Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Autor: Momixis

Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"

Kapitel: 1/7

Teil: 6/9

Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)

Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….

Inhalt: Harry und Draco sind durch die Zeit gereist und nun haben sie die Chance etwas zu verändern. Harry will diese Möglichkeit nutzen ohne die Menschen, die ihm wichtig sind in Gefahr zu bringen. Wird er es schaffen? Wird er alleine den Weg gehen können? Welche Rolle wird Draco zu Teil? Und halten die Rumtreiber und die anderen Schüler von Harry? Was denkt Dumbledore?

MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!


hm... habe ich Euch verschreckt, oder zu sehr enttäuscht? Wenn es der Fall ist, dann müsst ihr mir das sagen... ich habe mich gewundert, dass niemand mir mein 100. Review schreiben wollte (dann kam ja die gute zissy!), aber vermutlich passt Euch mein Tempo nicht... naja, ein neues Jahr beginnt nun für Harry und Draco und ganz bald, werden die Karten neu gemischt... und Draco wird sich nicht wieder rausziehen...

Liebe Zissy !! Ich knuddel dich ganz doll und hoffe, dass deine roten Tage endlich vorbei sind. Ich habe in der Hinsicht eigentlich viel Glück. Auch kann ich nachvollziehen, dass man bei Sims2 die Zeit vergisst... ich habe mit Sims2 bisher zwei kleine Filchen (HPDM) gedreht, wenn es dich interessieren sollte, dann schau mal bei Youtube.de unter Momixis nach: de./user/Momixis ... Ansonsten wünsche ich dir eine schöne Woche und viel Spaß beim neuen Kap und noch mal großen Dank für mein 100.Review... Deine Momixis


Teil VI

Problematisches Jahr

Kapitel 1

Unrühmlicher Jahresanfang

Harrys Verhalten veränderte sich auch an den folgenden Tagen im Krankenflügel nicht. Draco, Sirius und Severus wurden schließlich an Neujahr aus dem Krankenflügel entlassen. Selbst ihre Bronchien hatten sich schließlich wieder komplett regeneriert und alle Spuren des weihnachtlichen Abenteuers waren geheilt. Nur die Erinnerungen blieben und keiner der Jungen konnte sich wirklich der verändernden Wirkung entziehen.

Harry wurde noch nicht entlassen. Seine Verletzungen waren viel gravierender, aber Harry argumentierte auch nicht. Er brauchten noch viel medizinische Pflege und Fürsorge, die Harry schweigend über sich ergehen ließ. Er nahm, was Madam Pomfrey ihm gab und fragte nicht nach. Es war alles andere als ein typisches Verhalten für den doch sehr Krankenflügel erprobten Jungen.

Madam Pomfrey hatte Harrys Verhalten mit der gleichen Befürchtung und Sorge, die auch Draco ins Gesicht geschrieben war, beobachtet. Draco versuchte es zwar zu verbergen, aber Harrys Verhalten war so untypisch, dass es einem nur Angst machen konnte. Er wusste nicht, ob dieses Verhalten nur von kurzer Dauer war oder vielleicht nur auf seine Anwesendheit beschränkt war.

Als der Unterricht am Montag den 11. Januar wieder begann und alle Schüler aus ihren Weihnachtsferien zurück waren, wurde auch Harry zähneknirschend aus dem Krankenflügel entlassen. Alle hofften, dass Harrys extrem passives und desinteressiertes Verhalten, was die ganze Zeit ununterbrochen angedauert hatte, im täglichen Schulalltag wieder verfliegen würde. Aber fast eine Woche Unterricht hinterließ keine erhoffte Veränderung.

Lin und Sanuel begleiteten Harry so gut sie es konnten durch den Alltag, aber was mit ihrem Freund in ihrer Abwesendheit passierte, konnten sie nicht verstehen. Natürlich waren auch Lily, Esmare, Sal und Mick immer an Harrys Seite, aber es half nichts. Harry war noch immer total desinteressiert und motivationslos. Er machte seine Hausaufgaben und kannte die Antworten auf die meisten Fragen der Lehrer ohne lange nachzudenken. Das wahre Wissen und Können von Harry Potter trat nun immer deutlicher zu Tage und nicht nur die Lehrer staunten darüber.

Draco fühlte sich gar nicht wohl. Harry ignorierte ihn, wie er auch die anderen Schüler bestmöglich ignorierte als gäbe es sie nicht. Selbst seine engsten Freunde beachtete er nicht und sprach kaum mit ihnen.

