Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Autor: Momixis

Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"

Kapitel: 2/7

Teil: 6/9

Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)

Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….

Inhalt: Harry und Draco sind durch die Zeit gereist und nun haben sie die Chance etwas zu verändern. Harry will diese Möglichkeit nutzen ohne die Menschen, die ihm wichtig sind in Gefahr zu bringen. Wird er es schaffen? Wird er alleine den Weg gehen können? Welche Rolle wird Draco zu Teil? Und halten die Rumtreiber und die anderen Schüler von Harry? Was denkt Dumbledore?

MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!


Hallo Deedochan!! Ich habe eigentlich kein Problem damit, wenn man nicht zu jedem Kapitel ein Review hinterlässt, was mich nur sooo irritiert hat, war, dass es lange gedauert hat, dass jemand (zissy) mir das 100. Review hinterließ. Und somit für Kapitel 38. nur ein einziges da war... das war ein wenig schade, aber dafür war das 100. toll und nachdem ich mich beklagt habe, kamen ja auch gleich wieder vier ganz tolle und lange. g Der Kampfgeist wird noch ein wenig warten müssen, und er äußert sich weniger aggresiv... Ich hoffe, es wird dir auch weiterhin gefallen. knuddel

Hi Zissy!! Du musst ja auch nicht auf die Anzahl der Reviews achten, dass tue ich, immerhin sind sie ja auch für mich. g so schlimm ging es mir in der Schule nicht, aber ein wenig kann ich es dir doch nachempfinden, ... ich hätte aber gerne Spanisch gelernt, nur gab es das an meiner Schule nicht, und so hatte ich Französisch, was ich nach der 11. Klasse auf dem Gym mit 1 Punkt abgewählt habe... naja, heute fragt keiner mehr danach... Klar MUSSTE Harry alles vergessen, er kann ja nicht immer der starke sein... aber er ist dabei zum Glück nicht so schlimm, wie Draco und dieser konnte ihn ja schnell zurück holen... aber wie geht es jetzt weiter? Du wirst es sehen... knuddel Und ich muss jetzt gleich zur Arbeit... und ich hasse Autofahren (im Moment jedenfalls... ich mache sooo viele Fehler... grummel)

Halloi Reinadoreen!! Stimmt, Harry hat das alleine Kämpfen nicht durchgehalten, nur gut, dass er Draco vorher aufwecken konnte... Harry wird weiterhin nicht mehr soooo stabil sein, aber er wird auch keine richtige Psychose entwickeln oder so... (ich arbeite seit 1.8. mit psychischerkrankten zusammen) Draco wird ein Auge auf ihn haben, nur im Augenblick fehlen ihm noch viel zu viele Informationen um etwas machen zu können... aber wird Harry Draco diese Infos geben? knuddel

Hallo sweet-chaos-chan!! Ich kann über dein Review immer wieder schmunzeln, danke... Draco wird einen Namen für Harry haben... es wird bald BErgauf gehen... knuddel... (ahh... ich muss zur Arbeit...)

Danke an die Reviewer und Leser...!!

Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass ich das 7. Buch in dieser Geschichte NICHT berücksichtige, da die Geschichte schon fertig strukturiert und durchgedacht war, als das letzte Buch rauskam... daher werden meine Lösungen anders aussehen, als die original von JKR...


Teil VI

Problematisches Jahr

Kapitel 2

Riskante Bahnen

Noch lange hatten die zwei Jungen schweigend in der dunklen Nacht gestanden und die Stille genossen. Es hatte angefangen zu schneien, aber auch das hatte dieses stille Einverständnis nicht gestört. Irgendwann hatte Draco aufgesehen und festgestellt, dass die Ausgangssperre bald anfing. Er hatte Harry zögernd an der eisigen Hand gefasst und ihn ins Schloss gezogen. Sie hielten Hände. Ihre Hände waren eiskalt und ohne Gefühl, aber es signalisierte eine Verbundenheit. Keine Freundschaft, aber eine Verbundenheit, um diesen Kampf weiterzuführen. Draco würde Harry schon zeigen, dass er durchhalten konnte.

