Disclaimer: Nichts ist mein.
Nemea: Ich hör nicht gern auf mit Dingen, die ich mal angefangen habe, es dauert höchstens gelegentlich etwas länger flöt Auf jeden Fall schön, dass du da bist :- )
Through the door we never opened
Eine Geschichte über Freundschaft und Liebe
Verasilyn
Dieses Leben ist nicht fair und die Engel, die du brauchst, sind nie da.
- Courtney Love
Wenn das Leben dich betrügt, sei nicht enttäuscht und beunruhigt. An melancholischen Tagen ist Gelassenheit erforderlich. Glaube daran, dass Freundlichkeit kommen wird. Sehne dich danach, dass es vorübergeht, und alles wird vorbei sein. Vergangene Dinge werden angenehme Erinnerungen sein.
- Pushkin
Die Menschen sind das, was wir von ihnen in Erinnerung behalten. Was wir Leben nennen ist letzten Endes ein Patchwork aus den Erinnerungen anderer. Mit dem Tod wird es aufgetrennt und endet schließlich in chaotischen, unzusammenhängenden Bruchstücken.
- Joseph Brodsky
Kapitel 2:
Ein geschützter Hinterhof voller Pilze
„Es gibt da draußen andere Mächte als den Teufel, aber das heißt nicht automatisch, dass sie alle gut und gerecht sind."
Dies war die erste Lektion des Lebens, die man lernen sollte, hatte Sirius ihm eines frühen Morgens im Grimmauld Place erzählt. Sirius war ziemlich düster drauf und erinnerte mehr an den flüchtigen Askabaninsassen als, na ja, Sirius im Normalzustand. Er sprach den Satz weniger aus als dass er ihn ausspuckte, nachdem er einen Blick auf das lächelnde Gesicht von Remus Lupin geworfen hatte, der ihn eben begrüßte (Achtung, universelle, allgemein gültige Wahrheit: Wenn Sirius lacht, dann lächelt Remus)
Remus hatte mit einem weiteren Lächeln abgewunken. Es war zu früh am Tag für philosophische Diskussionen, die Sonne war gerade erst aufgegangen und die Vögel zwitscherten fröhlich – selbst in einem bedrohlichem Haus wie das der Blacks hatte Remus Mühe, an einem Tag wie diesem bedrückt zu sein.
Später jedoch war Remus näher auf diesen speziellen Kommentar eingegangen als alle anderen.
Noch war es einfach ein gewöhnlicher Morgen voller Sonnenschein und fröhlichem Vogelgezwitscher, und noch hatte Remus nicht gelernt, dass er morgens wahrscheinlich genauso unglücklich war wie am Abend. Noch dazu war es ein Montagmorgen, und jeder weiß, dass Montagmorgen, ganz gleich wie schön das Wetter ist, das Synonym für Elend sind.
Lasst uns etwas über Remus besprechen bevor wir uns genauer mit diesem Montag befassen.
Remus war unglücklich genug darüber, ein Werwolf zu sein, falls irgendjemand das wissen wollte, woran er zweifelte. Er hatte jedoch keine Bedenken, dies hier niederzuschreiben, weil unausgesprochene Geheimnisse dazu neigen, immer größer und größer zu werden, bis sie dich vollkommen ausfüllen und irgendwann explodieren, ein Ereignis, das nicht zu verachten wäre – eine weitere schmerzvolle Lektion, aber das ist eine andere Geschichte.
Er verdiente seinen Lebensunterhalt mit seinem Dasein als Professor und Teilzeitautor, unter verschiedenen Pseudonymen, versteht sich (Werwölfe hatten noch nie einen besonders guten Ruf in der Literatur – in jedem anderen Bereich auch nicht, um genau zu sein). Er war nie so arm, dass er nicht gelegentlich in einem nahegelegenen Restaurant hätte essen gehen oder sich ein paar Bücher hätte kaufen können, um sie abends im Bett zu lesen. Er konnte sich die Dinge leisten, die normale Menschen gerne tun, und die Nachbarn glaubten es. Er musste lediglich ein wenig sparsam mit seinem Geld umgehen, darauf achten, dass die Miete für sein Haus nicht zu viel kostete, und ja, er sparte an seiner Erscheinung – Äußerlichkeiten waren ihm ganz einfach nicht wichtig genug.