Die nötige Aussprache mit Lucius, Severus und Narcissa hatte Draco bisher erfolgreich hinausgezögert und Harrys Verhalten machte es ihm nicht leichter mit den neuen Veränderungen zu recht zu kommen und den Weihnachten eingeschlagenen Weg auch weiterhin zu gehen. Er zerbrach sich den Kopf und wusste einfach nicht, wie er sich nun verhalten sollte. Am Freitag hatte Draco schließlich die Nase gestrichen voll. So konnte es nicht weitergehen! Er musste mit Harry sprechen, auch wenn dieser offensichtlich nicht wollte.

In einem wohlbedachten Moment schnappte Draco Harry am Arm und entführte ihn aus der ‚Bewachung' von Lily, Lin und Sanuel. In der nächsten Stunde hätten sie Muggelkunde gehabt, wo es um die (Muggel-)Geschichte Englands gegangen wäre, aber ihre eigene Geschichte war für Draco in diesem Moment viel wichtiger. Harry sah Draco etwas irritiert aus seinen blaugrünen Augen an, als sie schließlich allein in einem leeren Klassenzimmer standen. Draco musterte Harry und erkannte, dass Harry Potter noch immer nicht ganz erholt war. Viel zu dünn war der Körper und zu blass das Gesicht. In den Augen fehlte das Glitzern und in der Luft fehlte die Magie.

„Verdammt! Was ist mit Dir los?" fluchte Draco schließlich.

„Was sollte mit mir los sein?" Harry Stimme war total ruhig und Draco sah ihn schon fast verzweifelt an, aber Harrys Blick war wie üblich zu Boden gerichtet. Er schien total gelangweilt zu sein und Dracos Verhalten nur als nervig anzusehen. So wie alles um in herum nur nervig war. Er blockte so alles ab.

„Potter, warum benimmst Du Dich so komisch?" fragte Draco aufgebracht, aber um Ruhe bemüht. Er wollte endlich verstehen, was in Harrys Kopf vor sich ging, aber anscheinend wusste das der dunkelhaarige Junge selbst nicht, denn seine Augen waren blank.

„Gehst es Dir gut, Mosnay? Seit wann kannst Du Potter und mich nicht mehr auseinander halten? Vielleicht sollte ich Tante Jasmin benachrichtigen?" Harrys Stimme war so sanft und kraftlos, dass Draco allein dadurch schlecht wurde, aber die letzten Worte ließen ihn erstarren. Harry wirkte bei der Aussage so ernst und überzeugend.

Wie vom Blitz getroffen starrte er Harry an. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er ähnliche Bemerkungen Harry an den Kopf geworfen. Jetzt hatten sich die Rollen vertauscht und Draco fühlte sich total überfordert mit dieser Situation. Gerade als er etwas sagen wollte, um Harry wieder zurück zu holen, wurde die Tür geöffnet und Flitwick stand vor ihnen im Türrahmen. Hinter ihm waren einige jüngere Schüler zu sehen, die ehrfürchtig die zwei Slytherins anstarrten.

„Müssen die Herren nicht im Unterricht sein?" piepste der kleine Professor und blickte fragend zu ihnen hoch.

„Mosnay wollte mir nur etwas Unwichtiges mitteilen. Entschuldigen Sie Professor", sagte Harry ganz gryffindormäßig, aber mit einem leichten Unterton, der ihn deutlich als Slytherin auswies.

Harry verließ den Raum mit zügigen Schritten und machte sich zum Unterricht auf.

Draco konnte nicht. Bis zu diesem Augenblick hatte er gehofft, wenigstens ein ernstes Wort mit Harry zu reden und wieder eine gemeinsame Arbeits- und Kommunikationsebene zu finden. Er hatte schon in den vergangenen Tagen versucht sich zu entschuldigen, aber Harry hatte es nur abgeblockt und nun dies. Diese offene Erklärung, dass er sich nicht mehr als Harry Potter wahrnahm, erschütterte Draco zutiefst. Harry weigerte sich seinen Weg weiter zugehen und Draco wusste nicht, was er nun tun sollte.

Er zog sich in ein anderes leeres Klassenzimmer zurück. Er setzte sich auf die Fensterbank und starrte vor sich hin. Er konnte nicht glauben, was gerade geschehen war.