Draco hatte gedacht, dass dieses Erwachen von Harry deutlicher und offensichtlicher sein würde, aber dem war nicht so. Harry stand am Morgen ungerührt und mit dunklen Augenringen auf, verschwand im Badezimmer nahm seine Tabletten und nutzte die Zauber, versorgte Cosmo und verschwand dann Richtung Frühstück, nur um vermutlich an seinem Toast mit Butter ein wenig rumzuknabbern.

Draco erhielt einen bösen Blick von Sanuel, der Harry gleich wieder besorgt hinterher eilte. Hatte der Schlaf die Veränderung vom Abend womöglich wieder revidiert? War Harry wieder in seiner Welt gefangen?

Draco seufzte und begab sich schließlich ebenfalls in die Große Halle. Harry war hinter einem dicken Buch verschwunden, welches aber zum Glück nicht über Verwandlungen handelte. Wenigstens ein Hoffnungsschimmer, aber wirklich was essen tat Harry auch nicht, denn sein Toast war bisher nur obligatorisch angebissen worden.

Im Laufe des Tages erkannte Draco aber eindeutig, dass Harry wusste, wer er ist und was er tat. Dies lies Draco allerdings nicht davon abhalten sich über die ganze Lage seine Gedanken zu machen. Sonst wäre es vielleicht auch nicht zu dieser Situation gekommen. Er war so in Gedanken vertieft, dass er total untypische Fehler machte. Er konnte sich nicht auf den Unterricht konzentrieren.

Er saß im Zauberkunst UTZ-Kurs und die Stunde war schon zu zweidrittel um. Draco hatte ein Pergament in der Hand und blickte leicht verträumt drauf. Neben ihm erkläre Cameron Samantha hochnäsig die einzelnen Mitglieder seiner ach so reinblütigen Familie, denn genau das zeigte das Pergament mit Bildern und Namen. Die Ahnentafel. Die wahre Ahnentafel. Wenigstens drei Generationen, bei manchen sogar mehr.

Draco blickte zu Harry, der etwas blass sein Pergament vor den neugierigen Augen von Esmare versteckte. Auch Draco rollte seins schnell zusammen und steckte es sich in die Tasche, die neben seinem Platz stand. Die meisten Schüler schienen allerdings über diese interessante Programmeinheit in dem doch trüben Schulalltag angenehm erfreut zu sein. Überall quasselten und erzählten die Schüler ihren Freunden über ihre Eltern und Großeltern, Geschwister, Tanten und Onkeln. Draco zog sich sein Lehrbuch heran und las schon mal das nächste Kapitel.

Er bemerkte nicht, wie Cameron leise das Pergament aus Dracos Tasche zog. Siegesgewiss grinsend rollte der Slytherin das Pergament auseinander und starrte dann entgeistert auf das Blatt. Ein leises Geräusch des Unglaubens entkam Samantha, die über Camerons Schulter auch auf das Pergament starrte. Draco wirbelte herum. Als er die Situation erfasste, wallte Panik in ihm auf. Seine Augen blitzten und sein Gesicht wurde blass.

„Was fällt Dir ein, Cameron!" zischte Draco aufgebracht.

„Verarschen kann ich mich selbst!" sagte Cameron nur und warf das Pergament Draco zurück. Der fing es elegant auf.

„Was?" fragte Draco vorsichtig und verständnislos. Aber Cameron und Samantha hatten schon wieder eine neue Beschäftigung gefunden. Draco runzelte die Stirn, dann rollte er das Pergament langsam auseinander. Ein Grinsen fand Einzug auf seinem Gesicht. In dunkelgrünen Druckbuchstaben stand auf dem Pergament geschrieben:

„Unberechtigten ist der Zugriff zu dem erwünschten Dokument nicht gestattet.
Bitte holen sie die nötige Erlaubnis beim Inhaber ein."

