Kapitel 5 : Solomons Spirituosen

Der Rest der Nacht war viel zu kurz und Harry und Ron gähnten als sie sich zum Frühstück in die Grosse Halle begaben. Dirdra hätte sich zwar nicht die Blösse gegeben, aber auch sie war müde.

Als sie in die Halle eintrat warf sie einen Blick an den Slytherintisch. Draco sass neben Blaise und schien sich angestrengt zu unterhalten. Dirdras Blick wanderte weiter zum Lehrertisch. Severus führte gerade eine Tasse zum Mund, als sich ihre Blicke trafen. Unmerklich nickte er ihr zu. Harry hatte es gesehen und wurde sich schlagartig bewusst, dass er heute Abend dem Tränkemeister Gesellschaft leisten würde. Und er würde mit Sicherheit, dreckige Kessel schrubben. Murrend setzte er sich an den Tisch.

„Was ist los? Hat es dir in den Kakao geregnet oder warum deine schlechte Stimmung so plötzlich?"

„Ich wurde gerade daran erinnert, dass ich heute Abend Nachsitzen muss."

„Das hast du dir selber eingebrogt."

„Das weiss ich Dirdra, nur wird er bei mir keine Ausnahme machen wie bei euch. Ich sehe mich schon in den Resten der Erstklässler herumschwimmen." Die blonde Gryffindor lachte auf.

„Tut mir leid Harry, nur die Phantasie dich so zu sehen ergibt ein lustiges Bild."

„Danke", murrte er beleidigt.

„Vielleicht kann ich ein gutes Wort für dich einlegen?"

„Lass mal Dirdra. Snape und ich ist eine etwas verworrene Geschichte. Ich glaube nicht dass es zu deinem Ansehen beiträgt, wenn du dich mit mir verbündest."

„Dass, mein lieber Mr. Potter, lassen sie mal meine Sorge sein."

„Es scheint dir ja wieder gut zu gehen", stellte Ron fest.

„Nein, aber ich bin eine Malfoy. Uns geht es nie schlecht. Wir zeigen keine Gefühle und wenn, dann nur zu unserem Vorteil." Dies sagte sie mit einer solchen Überzeugung, dass die Freund mit essen aufhörten. „Seht mich nicht so an. Es nützt mir nichts, wenn ich hier sitze und heule oder mein Leben verfluche. Ich kann nur das Beste aus der Situation machen wenn ich mich darauf konzentrieren kann. Und da nutzt mir mein Liebeskummer ganz und gar nicht."

„Plausible Erklärung, aber das sah heute Nacht anders aus", meinte Ginny.

„Es gibt eine Zeit um zu Weinen und eine Zeit zu Lachen, eine Zeit für Liebe und eine für Hass. Und es gibt eine Zeit für Frieden und eine für Krieg. Und je mehr ich darüber nachdenke, bin ich sicher, dass der Krieg die nächste Zeit sein wird."

Nachdenklich verliessen die Gryffindors die Halle.

Im Eingangsbereich trafen sie auf Draco und Blaise, die gerade nach Oben zu Verwandlung wollten. Wie es sich für Verlobte gehörte gingen Dirdra und Blaise aufeinander zu und küssten sich flüchtig.

„Ich wünsche dir einen schönen Vormittag", sagte Blaise.

„Das wünsche ich dir auch", erwiderte Dirdra genau so stolz. Die Slytherins gingen weiter und die Gryffindors verliessen das Schloss für Kräuterkunde.

Erst zur Mittagsstunde trafen die Grünen wieder auf die Rot-Goldenen. Dirdra setzte sich neben Blaise.

„Wo ist Draco?" Blaise sah sich um.

„Euer Vater wollte mit ihm sprechen", flüsterte er dann.

„Weswegen?"

„Keine Ahnung, es ging wohl nicht um unsere Hochzeit."

„Reiss dich zusammen Blaise. So hässlich bin ich jetzt auch nicht, und noch dazu eine gute Partie."

„Das mag stimmen, aber eindeutig, das falsche Geschlecht. Ich weiss nicht Mal, ob ich kann, na du weisst schon."

„Erstens, zerbrich dir den Kopf erst darüber wenn es soweit ist, zweitens, stell dir vor ich wäre Draco." Blaise sah sie entsetzt an. Dirdra hingegen war keine Regung anzusehen.

„Was machst du an unserem Tisch, Dirdra?" Die Gryffindor blickte von ihrem Teller auf. Pansy Parkinson und Millicent Bulstrode standen vor ihr.

„In kultivierten Kreisen nennt man das essen."

„Wir wollen hier keine Verräter haben, also verschwinde."

„Halte deinen Mund Pansy", zischte Blaise die Schwarzhaarige an. „Meine Verlobte hat jedes Recht an diesem Tisch zu sitzen, zumal ich sie darum gebeten habe. Also Verzieh dich und nimm diese Kröte gleich mit." Sein Ton war scharf und unmissverständlich. Pansy schnappte zwar nach Luft, griff aber dennoch ihre Freundin am Umhang und zog sie mit.

„Beeindruckend, Blaise, sehr beeindruckend", flüsterte Dirdra ihm zu.

„Sie hat ganze recht, das ist unglaublich Sexy", flüsterte plötzlich eine Stimme neben ihm. Blaise brauchte sich nicht umzudrehen. Jede Faser seines Körpers war angespannt und die feinen Härchen hatten sich aufgestellt.

„Du entschuldigst mich?" Ohne auf Dirdras Antwort zu warten stand Blaise auf und folgte Draco, der mittlerweile die Halle wieder verlassen hatte. Dirdra stand seufzend auf und setzte sich zum Nachtisch an den Gryffindortisch zu ihren Freunden.

„Interessant was dein Künftiger für Stärke an den Tag legt", sagte Harry. Er hatte natürlich die Szene mitverfolgt.

„Du sagst es, das hatte ich ihm nicht zugetraut. Vielleicht kann das noch von Nutzen sein."

„Wo sind die Beiden eigentlich hin?" Dirdra drehte sich zu Ron und lächelte.

„Glaub mir Ron, es ist besser wenn ich dir die Einzelheiten erspare." Der Weasley schnappte nach Luft, senkte aber dann den Blick. Seine Ohren jedoch verrieten, dass ihm das ganze etwas unangenehm war.

Zur ersten Stunde am Nachmittag, kamen die zwei Slytherins gerade noch Rechtzeitig. Dirdra grinste Blaise an, und dieser grinste zurück. Draco hingegen hob eine Augenbraue. Er sagte jedoch nichts.

Sie brachten die Stunde hinter sich und auch die nächsten. Als es dann endlich zeit zum Abendessen war, gingen sie in die Grosse Halle.

Harry sass vor seinem Teller und brachte keinen Bissen hinunter.

„Komm schon, du wirst es überleben. Es ist ja nicht das erste Mal."

„Das nicht Ginny, nur dieses Mal habe ich es provoziert. Snape hat genau gesehen, dass ich es wollte." Dirdra hatte ihren Teller bereits leer.

„Ich sehe euch dann später", sagte sie und stand auf.

„Wo willst du hin?"

„Ich habe dringende Geschäfte zu erledigen", sagte sie in einem hochnäsigen Ton. Dann zwinkerte sie den Gryffindors zu und verschwand.

Sie ging gerade Wegs in die Dungeons. Dort klopfte sie an eine der Türen. Sie ging auf und Severus Snape sah sie fragend an.

„Verzeihung Professor Snape, ich störe ihre kostbare Zeit nur ungern, aber ich hätte eine Bitte an sie zu richten."

„Miss Malfoy, womit kann ich ihnen helfen?"

„Könnten wir das bitte in einer etwas zugänglicheren Atmosphäre besprechen?" Severus trat aus seinen Räumen und ging Dirdra voran in sein Klassenzimmer. Vor dem Pult standen etwa zehn Messingkessel mit einem grünschleimigen Inhalt.

„Also, ich höre?"

„Ich hoffe inständig, dass dies nicht die Strafarbeit für Harry ist."

„Bist du gekommen um für Mr. Potter eine Strafmilderung zu erwirken?"

„Ja und nein. Harry sagte mir bereits, dass es nicht möglich ist. Und dennoch möchte ich dich bitten ihn nicht zu demütigen."

„Was habe ich davon, wenn ich deiner Bitte entspreche?"

„Was könnte ich dir denn bieten als meinen Dank?"

„Eine Antwort auf eine simple Frage."

„Wie lautet die Frage?"

„Wen würdest du Mr. Zabini vorziehen?" Dirdra versteifte sich.

„Ich denke nicht, dass ein kleiner Gefallen es wert ist, mich vor dir zu entblössen. Tu was du für angemessen hältst." Didi war bereits auf dem Weg zur Tür, als Severus sie am Arm packte.

„Lass mich nicht einfach stehen, Dirdra."

„Ich bitte sie nur dieses eine Mal, mich loszulassen, Professor", zischte sie. Sofort liess Snape sie los.

„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht herausfordern." Der Mann wusste offensichtlich wann er verloren hatte.

