Disclaimer: Immer noch nicht meins.

A./N. Nächsten Freitag wird es wohl kein Kapitel geben, wir machen nämlich eine nette kleine Klassenfahrt in das (hoffentlich) schöne Dresden, sodass ich Ende der Woche weder übersetzen noch onlinestellen kann. Ich bin mir sicher, ihr verkraftet das :-)
Ein Großes Danke an Nemea und Nyella!

Nyella: Ich nehme an, für Amerikaner ist Schottland und England einfach das Gleiche. Es gibt sogar welche, die in dem Glauben leben, alle Europäer würden europäisch sprechen...:-) (Auch wenn ich mir das bei unserer lieben Autorin, die über scheinbar ziemlich viel Wissen verfügt, nicht vorstellen kann...)

Nemea: Mal wieder ein Danke an unsere erste und treuste Reviewerin :-) Vielleicht kann er die Zukunft ja beeinflussen und alles kommt ganz anders. Auch wenn ich das irgendwie komisch fände.

Through the Door We Never Opened

Eine Geschichte über Freundschaft und Liebe

Verasilyn

Die Welt ist ein Spiegel, die jedem Menschen das Spiegelbild seines eigenen Gesichtes zeigt. Sie es finster an, und es wird auch dich sauer ansehen; lache es an und lache mit ihm, und es wird dein fröhlicher Begleiter sein; und so lass alle jungen Menschen ihre eigene Entscheidung treffen

- William Makepeace Thackeray, Vanity Fair

Life, believe, is not a dream,

So dark as sages say;

Oft a little morning rain,

Foretells a pleasant day.

Kapitel 4:

Ein bedrohliches Gewässer, das vielleicht doch gar nicht so bedrohlich ist

Die großen Tore von Hogwarts waren nicht verschlossen, gerade als ob das Jahrhunderte alte Gebäude ihn jede Minute erwartet hätte.

Remus schritt leise durch die Hallen, bemüht darum, kein Geräusch von sich zu geben und tat alles, um die Portraits vom Aufwachen abzuhalten. Er war sehr erfolgreich in seinen Bemühungen bis zu dem Punkt, an dem Peeves auftauchte und anfing herumzubrüllen ( er hatte noch nie etwas von diesem Geist gehalten). Mit einem kurzen Aufschrei wich er zurück und rannte mit weit aufgerissenen Augen zum Gryffindorturm.

Die Idee, dass er vielleicht erst versuchen sollte, sich daran zu erinnern, was für einen Spaziergang am Seeufer er da eben gemacht hatte, kam ihm nicht. Die Idee, dass er das Passwort für den Gryffindorgemeinschaftsraum nicht wusste, kam ihm auch nicht. Und auch die Idee, dass er vielleicht ein bisschen tiefer in den Schatten gehen sollte, da es offensichtlich irgendwie nicht normal war, dass er sich hier in den Korridoren, oder ganz allgemein in diesem Schloss aufhielt, kam ihm nicht.

Nein, er dachte überhaupt nicht viel.

Stattdessen befahl er sich zu rennen, schnell zu rennen, und seine ungeschickten jungen Beine bewegten sich unter ihm und trugen ihn hinauf zum Turm. Er hatte vergessen, wie ungraziös er als Junge gewesen war... die Jugend besteht aus vielen Niederschlägen und es war definitiv keine Wohltat, all diese Dinge noch einmal zu erleben. Aber das würde vorbeigehen, wenn er etwa fünfzehn war. Und das waren nur wenige Jahre, und was waren schon ein paar Jährchen des Stammelns, Stolperns und der Tollpatschigkeit mit Sirius und James?

Er kannte nichts, das dem Paradies näher käme als das.

Vor ihm erschien ein Portrait, das voll von Erinnerungen war – eine übergewichtige Frau in einem hübschen Abendkleid aus granatfarbener Cheviotwolle. Um den Hals trug sie perfekt passende weinrote Edelsteine und in der Hand hielt sie ein Glas mit roten Bordeuxwein, der ihre Kleidung sehr schön ergänzte. Ihr Gesicht war mollig, so dass das Fett fast herausgequetschte, wenn sie lächelte, und die Finger, die das Weinglas hielten, waren runde Säulen, die in den Gelenken versanken, und doch war sie auf eine seltsame Weise attraktiv, denn sie besaß eine energische Ausstrahlung.

