Kapitel 3 : Blaise Zabini
Das Wochenende verging, genau so wie die darauf folgenden drei Wochen. Wann immer es ihr möglich war, redete sich Dirdra den Mund fusselig. Doch Draco wollte ihr nicht zuhören. An einem Freitagnachmittag mitte Oktober liess sich Miss Malfoy ganz Un-Malfoy-Like auf ihren Platz am Gryffindortisch sinken.
„Ich glaube ich bringe kein Wort mehr heraus. Ich habe die letzten Wochen auf diesen Troll eingeredet und es hat nichts gebracht. Ich werde wohl Vater diese vermaledeite Eule senden müssen."
„Lass dich nicht entmutigen, wir finden schon noch eine Lösung."
„Dein Wort in Merlins Ohr, Potter."
„Das war so was von Malfoy gerade", scherzte Ginny.
„Tschuldige, war nicht so gemeint."
Gerade als Dirdra sich einen Löffel Kartoffelbrei genommen hatte, flog ein kleiner Waldkauz in die Halle und setzte sich mitten in ihren Teller.
„He du blöder Vogel, ich wollte das noch essen." Der Kauz sah sie an und legte den Kopf schräg, als ob er fragen wollte, was sie den damit meinte. Dirdra gab sich geschlagen und nahm ihm den Brief ab. Sie hatte kaum das kleine Stück Pergament entfernt, als sich der Vogel wieder erhob und aus der Halle flog.
„Von wem ist das denn? Wohl nicht von deinem Vater als Erinnerung?"
„Nein, Malfoy Eulen wären nicht zu übersehen." Dirdra las die paar Zeilen durch, dann schnappte sie sich einen Kesselkuchen und sprang wieder auf.
„Muss nochmal weg, erzähl es euch später", rief sie und war aus der Halle verschwunden. Die andern zuckten mit den Schultern und assen weiter.
Die blonde Gryffindor rannte die Stufen nach oben zum Astronomieturm. Vor der Tür blieb sie stehen und atmete tief durch. `Nur nicht gehetzt aussehen. ` Sie öffnete die Tür. Der Turm schien verwaist zu sein. Dirdra trat ans Geländer und wartete.
„Bist du alleine?"
„Natürlich bin ich alleine Zabini, was erwartest du."
„Gut. Draco hat mit mir Schluss gemacht."
„Was?", fuhr sie herum. Erst jetzt blickte sie in die verweinten Augen des Slytherins. „Warum tut er so was?"
„Er sagte, wir hätten eh keine Zukunft. Nach der Schule würde er im Manor oder mit euerm Vater unterwegs sein, und wir könnten uns dann sowieso nicht mehr sehen. Ich sollte mir lieber jemanden suchen, der mich verdient hätte." Dirdra umarmte Blaise. Er schluchzte an ihrer Schulter.
„Dieser Idiot, dieser Idiot, das lasse ich nicht zu Blaise, ich werde mir etwas einfallen lassen, glaub mir. Er liebt dich, mehr als dass er sonst jemanden liebt." Blaise nuschelte etwas Unverständliches.
„Blaise, hör mir jetzt genau zu. Du wirst zu Draco gehen und ihm sagen, dass du seine Situation verstehst. Auch sein Entschluss dich zu verlassen würdest du verstehen, bittest ihn aber, bis nach dem Halloweenball bei dir zu bleiben. Du wolltest wenigstes diese Zwei Wochen noch geniessen."
„Was soll ich?"
„Nicht fragen, tun Blaise. Bis dahin werde ich die Lösung haben, versprochen. Jetzt geh, schnapp ihn dir Zabini." Sie lächelte ihm zu.
Der Slytherin stolperte zur Tür und rannte hastig nach unten. Dirdra selbst wusste, was sich als einzige Lösung für dieses Problem anbot.
„Ich werde stark sein Schicksal, du wirst mich nie unterkriegen, das schwöre ich dir, so wahr ich eine Malfoy bin." Damit ging sie nach unten.
In der Grossen Halle platzte sie in einen Streit zwischen Pansy Parkinson und ihrem Bruder.
„Vergiss es, ich werde ganz sicher nicht mit dir zum Ball gehen. Ich habe Stolz, schon vergessen."
„Aber Draco, mit wem willst du denn sonst hingehen, etwa mit Millicent?"
„Wer sagt, dass ich da überhaupt auftauche?" Blaise stand noch immer an der Eingangstür.
„Geh, geh schon, sonst gibt das hier noch eine Katastrophe." Der schwarze Slytherin ging an seinen Haustisch und flüsterte Draco etwas ins Ohr, bevor dieser zur nächsten Tirade ansetzen konnte. Er nickte und folgte ihm nach draussen.
„Was war los?"
„Ich kann meinen ach so tollen Plan in den Müll werfen. Draco trennt sich von Blaise", flüsterte sie den Gryffindors zu.
„Falscher Heldenmut, kenn ich", seufzte Ginny. Dies brachte ihr einen bösen Blick von Harry ein. „Sieh mich nicht so an, stimmt doch."
„Leider ja", nickte Dirdra. „Aber ich habe auch dafür einen Plan. Eigentlich war das mein Notfallplan, aber wenn es nicht anders geht, dann eben so." Obwohl die Freund immer wieder danach fragten, erfuhren sie von Dirdra kein Wort.
Am Abend des Halloweenballs bereiteten sich die Mädchen in ihrem Schlafraum vor. Hermine trug ein lilafarbenes Kleid im Empire Stiel. Unter der Büste befand sich ein etwa Fünfzehnzentimeter breites, mit goldbesticktes Band. Von diesem aus vielen zwei Lagen Stoff zu Boden. Sie hatte ihr Haar nicht hochgesteckt, sondern mit einer Spange zurückgebunden.
Ginny trug ein rosafarbenes, Mieder-Bustierkleid. Von der Hüfte fiel es in einem wallenden Seidenstoff nach unten.
Dirdra sass noch immer in Unterwäsche auf dem Bett, als die andern Beiden bereits angezogen waren.
„Geht schon mal vor, ich treffe euch dann in der Halle."
„Bist du sicher? Wir können auch warten, Ron und Harry werden das verstehen."
„Nein danke Ginny. Ich brauche noch einen Moment für mich alleine."
„Plan B was?" Dirdra nickte Hermine zu. Die Beiden drückten sie kurz, und gingen dann nach unten.
