Kapitel 11 : Der Minister ist tot, es lebe der Minister
Die knappe Woche die noch blieb, bis sie wieder in den Hogwarts Express einsteigen mussten, gestalteten sie sich so gut wie es eben ging. Severus und Draco waren noch zwei Mal weg gegangen. Doch dieses Mal, waren sie unversehrt zurück gekommen. Dirdra und Blaise verbrachten diese Zeit mit endlosen Diskussionen über alles und Nichts. Wann immer es sich zufälligerwiese traf, tauschten Dirdra und Severus kleine Nettigkeiten aus. Beide waren sich ihrer Situation mehr als bewusst und drängten zu nichts. Und dann kam der sechste Januar.
Bereits um Acht Uhr Morgens fuhr der Zug in Kings Cross ab. Blaise war der Erste der Spinners End verliess.
„Vielen Dank Professor Snape, für alles", sagte er, bevor er in den Kamin stieg. Severus nickte ihm zu.
„Ich danke dir auch, das waren die schönsten Weihnachtsferien seit langem." Draco umarmte Severus kurz und stieg dann auch in den Kamin.
Dirdra jedoch stand etwas unsicher im Kaminzimmer. Der Tränkemeister sah sie fragend an.
„Ich habe die letzten Tage sehr genossen. Auch wenn es jetzt vorbei sein muss, hat sich an meiner Empfindung zu dir nichts geändert. Ich liebe dich, Severus, egal was jetzt passiert. Vergiss das bitte nie." Sie war auf ihn zugegangen und hatte ihren Kopf auf seine Brust gelegt. Serverus schlang die Arme um ihren Körper.
„Mi gradhaich a thu, mo cridhe." (All meine Liebe für dich, mein Herz) Dirdra hob den Kopf und küsste ihn. Ein letztes Mal, mit allem was sie zu geben hatte. Dann stieg sie in den Kamin, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, lächelte Severus an, und verschwand nach Kings Cross. Severus würde per Flohnetzwerk später direkt nach Hogwarts reisen.
Im Zug herrschte ein heilloses Durcheinander. Viele der Schüler hatten ihre Weihnachtsgeschenke dabei und zeigten sie ihren Freunden. Dirdra hatte sich ein Abteil am Ende des Zuges gesetzt. Es dauerte nicht lange, bis die Tür aufgemacht wurde und vier Gryffindors das Abteil stürmten.
„Frohes neues Jahr", schallte es ihr entgegen.
„Frohes neues Jahr, wünsche ich euch auch. Hattet ihr schöne Ferien?"
„Bessere als du, wie ich höre", sagte Harry.
„Meine Ferien, waren zum Teil auch ganz schön, zumindest die letzten paar Tage."
„Und die davor?"
„Mal sehen, ich bin Verlobt und werde in einem Blutritual einen Mann heiraten den ich nicht will, mein Vater droht mir mich zu töten wenn ich nicht mache was er will und der Dunkle Lord hat versucht mich zu verfluchen, weil ich nicht nach seinem Mund gesprochen habe, ich denke das war es so in etwa. Ach nein, ich habe Blaise und Draco versprochen, dass ich bereits einen Plan habe, wie ich das alles in Ordnung bringen kann, obwohl ich nicht die leiseste Ahnung habe, wie ich das machen soll."
„Und was war an den Ferien schön?", fragte Ron nun verwundert.
„Die letzten Tage in Spinners End." Hermine und Ginny grinsten sich wissend an.
„Voldemort hat das Ministerium in seiner Gewalt. Alle ausser dem Minister, dem Vize-Minister und den Auroren. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er seine Anhänger in Azkaban befreit."
„Und was plant man dagegen?"
„Das ist es ja gerade, bis jetzt noch gar nichts. Dumbledore versteift sich auf die Horkruxe und das war es", informierte Ginny.
„Hat er wenigstens einen Plan, wie sich der Märtyrer-Abgang umgehen lässt?" Harry schüttelte den Kopf.
„Gut, dann werden wir uns etwas einfallen lassen müssen", meinte Dirdra.
„Und du willst uns wirklich dabei helfen? Hast du nicht genug mit deinen Problemen zu tun?"
„Ach Ron, meine Probleme werden sich in Luft auflösen, wenn der Dunkle Lord besiegt ist. Oder ich einen anderen Weg finde. Ich wähle das kleinere Übel." Die Gryffindors lachten.
Der Zug war seit etwas mehr als einer Stunde unterwegs, als die Tür zum Abteil erneut auf ging. Draco stand in der Tür, hinter ihm Crabbe und Goyle.