„Du wirst deine Antwort erhalten Severus, nur dräng mich nicht dazu", sagte die Blonde nun versöhnlicher. Sie schenkte dem Tränkemeister ein lächeln und ging.

In der Eingangshalle traf sie auf Harry.

„Tut mir leid, war wohl nichts."

„Sagte ich doch, den Atem hättest du dir sparen können." Harry lächelte und ging in die Dungeons. Dirdra in den Gemeinschaftsraum um ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Harry stand keine zwei Minuten später vor dem Klassenzimmer. Er klopfte an.

„Herein." Mit einem letzten Seufzer trat er ein. „Mr. Potter, setzen sie sich." Am vordersten Brautisch war ein Feuer unter dem Kessel. „Sie haben eine Stunde Zeit um den Trank zu brauen. Beginnen sie." Harry wunderte sich, dass er keine Kessel schrubben musste, wagte jedoch nicht zu fragen.

Als er mitten im Zerkleinern der Zutaten war, räusperte sich plötzlich jemand vor ihm. Harry blickte auf und sah seinen Zaubertränke Professor vor ihm.

„Sir?"

„Ich denke, sie kennen Miss Malfoys Plan?"

„Ja Sir, und ich halte ihn nicht für klug."

„Was sie davon halten spielt keine Rolle. Sie werden sie trotzdem unterstützen?"

„Bis ich eine Andere Lösung finde, ja."

„Wie viel wissen sie genau?"

„Ich denke nicht, dass ich ihnen das anvertrauen werde. Wenn Dirdra mir etwas sagte, was sie ihnen verschweigt, dann hatte sie bestimmt einen triftigen Grund. Ich weiss allerdings warum sie Blaise heiraten will, falls sie das von mir hören wollten." Snape zog die Augenbraue nach oben.

„Hören sie, ich habe keinen Grund solche Details zu verbreiten. Dirdra hat meinen Respekt für das was sie die ganzen Jahre ausgehalten hat. Ich weiss, dass Draco auch seinen Teil dazu beigetragen hat, dass Dirdra so ist wie sie ist, doch ich denke wir werden nie Freunde werden. Dafür hat er zuviel getan, was nicht nötig gewesen wäre. Falls er sich allerdings doch dazu entschliesst, sich auf unsere Seite zu Stellen, werde ich ihm nicht im Weg stehen, genau so wenig wie meine Freunde."

Severus nickte und ging zurück zu seinem Schreibtisch. Harry braute zu Ende und brachte sogar ein ganz passables Ergebnis zustande.

„Sie sind ja doch nicht so beschränkt in ihren Fähigkeiten wie ich immer vermutete", meinte Snape, als er sich die Phiole ansah. Aus seinem Mund war das mehr als ein Kompliment. Harry räumte seinen Platz auf und ging. Gerade als er die Tür öffnete hielt Snape ihn zurück.

„Mr. Potter? Danke." Harry nickte ihm zu. Er war verblüfft wie die Stunde gelaufen war und beschloss, dieses Erlebnis vorläufig für sich zu behalten.

Gemächlich ging er in den Gemeinschaftsraum.

„Willst du dich zuerst duschen oder setzt du dich gleich zu uns? Du weisst, mir macht das nichts aus wenn du stinkst", kicherte Ginny.

„Ich geh erst duschen", sagte er. Auch wenn es gar nicht nötig war.

Harry ging nach oben, zog seine Robe aus und ging unter die Dusche. Das heisse Wasser prasselte auf seinen Körper und die Gedanken schwirrten umher.

Was würde er wirklich tun, wenn Draco plötzlich vor seiner Türe stehen würde? Könnte er das einhalten, was er nur Minuten zuvor Snape geschworen hatte? Er war sich nicht sicher. Draco müsste sich beweisen. Doch darüber würde er sich Gedanken machen wenn es so weit war.

Harry trat aus der Dusche und blickte in den Spiegel. Von dem kleinen Jungen, den er mit elf im Spiegel gesehen hatte, war nichts mehr übrig. Sein Haar war länger und die Augen tiefer. Die Brille passte ihm und sie war, entgegen zu damals, nicht geflickt.

Sein Oberkörper hatte durch das Quidditch einiges an Muskeln zugelegt, die Hüften waren schmal geblieben. Nur ob seine Kraft ausreichen würde um das zu tun was von ihm erwartet wurde, wusste er nicht. Seufzend trocknete er sich ab, zog sich wieder an und ging nach unten.

Harry küsste Ginny auf die Wange und setzte sich daneben.

„Na, sind die Kessel sauber?"

„Wie?" Harry war wohl noch immer in Gedanken.

„Die Kessel die du geschrubbt hast, sind sie sauber?"

„Ach ja, ja." Die Gryffindors sassen vor dem Kamin. Die Gespräche waren belanglos. Keiner wollte sich auf irgendein Thema festlegen, denn sie wussten, dass sie unweigerlich bei Voldemort oder Dirdras Plan landen würden.

Die Tage vergingen und niemandem wollte einfallen, wie Dirdras Plan zu umgehen wäre. Das einzige was im Schloss bemerkt wurde war, dass Draco und Harry sich eher aus dem Weg zu gehen schienen und dass Snape ihm nicht mehr so viele Punke abzog wie früher.

Als die Gryffindors an diesem Morgen erwachten, taten sie dies mit einem Lächeln. Von den Betten aus konnte man sehen, dass es geschneit hatte. Dirdra sprang aus dem Bett, öffnete das Fenster und atmete tief ein.

„Mi gràdh sin ràidh" (Ich liebe diese Jahreszeit)

„Du sprichst Gälisch?", fragte Hermine verschlafen.

„Ehm ja, du auch?"

„Nein, ich verstehe nur einige Broken und die nicht sehr gut." Dirdra sah Hermine an. Es gab also tatsächlich etwas, was sie nicht konnte.

„Sieh mich nicht so an. Ich hatte nur noch keine Zeit um es zu lernen."

„Tschuldige, sollte nicht so offensichtlich sein. Die Malfoys legen sehr viel wert darauf die alte Sprache zu sprechen."

„Ich wollte es die ganzen Jahre lernen, aber zwischen Arithmantik und alte Runen hat`s nicht mehr gepasst. Deshalb verstehe ich nur ein paar Brocken die ich mir selber beigebracht habe."

„Wenn du willst, bring ich dir ein paar Sätze bei." Hermine war sofort Feuer und Flamme. Die Schülerinnen zogen sich an und gingen nach unten.

Mit den Jungs und Ginny gingen sie in die Grosse Halle. In der Eingangshalle konnten sie gerade noch einen Blick auf die Slytherins erhaschten.

„Ehm, Hermine, ich wäre dir dankbar, wenn du niemandem Sagst, dass ich dir Gälisch beibringe. Draco und ich, also wir, wir haben eigentlich immer Gälisch gebraucht, damit uns niemand sonst verstanden hat."

„Ich verstehe schon, ich werde einfach weghören und den Rest für mich behalten", lächelte sie.

„Danke." Sie setzten sich an den Gryffindortisch und begannen zu essen.

Dirdra hatte gerade etwas Rührei aufgetan, als sich zwei grosse Eulen ankündigten. Das Rauschen der Flügel erinnerte an einen Helikopter. Ein raunen ging durch die Schüler als eine schwarze und eine dunkelbraune Eule durch die Halle flogen.

„Malfoy Eulen?", fragte Ron.

„Leider." Dirdra brauchte sich nicht umzusehen um zu wissen, wo der schwarze Vogel hinflog. Die braune Eule setzte sich genau vor ihren Teller. Sie streckte das Bein aus und begann das Rührei zu essen.

„Fearg, dass ist mein Frühstück. Zisch ab." Didi hatte ihm den Brief vom Bein gebunden. Die Eule sah sie verärgert an, hob dann aber ab. Dirdra öffnete inzwischen den Umschlag. Er war Grün, mit silberner Schrift.

„Na Bravo, das hat mir gerade noch gefehlt."

„Was denn?", wollte Ginny wissen.

„Vater wird an Weihnachten meine Verlobung mit Blaise offiziell bekannt geben. Was bedeutet, dass wir ab da an nur noch ein Jahr Zeit haben, um zu heiraten."

„Wieso dass denn?"

„Ach Harry, du solltest wirklich mehr über die Gesetze unserer Welt lernen. In der Muggelwelt nennt man so was Aufgebot bestellen, das sagt dir doch was? Bei uns heisst dass, der Zauberer und die Hexe haben noch genau 12 Monde Zeit um eine Verbindung miteinander einzugehen."

„Was passiert wenn ihr es nicht tut?"

„Eigentlich nicht viel, nur dass die Familien uns verstossen könnten. Meine würde es mit Sicherheit tun. Ihr wisst ja, Stolz, Ansehen und Aristokratie und so."

„Gut, das gibt uns wenigstens noch ein Jahr", meinte Harry lächelnd. Dirdra warf ihm einen missbilligenden Blick zu. Der Appetit war ihr vergangen und sie wollte die Halle verlassen.

