Kapitel 7 : Geheimer Spion
Der Tag verging wie auch die Woche und die Woche danach. Am frühen Morgen des 23. Dezembers trafen sich alle Schüler in der Grossen Halle. Sie assen ihr Frühstück. Dirdra war nicht da. Sie war zwar früher hinunter gegangen, allerdings nicht in die Grosse Halle. Severus hatte es sehr geschickt angestellt, um ihr aus dem Weg zu gehen. Sie hatte noch keine Gelegenheit mit ihm zu sprechen.
Als sie jetzt in die Dungeons ging, kamen ihr einige Slytherins entgegen. Doch sie blickten nur ehrfürchtig zu der blonden, jungen Frau. Sie trug bereits ein dunkelgrünes Deux Pieces, den schweren Russenmantel über dem Arm. Dann klopfte sie an das Klassenzimmer. Als niemand reagierte, ging sie zu den Privaten Räumen Severus. Sie klopfte. Es dauerte nur ein paar Sekunden als ihr geöffnet wurde.
„Miss Malfoy, was kann ich für sie tun?"
„Ich wollte mit dir Sprechen Severus", flüsterte sie. Der Professor warf einen Blick auf den Flur um sich zu vergewissern, dass gerade keine Schüler da waren, dann liess er sie hinein.
„Ich hatte noch keine Gelegenheit dir zu danken, dass du damals für Draco diese Tränke gebraut hast", sagte sie direkt. „Und es tut mir leid, dass ich dich unfreundlich empfangen habe als du die Krankenstation verlassen hast."
„Zumal du mich ja beobachtet hast", fügte Severus an.
„Woher…?"
„Draco hat sich bei mir bedankt, dass ich bei ihm war." Dirdra lächelte. Sie hätte ihrem Bruder sagen sollen, dass das geheim war.
„Jedenfalls, wollte ich dich schon lange um etwas Bitten." Severus sah sie fragend an. „Ich weiss nicht wie weit Blaise bereits ist, aber ungeachtet dessen, wollten wir gerne Vater entfliehen. Wenn es möglich wäre zu dir nach Spinners End. Vom 1. Januar an bis wir wieder zur Schule müssen."
„Von meiner Seite aus wäre das kein Problem, aber ich bin mir sicher, euer Vater hat andere Pläne." Dirdra sah ihn an.
„Was weisst du, Severus?"
„Der Dunkle Lord wünscht dich kennen zu lernen."
„Ich weiss, ich ihn aber nicht."
„Glaub mir, das wird ihn nicht interessieren."
„Auch das ist mir bewusst." Severus war vor seinem Kamin stehen geblieben, Dirdra war ihm gefolgt und stand nun dicht neben ihm. Sie griff nach seiner Hand.
„Du sagtest mir, wenn du etwas für mich tun kannst, dann soll ich damit zu dir kommen. Jetzt kannst du etwas tun. Hilf mir, ich habe mich in etwas verrannt, wo ich wahrscheinlich nicht mehr lebend heraus komme." Severus hob den Kopf. Es waren nur Zentimeter die ihn und Dirdra trennten. Ihre Augen leuchteten in einem Eisblau und die ersten Tränen sammelten sich darin.
„Malfoys zeigen keine Gefühle", flüsterte Severus kaum hörbar.
„Nur wenn sie sich sicher fühlen. Ich fühle mich sicher, bei dir." Ihre Nase berührte nun fast seine und Dirdra spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht.
„Hmm. Ihr könnt kommen wann immer ihr wollt", räusperte er sich und ging rasch auf die andere Seite des Zimmers.
„Vielen Dank, Severus. Ich weiss das sehr zu schätzen." Dirdra wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, atmete tief durch und verliess die Räume des Tränkemeisters.
Oben in der Eingangshalle, warteten bereits die Gryffindors. Blaise und Draco standen unweit daneben.
„Die Kutschen werden gleich hier sein, wo warst du denn? Du hast das Frühstück verpasst."
„Tut mir Leid, Ron, ich musste noch etwas erledigen." Hermine sah sie fragend an.
„Bei ihm", flüsterte sie ihr ins Ohr.
„Nicht so wie du denkst", flüsterte Dirdra zurück.
Die Schüler strömten nun langsam in die Kutschen. Kurz bevor die Gryffindors einstiegen, drehte sich Dirdra nochmals zum Schloss um. Severus stand inzwischen bei den andern Professoren. Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln und stieg ein.
In der Kutsche war es Still. Keiner sagte etwas, obwohl jeder spürte, dass die Worte beinahegreifbar in der Luft hingen.
Im Hogwarts Express setzten sie sich gleich in ein leeres Abteil. Harry zog die Jalousie herunter und legte einen Stillezauber über das Abteil. Dirdra sah ihn fragend an. Aus seinem Umhang zog er eine Rolle Pergament.
„Dumbledore hat sie mir heute Morgen zugesteckt." Er entrollte sie und alle begannen zu lesen.
„Ich bin da wohl nicht ganz auf dem Laufenden, was hat es mit diesem Diadem auf sich?" Den Gryffindors wurde schlagartig bewusst, dass sie Dirdra nie von den Seelenstücken erzählt hatten. Hermine holte dies in einer Kurzfassung nach.
„Wenn ich das richtig verstanden habe, sind vier der sieben Teile bereits zerstört, und Severus soll nun dieses Diadem, welches er Dumbledore ausgehändigt hat, mit seinem Leben beschützen."
„So in etwa, ja."
„Severus ist ein Spion?"
„Du hast das nicht gewusst?"
„Nein Harry, das wusste ich nicht. Und ich weiss nicht ob es so klug ist, dass ich es jetzt weiss." Sie wurde fragend angesehen. „Ich habe schon genug mit der Zabini-Sache zu tun, dass ich nicht weiss in wie weit ich meinen Geist vor Vater verschliessen kann." Dirdra war bewusst, dass sie nicht mehr heil aus dem ganzen heraus kommen würde.
Wenn sie von Anfang an gewusst hätte, dass Snape auf ihrer Seite stehen würde, wäre es viel einfacher gewesen. Doch jetzt war ihr auch klar, warum Severus ihr versprochen hatte ein Auge auf Draco zu werfen. Dirdra stand auf.
