Kapitel 12 : Tage voller Anstrengung

Der Samstagabend verstrich und der Sonntag folgte. Es regnete. Der Gestrige Tag war von der Sonne gezeichnet und heute weinte der Himmel. Dirdra zog sich zurück in die Bibliothek wie am Tag zuvor. Viele der Hogwartsschüler waren heute dort. Vor allem die Siebtklässler da ihre Prüfungen bevor standen. Um Zaubertränke und Verteidigung machte sie sich keine Sorgen. Zauberkunst und Verwandlung eigentlich auch nicht. Aber es war ja sowieso egal. Als Mrs. Zabini würde sie keine Ausbildung machen und von daher war ihr UTZ Ergebnis sowieso nicht relevant.

Sie hatte gar nicht bemerkt, dass Pansy Parkinson und Millicent Bulstrode sich neben sie gesetzt hatten. Erst als Pansy ihr einen Katalog vor die Nase knallte, erwachte Dirdra aus ihren Tagträumen.

„Findest du nicht auch?" Dirdra blickte auf das Bild.

„Was soll ich finden?"

„Das dieses Kleid perfekt wäre, für deine Hochzeit. Wir sind ja alle so gespannt wie du aussehen wirst."

„Ihr?"

„Ja, Vater hat gestern die Einladungen gebracht."

„Oh." Dirdra warf einen erneuten Blick in den Katalog.

„Ich glaube ich werde in Hosen gehen."

„Was?", kreischte Pansy.

„Ja, in einem Hosenanzug."

„Das kannst du nicht tun, das gehört sich nicht. Nein, du musst so was tragen, oder so was…" Dirdras Gedanken schwanden wieder. Sie hörte weder Pansy noch Millicent wirklich zu. Wie gut, dass es bereits Abend war.

„Verzeihung, ihr werdet mich entschuldigen ich habe noch etwas vor." Dirdra stand auf und beeilte sich aus der Bibliothek zu kommen.

Nur schnell in den Raum der Wünsche. Natürlich war sie die Erste. Ron, Harry, Ginny und Hermine waren wohl noch in der Grossen Halle am Essen. Doch das war ihr egal. Hauptsache alleine.

„Dirdra, wach auf." Sanft wurde sie an der Schulter berührt. Sie schlug die Augen auf. Hermine kniete vor ihr.

„Hermine, es tut mir leid, was ich gesagt habe."

„Ist schon gut, es hat die Wirkung jedenfalls nicht verfehlt." Ron sah sie fragend an. So wie es aussah, hatte Hermine den Zwischenfall vom Samstagmorgen nicht erwähnt.

„Und, wie war dein Treffen mit dem Minister?"

„Grausam. Meine Hochzeit ist schon fest geplant. Ich konnte mich nur noch bei den Zeugen und dem Zeremonienmeister durchsetzen, obwohl das auch ein Schwachsinn war."

„Warum dass denn?"

„Ich habe Vater dazu überredet, Dumbledore die Zeremonie machen zu lassen, damit er ihnen in den Zauberstab läuft. Ich habe in diesem Moment nicht daran gedacht sondern nur daran, dass ich einen normalen Menschen auf dieser Hochzeit sehen will. Ausserdem weiss ich nicht was das für ein schwarz Magier wäre, den Vater mir da aufdrücken will. Am Ende geht dieses vermaledeite Ritual noch schief."

„Albus wird nicht so dumm sein, nicht damit zu rechnen. Wenn er überhaupt darauf eingehen wird."

„Wir werden sehen Harry, wir werden sehen. Auf jeden Fall hat mir Pansy heute einen Brautmodenkatalog vor die Nase geknallt. Glaubt die wirklich ich werde mich so anziehen?"

„Ich dachte, du wolltest das durchziehen?", fragte Ron.

„Ja, aber wenn ich solche Kleider sehe, werde ich daran erinnert, dass ich das gar nicht will."

„Wenn du willst, helfen Ginny und ich dir, ein Kleid auszusuchen."

„Das würdet ihr wirklich tun?"

„Natürlich."

„Schön dass das geklärt wäre, aber jetzt zu etwas anderem. Dumbledore hat einen Weg gefunden, das Diadem zu zerstören, allerdings will er damit noch warten."

„Warum das denn?", fragte Ron. Harry blickte zu Dirdra.

„Wenn er zerstört, wird Voldemort es merken. Snape soll es mit seinem Leben beschützen."

„Severus könnte getötet werden."

„Genau deshalb will Albus warten. Aber er wird es nicht ewig tun können. Snape wusste worauf er sich einliess als er diesen Spionposten angenommen hat."

„Ich hassen den Dunklen Lord. Droch bhàs ort sa diabhal." (Dir ein schlimmes Ende zum Teufel) Hermine grinste.