Vor dem Ausgang stiess sie beinahe mit Draco und Blaise zusammen. Letzterer war trotz seiner dunklen Hautfarbe auffallend hell.

„Ist dir nicht gut Blaise, du siehst etwas mitgenommen aus."

„Wie kannst du das Fragen Dirdra. Du hast doch den Brief gelesen", zischte Draco ihr zu.

„Ja bei Merlin das habe ich. Dieser Brief verschafft uns noch ein ganzes Jahr. Ich hatte zwar auf drei gehofft, aber was soll ich machen. So lange du dein Versprechen nicht brichst haben wir immer noch Zeit." Draco sah sie drohend an.

„Iurandi seo me, bràthair." (Schwör es mir, Bruder)

„Mi iurandi seo, piuthar." (Ich schwöre es, Schwester) Dirdra nickte und liess die Slytherins ziehen.

Severus stand im Eingang der Grossen Halle. Er sah sie mit seinen dunklen Augen an. Dirdra straffte die Schultern und stolzierte an ihm vorbei. Wie gut dass heute Freitag war.

Die Stunden schlichen nur so an ihnen vorüber. Jeder lechzte nach dem Wochenende. Das letzte Hogsmeade Wochenende vor den Weihnachtsferien.

Während des Nachtessens sass Dirdra wieder am Slytherin Tisch. Zwischen Blaise und Draco.

„Wann treffen wir uns morgen um nach Hogsmeade zu gehen?", fragte sie bevor sie sich einen Löffel Karotten in den Mund steckte.

„Ich…, ehm…, ich wollte nicht nach Hogsmeade morgen", stotterte Blaise. Dirdra schluckte und sah zwischen ihm und Draco hin und her.

„Das geht nicht. Wir müssen nach Hogsmeade, da wir zusammen ein Geschenk für Vater kaufen müssen. Du weisst, dass sich das so gehört. Du wirst schliesslich in den Ferien in der Familie aufgenommen."

„Erinnere mich bloss nicht daran", zischte Blaise.

„Mir reicht es langsam. Ihr tut gerade so, als ob ich euch in euer Unglück stossen würde. Wenn ihr nicht wollt, dass euere Beziehung auffliegt, dann müsst ihr langsam aber sicher mitmachen. Sonst klappt das nicht."

„Beruhige dich Dirdra, die Slytherins schauen bereits", beschwichtigte sie Draco.

„Wir wollten einfach unser letztes freies Wochenende geniessen. Du weisst, dass Vater Blaise beobachten wird, damit er ja nicht zu dir ins Zimmer schleichen kann. Das heisst, er kann auch nicht zu mir."

„Natürlich weiss ich das Draco, ich bin ja nicht blöd. Aber auch dafür kann man sich was einfallen lassen. Denkt mal ein bisschen nach." Sie hatten sehr leise Gesprochen.

„Also, ich erwarte dich dann morgen um zehn in der Eingangshalle, und kleide dich entsprechend", sagte Dirdra nun lauter, so dass es der ganze Tisch hören musste. Dann stand sie auf und ging zum Gryffindor Tisch.

„War wohl nicht so einfach wie du dir das vorgestellt hast."

„Ach Ginny, ich weiss gar nicht, was ich mir vorgestellt habe, aber ein bisschen mehr Kooperation wäre nicht schlecht. Ich rette schliesslich seine Zukunft."

„In dem du deine Opferst."

„Das tut hier nichts zur Sache, Hermine." Der scharfe Ton der Malfoy liess sie zusammenzucken. „Entschuldige, sollte nicht so schroff klingen."

„Du entschuldigst dich für deinen Ton? Du bist eindeutig zu lange Gryffindor."

„Ron", riefen die andern Drei. Dirdra lachte.

„Wahrscheinlich hat er ja recht."

„Wir werden dich also morgen nicht begleiten, aber wir werden ein Auge au dich haben. In welche Geschäfte willst du denn?"

„Eigentlich nur in eines Harry. Solomon Spirituosen."

„Da kommst du doch gar nicht hinein. Auch wenn du volljährig bist. Da muss man doch schon zwanzig sein", meinte Ron.

„Du vergisst ein Detail", sagte Dirdra und sah ihn von oben herab an. „Ich, bin eine Malfoy." Die beiden sahen sich kurz an, ehe sie zu lachen begannen.

„Lasst uns nach oben gehen, wir haben noch Aufgaben zu erledigen." Reihum wurde gestöhnt.

„Hermine du schaffst es doch immer wieder uns zu deprimieren."

„Natürlich, aber ihr werdet am ende des Schuljahres an mich denken und mir auf Knien danken."

„Das war jetzt eindeutig Malfoy, Dirdra färbt ab", sagte Ginny grinsend.

Die Fünf Gryffindors gingen nach oben. Dirdra warf noch einen kurzen Blick auf Blaise und Draco. Sie schienen sich über etwas zu unterhalten. Doch Draco war wohl etwas verärgert. Blaise tat ihr irgendwie leid. Er war es nicht gewohnt auf Lucius Malfoy in seiner ganzen Patriarchie zu treffen. `Ich hoffe Severus hatte bereits erfolg. Wenn Blaise ihm nicht standhalten kann, dann gute Nacht. `

Auf die Hausaufgaben konnte sie sich kaum konzentrieren. Was allerdings nicht so tragisch war, da sie Zaubertränke machten. Das würde sie in den Ferien bestimmt wieder aufholen. „Seid mir nicht böse, aber ich gehe schlafen", sagte sie dann um kurz vor Zehn.

„Kein Problem, sehen wir uns noch zum Frühstück?" Dirdra nickte und lächelte ihre Freunde überzeugt an.

Oben zog sie sich aus und ging unter die Dusche. Das Wasser fühlte sich gut auf ihrem Körper an. Das blonde lange Haar klebte an ihrem Rücken bis zur Hüfte und die eisblauen Augen hatte sie geschlossen. `Wo hast du dich da bloss wieder hineinmanövriert Didi. ` Natürlich erhielt sie von ihrem Unterbewusstsein keine Antwort.

Nachdem sie sie eingeseift, einshampooniert und wieder abgespült hatte, stieg sie aus der Dusche und hüllte sich in ein rotes Badetuch. Dann stellte sie sich vor den Spiegel. Sie flocht einen langen Zopf und beobachtete dabei ihre Finger. Als sie fertig war sah sie sich nochmals ernst an.

„Mrs. Dirdra Zabini. Mrs. Dirdra Snape. Keine Ahnung welcher sich besser anhört, aber ich weiss genau, welchen ich haben wollte." Sie zog sich ihren Pyjama an und ging zu Bett.

Die andern Gryffindors sassen noch eine ganze Weile vor dem Kamin.

„Ich würde ihr so gerne Helfen", sagte Ginny ohne den Blick vom Kamin zu nehmen.

„Ich auch, aber ich habe keine Ahnung wie? Ausserdem, können wir ihr nicht helfen, wenn sie in Malfoy-Manor ist."

„Vielleicht sollten wir Dumbledore in ihren Plan einweihen?"

„Das können wir nicht, ausserdem wird Snape das getan haben, wenn er es für angebracht gehalten hätte." Die erstaunten Blicke hafteten nun an Harry. „Ich hatte damals ein interessantes Gespräch mit Snape, anstelle von Strafarbeit. Ich musste einen Trank brauen, einen sehr einfachen, und Snape hat mich gefragt, was ich von ihrem Plan halte und was ich weiss."

„Warum hast du uns das nicht gesagt?"

„Keine Ahnung Ginny, ich dachte ich behalte es erstmal für mich, falls da noch mehr kommt, doch seither hat er nichts mehr darüber gesagt." Sie schwiegen sich weiter an.

„Habt ihr eigentlich schon alle Geschenke?", fragte nun Ron um das Thema zu wechseln. Sofort entbrannte eine wilde Diskussion über die Einkaufsstrategie am morgigen Samstag. Erst spät in der Nacht gingen sie schlafen.

Der Morgen war grausam. Für Hermine und Ginny viel zu früh, und Dirdra hatte sowieso keine Lust um aufzustehen. Sie zwangen sich aus dem Bett und zogen sich an.

Dirdra hatte sich für ein anthrazitfarbenes Kostüm entschieden, darüber einen warmen Winterumhang aus Kaschmir. Ihr Haar war mit einem Zauber hoch gesteckt und sie trug eine dazu passende, gestrickte Baskenmütze. Sie sah sich nochmals im Spiegel an, dann seufzte sie und verliess den Schlafsaal. Im Gemeinschaftsraum traf sie auf die Andern.

„Wow, du siehst irgendwie so…, so…, so Malfoy aus."

„Danke Ronald, das hatte ich auch beabsichtigt."

„Ich glaube ich weiss jetzt, wie du in diesen Laden kommst, wenn du so hingehst, kann er sich das Geschäft ja nicht entgehen lassen. Du siehst bereits von weitem nach Geld aus."

„Tut mir leid, aber ich muss den Schein wahren. Vater weiss zwar, dass ich nicht seiner Meinung bin, aber da ich mich schon seiner Anweisung gebeugt habe, werde ich wohl eine gute Mine zum bösen Spiel machen."

