Kapitel 9 : Bliadhna Mhath Ur

Dirdra und Draco stiegen hinter ihrem Vater aus dem Kamin. Dirdra hatte keine Ahnung wo sie war. Draco schien es zu wissen und er schien auch zu wissen, dass sie ihr Ziel noch nicht erreicht hatten. Lucius ging voran. Sie kamen aus einem alten Haus. Es sah ziemlich heruntergekommen aus. Von dort aus führte ein schmaler Weg an einem vereisten Bach entlang. Nach etwa hundert Metern blieb Lucius stehen. Er streckte seinen Arm aus. Draco griff sofort danach Dirdra blieb einfach stehen.

„Worauf wartest du?"

„Du weisst doch, dass mir von Seite-an-Seite-Apparieren schlecht wird."

„Wir werden darauf jetzt keine Rücksicht nehmen können."

„Aber Vater, ich werde mich übergeben müssen."

„Chan urrainn dhomh." (Wir können nicht warten)

„Cha toigh leam." (Ich will nicht)

„Tha cridhe." (Dein Herz.)

„D'n do bheal." (halt den mund) Sie hatten so schnell gesprochen, dass beide sicher waren, Lucius hatte nichts verstanden. Dirdra griff nun nach dem Arm ihres Vaters. Gleich darauf waren sie verschwunden.

Als sie endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatte, keuchte sie auf.

„Ciamar a tha thu?" (Wie geht es dir)

„Mi tha dona." (Mir ist schlecht) Lucius nahm keine Rücksicht darauf.

„Stell dich nicht so an. Und sprecht so, dass euch alle verstehen, sonst glaubt man noch ihr hättet etwas zu verbergen", herrschte er die Zwillinge an. Draco bot Dirdra den Arm. Sie nahm an und ging mit Draco hinter Lucius her.

„Du warst schon Mal hier?"

„Ja, einmal."

Das Kellergewölbe war mit Fackeln ausgeleuchtet. Es schien zu einem grossen Herrenhaus zu gehören. Kurz bevor sie den Hauptraum betraten, blieb Lucius stehen. Er drehte sich um.

„Ihr seid Malfoys, benehmt euch auch so." Augenblicklich straffte Draco die Schultern und setzte eine überhebliche Maske auf. Er sah Dirdra herausfordernd an. Diese verdrehte die Augen, tat es ihm aber gleich.

Sie schienen die Letzten zu sein. Der Raum war gefüllt mit Kuttenträgern. Einige trugen Masken, einige nicht. Dirdra konnte deutlich Bellatrix Lestrange, ihren Mann und den Schwager erkennen.

Da diese vom Ministerium gesucht wurden, war es nicht mehr nötig die Masken zu tragen. Die Meisten kannte sie jedoch nicht.

Wenn sie nicht bei ihrem Bruder am Arm gegangen wäre, wäre ihr wohl nicht aufgefallen, dass Lucius stehen geblieben war. Er verneigte sich, Draco tat es ihm gleich. Dirdra nicht.

Ein Raunen ging durch die Zauberer. Der Blick der jungen Frau war starr nach vorne gerichtet. Sie hatte ernsthafte Schwierigkeiten ihre Maske aufrecht zu erhalten. Auf einem trohnähnlichen Sessel sass ein Zauberer. Vielleicht war er auch keiner, denn seine Gestalt hatte nur noch unwesentliche menschliche Züge.

Die Nase war fast gänzlich verschwunden und nur noch zwei kleine Löcher erinnerten daran, dass sich dort zweifelsohne einmal eine befunden hatte. Die Haut war bläulich, beinahe durchsichtig und man konnte einige der Adern sehen die darunter entlang krochen. Die Augen elliptisch und rot.

„Verneige dich", flüsterte Draco seiner Schwester zu. Diese senkte sofort den Blick und neigte den Kopf.

„Dir scheint nicht zu gefallen was du siehst, Miss Malfoy." Dirdra hob den Kopf.

„Was soll ich darauf antworten?"

„Wie wäre es mit der Wahrheit? Du scheinst ja mutig zu sein."

„Ich bin eine Gryffindor, nicht verrückt." Durch die Reihen ging ein erneutes Raunen. Der Dunkle Lord erhob sich und kam auf die drei Malfoys zu. Lucius und Draco gingen sofort in die Knie, Dirdra blieb stehen.

„Du bist wirklich mutig, Miss Malfoy. Ich denke Lucius und Draco haben dir gesagt wie das hier läuft?"

„Ich hatte kein Interesse dran ihren Ausführungen zu folgen, und ich habe noch immer keines." Voldemort zog seinen Zauberstab. 13 ½ Zoll Eibenholz mit einem Kern aus Phönixfeder. Dirdras Hand glitt automatisch an ihre Hüfte.

Ihre sämtlichen Kleider waren so angefertigt, dass sie ihren Zauberstab immer und überall versteckt dabei haben konnte. Ihr griff festigte sich um den Stab. 11 ½ Zoll Rosenholz mit einem Kern aus Veela Haar und Thestralschweif. Sehr selten.

Dracos Hand ging unauffällig an ihr hoch und hielt sie fest. Dirdra warf einen flüchtigen Blick nach unten. Draco schüttelte den Kopf. Ihr Griff lockerte sich.

„Dein Verlobter wollte dich nicht begleiten?"

„Nein, er zieht es vor sich für keine Seite zu entscheiden. Alles andere wäre Geschäftsschädigend. Dieser Meinung bin ich auch."

„Dass es Geschäftsschädigend wäre?"

„Das auch, aber ich entscheide mich für keine Seite."

„Du hast dich bereits mit dem Feind eingelassen, Gryffindor."

„Nun, der Feind, ist Ansichtssache."

„Ich dachte du entscheidest dich für keine Seite?"

„Ich fange gerade an ernsthaft darüber nachzudenken."

„Dirdra, jetzt ist es genug", fauchte Lucius.

„Du hast deiner Tochter viel beigebracht, Lucius. Sie ist eindeutig dein Fleisch und Blut." Einer der Todesser wandte den Kopf vom Dunklen Lord ab und richtete seinen Blick auf Dirdra. Es schien niemandem aufzufallen.

„Ich verfolge meine Ziele und ich sagte meinem Vater bereits, dass es nicht die seinen sind, ist für mich nicht relevant. Mir scheint allerdings, es sind auch nicht die euren."

„So, was für Ziele hast du denn, Miss Malfoy."

„Ich werde nicht so töricht sein, diese zu verraten. Auch euern Geist könnt ihr zurückziehen, er wird auf Mauern treffen."

„Das stimmt allerdings, vielleicht bist du nach einigen Flüchen etwas zugänglicher." Er hatte kaum ausgesprochen, als der grüne Strahl des Cruzio auf sie zu steuerte. Dirdra wurde zu Boden gerissen so dass der Fluch in die Wand hinter ihr knallte.

„Tha iad na cuthach?", (bist du verrückt) zischte Draco.

„Cha, ai-less", (Nein, ehrlich) flüsterte sie zurück.

„Erstaunliche Reaktion, aber sie wird dir nichts nutzen." Der nächste Fluch hätte getroffen, doch Draco hielt wie so oft den Kopf für sie hin. Er hatte sich schützend über sie geworfen. Es war kein Ton zu hören. Dirdra starrte auf den zitternden Körper über ihr.

Voldemort musste schon längst klar sein, dass er sein eigentliches Opfer verfehlt hatte, doch Dirdra wurde allmählich bewusst, warum ihr Vater sie für Dracos Fehler bestraft hatte.

„Ist ja gut, ich hab`s verstanden, hört auf damit." Der Fluch wurde unterbrochen.

„Mi, cuthach?" (ich, verrückt?) zischte Dirdra als sie Draco auf die Füsse half.

„Warum hast du das getan, Draco?"

„Sie weiss noch nicht wie das hier läuft. In Beauxbatons ist sie sehr behütet aufgewachsen und Gryffindors, ihr wisst wie die sind My Lord. Dort braucht man sich gegen niemanden durchzusetzen. Sie weiss es nicht besser."

Voldemort wandte sich wieder der jungen Frau zu.

„Also, was sind deine Ziele."

„Ein Leben ohne von jemandem beherrscht zu werden. Sei es nun Dumbledore oder ihr. Mein Verlobter ist wohlhabend genug, dass ich mir um nichts Sorgen machen muss." Der Dunkle Lord konnte keine Anzeichen finden, dass es nicht der Wahrheit entsprach. Er nickte, dann wandte er sich an Draco.