„Verdammt, Severus. Warum sprichst du nicht mit mir, bei Merlin noch mal." Sie trat an die Sitzbank.
„Die Bank hat dir nichts getan", beschwichtigte sie Ginny.
„Ich weiss."
Die ganze Fahrt über versuchten die Gryffindors nun einen Plan zu schmieden, wie sie an Nagini heran kommen würden. Dirdra hingegen wollte einen Plan, wie sie aus ihrem Dilemma wieder hinaus kam.
Kurz vor London stand sie auf.
„So meine Lieben, ich wünsche euch frohe Weihnachten und ich hoffe ich sehe euch im neuen Jahr wieder."
„Wo willst du hin?"
„Ich werde die letzte halbe Stunde bei Blaise und Draco sitzen, macht sich wohl besser wenn wir in Kings Cross ankommen."
„Du hast sicher recht. Frohe Weihnachten und pass auf dich auf."
„Briagha nollaig is bliadhna mhath ur", (schöne Weihnacht und ein gutes neues Jahr) flüsterte Hermine.
„Das wünsche ich dir auch", lächelte Dirdra und ging.
Die Slytherins sassen ganz vorne im Zug. In einem Abteil waren die vorhänge gezogen und man hörte keine Stimmen daraus. Dirdra klopfte an.
„Có e? Có i?" (Wer ist er? Wer ist sie)
„Nighean, piuthar, cèile." (Tochter, Schwester, Ehefrau) Die Tür öffnete sich und Dirdra ging hinein. Sie sah sich die zwei jungen Männer an. Blaise sass am Fenster, sein Hemd war nicht richtig zugeknöpft. Draco sass auf der andern Seite. Seine Wangenknochen zierte ein satter Rot ton.
„Ich kann auch später wieder kommen, wenn ihr fertig seid."
„Wovon sprichst du?" Sie ging auf Blaise zu.
„Der Ausdruck in deiner Stimme ist schon recht ordentlich, aber wenn du Vater täuschen willst, musst du dich in aller Eile anziehen können." Während sie sprach, knöpfte sie sein Hemd richtig zu. Blaise errötete.
Draco zog den Zauberstab.
„Ratzeputz", sagte er und schwang ihn über sich und Blaise.
„Draco, auch wenn ich nichts gegen eure Verbindung habe, so genau wollte ich nicht darauf gestossen werden." Draco grinste sie nur an. Da Blaise sowieso schon Rot war, spielte das auch keine Rolle mehr.
Für einen kurzen Moment wollte Dirdra mit den beiden Slytherins über Severus sprechen, hielt sich dann aber zurück. Sie musterte ihre Begleiter.
Draco hatte sein Sakko am Haken hängen. Er trug schwarze Hosen, ein weisses Hemd und ein dunkelblaues Gilet.
Blaise trug ebenfalls schwarze Hosen und allerdings einen schwarzen Rollkragenpullover dazu. Sein Sakko hing ebenfalls am Hacken.
„Worüber machst du dir Gedanken?"
„Keine Ahnung Draco, vielleicht war das ganze doch eine schwachsins Idee." Die jungen Männer sahen Dirdra an.
„Wir sind mitten in der grössten Verschwörungsgeschichte die es in der Familie Malfoy je gegeben hat und du bekommst Gewissensbisse? Das ist nicht dein ernst." Draco legte seiner Schwester seine Hand auf den Arm. In diesem Moment liess sie einen kleinen Teil ihrer Gefühle los. Draco sah sie geschockt an.
„Was ist im Wagen der Gryffindors passiert?"
„Ich habe Dinge erfahren, die ich besser nicht wissen wollte. Und nein, ich werde euch nicht einweihen. Es reicht wenn ich mich darum kümmern muss, dass Vater nichts mitbekommt. Ach ja, ich habe Severus gefragt, er meinte wir seien ihm immer Willkommen, allerdings wäre er sicher, dass Vater andere Pläne hat."
„Die da wären?"
„Der Dunkle Lord will mich kennen lernen, schliesslich sei ich auch eine Malfoy. Und ich denke wenn Vater mich dahin schleppt, wird er das mit Blaise auch tun."
„Stop, ich geh da auf keinen Fall hin."
„Du wirst müssen…"
„Nein Draco, bei aller Liebe nein. Der einzige Grund, warum ich dem gegenüber treten würde, ist um ihm in den Arsch zu treten und dich zu retten. Ansonsten kannst du das vergessen."
„Ist schon gut Blaise, wir werden uns etwas einfallen lassen."
Der Zug begann langsamer zu fahren. Sie mussten kurz vor dem Bahnhof sein. Selbstverständlich hatten die Malfoys Hauselfen die sich um ihr Gepäck kümmerten. Doch als Draco aufstand und auf den Bahnsteig sah, verharrte er in der Bewegung.
„Mist, das ist schlecht."
„Was ist denn?", fragte Dirdra und blickte ebenfalls auf den Bahnsteig.
„Bei Merlin muss das sein."
„Ich hätte mit vielem gerechnet, aber nicht damit." Auf dem Bahnsteig stand Lucius Malfoy persönlich.
„Ich dachte er holt dich nie ab?", fragte Dirdra.
„Das hat er das letzte Mal in der zweiten Klasse getan."
„Blaise, du weisst was du tun musst. Schliesse deinen Geist, ab sofort gilt es ernst." Draco lächelte seinem Freund zu.
Die Schüler stiegen aus dem Zug. Dirdra suchte am Zug ende die Weasleys. Sie wusste, dass Harry die Weihnachtsferien dort verbringen würde. Dieser Blickte auch genau in ihre Richtung. Sie deutete ihm an, dass sie damit nicht gerechnet hatte.
Draco wurde von seinem Vater kühl begrüsst.
„Blaise mein Junge, es freut mich, dass wir jetzt ein paar Tage Zeit haben um uns kennen zu lernen. Ich werde dir die ganze Familie vorstellen." Dirdra war sich nur zu bewusst, was das heissen sollte.
„Ach Vater, ehe ich es vergesse, wir werden ab 1. Januar in Spinners End sein. Wir wollten unbedingt Skilaufen gehen."
„Skilaufen?"