Sie gingen in die Grosse Halle. Es war bereits halb zehn. Dirdra frühstückte nicht sehr viel. Ihr war ganz flau im Magen. Um fünf vor zehn stand sie auf.

„Wir wünschen dir einen schönen Tag, und Kopf hoch", munterte Harry sie auf. Sie verzog den Mund zu einem unscheinbaren lächeln und ging.

Vom Lehrertisch aus wurde sie verfolgt. Die schwarzen Augen des Tränkemeisters waren auf die vornehm gekleidete Schülerin geheftet. Sie sah wirklich nicht mehr wie ein siebzehnjähriger Teenager aus. Eher wie eine jüngere Ausgabe ihrer Mutter. Severus zwang sich, seinen Blick wieder von ihr zu nehmen.

Dirdra hatte inzwischen die Grosse Halle verlassen und war in die Eingangshalle geschritten. Blaise stand vor dem grossen Eber neben der Eingangstür. Er trug einen schwarzen Anzug und ein schwarzes Rollkragen Shirt aus Kaschmir. Darüber einen teuren schwarzen Mantel mit knöpfen aus schwarzem Perlmut. Als er Dirdra sah, ging er auf sie zu und küsste sie auf die Wange.

„Draco hat es vorgezogen, uns alleine gehen zu lassen. Er sagte er hätte noch etwas zu erledigen."

„Er hat es nicht für nötig gefunden, dich einzuweihen?"

„Tut mir leid, nein." In dieser Sekunde bemerkte Dirdra den Schatten der hinter ihr aus der Grossen Halle kam. Sie drehte sich um.

„Professor Snape, sie gehen nicht nach Hogsmeade?" Der Tränkemeister hob die Augenbraue. Dirdra versicherte sich, dass niemand sonst in der Eingangshalle war, dann trat sie auf Severus zu. Dank ihren hohen Absätzen konnte sie ihm problemlos in die Augen sehen. „Richte Draco bitte aus, dass wir ihn um punkt zwölf in den drei Besen erwarten. Pünktlich."

„Ich habe keine Ahnung wovon sie sprechen, Miss Malfoy."

„Natürlich nicht", zischte sie. Severus Nackenhaare stellten sich auf. Er verbiss sich die Bemerkung die ihm auf der Zunge lag. `Ganz die Tochter ihres Vaters. ` Sie drehte sich schwungvoll um und ging zurück zu Blaise. Sie hackte sich bei ihm unter und verliess das Schloss.

„Bist du dir sicher, dass Draco zu Professor Snape wollte?"

„Ich bin mir sogar ziemlich sicher."

Sie gingen gemeinsam den Weg bis in das kleine Zaubererdorf. Die Blicke der andern Schüler registrierte Dirdra mit Genugtuung.

Vor dem Spirituosengeschäft blieb sie stehen. Blaise sah sie fragend an.

„Na los, wir haben etwas zu kaufen." Kopfschüttelnd öffnete der Slytherin die Tür und liess Dirdra eintreten.

In dem Geschäft roch es nach Leder, teuren Spirituosen und Geld. Didi hasste es, doch sie liess sich nichts anmerken.

Aus dem Ladeninnern kam ein Zauberer. Er war mindestens sechzig Jahre alt. Er trug eine schwarze Hose, ein weisses Hemd und die typische Schürze eines Sommeliers. Erst beäugte er die Kundschaft kritisch, dann schien er die teure Garderobe zu registrieren und kam auf sie zu.

„Guten Tag die Herrschaften, was kann ich für sie tun?"

„Wir suchen ein Geschenk für meinen Vater, mein Verlobter dachte, eine Flasche ihres Besten Whiskeys wäre genau das Richtige."

„Hatten sie an etwas Spezielles gedacht?", fragte der Mann und wandte sich an Blaise. „Vielleicht einen Highland Malt, wenn sie so etwas führen?"

„Natürlich Sir, wir haben hier diesen Aberfeldy 12 Years Single Highland Malt Scotch Whiskey. Ein Schnäppchen für 236 Galleonen und 12 Sickel. (1943.00 CHF)" Der Mann hielt Blaise die Flasche hin. Der Slytherin nahm sie entgegen. Blickte auf das Etikett, hielt die Flasche gegen das Licht. Er hatte dem Sommelier den Rücken zugewandt. Dirdra stand im Laden und sah sich etwas um.

„Wen glauben sie eigentlich, dass sie vor sich haben, sie Kretin. Diese Flasche hat gerade mal den Wert von vielleicht 7 Galleonen", giftete Blaise und warf sie in eine Ecke. Dort zersplitterte sie in tausend Teile und die goldbraune Flüssigkeit verteilte sich über den Boden. Der Sommelier hatte die Augen aufgerissen und sah Blaise entsetzt an. Dirdra sah ihn ebenfalls erstaunt an.

„Ich werde ihnen jetzt mal etwas sagen, ich bin Blaise Aurigo Zabini. Meinem Vater gehört dieser heruntergekommene Schnapsladen und ich denke er wird nicht sehr erfreut sein wenn er hört, wie sie hier die Leute für dumm verkaufen. Wahrscheinlich behalten sie den Rest des Überschusses für sich. Sie werden jetzt auf der Stelle einen anständigen Highland Malt organisieren oder sie werden mich erst kennen lernen."

„Natürlich Mr. Zabini, selbstverständlich Mr. Zabini, sofort Mr. Zabini." Der Mann stolperte sofort hinaus.

„Mir wird gerade klar, dass ich gar nichts über deine Familie weiss. Ihr macht also in Spirituosen?"

„Nicht nur das. Mein Vater ist ein sehr tüchtiger Geschäftsmann. Wir haben die Finger in ziemlich allem, was sich verkaufen lässt." Dirdra war auf Blaise zugegangen und legte ihm eine Hand auf die Schulter, während sie hinter seinem rücken hindurch ging.

„Ich glaube ich habe gerade herausgefunden, was mein Bruder so an dir liebt. In dir schlummert wirklich ein richtiger Slytherin."

„Ich weiss nicht ob ich dass als Kompliment auffassen soll."

„Es war eines, glaub mir." Der Mann kam gerade zurück. In seiner zitternden Hand hielt er eine Holzkiste.

„H-Hier, Sir, etwas Besseres werden sie in ganz Gross Britannien und Schottland nicht finden." Blaise öffnete die Kiste. Er hob sorgfältig die Flasche daraus. Bereits am Etikett konnte er sehen, dass es sich dieses Mal um einen edlen Tropfen handelte.

„Dalmore 62 Single Highland Malt Scotch Whisky von 1943. Bitte, geht doch." Der Slytherin legte die Flasche zurück in die Kiste, verschloss sie und nahm sie unter den Arm.

„Lass uns gehen Dirdra." Didi zog ihre Handschuhe wieder an, lächelte dem Mann kalt zu und verliess vor Blaise das Geschäft.

„Du hättest mir ruhig sagen können, dass euch dieser Laden gehört."

„Vielleicht hätte ich es auch, wenn du mir gesagt hättest, was du vor hast?"

„Gut, du hast recht, ich sollte dich mehr in meine Pläne einweihen. Apropos Pläne, wir sollten in die Drei Besen gehen, es ist bereits kurz vor Mittag."

In den Drei Besen herrschte ein heilloses durcheinander von Schülern und Professoren. In der hinteren Ecke, etwas versteckt aber dennoch übersichtlich, sass Draco alleine an einem Tisch. „Sieh an, wer sich doch noch her bemüht hat", sagte Dirdra scharf. Sie legte die Baskenmütze ab und zog die Handschuhe aus. Auch den Schal wickelte sie von ihrem Hals. Blaise zog ihr den Stuhl zu Recht.

„Und, bekommen was ihr gesucht habt?"

„Ich wusste gar nicht, was in meinem Liebsten steckt." Draco hob die Augenbraue.

„Wir waren bei Solomon. Der alte Sack wollte uns über den Tisch ziehen."

„Ich sagte dir bereits, dass du ihm sagen sollst wer du bist, dann wäre das gar nicht erst passiert."

„Er hat es ihm gesagt, indem er eine billige Flasche Scotch über den Boden verteilt hat." „Wirklich?"

„Ja, so richtig Malfoy-Like, du färbst ab Bruder."

„Und was habt ihr nun gekauft?" Blaise zeigte ihm die Flasche.

„Oh, da wird sich Vater aber freuen."

„Natürlich wird er das, sein Schwiegersohn soll ja auch nur den Besten Eindruck machen. Was hat Severus gesagt, wie weit ist er?" Draco sah seine Schwester an.

„Oh bitte, glaubst du wirklich ich hätte nicht damit gerechnet, dass du dich bei Severus erkundigst."

„Er meinte wir sollten ihn möglichst nicht alleine mit Vater lassen. Einem kurzen Angriff kann er widerstehen." Ein Räuspern zog die Aufmerksamkeit der Malfoys auf sich.

