Disclaimer: Ihr wisst schon.

Wie schönerweise immer richtet sich meine gesammelte Dankbarkeit an Nemea (ja, Dresden war wirklich unglaublich genial, wenn es nicht in Sachsen liegen würde wäre das meine neue Traumstadt...(dieser Akzent...))

Dieses Kapitel ist etwas länger als die bisherigen, und ich persönlich finde es toll...

Through the Door We Never Opened

Eine Geschichte über Freundschaft und Liebe

Verasilyn

Ein wirklicher Freund im Leben ist viel; zwei sind noch mehr; drei dagegen sind kaum möglich.

- Henry Adams

Erste Eindrücke sind die dauerhaftesten.

- Charles Dickens

Zukunft ist etwas, das jeder bei einer Geschwindigkeit von sechzig Minuten pro Stunde erreicht.

- C. A. Weizmann

Kapitel 5:

Leere Abteile

Der Junge mit dem sandbraunen Haar summte glücklich in seinem Abteil, ein schweres Buch in den Händen, doch er blickte aus dem Fenster – er war nicht in der Stimmung zum Lesen, obwohl es eigentlich ein Skandal für Remus Lupin war, in seiner Freizeit kein Buch zu lesen.

Es war sein zweites Jahr in Hogwarts – ein wunderschöner Ort, wenn auch ohne Freunde. Er war natürlich ein wenig unglücklich darüber, seine Eltern und vor allem seine Großmutter mütterlicherseits zu verlassen, die ihn so liebte mit ihrem wunderbaren Garten und ihren dutzenden französischen Welpen– alle Schüler, die aus einer friedlichen und liebenvollen Familie stammen sind (und das sollten sie auch) etwas unglücklich darüber, aber seine Familie war mehr als das: sie achteten gar nicht darauf, dass er ein Werwolf war! Genauer gesagt dachte sein Vater, es sei seine Schuld, wenn es wieder einmal zu offensichtlich war, dass dieser Fehler Remus ganzes Leben war... nein, er würde sich an einem so fröhlichen Tag keine weiteren Gedanken darüber machen.

Nun, es gibt ein sehr wichtiges Ereignis, über das wir sprechen müssen, bevor wir mit dieser Geschichte fortfahren – oh ja, etwas, das meine Leser unbedingt wissen müssen.

Um seine Erinnerungen aufzufrischen, hatte Remus nach seiner Ankunft in Frankreich versucht, sich ganz genau an das zu erinnern, was in den nächsten beiden Dekaden geschehen war – besonders aber die folgenden zehn Jahre, denn in diesen hatte er noch nicht viel aus seinem eigenen Willen heraus getan oder eigenen Entscheidungen getroffen.

Und so hatte er in seiner hübschen und leserlichen Schrift lange Passagen sorgfältig niedergeschrieben.

Er hatte jedoch feststellen müssen, dass seine Erinnerung an dieser Jahre seltsam undeutlich waren. Und jedes Mal, wenn er seine eigenen Worte wieder las, fand er Dinge, an die er sich nun ganz anders erinnerte. Immer wieder strich er Zeilen durch, schrieb neue Beschreibungen, schwärzte Worte und Sätze, die ärgerlicherweise zu ungenau waren, nur um alles noch einmal zu schreiben, was oft zu einer Arbeit von mehr als zwanzig Seiten ausartete.

Nicht besonders angenehm.

Außer sich warf er ganze Papierstapel ins Feuer, sodass er sich irgendwann gezwungen fühlte, zuzugeben, dass er weder noch wusste (falls er es denn je gewusst hatte) was der Junge, den er getroffen hatte, getan hatte, als man ihn bat, Geheimniswahrer zu werden, noch was Ratten ihm eigentlich getan hatten, dass sie ihn nun so anekelten.

Letzten Endes konnte er die eine Version nicht mehr von der anderen unterscheiden. Als er sein Spiegelbild ansah, konnte er sich nicht entscheiden, ob all das vielleicht nur ein Traum war, eine Illusion, ein herzzerreißender schmerzhafter Albtraum, den ihm der Teufel geschickt hatte, um ihn zu quälen.

Ja, es musste ein Albtraum sein: nur das und nicht mehr.

Aber nun zurück zu unserem summenden Remus, der in diesem Moment nicht von diesem Albtraum gequält wurde, sondern der wahnsinnig gut gelaunt war.