Draco schüttelte leicht amüsiert den Kopf, als die Buchstaben verschwanden und wieder die Herkunft von Draco Malfoy zu erkennen war. Was wäre bloß passiert, wenn Cameron wirklich Zugriff auf diese Angaben gehabt hätte. Hätte er es für Wahrheit gehalten? Hätte er Fragen gestellt. Draco blickte ihn abschätzend an. Er war sich ziemlich sicher, dass es zu einer kleinen Katastrophe gekommen wäre.

„Lass Deine Finger von meinem Eigentum, Cameron!" zischte er leise, aber der Junge reagierte darauf gar nicht. Dracos Blick glitt durch den Raum und traf auf Harrys Augen. Harry zuckte leicht mit den Schultern und rollte seinen Zauberstab zwischen den Fingern. Draco grinste noch breiter. Es war kein Schutz, der durch dieses komische Ritual mit Sferiano-Öl, Haarprobe und Magie entstand, sondern ganz alleine Harrys Werk. Draco war froh, dass Harry eingegriffen hatte. Was für ein Glück, denn gestern Vormittag hätte Harry nicht intervenieren können. Heute hatte er Draco gerettet.

Aber Harry zeigte darüber keine Freude. Sein Gesicht war verschlossen und blank. Draco schüttelte leicht den Kopf. Er konnte nur Erleichterung zeigen und von Glück sprechen, denn noch gestern wäre alles aufgeflogen. Rituale waren mächtig und waren nur schwer bis gar nicht manipulierbar. Hätte Draco nur einen einzigen Tag gewartet, dann wäre er jetzt vermutlich in Askaban, denn das Ritual hätte seine wahre Identität offenbart und ihn gleichzeitig als Lügner dargestellt. Eine manipulierte Ahnentafel war für das Zaubereiministerium ausreichend genug, um tiefgründige Nachforschungen einzuleiten und Fragen zu stellen. Beides war nicht sinnvoll, denn es gab keine Antworten.

Draco lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Was hätte Harry nur für einen Schock bekommen, wenn er statt seiner Pseudoeltern „Elisabeth" und „Jeremias" Lily Evans und James Potter auf dem Pergament gesichtet hätte. Vielleicht hätte er auch dies einfach ignoriert, aber in der Aufregung hätte vermutlich Esmare und Co auch Einblick in dieses so verräterische Dokument erhalten können. Es wäre zu einer Offenbarung gekommen. Eine Offenbarung mit katastrophalen Folgen.

Aber sie hatten Glück gehabt. Draco und Harry konnten ihre Ahnentafeln vor neugierigen Blicken schützen. Draco seufzte und beschloss sich eine kleine Rache für Cameron auszudenken. Die Schrumpfflüche in Verteidigung hatten dem Slytherin wohl nicht gereicht. Ein fieses Grinsen schlich sich auf Dracos Züge, welche einmal nur für Harry Potter reserviert gewesen waren. Es hatte sich einfach zuviel geändert, warum nicht auch das?

oooooooooo

Nach der heiklen Doppelstunde Zauberkunst wollte Draco sich fast sofort zum Quidditchtraining aufmachen, aber seine Gedanken wanderten unbewusst zu der Stunde Muggelkunde am Vormittag. Harry hatte, wie die meisten Stunden auch, desinteressiert auf seinem Einzelplatz gesessen und Löcher in die Luft gestarrt. Viele Slytherins hatte dieses Verhalten irritiert und sie hatten aber nicht gewagt Harry anzusprechen. Alle schienen das Drama von Weihnachten noch zu genau in Erinnerung zu haben und keiner wollte es wiederholen. Für Draco war Harrys Verhalten nicht ganz so rebellisch, wie für die anderen Schüler. Er hatte vor der Stunde ein Gespräch belauscht, indem Harry der Professorin eins ganz klar gemacht hatte. Wenn sie ihm Fragen stellen würde, dann könnte es jederzeit wieder zu so einem Ausbruch wie vor Weihnachten kommen. Draco hatte nicht Gryzabels Gesicht sehen müssen, um genau zu wissen, dass sie höllische Angst vor einer Widerholung hatte.