„Potter, noch immer hier?"
„Wie du siehst, es hat noch keiner das Ziel erreicht."
„Dann werden wir uns noch mehr anstrengen müssen." Dracos Ton war irgendwie anders. Scharf, aber nicht hart. Harry stand auf und stellte sich dem Slytherin gegenüber auf.
„Das wird euch nichts nutzen, wir haben noch immer ein Ass im Ärmel, Malfoy."
„Wir werden sehen, Potter, wir werden sehen." Die Grünen verliessen das Abteil. Crabbe und Goyle grunzten zufrieden.
„Es ist interessant, wie ihr eure Informationen austauscht. In voller Lautstärke damit auch alle es hören und es versteht doch keiner", stellte Dirdra amüsiert fest.
In Hogwarts war der Alltag rasch wieder hergestellt. Wie vor den Ferien verbrachte Dirdra einige Zeit mit Draco und Blaise. Doch Severus ging sie aus dem Weg. Sie hätte es nicht ertragen ihn nicht berühren zu dürfen.
Am 21. Januar konnte sie sich nicht mehr zurückhalten. Es war Meán Geimhridh. (Wintersonnenwende) Ein wichtiger Feiertag für all jene, die Weihnachten nicht feierten.
Als Dirdra an diesem Morgen erwachte, lagen zwei Pakete am Fussende ihres Bettes. Sie nahm das Erste und öffnete es. In feinstem Sammt lag eine Brosche. Das Keltenherz war mit Diamanten und Topasen geschmückt. Sie lächelte. Diese Preisklasse konnte nur von Draco sein. Dirdra holte die Karte heraus.
„Math meàn Geimhridh, Draco und Blaise." (Schöne Wintersonnenwende)
Das zweite Päckchen war schlicht in schwarzem Samt. Sie öffnete es und der Mund klappte auf. Eine lange Kette mit einem Anhänger daran.
„Das ist St. Columba`s Kreuz ein Gälischer Talisman der seinen Träger Furchtlos machen soll." Dirdra blickte zu Hermine. Diese war aufgestanden und kam gerade auf ihr Bett zu.
„Ich weiss, ist es nicht schön?" Es war auf filigranem Silber mit einem leuchtenden Rubin. Das Schmuckstück war kaum Grösser als eine Gallone und doch strahlte es so viel Magie aus.
„Es ist wunderschön, von wem ist das?" Dirdra drehte das Kästchen um und es viel ein kleines Stück Pergament hinaus.
„Mo cridhe", las Hermine. Dirdra lächelte.
„Es ist von Severus." Sofort band sie sich die Kette um den Hals.
Nachdem sie angezogen war, steckte sie die Brosche an den Umhang.
„Willst du die wirklich tragen? Was wenn sie verloren geht?"
„Ich werde sie nur heute tragen, damit Draco und Blaise eine Bestätigung haben."
„Was hast du ihnen geschenkt?"
„Blaise feiert Weihnachten, sein Geschenk war die Woche mit Draco. Und Draco bekommt von mir ein Buch über schwarzmagische Verschleierungszauber. Die wird er brauchen können. Entweder um sich zu schützen, oder um Blaise zu besuchen."
„Und Snape?"
„Tja, das war etwas schwieriger, aber ich habe etwas für ihn gefunden." Dirdra lächelte nur wissend und ging voran aus dem Gemeinschaftsraum.
In der Grossen Halle wurde gefrühstückt. Die Schüler, welche Wintersonnenwende feierten, freuten sich über ihre Geschenke. Severus sass an seinem Platz am Lehrertisch.
„Wenn ich gleich zu ihm hinsehen, pass gut auf", flüsterte Dirdra Hermine zu. Diese heftete den Blick sofort auf den Lehrertisch. Dirdra hob die Augen und sah Severus an. Dieser liess ein breites, silbernes Armband unter seiner Manschette aufblitzen.
„Ein Armband?"
„Nicht irgendeines. Es hat ein Hexagramm darin." Ginny hatten ihr zugehört.
„Was hat es für eine Bedeutung?"
„Das Hexagramm ist ein sechseckiger Stern, der aus zwei sich überlappenden, gleichseitigen Dreiecken gebildet wird. Es gilt als Schutzsymbol gegen Dämonen und Feuer sowie als Zeichen der Alchemie. Die Dreiecke symbolisieren die Elemente."
„Ihr wappnet euch für den Krieg, nicht wahr?"