Er hatte seine Eltern gedrängt, ihn früh in die Schule zu schicken – er hatte geahnt, dass er zum letzten Mal spät dran war, obwohl das ganz sicher nicht wahr war – und so war er die einzige Person in diesem Abteil.

Doch das war nicht von Bedeutung, denn er saß immer allein, und er fühlte sich fröhlich und lächelte, wie Orpheus es getan hatte, als er seine Braut Eurydike an ihrem Hochzeitstag gesehen hatte, kurz bevor sie an diesem schicksalhaften Schlangenbiss starb. Auch als er hörte, wie sich die eisernen Türen im Zug öffneten und dann wieder schlossen war er fröhlich - mehrmals, und hastig.

Sein Lächeln verwandelte sich in ein überraschtes "Oh" (aber es war kein unangenehmes „Oh"), als die Tür seines Abteils (er saß im letzten des Zuges) in beinahe erschreckender Geschwindigkeit aufflog. Die Tür war schon fast wieder zugefallen, als jemand hinter der Tür sie wieder aufstieß und hereinkam. Auf seinem Gesicht spiegelte sich die selbe Überraschung wie auf Remus.

Und dann lächelte der Junge.

„Hey, kann ich mich hier hinsetzen? Du hast nichts gegen meine Gesellschaft, oder? Überall sonst ist es so leer."

Ah! Ja, das war in der Tat eine wirklich gute Ausrede!

Wer würde schon nein sagen, wenn er den Mut dazu hätte, allein zu sitzen, ganz ohne Gesellschaft, selbst wenn überall Fremde waren? Wer würde schon sagen, dass er lieber einen Tag in Einsamkeit verbringen würde, mit nichts als der eigenen Stimme, um die erstickende Stille zu durchbrechen? Wer würde unter vier Augen, und ohne zu lügen, schon sagen, dass es am besten wäre, wenn niemand hereinkäme? Wer würde sagen, dass darauf zu hoffen, dass jemand die Tür öffnen und lächeln würde, eine Besorgnis erregende Sache sei?

Aber jetzt mal ehrlich, meine lieben Leser: Stellt euch vor, ihr seid in einem neuen Klassenzimmer, in einer neuen Schule, in einer neuen Nachbarschaft, oder vielleicht auch nur auf einer Party, auf der ihr das Unglück habt, niemanden von den lachenden Tänzern zu kennen. Seid ihr irgendwann in eurem Leben schon mal mit einem einfachen Lächeln im Gesicht auf die Leute dort zugegangen und habt sie in einem lässigem Tonfall gefragt „Hey, ihr habt nichts gegen meine Gesellschaft, oder?" Und habt ihr dabei auch noch das Gefühl gehabt, so natürlich und unschuldig wie Sirius zu sein?

Zu unser aller Ermutigung kann ich sagen, dass ich nicht annehme, dass viele von uns so vertrauenswürdig und offen sind.

Und wer ist es, der sagt, dass dies ein furchtbarer Fluch für die Menschheit ist? Und wofür sind wir so persönlich und zugänglich, wenn wir dann aus einem perversen Zufall heraus nicht jemanden wie Remus Lupin mit seinem Buch in den Händen, sondern jemanden wie den spöttischen Lucius Malfoy treffen würden, der uns verspotten und verjagen würde?

(Aber wenn wir so darüber nachdenken, war Lucius eigentlich ziemlich vertraulich und offen mit seinen Gefühlen, oder?)

Sirius Black jedoch hatte das wunderbare Schicksal, in Remus hineinzulaufen und nicht in Lucius Malfoy – ein Glück, das nicht alle von uns haben.

"Ähm, sicher… hier sitzt niemand." Als der Junge sich schwungvoll auf einem Sitz niederließ, fragte Remus sich, ob er ihn kannte. Er kam ihm so furchtbar bekannt vor...

"Sag mal, bist du nicht der Junge, den ich versehentlich in den See befördert habe? Wie gehts deinem Fuß? Er schien beim letzten Mal, als ich dich gesehen habe, nicht in allzu gutem Zustand zu sein."

Ich muss lernen, gewisse Dinge so einfach und beiläufig zu sagen, als würde ich über das Wetter sprechen, dachte Remus. „Mir geht's gut, danke. Naja, ich habe eine Zeit lang gehinkt, und das ist, na ja, aber," er holte tief Luft, „Ja, mir geht's gut." Und in diesem Moment entschied Remus, dass es keine gute Idee war, frei zu sprechen ohne vorher zu üben.