Noch zu genau konnte Draco sich an ihren Gesichtsausdruck erinnern. Panik hatte sie in besagter Stunde erfasst gehabt. Sie hatte Angst vor Harry gehabt. Sie hatte sich nicht getraut, sich Harry in den Weg zu stellen. Draco konnte das allzu gut nachvollziehen. Harrys Macht in Verbindung mit dem explodierenden Temperament, war eine sehr gefährliche Mischung. Die magische Verwandlung eines Erwachsenen in ein Baby, war dabei nur eine kleine Machtdemonstration gewesen.

So sehr Draco sich damals den Kopf zerbrochen hatte, warum sein ‚Cousin' so explodiert war, so war es doch so eindeutig, seit er wieder an Harry Potter dachte. Es war so klar, das Draco schon gar nicht verstehen konnte, wie Dumbledore in Harry noch einen eventuellen Feind sehen konnte.

Aber vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass Harry voller Neugier die dunklen Künste studierte und er Voldemort eventuell als Konkurrent ansah. Aber das war so…. so… dumm. Warum Harry sich für die dunklen Künste interessierte, wusste Draco nicht, aber er wusste, dass Harry lieber sterben würde, als die weiße Seite zu verraten. Dafür war Harry einfach zu sehr Gryffindor.

Dracos Gedanken wanderten wieder zum Quidditchtraining. Eigentlich wollte er nur noch seine Sachen holen und sich dann auf den Besen schwingen. Das nächste Spiel, welches gegen Hufflepuff bestritten werden sollte, lag nur noch gut zwei Wochen vor ihnen. Diesmal konnte Harry nicht einspringen. Diesmal würde Draco gegen eine kleine Hufflepuff spielen, die keine Chance gegen ihn hätte. Er würde das Spiel gewinnen. Er würde den Schnatz fangen. Er spürte regelrecht, wie seine Finger sich um den geflügelten Ball schlossen und die Jubelrufe seiner Kollegen zu ihm hoch hallten.

„Dir steht er genauso wenig zu wie mir!"

Der Spruch von Harry nach dem Ende des letzten Spiels fiel ihm plötzlich wieder ein und er lachte hohl auf. Harry hatte ihm auch da wieder ganz deutlich gezeigt, wer der bessere Sucher war. So wie es immer gewesen war. Draco hatte Harry nie schlagen können.

„Dir steht er genauso wenig zu wie mir!"

Aber Harry hatte etwas anderes sagen wollen. Es ging darum, dass Draco kein Recht auf dieses Spiel hatte. Es war schon schlimm genug, dass sie hier so viel veränderten, da solle er nicht auch noch Quidditch spielen.

„Dir steht er genauso wenig zu wie mir!"

Er hatte kein Recht auf den Schnatz. Er gehörte nicht in das Quidditchteam und hatte kein Recht den Schnatz zu jagen. Jemand anderer sollte seine Finger um den Schnatz legen.

„Dir steht er genauso wenig zu wie mir!"

Er hatte kein Recht auch diesen Wettkampf zu beeinflussen. Er hatte kein Recht auf Quidditch, solange nicht Harry Potter in der gegnerischen Mannschaft war.

„Dir steht er genauso wenig zu wie mir!"

Draco war mitten auf dem Gang stehen geblieben. Er hörte die Stimmen der anderen Schüler nicht mehr. Er wischte sich mit der rechten Hand über die geschlossenen Augen und seufzte. Er hatte kein Recht mehr auf Quidditch. So schwer es ihm auch fiel, es war ein Kampf, der nicht von Harry oder ihm ausgetragen werden musste. Es war ein Kampf, der ganz allein den wahren Schülern dieser Schule zustand. Der echten Schüler dieser Zeit.

Draco senkte den Kopf und ging langsam den Gang weiter runter. Er ging, ohne die anderen zu beachten. Er ging, wie ein Erwachsener durch die schnatternden Kinder hindurch.