Dirdra holte ihr Kleid, zog es an und stellte sich vor den Spiegel. Ein grünes Kleid. Aus einem Stück Stoff. Eng an der Büste und dann fliessend bis über den Boden. Ein breites schwarzes Band über der Hüfte mit einer grossen, breiten, schwarzen Blume daran. Sie stieg in die schwarzen High Heels und legte sich die silberne Schlangenkette um den Hals.
„Schieb dein Herz bei Seite Dirdra, du wirst gleich auf deinen zukünftigen Ehemann treffen." Mit straffen Schultern und stolz erhobenen Hauptes verliess sie den Gryffindorturm.
Didi war die letzte Schülerin in den Gängen. Das lange Haar hatte sie offen gelassen und es viel ihr über die Schultern bis zur Hüfte. Als sie vor der Grossen Halle stand, holte sie nochmals tief Luft.
„Show Time." Die Tür öffnete sich und sämtliche Augenpaare waren auf Dirdra Malfoy gerichtet.
„Oh nein, das kann sie nicht ernst meinen."
„Wovon sprichst du?", fragte Ron seine Freundin.
„Davon", antwortete ihm Ginny und deutete zu Dirdra.
Zu diesem Ball waren auch die Obersten drei Schulräte eingeladen. Darunter natürlich, Lucius Malfoy. Die Gryffindor ging direkt auf ihren Vater zu. Neben Lucius stand Albus Dumbledore, daneben Severus Snape. Auf seiner anderen Seite Draco und Blaise.
„Du wolltest bis ende Schuljahr eine Entscheidung von mir Vater. Du wirst sie bereits Heute bekommen." Gespannt sahen alle auf Dirdra. Sie hatte Mühe ihre Tränen zurück zu halten. `Eine Malfoy weint nicht, nicht vor andern. ` „Ich wähle Blaise Zabini zu meinem Ehemann." Während sie das sagte, blickte sie direkt in Dracos Augen. Sie konnte sein Entsetzen genau erkennen.
„Gute Wahl, meine Tochter", sagte Lucius und beugte sich zu ihr um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben.
„Didi…, ich…, was…, ich…", stotterte Blaise. Dann räusperte er sich. „Darf ich dich um diesen Tanz bitten?" Ohne mit der Wimper zu zucken reichte sie ihm die Hand und liess sich auf die Tanzfläche führen. Die Musik begann zu spielen.
„Was bei Salazar hast du dir dabei gedacht? Ich will dich nicht heiraten!"
„Das wirst du aber müssen, wenn du bei meinem Bruder bleiben willst. So kannst du wann immer du es möchtest ins Manor. Ich werde euch bestimmt nicht verraten."
„Was ist mir dir Didi, du willst mich doch genau so wenig heiraten?"
„Mach es mir nicht noch schwerer Blaise. Mein Herz verkraftet es. Wenn es der einzige Weg ist, um Draco glücklich zu machen, dann will ich es tun. Er hat so viel für mich getan."
„Draco wird dieses Opfer nicht annehmen, das weisst du."
„Er wird müssen."
„Was ist mit ihm?"
„Er wird sich irgendeine Frau suchen, eine Pureblood, wie es alle Malfoys getan haben. Keiner der Männer hat aus liebe geheiratet. Sie hatte alle höchstens drei Kinder, und auch nur dann, wenn erst das Dritte ein Erbe war, also wird er sich seinem Schicksal ergeben, wie er es die ganzen Jahre bereits getan hat." Die Musik hörte auf zu Spielen. „Du solltest mich jetzt küssen", flüsterte sie ihm zu. Blaise hauchte Dirdra einen kurzen Kuss auf die Lippen, ehe er von Draco abgelöst wurde.
Die Musik begann erneut.
„Dé lebhar samaointich?" (Was hast du dir dabei gedacht), fuhr er sie sogleich an.
„Coimhead, faisig té-eigin Slytherin thaig ceist. Tha uam thu bi sono. (Komisch, das hat ein gewisser Slytherin mich auch gerade gefragt. Ich will dass du glücklich bist) Ich verschaffe dir die Möglichkeit im ihm zusammen zu sein. So oft du willst."
„Du wirst ihm einen Erben schenken müssen, das ist dir doch klar?"
„Dafür gibt es Zaubertränke. Ich werde nicht mehr als dieses eine Mal mit ihm Schlafen, das verspreche ich dir."
„Darum geht es doch nicht. Du wirfst deine Zukunft weg. Die Zukunft für die ich so lange gekämpft habe."
„Für die du gekämpft hast? Ich habe dir mehr als tausend Mal gesagt, dass ich das schaffen werde. Draco du verlierst dich. Es ist die einzige Möglichkeit dich festzuhalten. Es ist die einzige Möglichkeit, damit ich bei dir sein kann. Ich liebe dich, du bist mein Bruder."
„Du hast doch dein Herz bereits jemandem geschenkt, glaubst du nicht, ich könnte das nicht fühlen?"
„Ich weiss es nicht, ob du mich noch fühlst, du bist fast tot, was das angeht." Ohne dass sie es wollte, rannen ihr Tränen über das Gesicht.
Draco stoppte mitten im Tanz. Er hob seine Hände auf Brusthöhe. Dirdra verstand sofort und legte ihre in seine. Eine Flut von Gefühlen überschwemmte sie.
„Was tun sie da?", fragte Ron verwundert.
„Sie sind Zwillinge, sie tauschen ihre Gefühle aus. Dirdra hat ihr Leben für das ihres Bruders eingetauscht, das ist so romantisch", seufzte Hermine.
„Nein, das ist blöd", erwiderte Ron. „Er hat sie all die Jahre ignoriert, und jetzt schenkt sie ihm ihr Leben, das hat er nicht verdient, das hat sie nicht verdient."
„Würdest du mir dein Leben nicht auch schenken, wenn du mich damit retten könntest?", fragte Ginny.
„Natürlich würde ich das, aber du hast mich auch die ganzen Jahre nicht ignoriert." Harry hatte den Blick nicht von der Tanzfläche genommen.
„Er hat sie nicht ignoriert. Draco hat sie beschützt, nach bestem Wissen und Gewissen. Er hat unsern Respekt verdient, genau so wie sie."