„Für dich haben wir heute eine Überraschung, komm her." Draco trat einen Schritt nach vorne.

„Du wirst als jüngster Zauberer der Geschichte zu meinen Anhängern zählen."

„Mein Lord, ich weiss das sehr zu schätzen, aber bedenkt, ich muss nochmals zurück nach Hogwarts. Wenn ich entdeckt werde, wird das keinen guten Ausgang nehmen."

„Du verweigerst?"

„Nein, ich bin euch nur nützlicher wenn ich in Dumbledores nähe sein kann." Voldemort schien zu überlegen.

„Severus, wie siehst du das?" Der Maskierte, der den Blick zu Dirdra wandte als der Dunkle Lord sie mit ihrem Vater verglich, trat vor.

„Ich denke er hat recht, my Lord. Der alte Mann ist gerissen und wird es entdecken. Es wäre wenig dienlich, wenn er in Azkaban landen würde anstatt die Geschäfte seines Vaters zu übernehmen."

„Du hast recht, was machen wir mit Miss Widerspenstig?" Dirdra liess sich nichts anmerken. Sie stand noch immer so stolz und unnahbar neben Draco.

„Auch hier solltet ihr es gut sein lassen. Lieber sie ist auf keiner Seite, als auf der von Potter. Ihr könnt sie nicht zwingen, das würde sie in die Arme unserer Feinde treiben, und sie ist gut, in allem was sie tut."

„Ach wirklich?" Der Lord drehte sich, hatte den Zauberstab in der Hand und schoss. Didi machte einen Ausfallschritt und blockte. Sie hatte bei Severus Worten bereits ihren Zauberstab gegriffen. Der Fluch prallte auf einen Todesser aus dem Kreis. Dirdra warf nur einen abschätzigen Blick auf das Opfer.

„Ich sehe, du hast Potential. Für dieses Mal wollen wir es gut sein lassen, aber bei unserm nächsten zusammentreffen wirst du dich entscheiden müssen. Für mich, oder gegen mich."

Die Malfoy zitterte. Nicht vor Nervosität sondern vor Zorn.

„Du hast gute Kämpfer erzogen Lucius, ich bin sehr zufrieden."

„Danke, my Lord." Die Versammlung löste sich auf und Dirdra stapfte Lucius und Draco voran. Sie konnte nicht sehen, dass ihr eigener Vater den Zauberstab auf sie gerichtet hatte. Plötzlich klappte sie zusammen. Doch Lucius hatte nicht gesehen, was vor ihr war. Dirdra fiel der Länge nach auf den Boden. Sie schlug mit dem Kopf hart auf einen Stein auf.

„Dirdra", rief Draco und war sofort bei ihr. Auch Severus der kurz hinter den Dreien gegangen war, eilte zur Hilfe.

„Can seo, piuthar." (Sag etwas, Schwester) Aus einer Wunde an der Schläfe lief Blut.

„Lucius", schnaubte Severus. Er hob sie hoch und apparierte. Draco sah erwartungsvoll auf seinen Vater. Dieser streckte ihm nicht sofort seinen Arm hin. Er sah sich erst nochmals um, damit er sicher war, dass keiner seinen Fehler bemerkt hatte.

Dann apparierten sie zurück in das zerfallene Herrenhaus, von wo Draco ins Manor zurück flohte.

Er ging sofort in Dirdras Zimmer. Die Tür stand einen Spalt offen. Draco spähte hinein. Severus sass auf dem Bett seiner Schwester. Er strich ihr liebevoll eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Die Strähne war vom Blut schon ganz rot, doch so wie Draco es erkennen konnte, blutete es nicht mehr.

„Du solltest vorsichtiger sein, mo cridhe." (mein Herz) Draco blieb der Mund offen. Er sah wie die Finger seines Tränkemeisters über Dirdras Wange streichelte, bevor er kopfschüttelnd aufstand. Dies war für den jungen Malfoy das Zeichen zu klopfen. Severus blickte zur Tür.

„Sie wird es überleben. Ein wenig Ruhe und es wird wieder."

„Du hast sie mit Tränken versorgt, nehme ich an?"

„Natürlich."

„Sie hätte nicht so vorlaut sein sollen."

„Das war zu erwarten. Ich nehme an, sie hat Lucius ihren Standpunkt vorher schon mitgeteilt?" Draco nickte. „Auch wenn sie es nicht gerne hört, aber sie ist wie Lucius früher. Immer mit dem Kopf durch die Wand."

„Und das tut ganz schön weh", tönte es vom Bett.

„Piuthair, ciamar a tha thu?" (Schwester, wie geht es dir?)

„Chan eil dona, tapadh leat, brathàir." (Es geht mir gut, Bruder)

„A bheil thu sgìth?" (Bist du müde)

„Tha am pathadh orm." (Ich habe durst)

„Tha gra agem iad'nan." (Du solltest schlafen)

„Mi iar ne, Severus." (Ich will nicht, Severus) Die Augenbraue des Tränkemeisters zog sich scharf nach oben. Er duldete keinen Widerspruch. Dirdra kräuste die Nase, schloss aber dann brav die Augen. Severus geleitete Draco hinaus.

„Du solltest sicher gehen, dass Lucius sie heute in Ruhe läst." Draco nickte. Es war kein Problem, denn Lucius war, nachdem er Draco abgesetzt hatte, nicht nach Hause gekommen. Und er tat es den Rest vom Tag nicht. Draco hatte sich in die Bibliothek gesetzt und sich informieren lassen wenn Blaise oder sein Vater auftauchen würde.

Am späten Nachmittag wurde Blaise in die Bibliothek geführt.

„Die Hauselfe meinte du wolltest mich sehen, wenn ich zurück komme?" Draco stand auf. Verschloss die Tür, ging auf Blaise zu und küsste ihn innig.

„Bist du verrückt, wenn uns jemand sieht."

„Dirdra hat sich mit dem Dunklen Lord angelegt."

„Was? Ist ihr etwas passiert?"

„Nein, Vater hat sie geschockt als wir auf dem Rückweg waren. Sie ist mit dem Kopf auf einen Stein geknallt. Sie ist oben. Severus hat sich um sie gekümmert."

„Snape?"

„Ja, und er nannte sie mo cridhe."

„Mein Herz? Hast du dich nicht verhört?"

„Nein, ganz sicher nicht."

„Wird sie den Plan über Bord werfen, wenn sie davon erfährt?"

„Ich denke nicht, aber ich werde es ihr nicht sagen, noch nicht zumindest."

Die jungen Männer gingen gemeinsam zum Nachtessen. Lucius und Narzissa sassen bereits am Tisch.

„Guten Abend Narzissa, Sir", grüsste Blaise höflich. Draco küsste seine Mutter und setzte sich hin.

„Blaise, wie war der Besuch bei deinen Eltern?" Lucius verlor kein Wort darüber, dass Dirdra nicht zu Tisch kam.

„Sehr informativ. Vater hat eine neue Investition getätigt. Eine sehr wertvolle." Es war genau die Information die Lucius für den Rest des abends beschäftigte.

Um kurz vor Elf, sassen die drei Männer im Salon.

„Willst du einen Scotch?"

„Nein Danke. Ich bin gerne bei klarem Verstand, wenn ich über geschäftliches spreche. Ausserdem vertrage ich auch nicht viel." Draco liess sich nichts anmerken. Weder dass sein Vater ihn nicht gefragt hatte, noch dass Blaise nicht viel vertragen würde. Er vertrug mit Sicherheit mehr als er selbst und das wollte schon etwas heissen.

Nachdem Lucius sein sechstes Glas ausgetrunken hatte, stand er auf.

„Du solltest dir ein Beispiel an Blaise nehmen mein Sohn. Er kennt sich bereits bestens mit den Geschäften seines Vaters aus."

„Ja, Sir." Lucius wankte aus dem Salon, zur Tür und mit dem zweiten Anlauf auch nach oben. Draco konnte sich gerade noch so ein lachen verkneifen.

„Du hast den Abend gerettet, danke mein Schatz."

„Ich habe mich nur an deine Anweisungen gehalten." Blaise lächelte den Blonden verliebt an. Sie gingen nach oben. Wie selbstverständlich ging Draco mit Blaise mit. Auch vor dem Zimmer machte er nicht kehrt. Die Tür war kaum geschlossen, als die jungen Männer übereinander herfielen.