So verloren wie jetzt hatte er sich noch nie gefühlt. Auch nicht, als sie vor ihrem Tod im St. Mungo gelegen hatten. Damals war Severus an seiner Seite gewesen, danach war Gryzabel da und seine Familie. Jetzt war er allein. Niemand war hier mit dem er offen reden könnte. Niemand kannte seine wahre Geschichte und niemand durfte sie erfahren. Vielleicht wäre es möglich sich bei den Slytherins zu entschuldigen und sich wieder seinen Platz in Slytherin zu erkämpfen. Seine Lüge wieder aufzubauen und einfach weitermachen. Etwas anderes blieb ihm kaum übrig, denn die Alternative war einfach unmöglich. Er hatte keine Kraft für den Kampf gegen Voldemort. Nicht wenn er ihn allein kämpfen musste. Er würde es nicht schaffen. Er war nicht der Held dieser Geschichte. Er war nicht so stark wie Harry Potter…

„Ich kann nicht Deine Rolle übernehmen!" murmelte Draco niedergeschlagen. Ein lauter Gong ließ ihn zusammenschrecken. Eine alte Standuhr schlug die volle Stunde. Draco sah sie mit großen Augen an, als ob sie sein Todesurteil ankündigte…als ob sie ihn aus seinem Leben reißen wollte. Seinem alten Leben…

„Geb' nicht auf!" Wieder schrak Draco zusammen und blickte das Mädchen im Türrahmen mit großen Augen entsetzt an. Er hatte nicht bemerkt, dass jemand die Tür vom kleinen Klassenzimmer geöffnet hatte und in nun nachdenklich anstarrte. „Ich weiß nicht genau, was passiert ist, aber Adrian ist nicht mehr er selbst. Er hat sein Ziel verloren. Du wirst es ihm zurückgeben müssen."

„Was weißt Du denn schon?" schnappte Draco wütend. Er wollte sich bestimmt nicht vor einer dahergelaufenen Gryffindor seine Entscheidungen erklären.

Das Mädchen schüttelte den Kopf und trat nun näher. „Weißt Du Dorian, Du hast Recht. Ich weiß kaum etwas über Adrian oder Dich! Aber Lily hat ihr Herz für diesen Jungen geöffnet, obwohl es immer noch James Potter gehört. Lily vertraut ihm und Lily vertraut nicht jedem Menschen. Adrian hat vieles Verändert. Er hat nicht nur Lily verändert, sondern auch die anderen Gryffindors."

Draco starrte sie an: „Was interessiert mich Lily Evans?! Was interessieren mich die Gryffindors. Ihr habt keine Ahnung von meinem oder seinem Leben!"

Jetzt wich der freundliche Ausdruck auf ihrem Gesicht und Esmare starrte Draco kalt an. „Ja, ich habe keine Ahnung, was bei Euch los ist. Wir wissen nicht, welche Geheimnisse ihr hütet. Lily glaubt an Adrian und Adrian glaubt an die Gryffindors. Ihm sind die anderen Schüler und die anderen Häuser nicht egal. Du musst ihn wieder auf den richtigen Weg bringen. Zurück auf seinen Weg! Sonst hättet ihr bleiben sollen, wo Ihr ward."

Sie ging auf Dorian zu. „Wach auf Dorian, wenn Du jetzt wieder die Augen verschließt, wird das gesamte Chaos, der Streit und die Verletzungen sinnlos und unnötig gewesen sein. Jetzt ist es an Dir stark zu sein."

„Ich bin nicht er. Ich kann das nicht!" zischte Draco erbost und verletzt. Was wusste sie schon von seinem Leben? Was wusste sie schon, was diese Geheimnisse waren?

„Aber Du musst! Du bist es Adrian schuldig!" sagte das Mädchen aus Gryffindor und wandte sich wieder zur Tür. Bevor sie verschwand, drehte sie sich noch einmal um „Wenn Du unsere Hilfe brauchst, dann frag einfach. Für Adrian würden wir fast alles tun! Aber tue es bald, bevor es zu spät ist!"

Das waren ihre letzten Worte, ehe sie durch die Tür verschwand und einen unentschlossenen Slytherin zurück ließ. Dieser Zustand hielt auch noch eine ganz Weile an.

oooooooooo

Harry ignorierte jeden und ganz besonderes Draco. Jedes Gespräch wurde nun noch konsequenter abgeblockt, sobald es nicht mehr um Schulthemen ging. Niemand kam an Harry ran. Sogar Sanuel und Lin erhielten nur selten Antworten auf ihre Fragen und wenn, dann waren sie Einsilbig und kurz.

An Montagabend warfen Esmare, Sal und Mick Draco einen flehenden Blick zu. Er musste schnell eine Entscheidung treffen. Auch wenn Lily ihn nicht so besorgt wie ihre Freundinnen anstarrte, so wusste Draco sehr genau, dass auch sie sich große Sorgen machte. Es war einfach zu offensichtlich, dass Adrian nicht mehr der Alte war und der Neue war eindeutig nicht gesund.

