Disclaimer: Nichts ist mein.
Mein Dank gilt Nemea, ohne die diese Übersetzungsaktion längst abgebrochen wäre. Und den Pfingstferien, die mich so herrlich langweilen, sodass ich endlich wieder Zeit in Massen habe.
Through the Door We Never Opened
Eine Geschichte über Freundschaft und Liebe
Verasilyn
Das ist das menschliche Leben. Wir werden auf diese Welt geweht; wir treiben kurz Zeit schwimmend durch die Sommerluft und zeigen selbstzufrieden die Anmut unseres Körpers und unsere anmutig glänzenden Farben; dann verschwinden wir mit einem kleinen „puff" und hinterlassen nichts als eine Erinnerung – und manchmal nicht einmal das. Ich glaube, dass zu jenen ernsten Zeiten, wenn wir in den Tiefen der Nacht aufwachen und darüber nachdenken, dass es niemanden gibt, der willig ist zuzugeben, dass er wirklich nur eine Seifenblase ist.
- Mark Twain
Es gibt nur eine Sache in dieser Welt die schlechter ist als darüber zu sprechen, und zwar schweigen.
- O. Wilde
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Chapter 1:
Von der Tücke des Fensters
Remus Lupin würde von einem Außenstehenden als absolut durchschnittlich bezeichnet werden.
Die Tatsache, dass er verheiratet war, machte es einfacher zu übersehen, dass er ein heimatloser Vagabund war – erst Recht, weil er gut aussah und wir es immer irgendwie geschafft haben, ihn zu ignorieren oder zu kritisieren, dass wir nicht an ihn rankamen, schon von jeher. Seine Entscheidung, eine nicht gerade respektierte Frau mit unanständigem Haar zu heiraten trug nicht unbedingt zu seinem Ansehen bei – nicht geachtete Frauen waren schon immer ein Zeichen von Übel. Sein Mangel an Familie machte ihn abhängig vom Mitleid anderer – das war schon lange so. Seine dauernde Arbeitslosigkeit hingegen machte nur einen weiteren erfolglosen Mann im Leben aus ihm – und doch geschah das nie; so war es, ist es und so wird es immer sein.
Seine Nachbarn hatten ihn längst vergessen; ihn zu vergessen ist viel leichter als sich daran zu erinnern, dass es einen Mann mit sandbraunem Haar und grauen Augen gab, der in der Nähe wohnte.
Wären
seine Nachbarn gefragt worden, ob es einen Remus Lupin in der Gegend
gäbe, dann hätten sie dies alle bestätigt, und in
ihrer Stimme wäre Lob und vielleicht Bewunderung mitgeklungen.
wären sie jedoch nach den Namen der Menschen in der
angrenzenden Gemeinde gefragt worden, wäre sein Name für
immer außer Reichweite geraten, nur ein Wort, das der Zunge
entflieht.
Natürlich war er normal.
Er hatte keine entfernten Verwandten mit viel Geld und ohne Erben, die plötzlich einem mysteriösen Tod erlagen und ihm ein kleines Vermögen hinterließen. Er entdeckte keine Schätze in einem namenlosen Land, in dem er versuchte, eine schöne Jungfrau aus dem Klauen eines entsetzlichen Drachen inmitten der Wildnis zu retten. Er war nicht erpresst und gezwungen worden, seine Frau zu heiraten (obwohl seine Nachbarn dies sicherlich gemocht hätten), und leider, leider kannte er auch keine Prinzessin aus einem weit entfernten Land, die er liebte, seit er sie bewusstlos auf seiner Türstufe gefunden und mit liebevoller Fürsorge gesund gepflegt hatte, und die nun einen schrecklichen, gewaltsamen Tod gestorben war.
Remus Lupin war trotz seines guten Aussehens und seines Humors nur ein weiterer gutherziger, geistreicher und scharfsinniger Mann, der eigentlich, wäre es gerecht zugegangen, viel Geld haben und sich einen Namen machen sollte. Er war es ganz einfach nicht. Ich frage mich, warum.