„Ja, ein Muggelsport du weisst doch, mit zwei Bretter an den Füssen einen Schneehang hinunterfahren. Kann kaum gefährlicher sein als Quidditch." Da es Lucius vermeiden wollte auf dem Bahnhof eine Szene zu machen, nickte er nur. Dann geleitete er seine Kinder und den Schwiegersohn in spe zu den Kaminen.
In Malfoy Manor war es ruhig. Narzissa war nirgends zu sehen.
„Blaise, ich werde dir dein Zimmer zeigen." Lucius führte den jungen Slytherin aus dem Kaminzimmer zum Gästeflügel. Draco und Dirdra gingen in ihre Zimmer. Dirdra zog das Kostüm aus und eine bequeme dunkle Hose an. Dann verliess sie ihr Zimmer und ging in den Gästeflügel. Dort kam ihr Lucius entgegen.
„Was kann ich für dich tun?"
„Ich wollte zu meinem Verlobten, wenn du mir sagst wo ich ihn finde."
„Nun, es ist zwar heute anders als zu meiner Zeit, aber ich denke noch immer, du solltest nicht alleine mit ihm in seinem Zimmer sein, bevor ihr nicht verheiratet seid."
„Gut, dann werde ich Draco bitten dabei zu sein. Vielleicht gestattest du mir dann, meinen Verlobten zu sehen?" Lucius schien zu überlegen, nickte dann aber. Wie auf Kommando kam Draco die Treppe hinauf.
„Du hast mich gesucht Dirdra?"
„Ja, ich möchte dich bitten, mit zu Blaise zu kommen. Vater lässt mich alleine nicht gehen." „Muss das sein?"
„Bitte, sonst darf ich ihn nicht sehen."
„Na gut, wenn es denn sein muss. Wo ist er?" Lucius hatte das Gespräch der Beiden verfolgt. Er war sich dessen Bewusst, dass sie miteinander Kommunizierten ohne zu sprechen.
„Er ist im Blauen Zimmer. Wir werden uns erst morgen zum Frühstück sehen, ich habe noch eine Verabredung." Er liess sie stehen.
Als er ausser Sichtweite war, entspannte sich Dirdra.
„Phu, erster Tag geschafft." Sie sahen sich an und gingen zum Blauen Zimmer.
Die Hauselfen waren informiert worden, dass Dirdra sich nicht alleine mit Blaise im Zimmer aufhalten durfte, aber gegen Draco hatten sie nichts. Die Zwillinge standen gemeinsam vor Blaise Zimmer. Draco klopfte.
„Ja bitte?" sie traten ein. Draco ging sofort zu Blaise und küsste ihn. Diesem entfuhr ein tiefes Brummen, was mehr wie ein Stöhnen klang.
„Bevor ihr da weiter macht, müssen wir erst etwas organisieren." Die jungen Männer stoben auseinander.
„Beag", rief Dirdra. Eine Hauselfe erschien sofort.
„Mistresse hat gerufen?"
„Ich wünsche, dass keine Elfe in dieses Zimmer kommt, ohne sich vorher anzukündigen. Ausser sie wird gerufen." Die Elfe sah sie fragend an. Sagte aber dann;
„Natürlich, Mistresse."
„So, dann wünsche ich euch einen wundervollen Tag, ich bin in der Bibliothek." Bevor Dirdra aus dem Zimmer konnte, hielt Draco sie auf.
„Tabadh, piuthar." (Danke, Schwester)
„Tha gràdh agam ort, bràthair." (Ich liebe dich, Bruder)
Dirdra ging in die Bibliothek. Die abertausend Bücher konnte niemand in einem Leben lesen, aber Dirdra gab sich mühe. Dieses Mal allerdings, beschäftigte sie sich mit den Eheritualen. Vielleicht gab es ja doch noch ein Schlupfloch.
„Misstresse, das Abendessen ist serviert." Dirdra erhob sich und ging in den Speisesaal. Narzissa sass bereits dort.
„Hallo Mutter", grüsste sie, küsste ihre Mutter auf die Wange und setzte sich.
„Hallo Dirdra, wo ist dein Verlobter?"
„Ich denke, er wird sich mit Draco amüsiert haben." Narzissa sah sie fragend an.
„Ich bin bestimmt nicht verpflichtet den ganzen Tag mit ihm zu verbringen. Er und Draco sind Freunde." Dirdra wusste dass ihre Mutter sicher auch nicht aus Liebe geheiratet hatte.
„Natürlich nicht." Es verging eine stumme Minute bis Draco gefolgt von Blaise eintrat. Draco küsste Narzissa auf die Wange.
„Guten Abend, Mutter."
„Guten Abend Mrs. Malfoy", sagte Blaise und gab ihr einen Handkuss.
„Mr. Zabini, es freut mich sie hier zu haben. Bitte nennen sie mich doch Narzissa."
„Sehr gerne. Mein Name ist Blaise." Narzissa prostete ihm zu und lächelte. Dann assen alle Stumm. Immer wieder tauschten Draco, Dirdra und Blaise Blicke aus, doch keiner sprach. Das Essen war kaum zu ende, gähnte Didi ausgiebig.
„Ich werde mich zurückziehen, die Fahrt war doch recht anstrengend." Sie stand auf. Blaise und Draco taten es ihr gleich. Dirdra küsste Blaise und nickte ihrem Bruder zu. „Gute Nacht, Mutter." Dann ging sie.
Wie es sich in aristokratischen Familien gehörte, verabschiedeten sich die Damen immer zuerst. Narzissa trank noch ihren Wein aus, dann erhob auch sie sich. Blaise und Draco erhoben sich ebenso um sie zu verabschieden.
„Gute Nacht, ich wünsche euch einen erholsamen Schlaf."
„Gute Nacht Mutter."
„Gute Nacht, Narzissa." Sie hatte kaum die Treppe erreicht, als die jungen Männer aufatmeten.
„Der erste Tag wäre geschafft."
„Du hast recht, lass uns auch ins Bett gehen."
„Jeder in seines?", fragte Blaise. Draco grinste.
„Das sagte ich nicht." Sie brauchten sich keine Sekunde anzusehen, als Beide aufsprangen und nach oben rannten.