„Du fluchst auf Gälisch?"

„Ja Ginny, hört sich nicht so vulgär an." Die Gryffindors lachten. Es gab sowieso zu wenig zum Lachen.

Plötzlich schnellte Harrys Hand an seine Narbe. Mit einem Aufschrei ging er zu Boden.

Dieses verfluchte Reptil. Enuectes Notaeus Königin der Schlangen, dass ich nicht lache. Sie mag eine Königin ihrer Spezies gewesen sein, aber mit sehr viel Intelligenz war sie nicht gesegnet, leider. Und du bist sicher, dass sie es war, Avery?"

Ja my Lord. Nagini wurde in Faustgrosse Stücke gerissen. Die Schiffsschraube war unerbittlich."

Lasst Severus kommen, er muss mir das Diadem bringen, ich werde selbst auf das Letzte aufpassen. Wenn man nicht alles selber macht. Cruzio"

Averys Schreie halten in Harrys Kopf wieder als er die Augen aufschlug.

„Geht's wieder?", fragte Ron und zog ihn auf die Füsse. Harry keuchte und presste sich die Hände an die Schläfen.

„Nagini ist tot. Der letzte Horkrux ist das Diadem. Er will es jetzt zu sich holen, damit der Horkrux nicht zerstört werden kann."

„Mist. Wenn er es bekommt, kommen wir nicht mehr ran und wenn nicht, ist Snapes Tarnung dahin."

„Das wird nicht unsere Entscheidung sein. Ich denke Dumbledore wird sich mit Severus beraten. Es sind beides sehr Intelligente Männer. Ihnen wird etwas einfallen. Hoffe ich zumindest."

„Gut, das sollen die selber ausmachen, wir haben jetzt noch etwas zu tun", grinste Ginny und holte drei Brautmodenkataloge aus ihrer Tasche.

„Woher hast du die denn?", fragte Dirdra.

„Hexenbraut hab ich abonniert, die moderne Hexenhochzeit und Traum Hexe, Traum Kleid war ein Extra."

„Du hast Hexenbraut abonniert?", fragte Harry verwundert. Ginny stand auf, ging auf ihn zu und küsste ihn auf die Wange.

„Ja, hab ich. Um dich herum bin ich gerne auf alle Eventualitäten vorbereitet." Harrys Gesicht wechselte von eben noch rot zu totenbleich. Ginny lachte. „Es ist herrlich, wie ich dich immer wieder dran kriege."

„Mensch Ginny, wenn du so weiter machst, kann sich gerne ein anderer für diesen Krieg opfern." Die Gryffindors lachten. Ron und Harry verabschiedeten sich und die jungen Frauen begannen die Magazine zu lesen.

„Sieh dir mal das hier an", sagte Ginny und drehte das Heft um.

„Ich will ja nicht aussehen wie ein Vorhang. Auch wenn ich Blaise nicht heiraten will, wird es doch meine einzige Hochzeit sein und ich will gut aussehen."

„Was ist damit?"

„Nein, ich denke nicht. Da fehlt das je ne sais quois."

„Was fehlt?"

„Das gewisse Etwas, Ginny." Sie lachten.

„Wir wär's damit?" Diesmal war es Dirdra selbst die ein Bild vorzeigte. Ginny und Hermine blickten darauf. Sie sahen sich an und schüttelten dann beide den Kopf.

„Das ist nicht das Richtige für dich, glaub mir", sagte Hermine ernst. Sie sassen noch eine ganze Weile beieinander. Dann wurden Didis Augen grösser.

„Das hier, das ist es." Sie hielt ein Bild hoch. Es war ein wunderschönes, cremfarbenes Brautkleid darauf. Der Rock war weit, ausgestellt in einer Art Schleppe. Das Oberteil mit Spitze versehen und es funkelten überall kleine Diamanten. Die Ärmel waren aus Spitze und ab den Ellbogen wurden es Trompetenärmel.

„Hier steht das Kleid wird nach Mass angefertigt und ich kann meine Wünsche äussern."

„Dieses Kleid kostet ein Vermögen, das ist dir doch klar?" Dirdra lachte.

„Ja, aber ich werde es nicht bezahlen, das wird Vater tun. Ich will an diesem Tag schliesslich gut aussehen. Ausserdem bin ich die Tochter des Zaubereiministers, da wird mir doch das schönste Kleid zu stehen."

„Gar nicht eingebildet, was?", lachte Hermine.

