Titel: Ein Leben wie die Zukunft
Autor: Momixis
Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"
Kapitel: 4/6
Teil: 8/9
Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)
Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….
Inhalt: Harry und Draco sind durch die Zeit gereist und nun haben sie die Chance etwas zu verändern. Harry will diese Möglichkeit nutzen ohne die Menschen, die ihm wichtig sind in Gefahr zu bringen. Wird er es schaffen? Wird er alleine den Weg gehen können? Welche Rolle wird Draco zu Teil? Und halten die Rumtreiber und die anderen Schüler von Harry? Was denkt Dumbledore?
MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!
Danke an die Reviewer!!
Hi DjEngelchen!! (erstmal wieder aufstehen muss) Danke für das große Lob... Es freut mich immer sehr, wenn ich jemanden erfreuen kann und dass das Ritual so gut ankommt ist doppelt toll. Viel Spaß beim nächsten Kapitel. Hoffentlich gefällt es dir genauso gut... knuddel.
Hallo kleiner Kobold!! Ich hoffe, dass du die Wartezeit gut verbracht hast... ich fürchte nur, dass du diesesmal nicht ganz so zufrieden mit mir sein wirst... Trotzdem viel Spaß dabei...
Hi Zissy!! Nicht auf mich sauer sein, bitte!! Du kannst doch nicht von mir erwarten, dass ich, wenn ich krank bin, dann noch irgendwie logisch denken soll, oder? Außerdem wusste ich schon, dass es ein bekannter Unbekannter war/ist. Und an die regelmäßig-Reviewer sind meine Knuddler immer besonders herzlich... bemerkst du das nicht? (dich super doll knuddelt) ... du solltest deine Bedürfnisse vielleicht vor dem Lesen erfüllen?! Dann kannst du das Kapitel viel besser genießen... Viel Spaß... und bitte nicht sauer sein, knuddel und drück.
Hallo Marius DeJordan!! Es ist klasse, wie du ganz nebenbei versicherst, dass meine FF zu den besseren gehört. Vielen Dank dafür. Ich finde, dass die meisten FFs sich zusehr auf Romanze konzentrieren... und viele Probleme einfach beseitigt werden. Ich hoffe sehr, dass du noch deinen Spaß haben wirst. Warum unsere zwei Helden vor dem Ministerium in Acht gehen? Ich denke, sie wollen Problemen aus dem Weg gehen... und wie sollten sie beweisen, dass sie mal tot waren? Eine heikle Angelegenheit. Ich wünsche jedenfalls viel Spaß bei denletzten Kapiteln... knuddel.
Hi Glupit!! Tom wird nicht viel Gelegenheit finden, näher an Draco heran zu kommen... versprochen!! Wobei ich mir das sehr gut bildlich vorstellen kann, wie du in meine Story spingst und meinen Helden ihre Aufgabe wegnimmst, indem du Tom einfach so zur Schnecke machst (grins) Viel Spaß noch, knuddel.
Hey Saphirath!! Vor dir sollte ich wohl in Deckung gehen, was? Denn es werden garantiert nicht alle heil davon kommen... aber dafür musstest du nicht sooooo lange warten, oder? Viel Spaß und mach es dir bequem... (Dich mit Weihnachtskeksen bestech!!) Knuddel.
Hallöchen Seelentochter!! knuddel. Voldi wird sterben... ich denke, dass es auch für ihn am Besten ist... (Der Tod ist nur das nächste Abenteuer... und manchmal muss man sich seinen Ängsten stellen) (g) Viel Spaß und ich knuddel dich ganz doll...
Ich liebe Reviews... ich liebe es sie zu beantworten und Eure Meinungen zu lesen... Wann hat man schon so eine Möglichkeit sich zwischen Autorin und Lesern auszutauschen?? Ich finde es einfach klasse...
Teil VIII
Tödliche Verbündete
Kapitel 4
Verzweifeltes Hogwarts
Remus stöhnte unter der Last. Er wusste plötzlich genau, dass sie es nicht alleine schaffen würden. Die Magie war zu stark. Sie würden sterben, bevor es zu ende war.
Remus zitterte. Adrian hatte ihm das Ritual anvertraut und nun versagte er kläglich. Er wusste, dass er versagen würde. Es ging gar nicht anders.
„WAGEN SIE ES NICHT JETZT AUFZUHÖREN!" schrie plötzlich eine bekannte Stimme. Remus brauchte nicht hinab zu schauen, um zu wissen, wer es war, aber irgendwie konnte er es nicht glauben. Warum sollte Minerva McGonagall das Ritual unterstützen? Erst beim nächsten Gedanken wurde ihm bewusst, dass es der Lehrerin nur um ihre Leben ging. Es war noch gefährlicher, wenn sie das Ritual jetzt abbrechen würden.
Die Gefahr spürte Remus mit jeder Faser seines Körpers, denn die Magie war heftig. Sie war mächtig und ein Abbruch des Rituals würde eine unkontrollierte magische Eruption zur Folge haben. Die Folgen wären verheerend.
Aber Remus wusste wie wichtig das Ritual war… er musste es versuchen… aufgeben kam nicht in Frage… auf keinen Fall…
Mühsam hob Remus seine Hand über die Kerze. Die Hitze spürte er nicht.
„Godric Gryffindor, möge Dein Schwert als Sinnbild für Tapferkeit und Loyalität in Hogwarts und der gesamten Welt stehen!"
Remus hatte das Gefühl von Innen zu erstarren, als sich langsam das Schwert von Gryffindor in seiner Hand manifestierte. Dumbledore fluchte laut und McGonagall zuckte an seiner Seite erschrocken zusammen.
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Dumbledore stand neben McGonagall und einige Schritte von Milerudis entfernt. Er starrte ungläubig auf die schwebenden Schüler. Er kannte das Ritual nicht. Es war kein Normales oder Bekanntes und es machte ihm Angst. Die Schüler waren in größter Gefahr und er konnte nichts dagegen tun. Er war in diesem Moment total hilflos.
„Bleiben Sie hier, ich werde das Ministerium benachrichtigen!" sagte Dumbledore mit scharfer Stimme. Nichts war mehr von dem liebenswürdigen und schrulligen Schulleiter zu bemerken. Dumbledore war besorgt… und diese Mal wusste er nicht, was er machen sollte. Dies war eine neue Situation für ihn. Jemand, total unbekanntes diktierte das Geschehen und Dumbledore gefiel nicht, dass es sich dabei um einen Schüler handelte. Einen Schüler seiner Schule.
Mit großen Schritten und wehendem Umhang rannte er die Treppen hinauf. Der Zugang war schon geöffnet und Fawks trillerte leise vor sich hin. Dumbledore konnte nicht erkennen, ob hoffnungsvoll oder besorgt. Er wusste nur mit plötzlicher Sicherheit, dass Fawks auf Adrians Seite stand.
Er hatte jetzt aber keine Zeit um darüber nachzudenken. Er rief über den Kamin Alistor Moody, den Leiter des Auroren-Büros an und berichtete in kurzen Sätzen von den aktuellen Geschehnissen in Hogwarts.
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„Der Bann steht!" rief Draco Harry zu, als er kurz das blaue Flackern am Himmel sah. Ein Fluch warf ihn aber sofort hoch in die Luft und nur Harrys schnelles Eingreifen sorgte für eine ungefährliche Landung. Wirklich angefangen hatte es noch nicht, denn noch hielt Voldemort sich und seine anderen Anhänger zurück. Er beobachtete nur, wie seine ausgesandten Todesser sich gegen die zwei Jungen schlugen.
Es war allerdings offensichtlich, dass die Jungen sich nicht zum ersten Mal duellierten. Sie hatten gute Lehrer gehabt. Sie hielten die vier aktiven Todesser gut in Schach.
Ein Fluch von Rudolfus Lestrange lies Harry schreiend zu Boden gehen. Während Draco sich noch aufrappelte und sich gegen die zwei anderen Todesser wehrte, flog ein unbekannter Blitz durch die Menge und verpasste Rudolfus eine blutige Schramme im Gesicht.
Rudolfus wischte sich wütend über die Stirn und blickte auf das Blut an seiner rechten Hand. Er hatte selten in Duellen Verletzungen abbekommen. Er war es nicht gewohnt zu verlieren. Der Todesser starrte finster in die Richtung, wo der Fluch herkam, aber er konnte nichts sehen. Nur graue Nebelschwaden.
