Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 6/7
Teil: 6/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry und Draco sind durch die Zeit gereist und nun haben sie die Chance etwas zu verändern. Harry will diese Möglichkeit nutzen ohne die Menschen, die ihm wichtig sind in Gefahr zu bringen. Wird er es schaffen? Wird er alleine den Weg gehen können? Welche Rolle wird Draco zu Teil? Und halten die Rumtreiber und die anderen Schüler von Harry? Was denkt Dumbledore?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Hi DjEngelchen!! Es freut mich, dass dir der Basillisk und die Blumen gefallen haben. Ich knuddel dich ganz doll.
Hi Zissy!! Wie war der Test? Ich hoffe zufriedenstellen, auch ohne lernen. Ja, vielleicht hätte ein Dialog mit der Schlange etwas gebracht, aber es diente doch so gut als Möglichkeit Draco ein bisschen Show zu geben... und Harry näher zu kommen... !? Harry hat die Kakerlaken (oder andere Tierchen aus der Höhle) in Hähne verwandelt. So oder ähnlich. Ich knuddel dich.
Hi Seelentochter!! Schön dich wieder zu lesen. Die Blumensprache habe ich aus dem Internet, wie ich auf die Idee gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Die Animagi Gestallt kommt noch...Viel Spaß noch, knuddel.
Hi Glupit!! Die Sprache der Blumen wird selten eingesetzt, aber ich fand es eine sehr romantische Sache... und irgendetwas musste doch am Valentinstag passieren g, Bis bald, knuddel.
Hi Deedochan!! Die Bedeutung der Farben und Blumen habe ich aus dem Internet. Ich lege da auch keine Hand ins Feuer. Ich glaube auch nicht, dass es von sooo großer Bedeutung ist... Draco hat Fawks gerufen, indem er im Grunde zu Dumbledore stand, so wie Harry in seinem 2.Schuljahr. Ich habe mir immer so viel Mühe gegeben, nicht sooo verschachtelte Sätze zu bilden, aber manchmal mussten sie sein. Aber gut, dass er dir gefällt (mir auch). Ich knuddel dich auch ganz doll.
Teil VI
Problematisches Jahr
Kapitel 6
Stressige Geburtstagsfeiern
Die Woche nach dem Valentinstag war die Hölle. Sie erinnerte stark an die Woche vor Halloween und deren Ergebnis war Harry noch immer wohl bekannt und bewusst. Er hatte sich eigentlich fest vorgenommen diese Prüfungen vorsichtig anzugehen, aber es schienen ganz normale Vor-ZAG-Prüfungen zu sein. Für diese Jahreszeit ganz normal.
Es interessierte Harry nicht wirklich, aber er war trotzdem beruhigt, als er feststellte, dass die Prüfungen Thema der Gespräche waren. Dies bedeutete nämlich, dass diesmal kein Schweigezauber darüber lag. Nur so konnte Harry sich erklären, warum im Oktober nicht einmal die Ravenclaws darüber geredet hatten. Vermutlich wäre Harry zu Ohren gekommen, dass er und Draco ganz andere Fragen und Aufgaben erhalten hatten, als die anderen Fünftklässler.
Harry wurmte es schon, dass er den Braten nicht vorher gerochen hatte, aber für diese trüben Gedanken war es jetzt zu spät. Auch die Prüfungsergebnisse spielten für Harry keine Rolle mehr. Er versuchte allerdings zwischen den jetzigen Prüfungen noch etwas Zeit für die Lösungssuche zu finden. Er war noch keinen Schritt weiter, aber wenn er etwas aus seiner Muggelschulzeit gelernt hatte, dann dass eine Visualisierung des Problems manchmal Wunder bewirken konnte. So hatte Harry ein Pergament vor sich liegen, auf dem ein brodelnder Kessel abgebildet war und ein Ring darüber schwebte.
„Na, was hast Du da?" fragte Mick von rechts. Auch sie hatte ihre Prüfung fertig gestellt und linste nun neugierig auf Harrys Pergament. Harry wollte es schnell verdecken, aber Micks Finger waren schneller.
Harry unterdrückte ein Knurren.
„Wo liegt das Problem?"
„Nirgends!"
„Lügner! So wie es für mich aussieht, soll der Ring, oder was es auch immer darstellen soll, in den Kessel fallen!"
Harry gab auf und knurrte zustimmend. „Es muss aber ohne menschliches Zutun geschehen."
„Hm… ich erinnere mich an einen Film, den ich mal mit meiner Mutter gesehen habe… oder war es eine Fernsehserie? Ach egal… Es ging jedenfalls darum, dass zwei Feinde an einen Tisch gebunden waren und erst nach einiger Zeit sich befreien sollten, nachdem sie sich ausgesprochen hatten. Der Schlüssel für ihre Handschellen hing an einem Faden. Der Faden wurde nach einer Weile durch eine Kerze gelöst und der Schlüssel fiel zu Boden."
„Mit einer Kerzenflamme?"
„Der Ring hängt an einen Bindfaden und der führt durch eine Öse in der Decke zur Seite. Das Ende des Fadens ist um eine Kerze gewickelt. Die Kerze brennt langsam ab und erreicht den Faden, der freigegeben wird. Man kann natürlich auch die Flamme den Faden abbrennen lassen."
Mick starrte noch einmal auf das Pergament, dann sah sie Harry grübelnd an. Harry erkannte, dass der Vorschlag von Mick wirklich die Lösung für das Problem sein konnte. Es war verwirklichbar, da es auch ohne Magie funktionierte und somit keinen Einfluss auf die Säure haben würde. „Danke!" Harry nickte zustimmend und ein wenig erleichtert.
Mick schüttelte ihren Kopf, dass ihr langer Zopf hin und her schwang. „Wofür brauchst Du das?" fragte sie schließlich und zeigte dabei auf die Zeichnung.
Erst jetzt bemerkte Harry, WIE gefährlich es war, dass jemand davon wusste. Es würde ihr Alibi womöglich zunichte machen. Harrys Blick änderte sich und noch bevor er seinen Zauberstab auf das Ravenclaw-Mädchen gerichtet hatte, legte sich etwas Trauriges in ihre braunen Augen. „Welchen bösen Geister jagst Du hinterher, Adrian, wenn Du SO vorsichtig sein musst?"
Harry lächelte traurig: „Das möchtest Du gar nicht wissen, Mick! Das möchtest Du wirklich nicht wissen!" Er sprach den Zauber über sie, der verhindern wird, dass Mick ein Wort über die Informationen verlieren könnte. Der Zauber war vermutlich nicht wirklich Varitaserum- oder Okklumentiksicher, aber es würde ausreichen… ausreichen müssen. Es war vermutlich der gleiche oder wenigstens ein ähnlicher Zauber, wie der den Dumbledore im Oktober über die Schüler gelegt hatte.
Mick nickte zustimmend und verstehend. Aber Harry wusste, dass sie es nicht verstehen konnte. Sie wusste dafür einfach zu wenig.