Kapitel 8 : Ankündigung am Weihnachtsempfang
Wann Draco in sein eigenes Bett zurück gekehrt war, wusste Blaise nicht. Aber als er aufwachte, war er alleine. Er zog einen dunkelgrünen Anzug an darunter ein weisses Hemd. Die Holzkiste mit dem Scotch holte er aus dem Koffer.
Blaise warf einen letzten Blick hinein, ob auch alles seine Ordnung hatte. Gerade als er den Deckel wieder geschlossen hatte, klopfte es. Bevor er etwas sagen konnte wurde die Tür geöffnet.
„Bist du angezogen?"
„Sicher, komm herein." Dirdra trat ein. Sie trug ein schwarzes Neckholder Kleid aus den 50er Jahren. Die Ränder waren Weiss abgesteppt. Dazu ein passendes Bolero und schwarze High Heels.
„Alles klar, können wir?" Blaise atmete tief ein.
„Wir werden müssen." Sie verliessen das Zimmer. Dirdra hackte sich bei ihm Unter.
Am Treppenabsatz wurden sie von Draco erwartet. Der junge Malfoy trug wie Blaise einen grünen Anzug. Darunter ein schwarzes Hemd, welches nicht ganz zugeknöpft war. Er küsste Dirdra auf die Wange und nickte Blaise zu. In seinen Augen konnte man jedoch deutlich ein Feuer sehen.
„Los geht's", sagte Draco uns sie gingen in den Salon.
Lucius sass auf seinem Sessel vor dem Kamin, Narzissa daneben.
„Frohe Weihnachten, Vater, Frohe Weihnachten Mutter", sagte Dirdra und küsste Beide auf die Wange. Draco tat es ihr gleich.
„Frohe Weihnacht, Narzissa", sagte Blaise und küsste sie auf die Hand. „Frohe Weihnacht, Sir", sagte er zu Lucius und überreichte ihm das Geschenk. Lucius öffnete die Kiste.
„Du hast einen guten Geschmack mein Junge, das muss man dir lassen."
„Vielen Dank, Sir." Die Gruppe setzte sich ins Esszimmer.
„Beag sagte mir du seist gestern den ganzen Tag in der Bibliothek gewesen?"
„Warum sollte ich nicht dort sein?"
„Wolltest du den Tag nicht mit Blaise verbringen?"
„Ich war auch bei ihm, aber ich dachte es wäre nur Recht, wenn Draco auch noch etwas von seinem besten Freund haben würde. Schliesslich wird er das in naher Zukunft nicht mehr."
„Das ist sehr Rücksichtsvoll von dir." Den Rest des Frühstücks wurde nicht gesprochen. „Wir werden dann gegen Abend zurück sein. Denkt an den Empfang."
„Natürlich, Vater", antworteten Draco und Dirdra synchron.
Die Herrschaften erhoben sich und gingen.
„Wir müssen vorsichtiger sein. Vater hat die Elfen abgerichtet."
„Können wir das nicht irgendwie umgehen?", fragte Blaise.
„Ich denke nicht, wir sollten wenigstens ein paar Stunden miteinander verbringen. Schafft ihr das?" Draco funkelte seine Schwester an. Dirdra jedenfalls lachte.
„Wir könnten allerdings ein paar Nachforschungen in der Bibliothek machen. Ich habe gestern ein sehr interessantes Buch gefunden über Eherituale. Vielleicht kommen wir da doch noch irgendwie heraus." Die jungen Männer stimmten zu.
Sie gingen gemeinsam in die Bibliothek. Den ganzen Vormittag lasen sie in den Büchern. „Also ich habe bis jetzt nichts gefunden", sagte Draco und klappte resigniert sein Buch zu.
„Ich hab auch nichts brauchbares", sagte Blaise und rieb sich die Augen. Dirdra reagierte nicht.
„Didi, hast du was?"
„Was?"
„Ob du was gefunden hast."
„Nichts was uns helfen kann. Wenn Vater auf eine Bluthochzeit besteht, dann gute Nacht."
„Was ist das?", fragte Blaise.
„Während der der Trauung werden die Ringe des jeweils Anderen mit Blut vom Partner beschmiert. Damit werden die Seelen für immer verbunden. Es besteht keine Chance einer Trennung."
„Ich hoffe ernsthaft, dass euer Vater dieses Buch nicht gelesen hat."
„Nicht nur du Blaise, nicht nur du", sagte Draco und legte ihm die Hand auf den Arm.
Nach dem Mittagessen zogen sich alle zurück in ihre Zimmer. Auch wenn Dirdra mit der Einstellung ihres Vaters nichts anfangen konnte, mochte sie doch die Feste die in Malfoy Manor gefeiert wurden. Sie brauchte den ganzen Nachmittag im Badezimmer und um sich anzuziehen.
Dirdra stand um kurz vor Acht vor ihrem grossen Spiegel. Sie trug ein violettes, bodenlanges Kleid. Oben gemiedert, ab der Taille wallend in mehreren Lagen. Der Ausschnitt betonte ihr Dekollte und die langen Ärmel liefen nach vorne offen auf. Das lange Haar hatte sie offen gelassen. Nur eine silberne Spange glitzerte darin. Es klopfte.
„Ja, bitte?" Blaise trat ein.
„Du siehst wunderschön aus, wenn ich auf Frauen stehen würde, hättest du mich gewonnen."
„Danke."
„Du weinst", stellte Blaise fest.
„Tut mir leid. Ich hatte dieses Kleid für jemand anderen aufgehoben."
„Snape?" Sie nickte. Blaise ging auf sie zu und nahm sie in den Arm.
„Es tut mir so leid, Dirdra."
„Es war meine eigene Entscheidung Blaise. Du kannst nichts dafür." Dirdra wischte sich die Tränen weg und korrigierte ihr Make up. „So, wir können." Gemeinsam gingen sie nach unten in den Salon.
Es waren bereits einige Gäste anwesend. Draco stand in einer Ecke und wurde gerade von einem älteren Zauberer zugetextet. Dirdra liess ihren Blick über die Anwesenden schweifen. Dann blieb sie an ihm hängen.
Severus stand in einer Ecke und überschaute den Empfang. Er war immer hier, jedes Jahr. Gerade als sich die Malfoy für einen Moment entschuldigen wollte, räusperte sich Lucius.
