Disclaimer: Nichts ist mein.
Ü./N.:
Ich hoffe sehr, es geht weiterhin so schön schnell. Im
Moment habe ich den guten Vorsatz, jeden Freitag ein Kapitel
hochzladen... Mal sehen was daraus wird...
Die Zahl der Reviewer
hat sich verdreifacht : -) Das ist doch mal was.
PadBlack: Danke, und schön, dass du da bist.
Nemea: Ja, worauf das hier rausläuft wüsste ich auch ganz gerne... Danke auf jeden Fall. Vielleicht findest du ja irgendwo in diesem Kapitel aufschlussreiche Informationen.
Nyella: DANKE für dieses Review :-) Freut mich natürlich, dass du es grandios findest, und ich hoffe, du leidest wegen mir jetzt nicht an Schlafentzug... (ich glaube, man kann diese Geschichte nicht vollständig verstehen, man muss einfach etwas interpretieren...)
Through the Door We Never Opened
Eine Geschichte über Freundschaft und Liebe
Verasilyn
"Du kannst nicht zweimal in den selben Fluss springen, denn es fließt immer anderes Wasser darin"
- Heracleitus
„Beende jeden Tag mit Zufriedenheit. Du hast getan, was du konntest; ein paar Fehltritte und Absurditäten sind dir unterlaufen; vergiss sie so schnell du kannst. Morgen ist ein neuer Tag, du solltest ihn heiter beginnen und dich nicht mit altem Unsinn belasten."
-Ralph Waldo Emerson
„Manchmal geschehen Wunder, aber man muss verdammt hart dafür arbeiten."
- C. A. Weizmann
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Kapitel 3:
Tief in den Wäldern
Remus ging immer und immer weiter, bis er sich sicher war, dass irgendetwas nicht stimmte – der Hinterhof dieser Schule konnte nicht so groß sein! Er hatte furchtbare Kopfschmerzen. Seine Sicht verschwamm, er glaubte, Geister zu sehen, Hunderte, vielleicht sogar Tausende davon. Sie waren einander ähnlich und doch alle unterschiedlich, vor seinen Augen flimmerte es, bis er nicht mehr anders konnte als die Augen zu schließen.
Dann bemerkte er, dass seine Glieder schmerzten – ein dumpfer Schmerz, der seine Nerven zucken ließ. Er hatte die Augen so fest zusammengekniffen, dass er für einen Moment glaubte, er könne sie nicht mehr öffnen und würde nie wieder etwas sehen.
Gelächter erklang in seinen Ohren – vertraut klingendes Gelächter und bellendes Lachen – das Geräusch tat in seinen Ohren weh, aber was noch viel mehr wehtat, war sein Herz – dieses Lachen würde er nie wieder hören.
Irgendwann ging es vorbei, aber der brennende Schmerz seines Körpers hielt an. Lediglich die Kopfschmerzen schwächten ein wenig ab, nur ganz wenig, aber es war genug, um ihn dankbar zu machen – was nicht viel bedeutete in diesen Jahren – und etwas tief in ihm entstehen zu lassen, was ihm nicht willkommen war – Hoffnung. Sein Herz kannte dieses Gefühl aus einer Zeit, die lange vorbei war, auch wenn er sich das nie eingestehen würde – würde er nicht hoffen, dann gäbe es keine Enttäuschungen mehr und niemand würde ihm mehr so wehtun.
Plötzlich verschwand der Schmerz aus seinem Körper, seinem Kopf, das Schwindelgefühl klang ab und ließ eine Helligkeit zurück, die ihn blendete und seine Beine weigerten sich standhaft, ihm zu gehorchen.
Nachdem sich seine Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten und er wieder etwas sehen konnte, nahm er seine Umwelt erst verwundert, dann misstrauisch war. Schließlich kehrte der Schwindel zurück, in seinem Kopf schien es zu summen, zu brummen und auf eine schreckliche Weise fröhlich zu surren.
Überall um ihn herum waren Bäume – nicht die kleinen Pappeln und Weiden, die empfindlich und geschützt in London wuchsen. Das hier waren alte Bäume, älter als man sich vorstellen konnte. Sie waren zu hoch, dunkel und dick als dass ein gewöhnlich Muggelschulhof sie hätte aufnehmen können; Magie schwirrte umher, eine widerspenstige, zügellose Magie vom Anbeginn der Zeit.
Kein Geräusch war zu hören, abgesehen von dem gelegentlichen Knistern eines herabfallenden Blattes in der stillen Luft, es gab kein Gewisper, keine Bewegung, die die Zweige berührte.