„Eher für unsern Albtraum, aber wenn's im Krieg hilft ist es willkommen." Ron und Harry hatten auf der andern Tischseite nichts mitbekommen. Ron konzentrierte sich aufs Essen und Harry hing seinen Gedanken nach wie so oft in letzter Zeit.
Erst als Dirdra ihn ansprach, kam er aus seinem Tagtraum zurück.
„Hast du nicht gehört? Wir kommen zu spät zu Severus."
„Mist", fluchte Harry und beeilte sich ihr nachzukommen.
Die Schüler in den Dungeons wirkten nervös. Dirdra bemerkte diesen Umstand sofort und heftete den Blick an Draco. Dieser wich ihr aus. Auch Blaise konnte ihr nicht standhalten. Langsam kroch Angst in ihrem innersten empor. Severus hatte sich doch in der Halle nichts anmerken lassen. Sie machte einen Schritt auf ihren Bruder zu, als die Tür zum Klassenzimmer aufschwang. Die Slytherins hasteten hinein. Es war klar, dass sie nicht mehr mit Draco sprechen konnte, sobald die Stunde begonnen hatte.
„Was ist los?", flüsterte Hermine.
„Es stimmt etwas nicht, sieh dir die Schlangen an, sie sind nervös." Doch es passierte nichts. Der Tränkemeister machte seine Stunde wie wenn nichts los wäre. Auch die nächste Stunde verlief ohne Zwischenfall und als es Zeit zum Mittagessen war, hatte Dirdra schon fast vergessen, dass sie sich so unwohl gefühlt hatte. Doch die Gryffindors waren noch nicht in der Grossen Halle angekommen, als sie vom Schulleiter aufgehalten wurden.
„Harry, wir müssen uns unterhalten." Die Gryffindors wussten, dass etwas nicht stimmte. Harry warf einen Blick auf seine Freunde, dann auf Dumbledore. Dieser wusste sofort was er fragen wollte.
„Natürlich, bring sie mit."
„Ich passe", sagte Dirdra sofort. „Ihr könnt mich ja später informieren." Ohne auf eine Antwort zu warten schritt sie in die Halle davon.
Blaise und Draco sassen am Slytherintisch.
„Hmm", räusperte sie sich hinter den Beiden.
„Jetzt nicht Dirdra, bitte", sagte Draco.
„Oh doch, genau jetzt. Dé do bheachd?" (Was ist los)
„Was soll sein?"
„Oh bitte, die Schlangen sind nervös, ihr seht mich nicht an, Dumbledore will mit Harry sprechen und ihr habt keine Zeit für mich?"
„Sin tuit ministear. Sin ministear marbh seo." (Das Ministerium ist gefallen. Der Minister ist tot)
„Cuin?" (Wann?)
„Madainn an diugh." (Heute Morgen)
„Tha a nis?" (Und jetzt)
„Morrighan tòisisch." (Der Krieg beginnt) Bevor Dirdra noch etwas sagen konnte, brachten die Posteulen eine Sonderausgabe des Propheten.
„Er-dessen-namen-nicht-genannt-werden-darf tötet Minister Fudge. Nachfolger bereits eingesetzt. Neuer Minister ist Lucius Abraxas Malfoy."
„Merlin steh uns bei. Hast du das gewusst?" Dirdra hielt Draco den Artikel vor die Nase. „Wusstest du, dass er das plante?" Der Malfoy senkte den Blick. „Tha mi a' tuigsinn..." (Ich verstehe…) Dirdra stand auf und ging. Nicht in ihren Turm, in die Dungeons.
„Du traust dich etwas, Gryffindor."
„Lass mich in Ruhe Pears." Pears Peters war ein Slytherin, ein Pureblood. Bis dato immer eher zurückhaltend, doch jetzt schien er sich in Sicherheit zu wägen.
„Nicht so schnell." Er hielt sie am Ärmel zurück.
„Fass mich nicht an", zischte Dirdra.
„Warum nicht, wir haben gewonnen, ich kann mit dir machen was ich will."
„Du täuscht dich. Ihr habt vielleicht die Schlacht gewonnen, den Krieg noch lange nicht." Der Slytherin zog den Zauberstab, doch bevor er einen Fluch aussprechen konnte, wurde er von hinten gepackt.
„Zügeln sie ihr Temperament Mr. Peters. Sie wollen sich doch nicht den Zorn des Ministers aufhalsen."
„Natürlich nicht, Sir", antwortete der Schüler und ging trotzig davon.