Draco blickte zu Harry, der mit Lin und Sanuel gerade den Slytherintisch verließ. Harry hustete krampfhaft – ein deutliches Überbleibsel der Verletzungen – und strich sich dann die schwarzen Haare aus der Stirn, dabei legte er unbewusst die blitzförmige Narbe frei.

Eine Narbe, die in dieser Zeit keine Bedeutung hatte, aber für Draco hatte es etwas Mächtiges. Als Kind wollte er auch berühmt sein und eine Narbe wie Harry Potter haben. Eine blitzförmige Narbe auf der Stirn. Der Junge vor ihm war Harry Potter. Ein Held. Er war der Held, nicht Draco. Er hätte keine Chance. Wenn nicht Harry Potter, dann niemand. Nur er wusste, was zu tun war. Nur er.

„Nun mach es endlich!" zischte eine kalte Stimme neben ihr. „Seine Karten waren noch nie so mies!" erklärte Narcissa hochnäsig und verschwand dann mit energischen Schritten. Lucius hatte nicht mitbekommen, was seine Freundin gesagt hatte, aber selbst der sonst so kalte Slytherin schickte Harry den einen oder anderen irritierten Blick.

Draco verstand die Welt nicht mehr. Jeder schien sich um den Schwarzhaarigen Sorgen zu machen, aber jeder sah in Draco den Schlüssel zur Veränderung. Kurz schloss Draco die Augen, holte tief Luft und folgte dann Harry. Natürlich war er der Schlüssel, denn nur er kannte die Wahrheit. Er war derjenige, der Harry Potter auch wirklich kannte, wenigstens besser als die anderen hier.

So machte Draco sich halt auf die Suche nach Harry Potter. Er fand den schmalen Jungen schließlich im Gemeinschaftsraum der Slytherins. Ungewollt wanderte ein zynisches Grinsen in Dracos Gesicht. Es war schon komisch, den so wahren Gryffindor in der Schlangengrube zu sehen. Ohne nachzudenken setzte er sich zu Harry auf die Couch. Lin und Sanuel blickten Draco hoffnungsvoll an, der allerdings nur Augen für Harry hatte. Das schmale Gesicht war so blass wie eigentlich immer. Jedenfalls seit Weihnachten. Nichts schien Farbe in Harrys Wangen zu bringen, nicht einmal anzügliche Bemerkungen, denn er ignorierte einfach alles, was ihm unwichtig war.

Entsprechendes Problemkind war in ein dickes Buch über Verwandlungen aller Art vertieft, seine neuste Marotte um unangenehme Fragen vorzubeugen und McGonagall jederzeit die Stirn bieten zu können. Es brachte McGonagall regelmäßig auf die Palme und war ein Punkt, den die anderen Slytherins verehrten.

Plötzlich kam Draco ein Gedanke, der so unerwartet war, dass er nach Luft schnappte. „Was war, wenn sein Leben so besser war?" Harry hatte so die Möglichkeit mit seiner Familie zusammen zu sein, vielleicht nicht als Sohn, aber als Freund. Er hatte keine Aufgabe und konnte ganz er selbst sein. Er konnte lernen und einfach Schüler sein. Er musste nicht von Kampf zu Kampf hetzen und den Krieg bestreiten. Er könnte einfach nur Harry sein.

„Aber er ist nicht er selbst", sagte Lin im Sessel rechts von ihm mit trauriger Stimme. Draco hatte den letzten Gedanken laut ausgesprochen und Lin hatte geantwortet. „Egal was, tu es. Er wird sonst zu Grunde gehen!" damit stand sie auf und Sanuel folgte ihr hinaus.

Was hatte Lin damit gemeint? Harrys Gesicht zeigte keine Regung, keine Emotionen oder irgendwelche Gedanken. Er hatte die ganze Zeit nicht einmal von seinem Buch hoch gesehen.

Draco wartete einen Augenblick, aber Harry ignorierte seine Anwesendheit gekonnt. Draco beobachtete das Profil und war sich gar nicht sicher, ob das neben ihm wirklich Harry Potter war. Die Nase war nicht so grazil und schmal, das Kinn war dafür energischer und kantiger. Insgesamt war Harrys Gesicht zu schmal und die Augenringe zu dunkel. Er wirkte total erschöpft und doch total kalt und emotionslos. Das war nicht Harry Potter.