Es dauerte nur noch wenige Minuten, bis Flitwick die schriftlichen Prüfungen beendete und die Schüler entließ. Harry spürte die ganze Zeit, während er das Klassenzimmer verließ den Blick von Mick im Nacken. Er trat zu Draco. Er wollte ihm sofort seine neue Erkenntnis mitteilen. Natürlich hatten sie jetzt keine Zeit für genauere Planungen. Sie hatten jetzt zwar Mittagspause, aber schon gesellten sich Sanuel und Lin zu ihnen.
„Habt Ihr schon Eure Hausaufgaben erledigt?"
„Wir hatten bis ebengerade Zauberkunstprüfungen, wann sollten wir denn Hausaufgaben machen?" schnaubte Draco.
„Sie hatten andere Dinge im Kopf!", warf Mick dazwischen und Harrys Blick traf ihren.
Lin durchbrach die sich aufbauende Spannung. „Was für Dinge?" Lin war mal wieder viel zu neugierig. Harry seufzte innerlich. Wenigstens war diese Frage nicht zweideutig betont, sonst hätte Harry wieder ganz heiße Ohren bekommen. So fühlte er nur eine bedrückende Kälte im inneren aufsteigen. Er hatte eine weitere Freundin verflucht.
„Ist doch total egal!" schnappte Draco patzig. „Es geht Euch nichts an, was für Dinge in unserem Kopf herum spuken, jedenfalls haben wir noch keine Hausaufgaben erledigt." Draco hätte sich für diese übereilten Worte am liebsten selbst die Zunge herausgerissen, denn die Konsequenz war vorhersehbar, sogar für einen Draco Malfoy. Sie würden den ganzen Nachmittag (nach ihrer Stunde Kräuterkunde) in der Bibliothek verbringen und Hausaufgaben machen müssen. Lin und Sanuel waren dabei wirklich hartnäckig und die Mädchen aus Ravenclaw und Gryffindor halfen denen auch noch dabei.
Draco war allein von dem Gedanken schon total genervt und auch Harry sah aus, als ob drei Stunden Ruhe ihm gut tun würden. Die Ereignisse vom Wochenende hatten nicht wirklich für ruhigen und erholsamen Schlaf gesorgt. Wie Harry an die entsprechenden Zauber gekommen war, um seinen Schlafmangel wenigstens optisch zu verbergen, war Draco ein Rätsel, aber er befürchtete, dass Harry mit dieser Art der Magie vermutlich schon viel zu lange vertraut war.
Es beängstigte Draco ein wenig, dass er sich wirklich Sorgen um Harry Potter macht, aber er fand keine andere Bezeichnung für diese Gefühle. Er blickte Harry an und er wusste, dass ein Energietrank dem ehemaligen Gryffindor wirklich gut tun würde. Wenn niemand dafür sorgen würde, dann würde Harry vermutlich irgendwann einfach zusammenbrechen. Und wie es aussah, war Draco der einzige, der den Zustand von Harry richtig einschätzte.
Bis zum Wochenende hielten beide Jungen überraschenderweise durch. Draco hatte am Donnerstag von Severus (vermutlich durch eine kleine Erpressung) zwei Energietränke erhalten. Diese hatten ihnen gut getan, aber am Samstag schmiss Draco Sanuel kurz nach dem Erwachen aus dem gemeinsamen Schlafsaal hinaus und steckte Harry sofort wieder ins Bett.
„Du schläfst jetzt, bis Du endlich Deine Energie zurück hast!"
Harry starrte Draco sprachlos an. „Ähm… Drache… machst Du Dir gerade Sorgen um mich?"
„Ich habe nur keine Lust, am Ende wirklich allein dazustehen, weil Du vorher zusammengeklappt bist. Also schlaf jetzt!"
Draco war zwar schon fertig angezogen, aber legte sich auf sein gemachtes Bett und ließ seine Gedanken schweifen. Es war totenstill im Raum und Draco zog die Stirn kraus. Er blickte hinüber zu Harrys Bett. Der schwarzhaarige Junge war brav im Bett geblieben und auch schnell wieder eingeschlafen, aber man brauchte kein Experte zu sein um zu erkennen, dass Harry einen heftigen Albtraum hatte. Draco sprang erschrocken auf und fragte sich, warum er es denn nicht vorher bemerkt hatte. Aber es war auch weiterhin still im Raum. Die einzigen Geräusche kamen von Draco selbst und der blonde Junge begriff: Über Harrys Bett hing ein starker Stillezauber.
„Seit wann ist dieser Zauber über Deinem Bett, Potter!" schnaubte Draco wütend, bevor er auf Harrys Bett kletterte und den anderen Jungen versuchte aufzuwecken. Es war nicht das Problem ihn wach zu bekommen, aber Draco erkannte, dass es kein Wunder war, warum Harry Potter ständig müde und erschlagen wirkte. Die letzte Stunde Schlaf hatte vermutlich mehr Energie verbraucht als gebracht.
Draco starrte Harry, der gerade mit seinen kalten Händen über sein blasses Gesicht strich, wütend an, während er noch immer auf der Bettkante von Harrys Himmelbett saß. „Du hättest mir ruhig sagen können, dass Dein Schlaf nicht besonders erholsam ist!" knurrte Draco aufgebracht.
Harry wurde rot im Gesicht und wandte sein Gesicht zur Seite. „Es ist ganz normal!"
„So ein Schlaf ist nicht normal!"
„Für mich schon!" flüsterte Harry und schloss erschöpft die Augen.
„Seit wann liegt auf Deinem und vermutlich auch auf meinem und Sanuels Bett ein Stillezauber?"
Harry blickte ihn wieder an und seufzte. Aber er schwieg.
„Verdammt Potter! Wie soll ich Dir helfen, wenn Du alles vor mir verbirgst oder verschweigst. Wie soll ich mich darum kümmern, dass Du schläfst, wenn Du die ganze Zeit nur Albträume hast und gar nicht zur Ruhe kommst. Verdammt! Du solltest ganz schnell damit anfangen, mir die Wahrheit zu erzählen, bevor ich Lily oder Lin stecke, wie selbst-zerstörerisch Du im Moment handelst!"
Harry hatte noch nie so einen kalten und gleichzeitig besorgten Ton gehört. Und das dies ausgerechnet von Draco Malfoy kam, war irgendwie beängstigend.
„Draco..."
„Was Potter? Willst Du mir jetzt endlich sagen, was in Deinem Kopf vor sich geht? Wirst Du endlich anfangen mich in Deine Pläne einzubeziehen?..."
„Drache!"
„Nenn mich nicht Drache!" fauchte Draco. „Ständig nennst Du mich so. Warum? Warum das alles?"
„Beruhig Dich!"