Die Malfoy-Zwillinge bekamen nicht mit, was um sie herum geschah. Die Flut der Gefühle war zu gross. Sie standen in der Mitte der Tanzfläche, die Hände ineinander verkeilt und die Augen geschlossen. Über Dracos rechte Wange rollte eine einsame Träne. Er schien sie nicht zu bemerken. Dirdra öffnete die Augen und wischte ihm die Träne weg.
„Tabadh" (Danke), flüsterte sie.
„Ne, mi tabadh tha." (Nein, ich danke dir) Die Musik endete und Draco verbeugte sich vor seiner Schwester. Dann führte er sie zu Blaise.
„Und mein Sohn, gefällt dir dein neuer Schwager?"
„Natürlich Vater, sie hätte keine bessere Wahl treffen können." Er liess sich nichts anmerken.
„Wenn ihr mich bitte entschuldigt, ich werde mich zurückziehen." Dirdra verabschiedete sich mit einem Kuss auf die Wange ihres Bruders, und einem gehauchten Kuss auf Blaise`s Lippen. Natürlich hatten es die Gryffindors gesehen und folgten ihr.
„Das hast du nicht wirklich getan?"
„Ich hatte keine andere Wahl. So lange der Dunkle Lord nicht besiegt ist, werde ich an meinem Vorhaben festhalten."
„Noch jemand der mich unter Druck setzt, grossartig."
„Niemand setzt dich unter Druck. Ich hätte es schlimmer treffen können. Blaise ist für mich genau so wie ein Bruder." Inzwischen waren alle im Gryffindorgemeinschaftsraum angekommen. „Ich kann weiter auf Draco einwirken, und vielleicht schaffe ich es, bevor ich Blaise heiraten muss." Dirdra liess sich auf die Couch fallen. „Geht zurück und feiert, ich möchte etwas alleine sein, bitte."
„Wir können dich doch nicht alleine lassen?"
„Doch, bitte. Ich möchte es." Didi stand auf und ging in Richtung Schlafsaal. „Feiert schön." Die Gryffindors beschlossen zurück in die Halle zu gehen.
Das Fest war inzwischen sehr ausgelassen und Draco und Blaise sassen in einer Ecke. Lucius war wohl schon gegangen. Harry wollte auf den Slytherin zu gehen, doch Ron hielt ihn zurück.
„Lass es. Wenn du dich jetzt einmischt, macht er ganz dicht." Harry nickte, doch er beschloss, so nahe wie möglich an Malfoy und Zabini heran zu kommen, damit er ihr Gespräch belauschen konnte.
„Sie hat sich selbst verraten."
„Sie hat uns eine Chance gegeben."
„Das weiss ich doch, aber ihr Herz gehört jemandem. Sie hat es einfach verschlossen. Auf der Tanzfläche hab ich es gespürt. Ich weiss, dass sie ihn begehrt und nicht so, wie andere kleine Mädchen."
„Sie ist kein kleines Mädchen, das weisst du."
„Ich weiss es. Sie ist eine starke, junge Frau, genau so eine Frau könnte der Mann an seiner Seite brauchen. Aber Vater würde ihn nie akzeptieren." Blaise wusste, dass er nicht fragen durfte. Selbst wenn er es getan hätte, Draco hätte ihm mit Sicherheit nicht verraten, gegen wen er gewonnen hatte.
„Warum tut sie das für mich?"
„Sie liebt dich, genau so, wie ich es tu. Ich werde ihr ein guter Ehemann sein, das verspreche ich."
„Lass uns gehen, ich halte dieses Geheuchel nicht mehr aus."
Draco ging gerade Wegs aus der Halle, Blaise folgte ihm. Harry hatte seinen Tarnumhang mitgenommen und hüllte sich damit ein. Er wollte noch mehr wissen.
Es war einfach, Draco und Blaise zu verfolgen.
Da alle Schüler nun in der Halle waren, fühlten sich die Beiden alleine. Und genau so verhielten sie sich auch. Sie hatten kaum die erste Nische der Dungeons erreicht, als Draco den dunkelhäutigen zu sich zog und Küsste. Harry war vor erstaunen der Mund offen geblieben. Dirdra hatte es wohl gesagt, aber jetzt, da er es sah, musste er es glauben.
„Draco, nicht hier auf dem Korridor. Wenn uns doch jemand sieht."
„Du hast recht. Es tut mir leid. Ich liebe dich Blaise. Ich bin froh, können wir zusammen bleiben, aber Dirdra…"
„Ich weiss, ich kann das nie wieder gut machen was sie für uns tut." Blaise legte einen Arm um Draco und zog ihn an sich. Der Blonde legte seine Stirn auf die Schulter seines Freundes.
„Ich kann nicht tun, was sie von mir verlangt, das kann ich einfach nicht. Und wenn Vater merkt, dass es ein abgekartetes Spiel ist, gnade uns Gott." Blaise zog ihn weiter in die Schlangengrube. Harry stolperte zurück in die Eingangshalle.
Schweigend gingen die Freunde in den Raum der Wünsche.
„Dirdra hatte mit allem Recht. Ich habe gesehen wie sie sich geküsst haben. Und Draco sagte, sie sei in jemanden verliebt, den ihr Vater nie akzeptieren würde."
„Wen hat er wohl gemeint?"
„Keine Ahnung, aber auf jedenfall jemand den er leiden kann."
„Einen Slytherin?", meinte Ginny.
„Nein, glaube ich nicht. Er muss älter sein als wir. Draco sprach von einem Mann."
„Wann ist denn bei dir aus Malfoy Draco geworden?", scherzte Hermine.
„Ich glaube schon zu beginn diesen Schuljahres. Wir sind zu alt für solche Kindereien."
„Du hast wahrscheinlich recht", lenkte Ron ein.
„Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, Voldemort zu töten. Vielleicht können wir nicht nur ein paar Muggel und Muggelgeborene retten, sondern auch drei Pures."
„Wir werden es zu mindest versuchen."
An diesem Abend wollten sie es aber gut sein lassen. Auf dem Weg zurück in den Gryffindorturm, wurden sie jedoch aufgehalten.
Vor der Fetten Dame standen zwei Gestalten. Ginny drückte sich an die Mauer und deutete den andern an, sie sollten es ihr gleich tun.
„Es ist mir egal was du davon hältst. Ich rette vielleicht sein Leben."
„Was ist mit Zabini, er wird nicht mehr gefragt?"
„Er kann froh sein, erhält er eine solch gute Partie. Seine Eltern haben mit dem Dunklen Lord nichts zu schaffen. Und genau so soll es auch sein."