Als Dirdra am Morgen des 31. Dezembers aufwachte, atmete sie tief aus. Lucius würde den ganzen Tag nicht da sein. Und ab Morgen wären sie endlich in Spinners End. Sie stand auf, zog sich bequeme Kleidung an und ging. Sie wollte zu Blaise. Draco würde sowieso schon irgendwo im Manor sein. Wahrscheinlich in der Bibliothek.

Sie ging also zum blauen Zimmer. Ohne anzuklopfen trat sie ein.

„Blaise du solltest…"

„Dirdra, kannst du nicht anklopfen", schrie Draco.

„Bei Merlin, das tut mir leid." Sofort drehte sie sich um.

Draco und Blaise hatten eng aneinander geschlungen und nackt geschlafen. Fluchend suchten sie ihre Kleidung zusammen. Dirdra stand mitten im Zimmer mit dem Rücken zum Bett und zusammengekniffenen Augen und lachte.

„Das ist nicht komisch Didi."

„Doch, eigentlich schon. Ich wollte schliesslich meinen Verlobten wecken und erwische ihn inflagranti mit meinem Bruder."

„Mach die Augen auf, wir sind angezogen."

„Mal ehrlich, wenn ich nicht ich sondern Mutter oder Vater gewesen wäre, wäre das ganz schön dumm gewesen."

„Wir sind wohl eingeschlafen."

„Ihr solltet euch eben nicht so verausgaben."

„Jungfrau", schimpfte Draco.

„Sagst du", antwortete Dirdra.

„Was?"

„Werde ich dir nicht sagen, lasst uns frühstücken gehen, oder besser Mittagessen."

Das Manor war wie ausgestorben. Narzissa schien in ihren Räumen zu weilen. Sie hatte augenscheinlich bereits gegessen.

„Denkt daran eure Sachen zu packen, wir flohen morgen früh zu Severus." Draco und Blaise sahen sich an. Dirdra merkte es nicht. Sie hatte viel zu gute Laune. Den ganzen Nachmittag packte sie ihre Tasche, suchte ein paar Bücher und machte sich bereit für den morgigen Tag.

Der Empfang für den Abend war kleiner als die an Weihnachten. Jedoch nicht weniger förmlich. Dirdra suchte in ihrem Schrank nach einem passenden Kleid. Sie hatte schon einige aussortierte, als ihr eines in die Hand viel, welches sie in einem Anfall von `ich-bin-sexy` gekauft hatte. Das Kleid war weiss, aus einem fliessenden Satin. Es hatte einen gerafften, sexy ausschnitt, welcher mit zwei Trägern um die Schultern festgemacht war. Ein Rückenteil existierte nicht.

Das Haar hielt sie sich mit ein paar Zöpfchen aus dem Gesicht. Von vorne konnte man nicht sehen, dass das Kleid so wenig Stoff barg, doch wenn sie sich bewegte blitzte viel nackte haut. Dirdra ging von selbst nach unten. Draco und Blaise standen bereits am Kamin. Jeder mit einem Scotch in der Hand. Sie trugen beide schwarze Anzüge mit weissen Hemden. Blaise reichte ihr ein Glas Champagner. Als sie sich neben ihn stellte, legte er, wie es sich gehörte, eine Hand auf ihre Hüfte. Dirdra grinste als Blaise sie erschrocken ansah.

„Was ist los Blaise? Du siehst aus als ob du den Blutigen Baron nackt gesehen hättest", fragte Draco.

„Da fehlt der Rücken."

„Wie?"

„An dem Kleid gibst kein Rückenteil." Dirdra grinste noch immer. Dann drehte sie sich einmal um sich selbst.

„Wenn Vater das sieht, gibt es ein Donnerwetter."

„Ich habe ihn seit dem gestrigen Vorfall nicht mehr gesehen, und lege auch keinen Wert darauf. Es ist mir Egal." Dirdra sah sich im Raum um. Ihr Blick blieb an einem Mann in dunkler Robe, mit schwarzem Haar und schwarzen Augen hängen.

„Ihr entschuldigt mich." Sie durchquerte den Raum. Natürlich war ihr bewusst, dass Severus Blick auf ihr haftete. Deshalb machte sie einen kleinen Umweg um sicher zugehen, dass der Tränkemeister das fehlen eines Rückenteils bemerkte.

Sofort schnellte die Augenbraue nach oben. Didi beendete den Rundgang und stellte sich neben Severus.

„Ich wollte dir für die Tränke danken. Du hast wohl immer was zu tun mit uns."

„Es macht mir nichts aus, mit euch zu tun zu haben."

„Das freut mich. Wann können wir morgen kommen?"

„Die Gästezimmer sind vorbereitet, ich erwarte euch zum Mittagessen."

„Danke Severus." Die junge Frau hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und ging dann zu Blaise und Draco zurück.

Blaise legte den Arm wieder um Dirdra und küsste sie auf den Mund.

„Nicht dass noch jemand denkt, du hättest was mit Severus am laufen."

„Das würde niemand denken. Erstens, er ist viel älter als ich, zweitens, er ist mein Professor und drittens, es ist Severus Snape. So lange ich denken kann, habe ich noch keine Frau an seiner Seite gesehen." Draco musste sich beinahe auf die Zunge beissen um nichts zu sagen. Blaise warf seinem Freund einen wissenden Blick zu.

Als Lucius den Saal betrat, versteifte sich Dirdra. Der Patriarch überflog seine Gäste. Sein unterkühltes Lächeln wurde von den Zwillingen genau so kühl erwidert. Dann schritt er durch den Raum und steuerte auf Severus zu.

"Ihr wollt also heiraten?", fragte eine Hexe die auf die dDrei Schüler zukam.

„Mrs. Goyle, ja das wollen wir." Draco zog sich zurück. Er wollte nichts darüber hören, ausserdem stand Hyperion Greengrass unweit von Severus und seinem Vater. Er stellte sich zu dem beleibten Mann. Dem Gespräch folgte er allerdings nicht wirklich. Er wollte hören was Lucius so dringendes mit Severus zu besprechen hatte.

„Dirdra und Draco waren schon des Öfteren bei mir. Es war mir nicht bewusst, dass du etwas dagegen hast."

„Ich hatte bereits andere Pläne." Der Tränkemeister zog eine Augenbraue nach oben.

„Ich habe viel zu lange dabei zugesehen, wie Dirdra in die Falsche Richtung driftet. Ich sollte mich wieder um ihre Ausbildung kümmern, wenn du verstehst."

„Ich verstehe sehr gut. Aber glaubst du, das ist noch nötig? Sie wird Mr. Zabini heiraten wie du es wolltest. Sie wird sich auf Tee-Partys herumtreiben, nicht auf dem Schlachtfeld."

„Glaub mir Severus, wenn sie sich herumtreibt, dann ganz sicher nicht auf Partys. Es hat bestimmt einen Grund warum sie sich Blaise ausgesucht hat, und dies hat weder mit seinem Vermögen noch mit der politischen Einstellung zu tun. Blaise verschliesst seinen Geist zu gut für jemanden der nichts zu verbergen hat." Die Männer tranken einen Schluck aus ihren Scotch Gläsern.

„Vielleicht ist es gar nicht so schlecht wenn sie einige Tage bei dir sind. Finde heraus ob sie etwas vor haben. Niemand gibt einen besseren Spion ab als du."

„Bitte?"

„Du bist kalt und diszipliniert, ausserdem vertrauen sie dir. Schade, dass du nur ein Halbblut bist. Mit dir in der Familie hätte Dirdra keine Chance so aufsässig zu sein."

„Ich werde sehen was ich tun kann." Lucius machte sich mit einem zufriedenen Grinsen davon. Draco hatte genug gehört. Er beendete das Gespräch mit Hyperion und ging zurück zu Dirdra und Blaise.