„Nein, verdammt. Ich will mich nicht beruhigen! Ich habe mich von meiner Familie und Freunden abgewandt und was machst Du? Du vertraust mir nicht. Du erzählst mir zum Beispiel nicht, was im Dezember nach dem Streit passiert ist. Du erzählst mir nicht, dass Du seit Monaten unter Albträumen leidest. Du erzählst mir nicht, dass Du die ganze Zeit unter Einfluss von Kosmetikzaubern stehst. Du erzählst mir NICHTS!" wild tigerte Draco durch den Raum, blieb aber immer in Reichweite des Bettes, um in der Reichweite des Zaubers zu bleiben.
„Und was erzählst DU MIR, Draco?" Harry hatte die Atempause von Draco für seinen Einwurf abgewartet. Draco starrte ihn nur finster an.
„Draco, Du vertraust mir doch genauso wenig. Du erzählst mir doch auch nicht von Deinen Albträumen. Du erzählst mir nichts von Deinen Sorgen oder Ängsten. DU erzählst mir doch AUCH nichts!"
„Ich bin ja auch ein Slytherin!"
„Falls es Dir noch nicht aufgefallen ist, ich bin auch ein Slytherin! Du kannst doch nicht wirklich von uns verlangen, dass wir uns blind vertrauen. Dafür ist zwischen uns viel zu viel vorgefallen."
Harry hatte sich hingesetzt und blickte Draco nun warm an. „Was uns verbindet ist total Neu und Unbekannt für uns. Gib dem mehr Zeit!"
Draco hatte sich wieder auf der Bettkante niedergelassen und seufzte: „Wir haben aber keine Zeit mehr!"
Draco hatte Recht. Erst gestern war wieder von einem großen Angriff berichtet worden. Sie hatten keine Zeit für den langen Weg des Vertrauens. Diese Zeit haben sie sich selbst verspielt und Draco wusste, dass er dabei nicht ganz unschuldig war.
Er senkte den Blick auf seine Hände. „Wir müssen wohl ins kalte Wasser springen, was?"
„Vermutlich ja!"
Draco blickte auf. Seine Augen trafen auf Harrys.
Einen Moment grübelte er nach. Wollte er wirklich ins kalte Wasser springen? War es das wert, all seine Erziehung hinter sich zu lassen? Er seufzte, was hatte er denn noch zu verlieren, wenn er schon Harry Potter nicht vertrauen könnte?!
Er streckte seine rechte Hand Harry entgegen. „Ich bin Draco Malfoy, Reinblut und dabei alles aufzugeben, an das ich bisher geglaubt hatte."
Harry blickte Draco überrascht an, dann lächelte er warm. Er nahm die ausgestreckte Hand in seine. Der Händedruck war fest und der Blick ehrlich. „Sehr erfreut. Ich bin Harry Potter, Halbblut und dabei wieder einmal einen Krieg gegen Voldemort zu führen."
Draco lächelte. Es war ein ehrliches Lächeln und Harry erwiderte es aus vollem Herzen.
„Gut! Wo fangen wir an?" Harrys Frage ließ Draco seufzen.
„Ich denke dort, wo ich Dir sage, dass Du mehr Schlaf benötigst!"
„Ich hätte nie gedacht, dass Du Dir solche Gedanken um einen anderen Menschen machen kannst!"
„Ich auch nicht!" knurrte Draco. Er drückte Harry zurück in die Kissen und machte es sich neben Harrys Körper auf der Decke bequem. „Bei Dir ist aber auch immer alles anders!"
Ein leises Lachen entrann Harrys Kehle.
„Fangen wir doch einfach mal damit an, dass Du mir sagst, wann Du den Stillezauber auf die Betten ausgesprochen hast?!"
Harry seufzte: „Im Herbst!"
„Was?"
„Erst hatte ich nur Sanuels Bett geschützt, dann habe ich aber etwas später auch Deins und meins mit dem Zauber belegt."
Draco schüttelte seinen Kopf. Er hatte es all die Monate nicht bemerkt? Wie blind musste er gewesen sein? „Also hast Du seit Herbst Albträume?"
Jetzt schüttelte Harry den Kopf. „Nein, ich habe immer wieder Albträume. Nur manchmal sind sie sehr heftig. Und im Herbst gab es eine Zeit, wo sie sehr stark waren. Diese... ähm... Träume haben Sanuel einmal geweckt, danach habe ich sein Bett verhext."
Dracos Blick verfinsterte sich. Irgendwie war er wirklich sauer auf sich, aber auch auf Harry. „Was sind das für Träume?"
Harry schnaubte. „Es sind meistens eher Visionen..." Draco riss die Augen weit auf. „Ich sehe, was Voldemort sieht und ich denke, was er denkt und plant!"
„Oh, Mutter Merlins!" Draco vergrub sein Gesicht in den Händen. „Unser wahres fünftes Schuljahr?!" fragte Draco müde und Harry nickte nur. Sie verstanden beide.
„Ich beherrsche Okklumentik nicht gut genug, damit ich mich ständig vor Voldemort abschotten kann. Manchmal schaffe ich es einfach nicht. Besonders nachts nicht und er weiß nicht, dass ich da war, also schützt er sich auch nicht vor mir."
„Du bist wirklich in SEINEM Kopf?!"
„Ja!" Harry flüsterte nur, aber für Draco war es ein Schlag ins Gesicht.
„Du musst unbedingt Okklumentik lernen!"
„Ja, toll und WIE?"
„Ich kann auch nur wenig, aber Severus kann es!"
„Ich weiß! Aber glaubst Du wirklich er würde es mir beibringen? Mich unterrichten? Und das alles ohne das er in meinen Geist eindringt und Dinge erfährt, die er niemals erfahren darf?!"
Draco grübelte mürrisch, kam aber zu keinem Ergebnis. „Dieses Problem würden wir wohl vertagen müssen. Aber wir könnten die nächsten Tage ein wenig meditieren, dass kann sehr hilfreich sein. Nun zu der nächsten Frage." Draco beugte sich ein wenig über Harry: „Was hast Du nach dem Streit in Muggelkunde gemacht?"
Harry schloss gequält die Augen und legte seine Hand darüber. Er wollte daran nicht erinnert werden. Bilder von Tod und Schrecken liefen vor seinem inneren Auge vorbei. Draco erblasste ein wenig bei Harrys Reaktion. Es konnte nichts Gutes bedeuten. Und dann begann Harry leise und traurig zu erzählen. Wie er aus dem Schloss gelaufen war und in den Wald hinein. Wie er plötzlich auf einige Todesser gestoßen war, die allerdings gerade disapparierten. So wütend und aufgewühlt wie Harry war, ist er ihnen einfach gefolgt. Er musste seine Energie loswerden und was war dafür besser geeignet, als Todesser zu jagen?
Draco fragte natürlich nach, wie Harry folgen konnte. Eine Apparation hinterließ immer noch einige sekundenlang eine Signatur, aber es war relativ schwer es zu lernen, dieser zu folgen. Draco hatte bisher nur die Theorie davon gehört. Harry zuckte mit den Schultern. Er wusste nicht warum er es in dem Moment gekonnt hatte. Er hatte darüber nicht nachgedacht. Er wusste nur, als Hermione es Ron und ihm beibringen wollte, hatte es nicht mal Ansatzweise geklappt. Draco verstand es nicht. Warum gelangen Harry manchmal solche magischen Überraschungen und manchmal funktionierte einfach gar Nichts?