„Du klingst genau so stolz wie dein Vater."
„Was soll das Severus. Ich sagte bereits, dass ich nicht mit ihm verglichen werden will. Ich bin und bleibe eine Malfoy. Ich kann meinen Stolz nicht einfach fallen lassen, dafür hat er ihn mir zu lange eingeimpft. Wenn du wirklich etwas für mich tun willst, dann sei für mich da Severus, wie du es bis anhin warst."
„Was kann ich dir auch sonst versprechen. Du weisst wo du mich findest wenn du mich brauchst."
„Natürlich weiss ich das. Ich danke dir dafür." Mit wehendem Umhang verliess Snape den Korridor vor der Fetten Dame. „Wenn du wüsstest wie sehr ich dich brauchen würde", seufzte die blonde Gryffindor und ging zurück.
„Hab ich da was nicht mitbekommen?", nuschelte Ginny.
„Das kann nicht sein. Malfoy würde Snape doch akzeptieren."
„Spinnst du Ron? Du glaubst doch nicht wirklich, dass Dirdra heimlich in Snape verliebt ist?"
„Das würde aber zusammen passen", meinte nun Ginny.
„Snape ist nur ein Halbblut, deshalb nicht der Pate, also würde Lucius ihn auch nicht als Partner an der Seite seiner Tochter akzeptieren. Mal abgesehen davon, dass er ihr Vater sein könnte", ereiferte sich Hermine.
„Wir werden darauf warten müssen, dass sie es uns erzählt." Harry setzte den Weg in den Turm fort. Die Freunde trennten sich in ihre Schlafsäle.
Als Hermine eintrat, stand Dirdra vor dem Spiegel. Sie trug ihr Nachthemd. Schwarzer samt.
„Ich bin um Jahre gealtert, die letzten Stunden."
„Wundert dich das, Mrs. Zabini."
„Sag nicht so was, bitte." Es war beinahe ein Flüstern. Dirdra setzte sich auf ihr Bett. Hermine zog sich um und setzte sich daneben.
„Wir werden Voldemort erwischen."
„Lasst mich wissen, wenn ich euch helfen kann." Die Gryffindors umarmten sich und Hermine legte sich in ihr Bett.
In dieser Nacht schliefen beide nicht viel. Hermine überlegte sich wie sie Dirdra noch helfen könnte und Dirdra wollte nicht daran denken, was sie als Ehefrau zu tun hatte. Auch wenn sie Blaise sehr gerne hatte, mit ihm Schlafen wollte sie auf gar keinen Fall.
Kapitel 4 : Nachsitzen
Die junge Gryffindor versuchte den Spagat, den sie nun zu bewältigen hatte, zu schaffen. Sie traf sich mindestens einmal am Tag mit Draco und Blaise. Auch wenn die andern Slytherins mit ihrer Wahl nicht einverstanden waren, sagte doch keiner etwas. Dirdra war noch immer eine Malfoy und die hatten einen höheren Stellenwert als alle andern Schlangen. Natürlich redete sie noch immer auf Draco ein, doch dieser schaltete konstant ab.
Am Montagmorgen hatte sie der Schulalltag dann doch wieder eingeholt. Die Slytherins sassen bereits an ihren Plätzen als die Gryffindors im Tränkeklassenzimmer ankamen. Draco drehte sich zu den Ankömmlingen um.
„Potter", nickte er.
„Draco", nickte Harry zurück.
Man konnte förmlich das Fragezeichen in Dracos Augen sehen. Doch Harry war nicht gewillt ihm zu sagen woher sein Sinneswandel rührte. Snape beäugte die Kontrahenten, doch Harry war nicht im Geringsten darauf aus ihm einen Grund zu geben
„Miss Malfoy können sie mir sagen, was ein typisches Merkmal des Jobberknolls ist?" Dirdra sah Severus an. Ihre Augen waren nicht kalt wie sonst.
„Er bleibt stumm bis zur Stunde seines Todes." Severus nickte. „Er ist kein Jobberknoll", fügte sie flüsternd hinzu. Der Tränkemeister musste es gehört haben, denn er drehte sich sofort um.
„Wir sehen uns heute Abend, um Acht", zischte er ihr Gefährlich zu. Dirdra hatte seinem Blick stand gehalten. „Mr. Malfoy, die Farbe dieses Vogels?"
„Grün?"
„War das eine Frage oder eine Antwort, Mr. Malfoy?"
„Eine Antwort, Sir."
„Auch wir werden uns heute Abend um Acht sehen, Mr. Malfoy. Der Vogel hat ein Blaugesprenkeltes Gefieder."
Die Schüler begannen damit das Rezept an der Tafel vorzubereiten um dann den Trank zu brauen. Snape ging durch die Schüler, doch er schien heute nicht wirklich an den Gryffindors interessiert zu sein.
„Mr. Zabini", sprach er den Slytherin an. Dieser war fürchterlich erschrocken und liess gerade die Abessinische Schrumpelfeige fallen. „Für welchen Trank ist der Jobberknoll wichtig?" Severus war sich sicher, dass der Schüler die Antwort wusste, doch dieser drehte sich zu ihm um.
„Ich habe keine Ahnung, Sir." Eine Augenbraue des Professors schnellte nach oben.
„Gut, dann werden wir zu viert sein. Heute Abend um Acht."
„Ja, Sir." Blaise schluckte hart. Wo war er da bloss hinein geraten.
Die andern Schüler waren in der Zwischenzeit am Brauen. Die Gryffindors jedoch warfen sich vielsagende Blicke zu. Harry fixierte Snape mit seinem Blick, dann griff er zu einer Rattenmilz. Sicher hatte er die eine benötigte schon dazugegeben, doch das was er hier tat, war Absicht. Die dunklen Augen des Zaubertränkemeisters folgten seiner Hand. Er sagte allerdings nichts. Dann liess Harry los.
„Mr. Potter, ich habe keine Ahnung was sie damit bezwecken, aber wir werden es morgen Abend herausfinden."
„Natürlich, Sir." Als sie das Klassenzimmer verliessen wusste Harry bereits mehr.
„Was hast du getan?", fragte Hermine die nicht bemerkt hat, was Harry in seinen Trank geworfen hat.
„Ich habe eine Rattenmilz zuviel hinein getan."
„Warum hast du das getan Harry, warum." Dirdra stand hinter ihm.
