies war eine der schwierigsten Aufgaben. Bewusst einen Zauber ausklammern und dabei nach den anderen schwächeren Spuren von anderer Magie zu suchen. Dies hatte Harry bisher nie wirklich geschafft und eigentlich war es unwahrscheinlich, dass er es ausgerechnet jetzt schaffen sollte.
Er dachte an Hermione, die jetzt vermutlich einfach kurz die Augen schließen würde (Vorher hätte sie Harry zur Seite geschickt, damit seine Magie sie nicht stören würde). Dann hätte sie wahrscheinlich auf den Kamin gezeigt. Harry hörte regelrecht ihre Stimme: „Hinter dem mittleren Backstein unter dem Slytherinwappen ist ein Geheimfach, Harry. Das müsstest selbst Du spüren können."
Ein abfälliges Schnauben wäre die Antwort und dann würden Rons Worte folgen: „Oh ja, Hermione, nur weil Du die Schleifspuren auf dem Kaminsims sehen kannst, brauchst Du Dich nicht so aufzuspielen. Harry wäre darauf schon ganz alleine gekommen."
„Es gibt da keine Schleifspuren, Ronald.", würde Hermione schimpfen und Harrys Konzentration total zunichte machen. Aber Harry konnte auch jetzt einfach nur grinsen und blickte unwillkürlich zu dem kleinen Kamin. Es gab keine Schleifspuren oder sonst irgendwelche Anzeichen für ein Geheimfach.
Aber Harry konnte das Slytherinwappen genau erkennen. Es war stark vermodert und wahnsinnig dreckig, aber die Schlange war noch zu erkennen. Unwillkürlich grinste er breit und strich mit dem Finger über den staubigen Sims. Was würde er nicht alles dafür tun, damit seine Freunde bei ihm sein könnten.
„Aber wir sind doch bei Dir, Harry. Und nun hör auf in Deinen Erinnerungen zu schwelgen sondern konzentrier Dich. Verdammt noch mal, Du hast eine Aufgabe."
Die Worte von Hermione erfüllten ihn mit einem warmen Gefühl und der leichte Druck auf seiner linken Schulter war sicher Ron, der ihm auf diese Art Kraft und Unterstützung gab. Harrys Finger strichen vorsichtig über den Backstein, auf den Hermiones Beschreibung zutreffen würde und spürte … nichts… keine Wärme … keine Magie. Einfach nichts.
Harry runzelte missmutig die Stirn und sah sich schließlich ungeduldig im gesamten Zimmer noch mal gründlich um. Nichts schien seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu wollen, außer dem Kadaver zu seinen Füßen und der war ihm mittlerweile ziemlich egal.
Harry seufzte schwer und blickte noch einmal kurz zu dem dunklen Kamin. Er war frustriert. Er sah keinen Hinweis auf ein Versteck. Aber er wollte nicht in den Wohnraum gehen, um dort zu suchen. Hier gab es noch etwas, was er nicht übersehen durfte. Er hatte nicht die Zeit sich monatelang um einen einzigen Horcrux zu kümmern. Harry wusste nicht, wie viel Zeit ihm genau blieb, aber viel würde es nicht sein. Er hatte nicht die Zeit, noch einmal hier her zukommen. Wütend holte er Luft und raufte sich die Haare.
„Ahhhh….. Mist… verdammter…"
In seiner Zeit war das Leben und die Jagt nach den Horcruxen vielleicht auch nicht einfacher, aber da war er auch nie alleine gewesen. Er hatte nicht alle anlügen müssen, die ihm etwas bedeuteten. Frustriert über seine aktuelle Situation im Allgemeinen krallte Harry seine Hände in die schwarzen Haare und er konnte den Schrei aus seiner Seele nicht unterdrücken. Verdammt, was sollte er bloß tun. Er hatte schon so viel Zeit damit verbracht diesen Horcrux zu finden, dass er nicht noch mehr Zeit vertrödeln wollte und auch nicht konnte.
War dieser verdammte Kadaver nur reine Ablenkung, oder einfach ein trauriges Zeugnis eines bestialischen Kampfes?! Harry wusste es nicht.
Es hatte keinen Sinn mehr, noch länger zu warten und hier nachzudenken. Er konnte keine andere Magie als die des Kadavers spüren und er musste sich also etwas anderes einfallen lassen. Erst einmal musste er zurück nach Hogwarts, bevor er vermisst wurde. Bevor sein Verschwinden bis zu den Lehrern und dem Direktor vordrang.
Harry schlug wütend die modre Schlafzimmertür hinter sich zu und sah sich noch einmal angewidert in diesem kargen halb zerfallenem Wohnraum um. Auch hier war ein schmaler Kamin und die Spuren von Asche waren auch noch deutlich zu erkennen. Auch hier hing ein Bild über dem Sims, aber es war schon zu verrottete und eingestaubt, um es erkennen zu können.
Eigentlich war alles zur Unkenntlichkeit verstaubt oder verkommen. Selbst die Sessel und Tische waren nur noch Schrott. Der muffige Gestank ließ Harry erschaudern und er fragte sich, warum er es erst jetzt wahrnahm.
Harrys Blick glitt zu der kleinen Küche und dann wieder zum Kamin. Er erinnerte sich an Hermiones Worte. Auch wenn sie nur in seiner Erinnerung und Gedanken gesprochen waren, so hatte Harry schon immer ein Faible für mystische und kryptische Aussagen. Ganz besonders wenn sie von der so logischen und analytischen Hermione kamen.