Harry Potter lebte seine Emotionen aus, er kannte seine Grenzen und übertrat sie immer wieder, um diesen Kampf zu gewinnen. Harry Potter kämpfte immer. Daher würde es den wahren Harry Potter kaputt machen, wenn der jetzige Harry nicht wieder verschwand. Und verdammt ‚JA' es war Dracos Aufgabe, denn nur er kannte den wahren Harry Potter. Wenn dies nicht reichte, dann war da noch immer der Auftrag von Severus Snape‚ auf Harry Potter bei diesem Abendteuer acht zu geben und Dracos öffentlicher Auftritt und Bekenntnis, dass er ‚Adrian' folgen würde. Er durfte jetzt nicht daran zweifeln.

oooooooooo

Dracos Gesicht wurde blank und ein energischer Blick trat in die blauen Augen. Er entnahm Harrys Händen einfach das Buch und legte es auf den Tisch.

„Was?" fragte der schwarzhaarige Junge gelangweilt, aber auch etwas überrascht. Seine Augen wanderten zu Dracos, aber schienen nur zu warten.

„Hol Deinen Mantel!" zischte Draco kalt und bestimmend.

Harry stand zur großen Überraschung aller seufzend auf und folgte der Anforderung. „Und nun?" fragte er genervt, als er mit Mantel und Schal vor Draco stand, der auch Winterfest angekleidet war. Man musste kein Experte sein um zu erkennen, dass Harry nicht die geringste Lust auf diese Begegnung hatte, aber ganz offensichtlich nicht einfach entkommen konnte.

„Wir werden reden!" sagte Draco.

„Dafür brauche ich keinen Mantel!" antwortete Harry altklug und trotzig. Draco ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, die ihn plötzlich erfüllte. War das die Ruhe vor dem Sturm? Die Ruhe, die einen Harry Potter erfüllte, bevor er sich mit dem Unnennbaren duellierte? Das Bild von Harry, als er plötzlich zwischen den Todessern aufgetaucht war, blitzte vor seinem geistigen Auge auf. Ein zu schmaler Junge, der alles auf eine Karte setzte um zu siegen.

Draco wusste nicht genau, ob es eine vergleichbare Ruhe war. Wenn es nach ihm ginge, müsste er es auch nicht herausfinden, aber Harry Potter würde wieder in den Kampf ziehen und Draco würde ihn begleiten. DAS war SEINE Aufgabe. Das war die Aufgabe, die Draco angenommen hatte, als er den Zeitreisewecker umklammert gehalten hatte. Als Harry sich selbst den erneuten Kampf gegen Voldemort zur Aufgabe gemacht hatte. Eine Aufgabe, die die gesamte Zaubererwelt verändern würde. Eine Aufgabe, die von einer inneren Stärke zeugte, die für Draco bisher total unbekannt gewesen war. Eine Aufgabe, die weiter geführt werden musste und nur Harry konnte diese Aufgabe erfüllen. Nur Harry! Draco würde ihn begleiten, stärken und beschützen. Bis zum bitteren Ende.

Er war alt genug und hatte zuviel erlebt, als das er nicht wusste, wie schwer es werden würde. Seine Angst vor dem Tod hatte er abgelegt. Er wusste, was ihn dort erwartete. Draco war erwachsen geworden und würde an der Seite von Harry für den Frieden kämpfen. Er würde seine Fehler wieder gut machen.

Zehn Minuten später stand Draco mit Harry mitten auf dem Quidditchfeld. Das matte Mondlicht, das sich zwischen den Wolken hindurch schlich, beleuchtete sie nur schwach. Etwa fünf Meter trennten die Jungen, als Draco sich zu Harry wandte und ein sehr ernster Ausdruck in seine Augen Einzug fand. Harry blickte ihn nicht an. Sein Blick war in die Ferne gerichtet. „Was hast Du zu sagen, Dorian? Warum stehen wir mitten auf dem Quidditchfeld? Mir ist kalt!" Harry blickte zum vollen Mond hinauf, der gerade wieder hinter einer dicken Wolke verschwand.

Alles war ihm so fremd. Und ‚Dorian' machte es durch seine merkwürdigen Blicke und Anspielungen nicht besser. Harry wollte nicht zurücksehen und den Geistern begegnen, die ihn jagten. Er spürte sie in seinem Nacken und in seinen Träumen sah er Vieles, was er nicht verstand und auch gar nicht verstehen wollte. Nach jedem Traum wurde er von einer bitteren Leere erfüllt, die ihn dazu bewog sich von allem, was um ihn herum war, abzuschirmen. Er konnte diesen Zustand nicht ertragen, wollte ihn aber auch nicht verändern, zu groß war die Angst vor den Konsequenzen. Zu groß die Angst vor der Wahrheit und vor den Geistern seiner Vergangenheit. Er wollte davon nichts wissen.