„Ich sitze hier am Tisch, wollte ich nur sagen. Ihr behandelt mich gerade so, als ob ich nichts könnte." Die Stimme des dunkelhäutigen war schneidend scharf.

„Tut mir leid Blaise, das wollten wir nicht", entschuldigte sich Dirdra. Unter dem Tisch legte Draco seine Hand auf Blaise`s Oberschenkel.

„Entschuldige bitte, wir machen uns nur sorgen um dich. Du weisst nicht wie Vater sein kann."

„Ich kenne euch schon eine ganze Weile. Ich war schon öfters bei euch zuhause und ich weiss wie du immer aus den Ferien zurück kommst, Draco. Ich weiss was Lucius Malfoy für ein Mensch ist. Ich werde nicht so verrückt sein, lange mit ihm allein sein zu wollen." Blaise hatte Dracos Hand unter dem Tisch ergriffen, auf dem Tisch legte er seine Hand gerade auf die seiner Verlobten.

„Severus meinte, du sollst es vermeiden länger als unbedingt nötig in Vaters Augen zusehen."

„Das sagt er mir jedes Mal, ich weiss es, danke."

„Gut, dann zum Geschäftlichen. Wir werden am 23. Dezember in Kings Cross abgeholt. Vater wird nicht da sein, vielleicht Mutter, aber ich denke wir werden mit einem seiner Lakaien rechnen müssen. Wenn wir in Malfoy Manor ankommen wirst du ein Zimmer bekommen, wahrscheinlich im Gästeflügel. Wir werden erst zum Nachtessen auf Vater treffen. Das Essen wird eher kurz ausfallen, da wir von der Reise müde sind. Am Morgen des ersten Weihnachtstages, nach dem Frühstück, wirst du Vater das Geschenk übergeben. Wie du weisst, feiern wir kein richtiges Weihnachten." Blaise nickte.

„Wir werden dann den Rest des Tages bis zum Abendessen alleine sein. Am Abend dann der Grosse Empfang. Genau so am 25. Am 26. werden wir, bis und mit 29. an diverse Empfänge von Vaters Geschäftspartnern gehen. Natürlich werdet ihr überall herumgezeigt.

Dann müssen wir auf den 30. Aufpassen. Der erste Tag an dem Vater uns gefährlich werden kann. Du musst versuchen ihn in ein Gespräch über die Geschäfte zu verwickeln. So lange er über Geschäfte Reden kann, wird er nicht auf andere Ideen kommen.

Am 31. werden wir keine Probleme haben, da ist Vater sowieso mit dem Geschäftsempfang beschäftigt. Aber dann, ab dem 1. bis die Schule wieder beginnt, werden wir uns etwas einfallen lassen müssen."

„Wir könnten einen Ausflug machen zu Severus nach Spinners End? Vater wird nicht auffallen dass wir flüchten, wir waren schon oft dort."

„Ich weiss nicht ob Severus da mitmachen wird."

„Er sagte doch, dass er uns helfen wird."

„Du wirst ihn fragen müssen", meinte Blaise.

„Ich? Warum ich? Das kann doch Draco…"

„Nein, das wirst du schon selber tun Dirdra", zischte Draco. Beleidigt liess sich die Gryffindor in den Stuhl fallen.

Aus dem Augenwinkel konnte sie sehen, dass ihre Freunde ebenfalls in den Drei Besen sassen.

Harry warf ihr einen besorgten Blick zu. Sie lächelte in seine Richtung und schüttelte den Kopf. Harry nickte nur und widmete sich wieder seinem Butterbier.

„Gut, ich werde Severus darum bitten." Noch eine ganze Weile besprachen sie ihre Taktik. Draco gab während des ganzen nicht zu erkennen wie er sich im Falle eines Falles entscheiden würde. Doch Dirdra war klug genug ihn nicht danach zu fragen.

Die Malfoys verliessen die Drei Besen zusammen mit Blaise, als auch die andern Schüler in Richtung Schloss aufbrachen.

In Hogwarts gingen sie gleich in die Grosse Halle, da es bereits Zeit zum Nachtessen war. Dirdra setzte sich bewusst nicht zu Blaise, das sie ihn ja bereits den ganzen Tag von Draco abgehalten hatte.

„Na, erreicht was du wolltest?"

„Teilweise. Wir haben das Geschenk für Vater, aber Draco ziert sich noch. Ausserdem muss ich mit Professor Snape sprechen."

„Was willst du denn von dem?", fragte Ron.

„Das lass mal meine Sorge sein", lächelte Dirdra ihn an.

„Ehm, mir fällt da gerade etwas ein. Ich hatte vor ein paar Wochen eine Vision, ihr erinnert euch doch noch?" Dirdra hatte sich inzwischen gesetzt und sich einen Hünerflügel genommen. Sie nickte wie die Andern. „Voldemort will dich kennen lernen."

„Bitte was will er?", hustete Dirdra.

„Er meinte Draco hätte zwar Priorität, aber du wärst schliesslich auch eine Malfoy."

„Ich hoffe nur, dass Vater nicht die Weihnachtsferien dafür ausgesucht hat. Er weiss dass er mich damit in Ruhe lassen soll", schüttelte sich die junge Frau.

„Keine Ahnung, ich wollte es nur gesagt haben."

„Danke Harry." Dirdra schob den Teller von sich. Ihr war gerade der Appetit vergangen. Sie besann sich darauf, dass sie ja noch mit Severus sprechen wollte, doch beim Blick zum Lehrertisch stellte sie fest, dass Severus nicht da war.

Nach dem Essen verliessen die Gryffindors die Grosse Halle. Draco und Blaise waren bereits gegangen. Es gingen alle früh schlafen.

Kapitel 6 : Quidditch

Am nächsten Tag war Quidditch und da Ron, Harry und Ginny im Team waren, wollten sie ausgeschlafen sein. Der Sonntag schenkte dem Schloss sein schönstes Gesicht. Es war wolkenlos und der Schnee lag wie eine warme Decke über dem Land. Die Spieler würden frieren, soviel war sicher, doch Dirdra war das egal. Sie zog sich warm an und warf ihren dicken Russenmantel über. Auf dem Kopf trug sie eine dazu passende Mütze aus schwarzem Nerz. Für die Hände hatte sie einen Muff.

Seit dem Halloweenball war Dirdra in ihrer Freizeit immer teuer gekleidet, die Gryffindors hatten sie bis jetzt noch nicht darauf angesprochen. Davor war es ihr egal, ob sie in zerrissenen Jeans gesehen wurde, doch jetzt.

„Kannst du nicht einen normalen Umhang anziehen, ich komme mir so Underdrest vor."

„Tut mir leid, ich möchte nicht, dass Vater wütend auf mich ist. In seinen Augen bin ich jetzt eine `Frau` du verstehst?"

„Du meinst, er könnte hier auftauchen und nach seiner Tochter sehen, die ihm ja gesagt hat, dass sie dazu bereit ist, jemanden zu heiraten?"

„So in etwa. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn er zum Spiel kommen würde."

„Oh."

„Glaub mir, ich bin nicht gerne so steif gekleidet. Ich wollte ich könnte einfach die Thermohose dort anziehen und meinen Norweger Pulli, aber das geht leider nicht." Die jungen Frauen gingen eingehackt in die Grosse Halle.

Das Team war bereits beim Stadion, weshalb sie alleine waren. Blaise sass in Gedanken am Slytherin Tisch. Hermine deutete auf ihn. Dirdra viel auf, dass er nicht sehr Gesellschaftsfähig gekleidet war. Sie verdrehte die Augen.

„Setz dich schon mal hin, ich muss noch etwas erledigen." Stolzen Schrittes ging sie auf Blaise zu. Erst als sie sich vor ihm räusperte, blickte er auf.

„Du willst nicht wirklich so zum spiel, oder?"

„Was stimmt daran nicht?"

„Vater könnte hier auftauchen. Und ich bin sicher, er möchte seinen künftigen Schwiegersohn nicht in zerrissenen Jeans und Rollkragenpullover sehen."

„Weisst du eigentlich wie schweine Kalt es da draussen ist?" Dirdra beugte sich zu ihm hinunter.

„Glaubst du wirklich mir macht es Spass diesen Mantel zu tragen, der wiegt mindestens eine Tonne", flüsterte sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Der Slytherin stand auf, verdrehte die Augen, küsste sie auf die Wange und ging.

Dirdra ging zurück an ihren Tisch und setzte sich neben Hermine.

„Er geht sich umziehen?"

„Ich nehme an." Sie assen ein paar Minuten stumm, bis Didi die Stille durchbrach.

„Hast du Professor Snape gesehen? Er war gestern schon nicht beim Nachtessen."

„Nein, hab mich nicht darauf geachtet", gab Hermine entschuldigend zurück.

„Er wird bestimmt beim Spiel sein."

„Sag mal, für welche Seite bist du eigentlich, dein Haus oder deine Familie?"

Da Dirdra sich nicht besonders viel aus Quidditch machte, war sie bis anhin noch bei keinem Spiel gewesen, aber dieses war Gryffindor gegen Slytherin, da musste sie hin.