„Wo bist Du gelandet?"
Harry erzählte weiter, wie er in einem kleinen Dorf ankam und acht Todesser dabei beobachteten konnte, wie die einen Angriff auf eine alte Villa vorbereiteten. Sie quälten und töteten den Gärtner und dessen Familie, bevor Harry die Chance hatte einzugreifen. Er wusste nicht, um wen es hier ging oder warum. Es war auch nicht wirklich wichtig.
Harry veränderte vorübergehend ein wenig sein Aussehen, bevor er einem Todesser den Zauberstab entriss und damit die anderen angriff. Es gelang ihm zwar nicht einen Todesser endgültig zu fangen, aber sie flüchteten ohne einen weiteren Menschen gequält oder getötet zu haben. Die Hauseigentümer hatten schließlich beim Kampf geholfen und das Ministerium benachrichtigt. Harry hätte allein wohl verloren. Als die ersten Ministeriumsangestellten erschienen war Harry zurück in den Wald appariert. Dort war er dann Draco und den anderen begegnet.
Draco wusste genau, dass Harry wesentliche Aspekte bei seiner Geschichte ausgelassen hatte. Zum Beispiel, dass Harry total fix und fertig gewesen war, als er auf den schülerischen Suchtrupp gestoßen war. Noch sehr deutlich sah Draco die erschöpfte und verletzte Gestalt von Harry im Wald vor sich, die von ihnen verlangt hatte zu fliehen.
Draco lehnte sich zurück in die Kissen und streckte seine Beine aus. Diese Geschichte musste er erst einmal verarbeiten. „Wieso haben wir davon nichts in der Zeitung gelesen?"
„Blöde Frage! Erstens, weil es nichts Besonderes war und zweitens, weil wir im Krankenflügel lagen!"
„Stimmt!"
Sie lagen noch eine ganze Weile schweigend nebeneinander. Harry im Schlafanzug unter der Decke und Draco fertig angezogen auf der Decke.
Als Draco sich auf die Seite legte, um Harry anzusehen, bemerkte er, dass Harry eingeschlafen war. Er wirkte sehr friedlich und Draco blickte ihn einfach nur an. Wie konnte er gedacht haben, dass dieser Junge egoistisch und arrogant handelt? Harry Potter dachte nie an sich selbst, immer zuerst an andere.
Sanft strich Draco Harry eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er fühlte sich dem Jungen so nahe, wie noch keinem anderen Menschen. Er hatte sich noch nie Sorgen um die Gefühle oder das Wohlergehen eines anderen Menschen gemacht, bis Harry Potter kam. Bis Harry Potter sein Freund wurde. Bis Harry Potter seine Welt veränderte.
Harry Potter veränderte die Welt um sich herum und Draco hatte das Bedürfnis an seiner Seite zu bleiben. Zu helfen, wo er helfen konnte.
Auch Draco schlummerte irgendwann ein. Schließlich hatte auch er in den letzten Nächten nicht wirklich gut geschlafen. Zur größten Überraschung der Jungen schliefen sie tatsächlich einige Stunden ruhig und erholsam. Keine Albträume oder Visionen plagten sie. Cosmo rollte sich einfach zwischen den beiden warmen Körpern zusammen und genoss diese Nähe.
Als Sanuel sie zum Mittagessen sanft weckte, fühlten Harry und Draco sich ausgeruht wie schon lange nicht mehr. Nach dem Essen holten sich die Jungen zwei Schulbesen und gingen gemeinsam fliegen. Sanuel und Lin blickten nur kopfschüttelnd nach.
Harry und Draco sprachen über die Erlebnisse ihrer Schulzeit. Sie sprachen sogar über die Horcruxe, allerdings nur über den Ring und den Stab. In erster Linie überlegten sie, wie die Vernichtung des Ringes, die als erste dran kam, genau ablaufen sollte. Harry druckste ein wenig herum, bis Draco begriff, dass Harry am überlegen war, wie Draco aus diesem Prozess raus gehalten werden konnte, da sie ja wieder hinunter in die Kammer mussten und Draco dies eigentlich nicht wollte.
Draco schlug Harry hart auf die Schulter. „Du weißt genau, dass ich oft ziemlichen Mist labern kann. Ich habe Dir gesagt, ich werde an Deiner Seite kämpfen, also glaube auch daran."
Harry nickte schließlich, spürte aber einen großen Widerwillen in sich aufsteigen. Er wollte nicht, dass Draco etwas passierte. Er war nicht nur ein Freund, sondern ein Verbündeter, ein Eingeweihter, ein Wegbegleiter.
oooooooooo
In der Nacht zu Montag erwachte Draco plötzlich. Er wusste nicht warum, aber er blickte automatisch zu Harrys Bett, aus dem noch immer kein Geräusch zu ihm vordrang, aber er konnte sehen, dass der schwarzhaarige Junge einen Albtraum der übelsten Sorte hatte. Vermutlich war es eine Vision...
Kalte Angst packte Draco und er schlüpfte schnell aus seinem Bett. Barfuss lief er hinüber zu Harry. Sie hatten bisher wirkliche körperliche Nähe eigentlich vermieden, aber Draco dachte nur daran, was bei ihm als Kind am Besten gegen Abträume geholfen hatte: Eine warme Umarmung.
So zog er den zitternden und angespannten Harry in eine feste Umarmung. Er strich ihm über den Rücken und durch die Haare, während er leise auf ihn einredete. „Harry, wach auf! Komm schon, wach auf!"
Er holte Harry langsam aus dem Albtraum heraus. Draco spürte, wie Harrys Körper zitterte und bebte. Harry verkrampfte sich, bis die geflüsterten Worte ihm die nötige Sicherheit und Geborgenheit übermittelten.
Dann plötzlich kamen die Tränen und der Schmerz. Harry vergrub sein Gesicht fest an Dracos Schulter und schluchzte bitterlich. Draco wusste erst nicht, was los war, dann begriff er, dass es sich wirklich um eine Vision gehandelt haben musste. Eine bittere und grausame Vision.
Er zog Harry fest an sich heran und stellte erschrocken fest, dass es sich gar nicht schlimm anfühlte den warmen und starken Körper im Arm zu halten, sondern eher richtig und gut. Draco machte im Moment ständig erschreckende Beobachtungen, aber jetzt konnte er keine Rücksicht auf sich nehmen, sondern musste Harry beruhigen. Zwischen vielen Schluchzern konnte Draco schließlich einzelne Wörter heraushören, die das Grauen wenigstens zum Teil offenbarten.
„Crucio...Kinder... durch Eltern ... Imperio... Blut... so viel Blut..."