„Uns steht er nicht zu!"

oooooooooo

Am Donnerstag hatten dann die Freunde schon bemerkt, dass Harry wieder mit einem ganz neuen Ergeiz durch den Tag lief. Ganz so wie erhofft, war es dann doch nicht, denn Harry war abweisend und still. Auch hatte er bisher niemanden erzählt, was in den Stunden zwischen dem Streit in Muggelkunde und dem Zusammentreffen im Wald passiert war. Er verweigerte die Antwort oder gar eine Reaktion. Auch die drängenden Fragen von Dumbledore wurden schlichtweg ignoriert. „Kein Kommentar!" war das einzige, was von Zeit zu Zeit über Harrys Lippen kam.

Er beantwortete nur noch Fragen, die ihm in den Kram passten. Meistens handelte es sich um schulische Angelegenheiten und seine Nase steckt ständig in irgendwelchen Büchern, die für Draco keinen roten Faden bildeten. Es waren Bücher über Zauberkunst, Verwandlung, Rituale, Zaubertränke, dunkle Künste, Muggelkram oder Angriffmethoden. Draco seufzte und versucht zu ergründen, wonach Harry suchte, denn auch er bekam keine wirklich nützlichen Antworten.

oooooooooo

Ihre erste Stunde des Apparierunterrichts war schweißtreibend gewesen. Weder Harry noch Draco hätten sich vor dem Treffen in der Großen Halle vorstellen können, wie anstrengend es war, wenn man die Fähigkeit des Apparierens unterdrückt, obwohl man sie mittlerweile wirklich beherrschte. Harry hatte die aufmerksamen Blicke seiner Freunde auf sich gespürt und wie immer in letzter Zeit völlig ignoriert.

Alle schienen zu erwarten, dass er in wenigen Sekunden seine Fähigkeit zeigt, aber es war Harry zu gefährlich. Er wollte den Lehrern keinen Beweis für seine Fähigkeit im Apparieren bieten. Er würde ganz geduldig warten, bis wenigstens 5 Leute das Apparieren geschafft hätten. Es würde dauern, aber eine andere Chance hatte er nicht und seine ‚Lizenz' würde er ja ohnehin erst im Sommer machen dürfen… Harry schnaubte bei dem Gedanken. Eigentlich hatte er eine Lizenz, aber die war 1997 ausgestellt und daher hier nicht existenziell.

Harry beobachtete Draco, der sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen konnte, als Cameron bei seiner Drehung ziemlich unelegant auf die Nase fiel. Draco war auch weiterhin ein Slytherin: Gehässig, Schadenfroh und Gefühlskalt. Wenigstens in der Öffentlichkeit.

Harry war noch nie so froh gewesen das eine Schulstunde zu Ende war.

Als er zum Ausgang strebte, stand dort Ofisa Milerudis mit einem düsteren Blick. Harry brauchte nicht zu fragen. Sie wusste genau, dass er wieder alles zurückhielt was er konnte. In den letzten Monaten hatte die Professorin für Verteidigung gegen die dunklen Künste es aufgegeben Harry auf seine Fähigkeiten anzusprechen. Er zeigte nicht, was er konnte und Milerudis wusste eindeutig nicht, wie sie damit umgehen sollte. Ein düsterer Blick wurde ausgetauscht und Harry verschwand erleichtert aus der Großen Halle.

oooooooooo

Harry war sich nicht wirklich sicher, ob es so klug gewesen war, Draco aus seiner Trance aufzuwecken, denn so kühl und beherrscht Draco auch schien, er war allein. Sie waren keine Freunde und arbeiteten daher nicht wirklich zusammen. Harry und Draco hatten nie wirklich versucht sich anzufreunden oder miteinander auszukommen. Es war utopisch davon auszugehen, dass sich, durch dieses kleine Gespräch auf dem Quidditchfeld und einer gewissen Verbundenheit, sofort eine Freundschaft aufbaute.

Harry seufzte. Er konnte schlecht von Draco verlangen, sich wieder um seine Freunde zu kümmern. Also würde er den ersten Schritt zu einer Freundschaft machen, damit sie auch im Kampf sich aufeinander verlassen könnten. Es war allerdings leichter gesagt als getan. Sieben Jahre Streit und Anfeindungen waren nicht durch ein paar nette Worte und dem gleichen Ziel vergessen. Es würde nicht so leicht werden, wie erhofft.