Dies war für ihn aber kein Grund zum Zweifeln. Unbeirrt schoss er einige böse Flüche in die graue Masse. Die zwei Jungen waren im Moment anderweitig beschäftigt, von denen könnte der Fluch nicht stammen.
Plötzlich traf ihn ein Fluch in der Seite und zwei dunkle Schatten waren im Nebel rechts von ihm zu erkennen. Zwei Schatten, die langsam näher traten. Mit gezogenen Zauberstäben.
„Was geht hier vor?" schrie Rudolfus überrascht über das Auftauchen der Unbekannten. Voldemort ruckte herum. Alle senkten die Zauberstäbe vor lauter Überraschung und blickten zu Rudolfus. Er stand in der Hierarchie der Todesser immerhin sehr weit oben… sein Schrei war untypisch und erhielt daher die uneingeschränkte Aufmerksamkeit.
„Es hat noch nicht begonnen!"
Harry zuckte zusammen. Er wusste, wem diese Stimme gehörte. Zwar hatte er sie noch nie so kalt gehört, aber der Mut hinter diesen Worten war unverkennbar. Sirius wusste genau, was er wollte. Dass er dabei gegen seine Blutsverwandten kämpfte hielt ihn nicht davon ab „Verwandte kann man sich nicht aussuchen, Familie schon!" hatte er mal zu Harry gesagt. Die Potters waren Sirius' Familie.
„Wer seid Ihr?" schrie Rudolfus scharf in die Still hinein.
Einen Moment herrschte kaltes Schweigen, dann ertönte Lilys Stimme klar und deutlich.
„Lily Evans, Gryffindor!"
„James Potter, ebenfalls Gryffindor!"
„Salina Clear, Ravenclaw!"
„Esmare Pein, Gryffindor!"
„Sirius Black, Gryffindor!" Der Stolz und gleichzeitig der Spott über seine eigene Familie war deutlich zu erkennen. Harry war sich sicher, dass Bellatrix nach Luft schnappte.
„Severus Snape!" Severus hörte sich bei weitem nicht ganz so sicher an, aber Harry glaubte nicht, dass er jetzt einen Rückzug machen würde, es würde den Stolz komplett vernichten.
„Micksonema Clar, kurz Mick und …ach ja, auch Ravenclaw!"
„Lucius Malfoy!" Konnte die Stimme noch kälter werden? Harry bezweifelte es.
Dieses Mal konnten Harry und Draco deutlich einen lautlosen Schrei des Entsetzens hinter sich vernehmen. Eindeutig waren unter den Todessern Familienmitglieder der Familie Malfoy vertreten.
„Lin Yotsamu und Sanuel Quilg!" sagte Lin gelassen und Sanuel fügte stolz hinzu: „Slytherin!"
Eisiges Schweigen herrschte und Harry konnte ein breites Grinsen nicht verkneifen. Voldemorts Augen flackerten gefährlich, aber Harry hielt dem Blick stand.
„Ich glaube wir haben jetzt alle vorgestellt!", sagte Draco ruhig.
Harry blickte Voldemort herausfordernd an. „Vielleicht trauen sich Deine Anhänger auch diesen Schritt?"
Es war ein sehr seltsames Bild. Alle standen still da. Fast ein Kreis und langsam trat Harry auf Voldemort zu. „Trauen sie sich oder bist Du zu feige, Tom?"
Sanuels einziger Gedanke dazu war: „Typisch Gryffindor!"
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Karina blickte Dominik nicht an. Zu groß war die Angst. Angst, dass dies noch ein böses Ende nehmen würde. Angst, dass sich dies als Fehler herausstellte.
„Helga Hufflepuff, möge Dein Kelch für Klarheit, Wahrheit und Freundschaft stehen… Unter uns, in Hogwarts und in der ganzen Welt…!"
Das Hufflepuff-Mädchen hatte das Gefühl sich gleich übergeben zu müssen. Der Druck der Magie war jetzt schon kaum auszuhalten und er stieg dabei bei jedem einzelnen Wort weiter an.
Dominik suchte Karinas Blick, aber sie wich ihm auch weiterhin aus. Sie wollte nicht die Skepsis und Angst in seinen Augen sehen.
Auch Remus blickte starr in die Flamme der Kerze ohne jemanden anderen anzusehen. Es war für ihn die einzige Möglichkeit dem Druck standzuhalten.
Was hatten sie hier bloß begonnen?
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„Das Ritual sollte langsam beendet sein, oder?" fragte Esmare leise.
Sanuel biss sich auf die Lippe. Er war sich ziemlich sicher, dass das Ritual noch lange nicht vollendet war. Aber er wusste auch, dass ihnen die Zeit weglief.
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„Alistor!"
„Albus!"
Moody stand vor dem Schulleiter im Büro. Es war nur eine knappe Begrüßung, immerhin hatten sie gerade noch über Flohnetzwerk geredet. Aber Alistor Moody konnte es noch immer nicht wirklich glauben.
„12 Deiner Schüler sind weg, um Voldemort zu töten und vier schweben überm Quidditchfeld, beim Versuch ein mächtiges Ritual durchzustehen?" fragte Moody brummend und Dumbledore nickte mürrisch. „Wann bitte hast Du die Kontrolle über Deine Schüler verloren, Albus?"
Dumbledore grummelte nur: „Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt um über die letzten Monate zu reden!"
Der Schulleiter lief in seinem Büro auf und ab. Zwischendurch strich er sich durch den Bart und putzte seine Brille mit einem Taschentuch. Er wirkte sehr unruhig und besorgt. „Wir müssen etwas tun, Alistor! Aber zum ersten Mal in meinem gesamten Leben, weiß ich nicht, wo ich ansetzen soll. Uns rennt die Zeit davon!"
Moody beobachtete seinen alten Freund von seinem Standort am Fenster genau. Er hatte ihn noch nie so besorgt erlebt. „Was ist mit dem kleinen Black?" knurrte Moody. Er ließ sich dabei in einen der Sessel fallen, behielt Dumbledore aber weiterhin im Blick.
„Regulus Black! Er hat mir Informationen gegeben!" sagte Dumbledore.
„Informationen, die Dir nur wenig Neues verraten haben, aber Dich einige wertvolle Minuten aufgehalten haben." Moody erhob sich aus dem Sessel. „Ich denke, wir sollten noch mal mit dem Burschen reden!"
„Warum sollte Regulus auf der Seite von Jericle kämpfen?" Dumbledore traute Jericle vieles zu, aber er hatte nie beobachten können, dass er besonders viel Regulus gesprochen hatten. Es schien sogar eine ganz normale Feindschaft zu sein.
„Warum sollte Lucius Malfoy, Narcissa Black und Severus Snape sich gegen ihre Familien stellen?" stellte Moody die beängstigende Gegenfrage. Auch wenn er Adrian Jericle bisher nicht kennen gelernt hatte, so wusste er doch jetzt schon, dass es sich um einen bemerkenswerten jungen Mann handeln musste. „Er ist ein Black und wäre er nicht auf Jericles Seite, dann hätte er alles getan, damit Du die Jungen erwischst und somit von Hogwarts wirfst!"
Moodys Worte waren nicht ganz unlogisch. Hatte Adrian Jericle genug Einfluss um auch Regulus Black aus seiner Erziehung und Weltanschauung zu lösen? Gut, Adrian Jericle hatte genug Macht um sogar Narcissa Black und Lucius Malfoy für seinen Weg zu kriegen, warum nicht dann auch Regulus Black?! Nur wann war es passiert? Wie hatte der kleine Junge es geschafft?
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Dominik zögerte nicht lange. Er wollte dieses Drama nur endlich hinter sich haben. Für Fragen und Zweifel war kein Platz mehr. Der Druck war dafür einfach zu stark.
„Rowena Ravenclaw, möge Dein Stab… für Bildung und Wissen stehen… Möge es als Zeichen von Weisheit in Hogwarts und überall angesehen werden!"
Die vier Schüler wussten, dass der Druck langsam wirklich lebensgefährlich wurde. Was würde passieren, wenn Narcissa ihre Worte gesagt hatte?
McGonagalls Gesicht war sichtlich blass. Sie konnte sich nicht erklären, woher das Schwert, der Kelch und der Stab gekommen waren. Sie wusste nicht, dass diese Gegenstände bis eben noch auf den Kaminsimsen der entsprechenden Gemeinschaftsräume lagen und dies in diesem Moment noch die einzige Schwachstelle des Rituals war.