Die Fette Dame. Sie drehte sich herzlich lachend um, ein Ausbund an Gesundheit und sah einen keuchenden kleinen Jungen, dessen Hautfarbe etwas rötlich vom rennen war und der mit den Armen wank, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, während er nach Luft schnappte. „Junge, warum bist du nicht auf dem Weg zur Bahnstation? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass du dich eingetragen hast, um über Ostern hierzubleiben. Oder hast du dich umentschieden und willst bleiben über-"

Remus blieb nicht lange genug um zu hören, was sie hatte sagen wollen. Er rannte los, schneller als es ihm eigentlich möglich war, und er wusste, dass die Wände hervorragend dazu geeignet sein würden, den Kopf dagegen zu schlagen, wenn er nur genug Zeit dazu gehabt hätte.

Und so rannte Remus die vielen Treppen von Hogwarts hinunter, die offene Tür hinaus, die plötzlich nicht mehr einladen wirkte, er schloss die Augen, senkte den Kopf und rannte, als gäbe es kein Morgen. Er lief immer schneller, der Wind peitschte gegen sein Gesicht, der harte Boden tat seinen Füßen weh, die harte Luft biss in seiner Kehle und seiner Lunge, und trotzdem lief er immer weiter.

Sein Verstand merkte in einer Stimme, die eines neutralen Erzählers klang, an, dass er zurück am See war, entlang des Ufers, und seine Geschwindigkeit war gefährlich ein einem Platz voll von solch widerspenstiger Energie, und diese

…Und dann stieß er gegen etwas.

Dieses Etwas ließ ihn ins Wasser fallen – in gefrierendes, eiskaltes Wasser, das auf seiner Haut stach und biss, so stark, dass er sich wünschte, auf der Stelle sterben zu können, um von diesem Schmerz und der Kälte erlöst zu werden. Mit dem Knie war er gegen etwas Schlammiges gestoßen, und obwohl es eigentlich hätte schmerzen sollen wie ein Wespenstich, fühlte er nichts als tiefe, gespenstige Taubheit aus der tiefen Kälte, denn das Wasser hatte seine Beine eingehüllt.

Das Wasser war schwarz, das wusste und fühlte er, obwohl seine Augen geschlossen waren – schwarz, aber nicht schmutzig und voll Dreck, sondern eine Farbe, die das Wasser ganz einfach hatte. Er sank in die Schwärze, und da waren keine Sterne, auf die er hätte zusteuern können, kein Licht, dass er hätte suchen können in dieser tiefen Dunkelheit, keine Wärme, die ihn tröstete, wenn die gesamte Welt nur noch aus gleichgültiger Kälte bestand.

So hatte es sich angefühlt in dem Moment, als er Sirius durch den Vorhang fallen sah. So hatte es sich angefühlt, als er die Morgenzeitung gesehen hatte und Sirius Gesicht ihn als das Gesicht eines Askabaninsassens ansah.

So fühlt es sich an, wenn die Welt um dich herum einstürzt.

Aber was war das, was da sein Bein packte und ihn aus dem Wasser zog, das den Tod bedeutete, so unangenehm und heikel die Situation auch war? Wem gehörte das Lächeln, das ihm Wärme bot, wenn alle andere Wärme vor dem Tod geflohen war?

Sirius.

Es war immer Sirius Black gewesen, und er war es immer noch.

Verdamm ihn dafür, dass er hier ist: er hätte distanziert sein können, rücksichtslos oder grausam, und das hätte ihm den Schmerz erspart, den es ihm bereiten würde, sie leben zu sehen, dann den Untergang ins Elend, und dann, wenn sein Leben endlich wieder zurückgewonnen wäre, seine Unschuld bewiesen, seine Freunde gefunden – dann würde er noch einmal sterben.

Aber Sirius Black wusste das nicht, und so lächelte er einfach entschuldigend, mit einem Hauch von Amüsement darin, und dann sagte er mit seiner jungenhaften Stimme, „ Tut mir furchtbar leid, ich hab nicht aufgepasst – hier, nimm meine Robe, in diesem See ist Wasser, das dich umbringen könnte, im wahrsten Sinne des Wortes, und nerv mich bitte nicht damit, das immer wieder zu wiederholen: Voll und ganz meine Schuld."