„Nein, Mrs. Goyle, ich bin anderer Meinung. Es ist gut, wenn Purebloods mehr als nur einen Sohn haben. Sehen sie sich doch mal die Familie Blake an. Orion und Walpurga, zwei Kinder. Regulus ist jung gestorben, Sirius, nun in Azkaban wird er bestimmt keine Nachkommen gezeugt haben. Druella und Cygnus, drei Kinder. Bellatrix ist Kinderlos so viel ich weiss. Und Andromeda hat einen Muggelgeborenen geheiratet. Sie hat eine Tochter, aber das zählt nicht. Es bleibt nur noch Narzissa, meine Mutter. Natürlich ist Draco ein Malfoy, aber er hat Blakesches Blut in sich, genau wie ich. Und seien wir mal ehrlich, wen sollen denn die ganzen Erben heiraten, wenn es keine jungen Purebloods mehr gibt? Soll Gregory etwa eine Halfblood, oder gar Muggelgeborene heiraten?"

„Sie haben recht, junge Dame. Von dieser Seite aus habe ich es noch gar nicht betrachtet. Das heisst sie werden uns mit Mr. Zabini viele Kinder bescheren?"

„Nun, Mrs. Goyle, so Merlin will werden es ein paar werden. Ich hätte gerne drei oder vier." Blaise wurde immer bleicher.

„Ist ihnen nicht gut, Mr. Zabini, sie sehen etwas bleich aus."

„Nein, Mrs. Goyle, alles bestens, ich habe nur den ganzen Tag nicht sehr viel gegessen." Die alte Frau lächelte, dann viel ihr Blich auf Hyperion Greengrass.

„Ah, da ist ja Hyperion. Er hat zwei Töchter vielleicht wäre Daphne etwas für meinen Gregory, ihr entschuldigt mich?" Ohne die Antwort abzuwarten ging sie.

„Du siehst wirklich nicht gut aus, alles in Ordnung?"

„Drei oder vier?" Dirdra sah beschämt auf ihre Finger.

„Ich hätte mir drei oder vier gewünscht, aber ich habe dir versprochen, dass du nur dieses eine Mal musst, damit wir den Erben bekommen der von uns erwartet wird."

„Oh, Didi." Blaise nahm sie in den Arm.

„Ich störe euch ja nur ungern, aber können wir uns unterhalten."

„Du weisst genau, dass du nicht störst", zischte Blaise.

Die Drei verliessen den Saal und gingen auf die Terrasse.

„Ich weiss nicht wie weit wir Severus trauen können. Vater hat ihn soeben als Spion auf uns angesetzt."

„Ich vertraue ihm."

„Das ist mir klar. Ich sehe das Ganze allerdings Objektiver."

„Draco, wenn du mir vertraust, dann glaube nur dieses eine Mal meiner Einschätzung, bitte", flehte Dirdra.

„Was weisst du, was wir nicht wissen?"

„Ich sagte bereits, dass ich euch das nicht sagen werde. Vertraut mir einfach, bitte."

„Sin tha thu uisge." (Das kann gefährlich sein)

„Tha fhios agam." (Ich weiss)

„Tha ne?" (Und jetzt)

„Mi ugach, mas ebhur toil e." (Vertraut mir bitte)

„Mi agam, tha thu mi piuthar." (Ich muss, du bist meine Schwester)

„Tabadh." (Danke)

Als die drei den Saal erneut betraten wurde bereits der Countdown angezählt.

Während die grosse Standuhr Mitternacht schlug, wurde auf allen Seiten ein gutes neues Jahr gewünscht.

„Bliadhna Mhath Ur", (Frohes neues Jahr) sagte plötzlich jemand hinter ihnen.

„Bliadhna Mhath Ur, Severus", antwortete Dirdra ohne sich umzusehen. Auch Blaise und Draco wünschten ihm ein frohes neues Jahr.

„Können wir uns schon zurückziehen?", fragte Blaise als die Stimmen sich wieder gelegt hatten.

„Wir müssen noch Vaters rede abwarten, dann können wir", antwortete Draco.

Blaise stand zwischen Draco und Dirdra. Tatsächlich stand Draco sogar etwas vor ihm. Der dunkle Slytherin liess die Hand sinken und streifte wie zufällig über Dracos hintern. Dieser versteifte sich etwas, liess sich aber sonst nichts anmerken.

„Meine Lieben Freunde. Das neue Jahr hat gerade begonnen, und ich weiss jetzt schon, es wird ein grossartiges Jahr sein. Dir richtigen werden in diesem Jahr Siegen und es wird uns Pures endlich wieder mehr Respekt gezollt. Die Familie wird, dank meiner Tochter, vergrössert und ich bin mir sicher, nächstes Jahr, an dieser Stelle die nächste Vergrösserung anzukündigen."

„Das glaubst auch nur du", zischte Dirdra.

„Freut euch mit mir auf ein erfolgreiches neues Jahr." Lucius prostete allen zu, und die Zauberer und Hexen taten es ihm gleich.

„Können wir jetzt gehen?"

„Gleich, Blaise, gleich."

„Was bist du auch so ungeduldig?", fragte Dirdra. Blaise flüsterte ihr etwas ins Ohr. Didi grinste und flüsterte etwas zurück. Blaise nickte und beugte sich zu Draco. Sein Mund war dicht an dessen Ohr.

„Tha gràdh mòr agam ort." (Ich liebe dich über alles) Dirdra konnte sehen, wie Draco schluckte. Sie wusste, dass er es liebte wie Blaise die Gälischen Worte aussprach.

„Komm mit", sagte er nur noch, bevor er nach oben ging.

Dirdra ging zu Severus der nur einige Schritte weiter stand.

„Draco traut dir nicht."

„Warum?"

„Er sagte Vater hat dich als Spion eingesetzt."

„Ja hat er."

„Und, was wirst du ihm sagen?"

„Dass ihr euch gut amüsiert habt und nicht über Geschäftliches oder Zukünftiges gesprochen habt."

„Dirdra, wo ist dein Verlobter und dein Bruder?" Erschrocken drehe sie sich zu ihrem Vater um. Natürlich konnte dieser nun erkennen, dass ihr Kleid nicht ganz so viel Stoff hatte, wie er es gerne gehabt hätte.

„Was trägst du da? Das sind Fetzen einer Nutte, nicht einer Malfoy."

„Es hat mich noch niemand nach meinem Preis gefragt." Lucius zog auf und schlug ihr ins Gesicht. Es schien niemand gesehen zu haben, denn Keiner reagierte darauf. Dirdras Hand schnellte an ihre Wange. Sie spürte wie sich etwas warmes unter ihren Fingern ausbreitete.

„Imigh sa diabhal." (Geh zum Teufel) Sie nahm die Hand weg. Über die Wange rann das Blut und tropfte bereits auf ihr Kleid. Dann schritt sie an ihrem Vater vorbei, durch die Menge die jetzt zweifelsohne sah was passiert war, verliess die Halle und ging in ihr Zimmer.

Bis dorthin vergoss sie keine Träne. Sie hatte stolz den Kopf erhoben.

In ihrem Zimmer griff sie nach dem Zauberstab.

„Episkey", sagte sie und der Schnitt quer über ihre Wange schloss sich. Danach wischte sie das Blut weg und wollte sich umziehen. Es klopfte.

„Wer ist da?"

„Severus."

„Komm rein." Der Tränkemeister trat in ihr Zimmer, gefolgt von einer Hauselfe. Er sah die Elfe an, dann Dirdra.

„Ich darf nicht mit einem Mann alleine im Zimmer sein. Ausser es ist Draco oder Blaise. Und bei Blaise darf es nicht länger als fünf Minuten sein.", erklärte sie.

„Du solltest deinen Vater nicht so reizen."

„Ich weiss, aber ich verliere die Beherrschung wenn er so ist. Ich bin eine junge Frau, kein Kind mehr. Ich kann mich selbst verteidigen, wenn er mich verhext, aber gegen seine Gewalt komme ich nicht an." Severus sah sich ihr Gesicht an.

„Deine Heilzauber sind gar nicht schlecht."

„Danke. Ich hatte auch genug um zu üben."

„Ich geh dann wieder."

„Severus – hielt sie ihn auf – ich bin froh, können wir bei dir sein." Er nickte nur und ging. Dirdra zog sich um und ging schlafen.

Kapitel 10 : Spinners End

Sie schlief nicht sehr lange. Um kurz vor zehn erwachte sie.

„Beag", rief sie.

„Mistresse haben gerufen?"

„Sind Draco und Blaise schon wach?"

„Die Masters sind in der Bibliothek, Mistresse." Dirdra nickte. Die Elfe verschwand.