„Ich denke nicht, dass Vater ihm böse gewesen wäre, aber trotzdem Danke."
„Ich denke sie haben recht Miss Malfoy."
„Ihr habt darüber gesprochen, nichtwahr? Draco wusste bescheid und er hat nichts gesagt." Severus warf einen Blick in den Korridor, dann zog er Dirdra in das leere Klassenzimmer.
„Dumbledore wusste bescheid. Fudge wollte nicht hören und hat dafür bezahlt."
„Warum Vater?"
„Lucius ist ein Pureblood. Er hat Gold, Ansehen und Macht." Dirdra nickte und ging. In den Gängen wurde getuschelt, doch sie überhörte es.
„Habt ihr es also geschafft. Jetzt bist du Ministertöchterchen und bestimmt sehr stolz darauf."
„Seamus, wie kannst du." Ginny kam gerade mit Ron, Hermine und Harry die Treppe nach oben.
„Was?"
„Du kannst doch Dirdra nicht so beschimpfen", entrüstete sich Hermine.
„Sie gehört doch mit dazu. Der sprechende Hut muss sich geirrt haben. Eine Malfoy in Gryffindor."
„Es reicht Seamus, Dirdra gehört zu uns wie alle andern Gryffindors auch. Hör auf damit sie schlecht zu machen." Harrys Worte hallten durch die Gänge des Schlosses.
„Lass ihn Harry. Er sagt doch nur was alle denken."
„Nein, er sagt was er denkt. Ich weiss dass es nicht so ist." Dirdra nickte und ging in den Gemeinschaftsraum. Durchquerte diesen und ging gleich in den Schlafsaal. Sie war nicht dazu zu bewegen, diesen wieder zu verlassen.
Hermine war ihr gefolgt und versuchte sie aufzumuntern. Doch es half alles nichts.
„Ich werde dich für den Unterricht krank melden, aber lange wird das nicht funktionieren." Hermine ging nach unten und traf auf Ron, Ginny und Harry.
„Sie will nicht hinunter kommen."
„Das ist doch sonst nicht ihre Art", wunderte sich Ron.
„Sie hat eine Menge auf sich genommen und jetzt fällt einiges davon in sich zusammen. Gib ihr Zeit, sie wird schon wieder Malfoy-Like zu sich kommen." Harry wusste gar nicht wie recht er hatte.
Als die Gryffindors vom Unterricht zurück kamen, wurden sie bereits erwartet. Dirdra stand mitten im Gemeinschaftsraum.
„Können wir uns unterhalten?" Harry, Ron und Hermine legten ihre Bücher ab und verliessen den Raum um in den Raum der Wünsche zu kommen. Dirdra ging einige Male vor dem Kamin auf und ab, ehe sie zu sprechen begann.
„Ich werde mich dem Willen meines Vaters beugen, zumindest zum Schein. Ich muss wenigstens versuchen Draco da raus zu bekommen."
„Das kann ganz schön ins Auge gehen. Bist du dir damit sicher?"
„Ja, so lange ihr mir vertraut. Es wird die eine oder Andere unschöne Szene geben. Bitte nehm es mir nicht übel." Harry grinste.
„Kein Problem, aber du wirst auch einiges einstecken müssen."
„Das wirst du nicht schaffen, ich bin eine Malfoy. Es gibt keine Beleidigung dich ich nicht schon verwendet oder zumindest gehört habe, Potter."
„Verlass dich drauf Malfoy."
„Und was ist mit dem andern Plan?"
„Keine Ahnung. Ich hab ja noch ein paar Wochen Zeit." Dirdra umarmte noch mal alle Freundschaftlich, bevor sie in den Gemeinschaftsraum zurück gingen.
Dort ging sie gleich nach oben und zog sich fürs Essen um. Die Kniestrümpfe aus hochwertigem Material, den Rock frisch gestärkt und das Hemd gebleicht. Darüber den Kaschmir Pullover. Und natürlich den Umhang aus feinstem Stoff.
„Viel Glück."
„Danke Hermine." Im Gemeinschaftsraum wurde es sofort still als Dirdra hindurch schritt. Doch sie wollte keine Notiz davon nehmen. In der Eingangshalle traf sie auf eine Gruppe Ravenclaws.
„Würdet ihr die Güte haben eure Halbblut Hintern aus dem Weg zu räumen."
„Was ist denn in dich gefahren Didi."
„Falls du es noch nicht mitbekommen hast, mein Vater ist Zauberei Minister. Es ist eine frage der Zeit, bis Dumbledore seinen Posten räumen muss. Ausserdem heisst es Dirdra, wenn du mich schon ansprechen musst." Die Ravenclaw machte mit offenem Mund platz.
