Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Autor: Momixis

Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"

Kapitel: 4/9

Teil: 5/9

Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)

Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….

Inhalt: Harry und Draco sind durch die Zeit gereist und nun haben sie die Chance etwas zu verändern. Harry will diese Möglichkeit nutzen ohne die Menschen, die ihm wichtig sind in Gefahr zu bringen. Wird er es schaffen? Wird er alleine den Weg gehen können? Welche Rolle wird Draco zu Teil? Und halten die Rumtreiber und die anderen Schüler von Harry? Was denkt Dumbledore?

MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!


Danke an die Reviewer!! Ich bin total begeistert!! Jedes einzelne Review gibt mir viel Auftrieb und damit einen wichtigen Ausgleich zu meiner Arbeit, die im Moment sehr informativ und stressig ist; ich bin aber froh, diese Stelle zu haben und genieße es daher auch.

Um Euch nicht noch länger warten zu lassen, mache ich es jetzt auch wieder kurz und beantworte nicht jedes Review... aber beim nächsten Mal werde ich mir die Zeit wieder nehmen und vielleicht auch die Reviews vom letzten Kapitel beantworten... Bis bald knuddel


Teil V

Nervenaufreibende Umbrüche

Kapitel 4

Besondere Schlangen

„Hey Lin!", die helle Stimme übertönte das Stimmengewirr der anderen Gryffindors problemlos. Das sonnige Dezemberwetter ließ die begeisterten Schülermengen regelrecht in das Quidditchstadion strömen.

Lin trat mit Sanuel näher zu den vier Mädchen und Lovegood heran. Durch die seltsame Freundschaft zu Adrian (welche zurzeit noch immer ein wenig auf Eis lag), hatte sich auch hier eine positive Kommunikationsbasis aufgebaut und sich nach dem Streit nur noch verfestigt. Keiner schien die Freundschaft abgeschrieben zu haben, auch wenn ‚Adrian' mit niemanden wirklich redete. Er setzte sich zu ihnen, weil sie sich sonst zu ihm setzen würden, aber er schwieg. Noch immer zeigte er ihnen die kalte Schulter und antwortete nur sehr knapp und wortkarg, aber wenigstens reagierte er auf sie. Sal ließ es auch selten zu, dass er schwieg oder sich ganz heraushielt. Meistens war sie es, die ihn in die Clique zurückzog, auch wenn er dann ihr giftige Blicke schickte.

„Wo ist Adrian?", fragte daher auch Sal sofort und ließ ihren Blick über die rotgoldene und grünsilberne Schülermenge gleiten, die alle zu den Tribünen und Stehplätzen des Quidditchstadions strömten.

„Ich dachte, er wäre bei Euch bzw. bei Dir", sagte Lin mit einem spitzbübischen Grinsen, welches Lovegood zu einem eifersüchtigen Schnauben veranlasste. Seit Halloween waren die beiden endlich zusammen und ‚Adrian' hatte kein Interesse an Sal gezeigt. Sie waren Freunde und im Grunde wusste Lovegood das ganz genau.

Das Verhältnis zwischen Sal und Lin war zwar nicht wirklich friedlich und auch nicht einfach. Sie gifteten sich an, aber mittlerweile hatten sie so eine gemeinsame Basis gefunden. Das fiese Grinsen gehörte einfach dazu und beide pflegten diese ‚Freundschaft' sehr intensiv.

„Nein Lin, er war nicht bei mir!"

Mick mischte sich ein, indem sie sich zwischen die beiden Mädchen quetschte. „Adrian hatte keine Lust auf Quidditch."

Die zwei japanischen Schüler starrten Mick völlig entgeistert an: „Adrian Jericle hat kein Interesse an Quidditch?! Bist Du Dir sicher, dass wir von der selben Person reden?"

Mick blickte Lin entrüstet an, während die mit ihrem Cousin einen besorgten Blick wechselte. Das passte so gar nicht zusammen. Dafür hatten Lin und Sanuel noch zu genau die Begeisterung von Adrian vor Augen. Er liebte Quidditch einfach. Es musste einen anderen Grund geben und beide wurden das Gefühl nicht los, dass Adrian diese Chance nutzte und mal wieder etwas Heimliches und Gefährliches durchführte. Zu oft hatte er sich abgesetzt und war erst spät abends wieder aufgetaucht. Lin war sich ganz sicher, dass er Hogwarts mehr als einmal verlassen hatte und ganz nebenbei aß er eindeutig zu wenig für einen Jugendlichen in der Pubertät. Adrian gab immer wieder Gründe um sich Sorgen um ihn zu machen.

„Kommt Ihr?! Wir sollten uns schnell gute Plätze sichern. Kommt Ihr mit? Lin? Sanuel?"

Die beiden Slytherins schüttelten nur den Kopf. „Es kommt nicht besonders gut, wenn wir bei Euch stehen und die Slytherin-Mannschaft anfeuern", lachte Sanuel und zwinkerte Esmare zu.

Auch sie lachte auf. „Dann feuert die Löwen an!" Aber sie meinte es nicht wirklich ernst, denn schon verabschiedete sie sich mit einem Grinsen von den beiden Slytherins. Die Gryffindors und Ravenclaws quetschten sich lachend zu einer der Tribünentürme empor.

Die zwei Slytherins sahen sich noch mal nach ‚Adrian' um und stellten sich schließlich zu den anderen Slytherins. Hier waren sie zwar nicht mehr so gerne gesehen, aber es war ihr Haus und so würden sie ganz pflichtbewusst die grünsilberne Mannschaft auch unterstützen. Auch wenn ‚Adrian' dies vermutlich gar nicht gerne sehen würde. Vielleicht war auch dies der Grund, warum er nicht hier war.

Auf der Gryffindor-Tribüne quetschten sich Lily, Esmare, Mick, Sal und Konstantin in die erste Reihe. Direkt hinter ihnen standen Remus und Peter – die einzigen der Rumtreiber, die nicht im Quidditchteam waren.

Remus und Peter hatten mitbekommen, dass die Mädchen Lin und Sanuel zu ihnen eingeladen hatten. Remus war heilfroh, dass die Slytherins dies abgelehnt hatten. Viele sahen diese Freundschaft nicht gerne und was Sirius und James davon hielten, brauchte Remus gar nicht zu fragen. Nur gut, dass Adrian Jericle nicht dabei war, denn der wäre womöglich wirklich bei Lily und Co stehen geblieben. James sah in Adrian einen Konkurrenten, auch wenn der Slytherin in Remus' Augen noch keine Anstalten gemacht hat, um Lily irgendwie näher zu kommen. Alles ging von Lily aus und das war ausschließlich freundschaftlich.

Aber im Grunde störte es Remus nicht. Lin und Sanuel waren im Grunde ziemlich neutral eingestellt und sie verhielten sich gerecht. Auch wenn es Remus widerstrebte, so war er doch heilfroh, dass seine Freunde noch nichts von der Fast-Freundschaft zu dem Slytherin mitbekommen hatten.

„Ich bin ja nur froh, dass die Schlangen nicht mitgekommen sind. Besonders dieser Je-..je...ri...ke ist mir so etwas von … unsim … ähm … unsü …", stotterte Peter ein wenig unbeholfen.

„Unsympathisch?!", half Remus seinem Freund bei der Wortfindungsstörung aus.