„Salazar Slytherin, möge Dein Medaillon für Macht und Gerissenheit stehen… möge es… wieder als Zeichen… für Stolz in Hogwarts… und über alle Grenzen hinaus bekannt sein!"
Gepeinigt schlossen sie die Augen. Der Atem ging stocken und schwer.
Das Blau der magischen Kugel verfärbte sich langsam in rot, dann dunkelblau, grün und schließlich gelb. Es endete in einem grellen weiß, das immer heller und mächtiger zu werden schien. Wie die Farbe so wurde auch der Druck schmerzhaft.
Alle vier griffen sich an den Hals. Sie bekamen keine Luft mehr.
Narcissa wollte das Medaillon loslassen… in der Hoffnung, dass die Magie sich dadurch ein wenig besänftigte, aber ihre Finger wollten sich einfach nicht öffnen.
Dominik wurde von Moment zu Moment blasser. Die Magie ballte sich immer mehr, aber die erhoffte Erlösung blieb aus. Es war genug Magie da, aber es passierte nicht das, was Adrian erwartet hatte… die Eruption fehlte… der Höhepunkt war offenkundig noch immer nicht erreicht…
Remus wusste mit plötzlicher Sicherheit, dass irgendetwas fehlte… Die Magie wartete regelrecht auf ihre Freilassung… aber etwas hielt sie noch auf. Er spürte die Magie überall… in sich drinnen… und um ihn herum… Sie forderte etwas…
Und Remus hatte nicht den blassesten Schimmer, was es sein könnte…
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„Avada Kedavra!" schrie Voldemort.
Der grüne Blitz schoss direkt und ungehindert aus dem Zauberstab heraus. Wäre er auf Harry gerichtete gewesen, dann wäre Harry jetzt tot.
Aber der Fluch war auf Lucius gerichtet, der allerdings von Lin kräftig zur Seite gestoßen wurde.
„Noch ein Fehler", sagte Harry und blickte Voldemort kalt an. „Die, die die größten Zweifel hatten, hast Du nun überzeugt! Wie schwach Du doch bist, dass Du das nicht gesehen hast!"
„Wer bist Du, dass Du so viele Verräter zusammenbekommst?!"
„Warst Du Dir die Treue der Malfoys so sicher? Ein wenig Überheblich, findest Du nicht? Die Malfoys sind klug und gerissen, ihr Stolz und ihre Würde sind ihr großes Makel. Irgendwann wären sie auch alleine darauf gekommen, dass Du nur vorübergehend herrschst!"
Draco spürte die Anspannung, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. Selbst jetzt hatte Harry genug Mut, um die Ehre der Malfoys hervorzuheben. Harrys Worte gingen runter wie Öl, besonders da Harry nicht nur aus Erfahrung sprach, sondern vom Glauben. Harry Potter hatte den Glauben in die Malfoys. Harry glaubte an Draco!
Für Harry Potter war es ein fast normales Gespräch. Angst oder Demut gab es nicht für Harry Potter, durfte es nicht geben, denn er hatte einen Weg zu gehen. Wenn Harry Potter etwas anfing, dann mit seinem ganzen Sein. So schwer es auch werden könnte.
Für einen Bruchteil einer Sekunde ging Draco durch den Kopf, was dies eventuell für seine Beziehung zu Harry bedeuten konnte. Die aktuelle Situation forderte zu schnell wieder Dracos volle Aufmerksamkeit. Er konnte sich nicht länger Gedanken darüber machen.
„Glaubst Du ich kenne die Malfoys nicht?"
„Du kennst jedenfalls nicht die Zukunft und Du wirst sie nicht kennen lernen!"
„Verräter!" schrie Bellatrix. Nur die gespannte Situation und die schlechte Laune von ihrem Meister ließ sie wohl sich im Hintergrund aufhalten.
„Ich wollte Dir doch nur die Situation noch einmal klar vor Augen führen, Tom. Der Hass ist so alt und doch hat er keine Chance!"
„Lügner!"
„Hast Du in Geschichte nicht aufgepasst?" Harry blickte ihn höhnisch an. „Hast Du keine Bilderbücher im Kinderheim gelesen? Keine Märchen und Fabeln?"
„Das ist Muggelkram!" zischte Voldemort. „und hat gar nichts mit dem hier zu tun. Hier geht es um Macht!"
„Nein!" Harry schüttelte den Kopf. „Du wirst nie die nötige Macht haben um zu siegen!"
„Crucio!"
Auch wenn Harry dies erwartet hatte, so konnte er dem Blitz kaum ausweichen. Der Fluch zerriss seinen schwarzen Umhang und hinterließ sogar eine blutige und schmerzhafte Schramme an der Hüfte.
Draco zog scharf die Luft ein. Sein Zauberstab war zwar die ganze Zeit schon fest in der rechten Hand, aber jetzt hob er ihn wieder kampfbereit. Draco verstand nicht wirklich, warum Harry Zeit schindete, denn nichts anderes war es…
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„Warum geht es nicht weiter?" fragte Milerudis in die Spannung hinein. McGonagall konnte es nicht beantworten. Sie sah blass und sprachlos zu ihren Schülern hinauf. So etwas hatte sie noch nie gesehen und wollte es auch nie wieder sehen müssen.
„Sie werden sterben!" ergänzte Milerudis ihre eigenen Worte. So Unrecht hatte sie wirklich nicht. Die vier Schüler schienen langsam gar keine Luft mehr zu bekommen und dies mit ansehen zu müssen, war einfach schrecklich.
„Verdammt!" fluchte plötzlich Regulus neben den zwei Lehrerinnen. Sie hatten den kleinen Drittklässler gar nicht wahrgenommen. Überrascht blickten sie auf ihn hinab und sahen so nicht, dass Dumbledore in Begleitung von Moody das Schlossportal verließ.
„Wenn dieser Scheiß umsonst war, dann nehmt mich mit!" Er wollte auf die magische Wand los stürmen, aber McGonagall reagierte blitzschnell. Sie hielt ihn erbarmungslos an den Schultern und Armen fest.
Regulus versucht sich zu befreien, aber die Lehrerin ließ ihn nicht los.
„Ich muss aber doch zu den anderen!" schrie Regulus und schlug wild um sich. „Ich muss ihnen beim Ritual helfen!" wütend strampelte der Schwarzhaarige und zerrte an seinen Fesseln. „Ich bin ein Teil von Hogwarts und muss ihnen helfen!"
McGonagall konnte die familiäre Verbindung zu Sirius Black deutlich erkennen. Die beiden Jungen waren sich so ähnlich. Beide hatten ein hitziges Temperament… sie zeigten es nur unterschiedlich. Sehr unterschiedlich.
„Sie brauchen Unterstützung!"
McGonagall ließ aber nicht los…bis…bis der Junge ihr plötzlich mit ungeheurer Kraft aus den Armen gerissen wurde. Die beiden Professorinnen wurden zur Seite gedrängt. Die magische Kugel hatte sich ausgebreitet und schloss nun auch Regulus ein.
Regulus Black spürte nun den Druck der Magie. Er spürte die Macht und er spürte mit jeder Faser seines Seins, dass er eine richtige Entscheidung getroffen hatte.
„Möge Hogwarts im neuen Licht erstrahlen!"
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„Worauf wartest Du, Adrian?" rief Sanuel kalt. Die Anspannung machte ihn noch fertig und den anderen schien es nicht anders zu gehen.
Harry drehte sich nicht zu seinem Freund um, aber das Glitzern in seinen Augen wurde mörderisch. Und mit diesem Blick hielt er Voldemort fest.
„Noch sind nicht alle Horcruxe zerstört!" hauchte Harry und nur Draco und Voldemort konnten diese Worte vernehmen.
Draco verstand, und auch wieder nicht. Warum wusste Harry so unzweifelhaft, dass das Ritual noch nicht beendet war und warum offenbarte Harry dieses Wissen?
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Als Regulus in die magische Kugel eindrang, wurde ein Gemurmel laut, das von überall her zu kommen schien. Milerudis blickte sich erschrocken um.