In der Grossen Halle steuerte sie direkt auf Blaise zu. Diesen küsste sie auf den Mund und setzte sich neben ihn.
„Sieh an, jetzt kommst du angekrochen."
„Ich, Pansy, krieche nicht. Macht ist anziehend. Ausserdem, was kann es besseres geben, als Tochter des Zaubereiministers zu sein. Und bevor du noch etwas sagst, Vater wäre sicher froh, wenn ich ihn darum bitte, mir zu verzeihen, in dem ich jemanden bestrafe der mich angegriffen hat. Wenn du also immer noch Interesse daran hast?" Pansy Parkinson presste die Lippen aufeinander. Sie wollte noch etwas sagen, doch Dirdras Ton liess sie es bleiben lassen.
„Was tust du da Dirdra?", fragte Draco flüsternd.
„Is fheàrr teicheadh math na droch fhuireach." (Besser ein guter Rückzug als einen schlechten Standpunkt)
„Du kneifst?"
„Das würde ich so nicht sagen Blaise. Ich habe mich reorganisiert."
Die Wochen vergingen und der Krieg wurde heftiger. Immer mehr Zauberer und Hexen wurden vom neuen Regime gefangen genommen. Dumbledore hatte alle Hände und Zauberstäbe voll zu tun.
Einmal in der Woche traf sich Dirdra mit Ron, Harry, Hermine und Ginny im Raum der Wünsche.
„Wie geht es dir?"
„Beschissen. Die Gryffindors trauen mir nicht mehr, die Ravenclaws hassen mich, die Hufflepuffs ignorieren mich und die Slytherins glauben ich sei ihre beste Freundin. Und das Beste, Lucius will mich sehen. Seine verlorene Tochter ist zurück. Ich könnte vomitieren."
„Was könntest du?"
„Kotzen Ron, kotzen."
„Wann ist denn die Glückliche Familienzusammenführung?", fragte Hermine.
„Morgen, es ist Hogsmeade Wochenende." Die Gryffindors sahen sich an.
„Ihr werdet wieder nicht hingehen, was?"
„Es wäre zu gefährlich, auch wenn ich es hasse eingesperrt zu sein."
„Ich denke es ist gut, wenn ihr nicht hingeht, vor allem nicht diesen Samstag. Ausser Lucius werden noch andere kommen. Marcus Goyle, Henry Crabbe, Hyperion Greengrass, Sean Peters und so weiter, ich glaube alle Väter der Slytherins."
„Und du willst da wirklich hin?", fragte nun Ginny.
„Von wollen kann nicht die Rede sein."
„Wir werden uns demnach Sonntagabend wieder hier treffen?"
„Ja, ich werde da sein."
„Gut, lasst uns essen gehen bevor noch auffällt, dass wir weg sind."
„Geht schon mal, ich muss mit Dirdra noch was besprechen." Hermine scheuchte die Andern hinaus.
Dirdra sah sie fragend an.
„Wie geht es dir wirklich?"
„Ich ersticke bald daran, aber ich muss da durch."
„Und Snape?"
„Wir versuchen uns aus dem Weg zu gehen, das ist aber gar nicht so einfach. Wir laufen uns zwangsläufig häufiger über den Weg als wir wollen, doch ausser freundlichem Informationsaustausch geht nichts. Severus ist verschlossen wie wenn ich es ihm nie gesagt hätte."
„Das wolltest du doch?"
„Ja, nein, ich weiss auch nicht. Bist du mit meinem Andern Problem schon weiter gekommen?"
„Nicht so wirklich. Ich habe alle Bücher darüber gelesen, aber ein Schlupfloch finde ich nicht."
„Wir haben ja erst Mitte April, ich hab noch knapp drei Monate." Gerade als sie gehen wollten, hielt Hermine sie zurück.
„Vielleicht solltest du heute Abend zu Snape. Wer weiss was morgen passiert?"
„Vielleicht hast du sogar recht." Dirdra lächelte und ging nach unten.
Sie setzte sich neben Blaise nach dem sie ihn geküsst hatte. Es war inzwischen so vertraut, dass sie ihn Küsste, dass es fast automatisch ging. Manchmal rümpfte Draco noch die Nase, doch nur wenn er schlechte Laune hatte, so wie heute.
„Deine Laune war auch schon besser, was ist denn passiert?"
„Hast du vergessen, dass Vater morgen her kommt?"