Was ihn angeht gibt es nichts, worin du deine Nase stecken könntest – verschwende diese Energie lieber für jemand anderen, jemanden, der interessanter ist.
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Derselbe Remus Lupin, von dem wir eben gesprochen haben, saß hinter einem Fenster vor etwas, das wohl ein Schreibtisch sein sollte und hielt verblichenes Papier und einen Stift in der Hand, der schon bessere Zeiten gesehen hatte.
Der Mann war wohl in den Dreißigern und sah sehr gebildet aus, doch er trug keine Brille. Die Augen unter den dunklen Augenbrauen waren grau, ein grau, das sich nicht bestimmen ließ, das keinen Namen hatte. Es war zu sanft für stürmisches grau, zu dunkel für perlgrau, zu geschützt und nüchtern für silbergrau und zu sensibel und realistisch für rauchgrau – vielleicht war es eher aschgrau: düster, ausdruckslos, einst voll Feuer und nun tot.
Das helle braune Haar, einst ordentlich, geschmeidig und elegant, war gebleicht und nun flachsblond, der Glanz war verloren. Sein Gesicht war jung, für sein Alter jedoch schon zu gezeichnet, er tippt mit dem Stift immer wieder gegen die gerade Nase und seine Augenbrauen berührten sich in Konzentration.
Remus war jung, und doch alt.
Er schrieb weiter, ohne die fallenden Dunkelheit zu beachten und hoffte, einen Moment des Trostes zu finden, inmitten der Welt des Vergessens, die seiner Feder entfloss.
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Die knochige kleine Kreatur schlich mit flinken, leichten Bewegungen die Straße hinunter.
Leute hatten ihn Wichtel, Fee, Teufel, Kobold oder Geist genannt, und all diese Namen, die in verschiedenen Kulturen früher oder später erschaffen worden waren, waren für ihn allein geschaffen. Aber in Wahrheit war er nur ein einfacher Unruhestifter in seinen zerschlissenen Klamotten und mit seinen großen Augen von so intensivem blau, dass man es nicht mehr himmelsblau nennen konnte, denn der Himmel verlor seine Farbe im Vergleich zu diesen Augen. Er war ganz einfach jemand, der Kräfte besaß, die ihn bei jeder Laune oder Idee unterstützten.
Es – oder vielleicht sollten wir doch „er" sagen, um Respekt zu zeigen – kroch und kroch und hielt erst an, als er die Vorderseite eines düsteren, schäbigen und etwas schiefen Hauses erreichte, das an einer dunklen Gasse gelegen war und auf eine untypische Weise sauber wirkte.
Die Steine erzählten ihm, dass es im Inneren Hunger und Not gab. Die Mauern berichteten ihm von einem Mann, der wünschte und doch nie richtig hoffte. Die Vorhänge verkündeten, dass der Mann, der dort drinnen wohnte, vor anderen Menschen immer lächelte, wenn er eigentlich weinen wollte, immer leise sprach, wenn er eigentlich nichts mehr wollte als zu schreien und Dinge versprach, an die er selbst nicht glaubte.
Die Scheibe sagte in einer leise flüsternden Stimme, dass er nicht mehr nach seinem nächsten Opfer suchen musste.
Die Kreatur – sie wurde gerne Laskyr genannt, weil das originell und geheimnisvoll klang – grinste: seine Magie war stärker als die der Zauberer, denn was sie praktizierten war nicht mehr als eine vereinfachte, gespaltene Version wahrer Magie. Sie haben es nie verstanden, zu der Natur zu sprechen, ihr zu sagen, was sie tun wollten; sie haben nie die Befriedigung erfahren, die er verspürte, wenn ihm etwas ohne ein einziges Wort gelang; sie haben die Bedeutung des Kommunizierens nie verstanden; sie wollten sie allerdings auch nie wirklich verstrehen.
Es war Magie – das war alles, was sie wussten und auch alles, was sie wissen wollten.
Aber was für eine Magie?