Dirdra zog ein langes Kleid aus dem Schrank. Es war in Eisblau mit silbernen Stickereien. Es hatte einen gesteppten Hüfteinsatz und Trompetenärmel. Sie ging nach unten.

„Dirdra, komm her." Bevor sie das Ende der Treppe erreicht hatte, hatte Lucius sie schon gerufen.

„Du willst mich sprechen?" Lucius musterte seine Tochter. Das Kleid liess ihre Augen noch blauer wirken. Er deutete ihr den Stuhl an der ihm gegenüber stand. Dirdra setzte sich wie es sich für eine Dame gehörte. Sie zwang sich dazu höflich und stolz zu sein.

„Dein benehmen gefällt mir nicht. Seit du aus Hogwarts gekommen bist, versuchst du, dich mir zu widersetzen. Ich bin der Meinung, dass ich dich nicht so erzogen habe."

„Du hast mich dazu erzogen meine Ziele steht's zu verfolgen ohne Rücksicht auf andere zu nehmen."

„Nein, ich habe dich dazu erzogen MEINE Ziele zu verfolgen."

„Gut, wenn dir Blaise nicht gefällt, dann sage mir, wen du lieber an meiner Seite sehen würdest."

„Ich spreche nicht von Blaise Zabini. Du könntest keinen besseren finden. Geld ist Macht, und er hat viel davon. Ich spreche von deinem Benehmen mir gegenüber. Dein Respekt gehört deinem Vater und deinem künftigen Mann. Du hast zu tun was wir dir sagen, ohne aufzubegehren."

Dirdra war sich bewusst, dass Lucius seine Frau all die Jahre unterdrückt hatte und das Selbe versuchte er offensichtlich mit ihr.

„Ich werde es mir merken, Vater. Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich suche meinen Verlobten."

„Eines noch Dirdra. Das war deine letzte Verwarnung. Es wäre doch zu schade, wenn wir an Stelle einer Hochzeit eine Beerdigung halten müssten."

„Ich habe versanden, Vater." Dirdra stand auf und verliess den Salon in Richtung Bibliothek. Sobald sie sicher war, dass Lucius sie nicht mehr hören konnte, begann sie zu rennen.

Erst als sie die Tür der Bibliothek hinter sich geschlossen hatte, blieb sie stehen. Blaise und Draco blickten von ihren Büchern auf.

„Was ist passiert?"

„Dein Vater, das ist passiert. Er hat mir soeben mit dem Tod gedroht, sollte ich nicht machen was er von mir verlangt."

„Ist gestern denn noch etwas passiert?" Die Malfoy erzählte die Kurzversion.

„Du hast ihn wirklich verflucht?"

„Ja, aber er scheint es nicht verstanden zu haben. Severus hingegen schon."

„Es ist gut, dass wir die nächste Woche nicht hier sind. Ich glaube Vater würde uns nochmals zu ihm mitnehmen."

„Ich glaube auch. Apropos, seid ihr fertig? Severus hat sicher Verständnis, wenn wir früher kommen." Die jungen Männer nickten und erhoben sich von ihren Sesseln.

„Beag, bring unser Gepäck nach Spinners End." Dirdra, Draco und Blaise gingen ins Kaminzimmer.

An der Wand hingen ihre Mäntel. Dirdras Mantel war aus schwerem Samt. Tailliert geschnitten mit einem weit werdenden Rockteil. Im Rücken war er zusätzlich zu schnüren um sich optimal anzupassen. Vorne hatte er vier stabile Posamentverschlüsse und die Ärmel waren lang und ausgestellt. Die rundgeschnittene Kapuze vervollständigte das Bild.

Dracos Mantel war schlicht, aus schwarzem Kaschmir. Gerade geschnitten mit schwarzen Perlmutknöpfen und einem Nerzkragen.

Blaise trug denselben Mantel den er schon im Hogwarts Express getragen hatte. Dirdra stand als erste in den Kamin.

„Spinners End", sagte sie und war gleich darauf verschwunden. Nach ihr war Blaise an der Reihe, dann Draco.

Die drei standen im Kaminzimmer in Spinners End.

„Severus, wo bist du?" Keine Antwort.

„Der Master ist draussen", sagte plötzlich eine Stimme von der Tür. Die Blicke gingen sofort in diese Richtung.

„Und wer bist du?"

„Anderin, Mistresse."

„Sag deinem Herrn, seine Gäste seien eingetroffen."

„Sofort, Mistresse." Dirdra sah noch immer an die Stelle wo die Elfe gerade gestanden hatte.

„Seit wann hat Severus eine Elfe?"

„Und warum nennt er sie Anderin?"

„Was gefällt dir an Anderin nicht?", fragte Blaise.

„Es ist Elbisch und heisst Albus."

„Bist du sicher?"

„Natürlich bin ich sicher, Draco. Falls es dir entgangen sein sollte, in Beauxbatons werden auch Sprachen unterrichtet. Ich spreche Gälisch, Französisch und Elbisch, fliessend." Ein klopfen auf dem Korridor verlangte nach ihrer Aufmerksamkeit. Severus betrat das Kaminzimmer.

„Ich dachte mir bereits, dass ihr früher kommt." Dirdra wandte ihren Blick ab und betrachtete schuldbewusst ihre Füsse.

„Kommt, setzt euch in den Salon." Im Salon standen vier grosse Sessel um den Kamin.

„Tee?"

„Ja bitte", antworteten alle drei.

„Anderin, Tee für meine Gäste."

„Sehr wohl, Master."

„Seit wann hast du den?"

„Ein Geschenk. Professor Dumbledore meinte ich bräuchte ihn, um das Haus in Ordnung zu halten wenn ich in Hogwarts bin."

„Deshalb der Name." Severus nickte. Der Elf kam und servierte Tee.

Spinners End war nicht so gross wie Malfoy Manor, aber es war schon recht ordentlich, dafür, dass Severus nur ein Halfblood war. Es war ein zweistöckiges Herrenhaus. Im Erdgeschoss befanden sich das Kaminzimmer, der Salon, das Esszimmer und die Bibliothek. Im ersten Stock die Gästezimmer, Badezimmer und Severus private Räume. Im Keller hatte sich der Tränkemeister ein ansehnliches Labor eingerichtet.

„Sag mal Severus, du kannst mir da bestimmt weiterhelfen", begann Dirdra. Sie zog aus ihrem Mantel eine Rolle Pergament.

„Ich hab eine Hausaufgabe noch nicht fertig…"

„Ich dachte Miss Granger hätte das schon erledigt."

„Nun, hat sie auch, aber ich hab nicht wirklich zugehört. Ausserdem dachte ich mir, du könntest mir sowieso am besten helfen." Dirdra überreicht das Pergament. Severus rollte es aus. Sein Blick bohrte sich in die junge Frau.

„Zaubertränke?" Dirdra hob die Schultern.

„Das ist nicht dein erst Didi. Du verschaffst dir ein Vorteil."

„Ich bin trotz allem eine Malfoy."

„Du wirst ihn alleine Schreiben, ich werde nur einen kurzen Blick darauf werfen."

„Danke Severus", lächelte sie.

„Master, das Essen ist angerichtet." Gemeinsam gingen sie ins Esszimmer. Severus sass am Kopf der Tafel. Blaise und Draco auf der einen Seite, Dirdra auf der Andern.

„Was habt ihr so vor, während ihr hier seid?"

„Fliegen", kam es wie aus einem Mund.

„Wenn ihr euch unbedingt etwas abfrieren wollt, tut euch keinen Zwang an." Während des Essens wurden belanglose Dinge diskutiert. Draco uns Blaise gingen sich gleich umziehen als sie zu Ende gegessen hatten. Dirdra beschloss im Haus zu bleiben und die Bibliothek aufzusuchen.

Um kurz nach vier, ploppte es neben ihr.

„Der Master meinte, Mistresse möchte Tee und Gebäck." Der Elf stellte ein Tablett mit einer Tasse Tee und einem Teller Gebäck auf das Beistelltischchen.

„Danke, dass ist sehr aufmerksam." Der Elfe nickte und verschwand.

Dirdra rieb sich die Augen. Auf ihrem Schoss lag ein Zaubertränke Buch. Von diesen gab es tausende hier. Nachdem sie sich gestärkt hatte las sie weiter. Auf einmal fiel ihr ein Trank ins Auge.