„Weil ich dir helfen will. Und ihm." Er deutete auf Draco.
„Danke", sagte sie und lächelte.
Der Tag verlief ansonsten unspektakulär. Nach dem Nachtessen machte sich Harry auf um mit dem Schulleiter zu reden.
Als er vor dem Gargoyle ankam, verliess gerade Professor Snape das Büro.
„Guten Abend, Professor", grüsste Harry.
„Mr. Potter." Auch wenn es dem Gryffindor schwer viel, musste er sich eingestehen, dass sie mit diesen Anfeindungen nicht weit kommen würden. Also versuchte er den ersten Schritt zu machen.
Er betrat die Treppe zum Büro des Schulleiters und stand kurz darauf vor der Tür zu dessen Büro. Er klopfte.
„Herein, mein Junge."
„Guten Abend, Sir. Sie haben mich erwartet?"
„In der Tat. Severus deutete mir an, dass du herkommen würdest. Was kann ich für dich tun, Harry?"
„Ich wollte mich etwas auf dem Laufenden halten. Was passiert so, was ich nicht mitbekomme?" Albus Dumbledore sah ihn über seine Halbmondbrille an.
„Wovon sprichst du?"
„Ach kommen sie Professor. Die Narbe schmerzt immer öfters die Zwielichtigen gestalten werden immer wichtiger und Lucius Malfoy macht Pläne für die Zukunft. Ich erwarte in den nächsten Nächten eine Vision da ich schon länger keine mehr hatte und ich will vorbereitet sein, auf das was mich treffen könnte. Ausserdem, ich denke ich bin langsam wirklich reif genug, um nicht mehr mit der Kinderversion abgespeist zu werden." Harry hatte sich inzwischen auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch gesetzt. Der Schulleiter rieb sich die Augen hinter seiner Brille.
„Gut, ich denke du hast recht. Tom infiltriert das Ministerium. Bis jetzt hat er noch keine Kontrolle, aber wir rechnen in den nächsten Wochen damit. Der Widerstand schmilzt und wir verlieren immer mehr Mitglieder. Die Zauberer und Hexen haben angst und schliessen sich lieber an, oder bleiben Stumm um nicht in Missgunst zu fallen."
„Wir verlieren also?"
„So würde ich das nicht sagen. Wir haben noch immer unser Ass im Ärmel, wie man so schön sagt."
„Und das wäre?"
„Wir haben dich."
„Na danke auch."
„Harry, wir würden das alle hier nicht machen, wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass du eine reelle Chance gegen Tom hast. Mit jedem Stück Macht, dass er dazu gewinnt, wird er unvorsichtiger. Er macht bereits jetzt Fehler die wir nutzen können."
„Die da wären?"
Der Schulleiter holte aus einer Schublade an seinem Schreibtisch ein schwarzes Buch. Harry erkannte sofort, dass es sich um Tom Riddles Tagebuch handelte, welches er in der zweiten Klasse zerstört hatte. Er sah Albus fragend an. Doch dieser lächelte nur. Er legte einen Ring neben das Buch. Der schwarze Stein, mit eingraviertem Wappen, hatte auch schon bessere Tage gesehen. Das nächste war eine silberne Kette mit einem Amulett daran. Eine Schlange mit grünen Augen zog sich über das alte Silber. Daneben stellte er einen Trinkpokal der eindeutig das Zeichen Hufflepuffs trug.
„Dies, mein Junge, sind alles zerstörte Horkruxe. Seelenstücke, wenn du so willst."
„Seelenstücke? Wie viele davon gibt es noch?"
„Nun, wir schätzen noch drei."
„Sie schätzen?"
„Tom wird sich bestimmt verraten, wenn er sich sicher genug fühlt. Wir nehmen allerdings an, dass es sich noch um etwas handelt, was Rowena Ravenclaw gehörte, dann Nagini und Du."
„Ich?" Harry war überrascht.
„Ja, das würde auch die Prophezeiung erklären. Keiner kann leben wenn der andere überlebt." In diesem Moment war sich Harry gar nicht mehr so sicher, das er wirklich wissen wollte, was im Gange ist.
„Das heisst ich muss sterben, damit Voldemort getötet werden kann?"
„So Merlin will, nein. Wir zerbrechen uns bereits die Köpfe wie wir diesen Umstand umgehen könnten, doch leider ist uns bis dato nichts eingefallen, tut mir leid."
„Sie verstehen sicher wenn ich, das eben gehörte, mit meinen Freunden bespreche?"
„Natürlich Harry, ich hatte nichts anderes erwartet."
Harry verabschiedete sich von Albus Dumbledore und verliess das Büro des Schulleiters. Im Gemeinschaftsraum warteten bereits die Andern.
„Ich würde ja auch gerne wissen, was der Schulleiter dir erzählt hat, aber ich muss zum Nachsitzen", verabschiedete sich Dirdra. Sie ging die Stufen nach unten.
Vor dem Klassenzimmer warteten bereits Blaise und Draco. Sie sahen sich stumm an. Keiner wollte das Gespräch eröffnen.
Um punkt Acht öffnete sich die Tür. Die Drei traten ein. Anstelle von schmutzigen Kesseln, standen drei Stühle vor dem Pult des Tränkemeisters.
„Schliesst die Tür." Blaise schloss die Tür hinter sich. Severus versiegelte sie sofort mit einem Zauber und legte einen Stillezauber über das Zimmer. Er wies die Schüler an, sich zu setzen.
„Was bei Slytherin denkt ihr euch dabei?"
„Diese Unterhaltung hatten wir bereits am Samstag. Ich habe nicht vor mich zu wiederholen, Severus."
„Ihr wisst, dass das nach hinten los gehen wird?"
„Ich weiss nicht wovon du sprichst."
„Sei nicht so naiv Draco, glaubst du wirklich ich glaube deiner Schwester, dass sie sich so plötzlich zu Blaise Zabini hingezogen fühlt?"
„Vielleicht?"
„Draco, Dirdra, was hat das zu bedeuten?" Blaise hatte den Kopf gesenkt. Severus stellte ihnen je ein Glas Wasser hin. Draco und Dirdra beachteten es mit Verachtung.
Blaise streckte zuerst seine Hand danach aus, dann liess er es aber bleiben. Er wechselte den Blick zwischen den Malfoys und wartete darauf, dass ihm jemand Anweisungen gab.