Und dann legte er seine schwarze, brandneue Robe ab, während er mit der anderen Hand Remus nasse und flüsternde Robe nahm und ihm mit der anderen seine eigene trockene und warme über die Schultern legte. Die Nasse warf er ins Gras. „Ich nehme an, du warst in Eile, also geh und pass auf dich auf! Da drüben ist übrigens eine Kutsche für dich," und er zeigte zur Biegung des Sees, von wo aus er gekommen war, „und ein Pferd, das dich für einen schnellen Ritt wahrscheinlich küssen würde."

Remus nickte, und seine Zähne klapperten, als er versuchte zu sprechen.

Wieder lächelte Sirius, "Gern geschehen." Und dann gab er Remus einen Ruck, während er einen Schritt zurück ging und auf und ab hüpfte, als könne er Remus Kälte damit für ihn verjagen. „Beeil dich, Rennen hilft gegen Kälte!"

Das wars, und Sirius Black kam mit ihm um sicherzustellen, dass er die Bahnstation erreichte – und um etwas frische Luft zu bekommen. Oben im leeren Schloss würde er eh nichts zu tun haben, dachte er.

Als Remus sich im Sitz der Kutsche niederließ und sich tiefer in die nachgiebigen Polster kuschelte, grübelte er darüber nach, ob seine gefrorenen Gedanken ihm seinen Willen lassen würden: Es war nicht richtig! Er hatte dort nicht in Sirius laufen dürfen, nicht jetzt! Es müsste nach Ostern sein, drei Uhr siebzehn, und er müsste sich eigentlich im Korridor im zweiten Stock zwischen dem Klassenzimmer für Zauberkunst und einem leeren befinden... es war nicht richtig...

Die Geschichte war neu geschrieben…

Aber all das belastete ihn nicht so, wie es ihn unter normalen Umständen belastet hätte, denn wer kann schon mit Sirius an der Seite an langweilige, störende Dinge wie Zeit denken? Außerdem war er nur eineinhalb Wochen zu früh... Eigentlich, wenn er genauer darüber nachdachte, war er noch nicht einmal das!

Denn Remus hatte seinen besten Freund zurück, und nichts anderes war von Bedeutung.

Remus hinkte im Zug in ein leeres Abteil, für diese Fahrt war er frei von Sorgen, und er lächelte die ganze Zeit, während er sein Buch las, das eigentlich deprimierend war – ich bezweifle, dass irgendjemand von uns lächeln würde, wenn er ganze Kapitel von Thomas Hardys „Tess von den d'Urbervilles" liest und dabei weiß, wie das Buch ausgeht, so wie Remus es tat.

Er lächelte immer noch, als er den Zug verließ und auf den Bahnsteig trat, zurück in einer Welt, die unglaublich ignorant war, was die Existenz von Werwölfen und ähnlichen Geschöpfen anging. Er hinkte weiter, obwohl sein Knie nach Aufmerksamkeit schrie und mit den Kräutern seiner Großmutter versorgt werden und von seiner Mutter sanft angepustet werden wollte.

Und da waren sie, seine ganze Familie, und alle wanken ihm zu und runzelten die Stirn, als sie sahen, dass er hinkte. Seine Mutter, eine Frau um die vierzig mit schönem weichen hellbraunen Haar, großen, stets sanften Augen mit kleinen Lachfältchen im Augenwinkel kam auf ihn zu, sie trug ein sommerliches Kleid und einen Hut, der die Farbe des Mondes hatte und sie streichelte ihm über das Haar, „Irgendwas nicht in Ordnung mit deinem Fuß, Schatz?"

Sein Körper war immer noch elf, und irgendwie war die Vorstellung, dass seine Mutter ihm in der Öffentlichkeit über das Haar strich, nicht beschämend... „Ich bin mit dem Knie gegen die Balustrade gestoßen –ist das nicht komisch?"

Sein Vater kam herüber und klopfte ihm auf die Schulter, "Unser kleiner Remus scheint ja für seine Verhältnisse Spaß zu haben." Sein Vater war einen halben Kopf größer als seine Mutter, sein Haar ein, vielleicht zwei Farbtöne dunkler als das ihre und seine Augen hatten die Farbe eines bedrückten Frühlingstages, er trug seine besten, grauen Klamotten, die perfekt zu seinen Augen passten. Er runzelte die Stirn in guter Laune und umarmte seinen Sohn.

„Willkommen zurück, Remus," sagte seine Mutter zu dem glücklichen Jungen, „meine Mutter wartet auf dich, sie hat ihre weißen Haare zu einem Dutt aufgesteckt und ihren Garten perfekt gepflegt, extra für dich."