„Ja, genau … Die sind so verlogen und ständig machen sie uns fertig. Ich möchte gar nicht wissen, wie Jericle es schafft so gute Noten zu bekommen, bestimmt schummelt er …"

„Ist ja gut, Peter. Ich weiß, dass Du ihn nicht magst, auch wenn er Dir bisher nie etwas getan hat." Remus sagte ihm lieber nicht, dass er Adrian wirklich mochte und ihn gerne beobachtete. Fast war es zu einem Hobby geworden den Jungen zu beobachten und die Ungereimtheiten zu sammeln, besonders seit der Aktion vor etwa einer Woche. Es war faszinierend. Adrian war so geheimnisvoll und doch sah Remus keine Gefahr in ihm. Er bekam eher ein Gefühl der Hoffnung und des Vertrauens. Remus konnte nicht sagen, woran das lag; tierische Instinkte?! Dies alles würde Remus seinen Freunden aber nicht auf die Nase binden. Sie würden es nicht verstehen.

Ein wenig Angst, dass er mit seinem Gefühl falsch lag, hatte er schon. Aber wenigstens empfand er Adrian in keiner Weise als Konkurrent bei den Mädchen.

„Wenn dieser Je...ri...cle hier auftaucht, dann hex' ich ihn in einen Schlangenkörper…"

„Corpua Serpia"

„Was?"

„Der Zauberspruch, den Du brauchen wirst. Aber warum eigentlich?! Er hat DIR doch noch gar nichts getan?!"

„Aber James und Sirius. So etwas versteht man dann unter Sali.. – dingsda…"

„Du meinst wohl Solidarität?!"

Peter nickte leicht.

Remus zog es vor, da nicht weiter drauf einzugehen. Es würde früher oder später nur zu einem sinnlosen Streit mit den anderen Rumtreibern führen.

Schon öffneten sich die Tore und das Team der Slytherins kam aufs Spielfeld. Der Teamkapitän der Schlangen blieb auf dem Boden, während die anderen eine Begrüßungsrunde in geordneter Formation über das Feld flogen. Remus hatte schon einige Gerüchte gehört, dass Mosnay der neue Sucher war. Aber erst jetzt begriff Remus, welche Gefahr von diesem neuen Schüler ausging.

Allein bei dieser kurzen Runde zeigte Mosnay eine Sicherheit und ein Selbstbewusstsein, welches deutlich von seinem Flugtalent zeugte. Die Frage war nur, ob dies Sirius und besonders James genauso bewusst war, wie vielen der Zuschauer.

Laute Buh-Rufe begleiteten die Slytherins, aber aus der hinteren Sitzreihe konnte Remus auch etwas anderes hören: „Sieh ihn Dir nur an. Mosnay sieht so etwas von heiß aus, nicht wahr?"

Als Remus zu dem Mädchen hinsah, konnte er feststellen, dass es Zwillinge waren. Bei beiden dunkelhaarigen Mädchen lag ein verträumter und verzückter Blick in den Augen. Ihre Schwester führte den Gedanken fort: „Aber Jericle sieht auch super süß aus. Nur Schade, dass er so wählerisch ist. Er ist so richtig zum anbeißen…"

„Ja, Mosnay ist das Vanilleeis und Jericle die Schokoladensoße. Einfach zum vernaschen."

„Passt bloß auf, dass Ihr Euch nicht verbrennt", lachte Sal aus der ersten Reihe. Die beiden Mädchen wurden sofort knallrot und senkten beschämt ihre Gesichter.

Remus schmunzelte und auch Peter schien sich zu amüsieren, bis eine laute Durchsage das Team der Gryffindors ankündigte und damit ein Feuerwerk der Begeisterungsrufe im Gryffindorbereich entfachte.

Sechs Spieler traten ein und erhoben sich in die Lüfte für ihre Begrüßungsrunde. Sie wurden vom tosenden Applaus begleitet.

Remus konnte sofort Sirius ausmachen, aber…

„Wo zum Teufel ist Potter?" flüsterte Lily entrüstet. Alle reckten ihre Köpfe. Tatsächlich, der Sucher und Mannschaftskapitän von Gryffindor war noch nicht auf dem Feld.

„Wo steckt der Sucher und Anführer der Löwen?", ertönte es auch schon aus dem magischen Megafon. „Haben die Gryffindors ihren besten Mann vergessen oder hat er sie im Stich gelassen? Wir werden wohl kaum auf ihn warten …"

Weiter kam er nicht, da plötzlich ein roter Blitz über die Köpfe hinweg fegte und so jeden zum verstummen brachte. Der Flug war schnell und entsprechend beeindruckend.

Mitten auf dem Feld stoppte der rasante Flug und mit einem kleinen Salto stand James Potter direkt vor dem gegnerischen Kapitän und grinste.

„Da ist er, liebe Zuhörer und Zuschauer!! Er hat nur auf den richtigen Auftritt gewartet. Begrüßen wir: James Potter, Sucher und Kapitän von Gryffindooooooor!!"

Ein tosender Applaus brandete auf und Remus konnte an Lilys Gesicht genau sehen, dass James mit diesem Auftritt bei ihr keine Punkte gemacht hatte. Es hätte ihn auch sehr gewundert.

Die beiden Kapitäne gaben sich steif die Hände und Madam Hooch pfiff nun endlich das Spiel an. 14 Besen stiegen empor und auf ihre Positionen. Remus sah, wie Sirius zu James flog und ihn in die Seite knuffte. Es schien als ob Sirius diesmal nicht eingeweiht gewesen war und dies gefiel ihm offensichtlich gar nicht. James schickte ihn ins Spiel und vertröstete ihn vermutlich auf nachher.

Der Quaffel flog empor und das Spiel begann. Sofort nahm Sirius seine Aufgabe als Jäger wahr und kämpfte um die heißbegehrten Punkte. Remus musste feststellen, dass die Slytherinjäger wirklich gut waren, aber das waren Sirius, Torellia und Stephanios auch. Das, was Remus erschreckte, waren die ausgereiften Flugkünste von Mosnay.

Wie er schon befürchtet hatte, war Dorian Mosnay ein begnadeter Flieger. Es war deutlich, dass er nicht erst seit wenigen Jahren flog. Die Eleganz mit Geschwindigkeit und Tatendrang zu verbinden hatte James bisher noch nicht geschafft.

Dieser flog seelenruhig seine Runden über dem Feld und konzentrierte sich ganz auf die Suche nach dem Schnatz. Er strahlte die gewohnte Arroganz aus und schien die Gefahr nicht zu registrieren. Remus würde ihm am liebsten etwas zurufen, aber es würde in dem Tumult nur untergehen und ihm eine heisere Stimme bescheren.

„Oh Merlin, Potter hat gegen Mosnay keine Chance", fluchte Mick leise, aber Remus hatte es gehört.

„Lass dies bloß James nicht hören. Wir sollten uns schon mal überlegen, wie wir ihn wieder aufmuntern können."

Lily dreht sich zu Remus um und funkelte ihn mit ihren grünen Augen an. Die Lippen leicht zusammengepresst, sagte sie: „Einen kleinen Dämpfer kann ihm nur gut tun."

„Wo sie Recht hat, hat sie Recht", lachte Esmare und zwinkerte Remus zu, dann flüsterte sie etwas Lily ins Ohr und erhielt darauf hin einen bitterbösen Blick. Esmare lachte hell auf und Remus bekam warme Ohren.

Auch wenn die Mädchen Recht hatten, so hatte Remus keine Lust auf das Gezeter und Gejammer von James. Besonders da Sirius ihm dabei garantiert Schützenhilfe leisten würde.