Der Tränkemeister fixierte ihn mit seinem Blick. Sofort sprang Dirdra auf und stellte sich vor ihn.
„Hör auf Severus. Warum kannst du es nicht gut sein lassen."
„Ich versuche euch zu helfen, Zabini hält euerm Vater keine Sekunde stand, das wisst ihr. Wenn Lucius etwas sieht was ihm nicht gefällt, ist das sein Todesurteil, und nicht nur seines, je nach dem was er erfährt." In Dirdras Gesichtstausdruck konnte er nun sehen, dass sie daran nicht gedacht hatte. „Ich habe dich erwischt, Dirdra."
„Ja verdammt, ich hab nicht daran gedacht. Kannst du nicht…"
„Nicht wenn ich nicht weiss worum es geht, also?" Dirdra sah zu Draco, dieser starrte zurück. Ihre Blicke gingen einen ganze Weile hin und her.
„Na schön, ich vertraue dir Dirdra." Die Malfoy hatte noch immer den Blick auf den schwarzen Slytherin versperrt als sie zu sprechen begann.
„Ich habe mir Blaise ausgesucht, damit er und Draco in Kontakt bleiben können." Dracos Hand ging sofort auf Blaise`s Oberschenkel. Dieser nahm sie und drückte sachte zu.
„Weiter", mahnte Severus.
„Draco und Blaise, sind Freunde und… ach bei Merlin, ich kann das nicht, das ist deine Geschichte", wandte sich Dirdra an Draco.
„Ich bin seit über einem Jahr mit Blaise zusammen. Ich habe nichts übrig für Frauen." Kurz und bündig, wie es sein Vater ihm gelehrt hatte.
„Ihr wollt mir also sagen, dass Dirdra Zabini heiraten wird, damit du dich nicht von deinem Freund trennen musst?"
„Nicht nur deswegen Severus. Ich möchte Draco nicht verlieren und ich hatte natürlich auf eine Gegenleistung gehofft."
„Davon hast du mir noch nichts gesagt?"
„Nein", sagte Didi und wandte sich nun an Draco.
„Ich möchte, dass du mir dafür etwas versprichst." Draco zog die Augenbraue nach oben. „Du wirst in den nächsten drei Jahren, bis zu unserm 20. Geburtstag, das Dunkle Mal nicht annehmen. Egal was Vater davon hält."
„Das kann ich nicht."
„Doch Draco, ich weiss, dass du das kannst. Und glaub nicht, ich könnte nicht mit den Konsequenzen leben. Ich tu das alles hier nur für dich. Glaub mir, ich kann ohne Vater, Mutter und Malfoy-Manor leben, aber nicht ohne dich."
„Also, wenn ich dazu auch mal etwas sagen darf", mischte sich nun Blaise ein. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. „Ich finde es ist eine faire Forderung deiner Schwester. Es sind drei Jahre. Und auch wenn ich dafür jetzt verachtet werde, aber ich hoffe, dass Potter es bis dahin geschafft hat, den Dunklen Lord zu besiegen. Dann hat das alles endlich ein Ende und wir müssen uns nicht mehr verstecken."
Dirdra verschränkte die Arme vor der Brust.
„Also ich verachte dich nicht, das war nämlich genau meine Idee."
„Seid ihr Wahnsinnig so etwas vor Severus zu sagen?"
Jetzt war es am Tränkemeister den Malfoy fragend anzusehen.
„Du wirst uns doch spätestens bei der nächsten Versammlung auffliegen lassen, oder etwa nicht?"
„Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich nicht mit euch sprechen wollen. Ich hätte dir am Samstag bereits sagen können, dass etwas nicht stimmt."
„Du unterstützt uns und hilfst Blaise?"
„Es wäre viel einfacher wenn ihr mit mir gesprochen hättet, ich bin enttäuscht, vor allem von dir Dirdra." Die angesprochene erhob erschrocken den Blick.
„Aber ich werde euch helfen. Mr. Zabini wird sich jeden zweiten Abend bei mir melden um Oklumentik-Unterricht zu erhalten."
„Danke Severus." Draco war aufgestanden und reichte dem Tränkemeister die Hand. „Sei nicht zu hart zu Dirdra, sie hat am Meisten dafür geopfert."
„Hör auf Draco, das interessiert hier niemanden", giftete die Blonde zurück.
„Mich schon", nuschelte Blaise, doch der Blick den ihm Dirdra zuwarf zwang ihn zum Schweigen.
„Du weisst, dass dieser Blick bei mir nicht funktionieren wird, also, was hat Draco damit gemeint."
„Das geht dich nichts an Snape", fauchte sie.
„Ganz der Vater."
Die Gryffindor ging auf ihn zu und klatschte ihm die Hand mitten ins Gesicht.
„Wage es nicht noch einmal mich mit Lucius zu vergleichen. Im Gegensatz zu ihm, habe ich Gefühle und ich ertrage es nicht, von dir verletzt zu werden." Sie drehte sich auf dem Absatz um und schritt zur Tür.
„Finite Incantatem", flüsterte sie gefährlich und öffnete die Tür.
Severus stand leicht geschockt mitten in seinem Klassenzimmer. Draco hingegen ging zur Tür und schloss sie wieder.
„Die hast du mehr als verdient Severus. Wie kannst du sie so verletzen."
„Ich verstehe nicht was du mir sagen willst. Es ist nicht dass erste Mal, dass sie mit Lucius verglichen wird. Du weisst, dass du mehr nach Narzissa kommst."
„Es geht nicht um den Vergleich, es geht darum dass du ihn gemacht hast. Sie ist kein Kind mehr, schon lange nicht mehr Severus. Und du schaffst es doch immer wieder, dass sie ihre Beherrschung verliert. Glaub mir, wenn sie eines kann, dann ist es sich beherrschen, sonst hätte sie nicht eine solch gute Vorstellung geboten. Denk darüber nach. Lass uns gehen Blaise." Der dunkelhäutige stand vor seinem Stuhl und starrte auf Draco. Anscheinend hatte er soeben begriffen gegen wen er gewonnen hatte.
Dirdra rannte durch die leeren Korridore. Sie wollte so rasch als möglich zurück in den Gryffindorturm. Ihr war klar, dass Severus sie noch einholen konnte, denn er kannte die Geheimgänge und wäre mit Sicherheit schneller als sie. Als sie das Portrait der Fetten Dame erreichte war sie ausser Atem.