„Das ist es, so komm ich drum herum." Sie sprang auf und wollte gleich zu Severus um ihn danach zu fragen, als ihr einfiel, dass sie gar nicht wusste, wo er war.

„Anderin, Anderin", rief sie.

„Mistresse haben gerufen?"

„Wo ist dein Herr?"

„Im Labor, Mistresse."

„Danke." Dirdra verliess die Bibliothek und ging zur Tür neben der Treppe. Im Keller war es düster. Sie wunderte sich jedes Mal, dass Severus hier überhaupt arbeiten konnte.

„Severus, bist du da irgendwo?" Sie stolperte, doch anstatt aufzuschlagen, wurde sie von zwei starken Armen aufgefangen.

„Du hast mich gefunden."

„Nein, eher getroffen."

„Was kann ich für dich tun? Ist dein Aufsatz schon fertig?"

„Was? Nein. Ich wollte dich etwas anders Fragen. Wie verhält sich Vielsafttrank?"

„Im Verhältnis zu was?"

„Einem Blutritual?"

„Das Ritual würde die Wirkung aufheben."

„Damnuh ort." (Gott verfluche dich)

„Es darf bei einem Blutritual kein Zauber auf einem der Teilnehmenden liegen. Nur das reine, unverfälschte Blut kann gebraucht werden."

„Dumbledore hat also noch nichts gefunden, was mich davon bewahren könnte?"

„Tut mir leid."

„Wäre ja auch zu einfach gewesen." Dirdra lächelte. Severus begleitete sie nach oben.

In der Eingangshalle standen Draco und Blaise. Sie waren klatsch Nass, durchgefroren und rot im Gesicht.

„Was habt ihr da unten gemacht?" Dirdra hielt das Buch hoch.

„Eine Lösung gesucht."

„Und? Was gefunden?" Sie schüttelte den Kopf.

„Wir gehen dann mal duschen", meinte Blaise und zog Draco mit sich. Dirdra und Severus sahen den beiden hinterher.

„Sie werden ca. eine Stunde brauche, das weisst du?"

„Nein, und ich will es auch nicht wissen." Gemeinsam gingen sie in den Salon.

„Wenn ich es gewusst hätte, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, Blaise zu heiraten. Ich wäre zu dir gekommen damit."

„Es war zu riskant dir etwas zu sagen."

„Jetzt weiss ich es."

„Ja, und bist damit in Gefahr."

„Nicht mehr als du."

„Das spielt keine Rolle."

„Doch, das tut es." Severus sah sie fragend an. Doch Dirdra lächelte nur.

„Du wirst das durchziehen, auch wenn wir keinen Ausweg finden?"

„Ja, das werde ich. Vielleicht komme ich doch noch zu meinem Glück, wenn auch auf Umwegen."

„Du hast dir dein Leben als Mrs. Zabini schon zu Recht gelegt?"

„Nicht alles, aber einiges. Ich wollte immer Kinder haben. Doch mit Blaise wird das nichts. Zumindest nur einmal. Wenn ich jedoch mehr als dieses eine Kind haben möchte, muss ich mir auf eine andere weise helfen."

„Du wirst ihn betrügen?"

„Ach komm schon Severus, das ist kein betrügen. Schliesslich schläft er mit meinem Bruder."

„Ich sagte bereits, dass ich das nicht wissen will."

„Na gut, wenn du so willst, ja, ich werde ihn betrügen."

„Wen wirst du betrügen?" Erschrocken blickte Dirdra zur Tür.

„Nicht so wichtig. Seid ihr schon fertig?"

„Was hast du erwartet?"

„Eine Stunde?"

„Oh, dann haben wir ja noch zwanzig Minuten."

„Draco, bitte."

„Ach ja, Severus möchte das nicht wissen." Die jungen Männer lachten.

Der Gastgeber offerierte einen Scotch vor dem Nachtessen. Sie setzten sich alle in die Sessel und unterhielten sich. Es war ein gemütlicher Abend. Dirdra, Blaise und Draco lachten viel. Severus war ein guter Gastgeber.

„So meine Herren, ich werde mich dann mal zurückziehen. Ihr habt sicher noch das eine oder andere zu bereden ohne mich." Dirdra stand auf. Die Herren erhoben sich um sie zu verabschieden. Didi war gerade eine halbe Stunde im Bett, als Severus Draco einen eindeutigen Blick zu warf.

„Ich werde mich dann auch verabschieden, gute Nacht Severus." Draco stand auf, ging zu Blaise und küsste ihn.

„Es wird nicht lange dauern", flüsterte er. Blaise schluckte. Draco ging die Treppe nach oben. Er schüttelte den Kopf, hatte aber damit gerechnet.

„Nun, Mr. Zabini, wie geht es ihnen."

„Ich denke, ich habe grosses Glück, Freunde wie Dirdra und Draco zu haben. Also müsste es mir gut gehen."

„Tut es das?"

„Ich fühle mich schuldig." Severus nickte.

„Ihnen ist allerdings bewusst, dass Dirdra alles eingefädelt hat."

„Ja, nur liebe ich Draco. Wenn er morgens aufwacht, blinzelt er drei Mal, keine Ahnung warum, und dann geht er ins Bad. Draco braucht mindestens zwanzig Minuten im Bad. Keine Ahnung wofür, er sieht danach genau so gut aus wie frisch aus dem Bett.

Wenn er dann in der Grossen Halle seinen Tee trinkt, müssen immer zwei Tropfen Zitrone darin sein, wenn's mehr ist rümpft er die Nase. Und das einzige Fach, in dem er keine Ich-bin-der-Prinz-aus-Eis-und-ihr-könnt-mich-alle-mal-Maske aufsetzt, ist Zaubertränke. Und seine Augen sind nicht stahl blau. Das sind sie nur wenn er sich aufregt."

„Ich verstehe, was ist mit Dirdra?" Blaise senkte den Kopf.

„Ich hab sie gerne, wie eine kleine Schwester und die Vorstellung mit ihr eine Familie zu gründen ist, erschreckend. Sie zu heiraten macht mir nichts aus. Heiraten kann man auch, wenn man sich nicht liebt, doch das Blutritual gefällt mir gar nicht. Wenn es Draco wäre, sofort, aber Didi? Sie will nicht mich und ich weiss, dass sie mich gemeint hat, als sie früher am Abend von betrügen gesprochen hat. Und wissen sie was, ich kann ihr nicht einmal böse sein."

„Wenn es einen Weg geben würde, das ganze zu Umgehen, würden sie mitmachen, ohne Fragen zu stellen?"

„Ich vertraue ihnen Professor und ich vertraue Dirdra. Wenn sie mir sagen, es gibt einen Weg, würde ich ihn gehen, ohne mich umzudrehen und ohne eine Frage zu stellen."

„Vielen Dank für ihre Offenheit, Mr. Zabini."

„Noch was, Professor, nennen sie mich Blaise. Ich denke, wir teilen dasselbe Schicksal." Severus zog die Braue nach oben. „Mo cridhe", (Mein Herz) sagte Blaise nur, bevor er sich er hob und zu Bett ging.

Dirdra erwachte um kurz nach Acht Uhr morgens. Sie zog eine Jeans aus ihrem Schrank und zog sie an. Darüber einen dicken Rollkragenpullover. Sie ging nach unten und setzte sich an den Tisch im Salon. Dort holte sie Pergament und Feder und begann zu schreiben. Sie schrieb die Ereignisse der letzten Tage und war erstaunt, dass es doch fünf Seiten wurden. Dann packte sie alles zusammen und gingen nach draussen.

In einem Nebengebäude hatte Severus drei Eulen. Sie waren schwarz wie die Nacht und genau so schön. Dirdra näherte sich der Ersten. Gut, dass sie etwas Eulenfutter dabei hatte. Die Eule liess sich den Brief ans Bein binden.

„Flieg damit zu Hermine Granger, sie wird im Fuchsbau sein." Die Eule schuhute und flog davon.

„So früh schon wach?"

„Bei Merlin, Severus, hast du mich erschreckt."

„Es ist nicht gut, wenn du so leicht zu erschrecken bist."

„Leicht? Du schleichst dich an wie eine Katze, ich hasse das. Und du hast das immer schon getan." Sie lächelte.

„Frühstück?", fragte Severus und bot ihr seinen Arm.

„Gerne", erwiderte Dirdra und nahm an.

„Anderin, Frühstück für zwei im Salon", rief Severus als sie das Haus betraten.