Ein Aufstöhnen unter den Gryffindorfans machte die Runde. Slytherin hatte jetzt zwei Tore Vorsprung. Dann ein entsetztes Keuchen. Mosnay war in einen Sturzflug gegangen. Zielsicher schoss er zu Boden. Schneller und immer schneller rauschte er hinab zur Erde. Die Blicke der Zuschauer hingen an ihm, nur der rote Sucher blieb ruhig in der Luft und blickte in die Ferne.

Die Menge tobte und nicht wenige riefen James zu, er solle Mosnay folgen, aber der blieb völlig still in der Luft stehen. Er schien es für einen Bluff zu halten und…und so war es auch.

Es war ein wahres Vergnügen Mosnay fliegen zu sehen. Remus' Augen hingen an James. Dieser sollte sich endlich mal bewegen.

„Potter, nun mach schon!", schrie jemand hinter ihnen. Schon wieder hatte Mosnay sich in einen Sturzflug begeben, aber James rief seinem Konkurrenten nur etwas nach. Remus konnte es nicht verstehen, aber der Slytherin brach das Flugmanöver unverzüglich ab. Sichtlich irritiert blickten die Zuschauer hinauf zu den beiden Suchern, während die Gryffindorjäger den Punkteunterschied ausglichen. Umso mehr interessierte es alle, was die beiden Sucher da taten. Sie würden wohl das Spiel entscheiden.

So gut James auch flog, so war Mosnay doch der bessere Flieger, so dachte Remus jedenfalls, bis der Schwarzhaarige plötzlich in die Luft empor schoss, sich etwas nach hinten fallen ließ und nun auf die Torringe der Slytherins zuschoss.

„Oh mein Gott!", stöhnte Lily auf und schlug sich die Hände vors Gesicht. Solche Showeinlagen waren neu, passten aber zu James. Trotzdem hingen ihre Augen voller Unglauben an dem Sucher. „Was gedenkt Potter da zu tun?"

„Vielleicht den Schnatz fangen?!", fragte Peter leise und zeigte auf einen goldenen Schimmer hinter den Torringen.

Alle Umstehenden rissen die Augen auf. Für Remus war es nicht wirklich neu, dass Peter den Schnatz relativ früh sah. Nur sein nichtvorhandenes Talent auf dem Besen sitzen zu bleiben, ließ sich eher mit einem nassen Sack vergleichen und so eine Quidditchkarriere zur Utopie werden. Es klappte einfach nicht.

Vor Anspannung grub Remus seine kalten Hände tief in seine Manteltasche. Gryffindor holte wieder Punkte und es stand 90 zu 80 für die Roten. Mosnay war knapp hinter James und der Slytherin drängte James' Besen plötzlich heftig ab. Der Schnatz verschwand, während der Gryffindor nicht mehr ausweichen konnte, sich klein machen musste und durch den mittleren Ring flog.

Viele schrieen erschrocken auf und auch Remus hielt den Atem an. Er wusste genau, wie klein diese Ringe waren. Es war nicht ungefährlich bei diesem Tempo hindurch zu fliegen. Ein leichtes Berühren und er würde die Kontrolle über den Flug verlieren und ganz sicher zu Boden krachen.

Mosnay grinste kalt. Ihn hätte es offensichtlich nicht gestört, wenn es zu einem Unfall gekommen wäre. Ein ganz typisches Verhalten für die Slytherins, die bisher ein sehr faires Spiel gezeigt hatten.

Alle atmeten erleichtert auf, als James sich wieder sicher in die Luft schraubte. Sofort blickte er düster zu Mosnay. Ein Klatscher schoss an ihm vorbei. Er ließ sich davon nicht stören. Remus kannte diesen Blick sehr genau. James war wütend und würde vermutlich sofort zurück schlagen, wenn ihm eine Möglichkeit gegeben werden würde.

Sirius flog an James heran und sprach auf ihn ein, auch er schien nicht glücklich von diesem erzwungenem Flugmanöver zu sein. Nach wenigen Worten flog Sirius zurück auf seinen Posten und machte den Slytherins Dampf.

Beide Sucher wurden jetzt vermehrt von Klatschern attackiert, denn selbst die Treiber hatten erkannt, dass das Spiel von den Suchern abhing. Mittlerweile stand es 100 zu 110. Es war noch immer ein ausgeglichenes Spiel.

Remus blickte wieder zu James. Er schien zwar nicht glücklich mit der Situation zu sein, aber offensichtlich zügelte er sein Temperament. Seine Wut und Anspannung beeinflusste seine spielerischen Fähigkeiten nicht.

„Geht doch", flüsterte Remus anerkennend.

„Unge…gewöhnlich oder Remus? Sonst kann James sich kaum zurückhalten und nun scheint er … hm … sich voll und ganz auf den Schnatz zu kon … konzen… trieren."

„Richtig. Vermutlich hat die Moralpredigt von Lily nach dem letzten Spiel geholfen, auch wenn es schon lange her ist." Das letzte Spiel der Gryffindors war im Juni gewesen und James hätte durch seine Wut fast den Sieg und den Pokal verspielt, aber nur fast.

Peter lachte kurz auf. Es überraschte Remus immer wieder, wenn Peter eine konstruktive Beobachtung machte. Ab und zu kam so etwas vor, aber leider nie im Unterricht oder bei anderen wichtigen Situationen. Es war halt Peter.

Remus behielt James im Blick, dieser allerdings interessierte sich gar nicht für die anderen Spieler. Selbst der übliche Blickwechsel zwischen James und Sirius war heute relativ mau. Und noch hatte James nicht mal versucht mit Lily zu flirten.

Er konzentrierte sich wirklich nur auf das Spiel und seine Aufgabe den Schnatz zu fangen. Seine Mannschaft wusste sehr genau, was sie zu tun hatte. Es war schon immer so gewesen, dass James nur im Notfall Anweisungen während des Spieles gab. Es war einfach nicht notwendig.

Plötzlich, ohne die geringste Vorwarnung, stürzte sich der schwarzhaarige Sucher in die Tiefe, um dann sofort wieder umzuschwenken und parallel zum Himmel und zur Erde zu fliegen. Im Zickzackkurs wich er Spielern und Klatschern mühelos aus. Nach kaum einem Bruchteil einer Sekunde hatte Mosnay sich an den Schweif geheftet und versuchte mühsam Weg gut zu machen. Das Können von James, welches Remus heute zum ersten Mal sah, machte es Mosnay nicht einfach. Fast sämtliche Blicke folgten dieser Jagd. Selbst die anderen Spieler wirkten seltsam passiv. Remus war sich sogar sicher, dass selbst Sirius etwas überrascht war über diese sicheren und schnellen Flugmanöver, denn er hielt den Quaffel in den Händen und blieb einfach kurz in der Luft stehen.

Dicht um die Köpfe der Sucher flogen die Klatscher vorbei und trotzdem hielt James seinen Kurs bei. Es war so zweifelsfrei James, aber es schien, als ob ein würdiger Gegner ihn zu höchster Leistungsfähigkeit führte.

Die Fluglinie veränderte sich immer wieder und nun zischten die direkt auf die Tribüne von Remus und den anderen Gryffindors zu. Noch waren die Sucher im mittleren Teil des Feldes, aber sie kamen immer näher.

Mosnay flog noch etwas hinter James, als ein Klatscher ihre Flugbahn kreuzte und beide ausweichen mussten. Ein Aufstöhnen ging durch die Reihen. Alle waren wie gebannt und fieberten mit, denn der Schnatz war noch immer zu sehen und die rasante Jagd ging unverzüglich weiter.