Hinter den Tribünen, hinter Bäumen und an den Fenstern des Schlosses waren plötzlich jede Menge Schüler. Sie tuschelten und staunten. Vermutlich waren die Gerüchte schuld, dass fast alle Schüler Hogwarts das Ritual verfolgten. Alle blickten ungläubig und manche ängstlich auf das Ritual und ihre vier Schüler.
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Die Panik, die plötzlich in Voldemorts Augen erschien, ließ nur einen Schluss übrig und der kam auch sofort. Ohne ersichtliches Signal begann der Kampf. Wirklich überrascht war es allerdings nicht und so waren auch alle Schüler bereits kampfbereit.
Flüche flogen und der alles entscheidende Kampf begann. Jetzt würde es keine Unterbrechung mehr geben… nur der Tod.
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„Was tun die da?" fragte ein Junge aus Gryffindor und schien die größten Probleme damit zu haben, dass Remus, der ebenfalls Vertrauensschüler war, an diesem Ritual teilnahm. Colgate stand neben ihm und seufzte schwer.
„Sie werden sterben!" sagte sie und suchte die Hand vom Gryffindor. Sasha blickte sie an.
„Das dürfen wir nicht zulassen, oder?"
„Was können wir tun?"
Seine Augen huschten über Remus und die anderen, am Ende blieben sie an Regulus Black hängen.
Colgate sagte nichts, sondern zog ihren Freund hinter sich her und er folgte ihr ohne Probleme. Mit gezogenen Zauberstäben stellten sie sich auf das Quidditchfeld, in die Nähe von Regulus Black.
„Auch wir sind ein Teil von Hogwarts!"
„Hey, wir aber auch!" rief plötzlich eine Erstklässlerin fast wütend und McGonagall wollte verzweifelt aufschreiben. Aber es war zu spät, der magische Kreis hatte zuerst Sasha und Colgate und dann das kleine Mädchen umfangen.
Das Gemurmel und Getuschel der anderen umherstehenden Schüler wurde lauter und die Konsequenz war sofort zu sehen. Selbst Dumbledore und Moody konnten nur tatenlos zusehen, wie die magische Barriere sich weiter ausbreitete und nun schon das gesamte Quidditchfeld einschloss.
Milerudis wirkte sehr besorgt und sehr durcheinander, denn sie bemerkte voller Überraschung, dass Remus, Narcissa, Karina und Dominik wieder Luft bekamen, nicht besonders gut, aber sie liefen nicht weiterhin blau an. Offensichtlich legte der Druck sich ein wenig. Die Magie wurde stärker, verteilte sich aber auf mehr Raum.
„Albus, was sollen wir tun?"
„Es ist aussichtslos!" knurrte Moody, der die Schüler genau beäugte. „Aber woher haben die Schüler überhaupt diese mächtigen Gegenstände der Gründer?"
Alle Erwachsenen schüttelten ihre Köpfe. Sie wussten es nicht.
Mittlerweile schob die Barriere die vier immer weiter von den Schülern weg, denn immer mehr Schüler traten mit gezücktem Zauberstab hinzu.
„Hören Sie alle sofort damit auf!" rief McGonagall energisch den Schülern entgegen, aber Milerudis legte ihre Hand auf ihren Arm.
„Ich weiß nicht, was hier vorgeht, aber den Vier da oben, geht es besser!" Die Halb-Veela blickte sich verstört um, sie wollte wissen, was da vorging und gleichzeitig wollte sie wissen, wo Adrian steckte. Der Junge war mit seinen Freunden weg und vermutlich in größter Gefahr. „Müssten wir nicht auch ein Teil von Hogwarts sein?"
Dumbledore schloss die Augen, als seine Professorin nun die Barriere von der anderen Seite betrachtete. Der hinzukommende Professor Flitwick stolperte unsanft, als der magische Kreis ihn anschubste.
Milerudis war in den Kreis der Ritualmagie aufgenommen worden. Ihre etwas geweiteten Augen sagten deutlich, dass sie damit nicht gerechnet hatte.
McGonagall deutete plötzlich auf die Ritual-Schüler. Alle Augenpaare flogen hinauf und besonders Dumbledore erhielt einen großen Schreck.
Die vier Schüler und die vier mächtigen Gegenstände leuchteten kräftig in ihren Häuserfarben, rot, gelb, blau und grün. Aber auch etwas Schwarzes schien hinaufzusteigen. Der dunkle Rauch hatte etwas beängstigendes, denn Dumbledore wurde das Gefühl nicht los, dass der Rauch etwas wirklich Bösartiges war.
So Unrecht hatte er damit nicht.
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Harry spürte die wachsende Magie des Rituals. Er wusste nicht, warum er sie spürte. Der Gedanke lenkte ihn einen Augenblick ab. Sofort traf ein Cruciatusfluch ihn.
Der Schmerz war überall. Sein Inneres stand in heißen Flammen und jeder Nerv schien aufs äußerste Gereizt zu werden. Es war unerträglich.
Esmare und Lily schalteten gerade Rudolfus Lestrange aus, während Lin sofort reagierte und jeden erdenklichen Fluch auf Voldemort schoss. Sie benutzte hauptsächlich einfache und schnelle Flüche, wie Expeliarmus und Stupor. Voldemort blockte die Flüche mit einem einfachen Protego, aber Lin hatte ihr Ziel erreicht.
Voldemort hatte den Fluch wieder von Harry nehmen müssen und dieser knüpfte sofort da an, wo der Folterfluch sie unterbrochen hatte.
„Spürst Du die Magie, Tom? Die Macht der Magie?"
„Was willst Du?"
„Es beenden! Diesen Albtraum endlich und endgültig beenden!"
Lin stand daneben, während nun Harry Voldemort Flüche entgegen schleuderte, von deren Wirkung Lin keine Ahnung hatte. Aber Harry wartete noch… noch könnte er Voldemort nicht endgültig vernichten… noch nicht… und Voldemort wusste, dass dieser Junge ihm wirklich gefährlich werden konnte… so griff er den Schüler unbeirrt an.
oooooooooo
Regulus starrte wie gebannt auf das Ritual. Er spürte die Magie in seinem gesamten Körper und hatte das Gefühl genau zu wissen, was Adrian immer gemeint hatte. Er spürte die Macht der Magie.
Die Macht der Gemeinschaft und er sah die Hilflosigkeit von Dumbledore. Niemals hatte seine Eltern oder andere Todesser es geschafft Dumbledore zum passiven Bestandteil dieses Kampfes zu degradieren. Ein paar Schüler hatten es geschafft und er gehörte zu diesen Schülern. Er hatte Macht… und er war stolz auf sein Handeln, welches einem echten Slytherin würdig war. Er war es gewesen, der Dumbledore wesentliche Minuten gestohlen hatte. Er hatte seine Macht gut eingesetzt.
... und ausgerechnet Adrian Jericle hatte diesen Glauben in ihn schon vor Monaten gehabt…obwohl er ihn gar nicht gekannt hatte…
Seine grauen Augen wanderten wieder zu Remus und Co. Die Anstrengung war deutlich, aber immer mehr Schüler bekannten sich zu Hogwarts und die Magie nahm langsam das Schloss ein. Die Lehrer und Angestellten sammelten sich um Dumbledore und wollten Antworten. Der Schulleiter kannte sie nur nicht… Sie versuchten die Schüler anzuhalten und zu schweigen, aber die Aufregung war zu groß, die Lehrer wurden nicht angehört. Die Schülerschaft hielt zusammen.
Der dunkle Rauch war noch immer nicht abgerissen und erst dann durfte Regulus handeln. Erst wenn auch der Stab, der Kelch und das Medaillon in klaren Farben leuchtete. Warum, das wusste Regulus nicht…
Aber Adrian wusste es…
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Ein unbekannter Todesser fiel tot in die feuchte Erde. Draco wusste nicht, wer den Fluch ausgesprochen hatte und es war ihm auch ziemlich egal. Wenn er etwas aus seiner eigenen Todesserzeit wusste, dann dass es einfacher war in einem Gefecht zu fallen, als zu versagen und zu überleben. Es war keine Ehre zu sterben, aber eine Erlösung und bei einem Kampf gegen Schüler war es eine richtige Schande.
James Potter bekam gerade ein Messer an den Hals gedrückt, schimpfte und fluchte aber weiter, bis Lucius den Todesser von hinten schockte. Hier gab es keine Unterschiede mehr von Häusern, Familie und Freunden. Sie waren ein Team und so kämpften sie auch. Die Todesser hatten es schwer, aber es war noch nicht entschieden.