„Ich wünschte ihr könntet auch dort sein. Es ist zwar nicht das was ich will, aber es wird meine einzige Hochzeit sein. Ausser ich finde einen Weg, wie Dracos Blut auf Blaise`s Ring kommt, ohne dass es jemand merkt." Ginny und Hermine sahen sie entschuldigend an. Dirdra holte sofort Pergament und Feder und schrieb dem Modegeschäft. Danach ging sie als erste aus dem Raum der Wünsche, aber nicht in den Gryffindorturm, sondern in die Dungeons.

Es war erst kurz vor neun, also noch eine ganze Stunde bis Sperrstunde. Dirdra stand vor dem Eingang zur Schlangengrube. Auch wenn sie ein gern gesehener Gast war, hatte ihr doch niemand das Passwort verraten. Als nach zehn Minuten noch kein Slytherin zu sehen war, klopfte Dirdra an Severus Klassenzimmer. Dieser öffnete. Erstaunt sah er die Gryffindor an.

„Was kann ich für sie tun, Miss Malfoy."

„Ich würde gerne meinen Verlobten sprechen, aber ich komme leider nicht in den Gemeinschaftsraum. Könnten sie mir vielleicht behilflich sein?"

„Um diese Zeit?"

„Wir müssen die Garderobe für den Event des Jahres abstimmen." Severus beugte sich etwas zu Dirdra um sicher zu gehen, dass niemand ihn hörte.

„Du ergibst dich in dein Schicksal?"

„Nein, ich will nur gut aussehen, wenn ich Vater zum Narren halte." Severus zog die Augenbraue nach oben, trat dann aber auf den Korridor.

„Was machst du überhaupt hier? Solltest du nicht wo anders sein, bei ihm?", fragte Dirdra genau so flüsternd.

„Ich weiss nicht wovon sie sprechen, Miss Malfoy."

„Natürlich nicht, Professor." Severus öffnete ihr die Schlangengrube und Dirdra trat ein.

Der Gemeinschaftsraum war gut besucht, doch weder Draco noch Blaise waren hier.

„Sie sind in ihrem Zimmer, schon den ganzen Abend", sagte Goyle dem erstaunlicherweise ihr suchender Blick aufgefallen war.

„Danke Gregory", sagte Dirdra und ging zum gemeinsamen Zimmer. Sie kannte wohl als einzige das Passwort.

„Treueschwur", sagte sie und die Tür öffnete sich. Sie trat ein.

Dracos Bett war leer. Der Vorhang um Blaise`s Bett war zu. Dirdra setzte sich auf Dracos Bett und wartete. Nach einer Viertelstunde wurde es ihr zu blöd.

„Finite Incantatem", sagte sie und der Schweigezauber über dem Bett ihres Verlobten hob sich auf. Leises Keuchen und Stöhnen drang nach draussen.

„Ich will das nicht hören, also macht Schluss."

„Bei Salazar Dirdra, hast du schon mal etwas von Privatsphäre gehört?"

„Ja, habe ich." Der Vorhang ging auf. Draco versuchte sich notdürftig anzuziehen.

„Was willst du?", fauchte er.

„Zur Abwechslung, nichts von dir. Ich möchte mit Blaise den Anzug besprechen."

„Du willst was?"

„Glaubst du ich will dass du einen Anzug trägst, der nicht zu meinem Kleid passt?"

„Was? Dirdra was soll das, wovon sprichst du bitte."

„Hört zu. Jede Frau träumt von ihrer Hochzeit. Sie heiratet den Mann den sie liebt in einem Traum aus Taft und Chiffon oder Samt und Seide. Ist ja auch egal. Jedes Mädchen möchte an diesem Tag eine Prinzessin sein. Auch wenn ich Blaise nicht so liebe wie ich meinen Ehemann lieben sollte, will ich an diesem Tag alles Perfekt haben. Und dazu zählt auch, dass mein Bräutigam sich anständig kleidet."

„Gut, und was soll ich anziehen?"

„Das da." Dirdra hielt ihm einen ihrer Kataloge unter die Nase. Eine Hose, ein Veston und einen Festumhang in schwarzem Drachenleder, darunter ein weisses Hemd mit Vatermörderkragen und dazu eine weisse schmale Fliege.

„Und das hier für die Zeugen." Eine Seite weiter zeigte sie auf ein Bild eines schwarzen, hochgeschlossenen Gehrocks. Dieser war offen zu tragen damit man das hochgeschnittene Gilet mit den vielen feinen Applikationen sah. Darunter ein weisses Hemd. Draco rümpfte die Nase.

„Da hast du eindeutig an Severus gedacht."

„Sei nicht so negativ. Ich bin mir sicher, dass du phantastisch aussehen wirst, wie du es immer tust."

„Ich denke Dirdra hat recht, ich kann mir dich gut darin vorstellen", sagte Blaise und strich seinem Freund sanft über den Rücken.

„Na gut, wenn du meinst."