Der Unterricht war in den letzten Tagen anstrengender geworden, denn die Lehrer machten Stress. Selbst Professor Palandt erfüllte den Raum von Wahrsagen mit besorgniserregenden Prophezeiungen von vielen Hausaufgaben und endlosen Stunden in der Bibliothek zum Exam-Büffeln. Wenigstens waren es keine tödlichen Vorhersagungen und die wirklich entscheidenden Prüfungen waren ja erst Ende nächsten Jahres. Die Lehrer schienen dies nur irgendwie vergessen zu haben.

Mit dem neuen Jahr hatten sie eine Theorie- und Geschichtseinheit der Wahrsagerei begonnen. Die letzten 17,5 Minuten jeder Stunde durften sie allerdings in ihren Gruppen für praktisches Arbeiten nutzen. In Harrys Gruppe wurde fast immer nach den Tarotkarten gegriffen.

So auch heute. Wenn Harry sich nicht täuschte, dann war kurz ein erleichterter Gesichtsausdruck bei Narcissa zu erkenne gewesen, als sie seine ersten Karten sah. Seine Karten waren merkwürdig und rätselhaft, aber wenigstens spiegelten sie auch Harrys neues Temperament wieder.

Als die Stunde zu Ende war, ging Harry zögernd zu Draco hinüber, der noch seine Sachen zusammenräumte.

„Kann es sein, dass Deine Mutter ein Faible für Wahrsagen hat?" fragte Harry vorsichtig und leise.

Draco sah ihn stirnrunzelnd an. Harrys plötzliche Gesprächigkeit war sehr überraschend und irritierend. Er runzelte die Stirn und stoppte kurz in seiner Arbeit.

„Was soll die plötzliche Freundlichkeit?"

Harry grinste unsicher. „Nichts Besonderes, aber ich dachte wir sollten versuchen mehr Zeit miteinander zu verbringen und uns besser kennen lernen, bevor wir zusammen in diesen Krieg ziehen. Und Deine Mutter erschien mir als ungefährliches Gesprächsthema. Aber wenn Du nicht willst, dann kann ich auch wieder gehen, aber dann solltest Du auch zu den anderen Slytherins zurückgehen, es hat kein Sinn, sich von allem und jedem zu distanzieren."

Harry wandte sich wieder ab, um den Raum zu verlassen und zu Verwandlung zu gehen, aber Draco schien sich beruhigt zu haben.

„Schon gut", schnarrte er. „Was hat sie gemacht oder getan."

Harry hatte das Gefühl Neugier daraus zu erkennen, aber er wollte Draco nicht weiter foltern. „Meine Tarotkarten haben sich ihrer Meinung nach wieder gebessert und auch Du warst drin enthalten!"

„Inwiefern?" Draco war skeptisch.

„Sie sagte etwas über treue Verbündete, aber auch von Verrat und Problemen."

Draco war fertig mit dem Zusammenräumen und gemeinsam verließen sie den Raum.

„Kann es sein, dass Narcissa Seherblut hat?"

„Die Fähigkeit des Sehens ist nicht vererbbar", antwortete Draco schnippisch.

„Was ist dann mit Trelawney?"

„Sie ist eine Schwindlerin. Sie ist keine echte Seherin."

„Leider doch" widersprach Harry unbedacht. Draco starrte ihn an. „Sie hat mindestens zwei echte Prophezeiungen ausgesprochen."

„Woher weißt Du das?" fragte Draco argwöhnisch.

„Die Eine habe ich gehört und die andere betraf mich!" grinste Harry, aber das Unbehagen war deutlich zu erkennen. „Naja, vielleicht hatte sie auch einfach nur Glück mit dem Erbgut", spottete Harry.

Draco tat ihm den Gefallen und vertiefte das Thema nicht weiter. „Eigentlich gut, dass diese Gabe oder Fluch, je nachdem wie man es sehen will, nicht vererbbar ist, sonst müsste ich Dich mit Trelawney auf eine Stufe stellen", sagte Harry und zum ersten Mal seit langer Zeit war deutlich Humor in seiner Stimme zu hören. Er kassierte dafür einen halb wütenden und halb amüsierten Blick von Draco.

