Kapitel 5

Schicksalhafte Begegnungen

Celebnîn öffnete die Augen. Sie lag in ihrem Bett, alles um sie herum war etwas verschwommen. Legolas hatte sie zurück in den Palast gebracht und ihr verboten, das Bett zu verlassen.

„Ich werde es merken, wenn du auch nur einen Fuß aus dem Bett setzt".

Sie lächelte, er kümmerte sich so fürsorglich um sie.

Aber jetzt wollte sie endlich aufstehen. Durch das ständige Herumliegen wurde ihre Müdigkeit nur noch größer. Sie stand auf und ging in das kleine Bad, das gleich an ihr Zimmer angrenzte. Dort war bereits ein Bad für sie eingelassen. Die fast unsichtbaren Dienstmädchen schienen Gedanken lesen zu können.

Vor Glück seufzend stieg Celebnîn in die Wanne und ließ ihren Körper von der angenehmen Wärme durchfluten.

Sie wollte jetzt an nichts denken, besonders nicht an die schrecklichen Ereignisse, die ihr widerfahren waren. Nein, sie wollte sich einfach nur entspannen und die Ruhe um sie herum genießen. Doch lange blieb ihr dafür nicht Zeit. Gerade als sich all ihre Muskeln endlich richtig entspannt hatten, klopfte jemand an ihrer Tür.

Fluchend stieg sie aus dem angenehmen Nass und zog sich einen blauen, seidenen Bademantel um, der neben der Wanne auf einem Stuhl lag, dann öffnete sie die Tür.

Legolas begrüßte Celebnîn mit einem strahlenden Lächeln, er hatte es kaum erwarten können sie zu sehen. Eigentlich wollte er die Nacht an ihrem Bett wachen, doch sie meinte, sie könne jetzt schon gut ohne Wächter auskommen und warf ihn vor die Tür.

Celebnîn schien allerdings nicht so erfreut zu sein ihn zu sehen. Er hatte sie anscheinend bei ihrem Bad gestört, denn sie trug einen Bademantel und ihr Haar war tropfnass.

„Entschuldige, habe ich dich gestört?" „Ist schon gut, komm herein."

Er trat in ihr Zimmer und wartete, bis sie die Tür geschlossen hatte und auf ihn zukam. „Ich wollte dich fragen, ob du vielleicht einen Spaziergang mit mir machen möchtest, Celebnîn."

Sie lächelte ihn an. „Du musst mich nicht mehr aus dem Haus locken, ich gehe jetzt auch schon freiwillig."

Legolas war etwas entrüstet, wollte sie nicht mit ihm fort?

„Aber wenn du mir Zeit lässt, mich anzuziehen, können wir gehen." Und schon ging für ihn die Sonne auf. „Gerne." Er ging vor die Tür und wartete auf sie.

Celebnîn zog sich ein rotes, samtenes Kleid über, das sie mit einem dunkelroten Band an der Taille enger zog. Danach trocknete sie schnell ihre Haare ein bisschen ab und kämmte sie.

Legolas war wirklich ihr Schutzengel, sie wusste nicht was sie ohne ihn tun sollte. Sie war so dankbar, ihn zu haben.

Es war so warm und schön. Der ganze Wald strahlte Ruhe und Frieden aus und Celebnîn fühlte sich zum ersten Mal seit langem wieder so richtig wohl. Sie strahlte vor Freude und wollte am liebsten loslaufen, aber Legolas hielt sie zurück.

„Du willst dich doch nicht gleich überanstrengen, oder?"

Schmollend blieb sie neben ihm. „Willst du mir nicht etwas Spaß gönnen?"

Er lächelte und nahm zur Sicherheit ihre Hand, sodass sie keine Chance hatte, übermütig zu werden. „Natürlich, aber du brauchst noch Ruhe."

Ich bin doch keine Porzellanpuppe!´

Ihr fielen zehn Argumente auf einmal ein, aber er würde ja doch nicht nachgeben, also ließ sie es bleiben. Es würde wohl ein ruhiger, langsamer und langweiliger Spaziergang werden.

Legolas bemerkte, dass Celebnîn schmollte und musste lächeln. Er kannte diese übermütige Seite an ihr gar nicht. Er hatte sie bis jetzt nur ruhig und eher schüchtern gesehen.

Und es war wie Celebnîn vorrausgesagt hatte ein langweiliger Spaziergang. Legolas erlaubte ihr nicht einmal auf ein paar Felsen zu klettern, dabei wollte sie sich nur daraufstellen und den leichten Wind spüren, nicht mehr.