Er stand schon in der Eingangstür und trat dann doch noch einmal kurz zum Kamin. Er legte seine Hand auf den Stein und …
… spürte auch hier nur die Kälte der Steinwand… aber etwas war anders… etwas vibrierte unter seinen Fingern und Harry schloss die Augen um diesem Gefühl nachzugehen. Unwillkürlich drückte er den Stein einfach fest… und hörte ein leises Knirschen.
Es war kein Geheimfach hinter diesem Stein… er war der Auslöser zum Öffnen eines kleinen geheimen Faches unterhalb des Kaminsims…. Und genau da lag der Ring. Harry fragte sich nicht, wie Tom Riddel dieses Geheimversteck entdeckt hatte. Es spielte für Harry keine Rolle. Er konnte sein Glück kaum fassen. Ein breites Grinsen legte sich auf seine Züge und er schüttelte den Kopf.
Dumbledore wäre vermutlich auf anderem Wege an dieses Versteck gekommen, aber egal wie, Harry hatte sein erstes Ziel erreicht. Ohne lange zu Zögern hatte Harry den Ring vorsichtig an sich genommen und vernichtete alle Spuren, die er hinterlassen hatte. Der Kadaver war wohl wirklich nur Ablenkung. Harry seufzte erleichtert als er wieder durch den Geheimgang nach Hogwarts lief. Noch immer schlug sein Herz rasend und beruhigte sich nicht. Er wollte jetzt nur noch zurück in die Kerker, wo er in Sicherheit wären würde.
So einfach wie gedacht war es leider dann doch nicht.
Harry hatte nicht mehr die Karte der Rumtreiber und musste sich so auf sein Gespür und Gefühl verlassen. Gerade als er den Geheimgang hinter sich verschlossen hatte, begegnete er Professor Dumbledore.
Harry erstarrte mitten in seiner Bewegung. Er war zu erschrocken um sich bewegen zu können. Dann zwang er ein kaltes aber freundliches Lächeln auf seine Lippen. Er musste den Schein wahren…
„Guten Abend, Professor Dumbledore!"
„Guten Abend, Mr. Jericle. Warum befinden Sie sich nicht in der Großen Halle beim Abendessen, wie die anderen Schüler? Sie können mir gerne Folgen. Folgen Sie mir doch. Die restlichen Schüler warten vermutlich schon auf uns." Dumbledore zwinkerte freundlich, aber Harry wusste, dass es alles oder auch nichts bedeuten konnte.
Harry blickte erschrocken auf seine Uhr. Sie sagte ihm, dass er sehr viel länger weg war, als er gedacht hatte. Er nickte dem Schulleiter leicht zu und folgte ihm mit zwanghaft ruhigem und sicherem Schritt. Er hatte allerdings ein sehr ungutes Gefühl. Seit wann lief Dumbledore denn einfach durch die Gänge? Harry konnte sich nicht erinnern, dass dies zu den Aufgaben des Schulleiters gehörte. Warum musste er ausgerechnet ihm begegnen? Hoffentlich spürte er die schwarze Magie des Ringes nicht.
Unwillkürlich wurde der Griff um den kleinen Gegenstand in seiner Umhangtasche fester und Kälte stieg in Harrys Nacken hoch. Bei dem Versuch sich nichts anmerken zu lassen, versteifte er sich leicht. Hoffentlich war es reiner Zufall, dass Dumbledore ihm hier begegnet war. Hoffentlich wollte Dumbledore nicht den Inhalt seiner Taschen inspizieren. Hoffentlich war alles viel harmloser, als es im Moment den Anschein machte.
Vielleicht war Dumbledore im Krankenflügel gewesen und auf dem Rückweg zur Großen Halle ihm begegnet. Ja, das wäre rein theoretisch möglich, aber auch so konnte Harry nur hoffen, dass Dumbledore keinen Verdacht hegte. Er wusste nicht, ob Dumbledore den Geheimgang kannte und fragen konnte er ja schlecht. Viele sorgenvolle Gedanken schwirrten durch seinen Kopf, während er noch immer dem Schulleiter in die Große Halle folgte.
Dumbledore hatte nichts weiter gesagt und hatte ihn nur mit einem leichten Kopfnicken zu seinem Haustisch geschickt. Es war reine Folter am Slytherintisch zu sitzen und eigentlich was ganz anders im Kopf zu haben. Essen hatte er nichts gekonnte.
Im Nachhinein dachte er sich nur, dass es nichts gebracht hatte, denn jetzt saß er auf seinem Bett und grübelte ohne Erfolg über die Vernichtung des Horcruxes nach.
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Falls ihr Euch wundert, warum Harry so die Probleme mit den Horcruxen hat: 1. ich habe zu dieser Zeit das 7. Buch noch nicht gelesen und habe mich auch sonst nicht danach orientiert. 2. Hermione, Ron und Dumbledore haben eine große Rolle bei der Vernichtung gespielt und dabei oft ihr Leben aufs Spiel gesetzt (in der nicht genannten Vorgeschichte dieser FF), so weiß Harry gar nicht so genau, wie er die Horcruxe vernichten kann. Er muss es herausfinden, denn er denkt, dass er der einzige ist, der Voldemort töten kann. 3. Er kennt diese Zeit sehr viel weniger und weiß gar nicht unbedingt, wo was zu finden ist. Also seit ein wenig nachsichtig mit ihm… bzw. auch mit mir. Wäre doch sehr Schade, wenn alles zu einfach läuft, oder?