„Sehr gut, ich habe bereits dem Atelier eine Eule geschickt. Wir werden in den Nächsten Tagen einen Termin zum Massnehmen erhalten." Damit hüpfte Dirdra vom Bett und ging.

Im Gryffindorgemeinschaftsraum sassen nur noch ein paar Schüler.

„Hey Malfoy, hast du dich gerade mit dem Feind getroffen", rief Harry ihr zu. Dirdra grinste in sich hinein, drehte sich aber zu Harry um.

„Feind ist Ansichtssache, Potter. Du wirst schon noch bekommen, was dir zusteht. Genau wie deine Blutsverräter und Schlammblut Freunde." Der Ton war eiskalt, doch ihre Augen funkelten. Sie drehte sich arrogant um und ging nach oben.

Der Montag kam und ging, ohne dass sich irgendwas getan hätte. Am Dienstagmorgen jedoch, wurde die Stille beim Frühstück von vier grossen, dunkelbraunen Eulen durchbrochen. Sie waren bei weitem nicht so gross wie die Eulen der Malfoys, jedoch genau so schön. Eine flog zum Lehrertisch und landete vor Severus. Die Andern hatten den Slytherintisch im visier und landeten vor Draco, Blaise und Dirdra.

„Das sind Pure London Eulen. Das teuerste Modegeschäft in ganz Gross Britannien, Wales und Schottland", keuchte Pansy.

„Natürlich, oder glaubst du ich trage Lumpen wie du", giftete Dirdra hochnäsig.

Vom Lehrertisch kam Severus hinunter.

„Oh, das hatte ich vergessen", murmelt Dirdra, als sie Severus Blick sah.

„Miss Malfoy, folgen sie mir bitte."

„Natürlich, Professor." Dirdra stand auf und folgte Severus aus der Halle. Da keine Schüler in der Eingangshalle waren, blieb er dort stehen und sah sie fragend mit dem Pergament in der Hand an.

„Für das Massnehmen deines Anzuges für meine Hochzeit", sagte Dirdra entschuldigend.

„Was für einen Anzug?"

„Er wird dir gefallen, Draco hat sich bereits beschwert, dass ich beim aussuchen nur an dich gedacht hätte. Bitte Severus sieh ihn dir zuerst an, bevor du nein sagst." Die Malfoy suchte bereits in ihrer Tasche nach einem Katalog. Dann hielt sie Severus ein Bild hin. Der Tränkemeister nahm es entgegen und beäugte es genau.

„Keinen Umhang?"

„Nein?"

„Gut, wenn du darauf bestehst."

„Danke Severus", sagte Dirdra erleichtert und fiel ihm um den Hals. Sie sog scharf seinen Geruch ein. Nur für den Bruchteil einer Sekunde, denn dann schob Severus sie von sich weg.

„Eingangshalle", sagte er nur.

„Verzeihung Professor." Er nickte und ging in die Kerker.

Der Tag verlief harzig. Dirdra hatte Mühe sich zu konzentrieren. Es viel ihr schwerer als erwartet sich solche Gedanken über ihre Zukunft zu machen.

Zum Abendessen sass Dirdra wieder am Gryffindortisch. Als Hermine an ihr vorbei ging, liess sie ein Stück Pergament fallen. Dirdra hob es auf.

„Raum der Wünsche, jetzt", stand darauf. Die blonde Gryffindor schluckte den letzten Bissen hinunter, stand auf und schritt würdevoll aus der Halle. Die letzten zwei Stockwerke rannte sie. Harry, Ron, Hermine und Ginny warteten bereits im Raum der Wünsche.

„Was ist passiert?"

„Warum glaubst du, dass etwas passierte ist?", fragte Ron etwas gereizt.

„Raum der Wünsche, jetzt?"

„Dumbledore will Voldemort das Diadem aushändigen."

„Was? Das kann er doch nicht."

„Er sagte, es sei mit einem Ortungszauber belegt. Der Dunkle Lord würde es nicht merken."

„Und wenn doch?" Alle hoben die Schultern.

„Ich frage mich wirklich manchmal ob der alte Mann noch ganz gesund ist."

„Ha, siehst du. Ich bin nicht der Einzige der sich das Fragt", brauste Ron auf.

„Beruhige dich Ron. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Albus weiss was er tut. Hoffe ich zumindest." Dirdra hatte sich auf das Sofa geworfen.

„So werde ich es nie schaffen um diese blöde Hochzeit herum zu kommen."

„Du machst dir Sorgen um deine ach so goldenen Zukunft, wir kämpfen hier ums überleben."