Draco wusste, dass Harry lit. Es war wohl eins der schlimmsten Szenarien die Harry sich vorstellen konnte und er musste es mit ansehen. Dracos Umarmung verfestigte sich wieder. Er würde Harry nicht mehr allein lassen. Er würde kämpfen. Er würde dafür sorgen, dass seine Eltern irgendwann mal stolz auf ihn sein würden, dass er stolz auf sich war und dass Harry stolz auf ihn war. Er würde nicht zulassen, dass Voldemort weitere Familie zerstörte und Glück zum Fremdwort werden ließ. Er würde es nicht zulassen, auch dann nicht, wenn Ansehen und Macht lockten. Nicht wenn er sich danach nicht mehr im Spiegel ansehen konnte. Macht zählte nicht mehr.
„Ich werde Dich begleiten, Harry. Egal wohin. Ich verspreche es Dir, Panther! Ich schwöre es, bei allem was mir heilig ist!" Draco besiegelte diesen geflüsterten Schwur mit einem Kuss auf das schwarze vom Schlaf verstrubbelte Haar.
Harry bekam von dem Schwur nichts mit, zu sehr wurde er noch von den Bildern der Vision geschüttelt. Draco hielt ihn fest im Arm und lockerte seine Umarmung nicht. Irgendwann schliefen sie erschöpft ein. Noch immer lagen Dracos Arme um Harrys Körper und Harrys Kopf lag in der Halsbeuge von Draco. Sie gaben sich Halt und Wärme; Nähe und Geborgenheit.
Die restliche Nacht verlief ruhig. Sanuel guckte allerdings am nächsten Morgen etwas sparsam, als er die beiden Jungen in einer so innerlichen Umarmung friedlich schlafen sah. Vielleicht hatte Lin ja doch nicht so Unrecht mit ihren komischen Andeutungen.
oooooooooo
Die Zeit verging für den Geschmack der Jungen viel zu schnell. Der große Tag rückte immer näher und dem kolossalen Experiment stand nichts mehr im Wege. Harry und Draco nutzten jede freie Minute, um alles vorzubereiten. Harry schmuggelte die nötigen Utensilien hinab in die Kammer, während Draco sich genau überlegte, welche Zutaten er für die ätzende Brühe noch bräuchte. Nebenbei stand er schmiere, damit niemand sah, wenn Harry aus dem Mädchenbadezimmer herauskam. Eine Widerholung wollten sie auf alle Fälle vermeiden.
Natürlich mussten Lucius, Narcissa und Severus ihm über den Weg laufen. Draco hatte bisher sämtliche Begegnungen versucht auf das Minimum zu reduzieren und durch die Begleitung von Harry war es ihm auch ganz gut gelungen.
„Na, Mosnay, bist Du also noch immer auf der Seite des Feindes?" schnarrte Lucius kalt. „Oder wechselst Du ständig hin und her?"
Dracos Blick wurde düster. „Weißt Du Lucius, manchmal passieren unvorhersehbare Ereignisse, die Dein ganzes Denken auf den Kopf stellen. Ereignisse die Dich begreifen lassen, wofür es sich wirklich lohnt zu kämpfen. Du begreifst, dass der Stolz eines Reinblutes sich nicht durch vergossenes Blut oder Schmerzensschreibe aufwiegen lässt. Die Macht vom Dunklen Lord ist es nicht wert, dafür sterben zu wollen. Auch Du wirst diesen Augenblick erleben, aber vermutlich wird es zu spät für Dich und Deine Familie sein. Sie werden sterben, weil Du die falschen Entscheidungen gefällt hast. Weil Du den leichten Weg gegangen bist und nicht den Richtigen."
„Du hast doch gar keine Ahnung, um was es hier geht!" zischte Lucius voller Kälte. Narcissa zog die Augenbrauen scharf zusammen. Ihr gefiel dieses Aufeinandertreffen der Jungen gar nicht, aber sie schwieg.
„Du meinst wirklich, ich habe keine Ahnung? Wenn Du irgendwann begreifst, dass ich mehr Ahnung habe, als ich eigentlich sollte, dann wird es zu spät sein. Irgendwann wirst Du schon begreifen, dass man nicht stolz auf sich sein kann, weil man Kinder und wehrlose Muggel foltert. Es hat nichts mit Stolz zu tun, wenn man einem wahnsinnigen Halbblut folgt, der sich selbst Lord Voldemort nennt."
„Oh, große gelogene Wörter von einem kleinen Nichts!" spie Lucius Draco entgegen.
„Du versteckst Dich doch hinter einem kleinen Möchtegern-Retter!" schnarrte Severus abschätzig.
Draco konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Ich weiß, welche Macht gewinnen wird, denn es gibt Nichts, was so stark wie Freundschaft und Liebe sein kann. Es gibt Nichts, was mich davon abhalten kann, meinem Panther zu folgen!" Draco fühlte wieder den Stolz in sich und strahlte ihn auch aus. Die drei anderen Slytherins kamen nicht Drumherum, dieses Selbstbewusstsein zu sehen. Die Überzeugung, die bisher nur ‚Jericle' umgeben hat, war auf ‚Dorian' übergegangen. Es bereitete den Slytherins nur Fragen und Unbehagen. Als Harry auf einmal neben Draco auftauchte, hatten sie erst recht verloren und sie zogen ab.
„Was war?" fragte Harry vorsichtig.
„Eine Klärung der Fronten!" sagte Draco leichthin.
Harry drückte seine Hand aufmunternd und lächelte ihn warm an. „Du weiß, dass es das Richtige ist."
„Ja, das weiß ich, aber es fällt einem trotzdem wahnsinnig schwer."
„Sie wissen es doch nicht besser. Ihre Eltern erzählen nur, wie toll es ist die Macht zu haben. Es gibt nur wenige, die sich treu bleiben."
„Severus!"
„Ja! Irgendwie schon."
„Du hast nie an ihm gezweifelt?"
Harry lachte hohl auf. „Oh doch. Ich habe ihm nicht vertraut, aber Dumbledore hat es und ich bin davon ausgegangen, dass es dafür einen wirklich guten Grund geben musste. Aber ich habe ihm nicht wirklich vertrauen können... Ich habe nur Dumbledore vertraut "
Draco schüttelte den Kopf. „Typisch Gryffindor!"
„Ja, vermutlich!"
Die beiden Jungen grinsten sich breit an und liefen hinab in die Kerker. Sie hatten noch zwei Tage, dann würde das große Feuerwerk gestartet werden. Dass Mick und Esmare ihre Geburtstage am kommenden Samstag gemeinsam groß feierten, war einfach eine perfekte Gelegenheit.
oooooooooo
Harry blickte ihn die gelbe brodelnde Masse im Kessel. Sie war sehr flüssig und die Blasen ungewohnt klein. Rotgoldener Rauch stieg auf und das leise Zischen behagte Harry nicht. Wenn der Ring in dieser Brühe schmelzen sollte, wer sagte ihm dann, dass der Kessel nicht auch irgendwann seinen Geist aufgab?
„Vertraust Du meinen Fähigkeiten etwa nicht?" die Frage war ein wenig spöttisch und Harry lachte.