Aber Remus mochte die Flugrichtung gar nicht. Die Geschwindigkeit war mörderisch und die Haltung der Sucher sagte ihm sehr deutlich, dass es weder Vorsicht, Rücksicht noch Erbarmen gab. Dieser Wettkampf war ein kleiner Krieg; nicht zwischen Gryffindor und Slytherin, sondern zwischen Mosnay und Potter.

So langsam, wie die erste Reihe auf der Tribüne nach hinten wich, so schnell kamen die beiden Flugtalente näher. Der Schnatz war nicht mehr weit und Mosnay flog etwas links unterhalb von James. Wenn der Schnatz nach links unten ausweichen würde, hätte Slytherin ganz sicher gewonnen.

Aber der Schnatz flog weiter. Weiter geradeaus. Direkt auf Remus und die anderen Schüler zu. Wenn dieser Golfball mit Flügeln nicht bald die Richtung wechselte…ganz bald…

aber auch 2 ½ Meter vor ihnen blieb der Schnatz auf Konfrontationskurs. Keine 3 Sekunden später krachte es. Schüler schrieen erschrocken auf. Lehrer sprangen von ihren Plätzen auf und Quidditchspieler hangen erstarrt in der Luft.

Die Schüler auf der Tribüne hatten nicht ausweichen können, sie waren gebannt von der Flugshow gewesen und so waren die beiden Sucher mit fast Höchstgeschwindigkeit in ihre Mitte gekracht.

Remus sah nur noch Umhänge und irgendwer lag auf ihm drauf. Es war still auf ihrer Tribüne geworden. Alle anderen Schüler auf den anderen Tribünen reckten ihre Köpfe, um zu sehen, was dort passiert war. Die Krankenschwester und einzelne Lehrer versuchten zur Unfallstelle zu kommen. Aber all das sahen die Schüler in den oberen Rangen nicht.

Langsam ordnete sich das Chaos und Remus schob Peter von sich runter. Esmare stand gerade von selbst auf. Ihre Haare waren etwas zerzaust und Remus zweifelte nicht daran, dass er genauso zerwühlt aussah.

Er rappelte sich auf und blickte sich um. Die meisten hockten noch auf dem Boden. Vermutlich saß der Schock noch etwas tief in ihren Knochen. Vor ihm an der Brüstung stand in rotgoldener Quidditchausrüstung James Potter.

Ein seltsames Lächeln lag in seiner Mimik. Er wandte sich Mosnay zu, der gerade den Umhang wieder zurechtrückte. Böse blickte er James an. „Was sollte denn der Scheiß? Bei Salazar, wie blöd bist Du eigentlich, Potter? Denkst wohl Du bist unsterblich, oder was?"

James antwortete nicht. Er streckte nur die rechte Hand aus. Mosnay runzelte die Stirn, dann öffnete der Gryffindor seine Faust und ein kleiner goldener Ball flog aus ihr hervor.

Ein greller Pfiff von Madam Hooch beendete das Spiel im völligen Durcheinander. „Potter hat den Schnatz gefangen. Gryffindor gewinnt."

Schnell hatte James seine Hand wieder um den Schnatz geschlossen und ging nun einen Schritt auf den wütenden und frustrierten Mosnay zu.

„Bitte schön, Mosnay!" Der Gryffindor legte den kleinen Schatz in die schmale Hand vom überraschten Mosnay. „Dir steht er genauso wenig zu wie mir!"

Im nächsten Moment half er Lily auf die Beine und lächelte sie entschuldigend an. Dann zwinkerte er Remus, Peter und Sirius, der keine 5 Meter weiter in der Luft auf seinem Besen saß, zu, nur um im nächsten Moment auf den Besen zu steigen und mit rasender Geschwindigkeit zu verschwinden.

Alle Schüler und Lehrer hatten nur langsam begriffen, was passiert war und damit wurde das Getöse der roten Fans lauter und begeisterter. Mosnay schnaubte wütend. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben. Schnell nahm er sich seinen Besen und flog zu seiner Mannschaft hinunter. Gemeinsam verließen sie das Quidditchfeld in völligem Frust.

Die Gryffindors feierten mit den Hufflepuffs und Ravenclaws ihren Sieg über Slytherin.

Ein geheimnisvolles Lächeln aus traurigen Augen kommentierte dieses Bild still. Ohne einen weiteren Blick zu der jubelnden Menge verschwand der schwarzhaarige Junge im Schlafsaal der Slytherins.

Für die Rumtreiber platzte die Bombe nur 20 Minuten später. Remus, Sirius und Peter betraten schwatzend und feiernd ihren Schlafssaal. Sie fanden dort einen magisch-gelähmten James in seinem Bett vor. Remus erlöste seinen Freund sofort und was sie danach erfuhren, warf nicht nur viele Fragen auf, sondern machte Remus sogar richtig Angst. Was ging hier vor?

oooooooooo

„JERICLE!!" hallte es laut durch die Flure und Gänge. Alle Schüler waren auf dem Weg in die Große Halle und blickten sich nun neugierig zu der harschen Stimme um. Alles was mit ‚Jericle' in Verbindung stand war hochinteressant, auch wenn im Moment das gestrige Quidditchspiel ein konkurrierendes Thema war. Das Gerücht, dass nicht James Potter für Gryffindor gespielt hatte, machte die Runde und hinterließ viele fragende Gesichter.

Harry seufzte. Es hörte sich nicht nach Sanuel an und selbst auf ihn hatte er keine große Lust. Harry brauchte nicht in den Gang zu blicken, um genau zu wissen, dass ein blonder Slytherin auf dem Weg zu ihm war. Der schwarze Umgang fegte hinter Draco her und ließ sein Erscheinungsbild noch etwas dramatischer ankommen.

Harry hatte bewusst auf eine Konfrontation am Samstag verzichtet, in der Hoffnung, dass Draco sich wenigstens einwenig beruhigt. Aber bei dem Missmut in der Stimme, konnte Harry sich auf einen großen Krach vorbereiten.

Er drehte sich um und blickte so neutral wie möglich zu Draco, der gerade die letzten Meter auf ihn zu schritt. Die blaugrauen Augen blitzten gefährlich und Harry überlegte kurz, ob diese Begegnung nicht doch noch bis Montag herauszuschieben war. Aber für diesen Gedanken war es zu spät. Harry straffe sich und versucht möglichst ruhig zu wirken. Er hatte schon so viele Streitereien mit dem waschechten Slytherin hinter sich, da würde dieser Streit auch nichts Neues sein.

„Jericle!" spie der Blonde aus und Harry hob fragend die Augenbraue.

„Ja, so werde ich seit einiger Zeit genannt."

„Du hast Dich versteckt", zischte Draco kalt und wütend. Er ging nicht im Geringsten auf Harrys Äußerung ein.

„Nein, habe ich nicht. Warum sollte ich?" Harrys Gelassenheit stachelte Dracos Wut nur noch weiter an. Die hellblauen Augen verdüsterten sich und die ganze Mimik zeigte Wut und Anspannung.

„Du WEISST genau warum!! DU hast gestern Quidditch gespielt. DU hast gestern für Gryffindor gespielt. DU hast Slytherin VERRATEN!"

Viele neugierige Schüler beäugten sie und bekamen bei der Anschuldigung große Augen. Auch Harrys Augen wurden etwas größer, dann lehnte er sich lässig an die steinerne Wand hinter ihm.