Nun, da wir die äußeren Umstände seiner Situation einigermaßen gut kennen, können wir uns weiter mit diesem Montagmorgen beschäftigen: eine weitere Woche, ein weiterer Anfang, ein weiterer Start... nur nicht so besonders frisch.
Montag, und noch dazu ein Tag, an dem alles wiedermal zusammenbrach, und das ohne ersichtlichen Grund oder Querverbindung. Ein Tag, an dem er einfach kein Glück haben wollte. Ein Tag, der Remus einmal mehr daran erinnerte, dass sein Leben ein Trümmerfeld war.
Es begann schon, bevor er überhaupt aufgestanden war. Tonks war längst zur Arbeit gegangen, wie jeden Tag – Remus vermied es so oft wie möglich, sie zu sehen.
Er wollte nicht aufwachen und seinen Körper wieder dem natürlichen Bewusstsein ausliefern. Okay, es hatte dreißig Grad, sogar innerhalb des Hauses (zweifelsohne eine angenehm kochende Temperatur, um aufzuwachen), er hatte die Klimaanlage nicht installiert, aber diesem neuen Tag ins Gesicht zu blicken war trotzdem nicht schön.
Dann kam das Frühstück.
Beinahe jeden Morgen flogen ein bis zwei Spatzen an sein Fenster– und nein, er fütterte sie nicht. Er hatte kaum genug Essen für sich selbst. Nenn ihn grausam, aber er sah nie einen Sinn darin, seine letzten Krümel Brot den Vögeln zu überlassen – sie konnten sich schließlich ein paar pikante Würmer suchen (obwohl Spatzen eigentlich gar keine Würmer mehr fressen) während er hier verhungerte.
Nicht, dass irgendjemand sich hier noch beklagen möchte.
An diesem Tag jedoch flog ein Schwarm kleiner Vögel zu seinem Fenster und knallte dagegen, und nun, ganz gleich wie hungrig Remus war, ertrug er es wirklich nicht mehr, diese armen, unschuldigen Kreaturen in den Tod fliegen zu sehen, und so öffnete er das Fenster.
Sie flogen alle hinein, und was einmal sein Frühstück gewesen war, war verschwunden.
Und wessen Schuld war das? Remus nahm sich vor, früh zur Arbeit zu gehen. Dann stolperte er jedoch auf seiner eigenen Treppe und zog sich einen fiesen Schnitt zu, der eine Narbe hinterlassen würde. Beim Mittagessen riss er sich den Ärmel auf, aber er hatte für einen dreißigjährigen Mann erstaunlich gut nähen gelernt. War ja auch notwendig, schließlich konnte er sich weder neue Klamotten noch einen Schneider leisten.
Er konnte fast alles ertragen, solange es sich um kleine tägliche Missgeschicke handelte; aber es gab eine Sache, die ihn seit fünfzehn Jahren täglich heimsuchte, und die war ihm unerträglich.
Ironie, würdest du sagen?
Als er gerade keinen Unterricht hatte, machte er einen kleinen Mittagsschlaf. Nur zu Ihrer Information, er war ein normaler Lehrer an einer normalen Londoner Universität, nur eben mit einer nicht ganz normalen Persönlichkeit. Er unterrichtete klassische Mythologie und Volkskunde – was sonst?
Aber zurück zu diesem furchtbaren Tag in seinem furchtbaren Leben.
Er hatte einen wunderbaren Traum geträumt: er träumte von einer schönen kleinen Lichtung an einem Fluss, umgeben von dunklem Wald, aber in dem Fluss floss kein Wasser, sondern süß riechende Schokolade. Er sah den Vollmond mit menschlichen Augen. Die tiefschwarze Dunkelheit teilte sich, und ein Mann erschien, der ihm graziös die Hand hinhielt, lächelte und ihn dazu bringen wollte, ihm die schattige Straße hinunter zu folgen...
Dann erwachte er.
Das schmerzhafteste, was es gibt, ist nach einem Traum zu erwachen und keinen Ort und keine Heimat zu haben.
Remus Lupin hatte keine Heimat.
Schließlich machte er einen Spaziergang in dem Hinterhof der Schule – Wickliffe Schule zur Erziehung vornehmer junger Damen und Herren, gegründet 1930.
