Kapitel 2 Die Überwindung und der Schmerz Jfr

Es war ein paar Stunden vor Sonnenaufgang als Legolas und Celebnîn vor ihr Haus kamen. Celebnîn betrachtete das leere Gebäude und auf einmal kam es ihr nicht mehr so einladend wie früher vor.

Legolas sprang von seinem Hengst und hielt ihr die Hand hin um ihr von ihrer Stute zu helfen. Aber sie wollte seine Hand nicht nehmen, sie wollte jetzt nicht alleine in dem dunklen Haus sein. „Legolas, ich will dort jetzt nicht hinein."

Legolas sah verwundert zu dem Haus. Wieso wollte sie plötzlich nicht hinein? Sie war doch sonst immer ohne Sorgen durch die Tür des Gebäudes geschritten.

„Wo möchtest du denn hin?" Sie zögerte. „Kann ich mit zu dir kommen?" Das überraschte ihn sehr, noch nie wollte sie die Nacht bei ihm verbringen, noch nicht mal die letzten paar Stunden.

Als hätte sie seine Gedanken gelesen folgte ihre Antwort. „Du weißt, dass ich für diesen großen Schritt nicht bereit bin, an den du denkst, schon gar nicht bevor wir wirklich den Bund eingegangen sind. Ich will heute Nacht nur nicht alleine sein." Er lächelte, was hatte er auch anderes erwartet? „Ich freue mich, wenn du mit mir kommst. Und du weißt, ich würde dich nie zu etwas zwingen was du nicht wolltest." Sie nickte dankbar.

Legolas öffnete Celebnîn die Tür und ließ sie in sein Zimmer eintreten. Verunsichert ging sie auf den kleinen Balkon und sah in die Nacht heraus. Er ging zu ihr und nahm ihre Hand. „Du kannst dich ruhig auf das Bett setzen, ich werde dir nichts tun." Er sah wie sie zu dem Bett hinüberblickte und kurz erschauderte. „Nein, das ist es nicht... ich will dir endlich zeigen was geschehen ist, aber dazu muss ich erst all meine Kraft sammeln."

Das hatte er nicht erwartet. Sie wollte es ihm zeigen? Meinte sie nicht sagen? Wie könnte sie es ihm zeigen? Und wieso so plötzlich?

Celebnîn atmete ein paar Mal tief ein und aus. Sie nahm Legolas´ Hand und führte ihn zu seinem Bett. Sie setzten sich nieder und sie begann ihn auf die Erfahrung vorzubereiten.

„Du musst dich ganz entspannen. Ich werde dir zeigen was passiert ist, ich leite meine Gedanken zu dir. Du musst die Augen geschlossen halten und darfst, egal was du siehst, die Verbindung nicht unterbrechen. Es wird einfacher gehen wenn du meine Hand hälst." Er sah sie verwundert an, nickte aber. Sie zögerte kurz. „Bist du dir sicher, dass du das sehen willst, Legolas? Wenn wir einmal angefangen haben gibt es kein Zurück." Wieder konnte sie Besorgnis in seinen Augen sehen. „Ja, bitte zeige es mir." Sie seufzte. Sie hatte gehofft er würde es nicht sehen wollen, oder sie für verrückt erklären, aber er wollte es sehen und sie hatte entschieden es ihm zu zeigen.

Sie lehnten sich beide an die Wand und Legolas nahm ihre Hand.

Celebnîn hatte Angst alles noch einmal zu erleben, aber irgendwann musste sie es ihm sagen. Die eher unwichtigen Ereignisse würden sie nur bruchstückhaft sehen, aber dann würde er alles sehen. Legolas schloss die Augen und Celebnîn machte es ihm nach nochmaligem tiefem Durchatmen gleich.

Konzentriere dich, denk an alles zurück und vergiss nicht das kleinste Detail, sonst funktioniert es nicht, du weißt das...´

Legolas schloss die Augen, er konzentrierte sich auf Celebnîn, wie sie es sagte. Er wollte wissen was geschehen war, er musste es wissen.

Nach einer Weile begannen vor seinem inneren Auge Farben zu entstehen. Sie formten sich zu einen kleinen Ball, der zuerst rotierte und dann plötzlich explodierte.