„Hm, Ja, vielleicht habe ich für Gryffindor gespielt…" Ein entsetztes Keuchen ging durch die Umstehenden, aber Harry blieb ruhig. „…vielleicht aber auch nicht. Wie hätte ich es denn machen sollen? Und warum?"

„Du hättest es hinbekommen. Ein Grund ist doch ganz offensichtlich: Du wolltest Dich an mir rächen!!"

„Oh Dorian, ich danke Dir für das große Vertrauen in meine Fähigkeiten, aber glaub mit, Rache ist ein zu schwaches Motiv. Wie hätte ich denn an einen Besen kommen sollen? Wie hätte ich an die Gryffindor-Quidditch-Uniform kommen können? Und warum hätte ich das tun sollen? Aus Rache? Das ich nicht lache… So wichtig bist Du nicht!"

„Du hast mir gesagt…!"

„Was soll ich gesagt haben?" fragte Harry voller Neugier und Häme.

Dracos Blick hatte sich verdüstert, als er begriff, dass Harry sich auf diese Begegnung vorbereitet hatte. Ohne Beweise konnte er ihm nichts nachweisen und es gab keine Beweise. „Ich weiß, dass Du es warst und ich werde es beweisen", zischte Draco.

„Es gibt nichts zu beweisen. Du bist doch nur sauer, weil Du gegen einen Potter nicht gewinnen kannst."

„Ach kann ich das nicht? Es war nicht James Potter, gegen den ich geflogen bin!"

„Ist das offiziell? Ich habe bisher nur leise Gerüchte gehört und wer weiß?! Vielleicht haben ja Du oder Deine Freunde diese Geschichte in die Welt gesetzt, damit das Spiel für ungültig erklärt wird. Würde natürlich zu Dir als Slytherin gut passen", überlegte Harry laut, mit einer gewissen Note von Sarkasmus in der Stimme.

Kalte Blicke lagen zwischen ihnen und keiner zeigte seine wahre Natur. Die umstehenden Schüler starrten sie an und fast jeder erwartete eine Explosion. Die Art und Weise war dann aber doch etwas überraschend.

„Jericle! Mosnay!" beide Jungen schraken zusammen. Die Stimme war unverkennbar McGonagall. Harry verdrehte die Augen. „Gibt es ein Problem, meine Herren?"

Harry seufzte, während Draco eine Unschuldsmine trug.

„Natürlich nicht, Professor. Wie kommen sie auf solche Ideen?" Den Sarkasmus konnte Harry nicht aus der Stimme verbannen. McGonagalls Lippen waren nur noch ein schmaler Strich und eigentlich sollte Harry vorsichtiger sein, aber im Moment ritt ihn der Teufel.

Ein Glitzern lag in seinen Augen als er weiter sprach. Draco hatte nur arrogant den Kopf geschüttelt und wollte sich abwenden, als Harry weiter sprach.

„Mosnay beschuldigt mich eines Verbrechens und kann es aber nicht beweisen. Was soll ich Ihrer Meinung nach denn tun, Professor?"

Draco riss die Augen auf. Nur weil McGonagall einen Narren an Harry gefressen hatte, hatte sie trotzdem noch einen gewissen Gerechtigkeitssinn. Ihr Blick verdüsterte sich und visierte nun Draco. Wütend schnaubte der Slytherin und setzte eine kalte unnahbare Maske auf.

„Mr. Mosnay, welchem Verbrechen beschuldigen Sie Mr. Jericle?" Draco wollte abwinken, aber Harry antwortete: „Dorian beschuldigt mich des Verrates am Hause Slytherin. Er denkt, dass ich gestern für Gryffindor Quidditch gespielt habe."

Harry konnte genau sehen, wie Dracos Gesichtszüge sich verhärteten um den überraschten Ausdruck zu verbergen, aber auch McGonagall schien sehr überrascht zu sein. Ihre Augen waren groß geworden und ihre Lippen noch schmaler.

„Bitte?!"

„Dorian denkt, dass ich gestern in den für andere Häuser verschlossenen Gryffindorumkleideraum eingedrungen bin, dort den Besen und den Quidditchumhang, welche nur durch persönliche Identifizierung der Familie Potter freigegeben werden, genommen habe und an Stelle von James Potter das Turnier gegen Slytherin gewonnen habe. Sagen Sie ihm doch vielleicht, dass dies völlig unmöglich ist und das Potter selbst geflogen ist."

Seit Tagen oder gar seid Wochen waren Harrys Nerven gespannt und mittlerweile konnte er sich nicht mehr zurückhalten, wenn er die Chance bekam Draco etwas hineinzuwürgen.

„Mr. Mosnay, wie kommen Sie zu solch einer Auffassung?"

Draco blickte mit kalten Augen zu Harry. „Ich weiß wie Jericle fliegt!" Mehr Argumente konnte er nicht bringen, denn er wusste nicht, wie er sie erklären sollte.

„Sie glauben doch nicht, dass diese Aussage eine solch schwere Anschuldigung rechtfertigt. Zumal ich Ihnen nur sagen kann, dass Mr. Potter sich nicht bei mir gemeldet hat. Und sie können sicher sein, dass er dieses garantiert tun würde, wenn er vom Quidditchspiel abgehalten worden wäre. Strafarbeit, Mr. Mosnay, für ungerechtfertigte Anschuldigungen und Entwicklung rufschädigender Gerüchte. Heute Abend, 20 Uhr, in meinem Büro."

Draco starrte erst McGonagall nach, dann blickte er zu Harry, der ihn frech angrinste. „Leg Dich nicht mit mir an!" mit diesen Worten wandte Harry sich ab und setzte seinen Weg in die Große Halle fort.

„Das wirst Du mir büßen", hörte er noch Draco leise zischen.

In der großen Halle saßen schon Lin und Sanuel. Harry setzte sich zu ihnen und beide freuten sich darüber, denn selbst gestern noch, war es keine wirkliche Selbstverständlichkeit gewesen. Aber Harry war einfach mit seiner Aktion vor fünf Minuten zufrieden und konnte nicht länger seine Freunde komplett meiden.

Auf dem Weg zurück in die Slytherinräume fragte Lin allerdings: „Was machen wir am nächsten Samstag?"

Harry sah sie fragend und etwas missmutig an.

„Hogsmeadwochenende. ENDLICH wieder shoppen", rief Sanuel grinsend.

Harry hatte endlich etwas gefunden, was Sanuel und Hermione grundlegend unterschied, denn wenn es nicht um Bücher ging, dann war auch für eine Hermione Granger das Einkaufen nichts Aufregendes. Aber dieser Gedanke half ihm nicht aus der Klemme und besserte seine Laune nicht im Geringsten auf.

„Ich werde wohl nicht mit…" auch diesmal kam Harry nicht weiter.

„Du musst! Alle aus dem 5,6 und 7 Jahrgang Slytherins gehen. Es würde merkwürdig sein, wenn Du nicht dabei bist. Es würde auffallen", sagte Sanuel sachlich und Lin fügte hinzu: „Du musst Dir etwas einfallen lassen."

Du musst dir etwas einfallen lassen!