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Remus fühlte sich wie im Nebel. Alles wirkte verschwommen und diesig. Nichts war klar, auch seine Gedanken nicht. Sie hielten an seinen Freunden fest, die jetzt vermutlich mitten im Kampfgeschehen waren und auf das Ende vom Ritual warteten. Er musste für seine Freunde stark sein, er musste dem Nebel trotzen und den Druck auch weiterhin standhalten.
Trotz dieser relativ klaren Gedanken fiel es ihm sehr schwer sich gegen den Nebel zu widersetzen. Es wäre so einfach sich fallen zu lassen, aber er durfte es nicht. Er musste weiter kämpfen… so wie auch Adrian niemals aufgeben würde.
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Dumbledore zwinkerte krampfhaft. Er hatte das Gefühl gehabt, dass die Schüler ein wenig flimmerten, aber nach einem kurzen Augenblickt war alles wieder gut und der Schulleiter blickte hinauf zu dem Ritual.
Der schwarze Rauch war noch immer da und schien schwer auf dem Jugendlichen zu lasten. Dumbledore aber wusste, dass es hier nichts mehr retten konnte. Es war zu spät…
Er wandte sich zu Moody um: „Wir müssen handeln!"
„Sag mir, wohin es geht und wir sind dort!"
Das war das große Problem. Dumbledore hatte keine Ahnung, wo Voldemort sich gerade aufhielt. Wie hatte Adrian einen Kontakt herstellen können?!
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„Nun macht endlich hin!" flüsterte Esmare, die die Anspannung von Harry genau sehen konnte. Natürlich konnten Narcissa, Remus und die zwei anderen sie nicht hören, dafür waren sie zu viele Kilometer von einander getrennt. Esmare konnte es nur nicht mehr ertragen, dass Harry so auf Zeit spielte.
Sie hatten sich unbeabsichtigt in drei Gruppen aufgeteilt und bekämpften so die Todesser. So wusste Esmare allerdings nicht, wie es den anderen ging. Es schien aber Wirkung zu zeigen, denn alle Todesser waren beschäftigt und konnten nicht aus dem Hinterhalt kämpfen.
Die Duelle waren hitzig und alle wussten, was an diesem Kampf hing:
Alles oder Nichts!
Tod oder Leben
Zukunft oder Verderben.
… und die Schüler hatten nicht wirklich etwas zu verlieren.
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Der große Knall kam unerwartet plötzlich.
Das Schloss verschwand so plötzlich hinter einer schimmernden Blase, dass Dumbledore gerade noch sehen konnte, dass der schwarze Rauch abgebrochen war.
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Als der schwarze Rauch abriss und sich in der Luft endgültig verflüchtigte, geschah Vieles auf einmal. Die vier Gegenstände erstrahlten in einem glühenden Licht, die magische Blase erstreckte sich plötzlich über die gesamten Schlossgründe und wuchs immer weiter. Selbst die Lehrer wurden umschlossen und das flimmernde magische Schild dehnte sich immer weiter aus. So wie der Schild an Farbe verlor, behielt er aber die magische Präsenz bei und sorgte für eine Überraschung bei den Schülern.
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Lily erschrak furchtbar, als ein blauer Schimmer sich über sie legte und ihren Umhang mit einem schimmernden Glanz überzog. Ein weißer Drache erschien auf dem Rücken und seine Augen leuchteten in ihrer Hausfarbe. Für einen Moment stockten die Kämpfenden.
Alle wussten mit plötzlicher Klarheit, dass das Ritual erfolgreich beendet war. Beendet. Vollendet.
Harry hatte es schon wenige Sekunden früher gespürt. Konnte es aber erst glauben, als sich die Schulumhänge verwandelten. Der Drache von Hogwarts war geweckt worden.
Ein kurzer Schock ging durch Voldemort, als er das dunkle Flackern in Harrys Augen richtig deutete.
Die Horcruxe waren zerstört.
„Dass kann nicht sein!" schrie Voldemort wütend. Er schien nah an einer Panik zu sein.
„Deine Seele ist schon zu 5/6 zerstört, Tom!" stellte Harry kalt fest und befand sich sofort in einem Hagelsturm von Flüchen. Voldemort war rasend vor Wut.
Jetzt ging es ums Überleben.
Harry wurde von einigen wilden Flüchen getroffen und flog unelegant durch die Luft. Er knallte hart gegen einen Grabstein und kurz verschwamm alles um ihn herum.
Lily, Lin und Esmare sprangen sofort ein. Sie schossen verschiedenste Flüche und Voldemort musste sich mit einem Schild schützten. Ein schmerzhafter Fluch von Lily traf ihn allerdings und er wandte sich knurrend dem Mädchen zu. Er schickte einen bösen Zauber, der für die zierliche Gryffindor garantiert sofort tödliche gewesen wäre, wenn Esmare Lily nicht zur Seite gestoßen hätte. Der Fluch streifte allerdings Esmare am Arm.
Das erstickte „Nein!" von Harry ging im Nebel völlig unter.
Beide Mädchen fielen zu Boden und Lily schlug hart mit dem Kopf auf. Sie verlor das Bewusstsein und Lin zog die stark blutende Esmare sofort zur Seite. Esmare schrie vor Schmerzen und Lin wurde kreidebleich. Sie versuchte die ihr bekannte Heilmagie einzusetzen, aber es sah nicht gut aus.
Sie erschauderte unter der plötzlich auftretenden Magie. Sie war überall und Lin schloss kurz die Augen. Es musste Adrians Magie sein. Wer sollte sonst plötzlich so eine Magie verbreiten?
Natürlich war es Harry und mit seiner eigenen Taktik, Geschicklichkeit und rasenden Wut war er ein ernstzunehmender und gefährlicher Zauberer. Der nur noch Voldemorts Tod wollte.
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Regulus war einen Moment wie paralysier, dann drehte er sich um und lief strauchelnd auf Dumbledore zu. Noch im Laufen holte er einen Gegenstand aus seiner Tasche.
„Professor Dumbledore!" rief er während er sich durch die irritierten Schüler einen Weg bahnte.
Die Lehrer blickten ihn alle sehr zweifelnd an, aber der Slytherin ließ sich davon nicht beirren.
Als er vor Dumbledore zum stehen kam, reichte er ihm den Gegenstand.
„Klein Hangleton, Friedhof!" sagte Regulus und verschwand ganz schnell wieder in der schützenden Schülermasse, die sich irritiert und begeistert ihre neuen Schulumhänge betrachteten.
Dumbledore starrte auf den Gegenstand in seiner Hand. Eine kalte Gänsehaut überzog seinen Rücken und seine Arme. Auch Moody blickte äußerst unbehaglich auf die Medaille und ihre Inschrift. „Für besondere Dienste zum Wohl der Schule. Tom Riddel"
„Was ist das?" fragte Sandor grummelig. Die ganze Sache gefiel ihm ganz und gar nicht.
„Ein Portschlüssel!" sagte Milerudis ruhig.
„Ein Portschlüssel, der auf ein Passwort einer bestimmten Person hört!" sagte Moody mit einem Hauch von Anerkennung für diese Leistung. So ein Portschlüssel brauchte viel mehr Konzentration und Zeit als ein normaler.
„Wir sollten nicht länger warten!" sagte Dumbledore schließlich. Alle Lehrer wussten, was gleich passieren würde.
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„Dein Leben ist vorbei Tom!"
Der Todesfluch kam nicht nur von Harry. Auch von der anderen Seite drangen die grünen Blitze in den Körper des mächtigen Zauberers ein. Voldemort hatte keine Chance zu entkommen, denn apparieren konnte er nicht. Die grünen Blitze drangen in den Körper fast gleichzeitig ein und Voldemort starb durch die Magie von Schülern. Von mächtigen und stolzen Schülern.
Der letzte Fluch den er aussprechen konnte, war zwar auch ein Todesfluch, aber wie beim letzten Duell gegen Harry Potter trug er nur zur Zerstörung bei. Er drang in eine dicke Weide ein und spaltete sie in der Mitte.
Harry achtete aber nicht darauf, sondern hastete zu Esmare. Noch immer kniete Lin neben ihr und sie hatte dicke Tränen in ihren Augen.