„Meine lieben Freunde, darf ich um eure Aufmerksamkeit bitten." Draco und Dirdra wussten, dass sie jetzt zu ihrem Vater mussten. „Vielen Dank für euer kommen. Ich freue mich wie jedes Jahr, so viele meiner Freunde und Geschäftspartner hier zu sehen. In diesem Jahr habe ich etwas anzukündigen. Meine Tochter, Dirdra Narzissa Malfoy, wird heiraten." Jubel und klatschen.
„Sie hat sich entschlossen, Mr. Blaise Zabini zu ehelichen und damit in die grösste Unternehmerfamilie unserer Welt einzuheiraten. Ich gratuliere dir, meine Tochter und auch dir, mein Sohn." Wieder wurde geklatscht.
„Auch ich möchte meiner Schwester zu ihrer Wahl gratulieren. Blaise Zabini ist nicht nur eine gute Partie, sondern auch seit Jahren mein bester Freund. Alles Gute für euch." Draco hob das Glas. Die Geladenen taten es ihm gleich. Dirdra drückte ihren Bruder an sich.
„Tha mi duilich." (Es tut mir leid)
„Tha gu math, tapadh leat." (Mir geht es gut)
„Das ist noch nicht alles", hörte man Lucius. Die Geschwister sahen sich an, dann Blaise. Doch keiner wusste was jetzt noch kommen würde.
„Dieses Freudige Ereignis wird am 17. Juli stattfinden." Dirdra liess vor Schreck ihr Glas fallen. Doch sie kam gar nicht dazu etwas zu sagen, denn sie wurde von allen Seiten beglückwünscht.
Nach gefühlten Stunden wurde es etwas ruhiger.
„Ich dachte wir hätten noch ein Jahr?"
„Ich hab jetzt keine Kopf dafür Draco. Am 17. Juli ist Sommersonnenwende. Das heisst, er hat das Buch mit dem Blutritual gelesen." Sie liess ihn stehen und steuerte direkt Severus an.
„Ich gratuliere dir."
„Mach dich nicht über mich lustig. Du weisst genau was an diesem Tag ist." Er nickte.
„Gibt es eine Möglichkeit, dieses Ritual zu umgehen?"
„So viel mir bekannt ist, nicht." Dirdra beugte sich zu seinem Ohr.
„Hast du den Schulleiter über das hier informiert?" Severus sah sie fragend an. „Lass uns ein paar Schritte gehen", sagte sie dann und hackte sich bei Severus unter. Sie verliessen das Haus und gingen in den Garten.
Es war recht kalt und es schneite. Doch Dirdra war das im Moment so was von egal. Auf Grund der unberührten Schneedecke wusste Didi, dass sie alleine waren und der Schnee dämpfte die Stimmen.
„Ich weiss über dich bescheid."
„Ich weiss nicht wovon du sprichst." Dirdra verdrehte die Augen.
„Thu tha Emissari cus Dumbledore." (Du bist Dumbledores Spion), zischte sie leise.
„Cò as?" (Woher?)
„Cò chan eil pensu." (Das ist nicht wichtig)
„Was willst du also?"
„Draco will Informationen sammeln und dann damit überlaufen. Er weiss nichts von dir. Ausserdem war die Idee, Blaise zu heiraten und wenn die Geschichte hier vorüber ist, wieder zu verlassen, aber so kann ich das nicht. Hilf mir da irgendwie heraus zu kommen."
„Bei Merlin, warum hört ihr mir nie zu."
„Das hilft mir nicht weiter, Severus." Dirdra hatte ihre Hände auf seinen Arm gelegt. Der Tränkemeister drehte sich zu ihr um. Sie standen sich sehr nahe. Severus sah ihre zitternden Lippen die langsam blau anliefen. Er zog seinen Umhang aus und legte ihn ihr über die Schulter.
„Ich werde es mit dem Schulleiter besprechen, vielleicht findet er eine Lösung. Draco hingegen, werde ich vorläufig tun lassen was er vor hat." Dirdra wollte gerade protestieren.
„Lass mich wenigstens das auf meine Weise erledigen."
„Mi tapadh leat, mo cridhe." (Ich danke dir, mein Herz) Die letzten Worte sagte sie so leise, dass sie kaum zu hören waren. Zumindest war Dirdra davon ausgegangen. Severus hingegen hatte ein gutes gehör. Er hatte sie verstanden. Seine Verwunderung oder Erleichterung liess er sich nicht anmerken.
Gemeinsam gingen sie wieder ins Haus.
„Da ist ja meine Tochter", begrüsste sie Lucius.
„Tut mir leid Vater, ich musste etwas an die Luft. Die Glückwünsche hätten mich beinahe erdrückt." Es war nicht mal gelogen.
„Vielen Dank Severus, für den Umhang." Dirdra zog den schwarzen umhang von den Schultern und reichte ihn Severus.
„Keine Ursache." Didi lächelte beiden zu und suchte dann Blaise oder Draco im Gewühl.
Sie fand Blaise am Kamin stehend. Er schien sich ein langweiliges Gespräch anzuhören, doch als Dirdra näher kam sah sie, dass er an den Gesprächspartner vorbei starrte.
„Was ist denn los?", fragte sie und küsste ihn auf die Wange.
„Draco unterhält sich seit fast einer Stunde mit diesem Mann." Dirdra sah in die Richtung. Draco stand neben einem grossen Mann. Er trug einen dunkelroten Anzug.
„Blaise, das ist Hyperion Greengrass. Seine Töchter müssten auch hier sein."
„Daphne und Astoria?"
„Keine Ahnung wie die heissen." In diesem Augenblick kam ein Mädchen zu der Szene. Sie hatte ein dunkelblaues Kleid an. Ihr Haar war kunstvoll nach oben gesteckt. Draco begrüsste sie, wie es sich für ihn ziemte. Blaise wollte gerade auf ihn zu gehen als Dirdra ihn zurück hielt.
„Nicht Blaise. Er tut nur was er muss." Die dunklen Augen ihres Verlobten löcherten sie.
„Du wirst dich mit mir verheiraten und er wird auch jemanden suchen müssen. Wenn er sich die da ausgesucht hat, hat er noch mindestens drei Jahre Zeit."
„Das ist Astoria, sie ist dümmer las Crabbe oder Goyle."
„Dann ist es gut."
„Warum?"