Lin hatte gut reden. Gerade sie hatte es ihm doch auf die Nase gebunden, dass die Unterschriften magisch überprüft werden würde. Wie sollte er bitte Lily, James oder Sirius zu einer solchen Unterschrift bekommen?! Freiwillig? Ohne es erklären zu müssen?

oooooooooo

Auch ein paar Tage später hatte sich die Lage zwischen Harry und den anderen nicht ganz beruhigt. Harry schwieg wenn möglich und hielt es überraschend lange durch. Er redete wenn nur über Schule, Unterricht und Hausaufgaben. Sanuel merkte wie die Situation den Jungen kaputt machte, aber Harry ließ den anderen Slytherin nicht mehr an sich heran.

Oft war Harry weg, meistens nachts, aber Lin hatte zufällig gesehen, wie er zum Nordturm schlich. Vermutlich war er dort nicht immer, aber oft genug.

„Rem... Lupin!!" rief Sanuel laut über die schneebedeckte Wiese von Hogwarts. Remus dreht sich zu ihm um. Er war mit seinen Freunden gerade auf dem Weg zurück ins Schloss.

„Ähm … ja?!" Remus schien etwas verwirrt zu sein, denn er hatte nie damit gerechnet von Sanuel angesprochen zu werden. Schon gar nicht vor seinen Freunden, denn bis auf das kurze Gespräch bei der ‚Krisensitzung' hatten die beiden Jungen noch gar nichts miteinander zu tun gehabt.

„Verschwinde Quilg!" zischte Sirius.

„Remus will nicht mit Dir reden!" fügte James mit rotgefrorener Nase hinzu. Es war saukalt und nur wenige Schüler hielten sich freiwillig draußen auf. Trotz Magie war es nicht immer angenehm im kalten Wind zu stehen und nasse Füße zu bekommen. Selbst für Schneeballschlachten war es einfach zu kalt.

Aber Sanuel ließ sich von der unfreundlichen Art der Rumtreiber nicht abschrecken. „Es ist mir egal, was ihr wollt. Ich muss kurz mit Lupin sprechen. Es ist … eine Vertrauensschülersache", grinste Sanuel siegesgewiss.

James' und Sirius' Minen verfinsterten sich, von Peter war unter dem dicken Schal gar nichts zu sehen. Es war offensichtlich, dass der Slytherin log, aber er war Vertrauensschüler und er hatte ein Recht darauf mit einem anderen Vertrauensschüler alleine zu sprechen. Remus sah noch immer etwas irritiert aus, gab seinen Freunden aber einen Wink und diese stapften dann missmutig zum Schloss hinüber.

Remus blickte Sanuel fragend an. „Was kann ich für Dich tun?"

„Ich mache mir Sorgen um Adrian", sagte Sanuel schlicht und ernst.

„Und?" Remus fand es schon erstaunlich, dass ein Slytherin Gefühle offenbarte. Sanuel schickte ihm für diesen Gedanken einen bösen Blick.

„Ich will Adrian helfen, aber dafür weiß ich zu wenig über ihn. Er erzählt nichts."

Remus senkte seinen Kopf und schob sein Kinn etwas in den warmen Schal. „Ich weiß nicht, wie ich Dir helfen soll bzw. kann. Ich kenne ihn doch noch viel weniger als Du."

Sanuel schien über diese Aussage nicht entmutigter zu sein, aber schob seine Hände tief in die Manteltaschen. „Was ist Ende November wirklich passiert?"

„Oh…" Remus wirkte bedrückt. Es überraschte ihn etwas, dass Sanuel anscheinend noch immer nichts von dem Abenteuer wusste. Er vertraute Sanuel und Lin, denn sie sorgten sich wirklich um den Schwarzhaarigen, der manchmal so verloren wirkte und so vertraut roch. Daher überlegte Remus nicht lange, sondern erzählte die Geschichte. „Da gibt es nicht viel zu erzählen. Lily hat mich zu einem nächtlichen Rundgang überredet und wir sind dabei über Adrian gestolpert, als er in einem Geheimgang verschwand. Frag mich bloß nicht, woher er ihn kennt. Jedenfalls führt dieser Gang nach Hogsmead und Lily wollte ihm unbedingt folgen, also sind wir durch das Bild von Salmia Gregoriageklettert und ebenfalls nach Hogsmead gelaufen. Dort sind wir Adrian weiter gefolgt und er ist disappariert."

Sanuel starrte Remus an und dieser erzählte weiter. „Ich wollte zurück, aber ich konnte Lily nicht allein in Hogsmead lassen, also warteten wir. Etwa drei Stunden später erschien Adrian wieder und wir stellten ihn zur Rede. Er blockte total ab. Ganz offensichtlich war er total erschöpft. Dann begegneten wir drei finsteren Kerlen und bevor es zu einem Kampf kommen konnte, disapparierte Adrian mit Lily und mir ein paar Straßen weiter. Von dort liefen wir zurück nach Hogwarts. Den Rest kennst Du." Remus beendete seinen Bericht mit einem Achselzucken, welches unter dem dicken Mantel kaum zu sehen war.

Einen Moment schwieg Sanuel. Diese Ereignisse hatten ihn nur wenig überrascht, aber was hatte ‚Adrian' bloß in den drei Stunden seiner Abwesendheit getan? Bestimmt nicht nur das Muggelkinderheim umgestaltet?!

„Was waren das für Gegenstände, die Du Adrian gegeben hast?"

Remus war etwas überrascht, dass Sanuel davon wusste. Er hatte nicht bemerkt, dass sie beobachtet wurden, als Remus endlich Harry die komischen Sachen zurückgegeben hatte. Remus hatte Harry in der Bibliothek abgefangen und ihm schnell die Dinge gegeben. Offensichtlich war er nicht unauffällig genug gewesen. „Sie gehörten ihm. Ich hatte sie ihm nur abgenommen, als er vom apparieren so geschwächt war und fast zusammenbrach. Das eine war ein langer goldener Stab mit einer schwarzen Rabenfeder dran und das andere eine vergoldete Prinzessinnenkrone für Kinder. Keine Ahnung welcher Sinn dahinter steckt."

Remus konnte Sanuel nicht helfen, so leid es ihm tat.

Diesmal schwiegen die Jungen ein wenig länger, dann seufzte Sanuel.

„Was ist an dem Gerücht dran, dass Adrian für Gryffindor im letzten Quidditchmatch gespielt hat?"

Remus sah den Slytherin mit großen Augen an. Er kannte dieses Gerücht, welches sich hartnäckig hielt und fragte sich nicht zum ersten Mal, was da dran war. Remus biss sich auf die Unterlippe und scharrte unruhig mit dem Fuß im Schnee. Was sollte er Sanuel erzählen? Niemand außer den vier Rumtreibern wusste die Wahrheit. Sie hatten beschlossen zu schweigen, denn sie hatten ja wenigstens gewonnen und die Gefahr war einfach zu groß, dass Slytherin nachträglich als Sieger benannt werden würde. James hatte außerdem die Hoffnung herauszufinden, wer die Möglichkeit gehabt hatte an seine Sachen heranzukommen. Bis jetzt waren sie zwar an keine Erkenntnis gekommen, aber so schnell gaben sie nicht die Hoffnung auf. Irgendwie hatte Remus das Gefühl, dass es etwas mit dem geheimnisvollen Besucher vom September zu tun hatte. Aber was hatte ‚Adrian' damit zu tun? Warum sollte er in den Gryffindor-Schlafsaal eindringen? Und nun dieses Gerücht. War es wirklich ‚Adrian' gewesen? Aber warum? Es ergab einfach keinen Sinn.

Sanuel riss Remus aus den Gedanken. „Bitte, ich muss es wissen, Remus! Hat James Potter gespielt oder nicht?"