„Keine Ahnung, für die Besseren?" Hermine lachte.

„Los komm, wir sollten gehen." Sie gingen gemeinsam hinunter zum Stadion.

„Jetzt musst du dich entscheiden, Gryffindor oder Slytherin." Dirdra blickte zum Lehrersektor. Es war nicht schwer, die blonden, langen Haare ihres Vaters auszumachen. Hermine hatte ihren Blick gesehen.

„Slytherin also."

„Nein", sagte Dirdra. „Gryffindor. Ich bin zwar korrekt gekleidet, und ich werde mich mit einem Slytherin verloben, aber Vater soll sehen, dass ich sonst nichts damit zu tun haben will. Hey, du da, Mitchell, nicht wahr?" Sie sprach einen kleinen Gryffindor an. Einen Erstklässler. „Leihst du mir deinen Schal?" Der Erstklässler sah sie fragend an, rückte dann aber den rot-goldenen Schal heraus. „Danke, bekommst ihn nach dem Spiel wieder." Dirdra legte sich den Schal um. „So, wir können." Bei Hermine eingehackt, ging sie hinauf zur Tribune.

Ihr Vater hatte sie sofort gefunden. Seine Augenbraue schnellte nach oben. Doch Dirdra hielt dem Blick stand. Der Malfoy Patriarch wandte sich zu seinem Nachbarn. Erstaunt stellte Dirdra fest, das dies nicht Severus war. Es war ein Mann den sie nicht näher kannte. Wahrscheinlich ein Geschäftspartner ihres Vaters.

Auch auf der ganzen Lehrertribune konnte sie den Tränkemeister nicht entdecken.

„Severus ist nicht da."

„Vielleicht musste er dringend weg", mutmasste Hermine. Das Spiel begann. Die Mannschaften waren in etwa gleich stark. Der Quaffel ging hin und her und die Klatscher trafen selten.

„Ist das hier immer so langweilig?"

„Nein, nur wenn Slytherin und Gryffindor spielen. Harry und Malf…, Draco, sind ziemlich ausgeglichen. Ausserdem sieht man sie selten." Hermine hatte kaum die Worte ausgesprochen, als auf der gegnerischen Tribune ein Raunen durch die Leute ging. Sie blickten sogleich nach oben. Draco und Harry befanden sich in einem Parallelen Sturzflug. Keiner schien zu bemerken, wie nahe sie dem Boden kamen.

„Warum tut denn keiner was", flüsterte Dirdra in die angespannte Stille.

„Die werden das schon schaffen, es ist seit Jahrzehnten keiner mehr gestorben bei einem Quidditchspiel." Dirdra sah Hermine entsetzt an. Das Aufkeuchen der Menge liess sie ihre Aufmerksamkeit jedoch wieder auf das Spiel lenken.

Beide Sucher hatten die Besen gebremst und schossen nun kaum einen Meter über dem Boden.

„Es ist doch alles gefroren, wenn einer Stürzt bricht er sich sämtliche Knochen."

„Beruhige dich, das ist nicht das erste Mal, dass die zwei sich einen Solchen Kampf liefern." Tatsächlich kämpften Harry und Draco verbissen. Keiner wollte klein bei geben. Als der Schnatz jedoch abbremste, konnte weder Harry noch Draco ausweichen. Die Sucher prallten in einen der Türme des Stadions.

„Bei Merlin", entfuhr es Dirdra. Die Andern Spieler waren von ihren Besen gesprungen und auf die Sucher zu gelaufen.

Harry rieb sich den Kopf. Das war ein ganz schön heftiger Aufprall. Als er sich umsah, sah er Draco direkt neben sich. Der Malfoy schien trotz der Anstrengung und des kalten Wetters bleich. Harry setzte sich auf, dann sah er es. Oberhalb des Armschoners war die Robe durchnässt. Sofort krabbelte der Gryffindor auf seinen Gegner zu. Er schob den Umhang bei Seite und sah das Blut. Eine Strebe des Turms hatte sich in seinen Arm gebohrt.

„Scheisse, Draco." Doch der Slytherin rührte sich nicht. Harry streifte sich den Umhang ab. Er konnte bereits sehen, wie die andern Spieler auf ihn zukamen, doch er liess sich nicht aufhalten. Harry riss einen breiten Streifen von seinem Umhang und legte Draco einen Druckverband an. Das Holz musste eine Ader getroffen haben. Der Boden war bereits rot.

„Draco, komm schon, komm zu dir." Keine Reaktion. Harry stand auf. Die Spieler beider Teams waren kaum mehr als fünf Meter entfernt. „Holt Mme. Pomfrey, sofort. Draco hat's erwischt", rief er. Es dauerte ein paar Sekunden, bis die Worte ankamen.

Die Slytherins blieben wie angewurzelt stehen. Ginny drehte sich um, schwang sich auf ihren Besen und flog davon.

Ron jedoch rannte so schnell er konnte zu Harry. Die Slytherins standen noch immer regungslos da.

„Los, wir müssen sehen, dass wir ihn hier wegbekommen." Harry sah seinen Freund fragend an. Ron deutete nach oben. Der Turm wackelte und es drohten einige Balken herunter zu fallen.

„Wir können ihn nicht bewegen, der Pfahl hat ihn durchbohrt." Ron zog seinen Zauberstab.

„Diffindo" Das Stück Holz brach kurz vor dem Arm. „Wenn mir mal einer gesagt hätte ich tu das für Malfoy, hätte ich ihn gekillt." Harry lächelte wissend ab den Worten seines Freundes.

Der Gryffindor Sucher fasste die Füsse, Ron den Oberkörper. Keine Sekunde zu früh, wie sich herausstellte. Kaum hatten sie Draco zwei Meter weiter auf den Boden gelegt, brach einer der Balken und rammte sich genau dort, wo Draco noch Sekunden zuvor gesessen hatte, in den Boden.

„Oh Mann, das war knapp." Die Stille die bis jetzt in der Arena herrschte wurde durch das Murmeln der Zuschauer gekippt. Man konnte nun deutlich sehen, dass aus Dracos Arm etwas herausragte und dass Harrys Umhang zerrissen war. Harry kniete sich zu Dracos Füssen und hob sie auf seine Oberschenkel.

„Was tust du da?"

„Schocklagerung, damit das Herz genügend Blut bekommen. Glaubst du wirklich, ich will dass der mir hier wegstirbt?"

Mme. Pomfrey hatte sie fast erreicht, als sie Lucius rufe vom Spielfeldrand hörten. Anscheinend wollte man ihn nicht zu seinem Sohn lassen.

„Bei Merlin, das hätte ganz schön eng werden können." Poppy hatte die Blutung gestoppt. Neben der Medihexe war Albus zu stehen gekommen.

„Wir werden ihn in den Krankenflügel bringen müssen. Das Holz kann ich nicht hier entfernen." Der Schulleiter beschwor eine Trage herauf und Poppy liess Dracos leblosen Körper darauf gleiten, dann eilte sie zum Schloss.

„Harry, du wirst dich ebenfalls im Krankenflügel einfinden."

„Mir, fehlt nichts, wirklich."

„Das ist mir egal, ich will dich in einer halben stunde spätestens dort sehen." Der Direktor ging davon.

„Komm, lass uns gehen." Harry folgte Ron.

Die Schüler waren auf der Tribune geblieben. Bei den Spielerumkleiden standen nun Hermine und Dirdra. Die Malfoy war ziemlich bleich.

„Wird er es schaffen?"

„Sicher, Mme. Pomfrey meinte zwar es wäre knapp gewesen, aber er wird das hinbekommen." Ginny drückte Harry an sich und Hermine schlang ihre Arme um Ron.

„Geh in den Krankenflügel wenn du willst, wir kommen sowieso gleich nach." Dirdra nickte. Sie beeilte sich ins Schloss zu kommen.

Vor dem Krankenflügel stand Blaise.

„Sie wollen mich nicht zu ihm lassen", sagte er leise.

„Ich werde sehen was ich tun kann", tröstete Dirdra, dann öffnete sie die Tür.

Neben dem Bett stand Lucius. Er sah besorgt aus. Mme. Pomfrey fuchtelte mit ihrem Zauberstab über Draco und der Schulleiter stand am Fusse des Bettes.

„Ist er in Ordnung, ich meine…"

„Miss Malfoy, sie sollten vielleicht draussen warten."

„Nein Professor, ich möchte meinen Bruder sehen." Der Schulleiter nickte. Es war ihm bereits klar, dass er sie nicht hätte davon abhalten können. Dirdra trat auf das Bett zu.

Auf Dracos Stirn standen Schweissperlen. Das Holz war inzwischen aus seinem Arm entfernt, aber es war noch alles voller Blut. Sie setzte sich auf die Andere Seite des Bettes und nahm Dracos Hand.

„Cathe, bràthair, cathe." (Kämpfe, Bruder, Kämpfe) Wie ein flüsterndes Mantra wiederholte sie die Worte stetig und leise. Sie schloss die Augen und versuchte ihre Kraft auf Draco zu übertragen. Ohne es zu merken rann eine Träne aus den geschlossenen Augen über ihre Wange. Sie war sich bewusst, dass sowohl Albus als auch ihr Vater hörten was sie flüsterte.