"Tut mir immer noch furchtbar leid, weißt du. Ich hab nicht wirklich erwartet, dass irgendjemand dort sein würde. Also, hattest du einen netten Sommer?"

Remus wollte gerade anfangen, ihm etwas über seine Eltern zu erzählen, die Welpen seiner Großmutter, mit denen er herumgetollt war, über seinen Vater, der ihn zu überreden versuchte, auf einen alten Besen zu steigen (die Vorstellung, sein Schicksal einem einfachen Holzstück, ganz gleich wie magisch es war, zu überlassen, gefiel ihm nicht, und abgesehen davon zog der Wolf es vor, beide Beine fest auf dem Boden zu haben) und noch viele andere Dinge, aber irgendetwas tief in ihm hielt ihn davon ab – er sollte sich bemühen, wenigstens einmal normal zu sein und nicht mehr zu tun, als vergnügt zu nicken.

Und genau das tat er dann. Er nickte und danke dem Jungen höflich zu.

Und wieder sah er aus dem Fenster und fühlte sich irgendwie schuldig, weil er beinahe etwas über seine Familie geschwafelt hätte. Was natürlich lächerlich gewesen wäre.

"Sirius."

Er drehte den Kopf und starrten den Jungen an. "Wie bitte?"

Der Junge grinste. "So heiße ich – Sirius Black. Sirius, der Hundstern. Nicht das englisch serious für ernst oder series für Folge." Er verzog das Gesicht, „Du hast ja keine Ahnung, was für furchtbare Dinge Ausländer aus einem so wunderbaren Namen wie Sirius machen können!"

Offenbar war er nicht beleidigt, und das war schon mal gut.

Sirius grinste so gut gelaunt, so vergnügt, dass Remus nicht anders konnte als auch zu lächeln, „Remus Lupin. Das ist Remus wie in Romulus und Remus von Rom, und Lupin wie in, na ja, Wolf." Er hatte absolut keine Ahnung, woher dieser Name stammen konnte. Ja, natürlich, sag jedem Menschen, den du triffst, dass dein Nachname Wolf bedeutet, wenn du ausgerechnet ein Werwolf bist.

"Das ist französisch, oder? Cooler Name auf jeden Fall."

Remus war sich nicht sicher, ob er da Sarkasmus oder aufrichtiges Interesse hörte, aber das Lächeln auf Sirius Gesicht sagte ihm, dass er es wirklich so meinte, wie er es gesagt hatte. Sehr oft sind es Kinder, deren Gefühle wahr und real sind. „Naja, abgesehen davon, dass Remus in dem Streit um Rom von seinem eigenen Bruder getötet wurde."

Sirius hätte entschuldigend lächeln sollen; er hätte ein peinliches "oh" von sich geben sollen; er hätte die Stirn runzeln sollen und ihm sagen sollen, wie grausam Romulus war.

Aber nein. Er lachte.

Und irgendwie war Remus auf seltsame Weise darauf vorbereitet gewesen – nicht auf das Lächeln, nicht auf das Stirnrunzeln oder sonst etwas, sondern auf ein bellendes Lachen, von dem Remus sich sicher war, dass er es kannte... vielleicht war es letztes Jahr gewesen, als Sirius trotz der Tatsache, dass er erst elf Jahre alt war, einer der beliebtesten Jungen der Schule war.

Als diese Welle der Vertrautheit etwas abebbte, fing er Sirius Blick auf – dieser Farbton, irgendwo zwischen grau und teegrün. Diese Flut der Emotionen. Da war etwas, das Remus erschaudern lassen wollte. Er wollte dem Jungen ins Gesicht schlagen, das Fenster einhauen, um seine Hände zu entstellen, und am allermeisten wollte er sich unter den Sitz fallen lassen und weinen. Bis er sich abwandte und sein eigenes Spiegelbild und somit auch seine eigenen Augen anblickte, wusste er nicht, was diese Sache in Sirius Augen bedeutete.

Dann jedoch wurde ihm klar, was der springende Punkt war. Sirius erinnerte sich nicht.