Remus seufzte und schloss die Augen, dann schüttelte er leicht den Kopf.

Sanuels Augen wurden erst groß dann schmal. Was spielte sich hier ab?

Sanuel nickte verstehend und wandte sich ab. Er hatte jetzt genug zum nachdenken erhalten.

„Sanuel!" der Slytherin blieb stehen und drehte sich noch einmal zu Remus um. „Wieso glaubst Du, dass Adrian gespielt hat? Warum sollte er das tun? Er ist ein Slytherin. Er würde sein Haus verraten."

„Er würde vermutlich alles für Euch tun und James Potter hätte gegen Mosnay verloren. Vielleicht war das der Grund. Aber wirklich wissen tue ich es nicht. Wie gesagt, Adrian spricht nicht darüber. Naja… im Moment spricht er ja ohnehin sehr wenig."

Jetzt zuckte Sanuel die Schultern und wirkte sehr nachdenklich.

„Behalt es bitte für Dich. James und Sirius würden mir den Kopf abreißen, wenn sie erfahren würden, dass ich es Dir erzählt habe", sagte Remus leise.

Sanuel lächelte leicht: „Keine Sorge, Remus. Ich werde schon den Mund halten. Es gibt ja auch keine Beweise und kaum einer der Zuschauer würde glauben, dass nicht Potter gespielt hat. Es gäbe gar keine Chance mehr, das Ergebnis zu beeinflussen und ich fürchte Adrian hätte dann sogar noch Möglichkeiten, mich an der Aussage zu hindern. Also bleib ganz ruhig."

Bei der Aussage grinste auch Remus. „Okay. Schade, dass ich Dir nicht weiter helfen kann, aber wenn etwas Wichtiges passiert, dann erzähl es mir bitte. Ich mag ihn und will nicht, dass er in Gefahr gerät."

Sanuel lachte hohl auf. „Sorry, Remus, aber darüber habe ich keinen Einfluss und ich fürchte Adrian weiß genau, in welcher gefährlichen Zeit er sich bewegt. Er ist sich der Gefahr sehr bewusst."

Die beiden Jungen nickten sich noch einmal kurz zu und gingen dann schweigend zum Schloss zurück, froh, dass sie sich bald in ihren warmen Gemeinschaftsräumen aufwärmen können.

oooooooooo

Es war Mittwochmorgen und Harry hatte noch zwei Tage um an eine Unterschrift zu kommen. Eine Idee hatte er noch immer nicht. Natürlich könnte er James mit dem Imperiozauber zwingen, aber das ging Harry dann doch zu weit. Es war nicht zu Unrecht ein Unverzeihlicher Zauberspruch.

Sie standen gerade vor der Tür des Verteidigungsklassenzimmers. Es war die erste Stunde an diesem Morgen und Harry hatte jetzt schon keinen Nerv mehr übrig.

Lily und Sal gesellten sich zu ihm, schwiegen aber. Sie wussten, dass ‚Adrian' nicht reden wollte.

„Hast Du die Hausaufgabe von Verwandlung verstanden?" fragte Sal dann doch. Lily seufzte und Harry grollte leise.

„Ich habe sie mir noch nicht angeguckt."

„Aber Morgen haben wir Verwandlung und heute Abend Astronomie. Wann willst Du sie machen?"

„Das ist ja wohl mein Problem, Sal. Zurzeit mache ich mir um etwas anderes viel mehr Sorgen, als um bescheuerte Hausaufgaben!" zischte Harry und verschwand durch die von Milerudis geöffneter Tür.

„Adrian!" rief Sal entrüstet aus und folgte ihm.

Wenn der Tag so schon begann, wie sollte er dann noch werden? Besonders wenn heute noch Kräuterkunde mit Lily und Esmare auf ihn warteten?!

Genervt ließ Harry sich auf seinen Platz fallen. Den prüfenden Blick von Milerudis nicht bemerkend.

„Finden Sie sich in dreier Gruppen zusammen!", kam der Befehl von vorne und alle erhoben sich wieder. Die Schüler blickten sich fragend nach Grüppchen um. Harry ließ seinen Kopf kurz auf die Tischplatte sinken und seufzte schwer.

„POTTER", Milerudis' Stimme peitschte durch den Raum und Harry riss seinen Kopf erschrocken nach oben. Ein ungesundes Knacken kam von dem Widerstand hinter ihm, dann ein unterdrückter Schmerzenslaut.

Harry rieb sich den Hinterkopf und blickte über die Schulter. James stand dort und hielt sich die blutende Nase.

„Du Scheißkerl hast mir die Nase gebrochen…", fluchte der Gryffindor undeutlich. Harry starrte ihn nur an.

„Ihre eigene Schuld, Potter. Verschwinden sie in den Krankenflügel und 20 Punkte Abzug!", bellte Milerudis und der Gryffindor verließ fluchend den Raum. Kleine Bluttropfen fielen auf den Boden und hinterließen eine schmale Spur. James konnte nur hoffen, dass er nicht Filch über den Weg lief, sonst hätte er auch noch eine Strafarbeit wegen mutwilliger Verunreinigung des Schlosses am Hals.

„Was ist passiert?", fragte Harry schließlich irritiert in die Runde.

„Du hast James die Nase gebrochen", sagte Lily. Der Schreck war ihr anzusehen.

„Das habe ich gemerkt", gab Harry patzig zurück. „Aber warum stand er so dicht hinter mir und hat sich über mich gebeugt?"

„Potter wollte Dir etwas in den Kragen gießen, als Professor Milerudis ihn erwischte", sagte Narcissa zur Überraschung vieler.

„Schade, dass es nicht geklappt hat!" fügte Draco mit schmieriger Stimme hinzu.

„Dreier Gruppen!", herrschte Milerudis die Schüler an. Sie hatte sich kurz eine Notiz gemacht und dann einen Moment gewartet. Nur langsam fanden sich dreier Gruppen und Harry stand bei Sal und Lily bzw. die beiden Mädchen hatten sich zu seinem Platz gestellt. Milerudis blickte sich um und schüttelte den Kopf. „Sie sollen ihre Fähigkeiten erweitern und kein Kaffeeklatsch halten."

Nach diesen Worten sortierte sie die Gruppe eigenständig. Harry grinste, als ein Hufflepuff der einzige Junge in einer Mädchengruppe wurde. Peter wäre es auch nicht anders gegangen, wenn er es in den UTZ-Kurs geschafft hätte. Aber Harry verging das Grinsen schnell. Er landete bei Lucius und Sirius. Beide Jungen waren fabelhafte Duellanten, konnten sich aber auf den Tot nicht ausstehen.

Das Duell, welches sie möglichst nur mit nonverbalen Zaubern bestreiten sollten, war ein Witz. Keiner der drei Jungen arbeitete mit einem anderen zusammen und so kämpfte jeder auf zwei Fronten. Es übte ungemein, aber es wurde langweilig. Harry war mit seinen Gedanken mal wieder bei der Unterschrift, als ein Feuerfluch ihn am Arm streifte. Er hatte die Nase voll und drängte Lucius und dann Sirius energisch zurück, entwaffnete beide und ließ sich wieder auf seinen Platz fallen, nachdem er ihnen noch „Es macht mit Euch keinen Spaß!" vorgeworfen hatte.

Betrübt grübelte er weiter und versucht nicht an Ron und Hermione zu denken. Mit seinen zwei Freunden hatte er oft solche Duelle trainiert, denn welcher Todesser war bereit für ein gerechtes Mann-zu-Mann-Duell?! Die Unterschrift fiel ihm wieder ein, als Milerudis neben ihm auftauchte.