„Du rechnest nicht mit Draco und Blaise?"

„Nein. Dein Bruder hat schon immer gerne lange geschlafen und wenn er nicht alleine ist, wird er wohl auch nicht früher aufstehen."

„Sie sind, ich meine…"

„Ich gehe davon aus, da sie die Zimmer mit Verbindungstür haben."

„Danke, das ist sehr aufmerksam von dir."

„Es kommt noch viel auf Draco zu. Er hat es verdient." Der Elf brachte das Frühstück.

„Ich habe Hermine geschrieben. Da ich nicht mehr weiter weiss. Ich habe nichts gefunden um dieses vermaledeite Ritual zu umgehen."

„Was wenn Draco schon jetzt überläuft?"

„Das wird er nicht tun, das weisst du." Severus nickte.

„Weisst du, ich bin nichteinmal sicher, ob er es wirklich tut. Vater hat mir mit dem Tod gedroht und ich war so töricht, Draco davon zu erzählen."

„Das war wirklich nicht sehr klug."

„Er hat mich schon immer beschützt auch wenn es nicht nötig war. Doch jetzt…"

„Glaubst du, er wird sich für dich, und gegen Blaise entscheiden?"

„Ich bin mir sogar sicher. Er hätte ihn verlassen, wenn ich ihn nicht heiraten würde. Er geht ein grosses Risiko ein, denn wenn es nicht funktioniert, wird er alles verlieren. Mich, Blaise und seinen Willen." Plötzlich stand Severus auf.

„Ich muss Weg, du entschuldigst mich?" Er ging aus dem Salon, nach oben und kam kurz darauf mit einem fluchenden Draco zurück. Der Malfoy zog sich gerade den Pullover über den Kopf und griff nach seinem Mantel.

„Seit Vorsichtig, bitte." Draco küsste sie auf die Wange, Severus nickte ihr zu.

Kurz nachdem sie im Kaminzimmer verschwunden waren, hörte Dirdra Schritte von Oben.

„Ich bin im Salon, Blaise."

„Morgen, schon lange wach?"

„Eine ganze Weile. War Severus sehr hart zu dir, gestern?"

„Nein, wir haben uns gut unterhalten. Ich habe auch mit Draco gesprochen." Dirdra wusste, was jetzt kommen würde.

„Er macht sich sorgen und überlegt, das ganze sein zu lassen. Er will nicht überlaufen, wenn er dir damit schaden würde."

„Sein Opfer in allen ehren, aber ich will es nicht haben."

„Er glaubt nicht, dass es ein Opfer ist. Solange er tut, was Lucius will, wird weder dir noch mir etwas passieren. Ausserdem meinte er, er könnte damit leben, wenn wir für immer verbunden wären, solange ich weiter mit ihm schlafen würde."

„Ihr habt einen seltsamen Humor."

„Was sollen wir sonst tun. Wir müssen lachen, um nicht zu weinen." Dirdra legte Blaise eine Hand auf den Arm.

„Lass uns etwas an die frische Luft gehen. Vielleicht kommen wir auf andere Gedanken."

Die Ländereien um Spinners End waren weitläufig. Dirdra kannte sich gut aus. Eine Weile liefen sie Stumm nebeneinander her.

„Kannst du denn damit leben?"

„Ich versuche mich an den Gedanken zu gewöhnen, aber es fällt mir sehr schwer. Ich liebe deinen Bruder. Mehr als sonst etwas."

„Ich verspreche dir, ich werde mir etwas einfallen lassen. Du hast mein Wort, als Malfoy und als Gryffindor."

„Wenn du dich da mal nicht verrennst."

„Ich sagte doch schon, ich habe Hilfe." Blaise lächelte nur.

Severus und Draco kamen auch gegen Mittag nicht zurück.

Der Nachmittag zog sich dahin und das Nachtessen wurde serviert.

„Du scheinst dir noch keine Gedanken zu machen?"

„Es kam öfters vor, dass Vater und Draco den ganzen Tag weg waren. Ich lebe nach der Devise, wenn ich nichts höre, ist alles in Ordnung."

„Ich bin tierisch nervös."

„Willst du einen Scotch?"

„Du kannst dich doch nicht einfach an Professor Snapes Bar vergreifen."

„Er wird nichts dagegen haben, glaube mir. Andrein, bring Blaise einen Scotch." Der Elfe gehorchte.

Der Zeiger der Uhr schritt allmählich gegen Mitternacht. Blaise wanderte durch das Haus. Er konnte keine Ruhe finden. Dirdra sass auf einem der Sessel im Salon und schlief. Der Slytherin hatte sie mit einer Decke zugedeckt. Zum gefühlten tausendsten Mal ging er ins Kaminzimmer als es endlich rumpelte. Severus und Draco kamen gleichzeitig. Der Tränkemeister stützte den Blonden.

„Bei Merlin, was ist passiert?" Blaise war sofort auf Draco zu gestürzt.

„Es ist nicht so schlimm. Nur ein paar Prellungen. Severus bringt das wieder in Ordnung." Dieser war bereits in sein Labor verschwunden.

„War das dein Vater?"

„Nicht alles. Der Dunkle Lord hat auch mitgemacht."

„Warum?" Draco senkte den Blick. „Dirdra?", fragte Blaise. Unmerklich nickte er.

„Bitte, geh zu Dumbledore. Stell dich gegen ihn."

„Das kann ich nicht. Wenn ihr verheiratet seid, dann vielleicht. Dann seit ihr aus der Schusslinie, aber so geht das nicht."

„Bei Merlin Draco, wenn das so weiter geht, wirst du diese verfluchte Hochzeit nicht mehr erleben. Bitte, Lieber einen lebenden Feigling als einen toten Helden."

„Von welchen Helden sprecht ihr?"

„Ist nicht so wichtig Severus, hast du den Trank?" Draco sah Blaise strafend an. Der junge Malfoy nahm den Trank entgegen, hob die Phiole an die Lippen und trank sie leer. Nach ein paar Minuten stand er auf. Noch etwas wackelig, doch Blaise half ihm.

„Danke Severus." Die jungen Männer gingen nach oben. Bevor sie jedoch das Kaminzimmer verliessen, blieb Blaise stehen.

„Dirdra ist noch im Salon, sie schläft auf einem der Sessel."

„Danke Blaise", sagte Severus und verliess das Kaminzimmer.

Dirdra schlief noch immer. Severus blieb einen Moment stehe um sie zu beobachten. Dann hob er sie hoch und trug sie nach oben. Die junge Frau wachte nicht auf. Sie schmiegte jedoch den Kopf an Severus Schulter.

In ihrem Zimmer legte er sie auf das Bett. Auch hier blieben seine Augen einen Moment länger als nötig auf ihr haften, bevor er hinaus ging und das Licht löschte. Severus selbst ging nicht ins Bett. Er ging zurück in den Salon und goss sich einen Scotch ein. Er stellte sich damit an den Kamin und starrte hinein. Und dann, mit voller kraft schmiss er das Glas in eine Ecke.

„Bei Salazar warum ist es nicht endlich vorbei", fluchte er. Dann ging er in sein Labor.

Dirdra war kaum in ihrem Zimmer, als sie die Augen öffnete. Schlaftrunken stellte sie fest, dass sie nicht mehr im Salon war und zauberte sich ihr Nachthemd an, dann schlief sie wieder ein.

Dirdra erwachte als ein Sonnenstrahl sie an der Nase kitzelte. Sie musste sich zuerst orientieren wo sie war. Dann sprang sie auf und lief im Nachthemd den Korridor entlang zu Severus Zimmer. Sie klopfte, doch es antwortete niemand. Als sie die Tür öffnete sah sie das Bett unberührt. Sie schlug die Tür hinter sich zu und rannte in die andere Richtung in Dracos Zimmer. Auch dieses Bett schien nicht benutzt zu sein. Dirdra eilte durch das Zimmer und griff nach der Verbindungstür.

„Blaise, sie sind noch immer nicht zurück." Mitten in der Bewegung hielt sie inne. Blaise sass im Bett und las, neben ihm schlief Draco. Er hatte kein Pyjamaoberteil an und Dirdra sah die blauen Flecken. Blaise stand auf. Er nahm Dirdra bei Seite.