Draco war in diesem Moment eigentlich nur froh, dass er mit Harry sprach, denn auch wenn es nur ein kurzes und unverfängliches Gespräch war, so signalisierte es, dass er nicht mehr allein war. Dass Harry auch wieder Gefühle zeigte, war auch ein gutes Zeichen. Für Draco ein sehr gutes Zeichen, denn es erinnerte deutlich an den alten Harry Potter.

„Es ist beängstigen, wie gut Ihr Euch auf einmal versteht", sagte Sanuel. Lin und er mussten bei der nächsten Abbiegung rechts rein und waren aber bis dahin hinter Harry und Draco hergegangen und hatten die seltsame Verbundenheit von der ersten Minute an neugierig beobachtet.

„Wir verstehen uns nicht gut, sondern haben nur die gleichen … äh… Bekannten und Lehrer", versuchte Harry auszuweichen.

„Ach Adrian, Eure gemeinsame Herkunft und Vergangenheit hat auch in den letzten Monaten für keine ‚Verbundenheit gesorgt. Was Euch jetzt plötzlich verbindet, wird für die Normalsterblichen für immer ein Rätsel bleiben!", sagte Lin. „Egal ob ihr streitet oder nur redet. Bei Euch sprühen immer die Funken!" Die beiden Fünftklässler bogen nun breit grinsend ab und verschwanden in der Menschenmasse der Schüler. Später würden sie es bereuen, dass sie nicht noch einen Augenblick gewartet hatten, denn Mike Carrel tauchte plötzlich vor Harry und Draco auf und konnte nicht mehr ausweichen. Es schien nicht geplant gewesen zu sein, denn Mike verlor etwas an Farbe. Seit dem eskalierten Streit war er den Slytherins aus dem Weg gegangen, besonders Harry.

„Na Mike, bist Du endlich über den Korb hinweggekommen?" spottete Draco abschätzig und mit kaltem Blick. Diese Anspielung sorgte wieder etwas für Farbe in Mikes aber auch in Harrys Wangen. Beide Slytherins wussten, dass Mike zurzeit mit einem Jungen seines Jahrganges zusammen war. Vermutlich auch relativ glücklich. Jedenfalls hörte man keine negativen Aussagen.

„Ähm…" Mike hatte sich offensichtlich noch nicht wieder gefangen.

„Jaja, wir wissen ja, wie leid es Dir tut!" spottete Draco weiter. Sein herablassender Tonfall sorgte nur für eine Intensivierung der Farbe.

„Las gut sein", versuchte Harry zu intervenieren. Draco blickte ihn abschätzend an. „Was bringt es über diese alte Geschichte zu streiten?"

„Oh Gott, Jericle, Du bist echt zu warmherzig für diese verdammt Welt", stöhnte Draco.

„Niemand hatten einen wirklichen Schaden davonge…"

„Doch! Ich hatte tagelang Albträume über unerwünschte Besucher in meinem Bett" warf Draco ein.

Harry verdreht die Augen. „Du hast es ja überlebt."

„Es tut mir wirklich leid!" Mike hatte endlich seine Stimme wieder gefunden. „Ich habe vieles falsch gemacht und dabei Deine Freundschaft verloren, Adrian, aber in einem halte ich fest", grinste Mike nun viel sicherer. „Ihr beide würdet ein superheißes Paar abgeben!"

Nach diesem Statement fand Draco als erstes seine Sprache wieder. „Wir sind Cousins!" warf er entrüstet und ausweichend Mike entgegen.

„Na und? Als ob es nicht Gang und Gebe unter Reinblütern ist, seinen Cousin oder seine Cousine zu heiraten. Es hat gewisse Vorteile, das Vermögen bleibt zusammen, man muss sich nicht mit fremden Familien zusammenraufen und natürlich wird die Reinheit des Blutes sichergestellt", sagte Mike mit einem Ton, der deutlich machte, dass auch er irgendwie an diese Ideologie glaubte. Nur auf eine andere Art als die Malfoys...