„Jetzt können wir nur noch warten. Ohne Mr. Potters beherztes eingreifen, wäre es wohl nicht so glimpflich abgelaufen."

„Ohne Mr. Potter, wäre es nie passiert", donnerte Lucius.

„Das ist nicht wahr Vater. Sie haben sich beide nichts geschenkt. Es war ein Unfall, ein blöder Unfall." Dirdra war wütend. Wie konnte ihr Vater nur behaupten, dass es Harrys Schuld war.

„Misch dich nicht ein Kind." Dirdra stand nun auf. Sie liess zwar Dracos Hand nicht los, drehte sich jedoch trotzdem zu ihrem Vater.

„Du hast selber dafür gesorgt, dass ich kein Kind mehr sein kann. Also behandle mich nicht wie eines. Deine Objektivität mag im Schmerz und Kummer um deinen Sohn gelitten haben, aber es war trotzdem ein dummer Unfall." Sie wusste, dass Lucius Harry die Schuld gab, hatte nichts damit zu tun, dass er Angst um seinen Sohn hatte. Wenn es ein anderer Sucher gewesen wäre, hätte er den Unfall akzeptiert.

Lucius funkelte seine Tochter an. Er blickte an ihrer Kleidung herab. Natürlich war ihr nicht entgangen, dass er den Gryffindorschal um ihren Hals erbost angesehen hatte.

Sie sah aus wie Narzissa, als er damals um ihre Hand angehalten hatte. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, und zweifelsohne es auch nie tun würde, hatte sie Recht. Dirdra setzte sich wieder hin und wiederholte ihr Mantra. Sie achtete nicht auf ihren Vater.

Erst ein leises, „Mi ses math, piuthar." (Es geht mir gut, Schwester) stoppte sie. Sie lächelte ihren Bruder an und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Ihr seid unverbesserlich. Du hättest nicht so viel Riskieren dürfen."

„Wer hat denn gewonnen?"

„Draco, das spielt doch keine Rolle", entrüstete sich Dirdra.

„Ihr jedenfalls nicht", zischte Lucius scharf. Es war keine Dankbarkeit in der Stimme, dass sein Sohn noch lebte. Draco nickte.

„Es hat niemand gewonnen, der Schnatz wurde nicht gefangen und der Punktestand ist ausgeglichen. Ich denke wir werden es bei einem Unentschieden belassen. Wie geht es ihnen Mr. Malfoy?"

„Ich werde es überleben, Professor."

Vor dem Krankenflügel kamen gerade die Gryffindors an. Blaise tigerte noch immer auf und ab.

„Wie geht es ihm?"

„Keine Ahnung, Potter."

„Du brauchst Harry nicht so anzugehen, er kann nichts dafür", giftete Ginny zurück.

„Tut mir leid, ich steh wohl etwas neben mir."

„Ist schon in Ordnung. Ich werd da dann mal rein gehen." Das Adrenalin in Harrys Körper liess allmählich nach und er hielt sich eine Hand an die Rippen. Ron packte ihn gerade noch an der Schulter, bevor er zusammensackte.

„Sag doch, dass du Schmerzen hast, Troll." Hermine öffnete die Tür zum Krankenflügel. Ron legte Harry auf das Bett, welches am weitesten von Malfoy weg stand.

„Bei dieser Gesellschaft denke ich, ist es besser wenn du hier liegst."

„Was soll das Ron, Draco wird mir nichts tun", flüsterte Harry.

„Glaube mir, ich habe auch nicht an Draco gedacht." Mme. Pomfrey wuselte zu ihm.

„Herrje Mr. Potter, warum sind sie denn nicht früher gekommen?"

„Ich dachte ich hätte Glück gehabt."

„Nein, Mr. Malfoy hatte Glück, dass sie da waren." Sie lächelte ihn an. Dann schwang sie den Zauberstab. „Ihre Rippen sind gebrochen und sie haben etliche Prellungen. Sie werden mir wohl auch Gesellschaft leisten." Seufzend liess sich Harry wieder ins Kissen fallen. Mme. Pomfrey hielt ihm eine Phiole hin. „Austrinken, dann können sie sich dort umziehen und dann ab ins Bett."

„Ja M`am." Ginny küsste Harry auf die Wange.

„Schlaf gut." Ron klopfte ihm auf die Schulter. Harry ging sich umziehen und legte sich zurück ins Bett.

Lucius und Dirdra hatten die Krankenstation noch nicht verlassen und so beschloss er, der Trank könne noch einen Moment warten.

„Warum geben sie Draco nichts?"

„Für solche Fälle bin ich nicht ausgerüstet, wir müssen auf Professor Snapes Rückkehr warten."

„Wo ist denn Professor Snape, kann man ihn dort nicht erreichen?"

„Nun, Miss Malfoy, es ist Wochenende und ich weiss leider nicht wo er sich aufhält", antwortete Albus. Lucius sah ihn herausfordernd an.

„Es tut mir wirklich leid, aber so ist es nun mal." Dirdra zog wütend ab.

Vor dem Krankenflügel stand noch immer Blaise.

„Wie geht es ihm? Wird er es überleben? Sprich mit mir Didi." Der Slytherin hatte sich gerade Wegs auf sie gestürzt.

„Langsam Blaise, es geht ihm gut. Er hat eine Menge Blut verloren und wird bestimmt bis Morgen hier bleiben müssen, alles andere kann Mme. Pomfrey wieder herstellen." Beinahe hörbar fiel Blaise der Stein vom Herzen.

„Wenn du mich jetzt entschuldigst, Draco wird die Nacht über hier bleiben und ich habe noch etwas zu erledigen." Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und ging.

Im Krankenflügel stand derweilen Lucius an Dracos Bett.

„Tha mi duilich, athair." (Es tut mir leid, Vater)

„Wir werden uns in den Ferien ausführlich darüber unterhalten, Sohn." Draco wusste genau, was sein Vater damit sagen wollte. Ohne sonst noch etwas zu sagen, rauschte er aus dem Krankenflügel.

Harry stellte sich schlafend, als Mme. Pomfrey nochmals nach ihnen sah, bevor sie das Licht löschte. Als er sicher war, dass sie zu Bett gegangen war, stand er auf. Leise schlich er sich zu Dracos Bett. Aus seiner Tasche zog er einen kleinen goldenen Ball. Er legte den Schnatz auf die Brust des Slytherins, dann schlich er zurück.

„Du hast den Schnatz gefangen?" Ertappt drehte er sich um.

„Ja."

„Dann habt ihr gewonnen."

„Nein, es weiss niemand."

„Warum?"

„Es ist bloss ein Spiel, es braucht keinen Gewinner."

„Brìgh gach cluiche gu dheireadh." (Der Gewinner des Spiels steht erst am ende fest) Harry hatte zwar kein Wort verstanden, beschloss aber nicht weiter darauf einzugehen.

Während sich der Mantel der Nacht um das Schloss legte, kehrte Dirdra aus der Eulerei zurück. Auch wenn Dumbledore sagte, er wüsste nicht wo Severus sich aufhielt, war die Malfoy doch überzeugt, dass eine Eule ihn erreichen würde. Sie hatte ihm einen kurzen Brief geschickt. Danach ging sie erschöpft in ihren Turm.

„Ich kann wirklich nichts abgewinnen an diesem Spiel. Es ist langweilig und barbarisch." Grosse Augen sahen sie an, als sie sich auf den Sessel vor dem Kamin setzte.

„Es sind nicht alle Spiele so", verteidigte sich Ron.

„Das mag sein, aber was ich heute gesehen habe reicht mir für die nächsten Jahre."

„Da muss ich dir recht geben, ich sehe auch nicht gerne jedes Spiel, wie Harry irgendwo gegen fliegt, oder vom Besen fällt."

„Ich hatte nicht nur von Harry gesprochen."

„Entschuldige Dirdra, daran hatten wir nicht gedacht. Wie geht es ihm denn?", fragte Hermine.

„Es wird wieder. Er hatte Glück, dass Harry so rasch gehandelt hat. Ohne ihn hätte es wohl anders ausgesehen." Die Stimmung war bedrückt.

„Lasst uns schlafen gehen, wir können hier sowieso nichts ausrichten." Ginnys Vorschlag wurde von allen gähnend angenommen.

Dirdra erwachte früh. Sie stand auf, zog ihre Schulrobe an und ging zu Hermine.

„Ich geh noch kurz in den Krankenflügel." Die Gryffindor nickte verschlafen. Dirdra war schon zum Schlafsaal hinaus.