„Sie wird nicht merken, dass er sie mit dir betrügt." In diesem Moment küsste Draco das Mädchen auf die Wange. Blaise schnaubte.
„Nicht wütend werden, zurückzahlen." Dirdra umfasste seinen Nacken mit einer Hand und legte die Andere auf seine Brust. Dann liess sie einen Teller zu Boden fallen, damit auch alle zu ihnen hin sahen. Ihre Gesichter näherten sich und Dirdra schloss die Augen. Langsam legte sie ihre Lippen auf seine. Blaise zierte sich, das merkte sie, also musste die Malfoy die Initiative ergreifen. Sie stupste mit ihrer Zunge an seine Lippen. Blaise keuchte auf, was sie ausnutzte um in seinen Mund zu gelangen. Der Kuss sah für Aussenstehende zärtlich verliebt aus, für Dirdra und Blaise jedoch war er die Hölle. Sie lösten sich rasch wieder. Dirdra blickte sofort zu Draco.
„Tu das nie wieder", zischte Blaise. Draco hatte das Greengrass-Mädchen stehen gelassen und kam zu ihnen herüber.
„Es tut mir leid Blaise, aber wenn das hier echt aussehen soll, dann muss das sein. Und glaub mir, es hat mir genau so wenig Spass gemacht wie dir."
„Das hoffe ich doch."
„Draco lass gut sein, du hattest dein Vergnügen mit der da."
„Bist du etwa eifersüchtig?"
„Ja bei Salazar, bin ich. Warum habe ich mich bloss darauf eingelassen." Der Slytherin stapfte davon.
„Geh ihm nach", bat Dirdra.
„Das kann ich nicht. Wie würde das denn aussehen."
„Gut, wir treffen uns heute Nacht vor seinem Zimmer."
Die Gäste verliessen das Anwesen erst um kurz vor Ein Uhr morgens. Draco und Dirdra warteten bis ihre Eltern zu Bett gegangen waren und schlichen sich dann in den Gästeflügel. Vor dem blauen Zimmer blieben sie stehen. Draco vergewisserte sich nochmals, dass niemand sie beobachtete, dann öffnete er die Tür.
Im Zimmer war es dunkel. Nur der Mond erhellte ein wenig den Raum. Blaise lag im Bett. Auf dem Bauch. Er trug offensichtlich nicht sehr viel, denn sein Oberkörper war entblösst. Dirdra konnte seine Muskeln sehen und musste zugeben, ihr Bruder hatte einen guten Geschmack. Draco stand bereits neben dem Bett. Er hatte Blaise`s Pyjamaoberteil in der Hand und roch daran. Dann beugte er sich zu ihm.
„Wach auf, Gràthadair, Blaise, wach auf." Der Körper auf dem Bett regte sich langsam. Als Blaise jedoch den Kopf hob erschraken die Malfoys. Er musste sich in den Schlaf geweint haben, denn auf seinem Gesicht waren noch die Tränenspuren zu sehen.
Draco nahm ihn sofort in den Arm. Das reichte um die Dämme erneut brechen zu lassen. Nach einer Weile setzte sich Dirdra auf die andere Bettseite.
„Es tut mir leid", nuschelte Blaise. „Ich kann das nicht so kalt hinnehmen wie ihr. Dazu wurde ich nicht erzogen. Ich weiss nicht ob ich das schaffe. Draco ich liebe dich, und dich dann mit jemandem andern, und dazu noch weiblich, zu sehen macht mich rasend."
„Ich kann es aber nicht verhindern. Was meinst du warum ich Astoria ausgesucht habe?"
„Didi meinte, damit du noch drei Jahre Zeit hast."
„Genau, ausserdem ist die dumm wie Stroh. Ich werde sie genau so ziehen, wie ich sie brauche, wenn es denn noch nötig ist."
Blaise sah ihn noch immer unsicher an. Draco verdrehte die Augen, dann beugte er sich zu Blaise. Er legte seine Lippen auf die des Schwarzen. Seine Hände legten sich in den Nacken und Dirdra konnte erkennen wie seine Zunge um einlass bat.
Blaise gewährte diesen bereitwilliger als bei ihr. Sie konnte auch sehen, mit wie viel Leidenschaft ihr Bruder seien Freund küsste. Auch wenn sie alle drei unter der Situation litten, war es doch das Beste was Dirdra je getan hatte.
Der Kuss der Beiden gewann an Intensität und als Didi bemerkte, wie ihr Bruder begann den Oberkörper seines Gegenübers zu erkunden, räusperte sie sich.
„Ich will euch ja eigentlich nicht stören, aber wir haben vielleicht noch das eine oder Andere zu besprechen, bevor ihr diese Arbeit vertiefen könnt."
Erschrocken stoben sie auseinander. Blaise war ganz froh, dass er unter der Decke lag, Draco hingegen versuchte die Beule seiner Pyjamahose zu vertuschen.
„Da kannst du nichts vertuschen", sagte Dirdra trocken.
„Dirdra!"
„Was? Glaubst ich wüsste nicht was das ist, oder wie es zwischen euch her geht?"
„Wir müssen das ja nicht unbedingt vertiefen."
„Natürlich nicht Draco, also, zum wesentlichen. Wir müssen uns noch mehr mit diesem Ritual beschäftigen. Es muss irgendeine Möglichkeit geben, dort wieder hinaus zu kommen. Ich habe bereits Hilfe angefordert."
„Du hast eine Eule an deine Gryffindorfreunde geschickt, bist du wahnsinnig?", fuhr Draco sie an.
„Ich sagte nicht von wem, also bleib ruhig. Was aber am wichtigsten ist, wir müssen überzeugend spielen. Das heisst für dich Blaise, zisch mich nie wieder so an. Glaube mir, ich würde lieber jemanden anderen küssen." Der Angesprochene senkte beschämt den Blick.
„Es tut mir leid, unter anderen umständen würde ich dich bestimmt gerne küssen. Auch wenn ihr Zwillinge seit, ich küsse lieber deinen Bruder." Draco legte ihm die Hand auf den Arm.
„Dann hätten wir das ja geklärt. In ein paar Stunden werden wir auf den nächsten Empfang müssen. Nur dass wir heute mit unangenehmeren Gästen rechnen."
„Das heisst?"