„Ich schaffe es nicht!" flüsterte Lin mit ihren Nerven am Ende. „Ich kann ihr nur den Schmerz nehmen und es ihr ein wenig einfacher machen!"
Das Lucius, Sirius und Severus schon davongeeilt waren und sich auf die übrig gebliebenen Todesser, die gerade vor Schmerz aufschrieen, stürzten, bekamen Harry und Lin nicht mehr mit. Es ging nur noch um Esmare.
Harry kniete neben dem schmalen Körper der Gryffindor. Lin saß auf der anderen Seite und hielt weinend ihren Zauberstab direkt auf Esmares Kopf.
„Esmare, es tut mir so leid!" dicke Tränen liefen Harrys Wangen hinab und tropften auf seine Hände.
„Das braucht es nicht. Ich bereue nichts, Adrian!" flüsterte das dunkelhaarige Mädchen mit sehr schwacher Stimme. Das Blut verließ den Körper ohne dass irgendjemand etwas machen konnte. Alle drei Schüler wussten das.
„Harry! Ich heiße Harry!" sagte Harry mit erstickter Stimme. Den überraschten Blick von Lin ignorierte er einfach. Für diese Fragen war nachher noch Zeit. Er wollte nur, dass Esmare die Wahrheit kannte, bevor sie endgültig starb. „Harry Potter, Sohn von Lily und James…"
„Aber wie?" die Lippen bewegten diese Worte, aber kein Ton kam rüber.
„Wir kommen aus der Zukunft…" Esmare schloss verstehend die Augen.
„Die Augen… wie Lils…"
„Rede nicht so viel…" Harrys Hand legte sich auf ihre Stirn und Lin blickte Harry eindringlich an. Sie könnte den Zauber nicht länger halten. Esmare wusste jetzt genug. Sie kannte die Wahrheit. Sie konnte in Frieden sterben. Harry wusste das und doch war es wahnsinnig schwer.
„Es tut mir so leid, Esmare!" flüsterte er, als Lin langsam den Zauber zurückzog und Esmare nun sterben ließ. Sie hatte keine Schmerzen. Ihr Gesicht entspannte sich und Harry hatte das Gefühl noch einen letzten Gedanken von ihr zu hören.
„Oh Adrian, Du hast uns den Frieden gebracht und trauerst um meinen Tod? Vermutlich habe ich in Deiner Welt schon lange nicht mehr gelebt, sonst hättest Du mich gekannt. Es war mein Schicksal hier zu helfen und zu sterben. Behalte Deine Wahrheit für Dich, wenn Du eine friedliche Kindheit haben willst, aber irgendwann werden Deine Freunde Dir und Deinem Freund auf die Schliche kommen… irgendwann… Lebe wohl, Harry Potter."
„Lebe wohl, Esmare Pein!" Mit einer letzten zärtlichen Gestik strich Harry dem mutigen Mädchen die schwarzen Haare aus dem Gesicht. Esmare Pein war auf eine neue Reise gegangen und Harry war plötzlich fest davon überzeugt, dass Esmare gerne die Aufgaben eines Schutzengels übernehmen würde… sehr gerne… nur hoffentlich nicht von seinem zukünftigen Ich…
Dieser Gedanke trieb Harry wieder die Tränen in die Augen, aber auch ein Lächeln auf die Lippen. Lin starrte ihn sprachlos an. „Harry Potter?"
„Nicht hier und nicht jetzt. Wir reden, wenn das hier vorbei ist und Du musst schweigen!"
Lin nickte ernst. Sie würde sowieso Nichts mehr aufnehmen können. Zu erschöpft und aufgedreht war sie. Sie stemmte sich schließlich hoch und nickte Harry zu, der noch immer neben Esmare saß und eine Art Totenwache hielt. Lin wusste genau, dass der Schwarzhaarige nicht wegzubekommen sein würde. Lily lag ohnmächtig ein paar Meter entfernt. Ohne Esmare wäre das rothaarige Mädchen tot gewesen.
Für Harry war die Totenwache daher einfach nur selbstverständlich und mit dem neuen Wissen, konnte Lin da nur zustimmen. Ohne eine Lily Evans würde es NIE einen Harry Potter geben. Nicht die geringste Chance würde es geben. Esmare hatte Lilys und Harrys Leben gleichermaßen geschützt. Dafür und für die Freundschaft würde Harry ihr ewig dankbar sein.
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Das Plopp von der Ankunft der Zauberer war unüberhörbar und die Todesser zuckten erschrocken umher. Gegen die ankommenden Lehrer und Auroren hatten sie keine Chance zu entkommen und das Disapparieren war durch den Schutzbann blockiert. Die Schüler überließen schnell das Kämpfen den Erwachsenen. Sie wollten nur noch wissen, ob es ihren Freunden gut ging.
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Lin lief holprig los und suchte die anderen. Sie suchte zwar besonders Sanuel, aber als ihr ein etwas zerkratzter James und ein dreckverschmierter Dorian entgegen kamen, war sie auch sehr froh. Die wichtigsten Personen für Harry waren am Leben. Er hatte es sich wirklich verdient.
Sie lächelte und deutete traurig auf den hinteren Bereich des Friedhofes. Draco lief sofort los, aber James blickte sie ernst an. „Er lebt, oder?"
Lin nickte: „Ja, aber Esmare hat es erwischt!"
James verzog schmerzvoll das Gesicht und Lin fragte sich sofort, warum sie diese Ähnlichkeit im Verhalten nicht früher gesehen hatte. Harry war so sehr wie sein Vater und doch hatte er auch so viel von seiner Mutter und dann noch sehr viel Lebenserfahrung…zu viel für sein Alter…
„Lily ist ohnmächtig, aber wohlauf!" sagte Lin und diesmal lächelte sie wirklich. James lief sofort ein wenig schwankend los, genau wie Draco wenige Momente vorher. Das war dann wohl wirklich Liebe.
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„Oh Merlin! LILY!" schrie James panisch, als er das rothaarige Mädchen auf dem Boden liegen sah. Sofort kniete er sich neben sie und ließ seine Finger durch ihre langen Haare gleiten. Aber es war so, wie Lin es gesagt hatte, Lily war nur ohnmächtig. Vorsichtig hob James das Mädchen in seine Arme und blickte sich dann nach Adrian und Co um.
Harry saß noch immer stumm neben der Leiche und hatte seine Hände im Schoß gefaltet. Er blickte hinab auf das wunderbare Mädchen, welches nun tot war. Harry fühlte sich so allein und so schuldig. Er hatte sie hierher geführt.
„Du bist nicht schuldig!" flüsterte Draco eindringlich. Er hatte sich links neben Harry in die feuchte Erde gesetzt und legte nun eine Hand auf Harrys rechte Schulter. „Du hast ein Wunder vollbracht, Harry!"
Harry blickte nicht auf. Er genoss die Wärme, die von Draco ausging und fühlte sich beschützt.
„Es ist vorbei!" sagte Sirius, der sich mit den anderen zu ihnen gequält hatte. Er schien ein wenig wackelig auf den Beinen zu sein, aber auch die anderen waren nicht ohne Kratzer aus dem Kampf gekommen. Bei allen war noch das Adrenalin im Blut und sorgte für unübersehbaren Tatendrang. Es würde noch ein wenig Dauern, dann würden aber alle aus Erschöpfung in sich zusammensacken.
Draco wollte etwas sagen, aber eine ziemlich wütende McGonagall erschien hinter Mick und Sanuel. Ihre ganze Mimik war total verschlossen und die Lippen verdammt schmal zusammengepresst.
Sie sagte kein Wort, vermutlich weil sie dann ihr Wut nicht im Zaum halten konnte. Stumm streckte sie ihren Hut aus und alle rappelten sich auf und traten näher. Nur Harry blieb stur neben Esmare sitzen.
„Jericle!" zischte McGonagall leise aber sehr energisch.
„Ich werde Esmare nicht alleine lassen!" sagte Harry mit ruhiger Stimme. Seine Körperhaltung sagte deutlich aus, dass er nicht auf einen Streit aus war, aber auch nicht von seiner Meinung abrücken würde.
Draco hockte sich neben ihn. „Dann nehmen wir sie mir!" sagte er sanft. Er wusste genau, wie nah der Tod des Mädchens Harry gehen musste. Aber es war das letzte Opfer von Voldemort. Er konnte nun nicht mehr morden, foltern oder quälen. Es war vorbei.