Sirius erinnerte sich nicht an all die Male, die sie gemeinsam gelacht haben. Das allein war erträglich. Aber Sirius erinnerte sich auch nicht an all die Male, die sie gemeinsam geweint hatten, die sie sich getröstet hatten, die sie die Hand ausgestreckt hatten, um einander zu helfen. Er erinnerte sich nicht an Verrate und auch nicht an die Erleichterung in dem Moment, in dem er herausfand, dass es eigentlich gar kein Verrat gewesen war, sondern nur ein Missverständnis. All das bedeutete für Remus die Welt. Wenn nicht sogar noch mehr.

Diese Erkenntnis tat ihm mehr weh als das Wasser des Sees es getan hatte.

Und Remus wusste noch nicht einmal warum, und vielleicht war es das, was am aller unerträglichsten von allem war! Sie hatten sich einmal getroffen und dann wieder hier, also wo kamen all diese Erinnerungen her? Aber sobald er wieder Sirius Lächeln sah, schmolz all das dahin und er bemerkte, wie sich seine Lippen zusammenzogen, ohne dass er etwas dagegen hätte tun können.

Hier hatte Remus Lupin Sirius Black getroffen, und wenig später begegnete er schließlich James Potter (sein Haar war nicht so durcheinander wie normal, das war alles, was Remus liebevoll und gleichzeitig verängstigt feststellte)

Was Peter Pettigrew angeht, so glaube ich nicht, dass irgendjemand seine Geschichte hören will (im Grunde ist es sowieso Remus Geschichte). Man bedenke, dass er ein Verräter war und untreu gegenüber ehrenvollen Menschen. Auch wenn ich nicht glaube, dass er tatsächlich diese Art der Erinnerung an ihn verdient. Das folgende ist seinem Charakter zuzuschreiben und der Meinung einer bescheidenen und unerfahrenen Autorin.

Ich würde sagen, ja, ich hasse Pettigrew, und das zu sagen ist furchtbar erleichternd (es ist niemals gut, jemanden zu hassen, aber ach, wir sind fehlerhafte Kreaturen, wir Menschen, also was solls. Was ist schon Liebe, wenn es keinen Hass gibt?) Trotzdem kann ich nicht verleugnen, dass ich ihn bedaure – ja, ich bemitleide diesen treulosen Verräter, wie wir wohl auch alle Smeagol bedauern.

Warum?

Ganz einfach, weil jeder ein Recht auf Leben hat.

Ich könnte über Gut und Schlecht urteilen, wenn die Welt einfach in schwarz und weiß unterteilt wären. So aber ist es viel zu leicht eine Prüfung, einfach eine Tätigkeit eben, denn gut und schlecht liegen stets nah beisammen, immer nur festgelegt bis zu einem bestimmten Grad. Wir selbst sagen uns immer wieder, dass es verschieden schwarze Abstufungen und verschiedene weiße Abstufungen gibt, aber in Wirklichkeit ist da nichts als jede Abstufung des Graus.

Und so will ich es dabei belassen zu sagen, dass Peter feige ist.

Wenn du die Wahl hättest zwischen deinem Leben und dem deiner Freunde, was würdest du wählen? Gib nicht zu schnell die schockierte Antwort „Meine Freunde natürlich!" Denke darüber nach, denn wir wissen es niemals wirklich.

Das ist es, was ich an Sirius bewundere – er sagte, er würde für seine Freunde sterben – er hat es gesagt, und genau das hat er auch getan.

Was Peter betrifft… naja, er war im Grunde nur ein Aspekt einer Person – er war nicht vollständig. Er war immer nur das Symbol für Verrat und Untreue, Feigheit und Veruntreuung – natürlich verachten wir das.

Vielleicht fragst du dich, ob da zumindest am Anfang etwas Gutes in ihm war? Gibt es jetzt noch etwas Gutes an ihm? Wäre er dann nicht eher zuhause geblieben und hätte Tee getrunken mit seinen Freunden, die er betrogen hatte? Hätte er das nicht lieber getan, als hinauszugehen und ein Teil dieses gigantischen Krieges zu sein? Hätte er dann nicht Friede und Ruhe dieser Macht vorgezogen?

Man kann über nichts urteilen, wann man nur einen Aspekt kennt. Sowenig, wie du die Welt durch einen gebrochenen Spiegel sehen kannst.

Wir haben nicht das Recht zu entscheiden, wer eine zweite Chance bekommt und wer nicht – und sei dankbar dafür, denn diese Chance könnte so viel in dieser Welt verändern.