Dracos Stimme riss Harry aus den dumpfen Gedanken. „Verdammt, zieh Dich nicht zurück. Du hast eine Aufgabe zu erfüllen!"

„Mach Du sie!" antwortete Harry ungerührt. Sein Blick ging noch immer gleichgültig in die graue Masse über ihren Köpfen. Er reagiert genauso wie auf alle nervigen Fragen nach seinem Wohlergehen. Er antwortete, aber ging nicht wirklich auf den Inhalt der Fragen ein und ein gewisser Zweifel blieb, ob Harry die Frage auch wirklich verstanden hatte.

„Das kann ich nicht! Ich bin dafür nicht gut genug", Draco seufzte schwer. „Es ist Deine Aufgabe und NUR Du kannst sie erfüllen. Ich bin dazu nicht ausgebildet worden."

„So schwer kann es schon nicht sein!"

„Wenn Du mal ein wenig nachdenkst, wirst Du sehen, dass es eine Lebensaufgabe ist. Deine Lebensaufgabe und ich werde Dir helfen… helfen, wo ich nur kann!" Dieses Gespräch war so irreal und doch so tiefgründig. Er hätte sich nie vorstellen können, Harry Potter wirklich mal zu respektieren, aber es war passiert. Er respektierte und vertraute den Fähigkeiten und dem Kampfwillen von einem gleichaltrigen Jungen. Wie sehr hatte sich doch alles verändert. Wie grausam war das Schicksal von Harry Potter?

Draco trat dicht an Harry heran. Atmete die kalte Luft tief ein und erhaschte dabei auch eine Note von Harrys eigenem Geruch. Er war etwas überrascht, dass er diesen Duft Harry zuordnen konnte, aber es war jetzt nicht wichtig. Er blickte Harry ernst an. Es durfte nicht in einen sinnlosen Streit ausarten, sondern musste ernst bleiben. Draco hatte so etwas noch nie gemacht. Es war so schwer mit Harry ruhig zu reden. Es war so ungewohnt.

„Ohne Dich wird es zu vielen Morden kommen. Schmerz und Krieg wird überall herrschen."

„Ich bin doch kein Superheld!", sagte Harry und blickte nun Draco bittend und verzweifelt in die Augen. „Ich bin nicht für die Rettung der Welt zuständig!"

Ein leichtes Zucken der Mundwinkel deutete ein Lächeln an, das mehr tieftraurig, als höhnisch war. „Nein, aber alle haben Dich dafür gehalten, auch ich. Aber Du bist kein Superheld. Du bist nur die Hoffnung für so viele Menschen gewesen… und Du hast sie nicht enttäuscht."

„Hör auf, Dorian!" Harry drehte sich weg und legte die Hände auf seine Ohren.

Draco trat noch näher und zog sanft Harrys Hände von den Ohren weg. „Willst Du Deine wahre Geschichte nicht kennen?"

„Nicht, wenn sie so grausam ist!"

„Es ist aber wichtig, dass man sich an seine Vergangenheit erinnert und aus den Fehlern lernt."

„Du wolltest doch auch nicht!" schoss Harry kurzerhand zurück. So viel Schmerz und Angst war in diesen Worten zu hören und Draco wusste nun, wie sehr Harry litt.

„Ich… nein…Ja… Ich weiß, dass ich einen schlimmen Fehler gemacht habe. Ich habe Dich alleine gelassen. Ich habe ignoriert, was ich einst gelernt hatte. Ich habe meine Geschichte verleugnet. Deine Geschichte ist aber leider viel bedeutender als meine es jemals sein wird." Es war ein schweres Eingeständnis, aber es war wahr. Harry Potter würde immer der Held sein, denn Harry war stärker als jeder andere Mensch den Draco kannte. Emotional, magisch und auch psychisch stärker.

„Ich mag aber mein jetziges Leben!"

Draco lachte hohl auf. „Du isolierst Dich total und isst kaum noch. Es ist eine Lüge und wird Dich umbringen!"

„Dann mag ich halt die Lüge!"

Die Verzweiflung und Angst in Harrys Augen machte deutlich, dass er es wirklich nicht wissen wollte.

„Beim Barte Merlins!" Draco verlor die Geduld. „Es ist eine Lüge. Alles um uns herum besteht nur aus Lügen. Wir dürfen nach dem Gesetzt der Natur gar nicht hier sein. Wir verändern die Geschichte."