Remus hatte jedoch das unangenehme Gefühl, dass jemand ihn voller Missfallen anstarrte, mit Missfallen, das sich zu Abscheu steigerte und schließlich zu wahrer Feindseeligkeit wurde. Das Gefühl wuchs immer weiter an, bis er nach oben sah oder sich nervös über die Schulter blickte, als erwarte er einen plötzlichen Wind in der kühlen Luft.
Es gab nicht das geringste Zeichen eines Weges, die Bäume schienen überall den Weg zu versperren.
Trotzdem waren Remus die Wege des Waldes vertraut, es musste der Wald sein, der ihm nur zu gut bekannt war… es gab keinen anderen Wald in ganz England, durch den so viel unbeherrschte Kraft wehte, und er befand sich doch wohl nicht außerhalb von England?
Nein, dachte er, als er sich seinen Weg durch all die Bäume bahnte, das hier muss der Verbotene Wald sein.
Es blieb nur eine Frage: Wie kam er hierher? Remus fragte nicht nach dem warum, denn ein warum konnte nie vollständig beantwortet werden. Nicht seit seinem neunten Geburtstag zumindest.
Langsam folgte er den gelegentlichen Sonnenstrahlen, die durch die schwere Waldkrone drangen, doch die Sonne gab keine Wärme in diesem viel zu kalten Frühling. Irgendwann fand er seinen Weg aus dem Labyrinth heraus.
Er hätte schwören können, dass die Bäume ihre eigenen Stimmen und ihren eigenen Willen hatten.
Wenn Sirius da gewesen wäre, dann hätte er eine witzige Bemerkung darüber gemacht, dass der Verbotene Wald der einzige Ort in ganz England war, an dem die Natur das lebhafteste und lebendigste war, begierig danach den Menschen zu zeigen, was sie vergessen hatten. Das war der Grund, warum Hogwarts in seiner Nähe erbaut worden war, obwohl man ihn ohne Genehmigung natürlich nicht betreten dürfte.
Es gab eine Theorie, die Sirius einmal in einem Buch der Schwarzen Bibliothek gefunden hatte. Remus hatte nie auch nur ein Wort dieser Theorie geglaubt – alle Blätter flüsterten dem Regen zu, der Regen wiederum erzählte es dem Sonnenlicht, das es für den Fluss wiederholte, der das Geflüster zum Schilf am Flussufer trug, dann in einen See, und immer so weiter.
Remus sah einen See vor sich, bevor er auch nur bemerkt hatte, dass er den Wald verlassen hatte.
Das
Wasser des Sees war dunkel und undurchsichtig, der Grund tief und die
Oberfläche von einer verführerischen Stille. Dieser See war
die Heimat vieler Wasserkreaturen. Seejungfrauen, die sich nie aus
den Tiefen herausgewagt haben; eine Hydra, die trotz ihrer vielen
geschuppten Köpfe und ihrer grausamen Zähne lethargisch und
freundlich war; Schildkröten, die einem die wunderbarsten
Geschichten erzählten, wenn man geduldig genug war, ihrer
langsamen Sprache zu lauschen; die magischsten von allen jedoch waren
die Limnatides –ein See der Najaden. Najaden sind nicht das, was
sich die meisten Muggel darunter vorstellen – sie sind dunkle
Kreaturen und stehen in Verbindung zu allem, was geheim ist. Sie
ernähren sich von verlorener Hoffnung, verlorenen Träumen
und der verlorenen Kinder verlorener Seelen.
(Anm. d. Über.
Für alle, die jetzt auf Anhieb nicht wissen, was sich Muggel
unter Najaden vorstellen: Das Ganze stammt aus der griech.
Mythologie, Najaden sind Nymphen, die über Seen, Flüsse,...
herrschen. Ihre Gewässer besitzen angeblich magische Heilkräfte.
Trocknet der See aus, sterben sie. Limnatides sind die Nymphen, die
über Seen herrschen. Faszinierend, finde ich.)
Rein theoretisch gesehen ernährte Remus sie ganz hervorragend, denn er hatte all das verloren.
Er
ging ein Stück und beobachtete das Wasser – bewegungslos,
bildlos und absolut ruhig. Um die Dunkelheit und Stille zu
durchbrechen streckte er eine Hand aus und strich über das
Wasser, was ein leichte Kräuseln verursachte. Tiefer Gesang
ertönte – der Gesang der Najaden, die mit einer Stimme
sangen, die sie von den Sirenen gestohlen hatten.
(Anm. d. Übers.
Sirenen sind, wie ihr wahrscheinlich wisst, griech. Fabelwesen, die
durch ihren Gesang Schiffe anlocken, um diese dann zu versenken.)