Woher kannten die Objekte, die sie bewegten, die Absicht der Zauberer? Sie wussten nicht einmal was ihre Zauberstäbe bedeuteten, mal abgesehen davon, dass man damit herumfuchteln konnte.
Erbärmlich, dachte der Laskyr. Und am erbärmlichsten war der Mann, der zum Fenster hinüberging, das ihn eben als einziger nicht verraten hatte. (Sei nicht sauer auf das arme Fenster – ein halbes Jahrhundert lang hat niemand mit ihm gesprochen. Würdest du nicht auch ein wenig Abwechslung wollten, nachdem man dich so lange Zeit nur geöffnet hat, damit du die Sonne abhältst oder geschlossen, damit du von Regentropfen geschlagen wirst, die nie gut auf Fenster wie dich zu sprechen waren?)
Der Laskyr krümmte einen dürren Finger und eine leichter Wind kam auf, der stärker und stärker wurde, bis er das Blatt, auf dem der Mann eben geschrieben hatte, aus dem Fenster wehte, das ein wenig zurückschwang, als wolle es dem Wind Platz machen.
Er grinste wieder, als er sah, wie der Mann verzweifelt versuchte, nach dem Blatt zu greifen. Das Blatt jedoch entfloh ihm in einem kleinen Windstoß und so blickte der Mann betroffen seiner Arbeit nach, die vom Wind fortgetragen wurde, wohin der Wind wollte.
Der Mann ließ sich auf seinen Stuhl sinken und vergrub das Gesicht in den Händen, was den Laskyr noch breiter grinsen ließ – ein mitleidloses Lächeln, aber nicht grausam. Der Lascyr hatte in seinem nahezu unsterblichen Leben das gesamt Leiden der Menschheit gesehen. Er suchte nur nach Vergnügen, nach Abwechslung, indem er mit den Leben anderer spielte.
Was wollte der Mann? Wieder fragte er die Fensterscheibe, weil er wusste, dass sie der offenste Teil dieses Hauses war.
Ein Wunder, antwortete das Glas und kicherte in seiner eigenen Sprache. Ein Wunder, das all diese Jahre voll Kummer von seinen Schultern nehmen kann. Wieder ein ausgelassenes Kichern. Gönn ihm das Wunder: Er ist ein guter Herr! Er putzt mich oft...
Meine lieben Leser, hier sehen sie, dass das Glas im Grunde gar kein Verräter ist.
Ich werde es ihm verschaffen, versprach der Laskyr mit einem Nicken und grinste. Er dachte an die Art und Weise, auf die er ihm das Wunder zu erfüllen gedachte. All das und noch mehr!
Je länger der Laskyr über seinen Plan nachdachte, umso fröhlicher wurde er. Seine eigenen Brillianz entzückte ihn. Oh ja, er würde diesem Mann nicht nur all die Jahre von seinen Schultern nehmen, sondern seine ganze Welt. Er wird sein ganzes Leben noch einmal an sich vorbeiziehen sehen, all das noch einmal durchleiden.
Wie genial!
Der Laskyr klatschte in die Hände vor Freude, die trockenen Knochen in seinem Körper schlugen aneinander, als er sich im Freudentaumel drehte. Die Idee, der Mann könnte irgendetwas unternehmen, um zu verhindern, dass sein Leben in seinem ganzen Elend noch einmal an ihm vorbeilief, kam ihm nicht.
Wie du siehst, er war wirklich nur ein Unruhestifter, der gut über Magie unterrichtet war, und vor allem war er nicht der Beste in seinem Fach. Aber noch wusste er dies nicht, und so fuhr er fort, wie in Ekstase zu tanzen.
Er schnippte mit dem Finger und die Welt schien ein kleines bisschen zu verwackeln, ein bisschen aus dem Rahmen zu geraten, wie es schlechte Filme im Fernsehen manchmal tun und für den Bruchteil einer Sekunde war die Welt in zwei Schichten geteilt, beide genau gleich, beide ein bisschen zu wenig stabil und klar, um zusammen zu passen.
Der Laskyr verschwand.
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