„Doch eigentlich schon, aber ich glaube nicht, dass Du der Experte bei ätzenden Zaubertränken bist!"
„Stimmt schon, aber der Kessel ist eine Sonderanfertigung und wird diese Brühe schon abhalten können. Wenigstens für eine gewisse Zeit." Dracos Blick legte sich auch ein wenig skeptisch auf den Kessel. Aber er nickte bestätigend.
Harry seufzte. „Okay, in einer halben Stunde beginnt die Geburtstagsfeier... und JA wir müssen beide dort hin!"
„Ich habe doch gar nichts gesagt!" verteidigte Draco sich. Er wusste genau, dass er um die Geburtstagsfeier nicht drum herum kam, sie hatten es schon zu genüge ausdiskutiert und eigentlich hatte Harry ja Recht. Zehn oder 20 Schüler aus verschiedenen Häusern waren wohl die sichersten Zeugen, dass Harry und Draco den Abend ganz lieb und unschuldig geblieben waren. Jedenfalls war das Harrys Plan.
„Dann lass uns losgehen. Zünde die vermaledeite Kerze an und dann lass uns verschwinden! Ich muss mich noch umziehen."
„Drängel' nicht so, Drache!"
„Was willst Du hier denn noch machen?"
Nach weiteren 5 Minuten sinnloser Diskussion ergab Harry sich seinem Schicksal und zündete die Kerze an. In etwa 2 Stunden würde die Kerze soweit heruntergebrannt sein, dass der Faden sich löste. Er würde somit den Ring hinab in die brodelnde Flüssigkeit fallen lassen. Wie lange es dauern würde, bis das Gold und der Schutzzauber durch die Säure verätzt werden würde, wusste keiner von beiden, aber sie hatten schließlich auch nicht vor, jemals wieder in die Kammer hinab zusteigen.
Harry tat sich ein wenig schwer damit, dieses Experiment so allein zu lassen, aber Draco zog ihn schließlich weiter. Alle Türen der Kammer wurden verriegelt und mit allem, was sie aufbringen konnten versiegelt. Niemand würde wieder hier herunter kommen können, denn sie wussten nicht, welche Zauber ausgehebelt werden mussten. Die beiden Jungen kletterten aus dem Geheimgang wieder in Myrthes Badezimmer, welches heute Abend ausnahmsweise mal leer, still und sauber war.
„Was ist, wenn das Feuer unter dem Kessel ausgeht? Was ist, wenn der Ring daneben fällt? Was ist, wenn..."
„wenn die Kerze erlischt? Ich weiß, dass Du Dir viele Sorgen machst, aber wir können jetzt nichts mehr tun. Wir werden abwarten. Oder willst Du nachher runter gehen und nachsehen?"
Harry schüttelte den Kopf. Er würde sich zusammenreißen müssen. Zum Glück sorgte Draco dafür, dass er eine ordentliche Robe anzog und seine Haare vernünftig zusammenband. Missmutig und mit einem bösen Blick für Harry verpasste Draco dem schwarzhaarigen einen mächtigen Kosmetikzauber, der die dunklen Augenringe komplett verschwinden ließ.
„Hey, dass hätte ich auch machen können!" beschwerte Harry sich.
„Ja, hättest Du, aber es passt nicht zu Dir, dass Du Dich mit Kosmetikzaubern auskennst!" knurrte Draco und Harry starrte ihn an. Nach ca. 20 Minuten waren sie beide fertig. Zum Glück hatten sie schon alles vorbereitet, damit sie sich nur noch umziehen mussten.
„Na, dann zeig mir mal die Höhle des Löwen!" brummte Draco, als auch er wirklich fertig war. Harry musste neidlos feststellen, dass Draco wirklich Ahnung hatte vom stylen. Beide Jungen sahen wirklich zum Anbeißen aus.
„Oh ha! Ich wusste, dass es keine gute Idee war, Dorian die Führung zu übergeben!" stöhnte Lin, als sie die beiden Jungen aus dem Schlafsaal kommen sah. Beide blickten sie fragend an.
„Was Lin sagen will ist, dass Ihr Euch gar nicht wundern dürft, wenn Euch ständig und überall verliebte Blicke folgen. Ihr seht echt zum anbeißen aus... ähm... nicht für mich!"
Lin lachte und Harry wurde blass. Er wollte sich schon umdrehen und irgendetwas an seinem Aussehen ändern, aber Draco zischte ihm nur zu, dass sie dafür keine Zeit mehr hatten. So ergab Harry sich auch diesem Schicksal. „Du bleibst aber in meiner Nähe!" knurrte er leise und zu viert begaben sich die Jungen hinauf zum Bild der fetten Dame.
„Woher weißt Du, wo der Eingang zum Gryffindorturm ist?" fragte schließlich Lin. Draco starrte sie erschrocken an. Auch Harry verlor sichtlich an Farbe.
„Ähm... Ganz einfach... ähm... Lily hat es mir mal gezeigt!" Es war eine Ausrede, aber zum Glück hatten die Slytherins keine Zeit weitere Fragen zu stellen, denn der Eingang öffnete sich und sie betraten das wild geschmückte Reich der Löwen. Lin und Sanuel gingen gleich hinüber zum Buffet, um der großen Umarmungszeremonie auszuweichen. Harry und Draco waren dafür nicht schnell genug oder zu interessant.
Lily begrüßte Harry mit einer festen Umarmung und auch Draco musste es über sich ergehen lassen. „Es ist wirklich schön, dass Ihr jetzt hier seid!"
Harry nickte. „Warum findet die Geburtstagsfeier von Mick und Esmare hier statt?"
„Sie wechseln sich jedes Jahr ab, mal in Ravenclaw, mal in Gryffindor und dieses Jahr ist halt Gryffindor dran."
„Warum feiert ihr nicht ganz woanders?" fragte Draco, der sich gerade eine Flasche Butterbier nahm und auch Harry eine reichte. Lily lächelte nur über dieses vertraute Verhalten. Sie hätte nicht gedacht, dass dieser blonde Slytherin sich einmal so um den Schwarzhaarigen kümmern würde. Und es schien als ob genau dieser es brauchte, dass jemand sich um ihn kümmerte.
„Die Lehrer wollen es, glaube ich, ein wenig unter Kontrolle wissen und dass haben sie nur, wenn es in irgendeinem Gemeinschaftsraum stattfindet."
„Klingt logisch!"
Lily entschuldigte sich und verschwand in der immergrößer werdenden Schülermasse.
„Komm schon, Panther, entspann Dich ein wenig!"
„Kann ich nicht!" sagte Harry entschuldigend, nahm aber einen großen Schluck aus seiner Flasche. Es war ein so bedrückendes Gefühl hier in seinem alten Gemeinschaftsraum zu sein. Es war wirklich nicht einfach sich hier zu entspannen. Die Erinnerungen an Ron und Hermione, Dean, Seamus, Neville, Ginny, Fred und George und alle anderen Gryffindors waren hier einfach zu präsent.