„Das tut ein Zeitumkehrer auch!"

„Das ist etwas anderes, da spielt das Schicksal mitrein. Wir sind in der Zeit gereist. Wir verändern die Geschichte zu einer Zeit, wo wir nicht gelebt haben. Niemand darf erfahren, woher wir kommen und wer wir sind. Geht das endlich in Deinen Schädel rein? Wir können diese Welt zum Besseren verändern!"

„Lass mich doch einfach mit der Lüge leben!"

„Kann ich nicht!"

„Warum nicht?"

„Du hast diese verdammt Reise angetreten um eine Aufgabe zu erfüllen. Dann beende sie auch. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Du Dein eigentliches Leben so lassen willst, wie es ist – Jetzt wo Du die Chance hast, etwas zu ändern", schimpfte Draco. Verdammt. Er hatte keine Ahnung von Psychologie. Er wusste im Moment nicht, was taktisch klug und was unklug war. Er handelte einfach… wie meistens, wenn es um Harry Potter ging.

„Wenn ich nicht weiß, dass es eine Alternative gibt, dann werde ich sie auch nicht vermissen."

„Hör auf mit diesem Scheiß! DU bist HARRY POTTER! Der HELD dieser Story. Du wolltest…"

„Ich bin kein Held!"

„Ich … Du… Verdammt!" Draco raufte sich die Haare. Er hatte noch nie eine so schwere Mission gehabt. „Ich weiß zwar nicht wieso, aber NUR Du kannst diese Aufgabe erfüllen!"

„Ich will nicht. Was auch immer… ich will nicht!" jammerte Harry und hielt sich den Kopf, als habe er schlimme Kopfschmerzen. Einen Augenblick schwiegen sie, denn Draco suchte nach den richtigen Worten um Harry aus seiner Lethargie herauszuholen. Aber es waren Harrys leise Worte, die die Stille durchbrachen: „Was ist das für eine Aufgabe?"

Draco blickte ihn an. Er war erstarrt. Diese Unschuld und untergründige Verzweiflung. Es war eine Aufgabe der gesamten Zaubererwelt und sollte nicht einer einzigen Person zugeschrieben werden. Einem Kind. Es war so ungerecht. Aber Harry hatte es schon einmal geschafft, warum sollte er es nicht wieder schaffen? Warum sollte ausgerechnet er es noch einmal machen? War nicht mal wer anders dran? Draco hasste in diesem Moment das Schicksal wie nichts anders.

Draco spürte, wie die Zweifel wieder anwuchsen. War es wirklich richtig Harry aus seiner ‚heilen' Welt zurück zu holen? War es notwendig?

Aber Draco konnte nicht zurück. Er durfte nicht. Es würde Harry Potter töten und das nicht nur wegen der mangelnden Nahrungsaufnahme des ehemaligen Gryffindors.

„Es wird schon nicht so bedeutend sein", sagte Harry, als Draco ihn nur anstarrte, und war schon wieder fast in seiner Welt zurückgekehrt.

„Du … Du… Es … V-V-Vol-Vol-demort vernichten…" sagte Draco ohne weiter nachzudenken. Er sagte es bevor ihn die Zweifel wieder einnehmen konnten. Seine Arme schlang er fest um seinen Körper um sich vor der inneren Kälte zu schützen. Vor dem Grauen und der Hoffnungslosigkeit. Er wusste, dass es nun gesagt war und kein Zurück mehr gab.

Stille trat ein.

Schwere bleierne Stille.

Das milchigweiße Licht vom Vollmond beleuchtete ihre einsamen Gestalten, wie sie still mitten im großen Quidditchstadion standen und sich nicht rührten. Die Schneedecke war nicht mehr jungfräulich, vor ein paar Stunden haben Erstklässler sich hier eine wilde Schneeballschlacht geliefert. In ein paar Stunden würde dies alles aber der Vergangenheit angehören und neuer Schnee würde diese Spuren beseitigen.

Draco blickte zu Boden. Er traute sich nicht Harry anzusehen. Auf den fragenden oder vorwurfsvollen Blick konnte er getrost verzichten. Die Angst, dass Harry noch immer nicht begriffen hatte, hatte Draco fest im Griff. Kurz schloss er seine Augen.

Harry hatte noch nicht reagiert. Er hatte nichts gesagt oder sich bewegt. Er stand – genau wie Draco – noch starr an seinem Platz.

Ein Werwolf jaulte in den Bergen den Vollmond an. Dieses Geräusch durchbrach die Stille und auch die Erstarrung der beiden Jungen.