„Die Todesser, welche sich noch in der Öffentlichkeit blicken lassen können", erklärte Draco.
„Oh."
„Ja, Oh. Wir müssen uns also zusammenreissen. Und unsere Garderobe muss passen."
„Was heisst das?"
„Ich denke wir werden die schwarzen Outfits wählen", fragte Dirdra ihren Bruder.
„Ja, ich denke das passt. Blaise wird eines von mir bekommen."
„Gut, sprichst du Gälisch?"
„Ehm, nicht wirklich. Ich verstehe viel, aber die Sprache selber blieb mir immer ein Rätsel."
„Macht nichts, so lange du verstehst was man von dir will, ist alles in Ordnung."
„Wird denn Gälisch gesprochen, an einer solchen Veranstaltung?"
„Nicht sehr oft. Auch wenn Vater es nicht zugeben will, er spricht es erbärmlich. Auch die andern Todesser brauchen es viel zu selten. Draco und ich sprechen eigentlich immer Gälisch miteinander."
„Ja, zum einen damit wir in Übung bleiben und zum andern, damit uns nicht alle verstehen."
„Gut, ich werde mir mühe geben."
„Schön, dann werde ich jetzt mal gehen und ihr könnt weiter machen, wobei ich euch vorher unterbrochen habe." Dirdra ging zur Tür.
„Didi, danke. Ich liebe dich wie eine Schwester. Ich werde mich bessern." Die Malfoy schenkte ihm ein Lächeln und ging.
Da Lucius den ganzen Tag mit den Vorbereitungen beschäftigt war, waren die Schüler unbeobachtet. Es war wieder kurz vor Acht, als Dirdra vor dem Spiegel in ihrem Zimmer stand.
„Ich hasse diese Empfänge", stellte sie fest. Es klopfte.
„Komm rein." Die Tür öffnete sich. Doch dieses Mal kam Blaise mit Draco.
Draco trug eine schwarze Hose und ein weisses Hemd. Darüber eine reich verzierte, schwarz-graue Weste mit Kette. Das schwarze Krawattino wirkte sehr aristokratisch. Der Umhang passte perfekt dazu.
Blaise trug wie Draco eine schwarze Hose und ein weisses Hemd. Darüber eine Grüne weste. Am Hemdkragen waren feine Rüschen. Darüber einen schweren, schwarzen Gehrock. Draco hatte diesen in den Sommerferien erworben, ihn aber nie getragen. Für Blaise jedoch war er perfekt.
Dirdra trug ein Kleid mit Rückenschnürung und einem flroal gemusterten Satin-Oberteil. Das Spitzendekolltee war von einer gestickten Borte umrandet. Farblich abgesetzte Borten zierten die Front und betonten die Taille, von der aus der Rock aus gekrinkeltem Satin weich zu Boden fiel. Die langen, spitz zulaufenden Ärmel aus schwarzer Spitze waren am Handgelenk mit einem Knopf zu schliessen. Das Haar war mit ein paar kleinen, geflochtenen Zöpfen aus dem Gesicht gehalten.
„Bereit?", fragte Draco. Dirdra nickte. Sie gingen gemeinsam nach Unten.
In der Halle des Hauses standen einige Personen. Sie alle waren in schwarz gekleidet, einige hatten ihren Umhang anbehalten. Die jungen Menschen erregten die Aufmerksamkeit der Gäste.
„Da sind sie ja", hörten sie Lucius sagen. Er stand neben Narzissa. Das Clan-Oberhaupt trug einen schwarzen Anzug im Italienischen schnitt. Sein langes, blondes Haar lag offen über die Schulter.
Narzissa war ganz in dunkelblauen Samt gehüllt. Ein viktorianisches hochgeschlossenes Kleid, das Haar nach oben gesteckt. Natürlich wiederholte Lucius auch hier, dass Dirdra und Blaise heiraten würden, wann sie das tun würden, und dass er sich sehr darüber freute.
Den Rest des Abends versuchten sie einfach zu überleben. Immer wieder wurden Angriffe auf den Geist der Hogwartsschüler gestartet. Blaise hatte wohl am meisten Mühe die Angriffe abzuwehren. Um kurz vor halb zwölf, fand Dirdra ihn auf dem Balkon. Sie gesellte sich zu ihm.
„Du bist müde, nicht wahr?"
„Ja, es ist ganz schön anstrengend seinen Geist den ganzen Abend geschlossen zu halten."
„Ich weiss. Seit Jahren gibt Vater diesen Empfang am zweiten Weihnachtstag. Ich hasse ihn."
„Den Empfang oder deinen Vater?"
„Ich denke beide. Ich wollte nicht dass es soweit kommt, aber er ist einfach zu fanatisch geworden. Wo ist Draco?"
„Keine Ahnung, ich habe ihn irgendwann aus den Augen verloren. Ich denke er kennt sich da drin besser aus." Sie standen noch eine Weile draussen, als die Tür erneut auf ging.
Draco trat in die kalte Nacht. Er schien bleich zu sein.
„Was ist passiert?", fragte Blaise sofort.
„Ich habe gerade erfahren, dass wir am 30. eine Audienz beim Dunklen Lord haben. Er will dass ich das dunkle Mal annehme."
„Du hast es mir versprochen Draco, das weisst du."
„Tha fhios agam." (Ich weiss)
„Dé tha a' dhèanamh?" (Was wirst du tun)
„Mi abnuo. Tha mi ceilidh feuch." (Mich weigern. Es wird mir etwas einfallen)
„Tha cautela." (Sei vorsichtig)
„Cuideachd." (Du auch) Dirdra nickte.
Als die drei wieder in den Salon kamen, waren die meisten der Todesser bereits gegangen und die welche noch da waren, waren ziemlich betrunken. Die drei verabschiedeten sich ins Bett. Die nächsten Tage verbrachten sie in irgendwelchen Herrenhäusern mit zu teurem Champagner und zu kleinen Häppchen. Immer darauf bedacht, keine falsche Äusserung zu tun.
Dirdra wünschte sich öfters nach Hogwarts zurück, oder zumindest zu ihren Freunden. Sie hatte von Ron und Ginny gehört, wie dort Weihnachten gefeiert wurde. Auch wenn sie es nicht anders gewohnt war, hörte sich das Fest der Weasleys doch um einiges besser an. Ausserdem kannten sie kaum jemanden auf diesen Empfängen.