„Mr. Jericle, ist bei Ihnen alles in Ordnung?" So weich hatte sich ihre Stimme noch nie angehört.

Harry nickte nur: „Ja, Professor."

„Malfoy, Black, machen Sie alleine weiter!", herrschte sie die Jungen an, die beide eine Strafe für Harry erwartet hatten. Eigentlich erstaunlich, dass sie sich nicht einmal gegen einen gemeinsamen Feind zusammen tun konnten. Milerudis ging durch die Klasse und zeigte neue Flüche oder verbesserte die Ausführung.

Nach der Hälfte der Doppelstunde erschien James wieder.

„Potter, gehen sie zu Mr. Black und Mr. Malfoy, aber ihr Partner wird nicht Black sein, verstanden?"

James nickte mürrisch.

Alle duellierten sich, nur Harry saß Abseits des Geschehens und grübelte.

„Ihre Fähigkeiten sind bemerkenswert, aber ich kann auch Ihnen solch ein Benehmen nicht durchgehen lassen, wenn Sie mir keinen vernünftigen Grund nennen!"

Harry blickte zu seiner Lehrerin empor. Er mochte sie und er schätze sie, aber vertrauen konnte er ihr nicht. Er durfte es nicht.

„Ich habe … einige Sorgen, aber es ist nichts wobei Sie mir helfen könnten", murmelte Harry entschuldigend. Milerudis schien nicht zufrieden zu sein, aber nickte schließlich.

„Wenn Sie nicht die Fähigkeiten der anderen übertreffen würden, ohne Ihr volles Potenzial zu zeigen, dann würde ich Ihnen eine Strafarbeit aufgeben. 10 Punkte Abzug, Mr. Jericle."

Milerudis wandte sich ab, um zu Draco, Remus und Cameron zu gehen. Draco schien gerade wahnsinnige Begeisterung für Schrumpfflüche entwickelt zu haben und Cameron war das Opfer. Anscheinend konnte Remus sich gut genug verteidigen oder Draco hatte vor seinem ehemaligen Professor einen zu großen Respekt. Harry wusste nicht, welches der Grund war, dass Draco sich an den anderen Slytherin heranwagte und es interessierte ihn im Moment auch nicht.

Der Gryffindor schickte Harry ein genervtes Augenrollen und Harry lächelte schmal. Warum könnte er nicht Remus zum Paten haben? Harry seufzte schwer. Remus hätte er ansprechen und irgendwie überreden können. Aber es änderte nichts an der Sache, dass er noch immer eine Unterschrift brauchte.

Irgendwann war die Stunde dann doch vorbei und Harry lief mit den anderen Schülern zum Zauberkunstunterricht nach UTZ Standards. Es sollte eine ruhige Stunde werde, da keiner sich in die Nähe von Harry traute und die leisen spöttischen oder beleidigenden Bemerkungen von Cameron und Draco überhörte er einfach.

Harry fragte sich, wie Draco an die Unterschrift gekommen war. Gut, er hatte einen besseren Kontakt zu seinen Eltern und Paten, aber wie konnte er dieses wichtige Wissen behalten und alles andere so erfolgreich verdrängt haben? Es blieb Harry ein Rätsel. Aber er kannte Dracos Leben dafür einfach zu wenig.

Die folgende Freistunde nutzte Harry für die Hausaufgaben in Zaubertränke und als er dann in die Große Halle gehen wollte, lief Sirius ihm über den Weg. Ganz allein. Ganz unschuldig und unbewaffnet.

„Oh, der schmierige Slytherin… ganz allein!"

Es dauerte nur einen Bruchteil einer Sekunde, in der Harry sich entschied. Nur Sirius. Ohne Freunde. Und ohne Zauberstab in der Hand.

„Oh, der flohbesetzte Köter ohne Herrchen!"

Sirius blieb abrupt stehen und starrte Harry entsetzt an. Vermutlich wallte Panik in ihm auf, denn der schwarzhaarige Gryffindor wurde merklich blass. Harry nutzte seine Chance.

Mit einem schnellen Handgriff zog er das Pergament aus seiner Tasche und hielt es Sirius vor die Nase. „Unterschreib!"

„Was?" Sirius blickte den Slytherin total irritiert an. „Warum sollte ich das machen?"

„Vielleicht weil ich sonst über meine Abneigung zu großen bärenartigen Hunden reden könnte?!"

Sirius Augen verengten sich und seine Hand wanderte zum Zauberstab. „Ich lasse mich nicht erpressen!"

Im nächsten Moment zielte ein Zauberstab auf seine Stirn. Harry war schneller als Sirius gewesen. „Unterschreib einfach! Es wird keine Konsequenzen für Dich haben, Sirius!"

So sehr Sirius diesen Jungen verabscheute, so beeindruckt war er von der Stärke und Macht. Er wusste, er würde aus dieser Situation nicht herauskommen. Harry hatte sie in eine kleine Nische geschoben und die anderen Schüler liefen munter plappernd an ihnen vorbei. Niemand würde Sirius hier helfen können. Er musste dieses Pergament unterschreiben, denn dem Slytherin war offensichtlich jedes Mittel recht.

Sirius griff mit unsicherer Hand nach einer Feder und wollte schon ansetzten, als Harry noch was sagte. „Unterschreib mit S. Negrito!"

Sirius runzelte die Stirn und wollte etwas sagen, aber der Zauberstab drückte jetzt ein wenig doller gegen seine Schläfe. Der Blick aus blauen Augen sagte ihm deutlich, dass seine Fragen nicht beantwortet werden würden. Sirius wusste, dass seine Chance ein jetziges Duell zu gewinnen sehr gering war, denn ‚Jericle' war ein sehr guter Kämpfer und hinzu noch gerissen und gebildet. Mit etwas zittriger Hand machte Sirius das, was er sollte.

Harry nahm das Pergament, blickte drauf und steckte es vorsichtig in seine Tasche.

„Danke Sirius! Und keine Angst ich werde Schweigen…"

Mit einem ehrlichen und erleichterten Lächeln verschwand Harry in der Schülermasse mit dem Wissen, einen weiteren Schüler auf seine Ferse gesetzt zu haben.

oooooooooo

Selbstsicher ging Harry auf Slughorn zu und übergab mit einem siegessicheren Lächeln an Dumbledore sein Pergament. Ohne sich weiter umzusehen ging er zu Lin und Sanuel - das Mittagessen wartete.

Lins Blick war fragend und es dauerte nicht lange, bis eine Frage kam. „Wie bist Du so plötzlich an die Unterschrift gekommen, wo Du doch gar keine Post erhalten hast."

„Er hat seit dem Sommer keine Post erhalten, warum wunderst Du Dich jetzt darüber?" fragte Sanuel etwas überrascht, aber blickte Harry auch sehr neugierig an.

„Ich habe andere Mittel und Wege um mit meiner Familie zu kommunizieren!", war die einzige holprige Reaktion, die von Harry kam. Für Lin und Sanuel war dies nur ein neues Puzzelteil des großen Geheimnisses.

oooooooooo


TBC

Finden Sanuel und Lin genug Puzzle-Stücke um hinter das Geheimnis von Harry zu kommen? Und eigentlich lügt Harry ja nicht einmal, als er sagt, dass er anders mit seiner Familie kommuniziert, aber war es wirklich notwendig?