Und auch Harry musste das begreifen, aber Draco wusste genau, dass sein Freund dafür noch Zeit brauchen würde. Zu sehr hatte der Krieg das Leben von Harry Potter bestimmt.
Vorsichtig und besonders zärtlich nahm Draco das Gryffindor Mädchen auf seine Arme und blickte Harry aufmunternd an. Wenn Harry die Kraft hätte, würde er es vermutlich selbst machen. Draco kannte diesen Jungen aber wenigstens gut genug um zu erkennen, dass Harry auf Reserve-Batterie lief. So übernahm der blonde Junge diese Aufgabe, auch wenn er dafür viel seiner Gefühle offenbaren musste.
Vorsichtig traten nun alle Schüler, auch Harry und Draco, zu der Professorin, wichen aber ihrem stechenden Blick rigoros aus. Sie griffen nach dem Hut und schon spürten sie die unangenehme Reise zurück nach Hogwarts.
Es ging direkt vor die Türen vom Krankenflügel. Madam Pomfrey kam schon durch die Tür und scheuchte die total verdreckten Schüler hinein. Harry verwunderte es ein wenig, dass sie erst medizinisch versorgt wurden. Er hatte damit gerechnet, dass Dumbledore ihn und die anderen erst vor Gericht ziehen würde. Aber ihm war es nur Recht.
Draco legte Esmare auf ein leeres Bett und Lin ließ ein weißes Lacken über sie schweben. Dicke Tränen rollten über die Wangen der Mädchen und auch die Jungen wirkten bestürzt und traurig. Niemand sprach ein Wort.
Madam Pomfrey versuchte sich einen Überblick zu verschaffen und wuselte daher von Schüler zu Schüler. Sie schwiegen. Sie hatten sich im Moment nichts zu sagen. Sie wussten zu genau, was die anderen dachten, also mussten sie nicht reden.
Draco beachtete die anderen nicht weiter. Er ging zu Harry und drängte ihn zu einem leeren Bett. Aber Harry dachte gar nicht daran sich hinzulegen. Er verkroch sich in Dracos Armen und schloss die Augen. Dracos Arme verfestigten sich noch ein wenig mehr. Seine Muskeln protestierten ein wenig und die Prellungen taten auch weh, aber er wusste zu genau, dass es im Vergleich zu Harrys inneren Qualen nicht beachtenswert war.
„Du hast es geschafft, Harry. Du hast es wirklich geschafft und Esmare wusste, um was es ging!"
Draco redete weiter. Leise und unbeirrt. Zärtlich und voller Zuneigung und Stolz. Bis Harry plötzlich in seinen Armen ganz schlaff wurde. Besorgt und ein wenig verängstigt blickte Draco in das Gesicht seines Freundes. Es war noch blasser als zuvor und unter den geschlossenen Augen lagen dunkle Schatten.
Harry war ohnmächtig geworden.
Ohne zu Zögern hob Draco den schmalen Jungen hoch und legte ihn vorsichtig auf das bereitstehende Bett. Er wollte sich gerade neben Harry niederlassen, als McGonagall ihn zur Seite scheuchte und auf ein leeres Bett am anderen Ende des Saales zeigte.
Der energische Blick von McGonagall ließ eigentlich keine Widerworte zu, aber Draco blickte sie stur an. Es gab für ihn keinen Grund, warum er auf die Lehrerin hören sollte.
„Dorian!"
Draco reagierte nicht.
„Verdammt Dorian, nimm dieses Bett!" schimpfte Sirius müde und schlüpfte aus den weißen Lacken, in die er von Madam Pomfrey gerade gesteckt wurde. Mit einem überheblichen Grinsen ließ sich Draco auf das freigemachte Bett, welches direkt neben Harrys stand, fallen und zog seine Schuhe aus. Als sein Kopf das Kissen berührte, kam eine Welle der Erschöpfung über ihn. Es war vorbei…
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Minerva McGonagall war bestürzt. Alle Jugendlichen waren jetzt im Krankenflügel und wurden dort medizinisch versorgt. Die meisten schliefen und Madam Pomfrey konnte sie ohne weiteres untersuchen. Aber keiner war wirklich heil zurückgekommen. Alle hatten schwere Prellungen, tiefe Schürfwunden, Spuren vom Cruciatusflüchen oder andere Hinterlassenschaften von Flüchen und Zaubern. Nur mit größter Anstrengung konnte die Professorin ihre Wut zurückhalten. Schon auf dem Friedhof hätte sie die Schüler am liebsten in Grund und Boden geschrieen. Angefangen hätte sie am liebsten bei Adrian Jericle.
Wie hatten die Schüler nur denken können, dass sie es allein mit Voldemort und seinen Anhängern aufnehmen könnten? Und am Ende war auch noch ein Mädchen gestorben. Gestorben in den Armen von Adrian Jericle. Der Junge der alles angezettelt hatte. Wenn es nach ihr ginge, dann würde der Junge sofort und ohne Rücksicht auf die Verletzungen von der Schule verwiesen und dem Zaubergammot übergeben werden, aber Dumbledore wollte erst mit allen Schülern sprechen.
Sie konnte es ja verstehen, aber soviel neue Informationen würde es kaum geben. Esmare Pein war durch einen vermeidbaren Todesserkampf getötet worden.
„Wo sind Remus, Narcissa und die anderen zwei?" fragte schließlich eine müde Stimme.
McGonagall blickte zu dem Bett und traf auf haselnussbraune Augen, die sie starr anblickten. James Potter zeigte keine Spur von Reue. Nur Erschöpfung und Sorge zierte sein Gesicht.
McGonagall wollte eine sehr scharfe Antwort geben, aber die Tür zum Krankenflügel öffnete sich gerade und Dumbledore trat herein. „Es ist schön zu hören, dass Sie sich um ihre Freunde sorgen, Mr. Potter, aber ich kann sie nur soweit beruhigen, dass Ihre vier Verbündete – so muss ich sie wohl nennen – wohlauf zu sein scheinen, aber noch immer über dem Quidditchfeld schweben. Hagrid ist draußen und wird die vier Schüler sobald wie möglich auch hier her geleiten. Ich weiß wirklich nicht, was sie sich dabei gedacht haben?!"
„Das wird auch nicht jetzt herausgesucht! Die Schüler brauchen Ruhe. Morgen früh können Sie mit ihnen sprechen, Albus!" sagte Madam Pomfrey scharf, während sie die Decke bis unter Lilys Kinn zog. „Jetzt nicht!"
„Mr. Potter!" Dumbledore trat an James Bett. Er beachtete die Worte von der Krankenschwester nicht weiter. „Können Sie mir vielleicht sagen, was sie dazu gebracht hat, auf diesen Friedhof zu gehen?"
Sirius lachte hohl und leise auf. Er lag im Bett neben James und schien wirklich fertig zu sein, aber die Neugier hielt ihn wach. „Wir wollten es beenden, Professor."
„Allein?"
„Wenn sie wirklich wissen wollen, was passiert ist und warum, dann sollten sie mit Adrian reden! Er kennt die Antworten auf alle Fragen!"
„Die große Frage ist allerdings, ob er Ihnen alles erzählt!", fügte Sirius bissig grinsend hinzu.
„Adrian Jericle hat sie zu diesem Kampf überredet, nicht wahr? Er hat sie dort hingelockt… aber warum?"
„Sie verstehen es nicht, oder?" sagte James nachdenklich. Er musterte den Professor argwöhnisch und setzte sich ein wenig aufrechter hin. „Trauen Sie es Adrian wirklich zu, dass er seine Freunde in so einen Kampf lässt…?"
„Ohne dass die wissen, was vor sich geht?" fügte Sirius genauso nachdenklich hinzu.
„Adrian Jericle", sagte eine kühle Stimme aus einem anderen Bett. Lucius Malfoy hatte sich ein wenig aufgerichtet und das Gespräch neugierig verfolgt. „würde sich eher den Kraken zum Fraß vorwerfen, als seine Freunde in Gefahr zu bringen!"
„Aber er hat es getan!" warf Dumbledore scharf ein.
„Weil wir ihn dazu gezwungen haben!" sagte Sirius. „Und ich bereue es nicht. Ich trauere über den Tod von Esmare, aber ich bereue es nicht, denn wenn wir nicht das getan hätten, was wir heute getan haben, dann wären vermutlich noch viele Menschen gestorben!"