„Zeig mir Deine Welt!" Dracos Worte waren nur geflüstert, aber für Harry waren sie laut und deutlich zu verstehen. Er blickte Draco überrascht an. Dann schlich sich ein Lächeln auf Harrys Lippen. Draco interessierte sich für sein Leben. Sein wahres Leben...
Auch Draco lächelte, er hatte schließlich einen Weg gefunden, wie er Harry etwas ablenken konnte und es interessiert ihn wirklich.
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Lin und Sanuel standen zusammen mit Mick und einer anderen Ravenclaw-Schülerin. Sie lachten gerade über eine Kindheitsgeschichte, die Mick erzählte, als ein anderes Mädchen erschien. „Hey Lütte!", begrüßte Mick das jüngere Mädchen.
„Hi Große! Wie ich sehe, hast Du noch immer nicht eingesehen, dass es gefährlich ist sich mit den Slytherins anzufreunden", ihr Ton war kühl und Lin zog die Stirn kraus.
„Ich glaube Anyakista, dass ich mal mit Mum und Dad reden sollte. Deine Gastfreundlichkeit lässt ein wenig zu wünschen übrig!" zischte Mick eindeutig sauer.
„Es sind ja nicht meine Gäste und ich bin nun mal niemand, den man einfach um den Finger wickeln kann!" schnappte Micks jüngere Schwester erbost.
„Also wenn ich mich recht erinnere, dann hast auch Du versucht ein Date von Adrian zu erlangen!" schnappte Lin zuckersüß zurück. Micks Augen wurden groß und Anyakista starrte die Slytherin wütend an.
„Du hast ja keine Ahnung, Schlange. Aber ich wüsste nur zu gerne, wie Ihr hier her gekommen seid? Ich habe Euch jedenfalls nicht reingelassen!" Anyakista schnaubte herablassend und verschwand dann mit wütendem Schritt.
Mick stöhnte auf. „Dieses Alter ist wirklich furchtbar. In dem einen Moment bettelt sie mich um Hilfe an und im nächsten hasst sie mich. Ich weiß echt nicht, wie ich damit umgehen soll! Bitte entschuldigt ihr Verhalten."
„Kein Problem!" sagte Sanuel und lächelte Mick zu.
„Aber ich wüsste auch, wie Ihr den Weg zum Gryffindorturm gefunden habt?! War es schwer?"
„Adrian hat ihn uns gezeigt!" sagte Lin vorsichtig. „Er sagte, dass Lily ihm den Weg gezeigt hatte!"
Mick blickte sie überrascht an, dann suchte sie Lily in der Menge. Sie unterhielt sich gerade mit Remus. Vielleicht hatte Lily dem Slytherin wirklich den Weg gezeigt, aber warum hatte sie das vorhin nicht gesagt?! Hatte sie es selbst vergessen?
Ach verdammt, sie feierten heute ihren Geburtstag und da sollten nicht irgendwelche trüben Gedanken über Adrian Oberhand gewinnen. Es begann ein wirklich gutes Lied und Mick zog das andere Ravenclaw-Mädchen mit auf die Tanzfläche. Ein kurzes entschuldigendes Lächeln erübrigte sie allerdings noch den zwei Slytherins.
Lin und Sanuel blickten sich an. „Er hat gelogen!" flüsterte Lin und Sanuel nickte ernst.
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Es verging noch eine ganze Weile der friedlichen Feier, bis ein ungeahnter und vor allem unangekündigter Knall das ganze Schloss erzittern ließ. Alle Schüler ließen sich sofort zu Boden fallen und viele schrieen panisch auf. Draco starrte Harry an. Beide waren kreidebleich, aber standen sich noch gegenüber.
„Oh mein Gott!" stöhnte Harry und biss sich auf die Unterlippe.
Es dauerte nur wenige Minuten, bis dass Schloss wieder durch einen Knall erschüttert wurde und die Schreie der Schüler wurden lauter. Alle reagierten total panisch.
So war das Ganze nicht geplant gewesen.
Harry riss sich von Draco los und sprintete zum Ausgang. Er musste raus hier, er musste wissen, was da unten wirklich passiert war. Ob womöglich der Slytheringemeinschaftsraum Schaden genommen hatte oder irgendwelche anderen Räume oder gar Personen. Draco lief ihm sofort nach, aber sie kamen nicht weit, denn kaum wollten sie den Ausgang passieren, als McGonagall vor ihnen auftauchte.
Sie war in ihrem Schottenrock gekleidet, den Harry schon kannte, allerdings sah er jetzt noch sehr neu aus. Ohne große Worte zu verlieren, scheuchte die Lehrerin die Jungen energisch zurück in den Gemeinschaftsraum.
Die panischen Schreie und das aufgeregte Reden verstummten, als die Hauslehrerin in der Mitte des Raumes ankam. Alle starrten sie mit großen ängstlichen Augen an. Viele, vielleicht alle, erwarteten einen Todesserangriff. Manche blickten finster und voller Hass zu Harry, Draco, Lin und Sanuel, den einzigen Slytherins bei dieser Party.
McGonagall hob ihre Hand und nun starrten alle sie gebannt an. „Meine lieben Schüler, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass die Professoren und der Schulleiter noch keine Ahnung haben, woher die Erschütterungen und der explosionsartige Knall herrühren!"
Das aufgeregte Gebrabbel begann sofort wieder und von einigen konnte man ein „Todesserangriff!" oder ein „fragen Sie doch die Schlangen!" hören. McGonagall blickte zu den vier Schülern und verzog missbilligend das Gesicht.
„Wie es im Moment schein, kommt die Gefahr nicht von außen, aber genaues wissen wir noch nicht. So sehr es mir auch missfällt, so hat der Schulleiter doch bestimmt, dass alle Schüler an ihren gegenwärtigen Aufenthaltsorten bleiben!" Viele Schüler rissen erschrocken die Augen auf.
„Gibt es Verletzte?" fragte Harry in die angespannte Stimmung hinein. McGonagalls Blick bohrte sich in seinen.
„Gib es einen besonderen Grund, warum Sie annehmen, dass es Verletzte geben könne, Mr. Jericle?"
Harry blickte kühl zurück, aber Sanuel antwortete. „Das Rütteln war nicht ganz unerheblich, es könnte schnell zu ernsten Verletzungen kommen, oder etwa nicht?"
McGonagall blickte den Vertrauensschüler aus Slytherin kalt an. „Es gibt keine mir bekannten Verletzungen und auch hat das Schloss bisher keinen sichtbaren Schaden angenommen."
„Das ist gut!" flüsterte Harry leise. Er rechnete nicht damit, dass nicht nur Draco, sondern auch Lin und Sanuel dieses hörten.
„Mr. Jericle, haben Sie etwas mit diesem Zwischenfall zu tun?"
„Wie sollte er, Professor? Wir sind seit etwa zwei Stunden vielleicht auch drei hier und haben den Gemeinschaftsraum der Gryffindors nicht verlassen."