Immer wieder führten sie kurze Gespräche in Gälisch. Blaise war mittlerweile so weit, dass er ab und an auch ein paar Worte zufügte. Draco sah ihn danach jedes Mal voller Stolz an.
Als Blaise und Dirdra am morgen des 30. Dezembers zum Frühstück kamen, sass Draco bereits dort. Er schien nicht sehr gut gelaunt zu sein, was sich allerdings auch in Lucius Mine widerspiegelte.
„Wir werden heute einen Ausflug machen. Blaise, du bist natürlich herzlich dazu eingeladen."
„Vielen Dank Mr. Malfoy, aber ich denke ich werde passen. Meine Eltern würden sich bestimmt über meinen Besuch freuen."
„Du kennst doch unser Ausflugsziel noch gar nicht."
„Ich will ihnen nicht vorgreifen Sir, aber ich denke ich weiss wo es hingehen soll und damit habe ich nichts zu tun." Lucius sah ihn fragend an.
„Nun, wir sind seit Generationen in sämtlichen Verkaufsgeschäften tätig die man sich vorstellen kann. Und wie mein Grossvater schon sagte, es ist nicht klug sich auf eine Seite zu stellen, denn damit verliert man die Kunden der Anderen Seite. Sie werden verstehen, dass ich mich an diese Devise halten werde."
„Natürlich verstehe ich das. Wir wollen ja nicht, dass du deine Einnahmequellen verlierst." Es gab viel was Lucius wichtig war. Eines der wichtigsten Dinge war Reichtum. Und sicher wollte er verhindern, dass seine Tochter in eine nicht wohlhabende Familie einheiratete.
„Ich werde dich begleiten, wenn du das möchtest", sagte Dirdra. Bevor Blaise noch etwas sagen konnte, ging Lucius dazwischen.
„Ich bin mir sicher, du kannst deine Schwiegereltern auch ein anders Mal kennen lernen, Wir haben wichtigere Termine."
„Ich will nichts mit deinen so genannten Geschäften zu tun haben. Oder was glaubst du, warum ich Blaise wollte, und nicht Vincent oder Gregory." Lucius lehnte sich im Sessel zurück.
„Weil Blaise um einiges besser aussieht als die beiden Bauern. Ausserdem bist du eine Malfoy. Du könntest nicht ohne den dir bereits gebotenen Lebensstandard leben." Dirdra legte ihre Gabel bei Seite.
„Du scheinst mich mit dir zu verwechseln. Ich denke ich wäre durchaus in der Lage auch ohne dein Geld zu leben. Ich sagte dir bereits schon einmal, dass ich meine eigenen Ziele verfolge und die auch erreichen werde. Mit meinem eigenen Willen. Es ist nicht relevant, dass du ein anderes Ziel verfolgst."
„Wir werden sehen. Du wirst uns begleiten, ob du willst oder nicht. Ich habe Mittel und Wege dich dazu zu überreden." Dirdra erhob sich. Sofort standen auch Blaise und Draco auf.
„Ihr entschuldigt mich. Air m`anam." (Bei meiner Seele) Sie warf ihrem Vater einen tödlichen Blick zu und ging nach oben.
Kurze zeit später klopfte es an ihrer Tür. Draco wartete nicht auf das Herein.
„Gonadh, a chiall beannaich mise, Go hifreann leat." (Verdammt, bei Merlin, zur Hölle mit dir) Draco und Blaise standen in der Tür.
„Also das habe ich jetzt nicht verstanden."
„Da hast du nichts verpasst, sie hat nur geflucht."
„Das ist nicht witzig."
„Du hast recht, aber wir müssen da jetzt durch. Ich habe auch schon eine Ausrede, warum ich das Dunkle Mal nicht annehmen kann." Sofort war die ganze Aufmerksamkeit auf Draco gerichtet. „Ich lege wert auf meine Ausbildung. Auch wenn sie nicht in Durmstrang stattfindet möchte ich sie doch abschliessen, was mit Dunklem Mal nicht geht."
„Ist etwas dürftig?", meinte Dirdra.
„Ja, aber es ist die Wahrheit, zumindest ein Teil davon."
Die Malfoy war inzwischen hinter einer Chinesischen Wand verschwunden um sich umzuziehen. Da sie zuhause eher legere Kleidung trug, war das von Nöten. Als sie vor den Spiegel trat, räusperte sich Draco.
„Das ist nicht wirklich dein ernst, oder?" Das Kleid welches sie trug war auf der Brust geschnürt. Es hatte trompeten Ärmel und reichte bis zum Boden.
„Warum?"
„Es ist Rot, Dirdra."
„Ich weiss", sagte sie und holte einen Lippenstift aus ihrem Kosmetiktisch. Sie trug den knall roten Lippenstift auf. Er liess sie noch blasser wirken. Fast wie eine Veela. Ein Ploppen unterbrach die Geschwister.
„Mistresse und Master werden im Kaminzimmer erwartet. Master Malfoy ist in Eile."
„Gut, wir kommen."
„Das reicht nicht einmal mehr um dich umzuziehen."
„Ich weiss, jetzt geh schon. Ich wollte es genau so haben." Sie gingen zur Tür. Draco küsste Blaise. Dieser wollte ihn erst gar nicht gehen lassen.
„Es wird uns nichts passieren, zumindest mir nicht", sagte Draco mit einem Seitenblick auf seine Schwester. Diese lächelte Blaise zu.
„Falls doch was schief gehen würde, weisst du was du zu tun hast?" Blaise nickte. Dirdra drückte ihm ein Pergament in die Hand. „Wenn ich nicht zurück komme, wirst du diesen Brief abschicken. Gib ihn Sidhe. (Elfe) Sie weiss wo sie damit hinfliegen muss." Blaise nickte erneut und liess die Malfoys gehen. Er wartete oben an der Treppe.
„Was bei Salazar hast du dir damit erhofft. Los, in den Kamin. Wir werden uns damit befassen wenn wir zurück sind, falls du so noch zurück kommst", wütete Lucius. Nachdem er hörte wie alle drei im Flohnetzwerg verschwunden waren, flohte Blaise nach Hause.