„Silberhaar", sagte sie und das Portrait liess sie eintreten.
„Dirdra, was ist denn passiert?" Hermine hatte von ihrem Buch aufgesehen. Doch Didi sagte nichts, sie ging gleich nach oben und warf sich auf ihr Bett.
Als Hermine in den Schlafsaal trat, hörte sie bereits das Schluchzen. Sie setzte sich zu ihrer Freundin auf das Bett, streichelte ihr den Rücken und wartete bis diese sich Beruhigte.
„Du hattest wohl keine Strafarbeit, was?" Sie schüttelte den Kopf. „Kann es sein, dass du in Snape verknallt bist?" Geschockt sprang Dirdra vom Bett. Sie sah Hermine herausfordernd an. Doch nicht wie sie erwartet hatte stand hohn oder spott in ihrem Gesicht, sondern Verständnis.
„Glaub mir, ich kann es nachvollziehen. Auch wenn ich ihn nicht besonders mag, aber ich denke du und Draco habt ihn anders kennen gelernt. Und wenn er einem nicht auf den Zünder geht, ist er sicher ein faszinierender Mann, irgendwie."
„Das ist er wirklich. Er ist so beherrscht, eigensinnig und hat einen typisch englischen Humor. Aber was mir fast das Wichtigste ist, er war ganz unten und hat sich nicht gehen lassen. Disziplin und Stolz. Wenn Severus etwas tut, dann mit ganzem Einsatz."
„Das kann ich mir durchaus vorstellen, aber ist er nicht etwas zu alt für dich?"
„Das Alter spielt doch keine Rolle. Er ist erst 38. Und du weisst ja, je älter ein Mann wird, desto Interessanter wird er." Dirdra lachte. Hermine dachte kurz darüber nach und lachte dann mit.
„Vielleicht hast du recht. Aber ich glaube dein Vater hätte mehr mühe mit dieser Wahl als mit Blaise."
„Mein Vater würde toben. Severus ist nur ein Halbblut. Aber weisst du was, das ist mir so was von Egal. Vater wird es sowieso nie erfahren und ausserdem, nach heute Abend wird Severus einen grossen Bogen um mich machen."
„Warum?"
„Ich habe ihm eine gescheuert."
„Du hast was! Bist du noch zu retten?"
„Er hat mich provoziert und dann hab ich die Beherrschung verloren. Das passiert mir sonst nie, aber Severus kann mich auf die Palme bringen und zwar so was von." Dirdra war wieder in einem Redeschwall. Hermine grinste nur. „Was ist denn?"
„Ist dir schon mal aufgefallen, dass du deine guten Manieren vergisst, wenn du in einen Redefluss kommst?" Die Malfoy wollte gerade protestieren, als ihr bewusst wurde, was sie gesagt hatte.
„Tja, liegt wohl an Gryffindor, ich war zu lange mit euch zusammen", lachte sie.
Noch bevor sie reagieren konnte, wurde sie von einem Kissen getroffen.
„Hey, das wirst du büssen Granger." Sie duckte sich hinter ein anders Bett und warf das Kissen zurück.
An Hermines ersticktem Gekicher stellte sie fest, dass ihr Schuss wohl gesessen hatte. Sie bemerkten nicht, dass es an der Schlafraumtür klopfte. Ginny öffnete und konnte sich gerade noch vor einem Querschlägerkissen ducken.
„Hey, ich weiss ja gar nicht worum es geht."
„Ginny, tut mir leid, ich wollte Hermine treffen."
„Ist mir ja persönlich recht, aber du wirst im Gemeinschaftsraum verlangt." Dirdra stand auf. Ihr Gesicht war gerötet vom weinen und von der Kissenschlacht, das lange blonde Haar hing in Strähnen an ihr herunter.
„Von wem?"
„Professor Snape." Das Lachen auf ihrem Gesicht erfror.
Dirdra stellte sich vor den Spiegel. Zauberte ihr Haar in Ordnung und zupfte ihre Schuluniform zurecht. Dann straffte sie die Schultern und atmete tief ein.
„Ich drück dir die Daumen", sagte Hermine als die junge Malfoy erhobenen Hauptes zur Tür hinaus schritt.
Im Gemeinschaftsraum herrschte eiserne Stille. Alle Beobachteten den Tränkemeister in ihrer Mitte. Dieser fühlte sich zwar etwas unbehaglich, sagte allerdings nichts.
„Sie wollten mich sprechen, Sir?"
„Begleiten sie mich bitte. Ich bespreche meine Angelegenheiten lieber in angenehmerer Atmosphäre."
„Sir, ich möchte meinem Haus keinen Punkteabzug einbringen. Es ist bereits nach Sperrstunde."
„Sie sind in meiner Begleitung und ich werde sie selbstverständlich auch wieder bis vor ihren Portraiteingang begleiten." Dirdra warf einen Blick zu Hermine, doch diese konnte ihr nicht helfen. Sie nickte also und schritt hinter dem Professor her.
Stumm kamen die beiden ein paar Minuten später in den Dungeons an. Doch nicht wie erwartet führte Severus sie ins Klassenzimmer, sondern in seine Privaten Räume.
„Sir, ich glaube nicht, dass es angemessen ist, eine Schülerin in ihre Privaten Räume zu führen."
„Ich möchte mir dir sprechen Dirdra, nicht mit Miss Malfoy. Ich denke doch, die Ohrfeige war von dir, nicht von ihr."
„Es tut mir leid. Mein Temperament ist mit mir durchgegangen. Wenn das dann alles wäre, gehe ich wieder." Dirdra fühlte sich nicht wohl. Sie war sich nicht sicher, was Draco nach ihrem Auftritt noch alles gesagt hatte.
„Setz dich, bitte." Severus deutete auf den Sessel vor dem Kamin. Dirdra setzte sich. Sie schlug die Beine übereinander und wartete darauf, was jetzt kommen würde.
„Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich dich mit deinem Vater verglichen habe. Ich sollte deine Meinung mehr respektieren."
„Ich weiss, dass ich mehr nach Vater gerate, als nach Mutter. Und ich wäre dir dankbar, wenn du derartige Parallelen künftig einfach verschweigen könntest." Der Tränkemeister bot ihr ein Glas Kürbissaft an. „Du weisst, dass ich mich gegen Veritaserum zur wehr setzen kann?"
„Du kränkst mich, ich biete dir lediglich etwas zu trinken an."