„Was glaubst du worum ich kämpfe, Ron. Nur weil wir mehr Gold als Haare auf dem Kopf haben, heisst das noch lange nicht, dass unsere Leben weniger wert sind. Draco wird diesen verfluchten Krieg nicht überleben, von mir ganz zu schweigen wenn alles auffliegt, also glaube nur nicht, ihr seit die einzigen die hier ums überleben kämpfen", fauchte Dirdra gereizt.

„Entschuldige Dirdra, ich war nicht ganz fair zu dir", entschuldigte sich Ron und setzte sich neben die Malfoy.

„Ist schon in Ordnung. Wir sind alle angespannt. Und jetzt? Gibt es noch einen Plan zu diesem Vorhaben?"

„Wenn es den gibt, hat Dumbledore uns diesen nicht verraten", meinte nun Ginny nachdenklich.

„Na toll. Ein hoch auf uns Märtyrer", sagte Didi sarkastisch. Ein kleines Lächeln huschte reihum.

In den folgenden Wochen häuften sich Harrys Visionen. Er wurde Zeuge von Voldemorts Grausamkeiten, die in der Nacht vor der letzten Prüfung ihren Höhepunkt fanden.

Nehmen sie mich und verschonen sie meine Familie", flehte ein Mann.

Du bist nicht mehr wert als der Rest deiner Familie, Muggel."

Bitte, es sind doch noch Kinder."

Cruzio" Der Mann schrie um sein Leben. Die Schmerzen durchzuckten ihn. Harry brach den Fluch ab. „Du sollst sehen, was ich mit wertlosen Muggeln mache." Er winkte einem seiner Todesser. Dieser Riss der Mutter ihr Kind aus den Armen. Einen kleinen Jungen, vielleicht zwei Jahre alt. Harry richtete den Zauberstab auf das Kind.

Sectumsempra", schrie er. Der Lichtstrahl traf den kleinen Körper. Sofort begann er zu bluten aus unzähligen Schnitten. Er wand sich unter den unendlichen Schmerzen. Das kleine Gesicht zu einer Fratze verzogen. Schreiend.

Die Mutter wurde von einem Todesser festgehalten, der Vater lag neben dem Jungen auf dem Boden. Er konnte sich nicht bewegen.

Anstatt dem Kind zu helfen, lachten alle ringsum.

Dann liess Harry die Tochter der Familie in die Mitte stellen. Sie weinte, zappelte doch es nutzte ihr nichts. Sie war etwa fünfzehn, schätzte Harry.

Fenrir, Lestrange, wie lange hattet ihr keine Frau mehr? Bedient euch." Der Wehrwolf und der Zauberer vielen über das Mädchen her. Sie vergingen sich an ihr, während ihr kleiner Bruder sterbend in seinem Blut daneben lag.

Sie schrie, bettelte, flehte die Männer an, doch je mehr sie sich wehrte, umso heftiger wurden die Stösse. Die Mutter war bereits zusammengebrochen und der Vater atmete kaum noch. Nachdem Fenrir und Lestrange ihren Spass hatten, hob Harry den Zauberstab. Das Mädchen lag blutend und halb nackt auf dem Boden.

Sectumsempra. Tötet die Frau und den Mann, dann verbrennt das Haus." Die Todesser johlten und Harry freute sich mit ihnen.

Unser Triumph"

Harry schlug mit einem Schrei die Augen auf und Übergab sich noch immer schreiend. Ron wusste sich nicht mehr zu Helfen. Er hatte viele Vision mitbekommen doch diese war mehr als Harry ertragen konnte.

„Geht, holt Mme. Pomfrey und Dumbledore, schnell", befahl er seinen Mitbewohnern. Er selbst wollte Harry nicht alleine lassen.

Inzwischen spukte Harry Blut. Er war weisser als sein Leintuch es je war und der Schweiss rann in Bächen über seinen Körper. Er zuckte vor würgen und irgendwann konnte Ron nicht mehr an sich halten. Er setzte sich zu Harry der inzwischen auf dem Boden kniete und nahm ihn in den Arm. Immer wieder würgte der Gryffindor, doch es schien nichts mehr übrig zu sein, was er noch hätte erbrechen können. Ron fühlte wie er allmählich in sich zusammen fiel.

„Harry, bleib wach, Harry", rief er. Ron legte Harry auf den Boden. Die Augen waren geschlossen, der Atem ging flach. „Harry, du musst kämpfen, Harry komm schon." In diesem Moment wurde die Tür zum Schlafsaal aufgerissen. Es musste ein fürchterliches Bild abgeben.

Harry lag auf dem Boden, Ron über ihn gebeugt. Harrys Bett war zerwühlt, das Lacken lag auf dem Boden. Überall Erbrochenes und Blut und genau so roch es auch.