„Glauben sie wirklich, Mr. Black, dass man Voldemort mit einem einfachen Avada Kedavra töten kann? Glauben sie nicht, dass das bereits von verschiedenen Zauberern erfolglos versucht wurde? Wir haben seine Leiche nicht gefunden! Ich würde mir daher nicht die Hoffnung machen, dass er wirklich unwiderruflich tot ist!"
„Adrian weiß was er da tat!" widersprach James mit einer Inbrunst, die Dumbledore überraschte und auch der Blick von Sirius spiegelte die gleiche Nachricht mit der gleichen Überzeugung wieder.
„Es tut mir wirklich leid, Sie enttäuschen zu müssen, aber Adrian Jericle ist kein Superheld. Auch er kann Fehler machen!"
Nun schritt Madam Pomfrey ein und scheuchte die beiden Professoren unbeeindruckt aus dem Krankenflügel. Dies war ihr Revier und auch der Schuldirektor musste sich ihrem Willen beugen.
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Dumbledore konnte den nächsten Morgen gar nicht erwarten. Er wollte Antworten. Endlich ehrliche Antworten.
Die vier Ritual-Schüler waren am späten Nachmittag in den Krankenflügel gebracht worden. Sie waren total erschöpft und konnten kaum stehen. Sie waren nicht nur körperlich am Ende, sondern auch mit ihrer Magie.
So voll, wie jetzt war der Krankenflügel schon lange nicht mehr gewesen und Madam Pomfrey hoffte nur, dass jetzt keine Grippewelle anrollte. Nur widerwillig hatte die Krankenschwester zugestimmt, dass die Schüler am nächsten Tag um 9 Uhr, nachdem sie gefrühstückt und untersucht worden waren, im Büro des Schulleiters ein Treffen abhalten durften.
Dumbledore zählte die Minuten. Der gestrige Kampf war nicht unbefriedigend abgelaufen, aber die Schüler hatten trotzdem dort nichts zu suchen gehabt. Er hatte schon mit den Eltern von Esmare Kontakt aufgenommen und sie nach Hogwarts gebeten. Die traurige Nachricht war schlimm genug, aber Dumbledore wollte, dass Adrian Jericle die Fragen der Eltern beantwortete. Er sollte den Menschen gegenüberstehen, denen er das Wertvollste genommen hatte.
Die Uhr schlug zur vollen Stunde. Dumbledore brauchte nicht hinzusehen, um zu wissen, dass er noch zwei Stunden warten musste, bis die Schüler sich hier einfinden würden. Zwei qualvolle Stunden lagen vor ihm und der junge Fawks saß auf seiner Stange und gurrte zufrieden.
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Fawks gurrte auch, als die Schüler nacheinander in das Büro von Dumbledore eintraten. Es ging ihnen noch nicht wirklich gut und alle mussten nach diesem Gespräch sofort zurück in den Krankenflügel gehen. Madam Pomfrey war von diesem Treffen ausgeschlossen worden, weil Dumbledore genau wusste, dass die Medihexe ein hartes Gespräch womöglich abbrechen würde, wenn die Gesundheit gefährdet war.
Dumbledore blickte seine Schüler, die geschwächt, aber stolz und selbstbewusst, ihre Plätze suchten, konzentriert an. Adrian Jericle war der letzte und erhielt den mittleren Stuhl. Ein wenig irritiert setzte der schwarzhaarige Junge sich und blickte Dumbledore emotionslos an.
„Jetzt kommt die Standpauke!" sagte Lin und lehnte sich gelassen zurück.
„Ich dachte eigentlich, dass Sie mir erstmal erzählen, was Sie sich bei dieser Aktion eigentlich gedacht haben?!" sagte Dumbledore mit einer ruhigen Stimme.
„Warum motzen Sie nicht erst rum, damit wir dann in aller Ruhe, nachdem ihre Wut vielleicht ein wenig entweichen konnte, über unsere Beweggründe reden können?" fragte Harry und blickte Dumbledore mit einem Lächeln an, dass ganz klar sagte: ‚Du wirst nicht an mich heran kommen' und Dumbledore war sich nicht sicher, wie dies gemeint war.
Ein leises Knurren, was wohl ein unterdrücktes Lachen war, kam von Sirius. Auch die anderen mussten sich eine entsprechende Reaktion verkneifen. Sogar Lily Evans schien ein wenig stolz auf den schwarzhaarigen Jungen zu sein. Was hatte Adrian Jericle an sich, dass diese Jugendlichen alle für ihn die Hand ins Feuer halten würden. Warum glaubten sie alle an den Jungen?
„Was haben Sie sich dabei gedacht?"
Harry senkte den Blick und knetete seine Finger im Schoß. Dann hob er den Kopf und blickte zu Fawks hinüber. Er konnte sich ein Zwinkern nicht verkneifen und der Feuervogel trillerte als Antwort leise. Dumbledore wusste einfach nicht, was er von diesem Jungen halten sollte. Er wusste es wirklich nicht.
Der Schuldirektor von Hogwarts seufzte auf und alle blickten ihn nun fragend und fast herausfordernd an. „Meine Herren und meine Damen, ich fordere Sie nun auf mir die Wahrheit haargenau zu erzählen!"
„Die werden Sie uns ohnehin nicht glauben!" sagte Draco schlicht und fuhr sich durch die blonden Haare. Dracos Aufmerksamkeit lag allerdings ganz alleine bei seinem Freund. Harry blickte fast geistesabwesend aus dem Fenster.
Niemand sprach nun. Niemand beantwortete Dumbledores Frage und Dumbledore wollte nicht auf Dracos Kommentar eingehen. Der Schulleiter war sich nicht sicher, ob die Schüler noch überlegten, was sie sagen sollten, oder ob sie nicht reden wollten.
Eigentlich wollte Dumbledore nichts weiter sagen, aber nach einigen Minuten Schweigen, erhob Harry sich und trat zum Fenster. „Niemand wird etwas sagen, weil sie denken, dass ich es erklären soll! Nur werden Sie mir nicht glauben, Professor!"
Harry legte seine Hände auf die Fensterbank und ließ den Kopf auf die Brust sinken. Seine Augen waren geschlossen und vor seinem geistigen Auge liefen alle Begegnungen mit Voldemort oder Todessern noch einmal ab, dann blickte Harry wieder auf den verbotenen Wald über dem einige Testrale zu sehen waren.
„Wissen Sie, Professor, wie schwer es einen Schüler trifft, wenn er tagtäglich in der Zeitung über neue Überfälle und Angriffe liest und nichts tun kann?" Draco biss sich auf die Lippe. Er würde gerne zu Harry gehen, aber er wusste, dass Harry jetzt mit seinen Gedanken ganz weit weg war.
„Wissen Sie, was es bedeutet, Menschen sterben zu sehen und nicht zu wissen warum? Wir sind Schüler und doch geht es um unsere Zukunft. Wir dürfen sie aber nicht mitbestimmen… nicht solange wir Schüler sind. Erst nach der Schule müssen wir eine endgültige Entscheidung treffen… als Schüler werden wir nicht nach unserer Meinung gefragt."
Langsam drehte Harry sich um und blickte Dumbledore fest an. Die hellblauen Augen hatten das geheimnisvolle Funkeln noch nicht ganz verloren, aber es war wirklich sehr schwach geworden.
„Wissen Sie, Professor, ich habe nur etwas getan, was getan werden musste. Ich konnte es nicht mehr aushalten, wenn ich doch wusste, dass ich etwas bewirken kann."
„Sie haben eine Schülerin in den Tod getrieben!"
„Das ist NICHT wahr!" schrie Mick entrüstet auf. „Esmare ist, wie wir alle, aus freien Stücken mitgegangen!"
„Und sie hat es nicht bereut!" sagte Lin mit fester Stimme. „In ihrer letzten Minute hat sie es nicht bereut!"
Dumbledore blickte die Mädchen scharf an.
„Wir haben Voldemort getötet und…"
„Sie haben gar nichts, Mr. Jericle!" sagte Dumbledore nun wütend. „Es gibt keine Leiche, es gibt keine Spuren von seinem Tod!"
oooooooooo
tbc…
Und? Wie hat es Euch gefallen? Ein entsetzter Dumbledore wird doch unserem Harry keine Angst machen, oder?