Das Schloss lag ruhig da, doch die Tür zum Krankenflügel stand einen Spalt offen. Als Dirdra hinein sah, konnte sie sehen, dass Harry noch schlief. An Dracos Bett sass jedoch jemand. Er hielt die Hand des jungen Slytherins. Unter tausenden hätte sie ihn erkannt. Seine Gesichtszüge waren weicher als sonst, wahrscheinlich weil er sich unbeobachtet fühlte. Er stand auf und rieb sich die Augen. Dann straffte er die Schultern und schritt zügig auf die Tür zu. Dirdra stellte sich etwa zwei Meter davor auf. Sobald sie sah, dass er die Tür erreicht hatte, tat sie so, als ob sie gerade kommen würde.

„Professor Snape, schön, dass sie uns auch beehren."

„Dirdra…" Weiter kam er nicht, denn Dirdra liess ihm nicht die Chance dazu. Sie ging am Tränkemeister vorbei und direkt auf das Bett ihres Bruders zu. Sie war eigentlich nicht mehr wütend, aber Severus sollte das wenigstens denken.

Als sie am Bett ankam, hatte Draco gerade die Augen aufgeschlagen.

„Wie geht es dir?"

„Besser, ich habe geträumt dass Severus an meinem Bett gesessen und meine Hand gehalten hat, eigenartig nicht?"

„Nein, er war hier. Ich habe ihn gesehen." Draco sah sie verwundert an. „Kannst du am Unterricht teilnehmen?"

„Ich weiss es nicht, Mme. Pomfrey habe ich noch nicht gesehen." Wie aufs Stichwort kam sie aus ihrem Büro. Als sie jedoch sah, dass Dirdra am Bett ihres Bruders sass, lächelte sie ihr zu und ging zu Harry.

„Hier, Mr. Potter. – Sie reichte ihm eine Phiole – danach können sie gehen." Harry trank aus, zog seine Sachen an und ging zur Tür. Auf der Schwelle drehte er sich nochmals zu Draco und Dirdra. Die Gryffindor nickte ihm zu und zu seiner Überraschung tat es der Slytherin auch.

„Und jetzt zu ihnen Mr. Malfoy. Professor Snape hat die halbe Nacht über seinen Kesseln verbracht um ihren Trank fertig zu stellen. Sie werden den Trinken, auch wenn er scheusslich schmeckt. Dann sehe ich mir ihre Wunde nochmals an, und wenn ich zufrieden bin, können sie ihren Schultag normal bewältigen." Dirdra hatte ein schlechtes Gewissen. Sie war so kalt zu Severus, obwohl er so viel für ihren Bruder getan hat. Draco hob den Trank an die Lippen. Bereits beim Trinken verzog er das Gesicht.

„Das ist ja widerlich."

„Sei nicht so undankbar", schollt ihn Dirdra. Es klopfte. Die Tür wurde einen Spalt weit aufgeschoben.

„Mr. Zabini, ich habe ihnen bereits gestern Nacht und heute Morgen gesagt, dass sie hier nichts zu suchen haben."

„Mme. Pomfrey, ich denke es wäre in Ordnung, wenn Blaise seinen Schwager besuchen dürfte." Die Medihexe verzog das Gesicht. Aber sie sprach nicht dagegen. Blaise kam rasch zu Dracos Bett. Er setzte sich auf die Andere Seite und griff sofort nach dessen Hand.

„Ich habe mir solche sorgen gemacht, aber die Schrulle wollte mich nicht zu dir lassen."

„Ich dachte schon, dass du nicht freiwillig weg bleibst."

„Wie kannst du so was in Erwägung ziehen. Ron und Hermine haben mir zwar gesagt wie es dir geht und auch Dirdra musste sofort bericht erstatten, aber ich wollte doch selber sehen, dass noch alles dran ist."

„Ron und Hermine?", fragte Draco.

„Du weisst doch, Weasel und Schlammblut?"

„Natürlich weiss ich wen du meinst, aber seit wann sind das Ron und Hermine?"

„Seit ich mich dazu entschlossen habe mich nicht von deinem Vater einlullen zu lassen, und seit dem Harry dir das Leben gerettet hat", zischte Blaise. „Auch wenn ihr zwei einen ach so tollen Plan habt, ich habe immer noch meinen eigenen Willen. Ich liebe dich Draco, aber ich hasse deinen Vater. Seine Art gestern, seine Gestik, anstatt sich um dich zu sorgen schimpfte er über ein verlorenes Quidditchspiel und deine Unfähigkeit. Es tut mir leid, aber das kann und will ich nicht einfach auf mir sitzen lassen."

„Du hast recht." Verwundert sah Dirdra nun ihren Bruder an.

„Wie bitte?"

„Ihr habt beide Recht."

„Merlin sei dank. Ich werde nicht Mrs. Zabini."

„Das sagte ich nicht."

„Bitte?"

„Du weisst so gut wie ich, dass ich nicht einfach überlaufen kann. Ich werde das Spiel wohl noch eine Weile mitmachen müssen. Wenigstens so weit, dass ich von Dumbledore und Potter nicht gleich gelyncht werde. Ich muss ihnen etwas bieten, sonst glauben sie mir doch nie."

„Du schätzt Harry falsch ein."

„Nein, ich denke nicht, dass ich das tue. Ausserdem müssen wir abgesichert sein, wenn die Sache nach hinten los geht." Das leuchtete Dirdra ein.

„Du hast recht. Wir werden es so machen."

„Hab ich da auch noch was zu sagen?" Die Malfoys sahen sich an, dann Blaise.

„Nein", sagten sie gleichzeitig.

Draco stand auf und zog sich an. Dirdra stand am Fenster und blickte auf die verschneiten Landschaften.

„Geh schon mal vor Blaise, ich komme gleich", flüsterte Draco und küsste seinen Freund auf den Mund. Der Slytherin nickte. Draco ging zum Fenster. Dirdra hatte nicht bemerkt, dass er sich hinter sie gestellt hatte. Erst als er eine Hand auf ihre Schulter legte, zucke sie leicht zusammen.

„Woran denkst du, piuthar?"

„Severus." Draco küsste sie auf die Wange.

„Wir werden uns zu gegebener Zeit damit beschäftigen, das verspreche ich dir." Sanft drehte der Slytherin seine Schwester um. „Wir sollten gehen, sonst kommen wir zu eben jenem zuspät." Sie gingen gemeinsam die Treppe nach unten.

Vor dem Klassenzimmer warteten bereits die andern Schüler.

„Wir dachten, dass du direkt kommst", lächelte Hermine und hielt Dirdra ihre Bücher entgegen.

„Danke Hermine." Draco stellte sich zu Blaise. Dann fixierte er Harry. Dieser sah ihn an. „Harry", nickte Draco.

„Draco", antwortete Harry. Er liess sich seine Verwunderung nicht anmerken.

Das Klassenzimmer öffnete sich. Man konnte bereits von hier aus sehen, dass Severus schlecht gelaunt war. Die Schüler stellten sich an ihre Tische.

„Du solltest dich bei ihm bedanken", flüsterte Dirdra ihrem Bruder zu.

„Haben sie mir etwas zu sagen, Miss Malfoy", fragte Severus kalt.

„Nein, Sir."

„Gabhaidh fear na sròine mòire a h-uile rud ga ionnsaigh fhèin", (Der Mann mit der großen Nase denkt dass jeder über ihn spricht) flüsterte Draco grinsend zurück.

„Sin mi fahig, Mr. Malfoy." (Das habe ich verstanden, Mr. Malfoy)

„Entschuldigen sie, Sir." Der Tränkemeister liess es gut sein.

„Dort haben sie das Rezept, worauf warten sie." Die Schüler begannen sofort zu brauen. „Snape spricht Gälisch?", fragte Hermine.

„Das wusste ich nicht", antwortete Dirdra.

„Das war Gälisch?", fragte Harry.

„Ja, warum?"

„Draco sagte gestern irgendwas, ich habe allerdings kein Wort verstanden." Dirdra hob die Schultern. Sie würde ihn fragen müssen.

Die Stunde war beinahe zu Ende als Snape zum wiederholten Male die Klasse abschritt.

„Sie bleiben nach der Stunde noch hier, Mr. Malfoy." Die Schüler begannen ihre Proben abzugeben und nach draussen zu gehen. Draco hatte seine Sachen bereits zusammen und sass auf seinem Stuhl.

Das Zimmer leerte sich und als der letzte Schüler gegangen war, schloss er die Tür. Draco sass da, stolz, stark, so hoffte er zumindest.

„Wie geht es dir?"

„Danke, es geht mir gut."

„Du solltest vorsichtig sein, mit dem was du sagst."

„Es tut mir leid Severus, ich wollte dich nicht beleidigen."

„Oh, das hast du nicht, ich sehe inzwischen über solche Dinge hinweg. Du solltest allerdings vorsichtig sein, mit dem gebrauch von Gälisch. Auch wenn es kaum mehr jemand spricht, einige tun es noch."

„Ich verstehe. Dirdra sagte, du hast mich besucht?" Severus zog eine Augenbraue nach oben. „Im Krankenflügel", half Draco weiter.

„Ja, ich war kurz da." Draco nickte und wollte gehen, doch an der Tür drehte er sich um.

„Severus, tapadh." (Severus, danke) Ohne auf die Reaktion des Professors zu warten verliess er die Dungeons.