„Bei Merlin, was ist geschehen?" Poppy machte sich über Harry her, doch nicht um ihn zu Heilen, sondern um ihn mit einer Barre in die Krankenstation zu bringen. Ron trottete hinter her. Er war von oben bis unten voller Blut und Erbrochenem, genau so wie Harry.

Seine Augen hefteten starr an dem schwarzhaarigen Gryffindor. Er bemerkte nicht wie sämtliche Schüler des Hauses im Gemeinschaftsraum waren. Er bemerkte die entsetzten Gesichter nicht und er bemerkte nicht, wie Ginny und Hermine sich weinend anschlossen.

Auf der Krankenstation wurde sich sofort um Harry gekümmert. Eine Hauselfe brachte für den Weasley einen frischen Pyjama. Doch Ron war nicht fähig sich selbst umzuziehen. Hermine und Ginny mussten ihm dabei helfen, dann legte er sich ins Bett.

„Er hat so sehr geschrieen, ich habe das noch nie erlebt", flüsterte Ron auf einmal. Albus stand zwischen den Betten von Harry und Ron.

„Ron, weisst du was er gesehen hat?"

„Eine Muggelfamilie wurde gefoltert. Eine Frau Vergewaltigt und danach wurde ihr Haus angezündet. Er hat geschrieen, dann sich übergeben und ist in meine Armen zusammengebrochen."

„Ich dachte mir bereits, dass sie hier sind, Professor." Erschrocken zuckten alle zusammen. „Severus, was ist geschehen?"

„In etwa das, was Mr. Weasley erzählt hat. Die Mutter und die Kinder werden überleben, dem Vater konnte ich nicht mehr helfen." Dumbledore nickte und wandte sich dann Harry zu. Dieser war inzwischen wieder wach. Er hatte mit angehört was Severus sagte.

„Ich werde nichts von dem wiederholen, was ich gesehen habe. Kein Wort, hören sie. Dass sie da mitmachen konnten, Professor Snape, ist verachtenswert."

„Ich bin ganz ihrer Meinung, Mr. Potter. Es war mehr als ein grausamer Höhepunkt seiner Machtdemonstration. Er ist sich seiner zu sicher." Der Tränkemeister senkte den Kopf.

Zum ersten Mal, seit Harry diesen Mann kannte, sah er etwas wie bedauern in seinem Gesicht. Eine Regung zu der er ihn nichteinmal fähig gehalten hatte.

„Professor…", setzte Severus an.

„Nur noch eine kleine Weile Severus, ich verspreche es dir. Nur noch eine kleine Weile." Professor Snape nickte und verschwand.

„Sie lassen ihn weitermachen?"

„Wir brauchen Severus, jetzt mehr den je."

Mme. Pomfrey reichte Harry einen Schlaftrank, genau so Ron und scheuchte die andern aus dem Krankenflügel.

Die Nacht war zu kurz als dass sich die Gryffindors hätten erholen können.

Um kurz nach neun trotteten die Siebtklässer in die Grosse Halle. Dirdra war inzwischen von Hermine ausführlich informiert worden. Sie war geschockt darüber, dass Severus daran beteiligt war. Ihr war nicht nach essen und so trank sie eine Tasse Tee, bevor sie in die Dungeons ging. Sie klopfte an Severus Private Räume. Dirdra war sich sicher, das er dort und nicht im Klassenzimmer zu finden war. Schliesslich würde ihre Prüfung erst in einer dreiviertel Stunde beginnen.

Ihr wurde sofort geöffnet. Severus bat sie hinein. In seinem Wohnzimmer sassen Draco und Blaise auf zwei Stühlen vor dem Kamin. Sie waren beide bleich und Blaise hatte eine Phiole in der Hand. Dirdra erkannte, dass es sich um Stärkungstrank handelte.

„Ich, ehm, Hermine…" Dirdra musste sich zusammenreissen. „Harry hatte eine Vision heute Nacht und ich wollte wissen, ob das, was Hermine mir erzählt hat stimmt? Warst du dabei, als diese Familie gefoltert wurde? Hast du bei dieser Vergewaltigung…"

„Dirdra, wage es nichteinmal daran zu denken, dass ich so etwas tun könnte. Ich vergreife mich nicht an wehrlosen Frauen und an Kindern schon gar nicht", donnerte Severus.

„Ich weiss, aber ich weiss nicht mehr, was ich denken soll. Ich habe Angst Severus. Mehr als das." Der Tränkemeister ging auf sie zu und schloss sie in die Arme. Es war ihm egal, dass Draco und Blaise dabei zusahen, es war ihm egal, was sie davon hielten. Dirdra schluchzte in seinen Armen.

„Tha thu moid, mo cridhe. Tha ruig them." (Du bist stark, mein Herz. Wir schaffen das) Dirdra beruhigte sich.