Langsam blickte Draco auf. Harry hatte sich noch nicht bewegt. In diesem Moment öffnete Harry langsam seine Augen und ihre Blicke trafen sich. Das Einzige, was Draco sehen konnte, war tiefer Schmerz. Ihre Augen hielten sich fest. Keiner bewegte sich. Draco schluckte trocken, denn der Schmerz aus den gemeinsamen Erinnerungen übermannte auch ihn.

Die Folgen des Krieges und der Kämpfe hatten ihre Veränderungen bei den Jungen hinterlassen. Menschen, Verbündete, Freunde und Familienmitglieder starben. Ihre Verbündeten, ihre Freunde und ihre Familien. Diese Veränderungen hatten sie erwachsen werden lassen. Beide. Nichts war mehr so, wie es vor vielen Jahren noch gewesen war. Teenager oder Kinder waren sie schon lange nicht mehr. Sie hatten es nur vergessen. Sie hatten es verdrängt, bewusst und unbewusst.

„Ich schaffe es nicht", sagte Harry schließlich leise und wandte seinen Blick von Draco ab.

„Was schaffst Du nicht?" hauchte Draco, der einen weiteren Schritt auf Harry zuging. Er würde Harry nicht wieder alleine lassen. Nicht noch einmal, nicht nachdem er genau wusste, wie es sich anfühlte so allein und überfordert zu sein.

„Ich arbeite seit einem halben Jahr an der Lösung, aber ich bin kaum einen Schritt weiter. Ich schaffe es nicht! Die Welt ist so kaputt. Der Krieg ist grausamer und allgegenwärtig. Die Aufgabe ist einfach unlösbar", sagte Harry mit emotionsloser Stimme, aber diesmal spürte man die Verzweiflung hinter dieser Gefühllosigkeit. Draco blickte Harry überrascht an.

Harry hatte die Augen wieder geschlossen und er stand einfach still und erstarrt da. Auch seine Arme waren fest um den Oberkörper geschwungen. Harry sah so schmal und verletzlich aus. Er sah so jung aus. So unschuldig und allein.

„Du hast es doch schon einmal…"

„Da war ich aber nicht allein!" zischte Harry ohne seine Körperhaltung zu verändern.

„Du hast den dunklen Lord in einem Zwei-Mann-Duell geschlagen!" widersprach Draco voller Ehrfurcht. Seine Bewunderung war darin deutlich zu erkennen. „Warum solltest Du es nicht wieder schaffen?"

Harry lachte hohl auf. „Es gibt keinen Grund, warum Voldemort sich hier auf ein gerechtes Duell gegen mich einlassen sollte. Ich bin unbekannt. Es bedeutet gar nichts, mich hier zu töten."

Draco schwieg.

„Ich bin unbekannt und unbedeutend. Eigentlich gibt es mich nicht."

„Dafür dass es Dich nicht gibt, hast aber einen großen Hofstaat", fauchte Draco Harry entgegen. Er verstand noch nicht wirklich, wo das wesendliche Problem lag.

„Du verstehst das alles nicht, oder?" Endlich kam wieder Bewegung in die erstarrte Gestalt von Harry. „Jedes Wort, das wir sprechen, jeder Zauber, den wir aussprechen, und jedes Lächeln das wir schenken, kann Leben zerstören, Leben verändern. Wir verändern die Geschichte und das Schicksal."

„Und was hindert Dich dann daran in den Kampf zu ziehen?"

„Ich bin schon mitten im Kampf!" fauchte Harry.

„Dann solltest Du nicht länger warten und es endlich beenden. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren."

„Wir haben nichts zu verlieren. Unser aktuelles Leben wird irgendwann einfach zu Ende sein. Einfach so. Wir haben nicht Mal etwas zu gewinnen. Die Aufgabe ist so unmöglich, wie Dir Parsel beizubringen", sagte Harry verbittert.

„Potter, jetzt ertrink nicht in Selbstmitleid. Du hast es schon einmal geschafft, dann wirst Du es auch wieder schaffen. Du bist dabei auch nicht allein! Nicht mehr!"

Harry blickte Draco mit traurigen Augen an.

„Wir werden sehen."

„Was werden wir sehen?"

„Ob Du durchhalten kannst!"

oooooooooo

TBC.

Endlich ein wirkliches Gespräch zwischen den beiden! Wird sich nun alles zum Guten wenden? Werden die beiden jetzt zusammenarbeiten und die Probleme gemeinsam lösen? Wird Draco durchhalten? Und was ist mit Harry? Wird er die Kraft haben, die er braucht?

...