„Sie sind kurz nach Mitternacht zurück gekommen. Draco war übel zugerichtet. Er hat beschlossen, dass er damit leben kann, wenn wir heiraten, denn dann wären wir aus der Schusslinie. Vorher will er nichts unternehmen."

„Wir werden nie aus der Schusslinie sein, so lange dieser Krieg andauert." Didi sah zu ihrem Bruder und machte einen Schritt auf ihn zu.

„War es wegen mir?" Blaise gab ihr keine Antwort. „War es wegen mir?", fragte sie erneut und drehte sich zu Blaise um. Er nickte stumm. Über ihr Gesicht rannen Tränen.

Sie flüchtete aus Blaise Zimmer und rannte zurück in ihres. Dort verschloss sie die Tür, legte einen Zauber darauf und wollte niemanden sehen. Sie hatte nicht bemerkt, dass Severus gerade die Treppe nach oben gekommen war. Doch anstatt ihr nach zu gehen, ging er zu Blaise.

Dieser stand in der Tür seines Zimmers.

„Du hast es ihr gesagt?"

„Sie hat ihn gesehen. Was hätte ich tun sollen. Es ist Dirdra." Severus nickte. Er ging in seine Räume, duschte, zog sich frische Kleidung an und ging zu Dirdras Zimmer. Er klopfte an. Es geschah nichts. Er klopfte nochmals.

„Dirdra, bist du da?" Wieder nichts. Dann versuchte er die Tür zu öffnen, doch sie war verschlossen. Er brauchte einige Zauber bis die Tür offen war. Doch Severus schaffte es. Vorsichtig öffnete er sie. Dirdra lag auf dem Bett, sie weinte. Doch das war nicht alles. In Malfoy Manor trug sie immer lange Nachthemden, doch hier hatte sie offensichtlich etwas anders gewählt. Sie trug ein rosarotes Babydoll mit kurzen Hosen.

Severus räusperte sich. Dirdra hob den Kopf. Sie sprang beinahe vom Bett auf und viel Severus um den Hals. Die Schultern der jungen Frau bebten unter ihrem Schluchzen. Severus wusste sich nicht zu helfen. Nach einigen Sekunden konnte er nicht anders als ihr über den Rücken zu streicheln. Es dauerte bestimmt ein paar Minuten bis Severus etwas sagen konnte.

„Reiss dich zusammen. Wir können es uns nicht leisten, jetzt einzubrechen." Es lag keine schärfe im Ton sondern Verständnis.

Dirdra blickte nach oben. Direkt in Severus Augen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und legte ihre Lippen auf seine. Severus erwiderte den Kuss, bis Dirdra ihn abbrach.

„Es tut mir leid, ich wollte nicht…"

„Hmm. Ich werde jetzt gehen." Ohne sie noch einmal anzusehen, schritt er hinaus.

`Na bravo, das hast du jetzt wieder toll gemacht. ` Dirdra verdrehte die Augen und liess sich ins Bett fallen. `Es hilft nichts, Angriff ist die beste Verteidigung. ` Sie stand auf und zog einen Jupes aus dem Schrank. Einen langen, violetten Wickelrock, darüber ein langärmliges violettes Oberteil. Sie ging nach unten. Severus war weder im Salon noch im Kaminzimmer. Also ging sie ins Labor. Doch auch dort war er nicht.

„Andrein, wo ist dein Herr."

„Master ist in draussen, in der Eulerei." Dirdra war noch immer fest entschlossen. Sie ging nach oben und griff nach ihrem Mantel.

„Dirdra, ich möchte mir dir sprechen."

„Tut mir Leid, Draco, jetzt nicht. Ich muss zuerst etwas klären."

„Es ist wichtig", sagte er scharf. Dirdra drehte sich zu ihm um.

„Das hat für mich keine Relevanz. Ich muss zuerst meinen Fehler ausbügeln, bevor ich mich um das Kümmern kann, was gestern passiert ist."

„Dirdra." Die Malfoy ging auf ihren Bruder zu.

„Bitte, lass mich zuerst das in Ordnung bringen. Sonst wird mein Herz daran zerbrechen." Sie hatte ihre Hand auf seine Wange gelegt.

„Gut, geh zu ihm, er hat die Wahrheit verdient." Dirdra lächelte ihn an, küsste ihn auf die Wange und rannte hinaus.

Der Weg zur Eulerei war nicht sehr weit, doch Dirdra war froh den Mantel dabei zu haben.

„Severus, wo bist du?" Gerade als sie den Raum der Eulen betrat, kam er ihr entgegen.

„Ich wollte meine Entschuldigung zurück nehmen. Es tut mir nicht leid, dass ich dich geküsst habe. Im Gegenteil, ich bin froh, dass ich es getan habe. Auch wenn du das nicht verstehst, aber ich habe mich in dich verliebt. Ich weiss, dass du ein Freund der Familie bist, und ich weiss, dass du mein Professor bist, aber es ist nicht wichtig. Ich werde mein Leben mit einen Mann verbringen den ich nicht begehre und den welchen ich begehre kann ich nicht bekommen. Also, es tut mir nicht leid, was ich getan habe. Und jetzt sag etwas oder tu etwas, aber lass mich nicht um eine Reaktion betteln."

Severus Hand schnellte nach vorne, griff in ihr Haar im Nacken und zog sie zu sich. Seine Mund schloss den ihrem mit einem Kuss und seine Zunge glitt in ihren Mund. Dirdra seufzte in den Kuss hinein und erwiderte ihn.

Der Kuss dauerte einige Minuten. Keuchend lösten sie sich von einander. Severus und Dirdra lehnten Stirn an Stirn aneinander und hatten die Augen geschlossen.

„Ich darf dich nicht lieben."

„So lange du es tust, ist mir egal was du darfst."

„Es geht nicht, Dirdra, versteh das bitte."

„Ich verstehe es, aber ich akzeptiere es nicht."

„Und jetzt?"

„Sag du es mir."

„Lass uns ins Haus gehen, du bist ja ganz durchgefroren." Dirdra merkte erst jetzt wie sie zitterte. Severus legte einen Arm um sie und führte sie ins Haus.

Draco sass im Salon und starrte in den Kamin.

„Da hast du noch etwas zu erledigen."

„Ich weiss." Dirdra schenkte ihm ein Lächeln und ging dann in den Salon. Sie schloss die Tür und setzte sich ihrem Bruder gegenüber.

„Ich bin nicht deiner Meinung. Vater ist Vater, egal ob ich verheiratet bin oder nicht. Wenn ich ihm nicht folge, und das habe ich nicht vor, wird er versuchen mich zu töten."

„Das kann ich nicht zulassen."

„Was willst du dagegen tun?"

„Wenn ich das Dunkle Mal annehme, wird er es vielleicht gut sein lassen."

„Das ist nicht akzeptabel und das weisst du."

„Du wärst in Sicherheit."

„Du glaubst das?"

„Ich will es glauben. Du würdest Blaise heiraten, ihr könntet euch auf sein Anwesen in Aviemor zurückziehen und wärt von allem geschützt."

„Ich habe bereits Blaise versprochen, dass ich das schaffen werde. Gib mir einfach noch Zeit." Draco schüttelte den Kopf.

„Gut, wenn du nicht willst, werde ich zu Dumbledore gehen und ihn bitten, mich im Orden zu verstecken."

„Das würdest du nicht tun, dann würde alles auffliegen."

„Wenn ich dich an diesen Fanatiker verliere, ist mir das Egal. Ich kann nicht damit Leben, wenn du gegen deine eigenen Prinzipien verstösst nur um den Märtyrer zu spielen. Ich habe bereits einen Plan."

„Den du mir nicht verraten wirst, habe ich recht?"

„Ja, hast du. Je weniger du weisst, desto weniger kannst du verraten."

„Ich liebe dich Dirdra. Gut, ich werde es ertragen, aber nicht mehr lange." Das war für Dirdra genug. Wie gut, dass sie Draco nichts von ihrem Plan verraten musste, denn der wäre ziemlich dürftig ausgefallen. In Wirklichkeit hatte sie keine Ahnung wie sie dieses Chaos wieder bereinigen sollte.

Draco wusste, dass sie Severus liebte, dass er ein Spion war wusste er nicht. Blaise wusste wohl genau so viel wie Draco denn Dirdra ging davon aus, dass Draco ihn ins Bild gesetzt hatte und Severus? Tja, Severus wusste so ziemlich alles nur eine Lösung hatte er keine.