McGonagalls Blick wanderte über die anderen Schüler und erhielt dort nur widerwilliges, aber bestätigendes Nicken. „Also gut! Zu ihrer aller Sicherheit werden Sie alle hier bleiben. Die Vertrauensschüler aus Gryffindor werden dafür sorgen, dass jeder eine akzeptable Stelle zum Schlafen findet. Mädchen und Jungen getrennt. Die Party ist vorbei. Ich werde in etwa 40 Minuten wiederkommen! Gute Nacht!" Mit einem letzten energischen Nicken zu Lily, Remus und den anderen Vertrauensschülern aus Gryffindor, marschierte McGonagall aus dem Raum hinaus. Sie hinterließ eine erdrückende Stille.
„Ich schlafe nicht mit den Schlangen in einem Raum!" zischte ein Hufflepuff-Junge aufgebracht. Einige anderen Schüler schlossen sich dem sofort an. Die Blicke verrieten nicht nur Angst, sondern auch einen unterschwelligen Hass. Es würde zu keiner friedlichen Nacht kommen, wenn man die Slytherins bei den anderen schlafen ließ.
Remus guckte ein wenig panisch durch den Raum, dann tauschte er einen Blick mit Sirius und James, beide nickten schließlich. „Sanuel, Dorian und Adrian schlafen bei uns im Zimmer!" sagte Remus mit kräftiger Stimme. Das erschrockene Quietschen von Peter ignorierte der Werwolf genauso wie James, der die drei Slytherins zu sich wank.
Harry blickte zu Lin, die gerade von Esmare in den Mädchenturm gebracht wurde. Remus beugte sich zu Harry rüber: „Ich glaube in unserem Schlafsaal seid ihr am sichersten aufgehoben!"
Harry nickte knapp und folgte nun James und den anderen zu dem Schlafsaal der Jungen. Draco hob überrascht die Augenbrauen, als er den Raum betrat. „Was ist denn hier passiert?"
Harry wurde kreidebleich und schluckte schwer.
Der Boden bestand noch immer aus dem goldenen Nebel und die Betten hatten noch die Optik von fließendem Wasser, der Rest seiner Flüche aus dem Septembereinbruch waren behoben worden. Dies waren die Überbleibsel.
„Ein Unbekannter war der Meinung unseren Schlafsaal ein wenig aufzufrischen!" sagte Sirius mit einem fragenden Unterton. Er beäugte Draco genau, dann blickte er zu Harry, der sich aber wieder gefangen hatte und versucht überrascht und unschuldig zu gucken.
„Und wo schlafen wir?" fragte Sanuel, der sich gerade an die Geschichte vom September erinnert hatte und an das rußverschmierte Kopfkissen. Er blickte zu Harry, der allerdings den Blick nicht bemerkte, dafür aber Draco. Seine blonden Augenbrauen zogen sich gefährlich zusammen. Dies war aber eine Geschichte, die sie nicht hier in Anwesendheit der Gryffindors ausdiskutieren konnten.
„Ich denke, dass Sirius und ich ein Bett teilen und auch Peter und Remus, dann könnte ihr Euch irgendwie auf die zwei freien Betten verteilen."
„Ohh...!" stöhnte Remus leise auf.
Alle blickten ihn nun fragend an. Remus wurde knallrot. „Peter schläft nur so verdammt unruhig..." stammelte er leise. Harry lachte leise und erhielt nun die gesamte Aufmerksamkeit. Die anderen Jungen hatten Harry selten Lachen gehört.
Sirius zog die Augen zusammen. Das Lachen hatte irgendwie etwas sehr Vertrautes an sich.
„Ich kann auch auf dem Boden… ähm Nebel schlafen. Ich brauche kein weiches Federbett!" sagte Sanuel und schwang schon sein Zauberstab für eine Decke und Kissen. Es dauerte nur etwa 20 Minuten und alle Jungen waren bettfertig. Die Slytherins erhielten sogar Schlafanzüge von den Gryffindors und Draco verkniff sich die Frage, womit sie das verdient hatten.
McGonagall schaute wirklich 40 Minuten später in den Schlafsaal hinein und war überrascht, dass es so friedlich und ruhig zuging. Sie wünschte verbissen eine gute Nacht und verschwand dann. Kurze Zeit später tauchten Lily und Lin kurz auf. Auch diese wünschten eine gute Nacht und Lin steckte Harry eine kleine Dose hin. „Immer für einen Notfall gewappnet sein!"
James Augen verdüsterten sich. Auch Lily erkannte das kleine Döschen aus dem Krankenflügel wieder. Harry nickte Lin dankbar zu und öffnete es vorsichtig. Es waren nicht nur seine Tabletten drin, sondern auch Dracos. „Danke!" kam es leise von den Beiden, dann verschwanden die Mädchen widerstrebend in ihrem Schlafsaal.
Alle kletterten in ihre Betten und Remus blickte etwas sparsam, als Harry und Draco sich ihr Bett zurechtmachten, als ob sie es schon immer gewohnt waren gemeinsam in einem Bett zu schlafen. Sie sollten in dem Bett von Sirius schlafen und flüsterten gerade leise miteinander. Sanuel sah den Blick von Remus und lachte: „Kümmer' Dich nicht darum, eigentlich schlafen sie immer brav in getrennten Betten! Sie wachen nur gemeinsam in einem Bett auf!"
Remus schien noch irritierter.
„Haha, Sanuel, sehr witzig!"
„Aber es stimmt doch, Adrian. Jeder von uns dreien schläft in seinem Bett ein und wenn ich morgens aufwache liegt Dorian bei Dir mit im Bett und hält Dich fest, als ob sein Leben davon abhinge."
Harry wurde knallrot und Draco schnaubte. „Es ist gerade nur drei Mal passiert!"
„Ja, in einer Woche!" Sie tauschten noch halbwütende und halbzerknirschte Blicke, dann sagten sie gute Nacht und zogen ihre Decken über die Schultern.
„Ihr seid ein komischer Haufen, Ihr drei!" sagte James und lachte auf. Sirius riss seine Augen auf. Genauso hatte sich auch das Lachen von Adrian angehört, oder hatte ihm da die Müdigkeit einen Streich gespielt? Sirius legte sich zurück und blickte zu dem Bett der Slytherins hinüber. Die zwei Jungen würden wirklich ein süßes Pärchen abgeben. Leise lachte er, diese Zwei hatten wirklich ein Talent um die Sichtweisen der Menschen zu verändern. Er wünschte seinen Freunden noch süße Träume und schloss die Augen. Es war ein aufregender Tag gewesen.
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tbc
Die Ähnlichkeit in den Familien ist manchmal sehr erschreckend, oder? Kennt ihr es auch, dass man mit der Schwester oder Cousine nur einen Blick tauschen muss und dann genau weiß, was sie denkt? Auch zwischen guten Freundinnen oder Freunden geht es, aber mich überrascht es trotzdem immer wieder… g