„Natürlich Severus, wie das Wasser im Klassenzimmer."
„Touché. Dort war wirklich Veritaserum drin."
„Ich weiss." Dirdra nahm das Glas entgegen und trank einen Schluck. Einen Kleinen, wie es sich für eine Dame gehörte. Obwohl sie einen grossen wohl besser vertragen hätte, denn ihre Kehle war ziemlich trocken. Doch sie würde es ihn nicht merken lassen. `Zeige nie Gefühle. `
„Draco sagte etwas, was mich dazu veranlasste, über dich nachzudenken."
„Ach."
„Ja, er sagte du seist schon lange kein Kind mehr."
„Nun, ich denke, ich habe aufgehört ein Kind zu sein, als Vater damit begonnen hat, mich für Dracos Fehler zu bestrafen." Severus schwieg. „Was erwartest du von mir zu hören?", fragte sie nun direkt.
„Die Wahrheit Dirdra, nur die Wahrheit."
„Die weisst du doch schon. Wenn Draco sich von Blaise trennt, habe ich keine Chance mehr, ihn aus den Klauen des Dunklen Lords zu befreien."
„Ich meinte nicht diese Wahrheit. Du sagtest du erträgst es nicht von mir verletzt zu werden." Dirdras Griff um ihr Glas verstärkte sich. Was sollte sie ihm denn jetzt sagen?
„Du bist schon sehr lange ein Freund der Familie, deine Worte kränken mich mehr als die eines Anderen. Vor allem weil du weisst, wie Vater ist."
„Du sagst es, ich bin schon zu lange Freund der Familie, als dass ich nicht merke, dass du mir etwas verschweigst."
„Bitte Severus, ich möchte nicht darüber sprechen, respektiere das."
„Gut, dann spreche ich und du hörst zu. Ich denke, du würdest Mr. Zabini liebend gerne gegen jemanden anderen Eintauschen, hast aber nicht den Mut es auszusprechen."
„Ich habe eine gute Wahl getroffen, die sich für meinen Stand ziert. Einen Reinblüter aus reichem Haus mit guten Manieren." Sie schaffte es nicht Severus dabei anzusehen.
„Ich verstehe", sagte der Tränkemeister kühl.
Dirdra stand auf und stellte ihr Glas auf das Beistelltischchen.
„Nein Severus, tust du nicht. Und jetzt bring mich bitte zurück in meinen Turm."
„Bei Merlin Dirdra, mach es dir nicht so schwer." Als die junge Frau nun aufsah, bemerkte Severus die Tränen in ihren Augen.
„So lange es ist wie es ist, kann ich nicht aussprechen was mein Herz mir sagt. Ich mache es mir nicht schwer, ich mache es andern leichter. Also bring mich jetzt bitte zurück." Eine Träne rollte über ihre Wange. Severus wischte sie weg und Dirdra schloss für einen Wimpernschlag die Augen um seine Hand auf ihrer Wange zu geniessen.
Doch dann öffnete sie die Tür und trat in den kühlen, feuchten Korridor.
So wortlos wie sie hinuntergegangen waren, gingen sie wieder nach oben.
„Gute Nacht, Miss Malfoy."
„Gute Nacht, Professor."
Der Gemeinschaftsraum war leer. Dirdra konnte nicht mehr die Stolze Malfoy spielen, sie ging in die Knie und weinte bittere Tränen.
„Ich hasse dich, ich hasse dich, elender Zauberer der dunklen Seite", schrie sie. Sofort stürzten die Gryffindors aus ihren Schlafsälen. Doch als sie sahen wer weinend am Boden ihres Gemeinschaftsraumes kauerte zogen sie sich zurück, bis auf Harry, Ron, Hermine und Ginny.
Hermine kniete sich neben Dirdra und zog sie zu sich. Ginny streichelte ihr den Rücken und Ron und Harry konnten nur zusehen. Als sich die blonde Gryffindor beruhigt hatte, halfen ihr die Jungs auf die Füsse.
„Ich verspreche dir Dirdra, ich werde Voldemort töten."
„Und ich verspreche dir, wenn du es nicht schaffst, werde ich es tun." Die Freunde verzogen sich schliesslich kurz nach Mitternacht in ihre Schlafsäle.
Doch Harry konnte nicht schlafen. Wie er es vorausgesagt hatte, plagte ihn in dieser Nacht eine heftige Vision.
„Wehe einer von euch Idioten weiss mehr als dass er zugibt. Es sind schon vier von Sechs zerstört. Cruzio. – Ein Todesser wurde in die Knie gezwungen. - Severus, du wirst mir das Diadem beschützen, mit deinem Leben."
„Sehr wohl, my Lord."
„Lucius, wie ich hörte, wird deine Tochter heiraten?"
„Ja mein Lord. Blaise Zabini. Er ist ein Pureblood aus reichem Haus. Sie kennen sich schon lange."
„Überbringe deiner Tochter meine Glückwünsche. Ich würde sie gerne in unsern Reihen begrüssen. Auch wenn dein Sohn Priorität hat, ist sie doch eine Malfoy."
„Sicher my Lord, ich werde es ihr ausrichten."
Harry wachte schweissgebadet auf. Er stürzte sofort, von Ron gestützt, zum Schulleiter.
„Es ist Ravenclaws Diadem, Snape soll es beschützen."
„Professor Snape, kann nicht wissen wo es sich befindet, es ist seit mehr als hundert Jahren verschwunden."
„Es kann nicht so lange verschwunden sein, sonst hätte Voldemort es nicht als Horkrux verwenden können." In diesem Moment öffnete sich die Geheimtür zum Büro des Schulleiters.
„Fragen sie ihn doch", fauchte Harry wütend.
„Severus, weisst du wo sich das Diadem befindet?"
„Ja, das weiss ich. Ich wusste nur nicht, dass der Dunkle Lord es als Horkrux verwendet hat."
„Wo ist es?"
„Im Raum der Wünsche."
„Was?", fragten nun alle drei gleichzeitig.
„Der Raum erscheint wenn man ihn unbedingt braucht."
„Das wissen wir, aber wie kommen wir an genau den Raum, den sich Voldemort gewünscht hat?"
„Das werden wir herausfinden Harry. Vielen Dank für eure Hilfe." Der Schulleiter drängte sie aus seinem Büro. Nicht nur Harry und Ron, auch Severus Snape wurde etwas ungalant zum gehen bewogen.