„Ruig tha thu." (Ja, das schaffen wir) Severus gab auch Dirdra einen Stärkungstrank, dann schickte er die Schüler ins Klassenzimmer. Er musste sich selbst abreagieren.

Die ganze Nacht war er in seinen Räumen auf und ab gegangen. Wie konnte er das nur zulassen. Hätte er nicht eingreifen müssen? Doch diese Fragen konnte ihm niemand beantworten.

Bevor Severus seine Räume verliess, blickte er in den Spiegel. Seine Gesichtszüge waren hart, seine Augen schwarz und undurchdringlich. Vielleicht war er ja wirklich so wie die, die diese Muggel gequält hatten. Vielleicht war er nicht besser als die, die dabei zugesehen haben und gelacht? Doch diese Gedanken durften nicht von ihm Besitz ergreifen. Wenn das passierte, würde kein guter Spion mehr sein. Er durfte nicht zweifeln, also straffte er die Schultern und betrat das Klassenzimmer. Zu seinem erstaunen sassen auch Potter und Weasley an ihren Plätzen.

Er nickte ihnen kurz zu, bevor die Prüfung begann.

Alle Schüler arbeiteten gewissenhaft und ruhig.

Erst am frühen Nachmittag war die Prüfung geschafft. Immer wieder hatte Harry geschwächelt. Doch Severus wunderte sich nicht. Er war eher erstaunt, dass er nach dieser Nacht bereits wieder hier war. Die Schüler verliessen das Klassenzimmer und zum Schluss sass nur noch Potter auf seinem Platz.

„Mr. Potter, ich wusste nicht, dass sie so gerne hier sind."

„Ich möchte mich entschuldigen Professor, für das was ich heute Nacht zu ihnen gesagt habe." Severus wunderte sich darüber. „Ich hätte ihnen mehr Respekt entgegen bringen sollen für das was sie für uns, für mich, tun."

„An ihrer Stelle hätte ich genau so reagiert, Mr. Potter. Und sie sind nicht der Einzige." Harry senkte den Blick. Als es an der Tür klopfte blickten beide auf. Die Tür wurde energisch aufgerissen.

„Mr. Potter, es ist unverantwortlich dass sie einfach aus dem Krankenflügel verschwunden sind, dass sie allerdings nicht auf schnellstem Wege zurück gekommen sind grenzt bereits an Wahnsinn. Sie werden mich begleiten, sonst zwinge ich sie dazu."

„Sie sind geflohen?"

„Nein Sir, ich musste meine Prüfung machen, schliesslich will ich Auror werden." Die Auroren waren die Einzigen die sich vom neuen Regime nicht unterbuttern liessen.

„Respekt Mr. Potter." Harry sah Snape verwundert an, liess sich aber gleichzeitig von Poppy aus dem Klassenzimmer ziehen.

Im Krankenflügel wurde Harry von Mme. Pomfrey nochmals durchgecheckt.

„Sie können zum Nachtessen in die Grosse Halle. Bei der kleinsten Verschlechterung ihres Zustandes erwarte sich sie wieder hier."

„Natürlich Mme. Pomfrey", sagte Harry und ging.

Als Harry in die Grosse Halle kam, sassen beinahe alle Schüler bereits dort.

„Hat sie dich wieder gehen lassen?"

„Ja, mit dem Üblichen."

Die Gryffindors folgten der Ansprache des Schulleiters nicht wirklich. Dirdra brannte darauf in den Raum der Wünsche zu kommen. Sie wollte mit ihren Freunden sprechen. Albus hatte kaum das letzte Wort gesprochen, als sie aufstand und aus der Halle ging. Sie wartete etwa eine Viertelstunde bevor die andern kamen. Sogleich fiel sie Harry um den Hals.

„Was ist denn passiert?"

„Du musst fürchterliches durchmachen, das tut mir so leid."

„Es ist in Ordnung. Ich werde auch dieses überleben. Du warst bei Snape heute Morgen, nicht wahr?" Die Gryffindors sahen Harry und Dirdra an.

„Ja, woher weisst du das?"

„Ich habe mit ihm gesprochen, nach den Prüfungen. Er sagte ich wäre nicht der Einzige der ihm etwas an den Kopf geworfen hat." Dirdra senkte den Blick.

„Ich habe ihn gefragt in wie weit er daran beteiligt gewesen war."

„Er hat die Familie zu retten versucht. Auch wenn er nicht verhindert hat, was geschehen ist, hat er doch versucht den Schaden in Grenzen zu halten."

„Ich weiss."

„Wie geht es dir so", fragte Harry nun.

„Es sind nur noch 17 Tage und ich habe Angst."