„Nein, habe ich nicht. Ich verfolge noch immer meinen Plan."
„Gib zu, dass du keinen hast."
„Oh nein, ich habe einen, er ist nicht sehr gut und hat noch einige Fehler die ich zu beheben gedenke, aber ich habe einen und das ist mehr als ihr vorweisen könnt", zischte sie gefährlich. Als die drei zu Ende gegessen hatten standen sie auf. Es störte sich keine der Schlangen mehr daran, dass eine Gryffindor bei ihnen zu Gast war, schliesslich war Dirdra mehr Malfoy, als Gryffindor.
Doch an diesem Abend wollte sie nicht mit zu Draco und Blaise. Sie blieb kurz vor dem Eingang in die Schlangengrube stehen.
„Was ist?"
„Ich wollte wo anders hin."
„Anns sin?" (zu ihm) Sie nickte. Draco küsste sie auf die Wange, Blaise auf den Mund, dann gingen sie.
Dirdra vergewisserte sich, dass sie alleine war und ging zum Klassenzimmer.
Sie brauchte gar nicht zu klopfen, denn die Tür wurde geöffnet. Sie schlüpfte schnell hinein.
„Ich dachte mir, dass du herkommen würdest", sagte Severus und schloss die Tür.
„Ich musste dich sehen, alleine." Es waren so viele Wochen vergangen, ohne dass sie sich berührt hatten, dass keiner traute den Anfang zu machen.
„Du wirst morgen nach Hogsmeade gehen." Es war eine Feststellung.
„Ja, werde ich. Der Minister hat eine Audienz angeordnet."
„Lucius", spottete Severus.
„Genau jener. Dir scheint der neue Minister nicht zu gefallen, das kann ich nicht durchgehen lassen, ich werde dich melden."
„Du bist gut, sehr überzeugend."
„Nicht wirklich, sonst hättest du anders reagiert." „
Ich kenne dich gut, zu gut um zu wissen, dass das nicht deine Meinung war."
„Ja, du kennst mich gut."
Dirdra war auf ihn zugegangen. Sie streckte ihre Hand aus und ihre Fingerspitzen berührten seine Wange. Sie hatte dieses Gefühl vermisst. Seine Haut war warm und für einen Moment kribbelte alles in ihr. Severus kam ihr entgegen, legte seine Hand in ihren Nacken und zog sie näher. Bevor ihre Lippen sie berührten blickten sie sich tief in die Augen.
„Tha gràdh agam ort, mo cridhe." (ich liebe dich, mein Herz)
„Tha gràdh mar agam ort, mo cridhe." (ich liebe dich auch, mein Herz) Der Kuss war hungrig. Wie der zweier die sich Jahre nicht gesehen hatten. Doch genau so leidenschaftlich war er auch. Severus schloss seine Arme um den Körper der jungen Frau und zog sie an sich. Dirdra hatte beide Hände auf seiner Brust liegen, den Kopf an der Schulter. Ihre Augen waren geschlossen.
„Lass mich nie wieder los, bitte. Können wir nicht einfach für den Rest unseres Lebens so stehen bleiben?"
„Ich wünschte es würde gehen."
„Würdest du eine Beziehung mit einer verheirateten Frau eingehen?", fragte Dirdra plötzlich. Severus schob sie etwas von sich und sah ihr tief in die Augen.
„Wie darf ich das verstehen?"
„Du weisst, wie du es zu verstehen hast, wir haben bereits darüber gesprochen."
„Wir werden eine Lösung für dieses Problem finden. Nicht heute und auch nicht morgen, aber wir werden eine Lösung finden."
„Natürlich werden wir das", antwortete Didi enttäuscht. Sie hätte gerne eine andere Antwort gehabt, aber Severus war eben Severus. Trotz seiner Abstammung genau so stolz, pflichtbewusst und voller Ehrgefühl. Sie war sich sicher, er würde es nicht über sich bringen, Blaise zu hintergehen. Das tat man einfach nicht. Zumindest nicht, wenn man Würde und Selbstbeherrschung hatte. Und von letzterem hatte er leider eine Menge.
Nach einer letzten Umarmung und einem flüchtigen Kuss, verliess Dirdra die Dungeons und ging direkt nach oben.
Im Schlafsaal legte sie sich ins Bett und zog die Vorhänge zu. Vielleicht würde sie so etwas schlaf finden. Mehr schlecht als recht wurde sie in Morpheus Arme geschlossen.