Dieser Hof war eine Wildnis, vollkommen ungepflegt, Unkraut wuchs in den Blumenbeten, das Rosmarin und Geißblatt einengte; eine mickrige Entschuldigung für wilde Gänseblümchen, die hier anstelle von Nelken und Rosen wuchsen. Die Pappeln und Weiden wuchsen so mächtig wie eh und je, wilde Pilze in Mengen, manche giftig, manche essbar, die sich die Baumstämme klammerten.
Der Hinterhof war Remus nicht fremd – er war die moosbedeckten Wege schon entlanggegangen, als sie noch gar nicht moosig waren, viele Jahre war das her, als der stumme Gärtner noch gelebt hatte. Er sammelte die Pilze (nur die essbaren – er war gegen Selbstmord) wenn ihn niemand dabei sehen konnte (Armut mochte sein Vermögen mindern, niemals aber seine Würde).
Heute jedoch war er nicht hier, um Pilze zu sammeln (sein Vorrat war noch gefüllt – frisch, getrocknet, gepresst, gebraten, gesalzen, all das war in seinem Vorratsraum; wirklich faszinierend, was man mit so langweiligen Dingen alles tun konnte) sondern um den Kopf frei zu kriegen. Der Traum verfolgte ihn.
"Ich hoffe, du kannst mich hören, Sirius – du hast immer einen Weg gefunden, das Unmögliche zu tun und die Regeln zu verändern," murmelte er leise, obwohl niemand in seiner Nähe war, mal abgesehen von einem Baum – okay, es war ein Baum, den er besonders gern mochte, aber trotzdem, es war ein Baum. Nur Verrückte sprechen zu Bäumen und ähnlichen Dingen, die nichts andere tun, als ihren Kopf im Wind zu neigen.
"Mit uns zu gehen war die zweitschlechteste Entscheidung, die du je getroffen hast… ich wünschte,…"
Das Schnippen der Finger des Laskyrs war wieder da, das scharfe Geräusch schien ein Echo in diesem Hinterhof nach sich zu ziehen, ein bisschen zu hoch, um von Menschen wahrgenommen zu werden. Und Remus war, Wolf hin oder her, immer noch ein Mensch.
Das Lachen der Kreatur hätte man beinahe hören können, obwohl er selbst weit, weit weg war, vielleicht in einer anderen Dimension, einer anderen Welt, einer anderen Zeit.
"Ich wünschte, ich könnte alles ändern…", seufzte er und ging weiter über den Hinterhof. „Ich wünsche mir das Wunder, auf dass ich all die Jahre gehofft habe..."
Der Garten war kleiner gewesen in seiner Erinnerung und weniger wild.
Hätte irgendjemand darauf geachtet, dann hätte er einen hellen Funkenschimmer gesehen, der auf die Pflanzen fiel, der sie in einem Wind schaukeln ließ, der gar nicht da war und der sie niederdrückte, als würde eine unbekannte Kraft auf ihnen lasten.
Aber leider tat das niemand.
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Ein Suchtrupp war auf die Suche nach ihrem Lehrer geschickt worden – ein ziemlich kleiner Suchtrupp – aber dieser wurde so schnell wieder abgebrochen, wie er begonnen hatte. Wer weiß schon, warum er einmal von seiner gewohnten Routine abwich? Aber was auch immer der Grund dafür war, sei es wirklich eine Laune des Laskyr gewesen, eines Geschöpfes der Zeit, oder ein höheres Wesen, das uns alle überwacht, es ist egal. Sicher ist, dass er weggerissen wurde wie ein junger und zarter Baum, der brennenden Sonne, dem starken Wind, dem prasselnden Regen und der düsteren Nacht gnadenlos ausgeliefert, allein und vergessen.
Er war vollständig vergessen worden, ohne die kleinste Spur, die auf der Welt zurückblieb, auf der er gelebt hatte. Niemand empfand Reue.
Manche, wie beispielsweise Molly oder einige andere Mitglieder des Phönixordens, würden ein paar Tränen für ihren Professor und Mitarbeiter vergießen, aber niemand würde sich wirklich an Remus erinnern, würde sich wirklich mit seiner Erinnerung befassen, wenn erst die Tage des notwendigen Trauers vorüber waren.
Natürlich würde Tonks sich die Augen aus dem Kopf heulen, aber sogar sie würde nach einer Weile einfach weitermachen.
Die wahre Tragödie war, dass der Laskyr die Hand nicht im Spiel hatte, was das anging.
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