„Hast du schon einen Plan für das Ritual?"

„Nein, keinen Einzigen. Ich wünschte ihr könntet dabei sein. Ich könnte meine Freunde wirklich gebrauchen."

„Glaub mir, wir würden dich unterstützen wenn wir könnten, aber wir können nicht."

„Ich weiss. Der Garten im Manor wird voller Todesser sein, schrecklich."

„Hat Albus zugesagt?"

„Ja, hat er. Wenigstens werden am Altar die Leute stehen, denen ich vertraue."

„Dann musst du ja nur noch Draco dazu bekommen, unauffällig sein Blut auf den Ring zu schmieren", scherzte Ron.

„Sehr witzig."

Die Gryffindors verbrachten den Letzten Abend im Raum der Wünsche. Sie redeten darüber was sie machen würden, wenn der Dunkle Lord nicht existieren würde. Harry blieb dabei Auror zu werden und Ron würde eine Kariere in der Abteilung für magische Unfälle und Katastrophen anstreben.

Hermine war sich noch nicht sicher, entweder Heilerin oder doch Professorin. Dirdra war fest dazu entschlossen in der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit Fuss zu fassen. Vielleicht würde sie das auch tun. Schliesslich war ja ihr Vater jetzt Zaubereiminister. Es war lustig und sie redeten bis spät in die Nacht.

Als sie nach der Sperrstunde in den Gemeinschaftsraum kamen, wurden sie bereits erwartet. „Harry, Ron, Hermine, Ginny, wo ist Dirdra?"

„Woher sollen wir das wissen. Sie wird bei den Schlangen sein, fragen sie doch dort nach", entgegnete Harry kühle. Ausser Albus waren noch Dean, Seamus und Neville unten. Der Schulleiter schickte die drei Andern nach oben. Dann sah er Harry an.

„Sie kommt gleich", flüsterte dieser. Und schon ging das Portrait auf. Dirdra trat ein uns stockte in der Bewegung.

„Ist etwas passiert?", fragte sie vorsichtig.

„Nein Miss Malfoy, noch nicht. Harry, du und deine Freunde werden morgen von meinem Büro aus in den Fuchsbau flohen. Ich werde euch nicht mit dem Zug zurückgehen lassen. Miss Malfoy, sie sollten darüber nichts wissen", zwinkerte er ihr zu. Dirdra lächelte und nickte.

„Ich weiss nicht wovon sie sprechen, Professor." Dann wandte sie sich an ihre Freunde.

„Ich hoffe, dass wir uns wieder sehen. Ich hätte gerne viel mehr Zeit mit euch verbracht." Sie umarmten sich gegenseitig.

„Wir werden uns wieder sehen, Voldemort wird nicht gewinnen, das habe ich dir doch versprochen."

„Ich verlasse mich auf dein Wort, Harry." Ihr liefen Tränen über das Gesicht. „Ich wünschte wirklich ihr könntet dabei sein."

„Wir werden mit unsern Gedanken bei dir sein, Didi, das versprechen wir", sagte Hermine und drückte sie an sich.

„Du bist wirklich die Beste Freundin die ich je hatte, danke Hermine. Und verzeih mir das Schlammblut ja?" Hermine lachte.

„Natürlich du verzogener Snob."

„Ginny, pass auf dich auf. Vor allem wenn die drei da nach den Ferien nicht mehr hier sein werden."

„Versprochen Didi."

„Ron, pass auf unsern Helden auf. Du machst das echt super."

„Sicher mach ich das super, ist ja auch schon mein siebentes Jahr als Kindermädchen." Die Gryffindors lachten. Auch Ron wurde umarmt. Dann straffte Dirdra die Schultern.

„So und jetzt verschwindet, St. Potter, Blutsverräter und Schlammblut, geht mir aus den Augen." Ihr Ton war kalt, herrisch und überheblich. Die vier Gryffindors verzogen sich in ihre Schlafsäle.

„Haben sie sich gut überlegt, bei meiner Hochzeit die Zeremonie durchzuführen? Das ist eine Falle, das muss ihnen doch klar sein."

„Es ist mir durchaus Bewusst, dass es eine Falle sein wird. Aber ich denke sie brauchen jede Unterstützung die sie bekommen können um ihren Plan auszuführen."

„Meinen Plan? Wenn ich einen hätte Professor."

„Oh, sie haben einen, glauben sie mir." Der Schulleiter zwinkerte ihr zu und verliess den Gemeinschaftsraum. Zurück blieb eine verdutzte Dirdra Malfoy.

Als Didi in den Schlafsaal kam, schliefen die Andern bereits. Sie zog ihr Nachthemd an und legte sich ins Bett. Doch schlafen konnte sie nicht wirklich.