Genau so schlecht, erwachte sie. Es war ein schöner Morgen. Dirdra stand auf, öffnete die Fenster und stellte sich in die ersten Sonnenstrahlen. Das Licht glitzerte in ihrem Haar und der kühle Wind umspielte ihre Nase.
„Harter Tag Heute", flüsterte Hermine.
„Wem sagst du das."
„Du wirst dich wieder aufbrezeln, richtig?"
„Mhm." Aus dem Augenwinkel konnte Didi sehen, dass eine ihrer Mitschülerinnen aufgewacht war.
„Und jetzt verzieh dich Granger. Es geht dich nichts an. Und lass mich endlich in Ruhe, Schlammblut." In Hermines Augen konnte sie lesen, dass es gesessen hatte. Für den Bruchteil einer Sekunde wollte sie sich entschuldigen, liess es aber dabei bleiben. Dann stolzierte sie an Hermine vorbei ins Bad.
Unter der Dusche brachen die Dämme.
„Scheiss Leben, scheiss Welt, scheiss Krieg." Sie drehte das Wasser heisser als das es eigentlich nötig gewesen wäre. Nach zehn Minuten trat sie unter der Dusche hervor. Die Spiegel waren beschlagen und überall war Dampf. Mit einer Hand wischte sie über das kalte Glas. Das Spiegelbild sah traurig verweint aus und völlig zerknautscht. Sie zog den Zauberstab und richtete ihn auf sich. Nach einem Wimpernschlag war alles wieder in Ordnung.
Das Haar wurde ebenfalls durch einen Zauber kunstvoll nach oben gesteckt. Sie griff nach einem schwarzen Kayal und umrandete die Augen. Auf ihrem hellen Gesicht war der Kontras enorm. Die blauen Augen leuchteten umso heller. Ansonsten liess sie alles natürlich. Auch über den Mund glitt nur ein leichter Lipgloss.
Dann ging sie zurück in den Schlafsaal.
Die Gryffindors waren bereits zum Frühstück aufgebrochen. Sie holte ein dunkelgrünes Kleid aus dem Schrank. Ein langärmeliges Empire Kleid dass bis knapp über die Knie ging. Dazu schwarze Wildleder Stiefel mit leichten Absätzen. Darüber einen leichten Umhang. So angezogen schritt sie in die Grosse Halle. Ohne auf das Getuschel und Gemurmel zu achten, setzte sie sich an den Gryffindortisch und griff nach einem Stück Toast. Doch vor dem ersten Bissen liess sie es einfach auf den Teller fallen. Auch vom Tee nahm sie nur einen kleinen Schluck. Dann stellte sie die Tasse wieder hin.
„Ar n-At·air, at´a ar neam, go naom·t·ar d'ain. Go d-tigid· do ríog·ac·t. Go n-déantar do t·oil ar an talam·, mar g·nít·ear ar neam. Tab·air d·úinn indiu ár n-arán laet·ean·juil, agus mait· d·úinn ár b·-fiac·a, mar m·ait·emíd-ne d'ár b·-fiac·an·maib· fém. agus ná léig siñ, g-cat· ug·ad. ac·t saor siñ ó olc. Amen!" (Vater unser der du bist im Himmel….) Dann stand sie auf und ging aus der Halle.
Sie brauchte nicht lange zu warten, bis Blaise und Draco aus den Dungeons kamen. Sie waren beide Teuer gekleidet und trugen leichte Umhänge.
„Du musst das nicht tun Blaise, wenn du willst, kannst du hier bleiben."
„So gerne ich das würde, du bist meine Verlobte und dein Vater der Minister. Es wäre weder höflich noch schicklich, wenn ich dich alleine gehen liesse."
„Es fühlt sich grossartig an, dass du deine Aufgabe so gut erfüllen willst." Er nickte Dirdra zu und sie gingen.
Auf dem ganzen Weg nach Hogsmeade sprachen sie kein Wort.
Es waren einige Slytherins unterwegs. Von den Ravenclaws und Hufflepuff nur eine Hand voll, die Gryffindors blieben im Schloss. Vor den drei Besen standen zwei Männer. Sie begutachteten jeden der den Pub betrat. Als die drei Slytherins darauf zu hielten, traten die Männer bei Seite. Draco ging voran, Blaise bildete den Schluss.
„Wie schön euch zu sehen", rief Lucius und kam auf sie zu. Sein hässliches Grinsen schien ihm ins Gesicht gemeisselt zu sein.
„Du hast uns herbestellt", antwortete Dirdra kühl.