„Das Problem dabei ist nur, dass es zu Inzuchtproblemen kommt. Die Wahrscheinlichkeit das Squibs geboren werden steigt mit jeder Generation teilweise um bis zu 20 !", sagte Harry kalt. Er hatte seine Arme vor der Brust verschränkt und machte dadurch sehr deutlich, dass er auf Abwehr geschaltet hatte.

Draco senkte den Blick. Warum war es denn jetzt schon wieder auf dieses Thema gekommen? Reichte es denn nicht, dass Mike sein Argument in der Luft zerrissen hatte? Und das er nicht wirklich wusste, was er antworten sollte?

„Weist Du Mike? Es gibt tatsächlich noch einen Grund, warum ich nie etwas mit Dir anfangen würde. Trotz Deines Charmes und Deiner Höflichkeit und Aufgeschlossenheit, hältst Du zu sehr an dieser Ideologie fest. Du würdest nie aus Liebe heiraten, auch dann nicht, wenn es ein Halbblut wäre. Dein Verhalten ist traurig und oberflächlich."

Harry wandte sich ab und ging das letzte Stück des Ganges alleine weiter und verschwand dann im Klassenraum für Verwandlung. Draco folgte ihm widerstrebend, aber McGonagall war im Anmarsch und er hatte nicht den geringsten Nerv sich auf eine Diskussion mir ihr einlassen zu müssen. Nicht, wenn in seinem Kopf dieses Gespräch gerade wieder wilde Gedankengänge förderte.

In Verwandlungsunterricht stand noch immer die Verwandlung von toten Gegenständen in lebende auf dem Programm. Die Verwandlung von Menschen würde erst im siebten Schuljahr durchgenommen werden, leider konnte Harry problemlos den aktuellen Anforderungen gerecht werden. Draco hatte da doch gewisse Probleme, zumal sein Interesse im sechsten Schuljahr in Hogwarts nicht auf dem Unterrichtsstoff gelegen hatte.

Bei dem Gedanken, woran er gearbeitet hatte, wurde ihm schlecht und er überlegte einen Augenblick eine Toilette aufzusuchen, aber er atmete tief durch und schob den Gedanken zur Seite. Da musste er wohl durch. Vermutlich wurde dieses schlechte Gefühl Gewissen genannt... Draco wusste nicht, ob er es wirklich mochte.

Er hatte jetzt die Chance seinen Freunden, Blaise, Pansy, Vincent und Gregory, eine Chance auf ein friedliches Leben zu geben. Und er würde die Chance bekommen sich komplett auf den Unterricht zu konzentrieren und dann Granger als Jahrgangsbeste abzulösen. Er wusste, dass das eine Utopie war, aber man durfte doch noch träumen, oder? Besonders wenn man sich schon mit seinem schlechten Gewissen rumplagen musste... und das alles nur, weil man mit Harry Potter befreundet sein wollte...

Die Stunde verging schneller als gedacht und Harry begab sich sofort in die Bibliothek, um seine Hausaufgaben zu machen. Die anderen fanden sich auch nach und nach ein. Als Draco, wohl mit dem gleichen Ziel, die Bibliothek betrat, sprang Sal mit einem breiten Grinsen auf und dirigierte Draco auf einen schmalen Platz zwischen ihr und Lin. Draco saß einen Augenblick sprachlos da und starrte in die Runde, dann nahm er seufzend seine Hausaufgaben raus und machte sich an die Arbeit.

„Du hast Dich mit Adrian ausgesöhnt, dann gehörst Du jetzt hierher!" sagte Sal erklärend und alle kicherten leise, bei ihrem bestimmenden Ton. Draco seufzte schwer. Besser als alleine zu sitzen war es allemal und vielleicht war es nun leichter, Harrys Vorgehen zu beobachten und zu verstehen.

oooooooooo

Wird Draco mit den anderen Schülern zurecht kommen oder werden noch die Fetzen fliegen?