Sie kamen zu dem kleinen See, der nicht weit vor dem Schloss lag. Jetzt war es ihr aber zu viel. Sie musste sich bewegen, sie hatte zu viel im Bett gelegen und ihre Muskeln würden verkümmern, wenn Legolas sie weiter so vorsichtig behandelte.

Wenn es nach ihm ginge, dürfte ich wohl nicht einmal mehr eine kleine Runde um das Schloss reiten!´

Also musste sie ihm zeigen, dass sie nicht aus Zucker bestand.

Legolas breitete eine große, rote Decke vor dem See aus, während Celebnîn ihn mit einem skeptischen Blick bedachte. So wie es schien, wollte er sich mit ihr zusammenkuscheln und die Sonne genießen, doch sie schien nicht ganz einverstanden damit zu sein. Sie nahm die Wasserbeutel, den er mitgenommen hatte, machte einen Schluck und ging damit zum See, um ihn neu aufzufüllen. Legolas seufzte, er wollte doch nur ihr Bestes. Sie brauchte noch Ruhe.

Als Legolas sich gerade hingelegt hatte, kam Celebnîn zurück und stellte sich direkt über ihn, sodass sie ihm die Sonne nahm. Er sah sie verwundert an, irgendetwas stimmte nicht, dieses schelmische Lächeln, dass sie auf den Lippen hatte, gefiel ihm ganz und gar nicht. Dann nahm sie den Beutel hinter ihrem Rücken hervor, öffnete ihn und hielt ihn direkt über Legolas.

„Das wagst du nicht!" Sie lachte. „Glaubst du ich habe Angst vor dir?" Und schon goss sie eine eiskalte Ladung Wasser über seinen Kopf.

„Na warte!" Schreiend aber lachend lief sie davon und Legolas hinter ihr her.

Er jagte sie um den ganzen See, doch sie war leichte Beute. Bald hatte er sie eingeholt und war nur einen halben Meter hinter ihr. Dann machte er einen Sprung und sie landeten beide im weichen Gras. Sie lag unter ihm und konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen.

„Du wirst dich entschuldigen!" Aber er klang wohl nicht sehr ernst, denn auch er musste lachen. „Niemals!" Und sie packte ihn und drehte sich, sodass er jetzt unter ihr lag.

„Du wirst mich nicht mehr wie eine Porzellanpuppe behandeln, Legolas!" Er konnte nicht aufhören zu lachen. „Versprich es!" Doch er dachte gar nicht daran.

„Versprich es, oder du bekommst noch eine kalte Dusche!" Drohend hielt sie den Beutel über ihn. „Ok, ok, ich verspreche es."

Triumphierend stand sie auf und blickte auf ihn herab. „Ein Versprechen muss man auch halten." Sie wollte gerade gehen, als er ihren Knöchel packte und sie zu Boden zog. „Hey!" Doch wütend klang sie nicht, ihr glockenhelles Lachen zeigte, dass sie vergnügt war. Er zog sie zu sich und hielt sie fest. So viel sie auch zappelte, sie konnte sich nicht aus seinen starken Armen befreien und gab nach einigen Minuten auf.

Er sah ihr in die Augen. Sie schien ein wenig erschöpft, lächelte aber. „Du weißt, ich will nur dein Bestes." „Ich weiß." Er küsste sie. Ihr warmer Körper lag in seinen Armen und mit ihrer Hand streichelte sie durch sein feuchtes Haar.

Sie lagen noch eine ganze Weile so auf dieser Wiese. Celebnîn war glücklich, sie hatte bekommen was sie wollte und auch Legolas war nicht leer ausgegangen, schließlich kuschelten sie sich doch noch aneinander und genossen die Sonne und die Ruhe.

Langsam ging die Sonne unter und es wurde etwas kühler. Legolas nahm die rote Decke und legte sie um Celebnîns Schultern. Sie kuschelte sich ganz dicht an ihn und legte die Decke auch um seine Schulter, sodass sie beide nicht frieren mussten.

Doch sehr lange währte dieser friedliche Moment dann leider doch nicht, denn bald kam ein Diener des Schlosses und bat Legolas mitzukommen.

Legolas löste sich nur ungern von Celebnîn. „Warte auf mich, es dauert bestimmt nicht lange." Sie nickte und blieb am Ufer des Sees, während er ins Schloss ging.