Jetzt sah er Celebnîn und Arod auf ihren Pferden. Sie schienen an einer Wegkreuzung zu sein. Celebnîn sagte etwas und deutete nach links, aber Arod ritt nach rechts. Dann waren sie auf einmal im Schloss von Calentawar. Celebnîn schien wütend aber Arod lächelte nur bösartig.

Celebnîn ging auf ihr Zimmer und setzte sich auf ihr Bett, sie schien traurig und enttäuscht.

Bis jetzt hatte er alles nur Bruchstückhaft gesehen, aber dann wurde alles klarer und er hörte Celebnîn sogar sprechen. Ab jetzt war es so als würde er direkt dabei stehen.

Die Tür ging auf und Celebnîn sah verwundert auf. Arod trat herein und verschloss die Tür hinter sich. „Was wollt Ihr hier?" „Ich wollte dir sagen, dass wir morgen nach Bruchtal reiten." Celebnîn schien etwas nervös. „Warum habt Ihr mich hier her gebracht?" Arod grinste sie an. „Ist das nicht offensichtlich?" „Wie bitte?" „AnÍron cen.(1)"

Celebnîn wich erschrocken zurück. „Was sagt Ihr da?" „Du hast es schon verstanden." Arod kam näher. Celebnîn wich verängstigt immer weiter zurück. „Wieso denn so schüchtern?" „Was wollt Ihr von mir?"

Arods Augen funkelten. „Ich will dich!" Jetzt stand er vor ihr.

Einen Moment sahen sie sich an, dann sprang Celebnîn auf und lief zur Tür. Sie wollte sie öffnen, aber die Tür ließ sich nicht öffnen. Arod stand auf und ging langsam zu ihr. „Wieso wehrst du dich?" Celebnîn presste sich verzweifelt an die Tür.

Sie sah zum Fenster hinüber, schien einen Ausweg zu suchen, aber es gab keinen. „Ihr seid nicht bei Sinnen!" Arod grinste nur bösartig. „Du täuscht dich, ich bin bei klarem Verstand." „Wieso tut Ihr das dann? Ihr macht mir Angst!" Arod blieb knapp vor Celebnîn stehen. „Wirklich? Ich mache dir Angst? Aber du willst das doch!" Celebnîn schien jetzt leicht zu zittern. „Lasst mich gehen, bitte..." „Wieso sollte ich? Damit du zu Legolas laufen und dich bei ihm verstecken kannst!"

Arod strich mit seiner Hand über ihre Wange, Celebnîn verschloss verzweifelt die Augen. „Bitte nicht..." Doch Arod erhörte ihr flehen nicht.

Langsam begann er ihren Hals zu küssen. Celebnîn stand wie versteinert da. Dann strich Arod ihr über ihre Schultern hinunter und über ihr Dekollete. Das war Celebnîn zuviel, mit aller Kraft stieß sie ihn von sich. „Lasst mich in Ruhe!"

Jetzt war auch Arod wütend. Er packte sie und zerrte sie zum Bett. „Wenn du dich wehrst machst du alles nur noch schlimmer!" Celebnîn wehrte sich, aber Arod hatte mehr Kraft. Er warf sie auf das große Bett und stürzte sich auf sie.

Dann wurde es schwarz, vor Legolas´ Augen, aber er wusste was passiert war, er wusste, dass Arod Celebnîn vergewaltigt hatte. Legolas bebte vor Wut und Entsetzen, er wünschte, er wäre Celebnîn schon früher gefolgt, doch jetzt war es zu spät.

Nach einer Weile wich das Schwarz wieder dem Bild und er sah wie Celebnîn sich zitternd und schluchzend zusammengekauert hatte. Arod setzte sich noch einmal zu ihr aufs Bett und strich ihr über ihre Wange. Sie zuckte bei dieser Berührung zusammen. „Das bleibt unter uns, Melamin(2). Sonst muss ich dir leider etwas antun, verstehst du? Kein Wort, zu niemanden, besonders nicht zu Legolas."

Er küsste sie auf die Stirn und verließ das Zimmer. Celebnîn blieb weinend zurück.

(1) AnÍron cen – Ich begehre dich

(2) Melamin – Geliebte