Für einen winzigen Moment war die Oberfläche durchbrochen von kleinen Kreisen sich kräuselnden Wassers, das glänzte und spiegelte. Dann verwandelte sich die Oberfläche zurück in ebenholzschwarzes Glas.
Diese Millisekunde hatte genügt.
Remus glaubte, etwas dort unten gesehen zu haben, jemanden mit aufgerissenen grauen Augen... war es nur das Wasser, oder war in diesem grau tatsächlich noch ein wenig grün gewesen? Diese Augen, sie waren so jung, so sprühend vor Energie, so vertraut...
Er musst sie einfach noch einmal sehen.
Und so streckte er die Hand hinunter, um ein weiteres Kräuseln der Oberfläche zu verursachen und während dieses Kräuselns schnellte weit entfernt ein nasser Kopf hervor, ein Kopf mit mahagonisdunklem Haar, vermischt mit blond und rot, das über Augen von zartem Aquamarin fiel. Eine schwimmhäutige, schuppige Hand klatschte auf das Wasser, sein blasses, blaugrün-gestreiftes weizenfarbenes Gesicht schmolz zurück in das Wasser, aus dem es eine Sekunde zuvor erschienen war.
Das wahre Gesicht der Limnatides aber war weder die Form, die Remus sehen wollte, noch war es die Form, die er gerade angestarrt hatte.
Er hatte die Form gesehen, die ihm bestimmt war zu sehen, und das dämmerte ihm. Das Wasser hatte ihn ausgetrickst, es waren nicht Sirius bezaubernde Augen gewesen... die Erkenntnis ließ ein schiefes Lächeln auf seinem Gesicht erscheinen, und eine Hand tauchte auf, die ihm durchs Haar streichen wollte, während er aufstand, um das Schloss zu sehen, dass nicht weit entfernt von diesem See war.
Diese Augen gehörten zu dem Gesicht eines Jungen mit glänzendem sandbraunem Haar, das ihm ins Gesicht fiel. Das Gesicht gehörte einem elfjährigen Remus Lupin.
Jeder andere hätte vor Überraschung aufgeschrieen, jeder andere hätte in Verzückung getanzt, aber nicht so Remus Lupin. Er hatte vor langer Zeit aufgehört, über Dinge geschockt zu sein, die ihm das Leben antat… außerdem glaubte er zu träumen, wie er es so viele Male zuvor getan hatte, und diese Träume verfolgten ihn länger, als es ihm lieb war.
Wie betäubt ging er weiter und lief einen schmutzigen Weg entlang, auf dem er bereits zahllose Male gewandert war...
Das Schloss war noch immer so majestätisch und eindrucksvoll wie an diesem Tag vor vielen, vielen Jahren, als er es zum ersten Mal erblickt hatte. Oder war es doch erst gestern? Es lag an ihm, das herauszufinden...
Diese Augen… er wurde sie einfach nicht los… diese Augen… zwei Augenpaare, mal unscharf, mal blendend... er war sich nicht sicher, an welches Augenpaar er dachte... er hatte nie gewusst, dass seine Augen so viel Temperament enthielten! Waren die Augen des dreißigjährigen Remus ganz einfach abgenutzt? Oder lag es daran, dass er sich mehr als an seine eigenen ständig an James energiegeladenen Augen erinnerte, obwohl diese von etwas trüben haselnussbraun waren. Auch Sirius Augen sah er lebendig vor sich, und sie sprühten nur so vor lachenden Funken... bis nach Askaban, versteht sich.
Er hatte gerade damit angefangen, die Funken zurückzugewinnen, als sein Leben wieder zerstört wurde – vielleicht, wenn er mehr Zeit und Frieden hätten, vielleicht könnte er dann wieder zu dem Jungen werden, der er einst war: weniger vertrauensvoll und unschuldig, ja, aber immer noch der gleiche.
Aber Remus Gedanken wanderten umher, wanderten weit weg zu jemanden, von dem er sich nicht so schnell wieder zurückziehen konnte, und die komplizierten Wege am Rand des Waldes forderten seine Aufmerksamkeit – man muss vorsichtig sein, denn ein falscher Schritt reicht aus, einen tief in den Wald zu versetzen.
Weit über ihm war der Himmel von einem blassen blau, das mit perlenden, finsterem grau gemischt war, das es unmöglich machte zu sagen, ob der Himmel wolkenlos war oder nicht.
Von da, wo Remus entlanglief, konnte er den Schein der Fackeln im Inneren erkennen, die dort warm glühten und durch die vorhanglosen Fenster strahlten.
Und das war Remus Lupins Heimat.