Legolas war etwas verärgert, dass er gerade jetzt ins Schloss gerufen werden musste und ging so schnell voran, dass der junge Diener laufen musste, um mit ihm mitzuhalten. Er bat Legolas in die große Halle und verschwand dann gleich wieder.

Legolas trat in die Halle, er fragte sich was wohl so wichtig war, dass er so gestört werden musste. An einem Fenster stand ein Mann. Er hatte ihm den Rücken zugekehrt. Zuerst dachte Legolas an Elrond, da der Unbekannte ebenfalls dunkles Haar hatte, doch dann musste er feststellen, dass er sich getäuscht hatte. Der Mann drehte sich zu ihm um und Legolas erkannte eine Person, die er bei weitem nicht erwartet hatte.

„Arod!" Arod grinste ihn an. „Was hast du hier verloren? Wie kannst du es wagen, hier her zu kommen!" Arod sah ihn ein wenig überrascht an.

„Aber Legolas, wieso denn so feindselig?" „Das solltest du selbst wissen!" Legolas hatte seine Wut kaum noch unter Kontrolle. Arod sah ihn nachdenklich an.

„Also hat sie es dir erzählt..." „Darauf kannst du Gift nehmen, und wir wären alle froh, wenn du das auch tun würdest!" Arod schritt provozierend um Legolas herum. „Aber, aber, du solltest deine Wut im Zaum halten, mein Freund." „Freund! Ich bin nicht dein Freund und ich bereue, dass ich es einmal war! Sag schon, wieso bist du hier!"

Arods Grinsen wurde immer breiter. „Ich will holen was mir gehört." „Ach, und was wäre das!" Legolas konnte ihn nur noch anschreien, in seiner Gegenwart war er nicht mehr fähig, normal zu sprechen. „Celebnîn." Legolas blieb die Luft weg. „Sie ist etwas Besonderes, ich bekomme sie nicht mehr aus meinem Kopf."

Jetzt war es Legolas zu viel. Er zog sein Schwert und hielt es Arod an die Kehle. „Wag es nicht noch einmal ihren Namen in deinen dreckigen Mund zu nehmen! Und wag es nicht noch einmal in den Düsterwald zu kommen! Du hast eine Stunde, um aus dem Reich meines Vaters zu verschwinden, danach erhalten die Wachen den Befehl dich zu töten!" Er ließ von Arod ab. Dieser schien allerdings nicht sehr beeindruckt.

„Wenn du mir nicht geben willst was mir zusteht wird es wohl zum Krieg zwischen Calentawar und dem Düsterwald kommen." Und damit verließ er die Halle.

Legolas atmete tief durch. Beinahe wäre er soweit gegangen, Arod die Kehle aufzuschlitzen.

Celebnîn begann sich Sorgen zu machen. Was war denn so dringend? Waren es schlechte Nachrichten aus Gondor? War schon wieder ein Krieg ausgebrochen?

Du übertreibst mal wieder, er hat Pflichten, die er erfüllen muss, da ist nicht gleich ein Krieg ausgebrochen.´ Ihre innere Stimme hatte Recht, sie übertrieb.

„Celebnîn." Sie erstarrte, diese Stimme... Langsam und leicht zitternd stand sie auf und wandte sich um. Direkt vor ihr stand Arod! Sie wollte zurückweichen, wollte weglaufen, doch er hielt sie am Arm fest. Sie konnte vor Angst kaum atmen.

„Ich bin enttäuscht von dir, ich hatte dir doch verboten mit Legolas darüber zu sprechen." Celebnîns leise Stimme bebte. „Ich... ich habe nicht..."

„Ist schon gut, du kannst es bald wieder gut machen. Bald werden wir wieder zusammen sein." Er küsste sie einmal kurz und ging.

Celebnîn begannen Tränen über die Wangen zu laufen. Ihre Knie gaben nach und sie fiel zu Boden. Schluchzend stützte sie sich ab und versuchte sich wenigstens im Sitzen aufrecht zu halten. Ihr Körper verlor all seine Kraft und ihre Lunge schnürrte sich zu.

„Celebnîn!" Legolas sah Celebnîn zitternd und weinend im Gras sitzen und lief sofort zu ihr. Er nahm sie in die Arme und stützte sie.

„Celebnîn, im sí...(1)" „Er war hier..." „Ich weiß, aber jetzt ist er fort und ich bin bei dir." Immer weiter schluchzend benetzte sein Hemd mit Tränen.

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Celebnîn, im sí... – Celebnîn, ich bin hier...

Nachwort: Wer den Titel kennt wird merken, dass ich mir den von Amanchams FF ausgeliehen habe:)