„Ja, in der Tat, setzt euch. Blaise, es freut mich dass du auch gekommen bist. Wir haben heute einige wichtige Dinge zu bereden." Sie setzten sich an den grössten Tisch im Pub. Lucius liess Butterbier servieren und liess dann seinen Sekretär antreten.
„Wir haben nur noch drei Monate um eure Hochzeit vorzubereiten. Und da du dich doch noch dazu entschlossen hast, dich wie eine Malfoy zu benehmen, gestatte ich dir ein gewisses Mitspracherecht."
„Das ist zu grosszügig Vater."
„Die Trauung wird im Garten von Malfoy Manor stattfinden. Die Gästeliste ist bereits gemacht und die Einladungen werden nächste Woche versandt. Habt ihr euch schon Gedanken um die Zeugen gemacht?"
„Natürlich Vater. Mein Zeuge wird Draco sein, Blaise's Severus."
„Severus ist kein Pureblood."
„Mir war nicht vertraut, dass nur ein Pureblood Zeuge sein kann. Es würde Blaise sehr viel Bedeuten und mir auch."
„Severus ist ein sehr guter Freund der Familie Vater. Ich denke niemand würde es als Schwäche betrachten", half Draco.
„Nun gut, ich werde darüber nachdenken. Die Zeremonie wird von Lance Silas gehalten."
„Nein, ich bestehe auf Dumbledore."
„Was, ich habe mich wohl verhört", donnerte Lucius.
„Nein Vater. Du willst ein Blutritual, dann soll es auch richtig gemacht werden. Ich bin bei Merlin nicht eine der seinen, aber ich will auch nicht den Rest meines Lebens wegen eines versauten Rituals leiden."
„Das ist ein Affront unserer Ansichten, das kann ich dir nicht durchgehen lassen."
„Es wäre eine Möglichkeit an den alten Mann heran zu kommen." Lucius schien sich zu beruhigen.
„Deine Gedanken sind gar nicht schlecht. Wenn er das Ritual beendet hat, können wir ihn überwältigen."
„Wenn du meine Feier damit nicht störst, ist es mir recht. Es soll mein Tag werden und ich dulde keine Fehler."
„Nun Blaise, mein Junge, hast du überhaupt noch etwas zu sagen?"
„Ihr habt eure Tochter streng erzogen, sie kommt ganz nach euch, Sir. Ich denke ich werde sie mir erst zu Recht biegen müssen. Aber auch das werde ich hinbekommen. Ich bin zuversichtlich."
„Und Severus war sicher dein Wunsch? Mir scheint Dirdra ist sehr beherrschend."
„Nun, ich wäre untröstlich wenn Professor Snape nicht mein Zeuge sein könnte. Ich bin zwar nicht sein Gràthadairsschüler, doch bin ich mir sicher, ich konnte gleich hinter euerm Sohn."
„Ist dem so, Severus?" Aus dem Schatten der Theke trat der Tränkemeister.
„Mir war nicht bewusst, dass ich Schüler bevorzuge, doch wenn dem so wäre, hätte der junge Zabini recht, Minister." Er nickte Blaise zu.
„Nun, wenn dem so ist, werde ich dem Wunsch entsprechen und Severus wird neben Draco Zeuge sein." Dann drehte sich Lucius wieder zu Dirdra.
„Ich habe genügend deiner Wünsche entsprochen, den Rest werde ich nach meiner Facon regeln." Dirdra nickte und stand auf. Draco und Blaise taten es ihr gleich. Lucius umarmte jeden der Schüler und liess sie ziehen.
Dirdra schritt rasch aus dem Dorf. Sie blickte sich nicht einmal um, um zu sehen, ob Draco und Blaise ihr folgten. Und sie schlug nicht den Weg zum Schloss ein, sondern den zur Heulenden Hütte. Hinter der Hütte lehnte sie an die Wand, schloss die Augen nur um sich Sekunden später zu übergeben. Draco stürzte auf sie zu.
„Dirdra alles in Ordnung?"
„Nein, nichts ist in Ordnung, ich habe gerade Dumbledore ans Messer geliefert."
„Er muss erst deinem Wunsch entsprechen", merkte Blaise an.
„Er wird es tun, dieser Narr", sagte Draco.
„Lasst uns nicht mehr darüber sprechen, bitte." Dirdra hatte sich wieder beruhigt. Gemeinsam gingen sie nun zum Schloss.
Nach einem kurzen Mittagessen in der Grossen Halle zogen sich Draco und Blaise zurück und Dirdra ging in die Bibliothek.
